IMG_0073Anfang Dezember, kurz bevor der Winter so richtig in Deutschland einbrach, flohen wir noch einmal vor der Kälte. Wir hatten eine AIDA-Kreuzfahrt mit Flug gebucht. Da der Flug am Sonntag Morgen von München ging, fuhren wir bereits Samstag mit dem Zug nach München. Wir hatten uns ein Hotel unweit vom Bahnhof genommen und damit ging es mal wieder los. Uns wurde vermittelt, dass wir in dem Hotel, wo wir gebucht haben, keine Unterkunft bekommen könnten, weil es einen Wasserschaden. Sie hätten uns umgebucht, in ein Hotel, was 900m entfernt lag. Kriszta protestierte, denn sie hatte das Hotel ausschließlich aus dem Grund gebucht, damit wir nachts um 3 Uhr nicht so weit zum Bahnhof laufen müssten. Wir schafften es noch 10 Euro Taxigeld zu bekommen, aber mehr Einsicht brachte man uns nicht entgegen. Selbst dass das 900m entfernte Hotel gleich direkt neben der nächsten S-Bahn-Station lag und damit fast günstiger, als das von uns gewählte Hotel, wollte der Dame an der Rezeption auch nicht einfallen.

Der Nachmittag gehört dann einer kleinen Stadtbesichtigung. Wir waren zwar warm eingepackt, hatten nun aber nicht so viel warme Sachen mitgenommen. Deswegen musste ich mir noch ein paar Handschuhe kaufen, weil es so bitterkalt war. Deswegen ging es auch rechtzeitig zurück ins Hotel, schließlich mussten wir ja früh raus. Um halb 5 Uhr wirkte der Münchner Flughafen wie ausgestorben, nur eine Horde Touristen fiel auf, die sich am Stand der TUIfly drängte. Wir gesellten uns dazu, machten die Tags an unsere Koffer dran und dann konnte es schon losgehen. Kurz vorher hatten wir noch unsere Jacken, Mützen, Schals und Handschuhe im Koffer verstaut. Zurecht, denn als wir in Sharm El-Sheik ankamen, waren herrliche 26°C.

IMG_0084Wir checkten ein, machten uns erstmal mit dem Schiff vertraut und gingen essen. Natürlich zogen wir permanent Vergleiche zu den Schiffen von Royal Carribean, die wir in der Öffentlichkeit nur „deren Schiffe“ nannten. Ich tat mich lange schwer, wie man die Ungereimtheiten eines deutschen Schiffes auf einen Nenner bringen kann und am letzten Tag fiel es mir ein: Man hat versucht, das Schiff funktional und schön zu machen, aber beides ist nicht gelungen. Wir waren es gewohnt, dass auf den Sonnendecks links und rechts von den Fahrstühlen weg Türen nach draußen führten. Hier konnte man sich glücklich schätzen, wenn es eine gab. Die Treppen wirkten eher wie ein gewöhnliches Treppenhaus und die Krönung war der Speisesaal. Mit hohen Kunstpflanzenhecken waren die einzelnen Bereiche von einander getrennt. Wir Deutsche mögen es ja nicht, wenn uns andere auf den Teller starren. Dafür gab es aber nur 6er, 8er und 12er Tische. Einen 4er oder 2er Tische waren stark in der Minderzahl.

Aber es gab ja nicht nur schlechte Seiten. Zum Beispiel, dass es drei Restaurants auf drei Etagen gab (Marktplatz, Italienisch und Asiatisch) fand ich super. Auch den geräumigen Saunabereich kann ich nur lobend erwähnen. Doof nur, dass sich dort jeden Abend das gesamte Schiff traf. Aber kommen wir zurück zur Ankunft auf dem Schiff – wir schafften die Taschen aufs Zimmer, gingen Essen und dann wollten wir uns aufs Sonnendeck legen. Es begann damit, dass wir für jedes Handtuch einzeln unterzeichnen mussten. Nichts geht über heimatlichen Bürokram… Als wir dort lagen, stieg uns ein übler Geruch in die Nase – ja, hier wird auf dem Deck geraucht, egal, ob es einen Aschenbecher in der Nähe gibt oder nicht. Auch das Schild, dass man der FKK-Bereich bei Hafentagen im arabischen Bereich aus kulturellem Respekt geschlossen hält, beantwortete man damit, dass die Brüste über der Reling hingen. Ohne weiteren Kommentar…

