Lofoten

Ich werde langsam mal beginnen, die Tage zusammenzufassen, sonst geht es mit dem Urlaubsbericht überhaupt nicht vorwärts. Wenn man in einer landschaftlich schönen, aber kargen und unbelebten Ecke der Welt Urlaub macht, dann gibt es zwar viel zu sehen, aber doch wenig zu berichten.

Wikingerschiff

Wikingerschiff

Das Wetter hatte sich am Tag nach dem Besuch des Wikingermuseums noch weiter verschlechtert. Es hatte den Anschein, dass es zumindest trocken bleiben würde. Also versuchten wir uns an einer zweiten Wanderung. Diesmal versprach der Text eine Küstenwanderung, immer am Ufer entlang. Klang wirklich danach, als wäre es diesmal kein Gewaltmarsch. Die Strecke war mit 9 Kilometern in eine Richtung angegeben. Da wir nicht lange wandern wollten, nahmen wir die vorgeschlagene Kurzstrecke und sparten die ersten 3,5 Kilometer ein. Wir stellten das Auto an einem Wendeplatz ab und begannen zu wandern.

In der Beschreibung wurde uns ein Weg versprochen, auf dem ein Auto bequem Platz hat. Leider traf das nur auf den ersten Kilometer zu. Danach wanderten wir über einen Wiesenpfad, der schon an sich ziemlich glitschig war, weil es zwischendurch immer mal geregnet hatte. Der Weg wurde aber auch von Schafen benutzt wurde und dementsprechend strotzte es vor Exkrementen.

Später kam dann noch erschwerend hinzu, dass es wieder anfing zu nieseln und der Weg doch stellenweise ziemlich steil bergan und bergab ging, sodass man auf die Ketten, die als Haltehilfe aufgestellt waren, angewiesen war. Und so ging es eine ganze Zeit weiter, bis sich der Wiesenweg in eine Geröllwüste verwandelte, wo man über über Felsbrocken klettern mußte und der Nieselregen stärker wurde und sich in strömenden Regen verwandelte.

An dieser Stelle brachen wir die Wanderung ab, da wir nicht mal das Ziel sahen und der Weg auf Dauer auch nicht besser zu werden schien. Da wir komplett durchnässt waren, zogen wir uns bis auf die Unterwäsche aus und zogen das an, was als Wechselsachen im Rucksack war. Hier zeigte sich der andere Vorteil von trockenen Wechselklamotten. Zuhause wieder angekommen, stopften wir die nassen und dreckigen Sachen in die Waschmaschine, die sich zuerst weigerte loszulegen, weil ihr die nassen Sachen zu schwer waren.

Hoven, Lofoten

Hoven, Lofoten

Da es von dem Tag keine wirklich überragenden Bilder gab, außer Schafen, die posierten, stelle ich mal noch ein paar Bilder vom Wikingermuseum, unseren Ausflügen aufs Meer und letztendlich vom Hoven rein.

Zum Thema Waschmaschine fehlte mir noch etwas ein. In der Anleitung zum Haus stand drin, dass man nach Möglichkeit nicht so viele elektrische Verbraucher gleichzeitig betreiben soll, um das Stromnetz nicht zu überlasten. Ich weiß nicht, ob es nur Einbildung war, aber als Herd, Radiator und Waschmaschine gleichzeitig liefen, gab die Waschmaschine Zeichen für Unterernährung von sich (klang ziemlich gequält). Überhaupt war der Aufbau der Verkabelung doch etwas abenteuerlich. In einem Schlafzimmer war der Hauptsicherungskasten und im Flur dann der Sicherungskasten für die einzelnen Stromkreise. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, bis ich eines Morgens vor dem Haus stand und nachdenklich die zwei Kabel ansah, die vom Strommast ins Haus gingen und genau an der Stelle endeten, wo ich Tage zuvor die Hauptsicherung sah. In meiner Vision fiel da ein Ast drauf oder ein starker Wind kam und es wurde dunkel im Haus. Sehr vertrauenserweckend.

