Nach der Besichtigung des Yosemite National Park führte uns unser Weg Richtung Küste. Ein Ziel war Monterey, speziell das Aquarium von Monterey. Speziell von der Abteilung mit den Quallen war ich hin und weg. Sowas kennt man eigentlich nur von Hintergrundbildern und jetzt konnte ich haufenweise Fotos selbst schießen. Ein bisschen Angst hatte ich natürlich schon, dass die Bilder nichts werden. Aber im Nachhinein war ich froh, dass ein Großteil geklappt hat. Wo ich etwas getrickst habe, ist die Position der Quallen – die Strömung im Aquarium trieb sie ständig nach unten, weswegen alle Quallen kopfüber im Aquarium schwammen.

Qualle im Aquarium von Monterey

Qualle im Aquarium von Monterey

Es folgte ein Tag der Robben. Er begann mit dem Point Lobos State Park, wo wir einzelne Seeotter im Wasser schwammen, Robben am Ufer lagen sahen und jede Menge Vögel sich auf den Felsen breit machten und von Vogelbeobachtern neugierig betrachtet wurden. Nächste Station war der Pfeiffer State Park – nein, halt! – wie wir sofort darauf hingewiesen wurden, suchen wir den Julia Pfeiffer Burns Park, der sich ein paar Meilen dahinter befindet. Dort stürzt sich idyllisch ein Wasserfall direkt ins türkisfarbene Meer. Kurz bevor das Ende unserer Tagesetappe St. Barbara erreichten, staunten wir nicht schlecht, als wir den Strand mit den Elephant Seals sahen. Hunderte von den Tieren lagen in der Sonne, schaufelten mit ihren Flossen Sand auf ihren Rücken und grunzten. Von dem Geruch ganz zu schweigen.

Es folgt wieder eine lange Fahretappe, die uns an Malibu Beach über den Sunset Boulevard in L.A. nach Palm Springs bringt. Da ich die Nacht zuvor schlecht geschlafen habe, mache ich am Nachmittag im Hotel ein Nickerchen. Auch der nächste Tag steht im Zeichen des Fahrkilometers. Wir machen noch einen kurzen Halt im Joshua Tree National Park, der aber im Nachhinein ziemlich schwach ist, denn auf dem Weg nach Vegas sehen wir noch viele Joshua Trees.

Julia Pfeiffer Burns Park

Julia Pfeiffer Burns Park

Am darauf folgenden Tag beginnt unsere Hochzeitszeremonie. Morgens erstmal ganz entspannt einkaufen gehen, gegen Mittag soll die Schminkerin kommen. Kriszta steht kurz vor der Verzweiflung, als sie die Nachricht erhält, dass die Probeschminkerin nicht kommen kann und sie einen Ersatz schickt, die auch noch eine Stunde zu spät kommt, weil es noch ein Hotel gleichen Namens in Vegas gibt. Unsere Fotografin steht auch schon Gewehr bei Fuß, als die Stylistin endlich fertig ist. Nicht zuletzt, weil sie überhaupt nicht mit den Einzelheiten des Probeschminkens vertraut war. Wir springen ins Auto und fahren nach Nelson, einer Geisterstadt, die von zwei Vietnamveteranen in Schuss gehalten wird und beliebtes Ziel von Fotoshootings ist. Als es dort dunkel wird, fahren wir noch zum Bellagio und machen den Rest der Aufnahmen. In Summe: 5,5 Stunden Fotoshooting bei über 30°C im Anzug / Hochzeitskleid.

Für die Hochzeit ziehen wir ins MGM Grand um, werfen uns wieder in Schale und es kann losgehen. 19.10 Uhr ruft uns der Taxifahrer der Little Chapel of the Flowers an und bittet uns, dass wir 19.30 Uhr bereit stehen. Pünktlich steht er vor der Tür und wir fahren über die Interstate zur Kapelle. Kaum steigen wir aus dem Auto, werden wir mit Blitzlicht in Empfang genommen. Es folgt der Papierkram, der schnell und routiniert erledigt wird. Während der ganzen Zeit werden Fotos vom Brautstrauß (der schon leicht welk ist) gemacht. Es wird kurz der grobe Ablauf erklärt und wir werden in kleines Kabuff geführt, wo uns wenige Augenblicke später der Referent empfängt. Er geht mit uns den Ablauf durch, fragt ein paar persönliche Fragen. Dabei fällt mir auf, dass das Revers von seinem Jacket dreckig ist. Wir erklären ihm, dass Kriszta gerne von ihrem Vater reingeführt werden möchte. Alles kein Problem…

