Mit welcher Einstellung würdet ihr in die Karibik fahren? Wollt ihr schöne Strände, Sonne, Schnorcheln? Oder sucht ihr eher was zum Entdecken? Ersteres kann so ziemlich jede Insel erfüllen – mehr oder weniger schön. Aber was zum Entdecken? An der Stelle ist immer die Kreativität der Reiseveranstalter gefragt. Wie wäre es mit einer Stadtbesichtigung, Regenwald, einem Wasserfall, einer Filmkulisse und einer Führung im Fort? Genau diese Sehenswürdigkeiten kann auch fast jede Insel bieten. Nur dass die Definition von Wasserfall mehr oder weniger weit gefasst ist. Da muss für den Wasserfall auch ein Rinnsal herhalten, was sich zwei Meter in die Tiefe stürzt. Die beste Lösung ist sowieso vorher zu recherchieren, sonst wird man an eine Filmkulisse gebracht und muss dann feststellen, dass vor über 10 Jahren ein Hurrikan hier gewütet hat und nichts mehr aussieht, wie im Film.

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Endlich wieder Urlaub – ich war schon richtig platt. Diesmal haben wir unsere An- und Abreise richtig clever ausgeklügelt. Wir bringen für gewöhnlich unseren Hund zu meiner Mutti, die ihn gern bei sich aufnimmt. Normalerweise fahren wir deswegen am Vorabend nach Dresden, geben den Hund ab und da wir Rail and Fly haben, nehmen wir den Zug. Nur diesmal würde das bedeuten, dass wir halb 5 Uhr schon los müssen, um gegen 10 Uhr in Frankfurt zu sein. Also andere Strategie: Kriszta fährt mit dem Auto nach Dresden und kommt mit dem Zug zurück. Den nächsten Morgen fahren wir gemütlich 6.30 Uhr von Bamberg aus nach Frankfurt.

So langsam stellt es sich heraus, dass die Packliste kaum noch Lücken hat. Es reicht, wenn ich das Wochenende vor Abreise die Liste durchgehe, die Sachen rauslege und ggf. im Laufe der Woche noch fehlende Artikel ergänze. Am Vorabend kommen dann meistens noch die Alltagsartikel (Zahnbürste, Führerschein etc.) dazu und es kann losgehen.

Shete Boka Park im Norden Curacaos

Der Flug ist mal wieder mit Condor, was bedeutet, wir müssen 8 Euro für das Unterhaltungspaket bezahlen. Außerdem finde ich es eine bodenlose Frechheit für Spezialmenüs (glutenfrei, laktosefrei) 18 Euro zahlen zu müssen. Immerhin stehen die Winde günstig und wir kommen fast eine Stunde früher auf Guadeloupe an. Wir haben diesmal den Komfort, dass unser Gepäck direkt auf das Schiff vor die Tür gebracht wird. Da wird mit der Zeit geflogen sind, ist es Zeit für Abendessen und wir gehen in unseren Flugklamotten (Jogginghose und Hoodie) zum Abendessen (nicht Büffet!). Danach zieht es uns ganz heftig die Augen zu. Doch leider müssen wir abwarten, bis die Sicherheitsübung durch ist. Da das Schiff 23 Uhr ablegt, ist das Training erst 22.30 Uhr. Völlig entnervt schleppen wir uns hin, lassen das Prozedere über uns ergehen und fallen danach todmüde ins Bett.

Ayo Rock Formations (Aruba)

Wie es sich für einen anständigen Jetlag gehört, sind wir den nächsten Morgen schon 6 Uhr munter und erkunden das Schiff, machen Sport, sonnen uns… schließlich ist Seetag. Unsere erste Erkenntnis auf dem Schiff: Es sind viele Einheimische aus Guadeloupe anwesend, die nach dem Essen im Büffet einfach hocken bleiben und man keinen freien Platz mehr findet. Also gehen wir ab sofort fast ausschließlich ins Restaurant essen, was sich mehr oder weniger zeitlich umfangreich gestaltet. Bei der Abendshow am ersten Abend fallen uns fast die Augen zu und wir gehen schlafen.

Erste Station unserer Reise ist Willenstad auf Curacao. Wir sind schon wieder zu zeitig munter und beobachten die Einfahrt. Nach dem Frühstück gehen wir zu AVIS, die direkt im Kreuzfahrthafen eine Verleihstation haben. Es ist Sonntag und nur zwei Leute haben ein Auto vorher gemietet – wozu sollte man also geöffnet haben. Es klebt aber zumindest ein Zettel an der Tür, der uns ins nahe gelegene Hotel verweist, wo Budget seinen Sitz hat.

Wir haben das Auto eigentlich ab 8.30 Uhr gemietet, müssen aber eine Stunde warten, weil sich einige Leute versammelt haben, die alle ein Auto haben möchten. Und statt alle mit einem Mietvertrag auszustatten und dann die Übergabe zu machen, geht er mit jedem Pärchen zur Übergabe (1. Stock, auf die andere Seite des Hotels, runter, raus aus dem Hotel, über die Straße ins Parkhaus, Auto suchen usw. und dann zurück). Dazu stellen sich noch zwei Dinge heraus, die uns übel aufstoßen. Erstens interessiert es den Budget-Mann nicht, dass wir von Avis kommen und zahlen somit $20 mehr als ursprünglich geplant. Weiterhin müssen wir das Auto am Flughafen abgeben, der 10 Fahrminuten vom Hafen entfernt ist. Man verspricht uns aber gratis Transfer in den Hafen zurück.

Boca Grandi (Aruba)

Eigentlich gibt es in der Karibik keinen vernünftigen Grund, warum man nicht an den Strand gehen sollte. Natürlich bieten die Touranbieter noch alternative Ziele an, aber dazu später mehr. Wir besichtigen ein Kunuku-Haus, wo die Sklaven gelebt haben. Beim Eintrittspreis von $3 ist auch eine kleine Führung dabei. Wir erfahren, dass es zwei Arten von Kakteen gibt, eine aus der man z.B. eine Suppe machen kann und die andere – die mit den harten Stacheln – wird zum Bau von Zäunen verwendet.

Was fällt einem noch zu Curacao ein? Wenn man nach Bildern von Curacao sucht findet man weiße Strände und die bunten Häuser der Innenstadt. Und wenn man an Cocktails denkt, ist natürlich sofort der Blue Curacao präsent. Den können wir schon mal abhaken, denn es ist Sonntag und es ist geschlossen. Wichtig vielleicht noch zu wissen, dass es den Curacao in allen möglichen Farben gibt, nur außerhalb der Insel hat sich die blaue Variante durchgesetzt.

Wir fahren etliche Buchten an und sind immer wieder enttäuscht. Es sind nur kleine Buchten und da Sonntag ist, sind jede Menge Einheimische am Strand und haben schon alle Plätze im Schatten belegt. Außerdem ist es schon schwierig überhaupt einen Parkplatz zu finden. Irgendwie müssen wir auch die Grote Knip verpasst haben – den bekanntesten Strand auf Curacao – denn ausgeschrieben steht er unter dem Namen nicht. Einziges Highlight ist Shete Boka, wo wir den Wellen zuschauen, wie spritzend am Ufer brechen. Enttäuscht wie wir sind, fahren wir 16 Uhr zum Flughafen zurück und geben das Auto ab.

Am Flughafen ist AVIS direkt neben Budget. Wir teilen uns auf, um das maximale Chaos zu stiften. Kriszta fragt bei AVIS nach, warum wir mehr zahlen mussten und ich gebe das Auto zurück und frage nach dem Transfer. Der Transfer wäre erst 19 Uhr – nein, der Vermieter meinte, es gäbe jederzeit kostenloser Transfer zum Hafen. Aussage gegen Aussage. Zu meinem Vorteil, denn es kommen jetzt kurz hintereinander die anderen Paare, die wir früh getroffen haben und alle behaupten, der Transfer wäre nicht erst 19 Uhr. Die Dame am Strand ist sichtlich angefressen und dazu kommt noch, dass die AVIS-Dame eine Preisdiskussion (angezettelt von meiner Frau) mit Frau Budget anfängt und die beiden sich ordentlich anzicken. Eine Viertelstunde später werden wir in einen Kleinbus verladen und zum Hafen gebracht.

