Um den richtigen Einstieg zu finden, muss ich auf einen Blogbeitrag verweisen, der mittlerweile über 10 Jahre alt ist. Hier findet sich die Geschichte „Wie Jan zu den Vibrant forms kam“. Und von da aus navigiere ich in die Gegenwart. Dazwischen: 16 Jahre Stille. (Ja, ich weiß, Fluxion hat weiter veröffentlicht. Aber halt keine Vibrant forms.)

Und nun kommen 75 Minuten in Musik gepresste Stille. Aber nicht Stille im Sinne eines John Cage, sondern von Ruhe und Entspannung. In der letzten Zeit hatte das Label Subwax aus Barcelona von sich reden gemacht, indem es die Vibrant forms I & II neu aufgelegt hat. Und schon seit Anfang des Jahres machte sich das Gerücht breit, dass es eine Vibrant forms III geben wird. Kurze Zeit später tauchte sie bei discogs.com auf und relativ schnell gaben einige Leute an, dass sie die Scheibe schon haben. Tatsache war, dass sie erste diese Woche veröffentlicht wurde.

Mein mir zugewiesener Musikverteiler boomkat.com ließ sich zur Aussage hinreißen, die Vibrant forms III würde Material aus der Zeit der ersten beiden Teile enthalten – zumindest solange nicht anderweitig bewiesen. Beim ersten Durchhören dachte ich „Nein, dass klingt zu sehr nach den neuen Veröffentlichungen.“ Doch gerade läuft sie das erste Mal komplett durch und ich revidiere meine Aussage. Wenn das neu ist, ist es ziemlich gut gelungen. Auf jeden Fall ein gelungener Nachfolger und würdiger Träger des Titels „Vibrant forms“.

Man wünscht sich doch immer eine ruhige und entspannte Weihnachtszeit – die werde ich jetzt haben!

Irgendwann 2000/2001 tauchte ein Live-Mix auf, dessen Sound viel versprach – chillig, so richtig zum Hinhocken und einfach zuhören. Wenn man es kritisch betrachtete, war es vielleicht etwas schnulzig, aber trotzdem – da hatte jemand viel Liebe reingesteckt. Wenig später verschwand der Mix wieder und irgendwann erschien ein Hinweis: Ulrich Schnauss – Far away trains passing by. Diese CD erschien auf City Centre Offices und war – nachdem ich reingehört habe und viele Stücke aus dem Mix wiederfand – sofort mein. Und alles begann mit „Knuddelmaus“… Kritiker meinten, es wäre zu schnulzig, zu rund, ohne Kanten, mussten aber anerkennend feststellen, dass es vielschichtig, durchdacht und abwechslungsreich war.

Zwei Jahre später folgte dann „A strangely isolated place“. Irgendwie hatte ich den Mix noch und jetzt war die Sammlung komplett. Die Titel, die noch nicht auf dem ersten Album waren, wurden hier nachgelegt. Der Sound ähnlich, doch schimmerten hier auch ein paar Tracks durch, die etwas schneller waren. Es folgten vier Jahre Ruhe – hier und da tauchte mal ein Track auf, z.B. „Suddenly the trees are giving way“ auf Sutemos. Erst 2007 legte er mit „Goodbye“ nach. Und solche Titel wirken schwer. Denn es ging so weiter – immer wieder mal eine Kollaboration, doch kein neues Album. Erst 6 Jahre später ging es mit „A long way to fall“ weiter. In den Rezensionen kristallisierte sich die Meinung heraus, dass Ulrich Schnauss erwachsen geworden wäre und jetzt auch endlich so klingt.

Wir schreiben jetzt das Jahr 2016 und es passiert etwas wunderbares. „No further ahead than today“ erscheint und macht die letzten beiden Alben, ach was sag ich, ein ganzes Jahrzehnt ungeschehen und setzt genau da an, wo „A strangly isolated place“ aufhörte. Ich liege in der Wanne kann es einfach nicht fassen – dieses Album. Auch wenn ich einen kleinen Hauch an Kritik loswerden muss, denn es ist im Vergleich zum Einheitspreis der Alben in den verschiedenen Stores überall teurer. Aber das ist ein kleines Schmerz zu so viel Linderung wie dieses Album verteilt.