Noch besser war die Verschaltung im Haus. Als wir das Haus bezogen, leuchtete einige Tage außen eine Lampe. Irgendwann machten wir uns auf die Suche nach dem Schalter, um sie auszuschalten. Es wurden alle Schalter probiert, manche schienen ohne Funktion zu sein. Einige Schalter später war die Lampe aus. Dann kam der nächste Morgen und die Kaffeemaschine wurde angeschalten, ging nicht. Also wurden Sicherungen geprüft, umgetauscht, kein Erfolg. Irgendwann entdeckte ich einen Schalter an der Wand und knipste. Plötzlich sprangen Gefriertruhe und Kaffeemaschine an. Gute Idee, einen Stromkreis so zu anzuschließen, dass man einen Schalter hat, der täuschend echt wie ein Lichtschalter aussieht.

Wikingermuseum

Unter den Top 10, die man meiner Meinung nach auf Lofoten gesehen haben muss, gehört auch das Wikingermuseum. Da sich das Wetter nicht von seiner besten Seite zeigte, legten wir beim Frühstück fest, dass heute ein Tag wäre, wo man einen Besuch wagen könnte.

Im Wikingermuseum

Im Wikingermuseum

Der Eintrittspreis von 90 NOK (ca. 13 Euro) mutete schon ziemlich üppig an, aber dafür bekamen wir einen kleinen Einblick in das Leben der Wikinger. Das Wikingermuseum wurde an einer Stelle erbaut, wo zufällig bei Grabungen die Grundfesten eines ehemaligen Wikingerbaus gefunden wurden. Im Gegensatz zu anderen Museen durften wir alles anfassen und es gab Führungen in vielen verschiedenen Sprachen. Einmal jährlich treffen sich auch Freunde des Wikingerlebens dort, um ein paar Tage miteinander zu verbringen und möglichst alles original nachzuleben. Auch kann man dort ein gemeinschaftliches Gelage buchen. Wir sahen uns das Haus an und liefen dann einen Weg zu einem nahe gelegenen See, wo ein Wikingerboot lag. Das Wetter war grau in grau, aber trotzdem hielt das nicht die Mücken zurück, in Scharen am Seeufer umherzufliegen.

Da dieser Ausflug nicht lange hielt, beschlossen wir am Nachmittag Ballstad und Gravdal zu besuchen. Etwas am Rand von Gravdal liegt die Kirche von Busknes, die nicht für unseren Besuch bereit war. Innen war zwar Licht, aber sämtliche Türen waren verschlossen. Also fuhren wir unverrichteter Dinge weiter nach Ballstad, wo unser Reiseführer ein großes Wandgemälde anpries. Mit 54 x 22 Meter soll es wohl zu den größten seiner Art gehören. Wir suchten eine ganze Weile, bis wir ein stark verblichenes Bild an einem Fabrikgebäude entdeckten. Wenn ich mir das Bild ansehe, waren wir richtig, nur das Bild war schlecht bis garnicht zu erkennen.

Erkenntnis des Tages: Für Ausflüge dieser Art sind Lofoten weniger geeignet, aber trotzdem finden sich doch jede Menge Motive, die fotografiert werden wollen.

Blick auf die Lofoten

Wenn man schon mal auf Lofoten ist, sollte man natürlich auch die Gelegenheit nutzen und die wunderbare Landschaft zu Fuß erkunden. Also durchsuchten wir unsere Reiseführer und zwei von denen beschrieben die Besteigung des Hoven als einfaches Ziel. Sozusagen als Einstiegertour. Also war unser Tagesziel für den vierten Tag gesetzt.

Blick auf die Lofoten

Blick auf die Lofoten

Ich schlief an dem Tag ziemlich lange, bin erst gegen halb 9 Uhr munter geworden. Und das mit dem unangenehmen Gefühl, dass irgendwas in meinem Zimmer komisch riecht. Ich hab die Bettdecke unter Verdacht…