1. Station: Petra (Jordanien)

IMG_0125Wir hatten im Vorfeld schon lange überlegt, ob wir uns auf eigene Faust durchschlagen oder die gebuchte Tour nehmen. Die gebuchte Tour kostet ca. 120 Euro (inkl. Eintrittsticket) und ein Taxi ca. 60 Euro plus 95 Euro Eintritt. Also lag klar auf der Hand, dass wir die Tour buchten. Jetzt gehörten wir zwar einer Gruppe, aber wie schlimm konnte das schon werden? Unser Reiseführer war bemüht, viel auf Israel zu schimpfen. Seine Erklärungen zu den Einzelheiten beschränkten sich aufs Notwendigste. Man läuft, um ins Tal zu kommen, erstmal einen Weg, der durch eine Schlucht führt, hinunter. Ich war ständig vornweg, damit mir nicht immer andere Touristen ins Bild laufen. Auf dem Weg stellte Kriszta fest, dass es noch ein ungarisches Pärchen in der Gruppe gab, die uns mitteilten, dass sie sich von der Gruppe lösen wollten und bis ans andere Ende des Geländes laufen wollen. Da uns das Tempo der Gruppe zu langsam war und die Erklärungen doch eher spärlich, gingen wir mit. Ich war davon ausgegangen, dass Petra nur aus Khazne al-Firaun (dem Grabtempel) besteht. Als wir ins Tal kamen, war ich überwältigt. Die Königswand – mit ihren vielen in den Fels gehauenen Gebäuden und nicht zuletzt der Felsentempel Ad Deir, dessen Weg dahin uns ca. eine halbe Stunde einen wenig belaufenen Pfad entlang führte. Zwar hingen wir jetzt eine Stunde hinter unserer Gruppe hinterher, aber es waren knapp 2 Stunden Mittagspause eingeplant. So kamen wir zwar etwas später zum Essen, konnten aber nahtlos nach dem Essen wieder in den Bus steigen und wieder zurück zum Schiff fahren.

2. Station: Eilat (Israel)

Eigentlich ist die Überfahrt von Jordanien ein Klacks, aber die Behörden von Jordanien schickten uns erstmal 30 Seemeilen aufs Meer, bevor wir freigegeben waren. Danach kamen die israelischen Behörden mit einem Untersuchungsboot und checkten uns auf Bomben ab. Und zum Abschluss des abends gab es Facecheck mit den israelischen Behörden, die alle Passagiere erstmal persönlich kennen lernen wollten. In Israel stellte sich die gleiche Frage, wie in Jordanien – gebuchte Tour oder auf eigene Faust? Da aber die Ziele, die wir ansteuern wollten, auf einzelne Touren verteilt waren, beschlossen wir, ein Taxi zu finden und auf eigene Faust loszufahren. Als wir relativ allein am Morgen durch die Kontrollen gehen, wartet schon ein anderes Pärchen auf weitere Fahrgäste. Wir stellen fest, dass sie die gleichen Ziele ansteuern wollen und wir steigen mit ins Taxi. Unterwegs wollen wir noch Geld abheben und mich erwartet ein besonderer Glücksfall: 50 Schekel (ca. 10 Euro) stecken noch in der Ausgabe des Geldautomaten und warten auf einen neuen Besitzer.

IMG_0112Erstes Ziel unserer Fahrt ist Masada. Es liegt ca. 200km vom Hafen entfernt und führt durch eine trostlose Landschaft. Masada ist eine Festung, die im Jahre 70 von den Römern belagert wurde, doch bevor sich die 960 Männer, Frauen und Kinder ergaben, wurden einige Männer per Los ausgewählt, die Gruppe und anschließend sich selbst umzubringen. Viel ist von den Gebäuden nicht mehr erhalten, dafür sieht man noch schön die römischen Lager. Leider war das Wetter auch durchwachsen – ziemlich diesig und gelegentlich schaute auch mal die Sonne hervor. Nach der Besichtigung ging es noch ans Tote Meer, um sich eine Runde treiben zu lassen. Von Chile kannte ich ja schon das Gefühl, wie es ist, auf dem Wasser zu liegen. Aber das ist nichts im Vergleich zum Toten Meer. Hier spuckt eine das Wasser schon fast förmlich wieder aus, so groß ist der Auftrieb. Als wir wieder ans Land kamen, lag das Salzwasser wie ein Schutzfilm auf unserer Haut – der kühle Wind war kaum spürbar. Erst als wir uns duschten, fröstelten wir (es waren ca. 22°C). Bevor wir abends zurück kehrten, zeigte uns der Taxifahrer noch ein Einkaufszentrum, in dem eine Eishalle integriert war.