Der Strip in Vegas bei Nacht

Der Strip in Vegas bei Nacht

Die Zeremonie beginnt, es läuft unsere Musik (wir haben uns extra ‚Starálfur‘ und ‚Hoppípolla‘ von Sigur Rós rausgesucht). Kriszta wird von ihrem Vater reingeführt, der Referent fragt, wer seine Tochter bringt, um sie mit diesem Mann zu verheiraten. Erste Panne – man hätte nicht nur dem Brautpaar erklären sollen, wie es abläuft, wenn der Vater die Tochter hereinführt. Es folgt eine kurze allgemeine Ansprache zum Thema Liebe und Zusammensein. Danach kommt der Schwur – in guten wie in schlechten Zeiten, Reichtum und Armut – Moment mal, was heißt Armut eigentlich auf Englisch? Poverty! Kein Problem, wenn man das Wort nicht versteht, der Referent macht geschickt einen kleinen Scherz daraus und weiter geht’s. Wir zünden gemeinsam eine Kerze an, stecken uns gegenseitig die Ringe auf, dürfen uns endlich küssen und laufen dann gemeinsam zu ‚Hoppípolla‘ raus. Länger hätte die Zeremonie auch nicht dauern sollen, denn genau aus diesem Grund haben wir eine Hochzeit außerhalb von Deutschland gewählt, weil wir keine Feier wollten, in der mühsam zusammen getragene Fakten der anwesenden Gemeinde (die sie ohnehin schon kennt) vorzutragen. Nach der Zeremonie macht der Fotograf noch einige Bilder außerhalb und innerhalb der Kapelle. Zum Abschluss werden wir noch um die Trinkgelder für den Referent, den Fotograf und den Fahrer gebeten. Wir sind erstaunt – Fotograf vorher, ohne die Bilder gesehen zu haben? Was, wenn wir mehr geben wollen, weil sie so gut geworden sind? Die Antwort lautet: „Wenn sie morgen die Bilder ansehen kommen, wird er keine Zeit haben, weil er da gerade auf einer anderen Feier ist.“ Mh… Es folgt die Heimfahrt in der Stretch-Limo zurück zum Hotel. Auf unseren Wunsch ein Stück über den Strip.

Bei einem schönen Blick auf den Strip schlafen wir ein und bleiben auch am nächsten Morgen länger liegen, der Tag ist zum relaxen gedacht. Zum späten Vormittag fahren wir nochmal in die Kapelle, um uns die Bilder anzusehen. Es wird uns ein kleiner Film mit den Bildern gezeigt – wir lachen, kommentieren und sind gespannt. Danach öffnet die zuständige Dame Lightroom und zeigt uns die rot markierten Bilder von der Zeremonie – von denen könnten wir uns 14 Stück auswählen. Wir schauen uns an – das muss wohl ein schlechter Scherz sein? Man versucht zu argumentieren, dass es im Vertrag gestanden hätte, dass die 14 Bilder nur von der Zeremonie sind – Außenaufnahmen und Bilder von vor und nach der Zeremonie kosten extra. Aber es immer gut einen Fotografen dabei zu haben – ich zeige, dass die Bilder überhaupt nicht bearbeitet wurden (die Rosen vom Brautstrauß sind eher grau wie rosa) und einfach von schlechter Qualität in Sachen Bildaufbau sind (schief, es fehlen Bilddetails, wie z.B. die Füße). Man kommt uns entgegen und sagt, dass wir sieben Bilder von der Zeremonie und sieben Bilder von außen bzw. vorher oder nachher nehmen dürfen. Ich bearbeite sie schnell nach und schon sind sie fertig. Den Rest des Tages laufen wir den Strip einmal rauf und runter.

Grand Canyon

Grand Canyon

Und schon sind wir ein letztes Mal unterwegs. Es geht zum Grand Canyon, der nach den ganzen anderen National Parks nicht mehr so beeindruckend erscheint. Deswegen auch hier keine nähere Beschreibung – Canyon halt. Unsere letzte Etappe ist L.A., wie machten Stopps in Hollywood, das natürlich von Touristen überlaufen ist, laufen über das Santa Monica Pier, machen einen kleinen Abstecher in die Seitenstraßen von Beverly Hills und landen abschließend im Hotel am Flughafen von L.A. Ich schaue verstört auf zwei mit Helium gefüllte Luftballons und den kleinen darunter liegenden Zettel „Guest of the Day – Jan“. Auf die Frage, wer wir denn sind, zeige ich auf den Zettel – ja, genau der da! Wir bekommen angeblich ein ruhiges Zimmer mit direkten Blick auf die Landebahn. Zum Glück surrt die Klimaanlage so laut, dass wir die landenden Flugzeuge kaum hören.

Nach unserem Besuch im Death Valley quälen wir uns über die Berge und sind in Kalifornien. Wir übernachten im beschaulichen Bishop und staunen Bauklötze, was Sprit kosten kann (für amerikanische Verhältnisse). Von Bishop aus geht es am nächsten Morgen zum Mono Lake, die skurrilen Kalkgebilde zu bewundern, die aus dem Wasser ragen. Wir sind fast allein dort und das Wetter ist einfach traumhaft. Danach geht es weiter in die Berge zur verlassenen Bergwerksstadt Bodie. Hier findet man allerlei dekorativen Schrott, den es zu fotografieren gilt und alte Holzhütten, die irgendwann in den 1960ern verlassen wurden.

Reise in die Vergangenheit in Bodie

Reise in die Vergangenheit in Bodie

Nach einem kleinen Mittagssnack überqueren wir den Tioga Pass und sind im Yosemite National Park. Hier oben liegt noch allerlei Schnee, der Pass wurde erst wenige Tage zuvor für die Sommersaison eröffnet. Der Yosemite National Park ist aber nicht unser Ziel an diesem Tag. Dieses liegt dahinter und heißt Pleasonton. Hier machen wir auch nur Zwischenstopp für unser nächstes Ziel: San Francisco. Bevor wir am Flughafen Kristas Eltern abholen, fahren wir etwas die Pacifica entlang. Das Abholen gestaltet sich länger als gedacht. Außerdem haben wir ein anderes Auto gebucht, d.h. das alte muss zurückgegeben und ein neues gemietet werden. Organisiert war alles, aber die Schlange am Flughafen unglaublich lang und fast noch länger musste ich warten, bis das neue Auto vorbereitet war.