Die Fahrt zum Hoven war ziemlich kurz und bei wolkigem Wetter schien es auch ideales Wanderwetter zu sein. Wir stellten das Auto am Golfplatz von Hov ab, wie es im Reiseführer empfohlen wurde. Es war 12:15 Uhr und der Aufstieg sollte ungefähr eine Stunde dauern. Also liefen wir los. Das erste Stück machte noch keine Probleme, aber darauf folgte eine steilere Stelle, bei der wir einige Verschaufpausen einlegen mussten. Zwischendurch mal wieder eine gemäßigtere Stelle und dann kam das Finale, das doch die letzten Kräfte forderte. In der Zwischenzeit riss die Wolkendecke auf und die Sonne wärmte uns noch zusätzlich. So kamen wir außer Puste und völlig verschwitzt am Gipfel an. Dort machte bereits eine andere deutsche Wandergruppe Pause. Aber das wußten wir schon, denn unterwegs kam uns schon jemand entgegen, der die Strapazen des Aufsteigs nicht bewältigt hat und auf halber Strecke umgekehrt ist.

Andere Wanderung, anderes Wetter

Andere Wanderung, anderes Wetter

Wir genossen die hervorragende Aussicht und ließen die T-Shirts in der Sonne trocknen. Also wer auf Lofoten wandern geht, sollte immer trockene Sachen im Gepäck haben, egal ob sonnig oder nicht! Wir hatten einen tollen Blick auf die Bergwelt von Lofoten und Vesterålen. Wir machten eine lange Pause. Zwischendurch kam eine französische Familie, die nur kurz den Berg in einem Wahnsinnstempo bestieg, sich umschaute und dann gleich wieder ging. Memo an mich: Man kann Wandern auch als Kampfsport betreiben.

Als sich dann die dritte Gruppe von Deutschen auf den Gipfel bewegte, beschlossen wir wieder aufzuberechen. Der Abstieg ging wesentlich einfacher und wir waren 14:45 Uhr wieder am Auto. Nach unserer Wanderung machten wir noch einen kleinen Ausflug nach Stamsund. Stamsund gehört mit 1.400 Einwohnern auch zu den größten Orten auf Lofoten, hatte aber wenig zu bieten. Es wirkte an dem Tag wie ein bißchen ausgestorben.

Blick vom Hornstinden

Blick vom Hornstinden

Fazit des Tages: Wenn Einsteigertouren schon so kräfteraubend sind, wie schwer sind dann richtige Wanderungen? Wenn man schon die Besteigung eines Berges plant, der schön in der Landschaft liegt, dann sollte man auch ein Bild davon machen, nicht dass man abends beim Durchschauen der Bilder zu der Frage kommt: „Hat überhaupt jemand ein Bild vom Hoven gemacht?“

Der 3. Tag, der um 6 Uhr morgens begann. Eine blöde Zeit, wenn man bedenkt, dass wir um 9 Uhr frühstücken wollen. Ich legte mich also nochmal hin, bevor ich dann nach unten ging, um Frühstück zu machen. Es hat immer Spaß gemacht, denn ich konnte Musik hören und dabei in Seelenruhe in der Küche herumwuseln.

Nach dem Frühstück brachen wir angesichts des traumhaften Wetters sofort Richtung Svolvær auf, um die Tour in den Trollfjord mitzumachen. Ausgemacht war am Vortag, dass wir vorher anrufen, um sicher zu gehen, auch genügend Leute zusammen kommen, um das Boot zu füllen. Wir bekamen super Plätze ganz oben und schon konnte es losgehen. Die Sicht und die Landschaft waren wunderschön. Plötzlich hielt das Boot an und aus den Lautsprechern schnarrte eine Stimme, die etwas von Angeln erzählt. Eigentlich hatte ich ja keine Lust. Aber nach den ersten Fängen war mir beim Anblick der zappelnden Fische zumute, diese wieder sofort frei zu lassen. Aber irgendwann packte mich die Neugier und ich ließ den Pilger zu Wasser und hatte relativ schnell ein Erfolgserlebnis.

Lofoten

Nach dem Angeln fuhren wir zu unserem endgültigen Ziel, dem Trollfjord. Außer dass er eng war, konnte ich dem Trollfjord im ersten Moment nichts abgewinnen. Aber es wirkt schon beeindruckend, wenn man in dem kleinen Fjord ist. Ringsherum ist man von Bergen umgeben, die um die 1000 Meter hoch sind. Wenn man auf die Bilder schaut, sieht man am Ufer immer kleine krümelige Pixel, die in Wirklichkeit zweistöckige Häuser sind.