3. und 4. Station: Ägypten

IMG_0189Die nächsten Tage verbrachten wir ausschließlich an Bord, denn die Reise führte noch nach Luxor (ein Jahr zuvor gesehen) und nach Kairo (auch schon das Jahr zuvor gesehen). Die Touren in die Innenstadt von Kairo wurden am Abend vorher abgesagt, da es aufgrund der politischen Lage wieder zu Unruhen gekommen war. Wir lagen die ganzen Tage viel auf dem Sonnendeck, machten Sport im Fitnesszentrum und lasen. Kurzum – wir entspannten uns.

Unsere Heimkehr wurde von einem dunklen Ereignis überschattet. Während wir im Zug von Nürnberg nach Bamberg saßen, rief Krisztas Bruder Alex an und teilte mit, dass er einen Unfall hatte. Da es den ganzen Tag geschneit hatte und abends noch Tauwetter einsetzte, war er in einer ungeräumten Kurve nach außen gerutscht und hatte eine Laterne erwischt. Unsere ganze Urlauberholung war in wenigen Augenblicken dahin – ADAC, Polizei und Versicherung mussten informiert werden. Überraschenderweise nahm die Polizei den Vorfall nur per Telefon auf.

Nachdem mich bei der Pyramidentour eine leichte Erkältung erwischt hatte, die zu einem Kreislaufabsacker führte und sich die letzten Tage als Bronchitis zeigte, war etwas Ruhe angesagt. Dazu machten wir eine 10-stündige Busfahrt nach Dahab, was etwas oberhalb von Sharm El-Sheik am Roten Meer liegt.

Dahab ist ein Ort, der aus zwei Teilen besteht – einem touristischen Zentrum mit Hotels a la Sharm El-Sheik und einer Küstenstrecke mit jeder Menge Lodges, Hostels und Restaurants. Hier sind wir untergebracht mit direktem Blick vom Balkon aufs Meer. Dahab musste zwei Rückschläge einstecken. Zum einen den Bombenanschlag 2006, bei dem 20 Menschen ums Leben kamen und jetzt die touristisch bedingte Flaute. Kurz bevor wir nach Ägypten gefahren sind, habe ich im Fernsehen gesehen, dass am Roten Meer eine viel schlimmere Krise herrscht, weil die Mehrzahl der Touristen aus Russland kommt, für die von deren auswärtigen Amt noch nicht Entwarnung gegeben wurde.

Nachtrag: Nachdem unsere Tour in den Coloured Canyon vermiest wurde, weil der Canyon wegen Wasser gesperrt ist und ein Tagesausflug nach Petra (Jordanien) mit $240 eindeutig nicht ins Budget passte, versuchten wir uns als Taucher.

In den Filmen bekommt man immer ein wildromantisches Bild von Tauchern vermittelt, die scheinbar schwerelos zwischen bunten Fischen und Korallen zu schweben scheinen. Aber die Realität sieht doch etwas anders aus. Zum einen muss man in seinem Kopf einen riesigen Schalter umlegen. Man geht unter Wasser und atmet ganz normal weiter – wohlwissend, dass man für die nächste Dreiviertelstunde auch keine andere Möglichkeit hat, als am Sauerstoffgerät zu hängen. Und dann entdeckte ich das Gegenteil zur Höhenangst. Nur nicht nach oben sehen, denn sofort entsteht in dir der Wunsch wieder nach oben zu schwimmen und mal „frische“ Luft zu holen. Doch wenn man das alles hinter sich gelassen hat, verschwindet man in einer Welt voller bunter Korallen und bunter Fische, ist auf greifbarer Nähe mit einem Fischschwarm, von dem man neugierig beobachtet wird. Unser Lehrer Muhammed meinte, dass wir sogar Nemos gesehen haben, aber das ging in der ganzen Farbenpracht schon fast unter. Nach 45 Minuten kletterte ich wieder an und merkte erstmal wieder, wie schwer die Ausrüstung überhaupt war, die ich auf dem Rücken hatte. Und heute plagt mich ein ziemlicher Muskelkater, denn unter Wasser paddeln, ist was ganz anderes, wie laufen.

