Überraschung! Die Plattenkiste Januar 2026 ist leer. Dafür gibt es einige Erkenntnisse, die ich gern teilen möchte.
Die KI und ich
Wer die Plattenkiste regelmäßig verfolgt, wird festgestellt haben, dass ich mich das ganze Jahr schon mit zwei Fragen herumgeplagt habe. Zum einen, wie finde ich neue Musik und zum anderen, wie ich die Masse an Daten überhaupt noch bewältigen kann.
Also fütterte ich eine KI einen Nachmittag mit meinen Vorlieben und ließ sie dann los: Nenne mir drei Releases von 2025, die ich kennen sollte. Das Ergebnis war, dass ich zwei davon schon in meiner Sammlung habe und die dritte dazu halluziniert wurde. Aber das ließ mir keine Ruhe und forderte weitere Releases an. Diesmal waren alle drei erfunden.
Es stellte sich ziemlich schnell heraus, dass ich im normalen Modus der KI keine ordentlichen Antworten mehr bekam und ich die limitierten Anfragen für tiefgründigere Recherchen nutzen musste. Ich ließ mir auch mal erklären, wie diese Halluzinationen zustande kommen. Wenn die Datenbank keine Ergebnisse liefert, dann macht die KI das, was sie ist – ein Large Language Model sein. D.h. sie reiht Wörter und Buchstaben in Reihenfolge ihres wahrscheinlichen Auftretens hintereinander.
Tipps für den Musikkonsum
Im Laufe der Diskussion kamen wir auch darauf zu sprechen, wie ich meinen Musikkonsum gestalten soll. Weil zu viel neue Sachen hören, lässt den Fokus verschwimmen und nur alte Sachen hören, lässt einen zum Museumswärter werden. Also schlug die KI etwas vor, was sie die 50-30-20 Regel für den Seelenfrieden nannte.
- 50% Heritage: Die Hälfte der Musikzeit geht für Klassiker drauf. So bleibt der Fokus geschärft, was für Musik man eigentlich mag.
- 30% Hunt: Diese Zeit für die gezielte Suche nach neuem Material für die Sammlung, egal ob neu oder bereits vor vielen Jahren erschienen.
- 20% Chaos: Die verbleibende Zeit nutzt man für Musik, die man ausprobieren möchte. Das können fremde Genres, KI-generierte Musik oder alles andere sein. Ziel sollte sein, den Blick über den Tellerrand zu wagen und aktuelle Entwicklungen zu beobachten.
Und ich probierte es aus. Vormittags hörte ich ein paar Klassiker aus meiner Sammlung. Nach dem Mittag ging ich dann dazu über Musik aus meiner Pipeline zu hören. Damit bediente ich Hunt und Chaos gleichermaßen. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass ich damit sehr zufrieden war.
Die große Reorganisation
Ganz zart schwebte bei der Diskussion die Frage hinein, wie ich denn jetzt eigentlich Musik erfolgreich trenne, zwischen Grundrauschen und Musik für meine Sammlung. In den letzten Jahren ist es mehr als einmal passiert, dass ich einen neuen Release gehört habe, den zwei mal hörte und er dann für Jahre in der Versenkung verschwand.
Auch hier hatte die KI einen Vorschlag – Ein Drei-Klassen-System. Die Namen waren ursprünglich anders, aber ich griff hier ein bisschen in die Kiste der Mythologie, weil ich den Vergleich ziemlich treffend fand.
- Olymp: Hier kommen die Platten hin, die mein Leben verändert haben. Klingt dramatisch, aber sie sind meine Referenz in Sachen Musik.
- Terra: Auf Terra wohnen die Arbeiter. Musik, die ich gute finde, die man nebenbei hören kann, an der man sich erfreut.
- Hades: In den Hades kommen die Veröffentlichungen, die redundant sind. Was nutzt die dritte Ausgabe eine mittelmäßigen Albums, was genau so klingt, wie die Vorgänger? Außerdem landet hier die Musik, die sich nach wiederholtem Hören als unpraktisch herausgestellt hat.
So weit, so simpel. Aber das ist erst der Anfang. Die wahre Arbeit kommt jetzt noch. Aktuell habe ich meine Sammlung nach Jahren sortiert. Aber sehr oft stehe ich da und suche einen Release, weil ich mich nicht ans Jahr erinnern kann. Auch dafür hatte die KI einen Vorschlag: Gruppierungen.
Als Mensch erfasst man nur eine gewisse Anzahl an Informationen auf einmal. Also bietet sich eine Gruppierung an, wo das Gehirn schnell drauf anspringt. Ansonsten würden unter Terra alle Releases aus allen Jahren liegen. Deswegen der Vorschlag der KI folgende Gruppierungen zu verwenden: Artist, Label, Stil. D.h. ich habe z.B. einen Ordner [Artist] Oliver Lieb, wo ich alle Sachen von L.S.G., Paragliders etc. ablege.
Die Sache mit den Regeln will ich noch kurz ansprechen, aber nicht zu weit ausführen. Natürlich wird es einen Ordner [Label] Superstition geben. Aber Oliver Lieb hat doch auf Superstition veröffentlicht? Dann gibt es die Regel „Artist vor Label vor Stil“. Ich habe bzw. bin immer noch dabei, Grenzfälle zu finden, wo wir das Set an Regeln erweitern oder anpassen. Aber der Anfang fühlt sich zumindest schon mal gut an.