Golden Gate Bridge

Golden Gate Bridge

Diesmal hatten wir einen kleinen Wagen, der mich die nächsten 14 Tage fast in den Wahnsinn trieb, denn der Schlüssel besaß keine Fernbedienung und wenn man die Fahrertür öffnete ging auch nur die Fahrertür auf und die restlichen Türen mussten per Knopfdruck im Auto geöffnet werden. Jedenfalls nahmen wir uns am Abend in San Francisco noch etwas Zeit herumzulaufen. Zu unseren Zielen gehörte die historische Straßenbahn und natürlich Pier 39 mit Dutzenden von Robben die faul in der Sonne liegen.

Der größte Baum der Welt - General Sherman

Der größte Baum der Welt – General Sherman

Mit einem Mietwagen die Golden Gate Bridge zu überqueren kann man auch ohne dass man den überteuerten Pass kauft, denn die Autovermietung anbietet. Bevor man Stadt auswärts zur Golden Gate Bridge kommt, gibt eine kleine Anlage wo man allerlei Interessantes über die Geschichte der Brücke erfährt. Dort gibt es auch einen Kiosk, der Tickets über die Brücke verkauft. Wissende werden jetzt anmerken, dass ohnehin nur die Fahrt Stadt einwärts Geld kostet – richtig, aber wir haben lieber vorher gefragt, bevor wir auf dem Rückweg keinen Kiosk finden. Unser Weg führt uns zum Stinson Beach, wo wir uns etwas in die Sonne legen. Die Fahrt dahin ist sehr kurvenreich und macht Spaß, solange man keinen schwachen Magen hat. Die Kurven sind auch der Grund, warum in dieser Ecke auch noch ein letztes Fleckchen ist, wo mit den Muir Woods noch gigantische Mammutbäume stehen. Diese gehören zu den Baumarten, welche die höchsten Bäume der Erde hervor bringen. Obwohl es sehr warm an dem Tag ist, ist es sehr angenehm im Schatten der Riesen zu laufen. Der Rest des Tages gehört wieder San Francisco. Wir wollen uns das Hippie-Viertel der Stadt ansehen, verfahren uns etwas und landen so aus Versehen auf den Twin Peaks.

Yosemite National Park

Yosemite National Park

Nach der Stadtbesichtigung ist es wieder etwas Zeit für Natur. Nächste Station ist der Sequoia National Park, der zwar auch Mammutbäume beherbergt, die aber weit nicht so groß werden, wie die in den Muir Woods. Trotzdem ist hier der größte Baum der Erde daheim – General Sherman. Eigentlich trifft „der Größte“ nicht den Punkt „der Meiste“ würde es im Deutschen besser bezeichnen. Durch ein Unwetter hat General Sherman schon etwas von seiner Höhe eingebüßt, aber macht es durch Masse wieder wett. Man stelle sich 1489 Kubikmeter Holz vor und hätte damit nur den Stamm dieses Riesen. Leider machten uns die Straßenbauarbeiten im National Park ziemlich zu schaffen. Stellenweise warteten wir eine halbe Stunde, bis die Arbeiten eingestellt wurden, um die Touristen passieren zu lassen.

Nachdem wir einige Tage zuvor schon den Yosemite National Park durchquert haben, nehmen wir uns jetzt auch mal Zeit, um ihn näher zu erkunden. Es ist einfach ein unglaubliches Fleckchen Erde, was man eigentlich mit nichts vergleichen kann, was ich bis dato gesehen habe. Es wirkt wie eine Welt, die man nur aus Fantasyfilmen oder Kindermärchen kennt. Zwischen steilen, schroffen Felsen erstreckt sich ein Tal, in dem sich ein perfekt grüner Nadelbaum zum anderen gesellt und an allen Ecken und Enden stürzt sich ein Bach als Wasserfall über die Felskante. Am meisten bin ich von der Aussicht vom Glacier Point beeindruckt, denn hier bekommt man oben beschriebene Landschaft auch noch als Panorama.

Monument Valley bei Sonnenuntergang

Monument Valley bei Sonnenuntergang

Nach unserem Aufenthalt in Monticello starten wir den Tag mit einem Besuch am Newspaper Rock. Hier tauschten sich die Indianer über Neuigkeiten aus oder einfach
gesagt – der Stein ist voll von primitiven Zeichnungen von Menschen und Tieren. Danach steht mit dem Natural Bridges National Park die nächste Sehenswürdigkeit auf dem Programm. Ich bin weniger begeistert, da es doch sehr wolkig ist und sich die Brücken im Tal von oben in ihrer Größe nur schwer abschätzen lassen. Durch die Wanderungen der letzten Tage sind wir auch wenig motiviert, den Abstieg zu wagen. Nur die letzte der Natural Bridges lohnt den kurzen Spaziergang und die heraus kommende Sonne brennt.

Vom Natural Bridges National Park führt der Moki Dugway abwärts ins Valley of the gods. Im Gegensatz zum Shafer Trail ist der breit genug für zwei Auto, teilweise auch asphaltiert, sodass die Fahrt kein Problem darstellt. Unsere Übernachtung ist in Mexican Hat, benannt nach der gleichnamigen Felsformation, die sich gleich in der Nähe befindet. Doch bevor wir uns ausruhen, fahren wir ins Monument Valley. Es ist genau, wie man es von den zahllosen Bildern kennt. Tausende Touristen tummeln sich an der Aussichtsplattform und einige Mutige wagen sich mit ihren Straßenautos auf die buckelige Piste, die rund um die Felsformationen führt. Mit unserem Ford Edge haben wir garkein Problem und nehmen jede Unebenheit mit Leichtigkeit.

Lichtstrahl im Upper Antelope Canyon

Lichtstrahl im Upper Antelope Canyon

Monument Valley ist in der Hand der ansässigen Indianer, die das Land verwalten und die Eintrittspreise festlegen. Unsere Jahreskarte für die National Parks hat hier keinen Effekt gehabt. Nach der Tour um die Felsen kehren wir zurück zum Mexican Hat und genießen ein Steak mit Bohnen und Salat, was über dem Feuer von einem Cowboy gegrillt wurde. Dazu gibt es Polygamy Porter – Why just have one!