Nach dem Trip in die Wüste kam jetzt Luxor mit dem Tal der Könige. Dazu fuhren wir mit dem Nachtzug. Ich war durch unseren Pyramiden- und Wüstentrip schon etwas angeschlagen und schlief die ganze Zeit durch. Auch den Vormittag verbrachte ich noch im Bett, während die anderen sich den Karnak-Tempel ansahen.

Am Nachmittag fühlte ich mich schon besser und besuchte den Luxor-Tempel mit. Gigantische Statuen, Hieroglyphen und jede Menge Figuren mit merkwürdigen Geräten. Irgendwie kann ich Herrn Däniken verstehen, der da Lampen und anderes Gerät erkennt. Ich hab z.B. immer Mikrofone gesehen.

Unser Hostel in Kairo hatte uns schon mit auf den Weg gegeben – in Luxor ist es heiß, ca. 5°C wärmer wie in Kairo. Um euch mal eine Vorstellung geben, wie heiß das ist… Angenommen ihr macht euch an einem heißen Sommerabend eine Pizza. Die Sonne hat den ganzen Tag in die Küche geschienen und es ist ohnehin schon sehr warm. Und jetzt macht ihr den Ofen auf und holt die Pizza raus – Welcome to Luxor!

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Als wir den nächsten Tag auf zum Westufer (der ehemaligen Stadt Theben) fuhren, wurde uns richtig klar, wie heiß es eigentlich ist. Oben Sonne, kein Schatten und unten heiße Kiesel. Und jetzt noch pedantische Wächter, die peinlich genau darauf aufpassen, dass man ja keine Kamera zückt. Selbst mein Griff zum Brillenetui wurde als verdächtige Handlung eingestuft und man wollte schon meinen Rucksack konfiszieren.

Verknüpft mit der Hitze kann man da schwer Begeisterung entwickeln bzw. einen Hauch für die Mühe, die investiert wurde, um die Grabkammern freizulegen oder erstmal zu bauen. Trotzdem war es ein gigantisches Erlebnis und ich fand das achtlose Verhalten der Wächter, die selbstverständlich mit ihrem kulturellen Erbe umgehen, eine Schande. Auch konnte ich das Gefühl nicht unterdrücken, dass die Gelder, die in die Restaurierung und den Erhalt der Schätze investiert werden, irgendwo versickern.

Über unser Hostel in Kairo hatten wir für 80 US$ einen 2-tägigen Trip nach Bawiti in der Baharia-Oase gebucht. Auf dem Plan standen ein Besuch in der Schwarzen Wüste und der Weißen Wüste, wo wir auch übernachten würden.

Wir standen am Morgen um 6 Uhr auf, da wir um 7 Uhr zum Busbahnhof gebracht werden sollten. Der Plan sagte: Nach dem Frühstück zum Busbahnhof. Schön, dass wir um 7 Uhr das Frühstück und den kochend heißen Tee bekamen und wenig später die Worte folgten „5 Minutes – then we start!“ Wer will schon in Ruhe frühstücken? Nachdem wir hastig unser Frühstück verzehrten, ging es völlig unspektakulär zum Busbahnhof, der uns an Marokko erinnerte. Wir waren 7.15 Uhr da, 8 Uhr ging der Bus. Also warteten wir…

Wie es sich für arabische Verhältnisse gehört, wartete man, bis alle Gäste sich in den Bus bequemt haben und dann konnte es losgehen. Am Morgen war es noch kühl und so fuhren wir mit offenen Fenstern durch die Staus der Innenstadt. Aus der Erfahrung in Marokko hatte Kriszta ihren Eltern empfohlen, eine Jacke mit in den Bus zu nehmen – Klimaanlagen gibt es nur in zwei Einstellungen: Polar und Aus. Diesmal blieb es bei ausgeschalteter Klimaanlage, was bei den ägyptischen Fahrgästen zu Unmutsbekundungen führte. Hier lernten wir wieder was über die arabische Kultur: Man ist erst sauer, wenn man schreit. Beleidigungen, die in ruhiger Lautstärke vorgetragen werden, sind belanglos. Zum Glück hatten wir genügend Wasser mit! Unsere Odyssee führte nach anfänglichen Staus durch die Wüste und es wurde richtig heiß im Bus. Und so kamen wir ziemlich durstig und verschwitzt in Bawiti an. Dort wartete aber schon der Chef vom Badr’s Sahara Camp mit dem Jeep auf uns und fuhr uns ins Camp zu einem Begrüßungstee (schwarz mit frischen Pfefferminzblättern – lecker!)

