Es fing vor zwei bis drei Jahren an… meine Frau ist immer mit ihren Freunden für ein verlängertes Wochenende in den Winterurlaub gefahren und ich bin daheim geblieben, weil ich mir nichts aus Wintersport gemacht habe. Auf die Dauer sieht das auch doof aus, also entschloss ich mich die Alternative zum Joggen zu suchen: Langlauf.

Ich hatte noch einen Gutschein bei Globetrotter, wo es einen einfachen Berater zum Zusammenstellen von Ski und Bindung gibt und dann noch die passenden Skischuhe dazu – fertig. Ich kann mich noch an meine Kindheit erinnern, wo mein Opa mit auf die Bretter gestellt hat. Dann wurde ein Lederriemen um die Hacken geschnallt und nach 10 Minuten war der Spaß schon wieder vorbei, weil das Leder sich durch den Schnee geweitet hat und nachgestellt werden musste.

Wie gesagt – die Skier warteten seit dem im Keller. Letztes Jahr waren wir im Urlaub, dass Jahr davor mitten in der Nachwuchsplanung. Als wir Anfang der Woche mitbekamen, dass eine große Kältewelle anrollt, schauten wir schon mal, was die Hotels kosten und wie die aktuelle Lage auf den Loipen ist. Als Ziele machten wir das Wintersportgebiet um den Ochsenkopf und Bodenmais im Bayrischen Wald aus. Wobei die Tendenz in Bodenmais wesentlich besser aussah. Eigentlich wollten wir die Entscheidung bis Donnerstag vertagen, aber da es schon am Mittwoch schneite und die Preise exponentiell mit der Schneehöhe stiegen, buchten wir ein Hotel.

Planung war: Abreise Freitag früh, ab Freitag Mittag auf der Piste, Schluss gegen 16 Uhr und dann ins Hotel (Sauna, Essen, Chillen). Den nächsten Tag wollten wir dann auf dem Rückweg bei St. Englmar stoppen und noch eine Runde drehen. Wir starteten so gegen 8 Uhr und auf dem Weg nach Süden fiel das Thermometer immer weiter nach unten. Tiefpunkt war -18,5°C, was unser Auto anzeigte. Wir waren so gegen 11 Uhr in Bretterschachten, wo die Langlaufloipe war. Wir schauten uns kurz um und mit beheizter Umkleidekabine, Schließfächern und einer kleinen Wirtschaft stand für mich fest, Kriszta lässt mich hier raus und fährt zur Abfahrt weiter.

Ich hatte im Vorfeld schon mal ein paar Übungsvideos zur klassischen Langlauftechnik angesehen und war skeptisch: So einfach sollte das sein? Ich probierte ein paar Mal das Abstoßen mit jedem Bein und dachte mir: Na dann kann es ja los gehen. Natürlich gibt es zwischen Theorie und Praxis himmelweiter Unterschiede. Man kann den klassischen Stil laufen, aber auch ganz gemütlich im Schlurfschritt dahinschlappen. So sprang ich in die Loipe und probierte erstmal die lange Gerade. Umgedreht und zurück. Ging gut, also warum nicht einfach mal auf die 4km-Strecke gehen. Schon am ersten Hügel kam ich in Schwierigkeiten. Ich stand mitten am Berg und rutschte rückwärts, was zum ersten Sturz führte. War aber eher witzig als schlimm. Nach einer Weile hatte ich den Dreh raus, dass ich nur kleine Schritte machen musste und schon ging es weiter vorwärts.

Zwischendurch hielt ich immer an, denn eigentlich wollte ich nur durch die Landschaft heizen, sondern auch ein bisschen die Winterlandschaft genießen. Immerhin ließ sich die Sonne gelegentlich blicken. Kurz vor 13 Uhr hatte ich meine Runde beendet und befeuchtete meine Kehle (alk.freies Weizen für 3 Euro – passt!) Danach ging es wieder raus und lief noch zwei – drei Mal hin und zurück, als Kriszta ihre Rückkehr ankündigte. So kam es dass wir schon kurz vor 15 Uhr im Hotel waren. Ich war platt von meinem ersten Lauf und wir schliefen kurz ein. Leider war es unangenehm, denn wir hatten ein Dachzimmer und das Dachfenster direkt über dem Bett. Bei -15°C draußen fiel die Kälte direkt ins Gesicht. Wir bekamen problemlos ein anderes Zimmer, gingen in die Sauna, genossen ein leckeres und üppiges Abendessen und schon 20.45 Uhr fielen uns die Augen zu.