Leider gibt es im Mexican Hat kein Frühstück und so müssen wir in die nächst gelegene große Ortschaft fahren, die was besitzt, wo man frühstücken kann – 20 Meilen entfernt. Diese Ortschaft liegt glücklicherweise auf direktem Weg nach Page, was unser nächstes Ziel ist. Zum späten Vormittag sind wir im nahe gelegenen Upper Antelope Canyon. Die Besichtigungen hier sind um die Mittagszeit ideal. Auch hier wird das Land von den Indianern verwaltet, die Unsummen für den Eintritt verlangen, besonders für Fotografen. Wie wir später lernen, dürfen die zwar länger drin bleiben, haben aber absolut keinen Vorteil, weil in der Zwischenzeit die anderen Touristen durch den Canyon geschleppt werden.

Lower Antelope Canyon

Lower Antelope Canyon

Der Upper Antelope Canyon ist von seinem Aufbau oben sehr schmal und unten breiter. Im Gegensatz dazu ist der Lower Antelope Canyon unten sehr schmal und oben breiter, weswegen es sich empfiehlt in den Nachmittagsstunden den Lower Antelope Canyon zu besuchen. Nach dem Andrang im oberen Canyon geht es hier sehr entspannt zu und die Formen des Canyons sind durch das einfallende Licht mit mehr Farbspielen durchzogen. Fotografisch fand ich somit den Upper schwieriger abzulichten. Hier sind aber die Lichtstrahlen, die auf den Boden fallen sehr schön, aber so entsteht eine unheimlich hohe Dynamik. Also entweder sind Bereiche des Bilder völlig ausgebrannt oder man sieht den Lichtstrahl und der Rest ist schwarz. Im Lower ist das wesentlich einfacher und das Gestein wirkt, als hätte man farbige Tücher über die Felsen gezogen. Insgesamt mache ich ca. 400 Aufnahmen in beiden Canyons.

Page ist ein großer Ort der von seinen Attraktionen in der Umgebung lebt. Wie wir mitbekommen, zahlen Touristen, die auf den letzten Drücker eine Unterkunft buchen wollen, zahlen ungefähr das Dreifache, gegenüber dem, was wir durch eine frühzeitige Buchung zahlen. Wir sind zwei Nächte in Page und am Tag nach der Besichtigung des Antelope Canyon schalten wir mal einen Gang runter und nehmen uns nur den Lake Powell und den Horseshoe Bend vor. Letzterer ist schon imposant, aber ideal zu Mittagszeit zu besichtigen und bei weit über 30°C ca. 20 Minuten in der Mittagssonne zu laufen, verkraften einige nicht. Wir nehmen diese Hürde mit Bravour und chillen dafür nachmittags am Hotel-Pool.

Horseshoe Bend

Horseshoe Bend

Nächste Station ist Death Valley. Um dahin zu kommen, machen wir einen Zwischenstopp in Vegas. Vorher schauen wir uns noch ein paar Hoodoos an. Das ist „weiches“ Gestein, was vom Wegwaschen dadurch gehindert wurde, dass ein massiver Stein darauf liegt. Letztendlich sehen die Hoodoos wie steinerne Pilze aus. In Vegas erfahren wir, warum meine Brille nicht gemacht werden konnte. Oakley schafft es nicht, Gläser in einer gewissen Stärke in ihre Brillen einzubauen. Rayban kann das und deshalb bin ich innerhalb einer Stunde Besitzer einer neuen Brille. Der Ausflug ins Death Valley wird ein „kalter“ Tag. Es ist wolkig und damit schafft es das Thermometer gerade mal bis knapp 40°C – zu dieser Zeit sind aber weit über 50°C möglich. Wir besichtigen den tiefsten Punkt des Death Valley und Devils Golf Course, wo der Teufel offensichtlich ein paar Bälle in die unwirtliche Salzwüste geschlagen hat.

Unsere Reise fing mit einigen Hindernissen an. Als wir einen Tag vor der Abreise nochmal einkaufen wollen, fährt uns einer hinten rein. Natürlich will er nicht gesehen haben, dass wir rückwärts fahren und als rückwärts Fahrender ist man sowieso immer zur Sorgfaltspflicht angehalten. Ähnlich sah es auch die Polizei. Aber trotzdem war ich ziemlich verärgert, sodass ich noch viel zeitiger munter wurde, als es ohnehin notwendig war. Wir fuhren zum Nürnberger Flughafen und von dort aus ging es nach Amsterdam. Wie wir erst später bemerkten, wurden uns bereits in Nürnberg die Tickets so ausgestellt, dass sich der Flug von Amsterdam nach Minneapolis verspätet. Um ziemlich genau zwei Stunden. Und genau das wäre die Zeit gewesen, die wir Aufenthalt in Minneapolis gehabt hätten. Es wurde eine Zitterpartie.

Observation point - Zion National Park

Observation point – Zion National Park

Aber letztendlich sollte sich alles in Wohlgefallen auflösen. In Minneapolis wurden wir nach den Immigration bereits mit neuen Tickets erwartet – es gab noch einen weiteren Flug nach Las Vegas, der zwei Stunden später statt fand. Glück im Unglück erwischten den Flug der abends in Vegas landet und saßen genau auf der Seite, dass wir direkt auf den Strip schauen konnten. Ein beeindruckendes Schauspiel gleich neben den Hotels zu landen. Reibungslos verlief auf die Autoübergabe bei National, wo wir unseren Ford Edge in Beschlag nahmen. Zum Glück hatten wir ein Hotel (Baymont Inn & Suites) etwas außerhalb vom Strip gebucht, sodass wir garnicht weit fahren mussten. Wir holten noch eine SIM-Karte, damit wir im Notfall telefonieren konnten und fielen dann nach 26 Stunden in unseren wohlverdienten Schlaf.