Leuchtturm im Norden Arubas

Wie mag wohl unser nächstes Ziel Aruba sein? Wie alle Inseln unter dem Winde ist das Klima warm und trocken und dementsprechend die Vegetation sehr oft aus Sträuchern oder Kakteen bestehend. Auch hier haben wir einen Mietwagen. Auf Aruba haben wir uns entschieden eine lokale Autovermietung zu unterstützen, die auch gleich neben dem Hafen ist. Die Autos sehen zwar nicht wie Neuwagen aus, aber wir wollen ja auch herumkommen und nicht ein schönes Auto fahren. Erstmal geht es von Oranjestad Richtung Süden. Sowohl am Boca Grandi als auch am Baby Beach gefällt es uns gut. Es ist so gut wie gar nichts los, ein paar Kitesurfer lassen sich vom Wind über die Wellen jagen.

Danach geht es zu den Ayo Rock Formations. Rings um die Ayo Rock Formations gibt es keine befestigten Straßen mehr, alles nur staubige Straßen aus festgefahrener Erde. Hier sind wir auch wieder fast allein – ich wundere mich, denn es ist richtig beeindruckend. Danach fahren wir zur alten Goldmühle, wo sich so ziemlich alle Touren vom Schiff zu treffen scheinen. Wir schauen uns nur kurz um und fahren dann in den Norden, um etwas am Strand zu liegen. Vorher fahren wir zum Leuchtturm und dann geht es Strand für Strand nach Süden. Hier sind die Strände weitläufiger als auf Curacao, aber die Plätze im Schatten auch ziemlich begrenzt.

Um 15 Uhr geben wir das Auto wieder und laufen noch etwas die lange Straße am Hafen entlang, wo sich etliche Geschäfte für Touristen aneinander reihen. Da zwei Schiffe (Costa & AIDA) im Hafen liegen, ist auf den Straßen ordentlich was los, aber es verläuft sich. Uns gefällt Aruba wesentlich besser als Curacao.

Um die ABC-Inseln zu komplettieren, steht noch Bonaire auf dem Programm. Kriszta hat uns einen Schnorcheltrip organisiert. Uns erwartet eine 70-jährige Dame mit ihrem Minibus am Hafen und fährt uns ca. 1,5km links vom Hafen die Küstenstraße herunter. Dort stellen wir den Bus ab und laufen nochmal ungefähr 400m die Straße weiter. Sie verrät uns einen kleinen Trick: Kindershampoo in die Gläser der Tauchbrille schmieren, dann beschlägt es nicht. Wir wundern uns – hier liegen Segel- und Motorboote, es ist direkt an der Straße, hier soll man schnorcheln? Unter Wasser werden wir von einer anderen Welt überrascht. Es gibt natürlich keine Korallen, aber jede Menge Fische. Die Dame zeigt, taucht auf, erklärt oder sagt uns, worauf wir achten sollen. Seeigel mit weißen Stacheln, Muränen, Kugelfische, kleine Seeschlangen und auch eine Schildkröte tauchen auf oder werden in ihrem Versteck beobachtet.

Nach ungefähr 30 Minuten gehen wir wieder an Land und laufen nur noch ein kleines Stück zum Bus. Dort bekommen wir was zu trinken und fahren weiter zu einer Hotelanlage die rechts vom Schiff liegt. Neben dem Eingang hängt eine Preisliste, was alles kostet. Die Dame geht wortlos vorbei und meint, dass wir nur schnorcheln gehen wollen, das wäre kostenlos. Hier sind mehr Korallen, aber es geht relativ schnell ins tiefe Wasser.

An manchen Stellen hat man das Gefühl man schwimmt in einem Aquarium. Es macht sich trotzdem bezahlt, dass wir T-Shirt angezogen haben und unsere Strandschuhe tragen. Auch hier bleiben wir ungefähr eine halbe Stunde im Wasser. Die Dame trägt einen Neoprenanzug und das zu Recht. Mit der Zeit wird es kalt und ab und zu wird man von einer Miniqualle gezwickt. Wir laufen danach noch etwas im Hafen entlang. Auch hier ist viel los, denn „Mein Schiff 5“ liegt mit uns im Hafen. Doch wir müssen schon wieder am frühen Nachmittag los, es geht weiter nach Grenada.

IMG_4078Nachdem wir den marokkanischen Teil unserer Reise hinter uns gebracht haben, wandten wir uns nun den davor liegenden spanischen Inseln zu. Erste Station war Lanzarote. Nachdem ich von Las Palmas auf Gran Canaria entsetzt war, konnte mich nichts mehr abschrecken. Und dann landeten wir auf Lanzarote. Ich hatte diesmal die Organisation für diesen Inselausflug übernommen und recherchiert, wo man ein Auto bekommen kann und Kriszta entdeckte für einen kleinen Aufpreis (1 Euro), dass man einen Seat Ibiza Automatik bekommen kann. Wir reservierten, frühstückten in aller Ruhe und verließen 9 Uhr das Schiff.

Da wir nicht das einzige Schiff waren, das heute angelegt hatte, war der Andrang an der Autovermietung entsprechend groß. Alle standen da und hatten ein Auto reserviert. 9.30 Uhr hatten wir dann unser Auto und der Schlüssel verriet uns, dass es doch ein Lancia geworden war. Wir gingen auf den Parkplatz und suchten – kein Lancia zu sehen. Verwirrt gingen wir zurück zur Autovermietung, um zu fragen, wo den unser Auto steht, als Kriszta meinte „Guck mal das Cabrio vor der Tür!“ Ich drückte auf den Schlüssel und das Cabrio blinkte freudig. Wir legten unsere Sachen auf den Rücksitz und sprangen ins Auto – Ledersitze, Navi, hochwertiges Radio – das war also unser Seat Ibiza für diesen Tag.

IMG_4082Meine Route sah vor, dass wir zuerst an La Geria vorbei fahren, dem Weinanbaugebiet von Lanzarote. Ich hatte meine Rechnung nicht damit gemacht, dass sich auch die Lanzaroter Weinbauern an ihren „Winter“ halten. Es waren keine Pflanzen zu sehen und alles war schwarz in schwarz. Nach der Weinstraße äußerte Kriszta den Wunsch in den Süden an den Strand zu fahren. Also machten wir einen kleinen Umweg. Es war schön, aber zum Sonnen zu windig. Also brachen wir auf um zu El Golfo zu fahren. El Golfo ist nicht nur ein Ort, sondern auch die Bezeichnung für einen teilweise im Meer abgesunkenen Krater. Wir nutzten das schöne Wetter und das Angebot eines Restaurants und aßen das Tagesmenü.

Eigentlich hatte Kriszta keine Lust auf den Nationalpark, aber mein grummelnder Bauch entschied anders. Der Timanfaya Nationalpark ist etwas besonders. Man bezahlt Eintritt, fährt mit dem Auto bis zum Parkplatz und das war es dann auch schon, was man mit dem Auto erkunden kann. Jetzt ist man auf die Busrundfahrt angewiesen, die man machen kann und die ca. 45 Minuten geht. Der Tipp den ich gelesen hatte, dass man sich im Bus auf die rechte Seite setzen soll, erwies sich als guter Hinweis. Leider kann man durch die reflektierenden Scheiben nur sehr wenig sinnvolle Bilder machen, aber man kann. Ein offener Bus wäre hier wesentlich angebrachter.

IMG_4090Wir hatten ziemlich schnell entdeckt, dass es auf Lanzarote einige englischsprachige Sender gab, die auch noch gute Musik spielten, also ließen wir für eine Zeit lang das Verdeck runter und drehten auf. Aber sobald man schneller wie 80 fuhr, wurde es zu luftig und so machten wir schnell wieder zu. Nach Timanfaya sind wir mit dem Pflichtprogramm fertig und holen noch über den Norden der Insel aus, um dann zurück nach Arrecife zum Hafen zurückzufahren. Im Norden mussten wir uns glatt beeilen, sonst hätte uns noch ein Regenschauer überrascht. Wir fuhren durch schöne kleine verträumte Dörfer, die alle in einem strahlenden weiß glänzten, dass sich besonders gut von dem Vulkanschwarz abhob.

