Mit welcher Einstellung würdet ihr in die Karibik fahren? Wollt ihr schöne Strände, Sonne, Schnorcheln? Oder sucht ihr eher was zum Entdecken? Ersteres kann so ziemlich jede Insel erfüllen – mehr oder weniger schön. Aber was zum Entdecken? An der Stelle ist immer die Kreativität der Reiseveranstalter gefragt. Wie wäre es mit einer Stadtbesichtigung, Regenwald, einem Wasserfall, einer Filmkulisse und einer Führung im Fort? Genau diese Sehenswürdigkeiten kann auch fast jede Insel bieten. Nur dass die Definition von Wasserfall mehr oder weniger weit gefasst ist. Da muss für den Wasserfall auch ein Rinnsal herhalten, was sich zwei Meter in die Tiefe stürzt. Die beste Lösung ist sowieso vorher zu recherchieren, sonst wird man an eine Filmkulisse gebracht und muss dann feststellen, dass vor über 10 Jahren ein Hurrikan hier gewütet hat und nichts mehr aussieht, wie im Film.

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Also laut Plan sollten wir um 15 Uhr in La Réunion ankommen. Tatsache war, dass am Vorabend im Bordheft stand, dass wir 13 Uhr einlaufen. Da würde auch erklären, warum das Schiff mit dieser irren Geschwindigkeit (19 Knoten) über den Ozean „rast“. Wir haben unsere Autoreservierung auf 16 Uhr gemacht und fragen uns in Gedanken, ob sie uns den Wagen schon eher geben. Auch hier hat Kriszta im Vorfeld alles durchrecherchiert und kam zu dem Ergebnis: Alle Autos in der Nähe des Hafen sind ausgebucht. Also suchten wir eine Autovermietung etwas weiter weg vom Hafen. Diesmal kamen wieder Theresia und Manuel mit.

Als wir den Hafen verließen, wurde uns schnell klar, dass es vielleicht doch gut war, dass wir das Auto auf 16 Uhr angemietet haben. Denn es war kein Taxi zu bekommen und es kam immer nur tröpfchenweise mal eins vorbei gefahren. Was war hier los? Als wir nach ca. einer Viertelstunde eins ergattert haben, wurde uns schnell klar, was hier ging – oder sollte ich sagen „nicht ging“? Kaum saßen wir im Taxi und fuhren wir 1km, standen wir im Stau. Also drehte der Fahrer rum und es ging wieder zurück. Als wir wieder am Hafen vorbei kamen, hatten wir ca. 8 Euro verbraten, ohne nur einen Meter vorwärts gekommen zu sein. Aber er navigierte uns durch schmale Straßen und dann waren wir endlich an der Autovermietung. Wir gaben unsere Autoreservierung ab und die junge Frau fing an, am Rechner herumzutippern. Aber nach etlichen Versuchen brachte sie es nicht zustande unsere Reservierung aufzurufen. Sie telefonierte kurz, blätterte geschäftig in den Akten – nicht dass wir im falschen Tag einsortiert waren. Sie sprach leider nur französisch, aber auch ohne ein Wort zu verstehen, war die Theatralik sehr eindeutig. Hier war jemand verzweifelt und stand kurz vorm Nervenzusammenbruch. Zwischendurch drückte sie immer mal auf ihrem Smartphone rum und legte es gleich wieder hin. Nicht, dass es irgendwas gebrachte hätte, aber die Frau verstrahlte Panik. Zu ihrer Erlösung kam wenig später ihre Kollegin, erklärte uns fix auf Englisch, dass sie unsere Reservierung leider nicht finden, aber sie schicken einen Wagen vom Flughafen, wir sollen uns eine halbe Stunde gedulden. Ja, es war wirklich gleich 16 Uhr, als sie uns sagte, dass das Auto nicht rechtzeitig kommt, weil der Verkehr so heftig ist. Aber sie könnten uns einen geben, der grad da ist – die Verkleidung vom linken Rückspiegel fehlt, die linke Seite ist komplett verschrammt, aber ansonsten ist das Auto top. Mir war egal, ich fahre auch verbeulte Autos.