Auch das Frühstück am nächsten Morgen ließ nichts zu wünschen übrig. Wir kehrten fix das Auto ab, packten die Sachen ein und fuhren Richtung St. Englmar. Dort hielten wir an der Loipe und schauten uns um. Leider keine Umkleide und auch leider keine Möglichkeit, Skier auszuleihen. Also fuhren wir weiter zum Abfahrtshang und liefen dort etwas umher. Es war beißend kalt (-15°) und deshalb beschlossen wir wieder heimzufahren. Ich muss zugeben, dass ich vom Vortag einen ziemlich zähen Muskelkater hatte. Da es in der Nacht bis auf -19°C kalt wurde, hatte sich auf dem Heimweg dann die Wischanlage endgültig verabschiedet. Zum Glück war die Autobahn trocken und wir kamen problemlos wieder zuhause an. Neugierig hatte mich das Wochenende schon gemacht. Aber wir waren uns einig – wir sollten uns auf eine Sportart einigen, entweder Abfahrt oder Langlauf, ansonsten wird es schnell langweilig.

Es ist ja schon fast peinlich… Ich bin mit meiner Frau nun schon über 9 Jahre zusammen, seit 3 Jahren sind wir verheiratet, aber haben wir es schon mal geschafft, gemeinsam in der Sächsischen Schweiz wandern zu gehen? Nein! Dolomiten, Himalaya, Anden – alles kein Ding. Also wurde es höchste Zeit. Meine Frau suchte eine einfache Route raus: Wehlen – Bastei – Rathen und zurück (quasi die Einstiegstour, wenn man mal in der Sächsischen Schweiz gewesen sein will).

Morgennebel in Wehlen

Morgennebel in Wehlen

Kriszta schlug vor, mit dem Auto raus zu fahren, aber ich verneinte. Viel schöner ist es, wenn man mit der S-Bahn sich an der Elbe entlang schlängelt. Wir starteten kurz vor 8 Uhr und fuhren halb 9 Uhr mit der S-Bahn los. Der Himmel war strahlend blau, ein paar Schleierwölkchen waren sichtbar – es war aber ziemlich frisch, wie es sich für einen Oktobermorgen gehört. Die S-Bahn füllte sich am Hauptbahnhof ordentlich. Man sah es den Leuten an – alle wollten raus, wandern. Natürlich sind immer wieder welche dabei, die der Meinung sind, den Inhalt ihres Hirns unfiltriert über die Lippen kommen zu lassen – in Wagonlautstärke. Die Männer zündeten dazu ein paar Bier, ihre Frauen ein paar Piccolos. Man heizte sich gegenseitig mit Sprüchen wie „Fängste schon so früh an zu saufen?“ an – wie gesagt, reizende Zeitgenossen. Dazu du trostlose Industrielandschaft, die bis Pirna anhält. Aber danach wird es richtig schön.

Der klassische Blick von der Bastei (natürlich nur original mit Raddampfer)

Der klassische Blick von der Bastei (natürlich nur original mit Raddampfer)

Zu unserer Überraschung stiegen erstaunlich wenig Fahrgäste in Wehlen aus. Der Fährmann wartete noch ab, bis wir an Bord waren und wir setzten über. Wehlen wirkte noch etwas leer und ausgestorben. Wir fragten noch kurz im Touristenbüro nach, welcher der schönste Weg zur Bastei hoch sei. Wir wurden durch den Uttewalder Grund über den Steinernen Tisch zur Bastei geschickt. Wir folgten der Beschreibung – es war herrlich. Der Wald war noch feucht vom Regen am Abend zu vor, es war frisch und wir waren ganz allein.

Während wir liefen, dachte ich darüber nach, wann ich das letzte Mal wandern war. Mir fiel eine Wanderung ein, die so 2003 oder 2004 gewesen sein muss. Ich kann mich noch gut daran erinnern, weil wir den Abend zuvor bei Paul van Dyk gewesen sind (so bis 2 oder 3 Uhr) und dann ähnlich früh gestartet sind und als ich nach der Wanderung heim kam, hab ich mich nur umgezogen und bin gleich ins Theater los. War so ziemlich das stressigste Wochenende an dass ich mich erinnern kann.

Am Amselsee

Am Amselsee

Auf der Bastei war natürlich schon die Hölle los. Allein das schöne Wetter lockte schon viele Menschen her, dazu kamen noch die normalen Touristentouren und zusätzlich wurde der Tag der Einheit in Dresden gefeiert. Grund genug, dass sich Massen an den Geländern drängten, um ein schönes Bild zu machen. Wir besuchten noch die Felsenburg und machten uns dann an den Abstieg. Eigentlich hatte ich vor, dass wir die Schwedenlöcher zum Abstieg nehmen, aber ich fand den Einstieg nicht, also liefen wir über die Felsenbühne hinab zum Amselsee und dann hinter zum Amselfall. Auch hier war reges Treiben angesagt. Mittlerweile war Mittagszeit und wir suchten uns einen Platz zum Essen. Fündig wurden wir in einer Forellenräucherei, die auf dem Weg zwischen Amselsee und Rathen liegt. Dort teilten wir uns einen sehr leckeren geräucherten Lachs mit Kartoffelsalat und Brot (für mich) und eingelegten Gurken (für meine Frau).