Über unsere letzte Station – Teneriffa – möchte ich nicht so viel Worte verlieren. Den Vormittag blieben wir an Bord und sonnten uns noch etwas. Zur Mittagszeit fuhren wir mit der Straßenbahn nach La Laguna. Dort wehte die ganze Zeit starker Wind und es nieselte / regnete. Da es Mittagszeit war, hatten die meisten Geschäfte geschlossen, nur einige Restaurants hatten offen, aber die waren etwas zu teuer. Wir hielten es bis 15 Uhr aus und fuhren dann mit der Bahn zurück, liefen noch etwas durch die Innenstadt von St. Cruz, verschickten unsere Postkarten und gingen dann zum Schiff zurück.

IMG_4121Die Heimreise funktionierte komplett reibungslos, Transfer zum Flughafen… Moment, den Flughafen von Gran Canaria kann ich nicht unerwähnt lassen. Der dortige Duty-Free-Shop ist so ziemlich der größte, der mir in letzter Zeit untergekommen ist. Die Erbauer haben das auch noch geschickt gemacht, wer fliegen will, muss durch den Shop durch. Da Whisky-Wochen waren probierte ich so einige Whiskys und entschied mich dann für einen Auchentoshan Heartwood. Der Flug verlief problemlos, nur abends um 21 Uhr in Berlin Tegel zu landen, ist schon fast gruselig. Alles wurde geschlossen und wir saßen da und warteten auf unseren Bus. Der ließ sich auch bis zum letzten Moment Zeit um vorzufahren. Wie auf der Hinfahrt machten wir es uns gemütlich und legten unser Handgepäck auf die Sitze neben uns, da sie oben keinen Platz haben. Diesmal hatten wir echt skurriles Publikum. Erst steig einer ein, der mit Donnerstimme bekannt gab, in die „Landeshauptstadt Dresden“ fahren zu wollen und während der Fahrt geräuschvoll seine Getränkeflaschen leer schlürfte. Wenig später kam noch eine Frau hinzu, die unsere Rucksäcke beäugte und fragte „Wer sitzt denn hier?“. Ich nahm die Frage nicht so ganz ernst und meinte, wir würden da sitzen. Wir wurden dann angeschnarrt, wir möchten doch bitte unsere Sachen wegnehmen, sie würde gern da sitzen. Wohlgemerkt – es waren vielleicht 10 Leute im gesamten Bus, sie hätte auch jeden anderen Platz einnehmen können. Gegen halb 2 Uhr waren wir in Dresden, unser Hund begrüßte uns freudig und wir fielen müde ins Bett…

IMG_3992Es ist jetzt schon wieder einen Monat her, dass wir für eine Woche dem kalten Deutschland den Rücken gekehrt haben. Naja, so kalt war es ja nicht. Als wir losgefahren sind, hieß es dass am Wochenende in Deutschland bis zu 16°C werden sollen… und Sturm bzw. Orkanböen. Uns war schon himmelangst, dass der Flieger nicht startet und wir nicht zum Schiff kommen.

Unser Hund sollte solange wir im Urlaub sind bei den Eltern bleiben. Deswegen hatten wir den Flug von Berlin aus gebucht und fuhren am Freitag Abend nach Dresden. Den nächsten Morgen holte uns ein Taxi um kurz nach 4 Uhr ab, es goss in Strömen. Am Hauptbahnhof warteten wir bis der Bus kam. Es war unser erstes Reiseerlebnis mit einem Bus innerhalb von Deutschland. Wir nahmen den Berlinlinienbus. Mich wunderte sofort, dass der „Berlin“-Linienbus Dresdner Kennzeichen hatte, das Logo des regionalen Verkehrsverbunds von Dresden und Umgebung daran prangte und der Fahrer ein freundliches, breites Sächsisch sprach. Der Bus war kaum besetzt und die paar Leute, die mitfuhren, wollten alle nur zu den Berliner Flughäfen, sodass wir sogar etwas früher wie der Zeitplan vorsah, ankamen.

IMG_4024Der Wind auf dem Flughafen war nicht so schlimm wie angekündigt. So konnte unsere Maschine pünktlich starten. Auf Gran Canaria angekommen, nehmen wir den Transfer, den wir mit gebucht haben. Nach dem Check-In gehen wir erstmal etwas essen und werden enttäuscht. MSC bietet zwar fast rund um die Uhr Essen an, aber die Auswahl ist doch reduziert und die Qualität lässt manchmal zu wünschen übrig (Tomaten sind noch grün). Nach dem Essen gehen wir nochmal in die Mall vor dem Hafen. Man spürt deutlich dass der Pleitegeier über Spanien schwebt, die Hälfte der Geschäfte ist nicht belegt, die andere Hälfte hat Ausverkauf oder schon geschlossen.

Nach dem üblichen ersten Abend (Abendessen, Sicherheitseinweisung, Eröffnungsshow) stellen wir fest, dass Krisztas Koffer immer noch nicht da ist und machen uns auf die Suche. Es stellt sich heraus, dass der schlecht festgetackerte Luggage Tag (haben wir schon beim Einchecken bemängelt) sich gelöst hatte und die Crew den Koffer nicht zuordnen konnte. Todmüde fallen wir ins Bett und schlafen den nächsten Tag erstmal richtig schon lange. Wir hatten das Glück, dass wir beim Buchen eine wahlfreie Innenkabine gebucht haben. Die waren aber schon ausgebucht und beim Check-In stellten wir fest – hey, wir haben Außenkabine. Nach dem Frühstück erkunden wir erstmal das Schiff, fragen wegen diverser Sachen nach, gehen etwas Shoppen und fallen wieder zurück ins Bett. Nach dem Mittag schlafen wir erstmal weiter, schauen einen Film auf dem Zimmer und gehen dann etwas Sport machen. Wir hatten uns vorgenommen den Tatort zu schauen, haben aber die Zeitverschiebung vergessen und kommen so eine Stunde zu spät. Da wir beide die letzten Tage vor der Abfahrt viel Stress hatten, waren wir froh, dass wir den Seetag am Anfang hatten, denn so konnten wir unseren Trip voll entspannt angehen.

IMG_4041Erste Station unserer Reise war Casablanca. Schon im Vorfeld wusste ich, dass Casablanca nicht mit dem gemein hatte, was man aus dem Film kennt. Casablanca ist eine riesige Industrie- und Hafenstadt, die es sich aber trotzdem zu entdecken lohnt. Wir liefen den Weg bis zum Hafenausgang (ca. 15min.) und staunten dann erstmal. Ein komplett neuer Bahnhof direkt neben dem Hafen. Wir bereuten schon, dass wir den Ausflug nach Rabat gebucht hatten. Wir nahmen ein Taxi für 30 Dirham und fuhren zur Hassan-II.-Moschee – einer der größten Moscheen der Welt. Zum stolzen Eintrittspreis von 120 Dirham pro Person machten wir eine Führung und waren beeindruckt. Die Moschee, die jetzt gerade erstmal 20 Jahre alt ist, hat doch eine geschickte Kombination von islamischer Kultur und europäischem Baustil.

