Jede Weltreise hinterlässt Spuren, von der Wahrnehmung bis hin zum Ich. Wir sind mit der Vorstellung losgefahren, dass die Weltreise etwas tolles ist und man hinterher doch in gewisser Weise verändert ist. Nach eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Gefühl „Wir machen eine Weltreise“ nie wirklich entstanden ist. Gefühlt war es ein Urlaub in der Türkei, dann einer in Ägypten usw. Auch die persönliche Veränderung ist nicht so, wie ich gedacht hätte. Mag sein, dass man in einem gewissen Alter schon eine ziemlich genaue Vorstellung von der Welt hat und sein Leben nach einer Weltreise nicht komplett auf den Kopf stellt. Aber trotzdem sind mir einige Dinge aufgefallen, die sich eher im Gesamtbild zeigen und nicht landesspezifisch sind.

  1. Nationalstolz – Schon allein das Wort hat in Deutschland einen negativen Beigeschmack – deswegen nenne ich es mal kurzerhand Nationalfreude. Weil Stolz kann man sein, auf eine Leistung, die man selbst erbracht hat, aber in einem Land geboren worden zu sein, ist keine Leistung. Aber man darf sich darüber freuen, in seinem Land zu leben. Worauf ich eigentlich hinaus will, ist die unbändige Freude, die wir in anderen Ländern gesehen haben – sei es kulturell oder national – die Einwohner leben ihre Kultur viel mehr und ausgeprägter bzw. bringen sie in Zusammenhang mit ihrem Land, als es hierzulande üblich ist. Wieviele Deutschlandfähnchen sieht man denn bei Konzerten oder Feiern? Natürlich ist die Lage auch etwas anders: Auch das kleinste Jubiläum, Unabhängigkeitstag etc. ist Anlass für eine Feier. Wohl mehr deswegen, weil für privat organisierte Feiern einfach das Geld fehlt bzw. die Teilnehmer auch nicht das Geld aufbringen können, um daran teilzunehmen. Aber trotzdem könnten wir uns ein Scheibchen abschneiden…
  2. Abendländische Kultur – Etwas was mir ziemliche Probleme bereitet hat, weil man mit seinen Wertevorstellungen in andere Länder reist und irgendwo zwischen „Ich passe mich der Kultur an“ und „So kann man aber nicht mit Fremden umgehen“ schwankt. Gerade asiatische Länder sind da doch sehr freundlich (mit Ausnahme von Vietnam), während man in Amerika mit minimalem Aufwand ein Maximum an Geld den Touristen entlocken möchte. Gleichzeitig wird aber – von der Wirtschaft getrieben – den Ländern eine abendländische Haube übergezogen. Gerade auch durch Fernsehen wird den Ländern ein Bild vermittelt, dass doch sehr dem unseren entspricht und dieses als erstrebenswert dargestellt wird.
  3. Verantwortung und Pünktlichkeit – Am Anfang empfand ich einen etwas zwangloseren Umgang mit Pünktlichkeit entspannend. Aber spätestens wenn man ein halbes Jahr jedes Mal eine halbe Stunde oder länger gewartet hat, weil die Einheimischen einen laxen Umgang mit der Zeit haben, wünscht man sich deutsche Pünktlichkeit zurück. Gerne hätte ich gesehen, wenn die Leute, die mit Touristen zusammenarbeiten auch ein Gefühl für Verantwortung entwickeln. Es kollidiert zwar mit dem vorhergehenden Punkt, aber wenn z.B. in einer Tourbeschreibung eine Dorfbesichtigung angekündigt wird und ich werde nur in einen Laden des Dorfes geführt, dann beschwere ich mich natürlich. Was aber in 100% der Fälle zu Schulterzucken und Unverständnis geführt hat. Man macht ja nur, was der Chef sagt. Da wird gelogen, bis sich die Balken biegen, Hauptsache man muss keinen Fehler eingestehen.
