Inseltraum

Die Seychellen – schon der Name lässt einem Bilder von weißen Stränden mit Palmen, türkisfarbenem Wasser und azurblauem Himmel vor dem inneren Auge emporsteigen. Und nun sind wir hier. Man sollte zwei Sachen über die Seychellen wissen – 1. Regenzeit für das Gebiet ist von Dezember bis März und 2. preiswert geht auf den Seychellen nicht. Wir haben im Nachhinein nochmal recherchiert, was die Unterkünfte kosten, wo wir für einen Moment am Strand lagen – irgendwas 1.800 Euro aufwärts die Woche. Auf der einen Seite ist es gut, weil sich die Insel damit Massentourismus erspart hat, aber auf der anderen Seite sind es unrealistische Preise.

Unser Aufenthalt auf den Seychellen betrug 2,5 Tage. Unsere Planung war im Vorfeld ungewiss – sollten wir den Schiffsausflug nach Praslin und La Digue buchen? La Digue ist die Trauminsel – wenn man ein Bild von den Seychellen sieht, mit den rund geschliffenen Felsen an weißem Strand, das ist La Digue. Kriszta hatte viele Berichte gefunden, die besagten, dass Touren auf den Seychellen abgesagt wurden, weil das Schiff wegen Seegang nicht anlegen konnte. Außerdem kamen wir in Richtung Regenzeit, d.h. was nützt uns der Ausflug auf eine schöne Insel, wenn es vielleicht regnet. Dazu kommt ein Preis von über 200 Euro pro Person. Also planten wir defensiv. Schnorcheltour am ersten Tag, Mietwagen am zweiten Tag und Strandbesuch am dritten (halben) Tag. Natürlich hatte meine Frau schon recherchiert, welche Schnorchel-Tour man machen kann und war mit den Inhabern schon Kontakt getreten. Es folgte eine ziemlich ungenaue Wegbeschreibung im Sinne von „… es gibt nur einen Hafen …“.

Wir waren schon früh aufgestanden, um das Schiff beim Einlaufen zu beobachten und natürlich um einen vorsichtigen Blick auf das Wetter zu werfen, nachdem es gestern den ganzen Tag geregnet hat. Dichte Wolken kuschelten sich schon am frühen Morgen an die Berge. Nach dem Frühstück laufen wir in Richtung Stadt los. Es ist schwül und die Sonne schaut immer wieder zwischen den Wolken durch. Nachdem man aus dem Hafen raus ist und dann der großen Hauptstraße nach links folgt, kommt relativ schnell zur Marina. Ein Blick auf die Liste lässt uns schnell erkennen, dass hier jeder ein Boot mit Glasboden hat. Da die Tour erst 10 Uhr startet, haben wir noch eine Stunde Zeit, um die Stadt zu erkunden. Wir kaufen Postkarten, laufen etwas herum, aber es gibt nicht besonderes zu sehen. Wir machen uns über die Costa-Tour lustig, welche die Straße extra überquert, um eine kleine, unscheinbare und nicht besonders schöne Plastik auf einem Podest zu bestauen und zu fotografieren. Zusammen mit einem amerikanischen, einem anderen deutschen und einem einheimischen Paar mit Kind besteigen wir das Boot und fahren los Richtung St. Anna Nationalpark. Während der Fahrt beginnt es zu regnen. An der Stelle, wo die kleinen Boote halten, drängelt sich unser großes Boot dazwischen und unser Captain wird von den anderen gebeten, seinen Kahn wo anders zu parken. Also landen wir mitten in einem Tanggürtel, der von der Strömung an eine Insel herangespült wurde. Offensichtlich sollen wir hier schnorcheln.

Es ist ganz schön, aber nicht spektakulär, da das Licht durch die fehlende Sonne und den Tang fehlt. Ich nehme die GoPro mit unter Wasser, aber wir sind uns bei dem Schnorchelausflug noch nicht einig. Wir schnorcheln ca. eine halbe Stunde. Als ich aus dem Wasser komme, schneide ich meinen Fuß am Boot auf. Natürlich nicht ein tiefer Schnitt, sondern so einer, der nicht tief genug ist, dass es blutet, aber ausreichend tief, damit es richtig fies weh tut. Wir werden auf einer kleinen Insel abgesetzt, auf der wir 1,5 Stunden Zeit haben herumzulaufen, zu sonnen o.ä. In der Zwischenzeit fährt unsere Besatzung auf die gegenüberliegende Insel und macht das Barbecue fertig. Es ist Mittagszeit und das Angebot an Schatten gegen die immer wieder auftauchende Sonne ist minimal. Wir werden dann mit einem Schlauchboot abgeholt und auf die andere Insel gebracht. Es gibt Salat, getoastetes Baguette und gegrilltes Hähnchen, Fisch und Würstchen. Schmeckt lecker. Nach der Mittagspause haben wir noch Zeit die Insel zu erkunden. Eintritt kostet 10 Euro pro Person, wir lehnen dankend ab. Selbst die Toilette lassen sie sich hier was kosten, während wir als Mückenfutter dienen.