Nachdem wir den Heimweg Richtung Hafen wieder angetraten, wurden Möwen mit Brot angelockt und später Adler mit Fisch. Leider wurde der Fisch immer so geworfen, dass wir gerade nichts direkt vor die Linse bekamen, weil sich haufenweise andere Touristen mit ihren kleinen Digicams vor uns drängelten, in der Hoffnung einen Schnappschuss zu machen.

Trollfjord

Trollfjord

Nach unserem Ausflug stand noch Einkaufen auf dem Plan. Thomas entdeckte in einem Laden Angeln, wie wir sie auf dem Ausflug benutzt hatten und das zu einem Preis, der uns nicht lange überlegen ließ. Nach mehreren Versuchen in mehreren Läden nahmen wir dann doch die Angeln aus den ursprünglichen Laden und kaufen noch etwas Benzin, um gleich nach dem Einkaufen Angeln zu fahren.

Ohne jede Ahnung, wo man sich am besten hinstellt, fuhren wir aus mehr hinaus und hielten unsere Angeln ins Wasser. Relativ schnell stellte sich Erfolg ein und unseren Fischen war ein schnellerer Tod zuteil geworden, sie mußten nicht noch eine Ewigkeiten im Eimer zappeln.So fuhren wir mit fünf Fischen wieder heim und im Hafen entschloss sich noch eine Möwe ihre Ladung auf meiner Jacke fallen zu lassen, es verfing sich ein Haken in meinen Schuhen zu allem Überfluss waren meine Hosen mit Fischblut bespritzt…

Lofoten

Wir schreiben den 17.08. und es ist unser erster vollständiger Tag auf Lofoten. Wir sind irgendwo im Nichts in einer Ortschaft, die sich Horn nennt. Hinter unserem Haus befindet sich der Berg Hornstinden – entweder nach dem Ort benannt oder umgekehrt. Schon relativ zeitig wird beschlossen, dass der Hausberg bezwungen werden muss.

Zu unseren erklärten Top-Zielen gehört der Trollfjord und deshalb beschließen wir gleich, dass wir uns nach einer Rundreise umsehen, die uns zum Trollfjord führt. Deswegen werden wir nach unserem Besuch in Henningsvær entweder baden zu gehen oder einen Ausflug zum Trollfjord zu machen.

Henningsvær

Henningsvær

Am Morgen werde ich schon gegen 5 Uhr munter. Es ist noch ungewohnt, dass es schon um diese Zeit richtig hell ist. Ich schlafe aber trotzdem nochmal ein, bevor ich in die Küche gehe und das Frühstück vorbereite. Ich hatte bereits am Tag ein paar Karten gekauft, wovon ich gleich am Morgen die erste schrieb und versandfertig machte. Wenn ich da schon gewusst hätte, dass es Ewigkeiten dauert, bis sie eintreffen, hätte ich sie selbst mitgebracht. Die letzte Karte traf letzten Samstag ein, volle zwei Wochen, nachdem ich wieder angekommen bin, trotzdem mit ungetrübter Freude über den Empfang.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Henningsvær und machen auf dem Weg dahin einen Strand aus, an dem wir am Nachmittag baden gehen könnten. Unterwegs überqueren wir auch eine Brücke, die mit ihrer Länge von 840 Metern riesig wirkt, aber in der Landschaft verschwindet. Man mag gar nicht darüber nachdenken, wie der Verkehr früher ablief. Die Brücken zwischen den Inseln wurden erst 1981 errichtet. Vorher gab es nur Fährverkehr.

Henningsvær ist ein kleines, verschlafenes Dorf, aber hervorragend zum Fotografieren geeignet. Ansonsten sehr wenig los, trotzdem bleiben wir ziemlich lange dort. Wir essen Eis und fahren danach nach Svolvær. Die letzte Fahrt zum Trollfjord wäre 15 Uhr gewesen, wir kommen also leider ein Viertelstunde zu spät. Dafür beschließen wir am nächsten Tag 11 Uhr zu fahren und reservieren schon mal.