Man könnte behaupten, Nina Kraviz hat den großen Wurf gelandet. Dieser Typ – Bjarki – bringt im Jahre 2015 eine Zwei-Track-Scheibe mit dem Kracher „I wanna go bang“ raus und dann Ruhe. Bis zum späten Frühjahr und dann rumpeln innerhalb von einem halben Jahr drei Longplayer („B“, „Lefhanded Fuqs“ und „AE“) auf den Markt. Ich finde solche Tendenzen immer gefährlich. Leute, die viel Musik innerhalb von kürzester Zeit veröffentlichen, bringen viel Schrott raus oder die Qualität fängt ab der zweiten Scheibe an, drastisch zu sinken. Oder es tritt das Schlimmste ein – ich mag nicht mehr, hab den Kanal voll von immer dem gleichen Sound.

1:0 für Bjarki – denn der hat schon beim ersten Album gezeigt, dass er zielsicher zwischen Ambient, Downtempo, IDM und rüpelhaften Technobrechern hin- und herspringt, ohne sich wirklich festlegen zu wollen, in welche Schublade er denn jetzt gehört. Und genau dieser Punkt macht ihn mir sehr sympatisch. Mal poltert er wie ein wilder Troll – ich fange schon an genervt auf den Player zu schauen und im nächsten Moment fächelt ein sanfter Ambient um meine Ohren. In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, dass er so ca. 10 Tracks pro Tag produziert und auch nicht groß darüber nachdenkt, was er da macht. Ich bin gerade mitten im zweiten Album („Lefhanded Fuqs“) und es schlurft „EL“ durch den Kopfhörer und für einen Moment vergesse ich, dass ich Bjarki höre und glaube mitten im Abfahrt-Hinwil-Album zu stecken oder vielleicht auch Arovane. Es ist ein Traum.

Und genau dieses ungebremste Wilde und Experimentierfreudige – das, was ich vor ca. 20 Jahren in einem Aphex Twin gesehen habe – kommt jetzt wieder. Nur ohne die Affektiertheit eines Richard D. James, der jahrelang von seinen tausenden Demos erzählte und erst Anfang letzten Jahres zu erkennen gab, dass es sich nicht um ein Phantom handelt, sondern diese Tracks tatsächlich existieren. Man merkt auch, wie schnelllebig die Zeiten geworden sind. Mitte der 90er – jedes Jahr ein Album veröffentlichen? Der blanke Ausverkauf! 2016: 3 Alben in einem halben Jahr – Läuft!

Die Patashnik von Biosphere gehört mit zu meinen liebsten Alben. Als 1994 die Werbung für Levi’s rauskam, war ich hin und weg. Und dann dieses Album – ein ständiges Schweben zwischen chilligem Techno und Ambient. Aber für mich waren alle Alben die danach kamen, nicht mehr vergleichbar. Und jetzt entdecke ich die Microgravity. Original erschienen 1991 und letztes Jahr remastered. Also nehme ich mir die Zeit und höre das Album an und bin sprachlos – eigentlich genau wie die Patashnik, vielleicht noch nicht so ganz ausgereift, aber für den Sound von 1991 schon extrem weit entwickelt.

Und während mein Geist wieder ganz entspannt zwischen den zarten Fäden der ambienten Sounds hängt, fällt mir auf, dass ich einen Song kenne: Cloudwalker. Seinerzeit Bestandteil des 3 Lux-3 Videos. Um aber dem Gedanken nachzuhängen, fällt mir auf, dass es in letzter Zeit viele Wiederveröffentlichungen früherer Releases gibt. Gerade von den Künstlern selbst, wie jetzt Biosphere, Oliver Lieb, Uwe Schmidt… um nur einige zu nennen. Weiter so, Jungs! Ich bin überzeugt, dass ich noch große musikalische Lücken habe.

Egal wie ich es mache, es ist verkehrt – bei „Syro“ und den „Computer Controlled Acoustic Instruments“ hatte ich einen Pre-Order bei Bleep (dem ausgegliederten Warp-Shop) zu laufen und musste danach feststellen, dass andere Shops nach Veröffentlichung viel günstiger waren. Also machte ich diesmal alles richtig. Ich wartete die Veröffentlichung ab und entschied mich dann, die AFX-Platte bei junodownload.com zu kaufen, für 6,66 Euro am günstigsten. Und Anfang dieser Woche gibt Bleep bekannt: Wenn ihr die ODS gekauft habt, dann schaut mal in euren Download-Bereich, wir haben ein Goodie für euch. Mist!