Laut Route hätten wir auf den anderen Seite zurück gehen sollen, aber da wir in der Sonne laufen wollten, gingen wir auf der Basteiseite an der Elbe zurück. Leider hatte sich die Sonne aber während des Essen sehr schnell hinter ein paar Wolken verzogen, die schwer nach Regen aussahen. Aber trotzdem fand ich den Weg schöner wie den gegenüber, zumal die Rathener Fähre hoffnunglos überfüllt war. Gegen 14 Uhr saßen wir dann wieder im Zug zurück und waren froh über die schöne Wanderung.

dinoUnser Mehrstationen-Urlaub hatte seinen Beginn in Stuttgart. Dort sind wir bereits am Samstag angereist, ich versuchte einen in Stuttgart ansässigen Freund zu aktivieren, der sich aber nicht rührte. Nicht so schlimm, also erkundete ich Stuttgart auf eigene Faust – Kriszta hatte anderweitig zu tun. Wie ich schon wusste bzw. gehört habe, ist die Innenstadt von Stuttgart nicht unbedingt ein Highlight für Stadtbesichtiger. Unser Hotel lag etwas außerhalb, war aber günstig und schön. Dort gab es auch am nächsten Morgen Frühstück und damit ausreichend Stärkung für den Tag.

Für Sonntag Vormittag und Nachmittag wurde ein Besuch im Naturkundemuseum eingeplant. Ich begann Vormittag mit dem Museum am Tor. Dort gab es alle wichtigen Infos über die Entwicklung des Lebens von den ersten Tierchen über Dinosaurier bis hin zu Neuzeit. Natürlich ist das für Kinder ein Riesenspaß, aber auch als Informationshungriger kommt man voll auf seine Kosten. Zu empfehlen ist auf jeden Fall der Audioguide, der alles etwas genauer erklärt. Sehr gefallen hat mir, dass das Wissen dort nicht trocken serviert wird, dort aber die Kombination „Wie sah die Karte der Erde zu der Zeit aus?“, „Welche Flora / Fauna existierte zu dem Zeitpunkt im Raum Stuttgart / Deutschland?“ und „Wie war das Klima?“ erklärt bekommt. Unterstützt wurde das durch Schaukästen, die das verbildlichten.

IMG_2121Am Nachmittag ging es dann in das nahe gelegene Schloss Rosenstein, wo der zweite Teil des Naturkundemuseums wartete. Eigentlich war das Museum nicht so groß, aber die vielen Schaukästen mit den Präparaten waren sehr informativ. Hier ging es um die Entwicklung der einzelnen Arten von Geburt bis zum Tod, Lebensraum, Anpassung an diesen und in diesem Zusammenhang natürlich unvermeidlich: Evolution. Sortiert war das ganze nach Klimazonen – von tropisch bis arktisch. Die Zeit verflog so schnell, dass ich mich in den letzten Räumen beeilen musste.

Abends ging es dann nach London und der Rückflug von London brachte uns nach Hamburg. Aber warum Hamburg, wenn wir doch den nächsten Tag nach Kopenhagen wollten? Eine rein finanzielle Frage, denn selbst in der preiswerten Unterkunft in der Nähe des Bahnhofs (Charakter eines guten Hostels) löhnten wir über 100 Euro. Dafür kamen wir in Hamburg günstiger unter. Erstmal angekommen, erkundigten wir uns nach einer Möglichkeit in der Nähe etwas zu essen. Uns wurde ein Platz in der Nähe des Motel One empfohlen, wo wir untergekommen waren, wo sich jede Menge Restaurants befanden. Unsere Wahl fiel auf den Griechen, der eine gute Mittagskarte hatte. Am Nachmittag erkundeten wir etwas die Innenstadt von Hamburg, fuhren mit der Linie 62 durch den Hafen. Nach einem reichlichen Abendessen bei eben diesem Griechen schlenderten wir noch einmal über die Reeperbahn und fielen dann müde ins Bett, denn wir mussten den nächsten Morgen zeitig raus. So zeitig, dass wir mit der Welle der späten Partygeister in der S-Bahn saßen. Es prallten Welten auf einander: „Soll ich Ihnen mit dem Koffer helfen?“… Älter wie in diesem Moment habe ich mich noch nie gefühlt.