  4. Überbevölkerung – Wir haben nur einen Planeten zur Verfügung. Zwar stellt die Nahrungsversorgung theoretisch kein Problem dar, aber die Energieausbeute geht in den negativen Bereich, d.h. wir verbrauchen mehr als eigentlich zu Verfügung steht. Und entweder man macht sich jetzt so langsam Gedanken, wie man das exponentielle Wachstum eindämmt oder irgendwann eskaliert die Situation.
  5. Fremdhilfe – viele ambitionierte Leute verlassen Deutschland und helfen anderen Völkern bzw. Deutschland finanziert Hilfsprojekte in anderen Ländern. Solange es Hilfe bei medizinischen Notfällen ist, habe ich da auch vollstes Verständnis. Auf unserer Reise haben wir eine französische Schulklasse getroffen, die mit Unterstützung der EU in Vietnam eine Schule renoviert haben. Und das, wo Leute auf der Straße sitzen und warten, bis der Tag vorüber ist. In solchen Fällen habe ich das Gefühl, dass damit der umgekehrte Fall eintritt, der eigentlich erwünscht wird – so wie wir es in Südamerika live erlebt haben: Es wird etwas aufgebaut, dann wird es von den Einheimischen (nicht gerade pfleglich) genutzt, bis es kaputt geht und dann bleibt es liegen. Fazit: Auf unserer Weltreise haben wir kein Land erlebt, dass nicht das Potential hätte, sich selbst zu helfen.
  6. The big picture – Feilschen war an der Tagesordnung. Aber nachdem wir Südamerika erreicht hatten, kamen wir mit uns selbst in ein Dilemma. In Asien knauserten wir mit dem Essen und der Unterkunft, während man bereitwillig für Touren in Südamerika zig Dollar hinblättert. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, wir hätten das gute Essen mehr genossen, denn kulinarische Hochgenüsse erwarteten uns in Südamerika nicht gerade.
  7. Spracharroganz – Ich könnte es auch den sprachlichen Tellerrand nennen. Briten und US-Amerikaner sprechen zum Teil (und zu meiner Verwunderung) keine zweite Sprache. Im Gegenteil, sie erwarten sogar, dass man mit ihnen Englisch spricht. Kein Land erwartet, dass man fließend ihre Landessprache spricht, aber einfache Floskeln wie Ja, Nein, Bitte, Danke und „Guten Tag“ sollten schon drin sein. Das hat auch dazu geführt, dass es in Südamerika separate Preisstufen gibt: spanisch gefragt = guter Preis, englisch gefragt = teuer. Den südamerikanischen Ländern mache ich die Sprachbarriere allerdings nicht zum Vorwurf, zum einen wird es wohl kaum durch ihr Bildungssystem ermöglicht und zum anderen lohnt sich das Erlernen einer Fremdsprache nur, wenn man sie anwendet. Und wie hoch sind die Chancen, dass ein Bolivianer zur Möglichkeit kommt, sein Land zu verlassen?
  8. Das Ich – Ich habe lange gegrübelt, wie ich denn am besten auf die Frage „Wie ist es denn, wieder hier zu sein?“ antworte. Irgendwie musste ich die Leere und auch gleichzeitig eine Antwort finden, die einem Nichtweltreisenden das Gefühl vermittelt, wie es einem geht. Gestern Abend fand ich die Lösung – die Matrix. Denn der Unterschied zwischen „realer Welt“ und unserem Leben in Deutschland könnte man mit der Matrix vergleichen. Es ist alles ein wenig behütet und auch abgeschirmt. Wenn man normal auf Urlaub ist, nimmt man es als Besonderheit des Landes mit, aber auf einer Weltreise realisiert man erst, dass ein Großteil der Welt nach einem anderen Schema läuft und wir es hier eigentlich verdammt gut erwischt haben.