Unser ersten Tag in Las Vegas verlief relativ ereignislos, Kriszta hatte ihr probeschminken für die Hochzeit, wir gingen Outlet-Shoppen, bestellen mir einen angepasste Sonnenbrille und zogen ins Stratosphere um. Vorteil hier ist, dass man mit der Hotelbuchung eine Gratisbesichtigung auf dem Stratosphere Tower bekommt, die wir abends machten. Den nächsten Morgen gehen wir unsere Lizenz zum Heiraten holen. Die nette Dame am Schalter erklärt uns, wie wir die ganzen Anträge auch von daheim bestellen können. Uns geht ein Licht auf, dass es sich doch alles viel reibungsloser gestaltet. Die Kosten belaufen sich auf $60 für die Lizenz, $15 für die Bestätigung, dass die Hochzeit aktenkundig ist und weitere $20 für die Apostille (die Beglaubigung, dass die aktenkundige Bestätigung auch wirklich echt ist). Das Büro für die Heiratslizenz ist gleich in Downtown Las Vegas, also nutzen wir die Chance uns hier noch etwas umzusehen, bevor wir zum Zion National Park aufbrechen.

Morgen am Bryce Canyon

Morgen am Bryce Canyon

Der Zion Canyon National Park ist schön angelegt. Man parkt sein Auto außerhalb und kann dann mit einem kleinen Bus im Park einige Stationen anfahren. Wir machen einige kurze Tracks und brechen rechtzeitig wieder rückwärts auf, als es beginnt wie aus Kannen zu gießen. Während des Schauers sitzen wir im Bus und sind froh trocken davon gekommen zu sein. Abends habe ich dann so richtig den Kanal voll. Nicht nur, dass mich noch der Unfall wurmt, es kommt auch noch dazu, dass mein Duschbad ausgelaufen ist, mein Elektrorasierer sich während der Reise angeschaltet hatte und somit alle war. Dazu kommt noch, dass ich eine Mail bekomme, dass meine Sonnenbrille nicht in meiner Stärke gemacht werden kann. Ich bin bedient!

Landscape Arch - Arches National Park

Landscape Arch – Arches National Park

Der nächste Morgen beginnt mit strahlendem Sonnenschein. Wir besteigen den Observation Point und werden auf dem Weg nach oben von einem Graupelschauer überrascht, der ordentlich prickelt. Aber schnell ist die Sonne wieder da, trocknet die Sachen und der Ausblick macht das alles wieder wett. Nach dem Abstieg geht es am Nachmittag zum Bryce Canyon National Park – das Wetter bleibt wechselhaft und kühl. Wir laufen / fahren noch ein paar Stationen im Bryce Canyon an und dann beenden wir den Tag. Nachts schneit es ein bißchen und der Morgen ist mit 4°C ziemlich frisch. Wir haben eine tolle Show aus Licht und Schatten und genießen die wärmende Sonne. Nach dem Bryce Canyon stehen an diesem Tag auch noch der Kodachrome Basin State Park, der Burr Trail und der Long Canyon auf dem Programm. Wir durchqueren den Dixie National Forest um am Abend beim Capitol Reef National Park anzukommen. Dort schauen wir uns noch ein bißchen um. Es stellt sich als positiv heraus, denn den nächsten Morgen regnet es in Strömen.

Canyonlands National Park

Canyonlands National Park

Da es so viel regnet, machen wir kaum Stopps im Capitol Reef NP und setzen unsere Reise zum Goblin Valley fort. Hier ist es grau, aber trotzdem wirkt das kleine Tal mit seinen braunen Zipfeln lustig. Der Pause im Goblin Valley folgt eine lange Reise auf der Interstate. Gefühlt fahren wir 2-3 Stunden nur gerade aus, ohne dass sich signifikant etwas an der Landschaft oder der Straße ändert. Als wir in Moab ankommen, nehmen wir unsere Unterkunft im Inca Inn in Beschlag und fahren gleich erstmal zum Arches National Park, wo wir den Sonnenuntergang am Delicate Arch genießen. Unser Timing ist perfekt und wir erwischen genau die Zeit, wo die Sonne nochmal rauskommt. Als sie verschwindet, kommt ein ziemlich heftiger Wind auf, der den Abstieg schwierig gestaltet. Den nächsten Vormittag sind wir wieder im Arches National Park und besuchen den Devils Garden. Wir sehen unheimlich viele Arches, einen erstaunlicher wie den anderen.

Gewinnung von Potasche - an der Potash Road

Gewinnung von Pottasche – an der Potash Road

Nachmittags geht es in den nahe gelegenen Canyonlands National Park und besuchen Islands in the sky. Ein unglaublicher Ausblick von oben, wie sich das Wasser in die Landschaft genagt hat. Da das Wetter zusehends schöner wird, fahren wir nochmal zum Sonnenuntergang in den Arches National Park. Mittlerweile hat sich die Jahreskarte für die National Parks echt bezahlt gemacht und für $50 ist sie wirklich ein Schnäppchen. Wir wollen auch am Stargazing teilnehmen, aber dafür ist es zu wolkig. Trotzdem genieße ich es und freue mich, dass solche Veranstaltungen kostenlos angeboten werden.