Wir wollen Richtung Süden zum Vulkan fahren und fragen an, wenn wir im Herzen der Insel sind, ob wir südlich zurück fahren sollen oder im Norden über Saint Denis. Eigentlich würden wir ja gerne die nördliche Route nehmen. Die Frau meint – wenn wir 16 Uhr zurück sein wollen, müssen wir wegen dem Stau zwischen 13 und 13.30 Uhr losfahren. 3 Stunden? Und wenn wir über den Süden kommen – dann auch 3 Stunden. Na gut, also los. Wir klappern ein paar Strände Richtung Süden ab, aber das Wetter wird immer grauer, in Richtung Regen gehend. Also fahren wir nach Le Tampon, um unsere Unterkunft vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Wir haben unsere Unterkunft schon, aber die anderen beiden müssen noch versorgt werden. Als wir ankommen, stellt sich heraus – alles belegt. Die Dame ist aber so nett und telefoniert herum. Schließlich finden wir was, aber nur wenn wir versprechen innerhalb von 15 Minuten da zu sein… 7 Kilometer… Serpentinen… die Straßen im dichten Nebel… bei Dunkelheit. Challenge accepted! Wir düsen los und liefern die beiden erfolgreich ab. Es gefällt uns, sodass wir die beiden fast etwas beneiden. Es ist ein Steakhouse mit Unterkünften. Auf dem Rückweg sind die Nebelschwaden weg und es ist einfacher. Unser Abendessen – gerade wegen meiner Magenverstimmung – fällt auf das altbewährte Heilmittel: Cola und Chips zurück und damit sehr spartanisch aus.

Als wir am nächsten Morgen aufstehen, scheint die Sonne und wir sind schon fast die letzten beim Frühstück. Ich habe ganz schlecht geschlafen, die Kissen zu hoch, erst zu warm, dann zu kalt und auch noch das Bett zu kurz. Kriszta hat auch leichte Probleme beim Frühstück – es gibt nur Toast mit Marmelade oder Cornflakes/Müsli mit Milch. Überhaupt nicht Paleo. Aber sie ist gut vorbereitet. Schnell sind wir auf dem Weg zu den anderen beiden, die glücklicherweise in der Nähe zur Abzweigung zum Vulkan untergebracht sind. Es ist ein ganzes Stück zu fahren und es sind viele Wanderer unterwegs. Wir wollen aber nur mal schauen. Es ist strahlend blauer Himmel hier oben und die Aussicht ist phantastisch. Wir müssen uns aber beeilen, denn die Wolken fangen schon an auf das Plateau zu kriechen. Wir fahren die Schotterpiste bis zum Krater und laufen ein kleines Stück. Wir haben genau die richtige Zeit erwischt, nach uns tauchen wir schon in die Wolken ein. Weiter geht es Richtung Salazie. 1000 Serpentinen später sind wir da. Es ist atemberaubend. Wie Lofoten nur die Berge mit irre viel grün bewachsen. Mittags sind wir in einem Dorf namens Hell Bourge, dass zu den 100 schönsten Dörfern Frankreichs gehört. Schön gemachte kreolische Häuser zieren die Straße und locken Unmengen an Touristen (auch in Bussen) an.

Wir erinnern uns: 13 Uhr Rückfahrt antreten, sonst könnten wir zu spät da sein. Natürlich kommen wir in keinen Stau und fahren 14.30 Uhr wieder am Schiff vorbei. Wir überlegen uns, dass wir noch genügend Zeit für einen kleinen Ausflug bleibt und fahren zum Cap Noir. Hier möchte ich mal bei besserem Wetter sein. Der Wahnsinn – ganz weit unten, tief im Tal, schlängelt sich ein Bach entlang. Die großen Berge im Hintergrund mit ihren über 2.000 Metern bleiben uns verborgen. Aber trotzdem hat es sich gelohnt. Wir geben das Auto ab, werden mit dem Taxi zurück zum Schiff gebracht und dann geht es zur letzten Etappe – zurück nach Mauritius.

