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First light

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Ich hatte ja schon seit unglaublich langer Zeit in meinem Hinterkopf, mir ein Teleskop zuzulegen. In den letzten Wochen habe ich dann jede Menge Zeit verbraucht, um mir klar zu werden, was ich eigentlich will. Wenn ich glaubte, ein Teleskop in meiner Preisklasse gefunden zu haben, gab es immer zwei Kriterien, die ich in den Rezensionen las: „Eine elektronische Nachführung ist teuer – bei dem Preis wurde an der Optik gespart. Gib lieber das Geld für eine gescheite Optik aus“ bzw. wenn ich eins gefunden hatte, wo die Optik stimmte, lass ich dann: „Die Halterung taugt nichts, pass auf wegen den Schwingungen, da muss ein ordentliches Stativ mit einer guten Halterung hin.“

Eigentlich lag mein Budget bei 300 Euro, aber die oben genannten Kriterien gaben mir zu denken. Nachdem ich mich jetzt belesen hatte und mein Teleskop daheim steht, weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war. Für eine normale Beobachtung hätte ein geringeres Budget gereicht, aber bei mir war die Astrofotografie ein entscheidendes Kriterium! Ich wollte nicht nur durchschauen, sondern auch die gesehenen Objekte festhalten.

Kriterium 1: Das Teleskop. Hier ist für mich als Fotograf die Brennweite schon entscheidend gewesen. Für mich lag die gewünschte Brennweite jenseits der 1000mm. Weiterhin sehr wichtig ist die Öffnung des Teleskop. Logisch bei Nachtbeobachtungen: Je größer die Öffnung, desto mehr Licht fällt ein. Jetzt spielt noch der Teleskop-Typ eine Rolle: Refraktor, Newton, Dobson…? Alles eine Preisfrage, aber in Kombination mit den bereits genannten Kriterien landete ich bei einem Maksutov-Cassegrain Skywatcher Skymax mit 1500mm Brennweite, 127mm Öffnung.

Kriterium 2: Die Montierung. Natürlich hätte ich den Skymax ganz entspannt auf ganz normales Fotostativ schrauben können. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss ich herzhaft lachen. Denn eine gescheite Montierung ist die halbe Miete. Bei 1500mm Brennweite mit einem Okular von 10mm ist man bei einer 150-fachen Vergrößerung. Da muss einfach eine stabile Halterung her. Skywatcher bietet passende Montierungen mit an, die einem einfachen System folgen: EQ1 (einfachste Halterung mit Stativ, ca. 80-100 Euro) und das steigert sich bis EQ8 (hier ist man dann bei 4000 Euro). Die Kritiken sprachen davon, dass EQ2 auch schon zu wackelig sei, also wählte ich eine NEQ3, eine bessere EQ3-Montierung, ohne Nachführung.

Alles zusammengebaut kommt das Teleskop mit Montierung, Gegengewichten und Stativ auf ein Gesamtgewicht von ca. 15kg. Ist ja durchaus in Ordnung, schließlich will man so ein Teleskop nicht mit in den Urlaub nehmen. Ich baute alles auf, machte mich mit der Bedienung vertraut und konnte schon am ersten Abend einen erstaunlichen Blick auf Jupiter und seine Monde werfen. Da ich zufrieden war, bestellte ich nach: einen T2-Adapter für meine Canon und einen Teleskop-Adapter von 1,25″ auf T2.

Der Test: Ich ging auf den Balkon raus und visierte die gegenüber liegende Baumwipfelkette an. Entfernung so ca. 700m Luftlinie. Zum Vergleich machte ich zu Beginn mit einem normalen Objektiv ein Bild – Brennweite: 50mm.

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Kamera montiert über T2-Adapter direkt am Teleskop: Im Bild oben sieht man den kleinen Kreis. Dort wird uns jetzt unsere Reise führen. Natürlich hat das Teleskop nicht den Luxus einer automatischen Scharfstellung wie bei einem Objektiv. Hier ist viel Feingefühl angesagt. Ich schalte meine Canon in den Livebild-Modus, zoome und stelle so das Bild scharf. Der Nachteil – schon die kleinste Berührung am Teleskop lässt das Bild zittern als wäre ein Erdbeben im Gange. Ich bin froh, dass ich das Geld in eine ordentliche Montierung gesteckt habe. Nicht auszudenken, wenn ich die wackelige Konstruktion über mein Fotostativ gewählt hätte.

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Kamera montiert über den 1,25″ auf T2-Adapter: Der Adapter ist ca. 6cm lang und am Anfang erschloss sich mir nicht, wozu eine so lange Röhre gut sein soll. Als ich das Teil in den Händen hielt war es mir klar: Hier kann ein Okular eingeführt werden und mit der Feststellschraube fixiert werden. Trotzdem beließ ich es für den Test erstmal ohne zusätzliches Okular, weil allein die Länge der Röhre sich ja schon auf die Brennweite auswirkt. Außerdem hat die Fixierung mit den Stellschrauben über den 1,25″-Adapter den Vorteil, dass man die Kamera besser in eine waagerechte Position bringen kann. Ist der T2-Adapter direkt am Teleskop, hängt die Kamera unter Umständen schräg am Teleskop. Hat bei Astro-Beobachtungen natürlich keinen Effekt. Wo ist denn im Weltall „oben“?

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Kamera montiert über den 1,25″ auf T2-Adapter mit 10mm Okular: Jetzt sind wir in einem Bereich, der eigentlich nur für Beobachtungen Spaß macht. Hier ist mit Fotografieren entgültig Schluss. Wenn ich das Teleskop berühre, zittern die Äste im Bild über die Hälfte des gesamten Bildschirms. Außerdem geht ein leichter Wind. Selbst bei einer Belichtungszeit von 250ms ist hier nichts zu wollen, irgendwann muss ich akzeptieren, dass auch 700m Entfernung bedeutet: Luftlinie. Bei Beobachtungen im All muss man schließlich durch die gesamte Atmosphäre. Trockene, kalte Luft ist hier am besten – das Gegenteil ist bestens bekannt, das Flimmern der Luft über heißem Asphalt. Ein wenig schade finde ich, dass mein 25mm Okular nicht in den Adapter passt (zu lang), denn hier hätte man bestimmt noch schöne Ergebnisse erzielen können.

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