1991 – 1994 – Getting hard

  • Tonträger: Vinyl, CD, Kassette
  • Stil: Hardcore, Gabber, Trance, Dance
  • Medien: Radio (DT64), Fernsehen (MTV Partyzone)
  • Technik: Kompaktanlage
  • Was bleibt hängen?
    • KLF – The white room
    • Jean Michel Jarre – Oxygene
    • Barbarella – The art of dance
    • Jeff Mills – Waveform transmissions Vol. 1
    • 3MB feat Eddy ‚Flashin‘ Fowlkes – Tresor 3
    • Massive Attack – Blue lines
    • Aphex Twin – On
    • Future Sound Of London – Cascade
    • Harthouse Compilation Vol. 1
  • Anmerkung:

    Ich beginne 1990 mit meiner Lehre, der Osten ist Geschichte und demzufolge auch das Ostradio. Ich kann jetzt problemlos meine Dancenummern auf DT64 aufnehmen. Und wie es der Zufall so will, gerate ich an Frank, der in den Pausen seinen Walkman auspackt, Mini-Boxen anschließt und ich den Genuss seiner Technoaufnahmen komme. Also lasse ich am Samstag Abend das Radio nach der von mir präferierten Sendung weiterlaufen, denn da spielt eine Marusha dieses neue Zeug. Das ich nicht weiß, wie die Tracks heißen, ist mir zu dem Zeitpunkt relativ egal. Irgendwann bleibt das Dance-Zeug auf der Strecke und ich höre nur noch Techno.

    Damals gab es auch einen kleinen bunten Katalog, wo man sich jeden Monat durch 200 Seiten durchkämpfen konnte, um neue CDs und Platten zu ergattern – der Disc-Center-Katalog. Leider nichts im Bereich Techno. Durch Petra und Anke aus der Lehre komme ich auch zur ersten Ausgabe des in Dresden erscheinenden Blättchens, dass sich mich House und Techno beschäftigt – der „Schicht“. Da diese wiederum über drei Ecken einen der Schreiberlinge kennen, komme ich auch zu Aufnahmen von Jeff Mills, 3MB und Barbarella. Ab dem Zeitpunkt komme ich an jede Ausgabe des Blattes und es wird Zeit für die ersten Partys in der Fabrik auf der Hamburger Straße. Über die Schicht erfahre ich dann auch vom ersten Plattenladen, der in einem Hinterhof in Heidenau öffnet – das Hör auf. Der Laden wandert im Laufe der Zeit vor an die Straße, irgendwann später dann in die Dresdner Neustadt, wo es dann zum Hardwax wird.

    Von dem Geld, was ich im Laufe der Lehre zusammenspare, kaufe ich meinen ersten PC. Programme werden ausgetauscht und durch einen Kumpel komme ich an ein Programm, was MOD-Files abspielt. MOD-Files sind kleine Dateien, die anhand von Samples, die unterschiedlich gepitcht, zu einem Track zusammengestellt werden. Da das erste CD-ROM noch in weiter Ferne der Bezahlbarkeit liegt, klaut man sich seine Samples aus anderen Tracks zusammen und so bastel ich meine ersten Songs. Da auch Soundkarten noch teuer waren, hab ich wieder Glück, einen Kumpel in der Lehre zu haben, der elektronisch begabt ist und mir für 10 DM einen Analog-Digital-Wandler baut, der über den Druckerport angeschlossen wird. Wieder über drei Ecken komme ich auch an MOD-Files, die von einem Kai Lippert zusammengebastelt wurden, der in der Fabrik als Hardsequenzer auflegt und mit seinen Releases auf Fire Records dem Dresdner Hardcore zur Deutschland weiten Bekanntheit verhilft.

    Wo 1991/92 noch Enthusiasmus und Innovation herrschten, machte sich ab 1993 Massentauglichkeit breit. Techno wurde zum Verkaufsschlager und alles war bisher auf Vinyl erschien, wurde auch zunehmend auf CD gepresst und somit der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die „Techno-Runde“ hält auch in den größeren Diskos Einzug. Zunehmend divergiert die Musik, zu der ich tanze im Gegensatz zur Musik, die ich daheim höre. Als ich 1993 mit meiner Lehre fertig bin, brechen die Kontakte ab und verfalle ich in einen Hardcore-Trance-Zustand, der zweimal die Woche durch einen Besuch im Hardwax gepflegt wird. Es gipfelt, als ich den DJ der Großraumdisko, die ich mit meinem neuen Freundeskreis besuche, mit einem verwunderten „Was machst du denn hier?“ im Plattenladen begrüße.

    Ich beschließe in der Zeit auch, dass mein alter Rekorder ausgedient hat und Zeit für eine Anlage ist. Ich bestelle mir (wie damals üblich) eine Anlage im Versandhauskatalog und bekomme eine ganz andere, die zwar teurer ist, aber wie sich später herausstellt, nichts taugt. Das Kassettendeck steuert automatisch aus und damit wird bei einsetzendem Bassdrum die Gesamtlautstärke gedämpft – eine Qual. Im Laufe der Jahre steigt dann die Beleuchtung des LCD-Displays aus, was mich aber nicht stört. Statt dessen lasse ich Nächte lang die „Lifeforms“ von Future Sound of London laufen.

  • Konzerte:

    Jean-Michel Jarre, 11.09.1993, Waldbühne Berlin, 47 DM

    1993 Jarre Berlin

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