Henningsvær

Henningsvær

Da es immer noch angenehm warm ist, fahren wir an den Strand, den wir am Vormittag entdeckt haben und stürzen uns in das eiskalte Wasser. Es ist unglaublich kalt und schon nach kurzer Zeit beginnt es von den Füßen her schmerzend kalt nach oben zu ziehen. So schnell wie wir ins Wasser gelaufen sind, kommen wir auch wieder heraus.

Wir stecken voller Tatendrang und fahren noch etwas weiter. Nicht weit entfernt von Svolvær liegt Kabelvåg, mit der Lofot-Kathedrale. Sie ist wirklich nicht zu übersehen und schon ihre Lage lädt zum Fotografieren ein. Nachdem wir im Urlaub mehrere Kirchen gesehen haben, die zum Teil verwahrlost oder geschlossen war, ist dies die einzige Kirche in die man eintreten kann, gegen einen kleinen Obulus. Religiös sind die Norweger offensichtlich nicht sehr, wissen aber sehr wohl, wie man an das hart verdiente Geld der Touristen kommt.

Strand bei Svolvaer

Strand bei Svolvaer

Gegen Abend beschließen wir unsere Tour mit einem Besuch des Strandes, der von Einwohnern Norwegens als schönster Strand des Landes gewählt wurde – der Haukland-Strand. Ein paar Wohnwagen stehen auf der Grünfläche nahe der Straße, aber ansonsten sind wir allein am Strand. Es ist herrlich ruhig, nur ein paar Schafe blöken auf der nahegelegenen Wiese.

Da mir das letzte Bild so viel Spaß gemacht hat , gleich noch ein neuer Versuch.

  1. Landschaft (zeigt sich bei schönem Wetter immer von der besten Seiten, bei Regen kuscheln sich die Berge in den Wolken ein. Kein Wunder, denn dann wird es auch deutlich kühler.)
  2. Autoatlas (das Navi [nicht im Bild] weiß zwar immer, wo man ist, aber nicht, welchen Berg man neben sich hat. Deswegen ist eine Karte mit den Höhen und Namen der Berge unentbehrlich.)
  3. Handtuch („Per Anhalter…“ lässt grüßen, in dem Fall als Stoßdämpfer für die Videokamera benutzt, welche die Fahrten durch die Landschaft einfangen sollte.)
  4. Norwegischer Leihwagen (Licht konnte man auf „Aus“ stellen, blieb aber trotzdem an. Das schöne Wort dafür: Lichtpflicht)
  5. Hand in der Hosentasche (Makes me look cool!)
  6. Boards Of Canada (naturfilminspirierte Musik bei einer Fahrt durch die Natur, einen besseren Soundtrack kann es nicht geben)
  7. Sommerfeeling (Es ist wirklich Sommer da oben und man geht im T-Shirt raus – hier der Beweis)
  8. Bart (für ein bißchen „Ich war oberhalb des Polarkreises“)
  9. Sonnenbrille (siehe 5.)
  10. Antenne (Lofotradioen, was sonst?)

  1. zirkularer Polfilter und UV-Filter (satte Farben und mehr Kontraste, besonders bei Wolken)
  2. Chips für Bilder (ausreichend: 6GB, empfohlen 10GB)
  3. Canon EOS 400D mit geborgtem Canon EFS 18-55mm IS (nicht im Bild: mein miserables Standardkit-Zoomobjektiv 80-200mm, das dringend durch ein besseres ausgetauscht werden muss. Ich hab es schmerzvoll erfahren – die beste Kamera nützt nichts, wenn das Objektiv nichts taugt)
  4. mein N81 8GB (Trotz der allgemeinen Annahme, dass Norweger Hightechsüchtige sind, war dort nur flächendeckend GSM-Netz. Nur in den großen Ortschaften (>500 Einwohner) ist UTMS vorhanden. Beim Senden einer größeren SMS starrt man schon eine ganze Weile auf das Display, bis endlich mal die Empfangsbestätigung kommt. Leider kein MMS-Test möglich, da der falsche Provider im Handy eingestellt war.)
  5. Kaffee (Nicht gerade die überragende Auswahl, aber bezahlbar. Zur Schonung der Herzen der anderen Mitreisenden leider auch kein Entwicklerkaffee.)
  6. NOK, NOK, NOK (Ein Drittel was der Urlaub gekostet hat, ging durch Bargeldausgaben drauf. Hauptsächlich Einkaufen und Benzin)
  7. Milch (Die lassen sich die Norweger gut bezahlen, egal ob man handelsübliche Milch oder weißes Wasser (auch bekannt als „Fettarm“) nimmt. Nicht im Bild: Olaf K. Tufte, norwegischer Olympiateilnehmer, dessen Bild die Milchpackungen zierte.)
  8. Zucker (Lebensnotwendig, deshalb immer in meiner Nähe)