Da wir jetzt durchgängig schönes Wetter haben, heizt sich das Zelt ordentlich auf und auch nachts kühlt es kaum ab. Es ist mollig warm nachts, was mich ziemlich schlecht schlafen lässt. Wir packen am nächsten Morgen unser Zelt zusammen und fahren erstmal aus Porto raus. Wir finden eine kleine Bäckerei mit herrlichem Ausblick. Das Frühstück ist nicht gerade günstig (7 Euro), aber sehr reichlich. Dann geht es ohne größere Unterbrechungen weiter zurück nach Calvi. Meine Frau hat einen schönen 4*-Zeltplatz ausgesucht, der 5 Minuten vom Strand entfernt ist.

Wir legen uns bis 15 Uhr hin und genießen die Aussicht, dann fangen wir an, die ersten Souvenirs einzukaufen, Wurst und Schinken aus Wildschwein, das berühmte Pietra (Bier aus Kastanien). Am Abend bummeln wir noch etwas durch die Stadt und gehen anschließend in der Nähe des Hafens essen.

Wir haben zwar unseren universellen Gaskocher mit, das Problem ist aber, dass wir keinen passenden Treibstoff finden. Als holen wir uns ein kleines preiswertes Modell im Supermarkt und machen früh damit unseren Tee warm. Danach legen wir uns noch bis Mittag an den Strand. Am Vortag hatten wir schon eine kleine Gaststätte ausgemacht, die nicht ganz so zentral liegt, ziemlich nahe eines Supermarkts. Wir kaufen noch etwas Marmelade aus Feigen, essen dann noch mal Muscheln und fahren anschließend quer durchs Land (der schnelle, weniger kurvenreiche Weg) nach Bastia.

... auch abends schön ...

… auch abends schön …

Bevor wir in Bastia landen, machen wir noch einen Zwischenstopp in Vescovato. Hier waren früher große Landgüter, die man auf dem Weg ins Dorf immer wieder an den Straßenrändern sieht. In Vescovato scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es ist wieder warm und sonnig, die Schwalben jagen kreischend ihre Nahrung am Himmel und es riecht nach feuchten alten Mauern. Wir laufen einsam herum, schauen uns alles an – die Einwohner sind freundlich und grüßen uns.

Unsere letzte Übernachtung ist in der Nähe von Bastia auf einem Zeltplatz am Meer. Hier hat sich eine Wohnmobil-Gruppe niedergelassen, die uns gleich erstmal sagt, dass sie am nächsten Morgen um 5 Uhr startet und wir deswegen unser Auto umparken sollen. Kein Problem, erstaunlicherweise hören wir kaum was von ihnen, als sie losfahren. Wir kochen noch schnell essen und gehen nochmal einkaufen. Eigentlich wollen wir laufen, aber ich plädiere auf Faulheit. Unser Glück, denn der Supermarkt ist nur als Abfahrt von einer vierspurigen Straße erreichbar. Fußgänger nicht erwünscht. Im Laufe des Abends kommt noch ein junges deutsches Pärchen, die gerade erst auf Korsika angekommen sind. Wir geben ihnen ein paar Tipps und quatschen noch etwas. Lange können wir nicht einschlafen, denn mit Einbruch der Dunkelheit kommen noch 3 Franzosen, die gemütlich ihre Zelte aufbauen, essen kochen und bis 23 Uhr miteinander (von Zelt zu Zelt?) reden.