Auch dieses Mal tat Warp alles, um die Werbetrommel richtig zu rühren. Mit Ankündigung konnte man den ersten Song „Serge Fenix Rendered 2“ gleich herunterladen. Kurz vor Veröffentlichung waren es schon vier Tracks. Auch gab es diesmal keine blumigen Versprechungen von wegen „neu und innovativ“. Die EP(?) unterteilt sich für mich in drei Teile: (A) der Analord-Part. Keine weiteren Erklärungen, die logische Fortsetzung der Analord-Serie.

Teil (B) besteht aus den zwei Titeln „Bonus EMT Beats“ und „Simple Slamming B 2“. Wie der Name des ersten Tracks schon ahnen lässt – sehr betont auf Drums, wobei Simple Slamming doch ein gewisses Highlight der Platte darstellt. Warum? Ich habe gewisse Assoziationen damit. Wahrscheinlich mit einem der unendlich vielen Songs, die er in letzter Zeit veröffentlicht hat.

Der finale Teil (C) beginnt mit „Midi Pipe1c Sds3time…“, einem Song, der mit vom Konzept her fast an die CCAI denken lässt, aber hat doch schwere Anleihen an Syro, genau wie die restlichen Tracks. Und zum Schluss – völlig unabhängig von allen anderen Songs, das Goodie „umil 25-01“. Ich bekomm das Ding einfach in keine Schublade gesteckt. Es ist jetzt nicht die Innovation, einerseits typisch AFX, aber auch komplett neben den Alben und EPs.

Ich habe im Laufe des letzten Jahres mich zusammengerissen und alle meine neu gekauften Platten als einzelne Beiträge rezensiert. „Rezensiert“ trifft es natürlich nicht ganz, manchmal war es mehr persönlicher Bezug als inhaltlicher. Trotzdem hat sich der eine oder andere Künstler gefunden und den Link zu meiner Rezension auf seine Facebook-Seite übernommen. Das hat mich immer motiviert weiter zu schreiben. Aber irgendwann im Herbst letzten Jahres, als die Max-Cooper-Welle über mich schwappte, hörte ich auf damit.

Hintergrund waren zum einen die Menge der neuen Platten, die sich inhaltlich auch nicht so sehr unterschieden, sodass die Kreativität einfach zu mir sagte „Komm, lass gehen! Hör dir lieber das Zeug an, statt darüber zu schreiben!“ Und ich tat mir selbst den Gefallen. Trotzdem gibt es in mir immer noch den Drang Feedback über die neue Musik zu geben, die sich bei mir ansammelt. Sonst kann es durchaus passieren, dass ich das nächste Mal von meinen Freunden zu hören bekomme: „Was gibt es denn neues an Musik?“ Da konnte ich bis jetzt ganz geschmeidig kontern, dass sie doch mal einen Blick auf meinen Blog werfen sollen.

Also kommt jetzt – Mitte 2015 – eine neue persönliche Herausforderung: Ich versuche es im Mischbetrieb, d.h. ich werde eine Kurzrezension in der Plattenkiste hinterlassen und wenn mich eine neue Veröffentlichung so sehr bewegt, dann gibt es einen gesonderten Beitrag dafür, der dann in der Plattenkiste verlinkt wird. Das wird ab sofort losgehen mit den neuen Releases, die ich letzte Woche gekauft haben – rückwirkend bis ins letzte Jahr hinein. Klingt nach viel Aufwand, aber wenn mich Musik nicht berühren würde, säße ich jeden Tag vor dem Radio und würde mir das Gedudel reinziehen, was dort 24/7 läuft.

coverMal Herr Cooper nicht allein, sondern mit tatkräftiger Unterstützung von Nicolas Bougaieff. Anders als bei den restlichen EPs von Max Cooper auf Traum Schallplatten gibt es hier keinen gleichnamigen Track, der namensgebend für die EP ist. Die „Movements“ wird von einem Track namens „Fracture“ eröffnet, der vereinfacht gesagt ein 303-Lauf ist, der von stellenweise gespenstisch anmutenden Sounds begleitet wird. „Ellipse“ setzt die Idee von „Fracture“ fort, nur mehr im gewohnten Max Cooper-Style. „Walls“ bricht aus dem Schema aus, vermittelt die Idee einer tickenden Uhr und brüllt und brummt wie ein zorniges Tier dabei. Da wir gerade die ebene Spur verlassen haben, passt „Meadows“ gut ins Konzept, spielt mit IDM-Anleihen und bleibt trotzdem sehr bodenständig durch ein verträumt klimperndes Klavier und Streicher, die dem Ganzen noch einen Hauch von endloser Weite geben.