Nach der Moschee gingen wir zu Fuß zurück in die Medina. Dort laufen wir etwas herum, besichtigen das ein oder andere Gebäude und kehren dann gegen Mittag zum Hafen zurück, nicht ohne vorher noch eine leckere Tajine für 40 Dirham zu essen. Da das Wetter noch schön ist, legen wir uns auf das Deck. Ich mache dann noch etwas Sport und Kriszta ruht sich aus. Den zweiten Tag haben wir den Ausflug nach Rabat gebucht. Von dem angekündigten 5 Stunden Ausflug fallen allein 3 Stunden auf die Fahrt und die Führung ist auch nur husch-husch. Es bleibt kaum Zeit zum Fotografieren, wir werden mehr oder weniger an den Sehenswürdigkeiten vorbei gejagt. Wir fangen beim Königspalast an, aber außer dem Eingangstor und der Erklärung, welche Wache was bedeutet, erfahren wir nichts. Danach gehen wir zum Grab von Hassan II., Mohammed V. und noch einem Prinzen und stehen dann direkt auf einem Platz, wo eine große Moschee gebaut werden sollte, aber durch ein Erdbeben ein Teil des Minaretts stehen blieb. Letzter Punkt ist die Kasbah von Rabat, werden auch dort durchgejagt, haben dann aber 15 Minuten Zeit für einen Tee.

IMG_4046Nach so viel Hetzerei sollte uns ein ruhiges bzw. ein sehr ruhiges Mittagessen bevorstehen. Die Kellner sind so langsam und unorganisiert, dass wir 1,5 Stunden brauchen. Legen uns noch etwas raus bis es trübe wird und etwas passiert, was ich in Marokko so nicht erwartete hätte – es gießt in Strömen. Ich gehe wieder Laufen und danach versuchen wir eine Ecke im Schiff zu finden, wo wir in Ruhe lesen können – keine Chance. Nächste Station unserer Reise ist Agadir. Dort waren wir bereits und als wir feststellen, dass wir weit außerhalb von dem Punkt landen, wo wir erwartet haben, dass das Schiff anlegt, bleiben wir den ganzen Tag an Bord. Es ist blauer Himmel, 23°C also liegen wir den ganzen Tag auf dem Deck und sonnen uns.

IMG_2125Nach dem Abflug von London fliegen wir nach Hamburg, wo wir noch einen ganzen Nachmittag haben und den nächsten Tag nach Kopenhagen reisen, um an Bord der Legend of the seas zu gehen. Aber das ist eine eigene Geschichte, die ich später erzählen möchte. Ich beginne damit, dass wir kurz nach dem Mittag in Kopenhagen sind und an Bord gehen. Das Wetter ist sommerlich schön, selbst für den Norden und es lädt zum Sonnen auf dem Sonnendeck ein. Wenn da nicht das Problem wäre, dass wir auf unser Gepäck warten müssen. Normalerweise ist in 1-2 Stunden das Gepäck auf dem Zimmer, diesmal haben wir fast 4 Stunden warten müssen, bis unsere Koffer auftauchten. Damit es etwas schneller geht, schaffen wir sie selbst in unser Zimmer, packen aus und gehen zum Abendessen. Dort sind wir 3 Pärchen, wir setzen uns neben ein älteres Ehepaar, die bereits eine Woche an Bord sind und schon die Karte auswendig kennen. Gleich am ersten Abend gewinnen sie unsere Sympathie… sie reisen viel, aber nicht, dass man Erfahrungen austauscht, nein, das Gespräch läuft immer gleich ab.

Er:Erzählt von Ziel A.
Wir:Oh ja, da waren wir auch schon.
Er:Hört sofort auf von Ziel A zu erzählen und und wechselt zu Ziel B.
Wir:Ja, das kennen wir…
Er:Hört auf von Ziel B zu erzählen und und wechselt zu Ziel C.
Wir:Nein, da waren wir noch nicht.
Er:Erzählt die nächste halbe Stunde nur von Ziel C.

IMG_2313Diese Unterhaltung mag einen Abend ganz witzig sein, aber mehrere Abende hintereinander – nur unser Respekt vor alten Leuten hinderte uns daran, unhöflich zu werden. Das andere Pärchen war ganz nett, leider kamen sie bei dem Monolog des alten Mannes garnicht zu Wort. Die Eröffnungsshow ist so lahm, dass wir mitten drin aufstehen und gehen. Plastikblumen und Taschentücher aus dem Ärmel zaubern ist nicht unser Ding. Der erste Tag an Bord ist ein Tag, den wir nur auf See verbringen. Bis Mittag liegen wir in der Sonne des überdachten Poolbereichs, draußen war es zu windig. Nachmittags lesen wir und machen, weil wir gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind beim Trivia „Famous places“ mit und gewinnen mit 37 von 40 erkannten Orten das Quiz. Zum Abendessen folgt das gleiche Spiel wie den Abend davor, gemischt mit „Mein Sohn muss auf unsere drei Häuser aufpassen…“

IMG_2173Unser erstes Ziel: Flåm. Wir stehen schon sehr zeitig auf, um die Fahrt durch einen Nebenarm des Sognefjord zu genießen. Schnee auf den Gipfeln, Unmengen Wasserfälle vom Schmelzwasser und Häuser, Gehöfte und Hütten an den unmöglichsten und unerreichbarsten Stellen. Nachdem wir angelegt haben, nehmen wir den ersten Zug, der uns nach Myrdal (auf 863 Höhenmeter) bringt. Unser Plan ist es die 21 Kilometer bis zum Schiff zurück zu laufen. Wir brauchen 4,5 Stunden und haben strahlenden Sonnenschein. Anstrengend ist nur der Wechsel zwischen Laufen im Schatten und Laufen in der Sonne, weil es zwischen eiskalt und angenehm warm schwankt. Kurz nach 14 Uhr sind wir wieder auf dem Schiff, ich habe mir einen schönen Sonnenbrand eingefangen und wir nutzen den Rest des Tages zum Ausruhen und für eine schöne heiße Sauna. Das Abendprogramm gefällt uns diesmal sehr gut, eine Beatles-Cover-Band, die das Publikum zu begeistern weiß.

IMG_2296Nächster Hafen unserer Reise ist Ålesund. Eigentlich hatte Kriszta geplant, dass wir hier ein Auto mieten, aber bei Kosten von über 100 Euro für einen Tag haben wir diese Idee fallen gelassen. Statt dessen laufen wir zur Touristeninformation, die uns empfiehlt mit dem Bus einen Ausflug nach Alnes zu fahren. Da der Bus gerade weg ist, müssen wir knapp eine Stunde warten, die wir damit verbringen etwas durch die Stadt zu laufen. Der Ausflug nach Alnes ist ein voller Erfolg, auch wenn sich dort mehr Wolken tummeln, als in Ålesund. Da wir am Nachmittag noch jede Menge Zeit haben und der Muskelkater nicht mehr so schlimm ist, wandern wir noch den Berg hoch und blicken auf die Berge und die Stadt hinunter. Heute ist der erste Abend wo das ältere Ehepaar, nicht mehr zum Abendessen auftaucht. Wir sind erleichtert und unterhalten uns gut mit dem anderen Ehepaar, das aus Rostock kommt.

Wir stehen wieder früh auf, als wir in den Geirangerfjord einfahren. Wir wollen die 7 Geschwister sehen, die ca. 15 Minuten Fahrtzeit vor der Anlegestelle sind. Schon kurz nachdem wir draußen sind, sehen wir sie. Die Sonne scheint noch ein wenig drauf, aber ansonsten ist es sehr wolkig. Daraus ergibt sich, dass wir noch jede Menge Zeit haben, bis unsere Tour beginnt. Wir haben vorher eine Tour online gebucht, die uns zum Dalsnibba und zurück bringt. Da oben herrscht eine phantastische Aussicht, auch wenn es beginnt leicht zu nieseln. Ich hätte mir ein paar Stopps mehr gewünscht, denn den fast zugefrorenen See hätte ich mir auch noch gern angesehen. Gegen Mittag sind wir wieder auf dem Schiff, stärken uns und gehen danach nochmal von Bord, um etwas zu wandern. Das Wetter spielt leider nicht so mit und es beginnt zu regnen. Als wir abends aus dem Geirangerfjord wieder rausfahren, verlassen wir das Schlechtwettergebiet und die Sonne scheint wieder.