Lofoten

Unsere Anreise auf Lofoten – eine kleine Gegenüberstellung, wie wir uns das dachten und wie es tatsächlich war.

Unser Haus auf Lofoten

Unser Haus auf Lofoten

Wunsch: Abflug gegen 16 Uhr in Frankfurt. Dann ein bißchen Zeit auf dem Osloer Flughafen verbringen und 22.30 Uhr weiter nach Bodø (sprich „Budö“, aber das Ö so kurz, dass es schon fast wie „Bude“ klingt). Dort auch ein bißchen hinsetzen oder vielleicht auch hinlegen, denn der Weiterflug nach Svolvær ist für kurz nach 5 Uhr des nächsten Tages angesetzt. Auf dem Flughafen erstmal frühstücken und dort bis 10 Uhr warten, denn dann bekommen wir den Wagen von der Autovermietung. Mit dem Auto schon ein bißchen herumfahren, einkaufen und dann gegen 15 Uhr das Haus beziehen. Soweit der Plan…

Realität: Um Platz und Gewicht zu verringern (die Höchstlast bei Widerøe ist 15kg), hatte ich die Wanderschuhe und meine Jacke samt Fleece-Innenjacke an. Also begann jedes Mal bei der Kontrolle das gleiche Spiel. Notebook aus der Tasche nehmen und in einen Korb. Notebooktasche in einen extra Korb. Rucksack in einen Korb. Fototasche in einen Korb. Die Jacke und die restlichen metallischen Sachen in einen Korb. Dann schlug trotzdem das Signal an und ich musste auch noch die Schuhe ausziehen.

Der Flug von Frankfurt nach Oslo verlief problemlos. Wir waren noch ein bisschen draußen, aßen was und abends ging es dann weiter nach Bodø. Natürlich nicht ohne vorher die Füße zu entlüften. Der Flug nach Bodø hatte etwas besonderes. Die Sonne war schon in Oslo untergegangen, aber je weiter wir nach Norden kamen, desto heller wurde es wieder. Kurz vor der Landung hatte ich das Gefühl, ein kleines Stück weiter und man hätte die ersten Strahlen (oder doch nochmal die letzten?) der wieder aufgehenden (oder nochmal untergehenden?) Sonne gesehen.

Frühstück

Frühstück

Wir kamen gegen Mitternacht in Bodø an – 10 Minuten früher wie erwartet. Der Flughafen ist wie ausgestorben, selbst die Getränkeautomaten haben schon Feierabend. Wir suchen uns die dunkle Ecke eines Restaurants und legen uns hin. Ich kann nicht schlafen und schreibe meine ersten Gedanken im Schein eines Flutlichts auf. Mich quälen leichte Halsschmerzen und ich will einfach nur duschen und mich in ein Bett legen. Ich lege mich doch kurz hin und kann anhand der Anzeigetafel erkennen, dass ich so gegen 2 Uhr für eine halbe Stunde eingeschlafen sein muss. Es beginnt draußen wieder hell zu werden. Halb 4 Uhr werden die anderen auch so langsam munter, wir gehen eine Runde vor den Flughafen – es ist eiskalt, die Scheiben der Autos vor dem Flughafen haben eine leichte Reifschicht…