Corona Arch

Corona Arch

Der nächste Tag steht im Zeichen des Fahrens. Wir haben uns nicht umsonst einen 4×4 ausgeliehen, wenn wir ihn nicht nutzen würden. Wir jagen ihn die Potashroad und anschließend den Shafer Trail hinauf zum Canyonlands National Park. Wie der Name schon vermuten lässt, wird an der Potash Road Pottasche gewonnen. Dazu wirde das Wasser des Colorado nach die Spalten nach oben gespült und anschließend mit blauem Farbstoff versetzt, damit es schneller verdunstet. Übrig bleibt die hochgespülte Pottasche. Nachdem wir zum Mittag und zum Wäsche waschen wieder in Moab waren, nutzten wir den Rest des Tages um einen kleinen Umweg über die Berge nach Monticello zu nehmen, der sich wirklich lohnt, denn in dieser Region sind kaum Touristen unterwegs und man hat einen wunderbaren Ausblick.

Endlich der längst fällige Beitrag zu unserer USA-Reise. Zu Beginn erstmal so etwas wie eine Zusammenfassung, ich könnte es auch als Retrospektive bezeichnen. Für mich ist eine Reise in die USA ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist es sehr entspannt zu reisen. Meine Frau hatte alle Hotels im voraus gebucht und damit war es mein Job, uns sicher von A nach B zu bringen und tolle Fotos zu machen. Und die habe ich gemacht: knapp 1.700 Stück. Wir hatten die ersten 14 Tage einen Ford Edge, der keine Wünsche offen ließ. Bequemes Fahren, Satellitenradio und jeden erdenklichen Schnickschnack, der das Fahren einfach macht. Finanziell war dieses Auto für uns kein Unterschied, als wenn wir in Deutschland gefahren wären. Das Benzin kostet halb so viel, dafür schlucken die Kisten das Doppelte. Die andere Seite ist die plötzliche Umstellung bezüglich Steuern, Gebühren und Trinkgeldern. Auch nach vier Wochen Rundreise hatten wir den Dreh mit dem Trinkgeld immer noch nicht raus. Entweder wurden wir erstaunt angesehen (so viel?) oder man zog missmutig davon (so wenig?).

Unser Ford Edge

Grob gesehen teilte sich unsere Reise in zwei Teile – der Nationalparkmarathon zu zweit und dann Städte und Vielfahren zu viert. Ich gebe mal fix eine Liste der Stationen an, die wir angesteuert haben:

  • Las Vegas
  • Zion National Park
  • Bryce Canyon National Park
  • Kodachrome Basin State Park
  • Burr Trail / Long Canyon
  • Capitol Reef National Park
  • Goblin Valley
  • Arches National Park
  • Canyonlands National Park
  • Potashroad / Shafer Trail
  • Natural Bridges National Park
  • Moki Dogway
  • Valley of the gods / Mexican Hat
  • Monument Valley
  • Upper / Lower Antelope Canyon
  • Antelope Point / Lake Powell / Horseshoe Bend
  • Las Vegas
  • Death Valley
  • Mono Lake / Bodie
  • Tioga Pass / Yosemite National Park
  • San Francisco
  • Muir Woods / Sequoia National Park
  • Yosemite National Park
  • Monterey / Carmel
  • Point Lobos State Park
  • Julia Pfeiffer Burns Park
  • Santa Barbara / Malibu
  • Las Vegas (Hochzeit!)
  • Grand Canyon
  • Los Angeles / Hollywood

Es ist schon merkwürdig. Während die Stationen, die wir ansteuern immer schön sind, haben wir ständig Probleme mit den Transporten. Diesmal flogen wir von Miami nach New York mit Delta Airlines, die sich rühmen die Nummer 1 bewunderte Airline zu sein (weltweit!). Wir standen mit unserem Gepäck am Schalter, als es tönte: „2 Bags, that’s $50, $25 each – cash or credit card?“ Ja, wie bitte? Wir hatten extra am Vorabend die Gepäckbestimmungen gecheckt, keine Information. Doch, doch, auf Inlandsflügen kostet das Gepäck extra. Dafür saßen wir dann auch im hintersten Teil der Maschine, am Gang. Die Maschine hatte ihre Triebwerke hinten, direkt neben dem Fenster, d.h. wir haben nichts gesehen, aber dafür viel gehört.

Wir laden das Gepäck im Chelsea Inn ab und laufen bis zum Times Square, kaufen 50% reduzierte Karten für Mamma Mia und schauen uns mal so ein Broadway Musical an. Es ist kitschig, genau wie man es kennt, aber man muss es mal gemacht haben. Und das Schöne daran war, dass wir die nächsten Tage nur noch Abba gesungen haben. Der erste komplette Tag in New York führt uns in nördliche Richtung – Central Park. Wir laufen nichts spezifisches an, sondern schauen uns einfach um. Überall ist es weihnachtlich geschmückt und es leuchtet bunt. Erwähnenswert ist auf jeden Fall der Besuch im MoMA, der hochinteressant war. Mein erster Eindruck von New York ist der, einen schönen Altstadt – man sollte mal überlegen, von wann die Gebäude sind!

Unser zweiter Tag beginnt mit einer Fahrt mit der Staten Island Ferry, die kostenlos ist und einen tollen Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline von New York bietet. Es ist nicht so viel los, wie in den Blogs berichtet wird, aber vielleicht liegt es auch an der Saison, es ist im Schatten ziemlich kalt und windig. Als wir wieder auf dem Festland sind, laufen wir zu Ground Zero und wollen dort an einem der vielen Straßenstände ein Hotdog und eine Bretzel holen. $14!!! Der Rest des Tages war gelaufen, wir gehen zurück ins Hotel, ich schlafe ein wenig.