IMG_2260In Bergen das gleiche Spiel – auf dem Meer blauer Himmel, an Land Regen. Wir fahren gleich zu Beginn auf den Fløyen und ab da regnet es, während wir den Berg wieder hinunter laufen. Mittag verbringen wir auf dem Schiff, es regnet in Strömen. Trotzdem stimme ich dafür, dass wir noch etwas durch die Stadt laufen. Als es beginnt nachzulassen, erkundigen wir uns, wie wir zur Stabkirche im Stadteil Fantoft kommen. Ticket am Automaten lösen, in die Straßenbahn einsteigen und an der Haltestelle Fantoft aussteigen. Da dort ein großes Einkaufszentrum ist, gibt es genügend Leute, die einem die Richtung weisen können, denn später ist die Kirche ausgeschildert. Als wir bei der Kirche ankommen, lässt sich auch wieder die Sonne blicken.

Ein schöner Abschluss für diesen Tag, denn der letzte Tag ist wieder ein Seetag. Ich merke, dass ich krank werde, denn Halsschmerzen kommen auf. Wir entspannen uns, hören uns einen Vortrag von Cruise Director Topi Ylönen über seine 8-monatige Segelreise durch den Südpazifik an. Es sind vergleichsweise wenig Leute anwesend, aber diejenigen die da sind, sind fasziniert wie wir. Er erzählt von seinen Erlebnissen und auch viel von den Gedanken, die ihn bewegt haben.

In unserem Karibikurlaub fuhren wir auch zu einer Rum-Destillerie auf Grenada. Dort wird Rum noch genau so hergestellt, wie es die Anlagen aus dem 18. Jahrhundert hergeben. Laut eigenen Angaben ist die Brennerei die älteste in der Karibik und stellt seit 1785 Rum her. Die Brennerei arbeitet das ganze Jahr lang.

Ganz am Anfang steht das Wasserrad, was die Pressen antreibt, wo aus Zuckerrohr der Saft gepresst wird. Hier entsteht auch der heftigste Widerspruch: In der Trockenzeit (ungefähr Januar bis Mai) hat das Zuckerrohr den höchsten Zuckergehalt, während in der Regenzeit das meiste Wasser zur Verfügung steht, um das Wasserrad anzutreiben. Wir waren gerade in der Mittagspause da und es drehte sich garnichts.

Zuckerrohrpresse

Das Zuckerrohr wird zwei mal gepresst und danach zum Trocknen in die Sonne gelegt. Der gewonnene Saft wird grob gefiltert und durch den Kanal, den man unten in der Bildmitte sieht, ins Hauptgebäude geleitet.

Kochbecken

Im Hauptgebäude befinden sich mehrere Kupferschüsseln, die 1-2 Meter im Durchmesser sind. Zu Beginn wird der süße Saft mit Hilfe des getrockneten Zuckerrohrs zum Kochen gebracht und ca. 45 Minuten gekocht. Danach wird er von Hand in die kleineren Schalen geschöpft, wo er nur noch leicht köchelt. Beim Abkühlen beginnt dann schon die Gärung.

Gärungstank

Zum richtigen Gären wird der Saft dann in Betonbecken umgefüllt, wo er acht Tage verbleibt. Der Geruch dort erinnert sehr stark an fauliges Obst und wenn man die Ränder der Becken so betrachtet, möchte man lieber nichts davon haben. Nach den acht Tagen Gärung bleibt nur noch der Destillationsprozess. Der Rum wird so gebrannt, dass er 74% Alkohol enthält oder mit alten Einheiten: 147° Proof. Zum Brennen wird dann richtiges Holz verwendet, da das Zuckerrohr nicht ausreichend Hitze erzeugt.

Brenner

Ganz zum Schluss wird der Rum in Flaschen umgefüllt, verschraubt und mit Aufklebern versehen. Der oben genannte Rum wird nur zum Eigenverbrauch auf der Insel hergestellt. Für die Touristen wird eine leicht gestreckte Version mit 69% Alkohol angeboten, die aktuellen Flugzeugtransportbestimmungen entspricht. Und wem das immer noch zu stark ist, der kann den Rumpunsch mitnehmen, der mit Fruchtsäften und Gewürzen versehen ist. Probieren kann man zumindest alle drei, wobei es sich empfiehlt die hochprozentigen Gewächse mit einem Schluck Wasser zu versetzen.

Abfüllung

IMG_0073Anfang Dezember, kurz bevor der Winter so richtig in Deutschland einbrach, flohen wir noch einmal vor der Kälte. Wir hatten eine AIDA-Kreuzfahrt mit Flug gebucht. Da der Flug am Sonntag Morgen von München ging, fuhren wir bereits Samstag mit dem Zug nach München. Wir hatten uns ein Hotel unweit vom Bahnhof genommen und damit ging es mal wieder los. Uns wurde vermittelt, dass wir in dem Hotel, wo wir gebucht haben, keine Unterkunft bekommen könnten, weil es einen Wasserschaden. Sie hätten uns umgebucht, in ein Hotel, was 900m entfernt lag. Kriszta protestierte, denn sie hatte das Hotel ausschließlich aus dem Grund gebucht, damit wir nachts um 3 Uhr nicht so weit zum Bahnhof laufen müssten. Wir schafften es noch 10 Euro Taxigeld zu bekommen, aber mehr Einsicht brachte man uns nicht entgegen. Selbst dass das 900m entfernte Hotel gleich direkt neben der nächsten S-Bahn-Station lag und damit fast günstiger, als das von uns gewählte Hotel, wollte der Dame an der Rezeption auch nicht einfallen.

Der Nachmittag gehört dann einer kleinen Stadtbesichtigung. Wir waren zwar warm eingepackt, hatten nun aber nicht so viel warme Sachen mitgenommen. Deswegen musste ich mir noch ein paar Handschuhe kaufen, weil es so bitterkalt war. Deswegen ging es auch rechtzeitig zurück ins Hotel, schließlich mussten wir ja früh raus. Um halb 5 Uhr wirkte der Münchner Flughafen wie ausgestorben, nur eine Horde Touristen fiel auf, die sich am Stand der TUIfly drängte. Wir gesellten uns dazu, machten die Tags an unsere Koffer dran und dann konnte es schon losgehen. Kurz vorher hatten wir noch unsere Jacken, Mützen, Schals und Handschuhe im Koffer verstaut. Zurecht, denn als wir in Sharm El-Sheik ankamen, waren herrliche 26°C.

IMG_0084Wir checkten ein, machten uns erstmal mit dem Schiff vertraut und gingen essen. Natürlich zogen wir permanent Vergleiche zu den Schiffen von Royal Carribean, die wir in der Öffentlichkeit nur „deren Schiffe“ nannten. Ich tat mich lange schwer, wie man die Ungereimtheiten eines deutschen Schiffes auf einen Nenner bringen kann und am letzten Tag fiel es mir ein: Man hat versucht, das Schiff funktional und schön zu machen, aber beides ist nicht gelungen. Wir waren es gewohnt, dass auf den Sonnendecks links und rechts von den Fahrstühlen weg Türen nach draußen führten. Hier konnte man sich glücklich schätzen, wenn es eine gab. Die Treppen wirkten eher wie ein gewöhnliches Treppenhaus und die Krönung war der Speisesaal. Mit hohen Kunstpflanzenhecken waren die einzelnen Bereiche von einander getrennt. Wir Deutsche mögen es ja nicht, wenn uns andere auf den Teller starren. Dafür gab es aber nur 6er, 8er und 12er Tische. Einen 4er oder 2er Tische waren stark in der Minderzahl.

