Korsika (In den Händen des Mistral)

Da Solenzara keine Sehenswürdigkeiten bietet, fahren wir am nächsten Morgen gleich früh los. Der Wind steht gut und wir setzen Segel. Kaum waren die Segel oben, huscht eine Hand voll Delphine am Boot vorbei. Doch leider haben wir nicht genügend Fahrt, um sie bei Laune zu halten. Schnell schwimmen sie weiter. Und kurz darauf dreht der Wind und wir müssen mit Motor weiter fahren. Mittags ankern wir in der Bucht von Fautea. Dort steht wieder einer von den vielen Türmen, welche die gesamte Insel zieren. Sie dienten als Wachtürme, um rechtzeitig fremde Schiffe zu erkennen. Ähnlich wie bei „Herr der Ringe“ wurde im Gefahrenfall auf einem Turm Feuer entzündet, der Nächste sah es, entzündete wiederum sein Feuer, bis die gesamte Insel gewarnt war, dass sich Feinde nähern.

Am Nachmittag verlassen wir die Bucht und setzen wieder Segel. Auch diesmal dreht der Wind schnell bis wir regelrecht Gegenwind haben. Weiter geht die Fahrt mit Motor. Unser Tagesziel lautet Porto Vecchio. Wir versuchen mehrere Optionen beim Ankern abzuwägen, bis wir in den Hafen fahren, sodass es erst 20 Uhr ist, als wir endlich ankommen. Es ist sehr kühl am Abend und kurz nach dem Essen verkriechen wir uns, weil es so kalt ist.

Das Stadtzentrum von Porto Vecchio
Das Stadtzentrum von Porto Vecchio

Als wir am nächsten Morgen frühstücken, erfahren wir, dass das Boot bis 12 Uhr abgelegt haben muss, da wir sonst die Hafengebühr für den nächsten Tag löhnen müssen. Also gilt es schnell die Altstadt von Porto Vecchio zu erkunden. Es ist noch warm, aber schon durchgehend wolkig. Bis auf die unmöglich beklebte Kirche gefällt uns der Ort sehr gut. Kurz vor 12 sind wir am Boot, machen alles startklar und legen los. Wir nutzen den Wind, der vom Land kommt. So kommen wir mit vielen Wendemanövern gut voran, werden aber immer wieder von Böen überrascht – einmal schwappt eine Welle übers Deck und ich werde klatschnass. Mittlerweile hat der Wetterdienst Gewitter für den Abend angekündigt. Die Suche nach einer Bucht gestaltet sich schwierig, da alle Buchten, die als frei markiert sind, mit gelben Sperrbojen verbaut sind. Letztendlich landen wir in der Bucht des Plage de Santa Gulia. Wir werden vom Wind hin und her geworfen, sodass es gar nicht so einfach ist, an der Boje fest zu machen. Der Strand ist richtig schön, die Sonne hat aber keine Chance gehen die dunkelgrauen Wolken. Da wir alle etwas nass geworden sind, hängen wir unsere Sachen zum Trocknen raus, müssen sie dann aber wieder rein nehmen, da es beginnt zu regnen.

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Es ist unsere erste Nacht, die wir nicht im Hafen schlafen. Durch den Wind gluckst es die ganze Nacht. Jeder kann sich wohl vorstellen, wie der Organismus darauf reagiert, wenn es die ganze Zeit draußen plätschert. Als früh der Motor angelassen wird, drehen wir uns noch ein paar Mal rum, bis wir rauskrabbeln. Nächster Stopp ist Bonifacio und es wird spannend. Der Wetterdienst meldet Sturm. Natürlich Gegenwind – es weht und schaukelt, bleibt aber alles im Rahmen. Mittags erreichen wir die Stadt. Bevor wir zu unserer Erkundungstour aufbrechen, vernichten wir die Reste vom Abendessen. Heute gehen wir das erste Mal allein auf Entdeckung. Immer wieder regnet es, teilweise sehr heftig. Wir haben Glück und können uns immer wieder unter stellen bzw. essen Eis / trinken Kaffee. Als der Regen nachlässt, gehen wir zurück zum Boot und laufen mit den anderen in die Stadt. Wir suchen uns ein schönes Restaurant, doch leider tut sich die Bedienung in jeder anderen Sprache außer Französisch schwer und deshalb bekommt Skipper Klaus zwei Hauptspeisen.

Auch diese Nacht gluckst es wieder, aber ich schlafe wesentlich ruhiger. Um 7 Uhr werden wir munter und schleichen uns leise an Land. Wir wandern Richtung Leuchtturm und werden nicht enttäuscht. Im Hintergrund hängen dunkle Wolken und immer wieder bricht die warme Morgensonne durch und erleuchtet die Stadt. Auf dem Rückweg unserer Wanderung bringen wir frisches Baguette mit und wir frühstücken.

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