IMG_2405Auf der Zugfahrkarte stand „IC“ als Verbindung nach Kopenhagen, aber die 4 Stunden Fahrzeit für die Strecke Hamburg – Kopenhagen machten stutzig. Tatsächlich wurde jede Kleinstadt anvisiert. Nach der Kreuzfahrt fuhren wir ohne Umsteigen direkt von Kopenhagen nach Hamburg. Naja, fast ohne Umsteigen, denn wir fuhren ein Stück mit der Fähre. Fähre zwischen zwei Ländern heißt: Duty Free! Ich wurde Besitzer eines Bowmore Black Rock, der eigens nur für Duty Free Shops destilliert wird. Auf dem Rückweg hatten wir eine Nacht in Kopenhagen eingeplant, um die dänische Hauptstadt etwas näher kennen zu lernen. Zu dem Zeitpunkt hatte mich die Erkältung schon voll erwischt. Aber das Wetter spielt hervorragend mit. Wir liehen uns Fahrräder beim Hotel aus und erkundeten alles, was man an einem Tag schaffen kann. Kopenhagen ist eine richtig tolle Stadt für Radfahrer. Dort sind die Radspuren stellenweise so breit wie die Spuren für Autos. Als Mittagessen anstand suchten wir uns ein Café, stolperten über die etwas exorbitant hohen Preise und schauten im Café auf der anderen Straßenseite. Das Café Wilder lockte mich mit einem Wilderburger, einer der besten Burger, die ich gegessen habe. Und die Tour ging weiter… Auf Grund meines Gesundheitszustandes machten wir nicht allzu lang und verbrachten den Abend im Hotel. Nach einem reichlichen Frühstück liefen wir noch etwas durch die Stadt, bis mittags unser Zug fuhr. Da es in Deutschland über 30°C waren, wir aber ICE fuhren, wusste ich nicht, was ich anziehen sollte. Von kaputter Klimaanlage bis Eisschrank war ja alles möglich. Ich entschied mich für viele Jacken und kurze Hose. Im ICE war es auch noch angenehm temperiert, nur die Regionalbahn die uns von Würzburg nach Bamberg brachte, kitzelte das letzte bisschen Erkältung raus und ich fror – obwohl ich alle Jacken anhatte.

Letztens haben wir es nicht mehr ausgehalten und mussten mal wieder aus unseren vier Wänden raus. Freitag Nachmittag ging es raus und dann ab Richtung Süden – der Bayrische Wald war unser Ziel. Auf Empfehlung hatten wir uns in der Schnitzmühle niedergelassen, die etwas außerhalb von Viechtach liegt. Hier bekamen ein schönes Zimmer im 2. Stock zugewiesen. Irgendwie wunderte ich mich aber. Auf der Webseite sah alles so nach Wellness-Hotel aus, trotzdem trieb sich sehr viel unrasiertes, laut niederbayerisch palaverndes Mannsvolk umher.

Wir hatten ein Komplettpaket mit Halbpension gebucht. Noch am selben Abend kamen wir in den Genuss der exzellenten Küche des Hotels. Obwohl sich das Restaurant rühmt bayrisch-thailändische Spezialitäten aufzutischen, war der Großteil eher asiatisch angehaucht. Das hat uns aber nicht im Mindesten gestört. Es schmeckte unheimlich gut und schnell wurde klar, dass wir dieses Wochenende nicht schlanker werden. Auch das Frühstück am nächsten Morgen ließ nichts zu wünschen übrig. Viele Säfte, Tees und Kaffee rundeten das üppige Büffet mit vielen Brot- und Brötchensorten, Käse, Wurst und selbstgemachter Marmelade ab.

Nach der ganzen Schlemmerei brachen wir am Samstag Morgen Richtung Bodenmais auf, wir wollten eine Runde wandern gehen. Bodenmais war herrlich, die Straßen waren trocken, es war frühlingshaft warm, aber gleich neben dem Straßenrand lag noch jede Menge Schnee. Leider führte der Wanderweg, den wir auserkoren hatten, immer an der Straße entlang, sodass wir schnell umkehrten und weiter fuhren. Unser Weg führte uns zum Neunussberg, wo man einen herrlichen Blick auf die Umgebung hat. Anschließend kehrten wir nach einem vergeblichen Versuch, ein Restaurant in Viechtach zu finden, in die Schnitzmühle zurück und aßen eine Kleinigkeit zum Mittag.

