Ein Land voller Reichtum und Armut

Um unsere weiter Reise beschreiben zu können, muss ich etwas zurückspulen. Schon vor der Reise hatte Kriszta ihre Mühe, Reiseveranstalter auf Madagaskar zu finden, die Ausflüge anbieten. Aber die wenigen, die antworteten, gaben an – Ausflug ja, aber je mehr mitkommen, desto günstiger wird es für euch. Challenge accepted!

Wir sprachen diverse Leute bzw. Pärchen an, von denen wir dachten, sie würden gut zu unseren Ausflügen passen. Manche wären gerne mitgekommen, hatten aber schon im Vorfeld ihre Ausflüge gebucht, bei anderen spürte man schon fast eine hochnäsige Ablehnung. Letztendlich hatten wir zwei Pärchen gefunden, die uns auf den ersten Ausflug auf Nosy Be begleiteten und im weiteren Verlauf der Reise immer wieder mit von der Partie waren.

Nosy Be ist eine Insel im Nordwesten Madagaskars. Hier gibt es keinen Hafen, der groß genug wäre, um anzulegen. Deswegen ging die neoRomantica vor Anker und wir tenderten. Wer noch nie auf Kreuzfahrt war – tendern heißt, dass man ein Boot besteigt und mit dem an Land gebracht wird. Und wenn man bedenkt, dass 1.800 Passagiere an Bord sind und auf ein Boot ca. 40 Leute passen, kann man sich vorstellen, warum die Tickets vorher ausgelost werden. Wir hatten Glück, dass Theresia schon eine Viertelstunde vor der Ticketverteilung vor Ort war, denn die Crew fand es wohl witzig eher anzufangen. So konnten wir noch Tickets für die Gruppe 6 ergattern.

Am Morgen als wir in Nosy Be ankamen wurden erstmal die Touren an Land gebracht, die einen Ausflug mit Costa gebucht hatten. Endlich gegen 9 Uhr waren wir dran. Draußen wartete schon ein Guide mit unseren Namen drauf und wir sagten ihm, dass wir erstmal Geld benötigen. Wir wurden durch die Stadt geführt und als wir Geld abhoben (immer nur ein Pärchen – polizeilich geregelt) kam ein Typ mit einem Lemuren, stellte sich neben und schon hopste der Lemur auf mich rüber. Ich fing an Panik vorzutäuschen, denn wenn man sich freut, will der Typ Geld und damit würden noch mehr Typen anfangen, Lemuren zu fangen und unter widrigen Bedingungen zu halten. Insgeheim freute ich mich aber, denn er Lemur hatte ganz weiche Pfötchen, die ich in meinem Nacken spürte. Nachdem wir alle mit Geld versorgt waren, gingen wir wieder in den Hafen und bestiegen unser Boot, dass uns zu Nosy Tanikely brachte, einem Nationalpark, für den man Eintritt zahlen muss. Der Nationalpark ist eher unter dem Wasser, denn schon weniger Meter hinter dem Ufer beginnt ein Reich, üppig voller bunter kleiner und großer Fische. Dort schnorchelten wir ca. eine Stunde, wanderten dann noch auf den Leuchtturm und dann ging es nach Nosy Komba.

Da wir etwas später dran waren, wie die Costa-Tour, gingen wir erstmal Mittagessen. Wir waren sechs plus unser Guide und uns wurde der Tisch vollgestellt. Shrimps / Krabben / Octopus in Tomatensauce, gegrillter Fisch, Grillspieße vom Zebu, Kokosreis, Pommes und Salat wurden aufgefahren. Wir probierten uns durch und danach machten wir eine kleine Wanderung zu den Lemuren. Wir hatten Pech, denn die Costa-Tour war vor uns dort und deshalb die Lemuren – die mit Bananen gelockt werden – schon satt waren und keine Lust mehr hatten. Erst als wir tief im Wald waren, konnte Theresia einen anlocken. Tief im Wald heißt viele Mücken. Wir hatten uns zwar ordentlich eingeschmiert, aber ich wurde trotzdem gnadenlos zusammengestochen. Wir sehen auch Chamäleons, Schlangen und Schildkröten, wobei die ersten beiden doch eher gehalten werden, damit die Touris was zum Schauen haben und wie ich später gelesen habe, ist die Population von Lemuren auf Nosy Komba nicht so üppig. Danach war die Tour schon vorüber und wir fahren zurück zum Schiff.

Tag zwei auf Madagaskar – unser Schiff hat uns über Nacht nach Diego Suarez gebracht. Auch hier haben wir eine Tour angefragt, man zeigte sich etwas unwillig, Teile von mehreren Touren zu einer neuen Tour zu kombinieren. Wir treffen uns mit Theresia und Manuel vor dem Schiff und es regnet in Strömen. Zeit genug, um die Touristeninformation vor Ort nach unseren Wünschen zu befragen. Hier zeigt man sich bereitwillig und wir bekommen einen Fahrer zugewiesen. Inzwischen hat der Schauer aufgehört und wir laufen zum Jeep. Die Tour beginnt damit, dass der Fahrer beim Gedränge in den engen Straßen sich die Verkleidung vom Radkasten an der Stoßstange eines anderen Autos abreißt. Erste Station ist der Sugarloaf Hill. Hier wird auch etlicher Müll am Straßenrand abgeladen, es stinkt furchtbar und das Gegenlicht macht das Erlebnis auch nicht gerade besser.