Eine kleine Propellermaschine bringt uns dann nach Svolvær, der Anflug ist etwas ungewohnt (kein Wunder bei dem Wind). Was uns erwartet, spottet jeder Beschreibung – wir sind in einer Baracke im Nichts gelandet. Kein Automat, nichts zu essen, nichts zu trinken und ich habe dazu noch Kopfschmerzen. Es ist 6 Uhr morgens und uns stehen 4 Stunden Warten bevor. Der Beamte vom Flughafen kommt dann zu uns und erklärt uns, dass der Flughafen 6.15 Uhr schließt und er jetzt nach Hause gehen möchte. Wir machen ihm klar, dass wir bis 10 Uhr warten müssen. Er hat ein Herz, setzt uns nicht vor die Tür und bleibt da.

Ich greife auf das Globetrotterhotel zurück und mache es mir auf drei harten Stühlen, einem Tisch und einer Jacke als Kopfkissen „gemütlich“ und schlafe tatsächlich für eine halbe Stunde ein. Während die anderen Karten spielen, laufe ich draußen eine Runde, es ist ziemlich kalt und windig, also kehre ich schnell wieder zurück, nachdem ich einige Fotos gemacht habe. Gegen 8 Uhr ruft Alex die Autovermietung an und fragt, ob wir den Wagen jetzt schon bekommen können. Klar doch, sie haben 24-Stunden-Dienst! Der Autovermieter holt uns ab, fährt mit uns nach Svolvær und übergibt uns einen Skoda Octavia. Damit fahren wir wieder zurück, verstauen das Gepäck und gehen erstmal in Svolvær frühstücken. Nach einem kurzen Bummel und dem ersten Einkauf entschließen wir uns verfrüht, das Haus zu besuchen, vielleicht ist es doch schon leer.

Flughafen Svolvaer

Flughafen Svolvaer

Erfolg! Das Haus ist leer und wir teilen uns auf die Zimmer auf. Bis 15.30 Uhr war dann erstmal wieder Ruhe im Haus – Schlaf nachholen. Danach wollten wir zu Fuß den Weg zum Boot erkunden, stapften aber nur an einer moosigen Küste entlang. Also gingen wir zurück, nahmen das Auto und fuhren zum Anlegesteg. Natürlich lag der Wunsch nahe, sofort eine Runde damit zu drehen, also nochmal zurück, den Schlüssel geholt und nachdem wir hinter die Technik gestiegen sind, konnten wir eine erste Runde damit drehen…

Lofoten

Die Wikipedia weiß ein bißchen was über Lofoten, aber doch nicht alles. Zumindest steht dort schon mal, dass Lofoten „der Luchsfuß“ heißt. Also im Klartext Lo (Luchs) | fot (fuß) | en (der) – also wer „die Lofoten“ sagt, redet eigentlich von „die der Luchsfuß“. In der Diskussion des Wikipediaartikels stellt sich tatsächlich jemand hin und behauptet, dass man im Deutschen üblicherweise „die Lofoten“ sagt. Üblicherweise? Wieviele Leute reden denn täglich von dieser kleinen Inselgruppe Norwegens oberhalb des Polarkreises? (kurz nachgedacht) Eben – sehr wenige. Auch sehr interessant zu wissen – eine der größeren Inseln von Lofoten ist Austvågøya. Auch hier kann man das Wort zerlegen und kommt auf Aust (Ost) | våg (bucht) | øy (insel) | a (die), also die Ostbuchtinsel. Aber genug der Wortbastelei, mehr über Lofoten.

Nahe Svolvaer

Lofoten gehört zu Norwegen und liegt ein klein wenig oberhalb des nördlichen Polarkreises. Damit liegt Lofoten auf dem gleichen Breitengrad wie das mittlere Grönland und Nordalaska. Trotzdem sind die Temperaturen dank Golfstrom ca. 24°C höher wie in den anderen Regionen. In unserem Urlaub schwankte die Temperatur zwischen 9°C und knapp 20°C. Klingt ziemlich frisch für mitteleuropäische Ohren, aber nach wenigen Tagen Eingewöhnung sind schon 14°C bei Sonnenschein nicht nur die Möglichkeit, sondern schon fast Zwang im T-Shirt draußen zu sein. Also kommt auch mal ein Sprung ins Meer in Betracht, den man aber nicht lange durchhält, denn im August erreicht das Wasser eine Temperatur von maximal 12°C.