Natürlich darf nicht die Statistik zu kurz kommen. Ich habe mal ein bißchen verfolgt und ein paar Daten notiert:

  • Anzahl Tage: 243
  • Anzahl der Stempel im Pass: 50
  • Anzahl bereiste Länder: 28
  • Zurückgelegte Kilometer (Luftlinie; nur Orte, wo wir übernachtet haben; keine Tagestouren): 93.300km
  • Höchster Punkt: 4.935 Meter über dem Meeresspiegel – Cotopaxi, Ecuador
  • Tiefster Punkt: 10 Meter unter dem Meeresspiegel – Tauchen in Dahab, Ägypten
  • Heißester Punkt: 40 Grad Celsius im Schatten – Hanoi, Vietnam
  • Kältester Punkt: -13 Grad Celsius – San Pedro de Atacama, Chile

Wenn man die Zahlen mal in Zusammenhang stellt, kommt man z.B. auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 15km/h – Tag und Nacht. Apropos Nacht, einen speziellen Punkt bilden natürlich die Übernachtungen, man wundert sich, wo man auf einer Weltreise überall seine Nacht verbringen kann. Deswegen jetzt die Liste mit den Schlafgelegenheiten.

  • Hostelübernachtungen (Doppelbett oder Twin): 115
  • Hostelübernachtungen (Dorms, d.h. 4 oder mehr Betten in einem Raum): 39
  • Hotel: 21
  • Auto / Bus: 17
  • Schiff: 13
  • Jurte / Hütte: 9
  • Zug: 8
  • Zelt: 7
  • Freunde und Familie: 6
  • Flughafen / Flugzeug: 4
  • Daheim: 2
  • Open Air: 1
  • McDonalds: 1

Die Karte verrät, wo wir waren. Achtung: Nummerierung oben und unten passen nicht zusammen! Wer zu einer Station mehr wissen möchte, klickt in der unteren Liste auf den dazugehörigen Link und schon gelangt man in das Kapitel unserer Reise. Wenn kein Artikel zu einer Station vorhanden ist, dann war das Ziel nicht so sehenswert, dass es irgendwas (positiv, als auch negativ) zu schreiben gibt.

Prolog: Zwischen Wüste und ewigem Eis

DestinationArrival
1Törökszentmiklós, Hungary21. April 2011
2Istanbul, Turkey22. April 2011
3Budapest, Hungary25. April 2011
4Cairo, Egypt30. April 2011
5Bawiti, Egypt2. Mai 2011
6Luxor, Egypt4. Mai 2011
7Dahab, Egypt7. Mai 2011
8Milano, Italy13. Mai 2011
9Reykjavik, Iceland14. Mai 2011
10Kolmsdorf, Germany19. Mai 2011

1. Akt: Far East Movement

DestinationArrival
1Moskau, Russia21. Mai 2011
2St. Petersburg, Russia23. Mai 2011
3Irkutsk, Russia29. Mai 2011
4Olkhon Island, Russia31. Mai 2011
5Ulan Bator, Mongolia5. Juni 2011
6Dalanzadgad, Mongolia6. Juni 2011
7Gorkhi-Terelj National Park, Mongolia12. Juni 2011
8Bangkok, Thailand14. Juni 2011
9Jomtien, Thailand17. Juni 2011
10Damnoen Saduak, Thailand18. Juni 2011
11Ayutthaya, Thailand19. Juni 2011
12Yangon, Myanmar22. Juni 2011
13Mandalay, Myanmar24. Juni 2011
14Bagan, Myanmar27. Juni 2011
15Nyaung Shwe, Myanmar29. Juni 2011
16Kuala Lumpur, Malaysia4. Juli 2011
17Tanahrata, Malaysia5. Juli 2011
18Perhentian Besar, Malaysia7. Juli 2011
19Siem Reap, Cambodia11. Juli 2011
20My Tho, Vietnam13. Juli 2011
21Mui Ne, Vietnam15. Juli 2011
22Nha Trang, Vietnam17. Juli 2011
23Hoi An, Vietnam19. Juli 2011
24Hue, Vietnam21. Juli 2011
25Ninh Binh, Vietnam23. Juli 2011
26Hanoi, Vietnam25. Juli 2011
27Halong, Vietnam27. Juli 2011

2. Akt: Überwintern in Südamerika

DestinationArrival
1Buenos Aires, Argentina30. Juli 2011
2Easter Island, Chile3. August 2011
3Colonia del Sacramento, Uruguay8. August 2011
4Trinidad, Paraguay10. August 2011
5San Ignacio, Argentina11. August 2011
6Iguazu Falls, Argentina12. August 2011
7Rio de Janeiro, Brazil16. August 2011
8Resistencia, Argentina22. August 2011
9Salta, Argentina23. August 2011
10San Pedro de Atacama, Chile28. August 2011
11Arica, Chile2. September 2011

3. Akt: In den Ländern der Inkas und Mayas

DestinationArrival
1Arequipa, Peru5. September 2011
2Cusco, Peru11. September 2011
3Puno, Peru16. September 2011
4Copacabana, Bolivia18. September 2011
5La Paz, Bolivia19. September 2011
6Sucre, Bolivia23. September 2011
7Potosi, Bolivia25. September 2011
8Uyuni, Bolivia27. September 2011
9Rurrenabaque, Bolivia1. Oktober 2011
10La Paz, Bolivia5. Oktober 2011
11Nazca, Peru10. Oktober 2011
12Lima, Peru10. Oktober 2011
13Huaraz, Peru12. Oktober 2011
14Trujillo, Peru17. Oktober 2011
15Quito, Equador19. Oktober 2011
16Medellin, Columbia24. Oktober 2011
17Salento, Columbia27. Oktober 2011