Wir halten hier und dort mal an, um Fotos zu machen. Es gestaltet sich etwas schwierig, denn unser Fahrer spricht wirklich nur französisch. Die Fahrt zu den drei Buchten dauert in etwa eine Stunde. Die erste Bucht ist… nun ja, eine Bucht. Aber hier möchte ich weder baden, noch schnorcheln. Also fahren wir schnell weiter. Bucht Nummer 3 ist das eigentliche Highlight. Weiter, weißer Strand, türkisfarbenes Wasser und bunte Tücher, die im Wind flattern. Wir suchen uns einen halbschattigen Platz und laufen dann etwas herum, denn dank der schlechten Kommunikation mit unserem Fahrer müssen wir herausfinden, dass man ein Stück an Bucht #3 entlang laufen muss, um zu Bucht #2 zu kommen. Hier ist es ziemlich windig, es sieht zwar schön, aber sehr rau aus (viele scharfkantige Korallen ragen aus dem Wasser).

Wir legen uns gemütlich hin, gehen ins Wasser, es ist herrlich. Ankommende Verkäufer verscheuchen wir. Als dann die Costa-Touren ankommen, passiert etwas, bei dem mir die Worte fehlen. Als wieder eine Verkäuferin ihre Tücher anpreist, zeigt meine Frau Interesse und im Handumdrehen stehen 7 oder 8 Verkäuferinnen um uns herum und wedeln mit ihren Tüchern. Und jede versucht näher an Kriszta heranzukommen, bis sie mitten auf unserer Decke stehen und wir außer Tüchern nichts mehr sehen. Sämtliche Zeichen von Desinteresse werden ignoriert und erst als Kriszta ein Tuch kauft, verschwindet die Ansammlung so schnell wie sie entstanden ist.

Wir bleiben noch bis 14 Uhr, dann bringt uns unser Fahrer in das Fischerdorf Ramena. Hier gibt es eigentlich nichts – nur Gaststätten und wieder Tücher. Auf der Rückfahrt halten wir nochmal am Aussichtspunkt zum Sugarloaf Hill. Das Licht ist am Nachmittag besser, aber der Gestank bleibt. Als wir wieder auf dem Schiff sind, treffen wir das andere Pärchen vom Vortag, die sich etwas enttäuscht zeigen, dass wir sie nicht mitgenommen haben. Kein Problem, wir haben ja noch einige Tage vor uns.

Zwischen Diego Suarez und Tamatave (lokal Toamasina) liegt ein Seetag. Wir machen wieder bei einem Reisequiz mit und müssen uns beim Würfeln um Platz 1 geschlagen geben. Irgendwas bereitet meinem Magen Probleme und ich versuche es mit Kohletabletten und Tanacomp unter Kontrolle zu bekommen. Manuel hat es auch erwischt und wie wir wenig später erfahren, hat es wohl einige erwischt, die den Ausflug auf Nosy Be gemacht haben. Was es genau ist, erfahren wir nicht. Zumindest gibt es keine offizielle Meldung vom Schiff.

Tamatave ist eine Stadt mit 2 Millionen Einwohnern. Hier haben wir wieder eine Tour gebucht. Manu und TT bleiben auf dem Schiff und Antje und Markus begleiten uns. Erstmal werden wir aus dem Hafen gefahren, dann in einen Kleinbus umgeladen und zum Kanal gebracht. Der Kanal wurde dazu gebaut, um die Stadt mit den dörflichen Gebieten der Umgebung zu verbinden – zum Austauch von Waren. Im ersten Stück ist der Kanal noch widerlich grün und ohne Leben, später sieht man Einheimische darin baden, Geschirr abwaschen, fischen und Wäsche waschen. Unsere Tour führt ins in ein Dorf, dass extra für Touristen hergerichtet wurde. Wir schauen uns um, es ist traurig, aber auch interessant. Auf kleinstem Raum sind hier ganze Familien in Strohhütten zusammengepfercht. Wir sehen Mädchen im Alter von 14/15 Jahren mit ihrem ersten Kind – der Vater ist längst über alle Berge.

Unser Guide ist weiblich und spricht gut englisch. Von ihr erfahren wir einiges über Land und Leben. Sie besorgt uns Litschis frisch vom Baum und danach geht es wieder zurück in die Stadt. Wir werden noch zu einem Markt gebracht. Schnell wird uns klar – es ist ein Markt nur für Touristen. Am Eingang stehen Wachen und die passen genau auf, wer rein darf und wer nicht. Viele Bettler stehen rings herum. Ich habe im Vorfeld nachgeschaut und herausgefunden, dass Madagaskar eines der führenden Länder in der Kaffeeproduktion ist. Also frage ich im Markt nach. Man bietet uns ein Päckchen von 100g für 15.000 Ariary (4,20 Euro) an. Wir müssen schon fast lachen, so unverschämt ist der Preis. Der Preis durch unser Desinteresse auf 7.000 Ariary. Wir nehmen eins, fragen aber bei unserer Führerin nach, ob es nicht noch wo anders Kaffee gibt. Wir werden zu einem Supermarkt gebracht. Hier kostet dann plötzlich ein ordentlich verpacktes Päckchen von 250g nur noch 4.700 Ariary (1,35 Euro). Wir schlagen zu und werden zurück zum Schiff gefahren.

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