Die zweite Hälfte gehört den Remixen – Max Cooper zu remixen, scheint eine besondere Ehre zu sein. Mag jetzt ironisch klingen, aber ich musste im Laufe der Zeit feststellen, dass selbst die Remixe sehr gelungen sind, keinen Bruch mit dem eigentlich Sound von Max Cooper darstellen und trotzdem eine ganz andere Sicht auf das Original vermitteln.

coverSymphonica und Wasp sind die Geschwister dieser EP. Beide durchsetzt von einem knarrenden Sound, der den Spannungsbogen der Tracks darstellt, manchmal nur zur Untermalung erscheint, manchmal heulend einen Break einläutet. Begleitet wird das von einem Klingklang, der mit mitgrooven einlädt. Dabei ist „Wasp“ aber etwas verhaltener wie „Symphonica“.

Ungewöhnlicher geht es mit einem Remix von „The End of Reason“ weiter, denn der Remix folgt vor dem Original – wohl gut so, denn der Remix bildet eine gelungene Überleitung. „The End of Reason“ beginnt mit Synthie-Streichern, der eine Filmatmosphäre für ein Drama schaffen, aber rechtzeitig fängt Max Cooper das drohende Debakel ab und lässt es in ein sanftes Schweben übergehen. Wenn dann später die Streicher wieder einsetzen, wirkt es weniger wie ein Drama, sondern wie der zögerliche Beginn eines neuen Tages. Und Abschluss folgt eine Reprise von Marco Dassi, die sich sehr stark am Original orientiert.

coverDas ist eigentlich das, was ich von Aphex Twin als Album erwartet hätte. Es gab ja schon vor etlichen Jahren Alarm Will Sound, ein Orchester welches Aphex Twin Stücke interpretiert hat. Und nachdem Aphex Twin mit den Analord-Serie in den analogen Bereich wechselt er jetzt zu physikalischer Klangerzeugung. Wie er es genau gemacht hat, habe ich noch nicht gefunden, aber der Name der EP und die Tracktitel lassen vermuten, dass er sein Disklavier an den Rechner angeschlossen hat und außerdem das Klavier noch präpariert hat.

Herausgekommen sind 13 Stücke – von 20 Sekunden bis 5 Minuten. Es gibt viel, was mir gefällt. Manche Tracks sind reine Experimentalstücke. Da reicht es, wenn es 20 Sekunden lang ist, sonst wäre der Höhrer überstrapaziert, weil einfach nur die Idee zählt und nicht das klangliche Ergebnis. Ein weiterer Punkt, den ich hoch anrechne ist die Homogenität der EP. Es klingt wie aus einem Guss und nicht wie bei „Syro“ eine Kollektion von angestaubten Stücken.

Einmalig schön und damit unbedingt erwähnenswert ist „piano un10 it happened“, ähnlich wie „Avril 14th“ aus seinem Album „Drukqs“ ein Klavierstück, was einfach so hervorperlt und den Rest der Stücke wie lästige Kekskrümel abschüttelt. Ich stelle mir gerade ein Album oder eine EP vor, die nur aus Klavierstücken von Aphex Twin besteht. Aber wer weiß, was uns noch erwartet. Irgendwie lässt der Name ja vermuten, dass es auch einen Part 1 gegeben hat / geben wird…

coverWährend der namensgebende Track „Stochastisch Serie“ eher verhalten daher kommt, wechselt „Discordance“ in eine phantastisch verträumte Welt, ohne auch nur einen Augenblick kitschig zu wirken. „Mnemonic“ darf die Fehler von „Stochastisch Serie“ ausbügeln und nimmt etwas mehr Fahrt auf. Und das schönste bei den Max Cooper Scheiben sind die Remixe anderer Künstler – so belebt Leeks den Titeltrack zu neuer Brillianz. Den Track „Automnemonic“ kann man schon fast als Reinterpretation seiner eigenen Stücks „Mnemonic“ von Max Cooper auffassen. Die Beats werden gebrochen und dadurch wirkt der Track etwas sperriger, gleichzeitig flüstert eine blecherne Stimme geheimnisvolle Dinge und ein Pad erklingt unauffällig im Hintergrund. Microtrauma steuert dann den sechsten Track bei und gibt Automnemonic seinen straighten Beat wieder zurück.