Finale: Karibikträume und Shoppingexzesse

DestinationArrival
1Cartagena, Columbia1. November 2011
2Santa Marta, Colombia2. November 2011
3San Blas, Panama10. November 2011
4Panama, Panama13. November 2011
5Bocas del Toro, Panama16. November 2011
6Puerto Viejo, Costa Rica19. November 2011
7Monteverde, Costa Rica21. November 2011
8San Jose, Costa Rica23. November 2011
9Fort Lauderdale, USA24. November 2011
10Cape Caneveral, USA25. November 2011
11Port Everglades, USA26. November 2011
12Philipsburg, St. Maarten29. November 2011
13Baseterre, St. Kitts30. November 2011
14San Juan, Puerto Rico1. Dezember 2011
15Labadee, Haiti2. Dezember 2011
16Nassau, Bahamas4. Dezember 2011
17Key West, USA14. Dezember 2011
18New York, USA15. Dezember 2011

Epilog: Home sweet home

DestinationArrival
1Kolmsdorf, Germany20. Dezember 2011

Es ist schon merkwürdig. Während die Stationen, die wir ansteuern immer schön sind, haben wir ständig Probleme mit den Transporten. Diesmal flogen wir von Miami nach New York mit Delta Airlines, die sich rühmen die Nummer 1 bewunderte Airline zu sein (weltweit!). Wir standen mit unserem Gepäck am Schalter, als es tönte: „2 Bags, that’s $50, $25 each – cash or credit card?“ Ja, wie bitte? Wir hatten extra am Vorabend die Gepäckbestimmungen gecheckt, keine Information. Doch, doch, auf Inlandsflügen kostet das Gepäck extra. Dafür saßen wir dann auch im hintersten Teil der Maschine, am Gang. Die Maschine hatte ihre Triebwerke hinten, direkt neben dem Fenster, d.h. wir haben nichts gesehen, aber dafür viel gehört.

Wir laden das Gepäck im Chelsea Inn ab und laufen bis zum Times Square, kaufen 50% reduzierte Karten für Mamma Mia und schauen uns mal so ein Broadway Musical an. Es ist kitschig, genau wie man es kennt, aber man muss es mal gemacht haben. Und das Schöne daran war, dass wir die nächsten Tage nur noch Abba gesungen haben. Der erste komplette Tag in New York führt uns in nördliche Richtung – Central Park. Wir laufen nichts spezifisches an, sondern schauen uns einfach um. Überall ist es weihnachtlich geschmückt und es leuchtet bunt. Erwähnenswert ist auf jeden Fall der Besuch im MoMA, der hochinteressant war. Mein erster Eindruck von New York ist der, einen schönen Altstadt – man sollte mal überlegen, von wann die Gebäude sind!

Unser zweiter Tag beginnt mit einer Fahrt mit der Staten Island Ferry, die kostenlos ist und einen tollen Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline von New York bietet. Es ist nicht so viel los, wie in den Blogs berichtet wird, aber vielleicht liegt es auch an der Saison, es ist im Schatten ziemlich kalt und windig. Als wir wieder auf dem Festland sind, laufen wir zu Ground Zero und wollen dort an einem der vielen Straßenstände ein Hotdog und eine Bretzel holen. $14!!! Der Rest des Tages war gelaufen, wir gehen zurück ins Hotel, ich schlafe ein wenig.

New York zeigt sich am nächsten Tag von seiner sonnigsten Seite, es sind Minusgrade, aber trotzdem gehe ich auf das Rockefeller-Center und schaue mir die Stadt vom 69. Stock aus an. Das Schöne da oben ist wirklich, dass man auf dem Dach des Gebäudes steht und freien Blick auf alles hat. Mittags folgt nochmal ein Besuch beim legendären Johnny Rockets – die Burger sind wirklich extrem gut und ihren Preis auf jeden Fall wert. Danach gehen wir noch zum Guggenheim-Museum, was wirklich sensationell ist. Wir bereuen, dass wir den Audio-Guide nicht schon im MoMA genommen haben, es hilft wirklich ungemein zu verstehen, welche Symbolik sich hinter den Kunstwerken versteckt. Danach gibt es noch einen schönen Sonnenuntergang im Central Park und laufen zurück.