Aber es gab ja nicht nur schlechte Seiten. Zum Beispiel, dass es drei Restaurants auf drei Etagen gab (Marktplatz, Italienisch und Asiatisch) fand ich super. Auch den geräumigen Saunabereich kann ich nur lobend erwähnen. Doof nur, dass sich dort jeden Abend das gesamte Schiff traf. Aber kommen wir zurück zur Ankunft auf dem Schiff – wir schafften die Taschen aufs Zimmer, gingen Essen und dann wollten wir uns aufs Sonnendeck legen. Es begann damit, dass wir für jedes Handtuch einzeln unterzeichnen mussten. Nichts geht über heimatlichen Bürokram… Als wir dort lagen, stieg uns ein übler Geruch in die Nase – ja, hier wird auf dem Deck geraucht, egal, ob es einen Aschenbecher in der Nähe gibt oder nicht. Auch das Schild, dass man der FKK-Bereich bei Hafentagen im arabischen Bereich aus kulturellem Respekt geschlossen hält, beantwortete man damit, dass die Brüste über der Reling hingen. Ohne weiteren Kommentar…

1. Station: Petra (Jordanien)

IMG_0125Wir hatten im Vorfeld schon lange überlegt, ob wir uns auf eigene Faust durchschlagen oder die gebuchte Tour nehmen. Die gebuchte Tour kostet ca. 120 Euro (inkl. Eintrittsticket) und ein Taxi ca. 60 Euro plus 95 Euro Eintritt. Also lag klar auf der Hand, dass wir die Tour buchten. Jetzt gehörten wir zwar einer Gruppe, aber wie schlimm konnte das schon werden? Unser Reiseführer war bemüht, viel auf Israel zu schimpfen. Seine Erklärungen zu den Einzelheiten beschränkten sich aufs Notwendigste. Man läuft, um ins Tal zu kommen, erstmal einen Weg, der durch eine Schlucht führt, hinunter. Ich war ständig vornweg, damit mir nicht immer andere Touristen ins Bild laufen. Auf dem Weg stellte Kriszta fest, dass es noch ein ungarisches Pärchen in der Gruppe gab, die uns mitteilten, dass sie sich von der Gruppe lösen wollten und bis ans andere Ende des Geländes laufen wollen. Da uns das Tempo der Gruppe zu langsam war und die Erklärungen doch eher spärlich, gingen wir mit. Ich war davon ausgegangen, dass Petra nur aus Khazne al-Firaun (dem Grabtempel) besteht. Als wir ins Tal kamen, war ich überwältigt. Die Königswand – mit ihren vielen in den Fels gehauenen Gebäuden und nicht zuletzt der Felsentempel Ad Deir, dessen Weg dahin uns ca. eine halbe Stunde einen wenig belaufenen Pfad entlang führte. Zwar hingen wir jetzt eine Stunde hinter unserer Gruppe hinterher, aber es waren knapp 2 Stunden Mittagspause eingeplant. So kamen wir zwar etwas später zum Essen, konnten aber nahtlos nach dem Essen wieder in den Bus steigen und wieder zurück zum Schiff fahren.

2. Station: Eilat (Israel)

Eigentlich ist die Überfahrt von Jordanien ein Klacks, aber die Behörden von Jordanien schickten uns erstmal 30 Seemeilen aufs Meer, bevor wir freigegeben waren. Danach kamen die israelischen Behörden mit einem Untersuchungsboot und checkten uns auf Bomben ab. Und zum Abschluss des abends gab es Facecheck mit den israelischen Behörden, die alle Passagiere erstmal persönlich kennen lernen wollten. In Israel stellte sich die gleiche Frage, wie in Jordanien – gebuchte Tour oder auf eigene Faust? Da aber die Ziele, die wir ansteuern wollten, auf einzelne Touren verteilt waren, beschlossen wir, ein Taxi zu finden und auf eigene Faust loszufahren. Als wir relativ allein am Morgen durch die Kontrollen gehen, wartet schon ein anderes Pärchen auf weitere Fahrgäste. Wir stellen fest, dass sie die gleichen Ziele ansteuern wollen und wir steigen mit ins Taxi. Unterwegs wollen wir noch Geld abheben und mich erwartet ein besonderer Glücksfall: 50 Schekel (ca. 10 Euro) stecken noch in der Ausgabe des Geldautomaten und warten auf einen neuen Besitzer.

IMG_0112Erstes Ziel unserer Fahrt ist Masada. Es liegt ca. 200km vom Hafen entfernt und führt durch eine trostlose Landschaft. Masada ist eine Festung, die im Jahre 70 von den Römern belagert wurde, doch bevor sich die 960 Männer, Frauen und Kinder ergaben, wurden einige Männer per Los ausgewählt, die Gruppe und anschließend sich selbst umzubringen. Viel ist von den Gebäuden nicht mehr erhalten, dafür sieht man noch schön die römischen Lager. Leider war das Wetter auch durchwachsen – ziemlich diesig und gelegentlich schaute auch mal die Sonne hervor. Nach der Besichtigung ging es noch ans Tote Meer, um sich eine Runde treiben zu lassen. Von Chile kannte ich ja schon das Gefühl, wie es ist, auf dem Wasser zu liegen. Aber das ist nichts im Vergleich zum Toten Meer. Hier spuckt eine das Wasser schon fast förmlich wieder aus, so groß ist der Auftrieb. Als wir wieder ans Land kamen, lag das Salzwasser wie ein Schutzfilm auf unserer Haut – der kühle Wind war kaum spürbar. Erst als wir uns duschten, fröstelten wir (es waren ca. 22°C). Bevor wir abends zurück kehrten, zeigte uns der Taxifahrer noch ein Einkaufszentrum, in dem eine Eishalle integriert war.

3. und 4. Station: Ägypten

IMG_0189Die nächsten Tage verbrachten wir ausschließlich an Bord, denn die Reise führte noch nach Luxor (ein Jahr zuvor gesehen) und nach Kairo (auch schon das Jahr zuvor gesehen). Die Touren in die Innenstadt von Kairo wurden am Abend vorher abgesagt, da es aufgrund der politischen Lage wieder zu Unruhen gekommen war. Wir lagen die ganzen Tage viel auf dem Sonnendeck, machten Sport im Fitnesszentrum und lasen. Kurzum – wir entspannten uns.

Unsere Heimkehr wurde von einem dunklen Ereignis überschattet. Während wir im Zug von Nürnberg nach Bamberg saßen, rief Krisztas Bruder Alex an und teilte mit, dass er einen Unfall hatte. Da es den ganzen Tag geschneit hatte und abends noch Tauwetter einsetzte, war er in einer ungeräumten Kurve nach außen gerutscht und hatte eine Laterne erwischt. Unsere ganze Urlauberholung war in wenigen Augenblicken dahin – ADAC, Polizei und Versicherung mussten informiert werden. Überraschenderweise nahm die Polizei den Vorfall nur per Telefon auf.

Nachdem Ende Oktober noch ein paar schöne Tage waren, brach im Übergang zum November eine richtige Kältewelle über Deutschland herein. Da wir für unsere Mittelmeerkreuzfahrt nach Italien mussten, hatte ich schon die Winterreifen am Auto montiert, denn vielleicht hatten wir Pech und fuhren mitten in den Schnee hinein, wenn wir die Alpen überqueren. Freitag früh ging es los, mit Zwischenstopp in Herzogenaurach, wo wir noch ein paar Sachen kauften, bevor es Richtung Salzburg ging. Dort gingen wir etwas spazieren und sammelten dann Krisztas Eltern auf und fuhren zur Übernachtung Richtung Villach (ich habe eine Weltreise hinter mir, aber das war meine erste Übernachtung in Österreich!). Auf dem Weg dahin regnete es fast ununterbrochen. Nach einem kleinen Abendessen, legten wir uns relativ schnell schlafen, denn es sollte früh am nächsten Morgen weitergehen.

1. Station: Venedig

Eigentlich ist Venedig ja unser Abfahrtshafen gewesen. Da wir aber so geplant haben, dass wir gegen 11 Uhr in Venedig sind, bleiben uns noch ein paar Stunden, in denen wir die Stadt besichtigen können. Das Wetter wechselt zwischen grau und regnerisch. Selbst bei dem Wetter sind Unmengen von Touristen in den Gassen unterwegs. Viele haben sich Gummistiefel gekauft, um über die überschwemmten Plätze laufen zu können. Auch wenn es nicht das beste Wetter ist, hat Venedig einen Charme, der kaum von der Hand zu weisen ist. Vergeblich hoffen wir auf einen Wetterumschwung, aber der lässt auf sich warten. Das richtige Highlight folgt, als wir mit dem Schiff auslaufen und quasi vom Schiff oben herab auf den Dogenpalast schauen können. Während aber die halbe Schiffsbesatzung gebannt auf die Stadt schaute, bemerkte ich auf der Backbord-Seite des Schiffs einen goldenen Streifen am Himmel. Zusammen mit der Kulisse der venezianischen Insel ein schönes Motiv.