Dann folgte ein ausführlicher Saunagang, wobei die Sauna noch sehr kühl war, aber dafür war das Erlebnis mit dem automatisierten Aufguss (ich will nicht zu viel verraten) schon toll. Unangenehm fiel hier auf, dass der Platz zum Ausruhen bei weitem nicht reichte, es ist für vielleicht 10 Leute Platz, aber ca. 20 Leute tummelten sich im Saunabereich. Für den späten Nachmittag hatten wir eine Tibetische Massage gebucht, die sich als Tantra-Massage entpuppte. Wem Tantra nur in Zusammenhang mit Sex bekannt ist, sollte den Gedanken ganz tief vergraben, hier geht es nur um Aktivierung der Chakren und Lösen / Erkennen von Blockaden. Nicht dass ich an so etwas glaube, aber es war herrlich entspannend. Kriszta hatte im Nachhinein noch bemängelt, dass Rainer – der Masseur sich vor ihrer Massage eine Zigarette angesteckt hatte, was wohl ziemlich unangenehm gerochen hat.

Nach einem opulenten Abendmahl zogen wir uns aufs Zimmer zurück und stellten fest, dass CSI kam. Also war der Abend gelaufen…

2008 11 muenchen

Eigentlich fing alles damit an, dass ich doch nur in die Werkstatt wollte, um mal die Winterreifen aufziehen zu lassen und eine Lampe zu wechseln. Ich bekam einen Termin in der darauf folgenden Woche und die Lampe wurde sofort gewechselt. Das Ergebnis war, dass ich am selben Tag mittags wieder auf der Matte stand und mein Auto abgab, denn die Geräusche, die es von sich gab, waren wenig Vertrauen erweckend. Erste grobe Schätzungen der Werkstatt waren das Getriebe oder die Antriebswelle. Das war dann am Donnerstag.

Den folgenden Dienstag erhielt ich dann die Sicherheit: Ja, das Getriebe hat einen Totalschaden. Ein Blick in die Wikipedia verriet mir, dass es ein Leiden des Baleno ist. Und nun stand ich vor der Entscheidung – neues Getriebe, gebrauchtes Getriebe, neues Auto, gebrauchtes Auto? Ich schlief eine Nacht drüber und kam zu dem Ergebnis, dass nach 130.000km kein Auto so kaputt sein kann. Also wurde es eine Operation, der Werkstattmeister wollte sich nach einem gebrauchten Getriebe umsehen, was er im Laufe der Woche nicht schaffte, also ging in der nächsten Woche die Reparatur los. Glücklicherweise wurden die defekten Teile gewechselt (also kein neues Getriebe) und eine neue Kupplung wurde gleich mit verbaut. So kamen die Teile auf 300 Euro, dafür die Arbeitskosten auf mehr als das Doppelte.

Und nun steh ich wieder da – er ruckelt beim Anfahren. Zum Glück gibt es die Spezialisten von Balenomania.de, die jedes Problem schon mal hatten. Vorsichtige Schätzung: es kommt Wasser in die Zündkerzen und deshalb läuft er nur auf 3 Töpfen und genauso fühlt es sich an… Und den Ölwechsel hatte ich auch vergessen. Und da sagt man, eine Freundin wäre teuer… Pfff…

2008 11 muenchen2Letzten Samstag ging es jedenfalls auf einen kleinen Ausflug nach München. Wir bummelten den ganzen Tag durch die Stadt, schauten uns um und stellten fest – viel zu viele Menschen. Aber trotzdem ist so ein Wochenendausflug immer wieder schön, zumal ich auf noch meine CD-Sammlung etwas aufstocken konnte. Das Wochenende war schnell vorbei und gleich am Montag Morgen hieß es früh um 4 Uhr aufstehen und auf den langen Weg nach Kiel machen. Gegen Mittag waren wir da, gingen in die Firma und legten erstmal die Sachen ab und stärkten uns.

Im Laufe der Woche kamen wir gut mit dem Projekt voran. Besonders erwähnenswert war der Dienstag Abend, als wir in einen Laden gingen, der grundsätzlich nur Pizzas nach Art des Gastes anbot. Hieß im Klartext: Man hatte einen Zettel vor sich, wo man die Größe der Pizza, den Teig und sämtliche Beläge ankreuzen konnte. Mir war nach scharf zumute und so lautete meine Zusammenstellung:

  • 28 cm
  • Weizenmehl
  • Peperoniwurst
  • Peperoni (auf Nachfrage der Kellnerin: Ja, die Scharfen)
  • Hackfleisch
  • Zwiebeln
  • Oliven

Unter dem Zettel stand noch, dass es auf Wunsch auch kostenlos Knoblauch gibt. Ich machte einen Haken dran und unterstrich das Wort Knoblauch. Das führte dazu, dass sich wohl ungefähr 6-7 gepresste Knoblauchzehen auf meiner Pizza befanden. Schmeckte unglaublich lecker und die Peperoni waren auch wirklich angenehm scharf. Ansonsten eine sehr ungewöhnliche Mischung, aber doch empfehlenswert.