Natürlich muss noch etwas zum Abschluss unserer Reise passieren. Von unserem Hotel bekommen wir Frühstücksgutscheine, die man im anliegenden Restaurant für Kaffee und Snack to go einlösen kann. Den letzten Morgen unserer Weltreise gehen wir dort nochmal richtig frühstücken – $12-13 für ein Frühstück sind schon echt heftig, aber wir gönnen uns das. Es ist lecker, wir bekommen die Rechnung – natürlich wieder mit nachträglich hinzugerechneter Mehrwertsteuer. Und unter drunter eine kleine Liste – vorgeschlagene Trinkgelder: 18%, 20% oder 25%, was zwischen $5 und $7 wären. So viel Geld, dafür dass unser der Kellner durchschnittlich seine Arbeit macht und keine Ausnahme macht, was die eingelösten Gutscheine betrifft, nein, das ist es uns nicht wert. Wir geben weniger, was zur Folge hat, dass uns der Kellner auf die Straße hinterher läuft und uns erklärt, dass es in New York anders läuft und der Kellner vom Trinkgeld lebt. Schon klar, aber kein Service – kein Geld. Er macht eine riesige Show und schimpft und ich denke mir „Für das Fluchen willst du jetzt auch noch Trinkgeld haben?“ Er scheint es auch zu erkennen, schimpft weiter und geht wieder.

Nachdem wir von den Bahamas zurückkehrten, waren wir wieder in Miami und nahmen uns wieder ein Auto von Dollar. Die Auswahl war diesmal nicht so schön und wir erwischten einen roten Chevy Aveo der schon 30.000 Meilen runter hatte. Nach einer kleinen Fahrt stellten wir fest, dass der Blinker nicht geht, fuhren zur nächstgelegenen Dollar-Station und tauschten ihn gegen einen anderen um. Auch schon über 30.000 Meilen gelaufen und ziemlich dreckig innen. Außerdem war irgendwann in der Lenkung angeschlagen, denn das Lenkrad vibrierte ab 50 mph ziemlich heftig. Trotzdem fuhr es uns sicher über 1.200 Meilen durch Florida.

Erste Station war St. Petersburg. Wir fuhren am Lake Okeechobee bis Sarasota, wo wir abends ankommen. Wir bekommen noch die Empfehlung an den nahe gelegenen Strand zu gehen, den Siesta Beach, der als Nummer 1 in den USA bezeichnet wird. Selbst bei dem wenigen Licht können wir sehen, dass das nicht gelogen ist. Weitläufiger weißer Strand, der so fein ist, dass er wie Schnee unter den Füßen schnurpst. Den nächsten Tag sonnen wir uns dort auch noch ein wenig, bevor wir nach St. Petersburg fahren. Der Strand ist hier nicht so toll, aber St. Petersburg ist für seine Sonnenuntergänge berühmt. Anfangs zweifeln wir, weil es eher nach Regen aussieht, aber später scheint die Sonne durch die eine oder andere Lücke. Da St. Petersburg ziemlich teuer ist, finden wir erst in Clearwater Beach eine Unterkunft.

Am nächsten Tag folgte die Zwischenstation Naples, nicht sonderlich erwähnenswert, aber wir brauchten eine Station, damit wir am nächsten Tag vormittags durch die Everglades fahren können. Wir halten an der kleinen Poststation der USA, die noch zu hatte und halten hier und da an, um einige der vielen Holzstege zu laufen. Viele sind kostenlos, am besten fragt man in einem Touristenzentrum nach, die einem kostenloses Kartenmaterial zur Verfügung stellen und noch gute Tipps auf Lager haben, wo man anhalten kann / muss. Wir sahen jede Menge Vögel, Alligatoren (stellenweise bis zu 4 Meter lang) und eine fantastische Vegetation.

Eigentlich wollten wir ja noch nach Miami, aber der Strand gefiel uns nicht und Miami erst recht nicht. Miami Beach bzw. Miami ist voll von Lateinamerikanern und dementsprechend geht es dort zu. Es ist schmutzig, ungepflegt und sogar die Werbeplakate sind auf Spanisch. Also fahren wir zurück nach Fort Lauderdale und gehen in unser La Quinta-Hotel in Tamarac. Von dort aus starten wir am nächsten Tag unsere Tour nach Key West. Von einigen hatten wir gehört, die Fahrt wäre langweilig, von anderen hatten wir gehört, Key West wäre langweilig. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Die Aussicht auf die Brücken und das Wasser zwischendurch ist schön, aber es sind von der letzten Ecke von Miami bis Key West 120 Meilen, was über 2 Stunden Fahrt für eine Richtung sind. Und Key West ist ein kleines Zipfelchen mit einem Stückchen Strand, der zwar wunderschön ist, aber direkt neben dem Flughafen liegt. Aber zumindest ging meine Benzinrechnung auf – auf Key West hat man fast New Yorker Preise für Benzin und wir mussten nicht zwischendurch tanken.