2. Station: Bari

Da wir erst mittags anlegten, gehörte der Vormittag dem Sport. Bari ist weniger bekannt, aber ein schönes Beispiel, wenn man typische italienische Gassen sucht, wie man sie gern in Filmen sieht. Es liegt ungefähr da, wo beim Italienischen Stiefel, der Absatz anfängt. Als wir anlegten, befürchtete ich schon, dass sich unser Stadtrundgang als sehr kurz erweisen wird. Das Wetter war wolkig mit Neigung zum Regen, was es dann auch zwischen sonnigen Abschnitten auch immer mal gemacht hat. Dafür war die Innenstadt nicht so belebt und wir schlugen uns durch die vielen kleinen Gässchen, wo die Türen offen standen und Blicke in die Küche erhaschen konnten und für einen Augenblick Teil einer italienischen Familie wurden. Es war, als wäre die Zeit seit 40 Jahren stehen geblieben. Zu unserem Unglück spielte das Wetter nicht mit, außerdem fand sich in der Nähe des Hafens auch keine Reiseagentur, die eine Tour nach Alberobello angeboten hätte. Und für Alberobello braucht man unbedingt schönes Wetter…

3. Station: Korfu

Auf Korfu kamen wir früh an. Schon im Vorfeld unserer Reise hatten wir einen Mietwagen organisiert, den wir jetzt nur noch abholten. Man war auf deutsche Touristen eingerichtet, denn der Vermieter sprach etwas deutsch. Hauptziel war Palaiokastritsa. Als wir dort ankamen, öffneten sich die Wolken und es goss in Strömen. Doch schon wenig später verschwanden die Wolken und der Himmel zeigte sich von einer weiß-blauen Seite. Das Umfeld der Kirche ist in der festen Hand von Katzen. Als wir etwas herumliefen, sahen wir etliche Pappboxen an der Seite, wo sich in einigen viele kleine Katzen zusammenkuschelten und schliefen. Der Rest lief auf dem Gelände herum und schmuste mit den Besuchern. Wir wollten auch noch einen kleinen Strandausflug, aber der Strand war nicht einladend und außerdem zogen schon wieder dunkle Wolken auf, die sich bei unserem Besuch im Schloss, das Sissi bauen ließ, entluden. Zum Abschluss folgte noch eine kleine Stadtrundfahrt und danach gaben wir den Mietwagen ab und verzogen uns auf unsere Kabine. Da wir nachts immer durch das Gepolter in der Küche über uns gestört wurden, mussten wir etwas Schlaf nachholen.

4. Station: Santorini

Wir erreichen Santorini am Mittag. Als wir die Insel anfahren, denke ich von der Ferne, dass der Berge mit Schnee bedeckt sind, so weiß leuchtet es. Ein Blick durchs Zoomobjektiv offenbart die Häuser. Da wir nicht im Hafen anlegen, werden wir mit kleinen Booten übergesetzt. Auf dem Hinweg nehmen wir die Seilbahn aufwärts. Wie es sich herausstellt, ist gerade ein Bus nach Oia weggefahren und wir müssen 20 Minuten warten. Ich nutze die Zeit, um Postkarten zu schreiben. Der Busfahrer und sein Kassierkollege sind entweder notorisch schlecht gelaunt oder richtige Touristenhasser. Den Touristen wird vermittelt, dass es sich um den Non-Stop-Bus nach Oia handelt, Essen und Trinken streng verboten ist, aber Landsmänner dürfen an jeder Milchkanne aussteigen und sitzen futternd im Bus. So ziemlich fast jedes Motiv, was Santorini zeigt, dürfte aus Oia stammen. Hier findet man strahlend weiße Häuser, blaue Kuppeln und wir hatten an dem Tag wahnsinniges Glück – herrlich blauen Himmel. Die Zeit vergeht wie im Flug und gegen 18 Uhr sind wir wieder zurück, nachdem wir nach unten gelaufen sind und dabei durch jede Menge Eselsmist stapfen durften.

5. Station: Kusadasi (Ephesus)

Wir entscheiden uns am Abend vorher, dass wir uns einen Taxifahrer suchen, der alle historischen Stätten mit uns abklappert. Für 65 Euro finden wir einen uns los gehts. Es wimmelt in Ephesus vor Touristen, aber trotzdem ist es schön. Dort verbringen wir einige Stunden, fahren anschließend zu einigen Sehenswürdigkeiten, die eigentlich noch zur historischen Stätte gehören, aber außerhalb des Geländes liegen. Danach geht es nach Selcuk ins Museum. Ich bin nicht interessiert, setze mich auf eine Parkbank vor dem Museum und nicke sogar kurz ein. Wir strapazieren die Geduld unseres Taxifahrers, als wir weiter ins Stadtzentrum laufen, um eine Kirche und das alte Aquädukt zu besichtigen. Abschlusspunkt der Tour ist der Artemistempel, der zu den 7 alten Weltwundern gehörte. Davon ist nur noch eine Säule übrig, die auch nur noch den Eindruck vermittelt, als verschiedenen Steinen aufeinandergestapelt worden zu sein. Als wir wieder an Bord sind, beschweren wir uns todmüde über den Radau über uns und bekommen ein neues Zimmer zugewiesen. Nur mit Handgepäck ziehen wir um, was sich als richtig erwies, denn eine halbe Stunde kommt die französische Familie nebenan zurück, die Kinder tollen umher und durch die Verbindungstür hören wir jedes Wort. Nichts wie zurück ins alte Zimmer.

6. Station: Katakolon (Olympia)

Wir beschweren uns nochmal und bekommen eine $100 Gutschrift und ein Einladung ins das schiffseigene japanische Izumi-Restaurants – auf Kosten der Serviceabteilung. Mittags soll das Schiff in Katakolon anlegen, was uns aber nicht gelingt, weil der Wellengang viel zu hoch ist. Also liegen wir den ganzen Nachmittag im Hafen, ohne anzudocken. Abends kommt dann das Essen im Izumi. Da es ein Restaurant ist, wo die Gäste zahlen müssen, ist es wenig besucht, die Bedienung exzellent und das Essen ausgezeichnet. Das Ambiente ist optimal, um Kriszta zu fragen, ob sie meine Frau werden möchte. Ich muss nicht lange auf das „Ja“ warten. Ein sehr schöner Abend!

Den letzten Tag verbrachten wir auf See, lasen, lagen in der Sonne – aber nur innen, da es außen viel zu kalt und windig war. Als wir den nächsten Morgen in Venedig ankommen, könnte man meinen, alle Fenster wären durch Milchglas ausgetauscht worden, so neblig ist es. Wir steigen ins Auto und am späten Nachmittag sind wir wieder daheim.

Sommerurlaub stand an und nach unseren Abenteuern in Sri Lanka, war es mal wieder Zeit für eine Kreuzfahrt. Irgendwie sind wir mit unserer Karibikkreuzfahrt auf den Geschmack gekommen. Man ist jeden Tag an einem anderen Ort, muss aber nicht ständig ein- und auspacken. Und entgegen aller Gerüchte bzw. was einem selbst auf dem Schiff gesagt wird, kann man sich wunderbar selbst in den angefahrenen Orten organisieren. Kriszta machte ein Schnäppchen – wieder bei unserer favorisierten Cruise Line: Royal Carribean. Das Schiff legte in Genua ab und da wir die Strecke nicht an einem Tag schaffen wollten, fuhren wir Samstag früh 7 Uhr los, machten einen kleinen Zwischenstopp in Metzingen und komplettierten unsere Garderobe. Danach ging es noch bis Mailand, wo ein Hotel auf uns wartete. Wir hatten etwas Bammel, als wir hörten, dass am Gotthard-Tunnel 12km Stau waren und wichen so über San Bernardino aus, der komplett frei war. Hotel war schön und nach einer Pizza fielen wir in den wohl verdienten Schlaf.