Danach stiegen wir in einen anderen Jeep um und fuhren Richtung Weiße Wüste. Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass Wüste so anwechslungsreich ist. Ständig änderten sich Formen, Farben und Sandanteil und wir machten gelegentliche Stops (z.B. Schwarze Wüste), um uns einen Überblick über die Gegend zu machen. Ich habe auf der Karte nachgesehen und schätze, dass die Weiße Wüste ca. 150km von Bawiti entfernt ist. Wir passierten den Kontrollpunkt, an dem wir hätten Eintritt zahlen müssen, völlig unbehelligt und konnten so eine Menge Geld sparen. Der weiße Kalkstein ist schon schwer beeindruckend, aber plötzlich verließen wir die Straße und fuhren durch den Sand und dann eröffnete sich und ein wunderschönes Bild. Die Jungs im Jeep fuhren schon mal vor und wir liefen barfuß im Sand ins Tal. Es war schon später Nachmittag und das Licht lieferte auch noch eine Vorlage für diese Szene.

Später ging es dann wieder auf die Straße zurück, wir fuhren noch ein wenig und bogen dann mitten in die Weiße Wüste ab, besuchten gerade noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang den Pilz und das Huhn und schlugen unweit davon unser Nachtlager auf. Wir ließen uns auf Decken nieder und genossen die Natur um uns herum. Selbst nach Sonnenuntergang blieb es noch warm (über 30°C). Die beiden Begleiter kochten für uns ein Beduinengericht mit Möhren, Kartoffeln und Reis. Dazu gab es die gegrillten Hähnchenteile. Doch die Beduinenküche lockte nicht nur unsere Nasen an, sondern auch andere Wüstenbewohner – den Wüstenfuchs. Als wir zum Sonnenuntergang einen sahen, waren wir ganz begeistert und unsere Begleiter meinten nur emotionslos „You will see enough!“ Wie recht sie doch hatten.

Nach dem Abendessen tranken wir noch einen Tee und dann legten wir uns schlafen. Wegen der Hitze fiel mir das Einschlafen schwer und ich wälzte mich unruhig hin und her. Ab 3 Uhr wurde es langsam angenehm, aber das fanden wohl die Wüstenfüchse auch und fingen an neugierig das Lager zu erkunden. Nachdem sie keine Essensreste mehr fanden, schnüffelten sie auch zwischen uns herum. Ich schreckte mehrfach hoch, als mich an meinem Rücken bzw. an meinen Füßen etwas stupste. Und wenn es nichts mehr zu entdecken gab, jagte man sich gegenseitig durchs Lager – ein Wüstenfuchs kommt selten allein. Einer hat sogar die Nase vom Krisztas Vater abgeleckt und weckte ihn damit. So konnte ich schlecht schlafen und beobachtete den Sternhimmel. Er war nicht so schön, wie ich erwartet habe, nicht mal die Milchstraße konnte man durch den staubigen Wüstenhimmel erkennen. Aber dafür konnte man unzählige Sternschnuppen beobachten sehen, die ihr Leben in der Atmosphäre aushauchten.

So standen wir etwas übermüdet um 5 Uhr und kurz nach uns ging dann auch die Sonne auf. Das Lager war umzingelt von Unmengen von Fuchs- und Skarabäusspuren. Unser Frühstück mussten wir mit hunderten Fliegen teilen, die Marmelade, Zucker etc. auch sehr lecker fanden. Auf dem Weg zurück nach Bawiti machten wir noch einen kurzen Abstecher in die „alte“ Weiße Wüste, die Besucherzentrum war, als es noch nicht üblich war, mit Allradantrieb in die Weiße Wüste zu fahren. Unsere Fahrer brachten uns noch bis zur Busstation, wo wir dann 10 Uhr (diesmal mit Klimaanlage) in einem völlig überfüllten Bus wieder nach Kairo fuhren.