New York zeigt sich am nächsten Tag von seiner sonnigsten Seite, es sind Minusgrade, aber trotzdem gehe ich auf das Rockefeller-Center und schaue mir die Stadt vom 69. Stock aus an. Das Schöne da oben ist wirklich, dass man auf dem Dach des Gebäudes steht und freien Blick auf alles hat. Mittags folgt nochmal ein Besuch beim legendären Johnny Rockets – die Burger sind wirklich extrem gut und ihren Preis auf jeden Fall wert. Danach gehen wir noch zum Guggenheim-Museum, was wirklich sensationell ist. Wir bereuen, dass wir den Audio-Guide nicht schon im MoMA genommen haben, es hilft wirklich ungemein zu verstehen, welche Symbolik sich hinter den Kunstwerken versteckt. Danach gibt es noch einen schönen Sonnenuntergang im Central Park und laufen zurück.

Natürlich muss noch etwas zum Abschluss unserer Reise passieren. Von unserem Hotel bekommen wir Frühstücksgutscheine, die man im anliegenden Restaurant für Kaffee und Snack to go einlösen kann. Den letzten Morgen unserer Weltreise gehen wir dort nochmal richtig frühstücken – $12-13 für ein Frühstück sind schon echt heftig, aber wir gönnen uns das. Es ist lecker, wir bekommen die Rechnung – natürlich wieder mit nachträglich hinzugerechneter Mehrwertsteuer. Und unter drunter eine kleine Liste – vorgeschlagene Trinkgelder: 18%, 20% oder 25%, was zwischen $5 und $7 wären. So viel Geld, dafür dass unser der Kellner durchschnittlich seine Arbeit macht und keine Ausnahme macht, was die eingelösten Gutscheine betrifft, nein, das ist es uns nicht wert. Wir geben weniger, was zur Folge hat, dass uns der Kellner auf die Straße hinterher läuft und uns erklärt, dass es in New York anders läuft und der Kellner vom Trinkgeld lebt. Schon klar, aber kein Service – kein Geld. Er macht eine riesige Show und schimpft und ich denke mir „Für das Fluchen willst du jetzt auch noch Trinkgeld haben?“ Er scheint es auch zu erkennen, schimpft weiter und geht wieder.

Nachdem wir von den Bahamas zurückkehrten, waren wir wieder in Miami und nahmen uns wieder ein Auto von Dollar. Die Auswahl war diesmal nicht so schön und wir erwischten einen roten Chevy Aveo der schon 30.000 Meilen runter hatte. Nach einer kleinen Fahrt stellten wir fest, dass der Blinker nicht geht, fuhren zur nächstgelegenen Dollar-Station und tauschten ihn gegen einen anderen um. Auch schon über 30.000 Meilen gelaufen und ziemlich dreckig innen. Außerdem war irgendwann in der Lenkung angeschlagen, denn das Lenkrad vibrierte ab 50 mph ziemlich heftig. Trotzdem fuhr es uns sicher über 1.200 Meilen durch Florida.

Erste Station war St. Petersburg. Wir fuhren am Lake Okeechobee bis Sarasota, wo wir abends ankommen. Wir bekommen noch die Empfehlung an den nahe gelegenen Strand zu gehen, den Siesta Beach, der als Nummer 1 in den USA bezeichnet wird. Selbst bei dem wenigen Licht können wir sehen, dass das nicht gelogen ist. Weitläufiger weißer Strand, der so fein ist, dass er wie Schnee unter den Füßen schnurpst. Den nächsten Tag sonnen wir uns dort auch noch ein wenig, bevor wir nach St. Petersburg fahren. Der Strand ist hier nicht so toll, aber St. Petersburg ist für seine Sonnenuntergänge berühmt. Anfangs zweifeln wir, weil es eher nach Regen aussieht, aber später scheint die Sonne durch die eine oder andere Lücke. Da St. Petersburg ziemlich teuer ist, finden wir erst in Clearwater Beach eine Unterkunft.

Am nächsten Tag folgte die Zwischenstation Naples, nicht sonderlich erwähnenswert, aber wir brauchten eine Station, damit wir am nächsten Tag vormittags durch die Everglades fahren können. Wir halten an der kleinen Poststation der USA, die noch zu hatte und halten hier und da an, um einige der vielen Holzstege zu laufen. Viele sind kostenlos, am besten fragt man in einem Touristenzentrum nach, die einem kostenloses Kartenmaterial zur Verfügung stellen und noch gute Tipps auf Lager haben, wo man anhalten kann / muss. Wir sahen jede Menge Vögel, Alligatoren (stellenweise bis zu 4 Meter lang) und eine fantastische Vegetation.

Eigentlich wollten wir ja noch nach Miami, aber der Strand gefiel uns nicht und Miami erst recht nicht. Miami Beach bzw. Miami ist voll von Lateinamerikanern und dementsprechend geht es dort zu. Es ist schmutzig, ungepflegt und sogar die Werbeplakate sind auf Spanisch. Also fahren wir zurück nach Fort Lauderdale und gehen in unser La Quinta-Hotel in Tamarac. Von dort aus starten wir am nächsten Tag unsere Tour nach Key West. Von einigen hatten wir gehört, die Fahrt wäre langweilig, von anderen hatten wir gehört, Key West wäre langweilig. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Die Aussicht auf die Brücken und das Wasser zwischendurch ist schön, aber es sind von der letzten Ecke von Miami bis Key West 120 Meilen, was über 2 Stunden Fahrt für eine Richtung sind. Und Key West ist ein kleines Zipfelchen mit einem Stückchen Strand, der zwar wunderschön ist, aber direkt neben dem Flughafen liegt. Aber zumindest ging meine Benzinrechnung auf – auf Key West hat man fast New Yorker Preise für Benzin und wir mussten nicht zwischendurch tanken.