Ich bin jetzt das dritte Mal in Kiel gewesen und immer habe ich das Glück ein Zimmer zu erwischen, wo irgendwas nicht passt. Das letzte Mal war es das surrende Geräusch des Fahrstuhlmotors, diesmal das riesengroße beleuchtete Schild des Hotels vor meinem Fenster. Aber alles das wurde wieder wett gemacht, durch einen besonderen Service. Morgens klingelte mein Telefon und die liebe Stimme meiner Freundin weckte mich. Und sofort hatte ich vergessen, dass die Luft unheimlich trocken war und die Matratze völlig ausgelegen war.

e7Soweit ja kein Problem, aber L14 oder O1? Wo sind wir denn hier gelandet? Wohl eine Stadt, die stolz auf ihre Söhne ist und sich ein System für ihre Straßenbezeichnung ausgedacht hat, um Touristen bei der ersten Durchfahrt in den Wahnsinn zu treiben. Und mit diesem System werben sie auch noch für ihre Stadt.

Einfach: den Zielpunkt finden. Katastrophal: dort hinzukommen! Denn die komplette Innenstadt ist ein System aus Einbahnstraßen, die abwechselnd angeordnet sind. Bevor ich mich auf das Strategiespiel einließ, suchte ich mir einen Punkt nahe dem Ziel und sondierte die eventuell vorhandene Parkplätze und wie man dahin kommen könnte.

2008 herbstlaubSo nahmen wir das Hotel in Besitz, bummelten den ganzen Nachmittag durch die Stadt und wurden Zeugen von etwas, was ich bisher aus Dresden oder Bamberg nicht kannte: eine türkische Demo. Unterwegs entdeckte ich noch einen Hinweis auf ein Restaurant, das mir indisch vorkam. Wie wir dann am Abend feststellten, war es ein Restaurant, das mit der „wunderbaren kulinarischen Welt des geheimnisvollen Orients“ warb. Der erste Blick in die Karte war ziemlich ernüchternd und wir blätterten eine gefühlte halbe Stunde ratlos in der Karte. So wie die Gerichte auf der Karte standen, machten sie hinter der Fassade eines „orientalischen Genusses“ zweifellos einen kontinentalen Eindruck. Und bei genauerem Hinsehen – ups, da war ein „Hähnchen ala Kiew“, ein anderes war mit einer provencialischen Sauce garniert. Klar doch, Kiew und die Provence liegen mitten im Orient…

Wir waren schon drauf und dran zu gehen, aber die Getränke kamen schon und wir rätselten weiter. Wenigstens ein kurzer Moment der Heiterkeit kam auf, als meine Freundin folgenden Dialog mit dem Kellner begann:

F (mit Blick auf die Karte): Gibt es noch andere Gerichte?
K: Ja, das Tagesgericht.
F: Und das wäre?
K: Hähnchensteak.
F: Und was gibt es dazu?
K: Currysauce.

War das ein Beispiel arabischer Gastfreundschaft? War der Kellner schlecht gelaunt, weil sich normales Publikum in sein pseudonobles Restaurant traute? Oder hatte er einfach nur ein kulturelles Problem damit, dass er von einer Frau gefragt wurde? Alles in allem eine große Enttäuschung, wir nahmen dann den Vorspeisenteller für 2 Personen, der reichte für uns völlig aus.

2008 speyerDen nächsten Tag noch ein bißchen das Schachbrett tangiert und außen herumgelaufen. Am späten Nachmittag brachen wir dann heimwärts auf und machten noch einen kleinen Abstecher nach Speyer, schauten uns den Dom an (ungünstig, war gerade Gottesdienst) und liefen dann noch etwas durch die Stadt. Hübsch dort, sollten wir nochmal besuchen. Memo an mich: Hol dir endlich mal das EF-S 18-55 IS! Ich mag es nicht, wenn ich den Weitwinkel zu Fuß simulieren muss…

EinsiedelNun der versprochene Bericht von der Kulturinsel Einsiedel. Ich würde das Gebiet als Abenteuerspielplatz für Jung und Alt bezeichnen. Die Kulturinsel liegt ungefähr ein Viertel- bis halbe Stunde von Görlitz entfernt und von dem kleinen Zentendorf abgesehen, irgendwo im Nichts.

Nachdem ich Freitag abend sehr spät ins Bett gegangen bin, war ich den nächsten Morgen wie gerädert, als ich auch noch vor dem Wecker munter wurde. Ich packte Schlafsack, Iso-Matte, ein paar Grillutensilien und den Nudelsalat, den ich am Abend davor gemacht hatte zusammen, setzte meine Kontaktlinsen ein und fuhr zu Claudi + Basti. Dort wurden die ganzen Sachen umgeladen und wir düsten los.