Nachdem wir einige wunderschöne Tage auf der Navigator of the Seas hatten, hatten wir mal wieder einen schwarzen Tag. Es begann damit, dass wir unseren neuen Koffer nicht in der Gruppe der Gepäckstücke fanden. Kriszta beschwerte sich, während ich die anderen Gruppen durchsuchte. Ich konnte ihn nicht finden und wir vermuteten, dass jemand anders den Koffer genommen hatte, denn wir fanden einen ähnlich aussehenden. Ich suchte weiter, während wir gebeten wurden, ruhig zu bleiben. Nach guten 10 Minuten fand ich ihn in einer Gruppe nicht zugeordneter Koffer, obwohl die Gruppennummer sehr deutlich sichtbar ist. Erste Hürde überwunden…

Wir wurden zum Flughafen gefahren und wir und unser Gepäck wurden am falschen Terminal ausgeladen, d.h. wir mussten laufen. Dafür gabs kein Trinkgeld! Wir checkten ein und gingen zum Gate und warteten. Ich hatte mir glücklicherweise ein Sudokuheft gekauft, denn es wurde eine Geduldsprobe. Geplant war unser Flug für 11.40 Uhr, aber wir hoben erst gegen 14 Uhr ab. Begründung gab es keine, Entschädigung auch nicht, nur eine Entschuldigung – Danke, Bahamas Air. Damit war die zweite Hürde überwunden…

Nach der Landung nahmen wir ein Taxi nach Paradise Island und während der Fahrt fing es an, in Strömen zu regnen. Ein toller Anfang. Wir waren Stunden zu spät, konnten es uns gerade noch gemütlich machen und mussten dann schon los, um was zu Essen zu finden, weil wir ja kein Mittagessen hatten. Wir hatten uns bei einem Restaurant umgesehen und mussten feststellen, dass unter $20 nichts zu machen war. Also gingen wir zu Quiznos und staunten erstmal über die Preise für Subs. Normale Größe $9 und für $2,95 bekommt man ein kleines Getränk oder Pommes Frites dazu. Die unfreundliche und genuschelte Bedienung war allerdings gratis. Pommes gab es natürlich nicht, weil die Friteuse gerade den Geist aufgegeben hatte. Ein prima Start für unsere Bahamastage…

Dafür rockte der nächste Tag! Das Comfort Suites Hotel auf Paradise Island gehört nämlich zum Atlantis Hotel, kostet aber in der günstigsten Kategorie nur die Hälfte. Dafür hat man Frühstück schon mit dabei, was beim Atlantis nicht der Fall ist. Und man kann den Wasserpark Aquaventure gratis mit nutzen. Also packten wir die Badesachen ein und gingen ins Atlantis. Dort bekamen wir die Armbänder fürs Aquaventure und mussten „The dig“ passieren. Eine wundervolle Anlage mit Mantas, Rochen, Clownfischen, Seepferdchen und Quallen. Danach konnten wir es uns am Pool gemütlich machen. Man hatte uns gesagt, dass es 9 Uhr beginnt, 10 Uhr war es dann aber tatsächlich soweit. Wir begannen mit einer einfachen Rutsche, wo man auf Zeit herunter saust. Im Laufe des Tage verbesserte ich meine Zeit auf 4,57 Sekunden.

Es gibt 8 Rutschen im Aquaventure, von denen wir 6 ausprobierten und sie auch immer wieder rutschten, weil es unheimlichen Spaß machte. Teilweise war auf den Rutschen Pflicht auf einem Reifen runterzurutschen, es gab sogar Paarreifen, wo man zu zweit herumgewirbelt wurden. Ich glaube, wir haben uns 1 Stunde gesonnt, ansonsten haben wir zwischen 10 Uhr und 16 Uhr nur die Rutschen belagert. Es war unglaublich schön. Unglücklicherweise hatten wir das Comfort Suites Hotel nur für zwei Nächte gebucht, weswegen wir am nächsten Tag umziehen mussten. Als wir die Rechnung sahen, bekamen wir das präsentiert, was in den USA absurd ist – exklusive Steuern und Gebühren. So wurden aus $119 pro Nacht + 10% Regierungssteuer + 8% Hotelsteuer + $10 pro Tag Hausreinigung + $27 pro Tag Energiezuschlag schnell eine Rechnung von über $350. Und für die nächsten Tage wollte das Hotel dann $158 haben. Nichts wie weg hier…

Das nächste Hotel, das wir bezogen war das Wyndham Hotel am Cable Beach. Unser Zimmer war neu gemacht und obwohl wir keinen Meerblick gebucht hatten, konnten wir direkt auf das Atlantis Hotel übers Meer schauen. War durch die Lage auch günstige, hier wurden wir für 3 Nächte „nur“ $420 los. Da es aber kein Frühstück gab, mussten wir uns selbst versorgen. Wir liefen eine ganze Weile bis wir Restaurants entdeckten und plötzlich zu unserer Überraschung: ein Supermarkt! Wir deckten uns Cornflakes, Milch, Bananen und Wasser ein und liefen heim.