Am nächsten Morgen machten wir noch einen kurzen Abstecher in die Mailänder Innenstadt und dann ging es nach Genua. Dort hatten wir für eine Woche einen Platz im Parkhaus angemietet, wo ich so meine Ängste hatte, denn wer italienische Parkplätze kennt weiß, wie es in Parkhäusern abgeht. Doch die Bedenken wurden sofort zerstreut, als unser Auto kurz hinter der Einfahrt abgenommen wurde – Ein- und Ausparken übernimmt das Personal persönlich. Zusätzlich wird man noch bis zum Schiff transportiert und Ruckzuck waren wir auf dem Schiff und konnten uns am reichhaltigen Mittagsbüffet laben.

Erste Station: Ajaccio, Corsica, Frankreich
Die erste Nacht auf See ist immer etwas ungewohnt, man muss sich erstmal an das Schwanken gewöhnen und an die Geräusche des Schiffs. Wir hatten diesmal das jüngste Schwesternschiff der Navigator of the Seas erwischt – die Mariner of the Seas. Absolut baugleich und damit fühlten wir gleich wieder heimisch. Ich fand auch gleich mein Lieblingsmüesli wieder – Kellog’s Granola. Noch so eine fiese Sache, die es nicht in Deutschland gibt. Danach ging es an Land. Erstmal schlenderten wir etwas durch die Stadt, wir hatten Glück, dass wir vor allen Touristenbussen an den wichtigen Sehenswürdigkeiten waren. Anschließend ging es mit dem Linienbus zum Pointe de la Parata. Ich machte mir noch die Mühe zu dem kleinen Turm hinaufzusteigen, wo man eine tolle Aussicht auf die vorliegenden Inselchen hat. Der Bus brachte uns danach an den Strand und später auch wieder zurück in die Stadt, wo wir noch etwas umher liefen und zum Schiff zurück kehrten.

Zweite Station: Barcelona, Spanien
Der Tag auf Corsica war schon angenehm warm, aber nichts im Vergleich zu Barcelona. Hier war schon morgens um 9 Uhr die Luft drückend heiß und kein Lüftchen rührte sich. Um den Tag mit wenigen Worten zusammenzufassen: Wir waren auf Gaudis Spuren unterwegs. Es begann mit dem Park Güell und hörte mit der Sagrada Familia auf. Zwischendrin folgten einige Gebäude, die unverwechselbare Kennzeichen Gaudis trugen. Eigentlich sollte die Sagrada Familia zweite Station unseres Ausflug sein, aber gegen 10 Uhr sammelten sich dort alle Touristengruppen und warteten auf Einlass. Ich schnappte etwas von 2 Stunden Wartezeit (bei 30°C und in der prallen Sonne!) auf und wir brachen ab, um gegen 15 Uhr nochmal wieder zu kommen. Kaum 10 Minuten gewartet, waren wir drin. Ich war sehr positiv überrascht. Was von Außen etwas wie eine Kleckerburg aussieht, entpuppte sich als Meisterwerk und kommt damit zu meinen gefühlten Top 10 der schönsten Gebäude.

Dritte Station: Palma de Mallorca, Spanien
Was hört man nicht alles über Mallorca. Anfangen von dem schlechten Ruf von S’Arenal, versuchen einige den Norden als wunderschön anzupreisen. Aber warum keiner was von der schönen Stadt Palma sagt, weiß ich nicht. Wir wandelten den ganzen Vormittag durch die Innenstadt und da wir keine Zeit in Barcelona zum Shoppen hatten, holten wir das hier wieder nach. Wenn man schon mal in Spanien ist, muss man einfach bei Desigual zuschlagen. Wir wandelten durch viele kleine Gässchen, die trotz Hochsaison wie ausgestorben wirkten und erblickten schöne grüne Innenhöfe.

Vierte Station: Cagliari, Sardinien, Italien
Die Überfahrt von Mallorca dauerte vergleichsweise lang, weswegen wir erst gegen Mittag in Sardinien eintrafen. Da auch hier hochsommerliche Temperaturen herrschten und die Innenstadt wenig zum Schlendern einlud, setzten wir uns wieder mal in den Bus und fuhren zum nächstgelegenen Strand, der ein Traum war. Leider fanden das Hunderte anderer Menschen auch und so war wenig Platz. Auf dem Stück, wo wir uns niederlassen konnten, wurden wir wenig später verjagt, da es sich um einen privaten Strand handelt. Auf dem Rückweg machten wir doch noch Zwischenstopp in der Stadt und genossen ein ganz leckeres Banane-Nutella-Eis.

Fünfte Station: Rom, Italien
Unsere Überfahrt nach Rom dauerte mehr als einen Tag. Lag wohl daran, dass man unbedingt eine Woche als Turnuswechsel erreichen wollte uns so einen Tag Pause bis zur letzten Station brauchte. Das Tempo des Schiffs konnte man getrost als Treiben bezeichnen. Als wir 9 Uhr an Deck gingen, um uns zu Sonnen, waren wir sehr schnell im Schatten verschwunden. Die Sonne brannte mit einer Intensität, die fast alle in den Schatten vergraulte. Also folgte ich meinem üblichen Programm aus Lesen, Musik hören und Sport. Erst zum späten Nachmittag wagte ich mich für eine halbe Stunde in die Sonne. Als wir am nächsten Morgen Rom erreichten, fuhren wir vom Hafen Civitacecchia mit dem Zug innerhalb von einer Dreiviertelstunde zum Petersdom. Nach der Besichtigung ging es zur Engelsburg, zum Trevi-Brunnen, zur Spanischen Treppe, zum Capitol, zum Forum Romanum und abschließend zum Colosseum – ja man schafft Rom in einem Tag, aber nur, wenn man schon mal dort war und nicht zu lange verweilt.

Den nächsten Morgen wartete bereits unser Auto auf dem Parkplatz neben dem Schiff, sodass wir nur noch Auschecken mussten und dann konnten wir die Koffer gleich ins Auto verladen. Die Rückreise war ziemlich anstrengend, auch wenn sie reibungslos verlief. Als wir 10 Stunden später wieder daheim waren, fiel ich todmüde ins Bett und war dort nicht mehr weg zu bekommen. Diesmal kann ich als Fazit sagen, dass wir mit unseren Kellner mehr Glück hatten, beide waren sehr freundlich und Sven wirkte froh, dass er als einziges deutsches Besatzungsmitglied deutsche Gäste bedienen durfte. Dafür hatten wir einen Peruanischen Stateroom Assistant und der machte alles nicht so ganz gründlich, war aber immer freundlich. Etwas merkwürdig mutete die Rezeption an, die uns einreden wollten, dass man sich nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel in Spanien verlassen kann, da wird ja pausenlos gestreikt und die kommen auch wann sie wollen. Ich glaube mich zu erinnern, einen Satz aufgeschnappt zu haben, der ungefähr lautete „Alles was wir nicht unter Kontrolle haben, ist unzuverlässig.“ Tatsache war, dass der Bus pünktlich mit den ersten Gästen losfuhr und auch der Rücktransport.

Ein blödes Gefühl schlich sich an – wir näherten uns Haiti. Im Norden Haitis hatte sich Royal Carribean ein Fleckchen Erde gekauft – Labadee, wo man am Strand liegen kann, Jetski fahren kann, eine Art Sommerrodelbahn herunterrollen kann und natürlich die allseits beliebte Zip-Line. In dieses Gebiet werden auch eine Hand voll Einheimische eingelassen, die dort den Dreck der Touristen wegräumen dürfen bzw. ihre Kunstwerke an den Mann bringen.

Wir haben in Labadee den ganzen Tag am Strand gelegen, die Ecke erlaufen und sonst nicht weiter gemacht. Es war schön, aber mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir uns in einem Land befinden, das vor einem Jahr dem Erdboden gleich gemacht wurde, hatte ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Zumal die Einheimischen zwar hilfsbereit, aber nicht gerade vor Freude gestrahlt haben, reichen Menschen wie uns den Dreck nachzuräumen.