Lofoten

Wo noch Mitte des letzten Jahrhunderts 30.000 Menschen Lofoten bewohnten, sind es jetzt nur noch knapp 24.000. Die „Hauptstadt“ von Lofoten ist Svolvær. Mit derzeit 4.150 Einwohnern erhielt Svolvær 1996 erst das Recht, sich „Stadt“ nennen zu dürfen. Gefolgt wird Svolvær von Gravdal mit ca. 2100 Einwohnern und Leknes mit ca. 2050 Bewohnern.

Bei den Größenordnungen gewöhnt man sich schnell an andere Dimensionen – da sind 5 Häuser eine Ortschaft und wenn man mehr wie 5 Autos gleichzeitig sieht, muss es rush hour sein. Briefkästen sieht man auch nur in den größeren Ortschaften. Im günstigsten Fall trifft man den Briefträger, der die Post mit dem Auto ausfährt und übergibt ihm die Karten. Einkaufen geht auch nur in den ganz großen Städten. Denn da gibt es keine Probleme, mehrere Supermärkte buhlen um die Gunst der Käufer und verkaufen selbst ihre Billigmarkenprodukte zu Preisen, wo das deutsche Schnäppchenauge mit dem Gedanken an den Geldbeutel zu tränen beginnt. Nicht dass mir das nicht klar gewesen wäre, aber die Qualität war stellenweise auch nicht besser. Also ist Einkaufen immer ein Abwägen zwischen „Was will ich?“ und „Was ist mir das Wollen wert?“.

Lofoten

Und was kann man auf Lofoten machen? Entdecken – eine phantastische Landschaft, die schon umschrieben wurde mit „die Alpen ins Meer gesetzt“, Strände die einen Hauch von Karibik vermitteln und Ortschaften, die Ruhe ausstrahlen. Wandern – nichts für Anfänger – hier heißt es wandern, nicht spazieren gehen. Angeln – Fischsaison ist im Frühjahr, aber für einen kleinen Unkostenbeitrag ist schnell eine Angel gekauft, mit der man mit etwas Geduld für seine Mahlzeiten sorgen kann, auch wenn es nur kleine Fische sind.

Über eines sollte auf jeden Fall gesprochen werden – Tag und Nacht. Vom 27. Mai bis 17. Juli geht die Sonne nicht unter. Im September wechselt das Spiel von Tag und Nacht sehr rasch, was wir auch im Urlaub merkten – war der Sonnenuntergang zu Beginn des Urlaubs noch 23 Uhr, ging die Sonne 14 Tage später schon 21 Uhr unter.

Also wenn ihr mal auf Lofoten (Norwegen) seid, schaltet auf 104.4MHz – Lofotradioen! „Lofotens Lokalradio Nr. 1“ – ein Radio für die knapp 24.000 Einwohner auf Lofoten. Und dementsprechend rockt es auch – besonders Freitag Abend ab 21 Uhr. Dann kommt die Killersendung schlechthin: Radio Bingo. Innerhalb kürzester Zeit lernt man mit etwas Sprachverständnis die Zahlen von 1 – 99 auf Norwegisch.

Sendeablauf ist folgender: Der Sprecher (Stimme wie ein 90-jähriger, brüchig und rau als hätte er Eisblöcke auf den Stimmbändern) liest die ganze Zeit Zahlen vor. Deutsches Beispiel: dreiundzwanzig… drei… zwei… vierundvierzig… vier… vier… Das geht ununterbrochen so, gelegentlich rasselt ein altes Analogtelefon (so eins, was noch eine Wählscheibe hat) und es wird kurz gebrabbelt und dann gehts weiter. Meine persönliche Lieblingszahl: 88 – auf Norwegisch: åtti åtte. Klingt für deutsche Ohren wie „Otti Otter“.

Demnächst mehr über Lofoten und warum „die Lofoten“ genauso schrecklich klingt wie „die The Beatles“…