Am dritten Tag folgte für Kriszta das, was für mich Nazca war – die Begegnung mit Delphinen. Wir hatten lange geknobelt, ob wir es mit unserem Gewissen vereinbaren konnten und verblieben so: Kriszta knuddelt die Delphine und ich dokumentiere. Obwohl es nur trainierte Aktionen sind, schaffte es die Trainerin einen witzigen Ablauf aufzustellen und wenn der Delphin mal keine Lust mehr hatte, zu tanzen, gestreichelt zu werden, geknuddelt und geküsst zu werden, verschwand er einfach, kam aber wenig später wieder – es gab ja leckeren Fisch als Belohnung. Wir blieben den Rest des Tages noch an der Blue Lagoon und fuhren dann wieder zum Hotel zurück.

Für den letzten Tag blieb dann nur noch Downtown Nassau übrig. Wir sonnten uns früh ein wenig und fuhren dann mit dem Bus in die Stadt, schauten uns ein wenig um, kauften Postkarten, aßen und dann ging es auch schon wieder zurück ins Hotel. Es war nicht der schönste Tag, ab 10 Uhr war es fast durchgehend wolkig, aber nach den schönen Tagen zuvor, machte das nichts.

Ein blödes Gefühl schlich sich an – wir näherten uns Haiti. Im Norden Haitis hatte sich Royal Carribean ein Fleckchen Erde gekauft – Labadee, wo man am Strand liegen kann, Jetski fahren kann, eine Art Sommerrodelbahn herunterrollen kann und natürlich die allseits beliebte Zip-Line. In dieses Gebiet werden auch eine Hand voll Einheimische eingelassen, die dort den Dreck der Touristen wegräumen dürfen bzw. ihre Kunstwerke an den Mann bringen.

Wir haben in Labadee den ganzen Tag am Strand gelegen, die Ecke erlaufen und sonst nicht weiter gemacht. Es war schön, aber mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir uns in einem Land befinden, das vor einem Jahr dem Erdboden gleich gemacht wurde, hatte ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Zumal die Einheimischen zwar hilfsbereit, aber nicht gerade vor Freude gestrahlt haben, reichen Menschen wie uns den Dreck nachzuräumen.

Dritte Station unserer Kreuzfahrt war San Juan auf Puerto Rico. Was habe ich mir nicht gewünscht, nach Puerto Rico zu kommen. Wer nicht damit vertraut ist – auf Puerto Rico befindet sich das Radioteleskop von Arecibo, die größte Radarschüssel der Welt. Also machte ich mich kundig – wie kommt man dahin, wie lange dauert die Fahrt usw. Touren wurden von Royal Carribean nicht dahin angeboten. Pech daran war nur, dass der Aufenthalt in Puerto Rico auf 6 Stunden begrenzt war, weil wir schon 14.30 Uhr wieder ausliefen. Doch allein die Fahrt nach Arecibo dauert 3 Stunden. Wieder mal Pech gehabt, aber ich wurde ausreichend entschädigt.

Wir gingen gegen 8 Uhr von Bord und gingen zu einem der beiden Forts in der Altstadt San Juans. Dort stellten wir fest, dass die Forts erst 9 Uhr öffnen und somit gingen wir langsam zum zweiten Fort und schauten uns zwischendurch die Küste der Insel an. Nach Besichtigung der beiden Forts (zusammen für beide Forts zahlt man $5 Eintritt) wollten wir noch die Gaststätte besuchen, wo die erste Piña Colada hergestellt wurde. Unsere Karte ließ uns eine Weile am Hintereingang warten, bis wir etwas herumliefen und dann die beste Piña Colada aller Zeiten genossen. Und nach einem kurzen Einkauf Puerto Ricanischer Rauchwaren, verließen wir wieder die Insel und kehrten an Bord zurück.

Nach St. Maarten kam den nächsten Tag St. Kitts. Als wir am Morgen aufwachten und uns die Insel ansahen, meinte Kriszta, dass es verdächtig nach Irland aussieht. Saftig grüne Hügel stiegen aus dem blauen Meer und freundliche bunte Häuser warteten darauf, entdeckt zu werden.

