Korsika und heim

Da wir jetzt durchgängig schönes Wetter haben, heizt sich das Zelt ordentlich auf und auch nachts kühlt es kaum ab. Es ist mollig warm nachts, was mich ziemlich schlecht schlafen lässt. Wir packen am nächsten Morgen unser Zelt zusammen und fahren erstmal aus Porto raus. Wir finden eine kleine Bäckerei mit herrlichem Ausblick. Das Frühstück ist nicht gerade günstig (7 Euro), aber sehr reichlich. Dann geht es ohne größere Unterbrechungen weiter zurück nach Calvi. Meine Frau hat einen schönen 4*-Zeltplatz ausgesucht, der 5 Minuten vom Strand entfernt ist.

Wir legen uns bis 15 Uhr hin und genießen die Aussicht, dann fangen wir an, die ersten Souvenirs einzukaufen, Wurst und Schinken aus Wildschwein, das berühmte Pietra (Bier aus Kastanien). Am Abend bummeln wir noch etwas durch die Stadt und gehen anschließend in der Nähe des Hafens essen.

Wir haben zwar unseren universellen Gaskocher mit, das Problem ist aber, dass wir keinen passenden Treibstoff finden. Als holen wir uns ein kleines preiswertes Modell im Supermarkt und machen früh damit unseren Tee warm. Danach legen wir uns noch bis Mittag an den Strand. Am Vortag hatten wir schon eine kleine Gaststätte ausgemacht, die nicht ganz so zentral liegt, ziemlich nahe eines Supermarkts. Wir kaufen noch etwas Marmelade aus Feigen, essen dann noch mal Muscheln und fahren anschließend quer durchs Land (der schnelle, weniger kurvenreiche Weg) nach Bastia.

... auch abends schön ...
… auch abends schön …

Bevor wir in Bastia landen, machen wir noch einen Zwischenstopp in Vescovato. Hier waren früher große Landgüter, die man auf dem Weg ins Dorf immer wieder an den Straßenrändern sieht. In Vescovato scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es ist wieder warm und sonnig, die Schwalben jagen kreischend ihre Nahrung am Himmel und es riecht nach feuchten alten Mauern. Wir laufen einsam herum, schauen uns alles an – die Einwohner sind freundlich und grüßen uns.

Unsere letzte Übernachtung ist in der Nähe von Bastia auf einem Zeltplatz am Meer. Hier hat sich eine Wohnmobil-Gruppe niedergelassen, die uns gleich erstmal sagt, dass sie am nächsten Morgen um 5 Uhr startet und wir deswegen unser Auto umparken sollen. Kein Problem, erstaunlicherweise hören wir kaum was von ihnen, als sie losfahren. Wir kochen noch schnell essen und gehen nochmal einkaufen. Eigentlich wollen wir laufen, aber ich plädiere auf Faulheit. Unser Glück, denn der Supermarkt ist nur als Abfahrt von einer vierspurigen Straße erreichbar. Fußgänger nicht erwünscht. Im Laufe des Abends kommt noch ein junges deutsches Pärchen, die gerade erst auf Korsika angekommen sind. Wir geben ihnen ein paar Tipps und quatschen noch etwas. Lange können wir nicht einschlafen, denn mit Einbruch der Dunkelheit kommen noch 3 Franzosen, die gemütlich ihre Zelte aufbauen, essen kochen und bis 23 Uhr miteinander (von Zelt zu Zelt?) reden.

Vescovato
Vescovato

Gegen Abend hat es schon begonnen wolkiger zu werden. Gegen Mitternacht werde ich wieder munter – es beginnt zu regnen, später kommt auch noch Gewitter dazu. Es regnet bis 4 Uhr. Wir stehen halb 8 Uhr auf, zerlegen unser Zelt und legen alles in die langsam zwischen den Wolken durchbrechende Sonne. Während das Zelt trocknet, machen wir Frühstück. Wir haben Glück, dass wir alles trocken bekommen. Dann geht es zur Fähre, wo wir noch eine halbe Stunde warten müssen, bis wir reinfahren dürfen. Kriszta möchte lieber draußen sitzen, aber mir ist es zu warm und deshalb gehen wir rein. Wir finden eine gemütliche ruhige Lounge. Wir essen, lesen und schlafen bis uns das Schiffspersonal rausjagt, weil sie den Raum absperren möchten. Als einzige Möglichkeit bleibt jetzt nur noch die Bar. Hier steht das Personal gelangweilt herum, statt die Gäste zu bedienen.

Als wir in Savona ankommen, beginnt es in Strömen zu regnen und zu stürmen. Trotzdem kommen wir gut voran. 20.30 Uhr bemerke ich ein Schild, dass irgendwas über den Gotthart-Tunnel sagt. Ungefähr 10 Minuten später kommt das gleiche Schild noch mal und ich mache Kriszta darauf aufmerksam. Sie befragt ihr Smartphone und stellt fest, dass der Gotthart-Tunnel heute Nacht 21 Uhr schließt. Wir haben noch ca. 40km bis dahin zu fahren. Jenseits jeglichen Tempolimits jagen wir auf der Autobahn dahin, mit uns noch zwei andere Autos, die auch keine Lust haben, über den Pass zu fahren. An der Ausfahrt sehen wir Bauarbeiter, die gerade die Hütchen für die Sperrung aufstellen. Wir werden durchgewinkt, bevor das letzte Hütchen platziert wird. Zum Glück! So schaffen wir es, dass wir 23 Uhr bei unseren Weltreisefreunden Franzi und André ankommen. Wir plaudern noch kurz und gehen dann schlafen.

Schloss Wildegg
Schloss Wildegg

Den nächsten Morgen kommen wir kaum aus dem Bett. Franzi, die um 9 Uhr zum Schloss muss, holt uns aus dem Bett. Wir bekommen eine persönliche Führung im Schloss Wildegg mit zahlreichen Anekdoten, wie sich manche Gäste benehmen und was alles schon passiert ist. Anschließend fahren wir noch nach Aarau und schauen uns dort ein bisschen um. Für Mittagessen ist es zu teuer (ein Gericht 20 CHF), als decken wir uns im Supermarkt ein bzw. naschen an den Probeständen. Danach fahren wir wieder zurück. Franzi hat inzwischen Feierabend und wir setzen uns gemeinsam auf die Terasse. Später kommt noch André und wir chillen und sonnen, grillen, gehen eine Runde durchs Dorf spazieren und schauen uns abends das Eröffnungsspiel der EM an. Den nächsten Tag bleiben wir noch und hauen nach dem Spiel Schweiz – Albanien ab. Wir kommen gut durch und holen abschließend am Sonntag unseren Hund ab. Nach den letzten Tagen, wo ich jeweils ca. 600km pro Tag gefahren bin, habe ich langsam keine Lust mehr auf Auto fahren…

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