EinsiedelNach ungefähr anderthalb Stunden Fahrt erreichten wir uns Fahrtziel und stellten das Auto auf dem Parkplatz ab. Fast wie abgesprochen kamen, trafen die anderen auch ein und nach einigen Verhandlungen konnten wir unsere Tipis beziehen. Wir hatten die Tipis Rammelsau (20 Personen), kochender Pfeil (5 Personen) und reiernder Geier (5 Personen). Da noch einige abgesagt hatten, waren nur die Rammelsau und der kochende Pfeil voll belegt. Mit Hilfe von Schubkarren transportierten wir unser Gepäck ins Zelt und dann wurden schon die ersten Kuchen und Muffins aufgefahren. Nachdem wir uns ein wenig gestärkt hatten, ging es auf eine erste Rundschau, die mit einem kleinen Mittagessen endete.

EinsiedelUm unseren Aufenthalt interessanter zu gestalten, teilten wir uns in zwei Teams auf und holten uns zwei Schatzsucherrätsel, wo mit Hilfe von Hinweisen Lösungbegriffe oder Buchstaben gefunden werden müssen, die dann ein Lösungswort ergeben. Das interessante an der Kulturinsel ist, dass die einzelnen Plätze komplett untertunnelt sind, in denen für Erwachsene nur gebückt oder auf allen Vieren voran kommen. Licht gibt es dort natürlich nicht. Viele der Räsel lassen sich nur lösen, in dem man die Tunnelsysteme besucht und mit Hilfe von Taschenlampen sich seinen Weg bahnt. Trotz Licht habe ich mir mehrmals teils leicht, teils ziemlich heftig den Schädel eingehauen, der mit das auch heute noch mit mürrischem Brummen quittiert.

Gegen drei trafen wir alle wieder zusammen und besichtigten Deutschlands erstes Baumhaushotel. Zu einem doch sehr stolzen Preis von 180,- Euro pro Nacht können dort vier Personen (meist ausgelegt auf 2 Erwachsene und 2 Kinder) im Baumgipfel übernachten. Besonders schön war die Freiluftdusche, wo man mit Blick aufs freie Feld und den Boden in ca. 10 Metern Höhe eiskalt duschen kann. Und wer den schnellen Abgang aus dem Baumhaus sucht, nimmt einfach die Rutsche und schon ist man wieder auf dem Boden der Tatsachen.

EinsiedelEinsiedel

Nach der Besichtigung ging es mit unserem Rätsel weiter und wir kämpften uns Buchstabe für Buchstabe vorwärts. Unter anderem ging es auch ins U-Boot, wo ein Rohr mit Spiegel nach oben zeigte und dort die Richtung zum nächsten Lösungsbuchstaben wies. Nach einer Unterbrechung durch einen ziemlich heftigen Regenschauer, konnten wir unser Lösungwort bilden – „Dödelfurz“. Denn Rest des Nachmittags hatten wir „Freizeit“ zum „Spielen“. Also gingen wir zum Schloß, krabbelten durch alle Gänge, bis ich eine Rutsche entdeckte. Natürlich wollte ich diese ausprobieren. Ein erster Blick zeigte, es ging in die Finsternis. Ich bat um eine Taschenlampe und meinte, es wäre wohl ziemlich steil. In dem Moment bekam ich einen Schubs von hinten und es ging ungefähr 2-3 Meter fast senkrecht in die Dunkelheit. Auch unter dem Schloß gab es ein großes Labyrinth aus Tunneln aus dem es wieder herauszufinden galt.

EinsiedelAls das Schloss komplett erkundet war, gingen wir noch schnell zum Trampolin rüber und sprangen darauf etwas herum. Leider konnte ich nicht so ausgiebig springen, wie ich wollte – mein Schädel legte Einspruch ein. Weiter ging es zum Türenlabyrinth, das wir schnell durchquerten. Natürlich führte kein Weg durch ohne dass eine selbstzufallende Tür mir nochmal richtig mit aller Kraft in die Ferse fiel. Nach dem Labyrinth mußten wir uns wieder unterstellen, weil es wieder heftig regnete. Ich erwähne lieber nicht den Nieselregen, der weitaus häufiger kam. Wir sahen schon unser Grillen davonschwimmen.