Als wir jedoch von Bord gingen und uns einen Stadtplan holten, mussten wir nach einer halben Stunde feststellen, dass wir die gesamte Innenstadt nun erkundet hatten. Als wir uns wegen Touren erkundigten, wurden wir enttäuscht. Ziele waren die Innenstadt (schon gesehen), ein Schlachtfeld, wo sich Briten und Franzosen die Köpfe eingeschlagen haben (kein Interesse), ein buschelig weißer Baum (Wozu für einen Baum eine Inseltour buchen?) und der Dschungel (davon haben wir schon genug gesehen). Das von uns anvisierte Ziel – das Fort – war Bestandteil keiner Tour, denn angeblich war es zu teuer. Als wir den Preis für ein Taxi dahin erfragten, wurden wir mit $50 vor den Kopf gestoßen. Nein danke, hier hielt uns wirklich nichts fest. Halb 11 Uhr waren wir bereits wieder auf dem Schiff und verbrachten dort den Rest des Tages.

Erste Station unserer Kreuzfahrt war die Insel St. Maarten mit dem Hafen in Philipsburg. Philipsburg liegt im holländischen Teil der Insel. Wir bummelten etwas an der Strandpromenade entlang, wurden von einem kleinen Sprühregen überrascht und schauten uns dann nach Touren um. Nach langen Diskussionen machten wir mit einem indisch-kanadischen Pärchen eine Inselrundfahrt in einem Taxi. Geführt wurden wir dabei von unserem Fahrer Franklin.

In der Nacht hatte es auf St. Maarten unheimlich viel geregnet und so standen viele Straßen unter Wasser, was zu einigen Staus führte. Aber Franklin wusste genau, wo diese Punkte sind und fuhr die entgegengesetzte Richtung. St. Maarten ist eine schöne Insel, wir machten nur aber die kleine Runde über den Strand im Norden, Marigot – die „Hauptstadt“ auf der französischen Seite und letztendlich ein Überblick über die Lagune im Osten der Insel. Im Nachhinein hat uns Marigot besser gefallen wie Philipsburg, der Ort ist nicht so überlaufen und wirkt wesentlich sauberer wie das holländische Gegenstück.

Unsere letzte Phase hat begonnen – entspannen und trotzdem reisen. Auf Empfehlung buchten wir eine Kreuzfahrt bei Royal Carribean. Es fing aber alles etwas unglücklich an – Die US-Küstenwache inspizierte das Schiff „Navigator of the Seas“ und hatte sich verrechnet, weswegen das Boarding verschoben wurde. Als wir am Hafen ankamen, stand eine riesige Schlange und wir brauchten 1,5 Stunden, um an Bord zu kommen. Zwischendurch gab es keine Information, warum wir warten und Getränke wurden auch erst später ausgeschenkt.

Wir bezogen unser Zimmer und kurze Zeit später kam dann auch schon das Gepäck. Es war ein kleines Zimmer, hatte aber allen Komfort. Kurz darauf genießen wir unser erstes Dinner – sehr schön gemacht, lecker und mengenmäßig gut aufeinander abgestimmt. Anschließend schauen wir uns noch die Willkommen-Show an – nach 7 Monaten Backpacker komme ich mir vor wie im falschen Film… eine Show bei der auf heile Welt gemacht wird, in welcher Welt leben die denn?

Später erfahren wir, dass es nicht nur Probleme mit der Küstenwache gab, sondern dass es auch der geschäftigste Tag in Port Everglades war: Es wurden 55.000 Leute auf 9 Schiffen geboardet. Das erklärt auch, warum wir 30 Meilen außerhalb von Fort Lauderdale ein freies Motel gefunden haben.

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir auf hoher See. Wie schon von der Stahlratte bekannt, wehte ein straffer Wind, das Schiff schaukelte gemütlich, aber es schaukelte. Nach einem Tag merkte ich das Schaukeln schon garnicht mehr, nur Kriszta erinnerte mich immer wieder daran. Der Rahmenablauf eines Tages war eigentlich auf der ganzen Kreuzfahrt gleich: Aufstehen (meistens zwischen 6-7 Uhr), Joggen, Sonnen oder Landbesichtigung, Mittagessen am Büffett, Sonnen, Sport (Gewichte heben und Radeln), Abendessen und danach Abendprogramm.

Während der Zeit an Bord erdeckte ich meine Liebe zu Sudoku, denn es gab täglich zwei neue Rätsel. Zu Beginn tat ich mich noch schwer, aber im Laufe der Zeit entwickelte ich einen Algorithmus, der mich meistens zum Ziel führte. Und wenn nicht, grübelte ich oft stundenlang…