Es kommt ein Punkt, der mich überrascht. Bei allen bisher gebuchten Touren wird sich strikt an den Plan gehalten, auch wenn alle nur dasitzen und rumgammeln. Hier beschließt unsere Besatzung, dass wir nochmal rausfahren und schnorcheln / baden gehen können. Ich springe nicht nochmal ins Wasser, am Fuß zwickt es ordentlich. Wir sehen im Glasboden einen Rochen vorbei schwimmen. Danach geht es zurück zum Hafen. Wir sind uns einig, dass 90 Euro für den Ausflug ziemlich überteuert sind und wir bereuen, dass wir nicht auf ein kleines Boot gegangen sind, denn die haben im flachen Wasser gehalten und da konnte man besser schnorcheln. Nach dem Ausflug gehen wir nochmal in die Stadt und finden ein kleines Café, wo wir uns reinsetzen. Ich pflege am Abend meinen Fuß, damit der schnell verheilt. Außerdem frage ich wegen meinem Reisepass an der Rezeption, denn für Mietwagen muss man sich irgendwie ausweisen. Ich soll am nächsten Tag um 8 Uhr wieder an der Rezeption sein…

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen und gehen an die Rezeption. Es ist 8 Uhr. Auf meine Frage nach dem Pass heißt es – die Frau ist grad nicht da, ich soll es nochmal um 8.30 Uhr probieren. Daraufhin entgegne ich, dass wir um 8.30 Uhr das Auto übernehmen und ich da den Pass schon haben müsste und das Schiff verlassen haben will. Es entsteht hektisches Treiben, die Dame von der Rezeption verschwindet für 10 Minuten. Danach kommt sie wieder und ignoriert mich. Ich schicke Kriszta schon mal zur Autoübernahme und warte weiter. Zum Glück bin ich nicht der Einzige. Punkt 8.30 Uhr taucht eine Dame mit den Pässen auf und ich flitze raus. Es ist schon alles erledigt, ich muss nur noch unterzeichnen und los geht die Fahrt.

Wir fahren von Strand zu Strand, schauen uns um, haben von Regen bis Sonnenschein alles dabei. Wir sehen viele Unterkünfte, die man als Selbstversorger anmieten kann und wir fragen uns, wie das funktionieren soll, denn so richtige Läden haben wir nicht gesehen. Als sich die Mittagszeit nähert, sehen wir einen Obststand mit einem großen Fairtrade-Logo am Straßenrand. Wir fragen nach 4 Bananen und werden ausgelacht. Der Mann gibt uns 6 Stück und will kein Geld dafür. Als wir anfangen ihm doch Geld geben zu wollen, legt er noch eine Papaya drauf und will immer noch nichts haben. Wir sind etwas verlegen wegen so viel Freundlichkeit und kaufen ein Päckchen mit Masala-Gewürzmischung. Als sich der Abend nähert sehen wir immer wieder Flughunde, ähnlich wie wir sie schon auf Sri Lanka gesehen haben.

Mit der Autovermietung hat meine Frau vereinbart, dass wir den Wagen im Hafen parken und am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder abgeben. Wie ich schon erwartet habe, dürfen wir natürlich nicht mit dem Mietwagen auf das Hafengelände fahren und müssen den Parkplatz vor dem Hafen nutzen. Am nächsten Morgen sind wir um 8 Uhr am Auto – der Mietwagenmensch fehlt. Kriszta erkennt einen Taxifahrer vom Vortag wieder und fragt, was wir machen sollen. Er ist so freundlich und ruft die Zentrale an. Wir sollen den Autoschlüssel unter die Fußmatte beim Fahrer legen und gehen – das wäre hier so üblich. Ehrlich jetzt? Einen Mietwagen offen stehen lassen, auf einem Parkplatz wo jeder hinkommt? Wir rufen die Nummer auf dem Vermietungsbescheid an. Der Mietwagenmensch meint, er fährt jetzt los und ist in einer halben Stunde da. So lange wollten wir jetzt nicht warten, was dann? Na legt doch den Autoschlüssel unter die Fußmatte beim Fahrer und geht! Wir warten noch 5 Minuten, tun wie gesagt und verschwinden.

Wir laufen zum Busbahnhof, der uns für umgerechnet 50 Cent zum Strand Beau Vallon bringt. Hier liegen wir bis kurz vorm Mittag – gerade rechtzeitig, denn die ersten dunklen Wolken ziehen wieder über uns hinweg. Mittag werden die Anker gelichtet und unsere Reise geht weiter nach Madagaskar. Dazu bleiben wir 1,5 Tage auf See. Wir sonnen uns viel, nur um die Mittagszeit verkriechen wir uns zum Lesen bzw. ich gehe zum späten Nachmittag joggen.

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