Unser Domizil war ungefähr 300-400m vom Tahrirplatz in Kairo entfernt. Lief man über den Platz sah man ein Lächeln in den Augen derer, die freundlich „Welcome to Egypt!“ riefen und ihre Fahnen schwenkten. Ein Teil des Lächeln war nicht nur die Freude über die Veränderung, sondern auch die Freunde – sie kommen wieder, die Touristen.

Aber die Revolution hat in manchen Köpfen noch nicht stattgefunden. Da wird kurz nach 16 Uhr die Besichtigung beendet, obwohl das Gelände bis 17 Uhr offen hat. Und so bekommen die Besucher (auch einheimische Touristen) gleich gesagt: Wir arbeiten hier, aber nicht mehr als nötig. Würde man so manches Verhalten nach Europa transponieren, gäbe das ein ziemlich befremdliches Bild.

Käme man in die Dresdner Gemäldegalerie, würden die Wächter z.B. nicht eine Uniform tragen, sondern Jeans und T-Shirt (gern auch schon ein paar Tage alt). Zum Hinsetzen würde eine letzte Ausgabe der Sächsischen Zeitung reichen. Touristisch aussehenden Besuchern würde der Wächter dann hinterher laufen und Informationen geben, die man auf keinen Fall von anderen Quellen bekommen könnte („This painting – Rafael, great painter!“). Sollte man sich dennoch resistent gegen diese Hinweise sträuben, kann man vorgelesene Auszüge aus Reiseführern mit volkstümlichen Gesängen übertönen („Sing mei Sachse, sing!“) und dazu rhythmisch auf dem Rahmen der Sixtinischen Madonna mittrommeln.

Wäre man diesem Schreckensbild entkommen, würde man sich auf dem Dresdner Weihnachtsmarkt wiederfinden. Der wäre nicht mehr nach Ständen aufgeteilt, sondern würde aus fliegenden Händlern bestehen, die einem Pyramiden unter die Nase halten „Ey man, look! Good quality!“ Manchmal ist es schon gut, so wie es ist…

Die ersten Tage verbrachten wir in Kairo, schauten uns diverse Moscheen an, sind aber nicht ins islamische Viertel gefahren. Eine große Enttäuschung war das Ägyptische Museum. Ich war auf jede Menge altägyptische Schätze eingestellt, aber das Museum gleicht eher einem Lager. Auf den großen Statuen liegt eine dicke Staubschicht und viele Exponate stehen unbeschriftet in morschen Holzvitrinen. Trotzdem ist es überwältigend Auge in Auge mit der Maske von Tutenchamun gegenüber zu stehen.

Auf Empfehlung des Hotels entdeckten wir Kushary für uns. Eine Mischung aus Linsen, Reis und verschiedenen Nudeln, die mit einer Tomatensauce übergossen werden. Sehr empfehlenswert und auch auf die Dauer nicht langweilig.

Man muss zu Kairo eins sagen – es ist eine gigantische Großstadt mit jeder Menge Staus, viel Hupen und natürlich auch viel Dreck. Aber im Vergleich zu den Vororten, wo man bei der Bewässerung nur erkennt, dass es ein Gewässer ist, weil sich eine frei bewegliche Schicht aus Mülltüten, Plastikflaschen und Algen ganz oben befindet. Der Straßenverkehr ist durch eine flexible Aufteilung der Spuren gekennzeichnet, aus vier Spuren werden ganz schnell sieben. Und sich selbstständig in der Stadt zurechtzufinden, kann bisweilen schwer fallen.

Sicherheitstechnisch hatten wir keine Bedenken. Wir erkundigten uns immer im Hostel, ob die Situation sicher an den Stellen ist, aber das war sie. Auch wenn doch einige Besucherbusse vor den Pyramiden waren, kamen wir überall schnell rein und es wirkte nicht überfüllt, lediglich das Klima war gewöhnungsbedürftig. Bei über 30°C wird ein Rucksack schnell zur Last und eine Flasche Wasser leert sich schneller als gewohnt.

Noch ein Wort zu den Pyramiden von Gizeh: Charme war dort definitiv nicht mehr. Ich hatte mir gigantische Bauten im Sand vorgestellt und bekam gigantische Bauten an einer Straße. Besser waren da schon eher die Pyramiden von Dashur und Saqqara. Zwar auch an einer Straße gelegen, aber nicht so sehr mit einem großtouristischen Brimborium umgeben.