Aber rechtzeitig hörte es auf, wir holten alles an die Feuerstelle heran und sehr schnell war die Betriebstemperatur erreicht und die Steaks, Bratwürste, Maiskolben, Baguettes wurden vertilgt. Da es auch hier zwischendurch immer nieselte, kamen wir schnell zu dem Entschluss, dass wir ein richtiges Feuer machen – Holz wurde uns ja genügend zur Verfügung gestellt. Neben unserer Feuerstelle befand sich noch ein riesiger Metalltopf, in den Wasser eingelassen wurde und der mit Feuer angeheizt wurde. Unser Lagerfeuer hatte schnell die richtige Temperatur, sodass man auf den umstehenen Felsblöcken seine Sachen legen konnte, die dampfend das Wasser wieder freigaben. Zusammen mit dem Qualm des nassen Holzes hockten wir stellenweise einem Tal aus Nebel. Kurze Zeit später fanden sich dann auch die Leute zum Baden ein, die erst rummaulten, dass das Wasser so kalt war und dann noch ordentlich rumspritzten und das Feuer unter dem Topf fast löschten. Kein weiterer Kommentar…

EinsiedelEinsiedel

Denn gegen 23 Uhr hatte das Wasser eine richtig angenehme Badetemperatur und einige von uns nutzten die Möglichkeit, um in den dampfenden Topf zu steigen. Als wir nachmittags das Türenlabyrinth besichtigten, warfen wir auch mal einen Blick in den Gruselwald, wo mittels Bewegungsmeldern schauerliche Geräusche aus Lautsprechern ertönten. Ein unbedingtes Muss für die Nacht, nur als wir dann nachts den Gruselwald nochmal betraten, waren die Bewegungsmelder nicht mehr aktiviert und die ganze Wirkung war dahin. Also trollten wir uns gegen Mitternacht ins Tipi zurück, wo sich durch den Nebel der aufstieg, ein gespenstisches Licht bildete.

EinsiedelEinschlafen wollte durch den harten Boden und den dröhnenden Schädel nicht so recht funktionieren und auch bei 20 Leuten in einem Zelt findet sich immer einer, der schnarcht. Besonders erstaunt war ich, wie laut Kinder schnarchen können. Auch die Temperatur war viel zu warm, sodass ich mehr außerhalb des Schlafsacks lag, als darin. Ich drehte mich von einer Seite auf die andere, schlief immer mal kurz ein, wurde dann wieder durch einen Schnarcher geweckt und als ich dann eingeschlafen war, bekam ich langsam mit, wie im Zelt sich etwas rührte. Es war morgen und ich vernahm als erstes das Prasseln auf der Zeltplane und dann sah ich, wie sich das Wasser entlang der Tipistäbe den Weg nach unten arbeitete und auf die Schlafsäcke tropfte.

Höchste Zeit munter zu werden und alles in Sicherheit zu bringen. Da während des Packens der Regen aufhörte, konnten wir unser Gepäck gleich zum Auto bringen und nahmen dann unser abschließendes Frühstück zusammen ein. Nach der Verabschiedung düsten wir wieder Richtung Heimat, wo wir gegen Mittag wieder eintrafen. Auch wenn das Wetter nicht so richtig mitspielte, war es doch ein richtig schönes Erlebnis. Denn bei 35° möchte ich nicht in dem Zelt schlafen oder durch die Röhren krabbeln…

Einsiedel

EinsiedelVor einer guten Stunde bin ich wieder vom Ausflug zur Kulturinsel Einsiedel zurückgekehrt. Momentan sind erstmal die notwendigsten Dinge getan – ausgeräumt, Waschmaschine angeworfen, in der Wanne gewesen und die Fotos gesichtet.

Nachdem ich die Wanne verlassen hatte, roch es in der Wohnung leicht geräuchert. War höchste Zeit, dass ich mich der Klamotten entledigte. In der gesamten Wohnung haben sich kleine Häufchen von Schlafsack, Wäsche und Taschen gebildet. Jetzt folgt noch schnell eine Kopfschmerztablette und dann leg ich mich erstmal ein Stündchen auf’s Ohr. Weitere Informationen gibt es dann heute nachmittag / abend. Als kleinen Vorgeschmack schon mal ein erstes Foto.

MarburgIch war da! Siehe Beweisfoto. Aber erstmal zur Auflösung:

Bild 1: Elisabeth-Kirche, 1235-1283 erbaut, frühste gotische Kirche Deutschlands
Bild 2: Marburg-Virus, wie ich letztens gelesen hab, einer der der tödlichsten natürlichen Viren (neben dem Ebola-Virus) (benannt nach der Stadt, weil dort 1967 31 Leute an dieser Krankheit erkrankten)

Weitere Infos über Marburg:

  • 90.000 Einwohner
  • davon ca. 20.000 Studenten – deswegen Universitätsstadt
  • Kennzeichen: MR (war witzig, weil die Autos MR XY, MR T usw. hießen)