Ein bißchen enttäuscht war ich schon, kurz bevor wir nach Fort Lauderdale gingen, denn es wurde der Start des Mars Space Laboratory (MSL) aka „Curiosity“ vom 25.11. auf den 26.11. verschoben. Aber in gewisser Weise war ich auch froh, denn so waren die Startrampen für die Tour nicht gesperrt und man konnte „relativ“ nah ran.

Durch den Black Friday Exzess in der Nacht zuvor hatten wir nur 4 Stunden geschlafen. Wir frühstückten schnell, verstauten unsere Taschen im Auto und fuhren Richtung Norden Richtung Cape Caneveral. Obwohl wir bis zu 70 Meilen pro Stunde fahren konnten, dauerte unsere Fahrt 3 Stunden und es war kurz nach 13 Uhr, als wir ankamen.

Gleich nachdem wir auf dem Gelände waren, nahmen wir einen Bus, der in die Nähe der Startrampen fährt. Von Filmen wie „Contact“ kannte ich das Gebiet schon und es war überwältigend die riesige Montagehalle zu sehen und die Kiesspuren, die zu den Startrampen führen. Von einem Aussichtspunkt hatten wir die Möglichkeit auf die Startrampe der Apollomissionen zu schauen und natürlich auch auf die Abschussrampe, wo die Atlas V-Rakete auf ihren Start wartete.

Von da aus ging die Busfahrt weiter zu einer Halle, wo erst ein Film über die Apollo-Mission gezeigt wurde. Danach öffneten sich die Türen und es wurde der Blick auf die Konsolen der Apollo-8-Mission freigegeben. Dazu wurde der Start der Rakete simuliert, mit allen Sprachaufzeichnungen und inklusive wackelnder Scheiben. Anschließend ging es zu einer originalen Saturn-5-Rakete, der Basis aller Apollo-Missionen. Dort konnte man über den Rover bis zu den Raumanzügen alles bewundern, was bei den Apollo-Missionen zum Einsatz kam.

Nachdem wir die Rundfahrt beendet hatten, schlenderten wir noch über das Gelände und schauten uns alles an, mit Ausnahme aller Gebäude, denn die Klimaanlagen waren auf „tiefkühlen“ gestellt und länger als 10 Minuten haben wir nicht ausgehalten. Das Hauptgelände ist wenig ergiebig und so liefen wir zurück zum Auto und fuhren zurück Richtung Fort Lauderdale.

Unsere "Eroberungen"

Den Flug von San Jose nach Fort Lauderdale machten wir mit Spirit Airlines, dem amerikanischen Gegenstück zu Ryanair. Handgepäck ist gratis, größere Handgepäckstücke kosten schon empfindlich mehr und wenn man bis zu 18kg (40 lbs) mitnimmt, ist man mit $33 pro Gepäckstück dabei. Wir hatten das Gepäck schon vorher online bestellt, denn wenn man es erst am Flughafen abgibt, wird es noch teurer. Deshalb entsorgten wir in San Jose so viel wir nur konnten, damit wir unter der Gewichtsgrenze blieben. Aber letztendlich konnte ich sogar meinen Rucksack als Handgepäck gratis mitnehmen und alles war halb so wild.

Frisch gelandet, kamen wir zu Einwanderungsbehörde und hatten auch noch das Glück einen Beamten zu haben, der als Kind von Deutschland in die USA ausgewandert ist. Ging alles schnell und problemlos, genau wie die Autovermietung. Einfach ins Parkhaus gehen, ein Auto der Klasse aussuchen und einsteigen – Schlüssel steckt. Mit dem Auto ging es auf die Suche nach einem Hotel/Motel in der Nähe. Wir suchten eine Weile und ließen uns dann in einem La Quinta Hotel nieder, dass schon gut gefüllt war. Wir ruhten uns einen Moment aus und versuchten was zu Essen zu finden. Leider Fehlanzeige, denn es war Thanksgiving und alles hatte zu… noch. In wenigen Stunden würden sich die Türen der Shopping Center öffnen und Schnäppchenjägern das hart verdiente Geld aus den Taschen ziehen.

Der Tag nach dem Black Friday

Wir waren 21.30 Uhr an der Sawgrass Mills Mall, dem größten Outlet der Welt. Wie man es von Filmen kennt, gingen 22 Uhr alle in Startposition und als sich die Türen öffneten, rannten alle los. Wir beeilten uns zu Tommy Hilfiger zu kommen und waren auch eine der ersten die da waren. Da wir im Vorfeld schon wussten, welche Größen wir benötigten, luden wir nur das Zeug ein, suchten noch etwas und ca. 22.30 Uhr stellten wir uns an die Kasse. Dort blieben wir auch die nächsten knapp 2 Stunden stehen, denn die Leute hatten die Wägen vollgeladen. So etwas habe ich nie zuvor gesehen – Menschen griffen ins Regal, nahmen einen ganzen Stapel Polo-Shirts (alle möglichen Größen) und legten ihn ungesehen in den Wagen.

Wir wechselten uns beim Anstehen ab und als ich von meiner Runde wiederkam, durfte ich nicht mehr das Geschäft betreten. Diskussionen waren zwecklos, es führte kein Weg mehr rein. Kriszta kam aber kurze Zeit später mit allen Tüten aus dem Laden und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Wir durchstöberten noch mehrere Geschäfte und kurz nach 3 Uhr morgens gingen wir zurück ins Hotel.