Vescovato

Vescovato

Gegen Abend hat es schon begonnen wolkiger zu werden. Gegen Mitternacht werde ich wieder munter – es beginnt zu regnen, später kommt auch noch Gewitter dazu. Es regnet bis 4 Uhr. Wir stehen halb 8 Uhr auf, zerlegen unser Zelt und legen alles in die langsam zwischen den Wolken durchbrechende Sonne. Während das Zelt trocknet, machen wir Frühstück. Wir haben Glück, dass wir alles trocken bekommen. Dann geht es zur Fähre, wo wir noch eine halbe Stunde warten müssen, bis wir reinfahren dürfen. Kriszta möchte lieber draußen sitzen, aber mir ist es zu warm und deshalb gehen wir rein. Wir finden eine gemütliche ruhige Lounge. Wir essen, lesen und schlafen bis uns das Schiffspersonal rausjagt, weil sie den Raum absperren möchten. Als einzige Möglichkeit bleibt jetzt nur noch die Bar. Hier steht das Personal gelangweilt herum, statt die Gäste zu bedienen.

Als wir in Savona ankommen, beginnt es in Strömen zu regnen und zu stürmen. Trotzdem kommen wir gut voran. 20.30 Uhr bemerke ich ein Schild, dass irgendwas über den Gotthart-Tunnel sagt. Ungefähr 10 Minuten später kommt das gleiche Schild noch mal und ich mache Kriszta darauf aufmerksam. Sie befragt ihr Smartphone und stellt fest, dass der Gotthart-Tunnel heute Nacht 21 Uhr schließt. Wir haben noch ca. 40km bis dahin zu fahren. Jenseits jeglichen Tempolimits jagen wir auf der Autobahn dahin, mit uns noch zwei andere Autos, die auch keine Lust haben, über den Pass zu fahren. An der Ausfahrt sehen wir Bauarbeiter, die gerade die Hütchen für die Sperrung aufstellen. Wir werden durchgewinkt, bevor das letzte Hütchen platziert wird. Zum Glück! So schaffen wir es, dass wir 23 Uhr bei unseren Weltreisefreunden Franzi und André ankommen. Wir plaudern noch kurz und gehen dann schlafen.

Schloss Wildegg

Schloss Wildegg

Den nächsten Morgen kommen wir kaum aus dem Bett. Franzi, die um 9 Uhr zum Schloss muss, holt uns aus dem Bett. Wir bekommen eine persönliche Führung im Schloss Wildegg mit zahlreichen Anekdoten, wie sich manche Gäste benehmen und was alles schon passiert ist. Anschließend fahren wir noch nach Aarau und schauen uns dort ein bisschen um. Für Mittagessen ist es zu teuer (ein Gericht 20 CHF), als decken wir uns im Supermarkt ein bzw. naschen an den Probeständen. Danach fahren wir wieder zurück. Franzi hat inzwischen Feierabend und wir setzen uns gemeinsam auf die Terasse. Später kommt noch André und wir chillen und sonnen, grillen, gehen eine Runde durchs Dorf spazieren und schauen uns abends das Eröffnungsspiel der EM an. Den nächsten Tag bleiben wir noch und hauen nach dem Spiel Schweiz – Albanien ab. Wir kommen gut durch und holen abschließend am Sonntag unseren Hund ab. Nach den letzten Tagen, wo ich jeweils ca. 600km pro Tag gefahren bin, habe ich langsam keine Lust mehr auf Auto fahren…

Wir schlängeln uns von St. Florent aus Richtung Calvi. An der Küste entlang zu fahren, ist echt anstrengend, weil man in den engen Kurven aufpassen muss, dass niemand entgegen kommt und außerdem werden die Motorradfahrer, die einen in Rudeln überholen, zu ständig wachsenden Gefahr, weil sie oft unüberlegt überholen. Wir sind kurz vor Mittag in Calvi und überlegen, ob wir hier was Essen wollen. Wir entscheiden uns dagegen. So groß ist der Hunger noch nicht und außerdem sind immer wieder kleine Orte auf der Strecke, die sich zum Pausieren anbieten.

In den letzten Tagen sind wir preislich wohl etwas verwöhnt worden, denn auf unseren Weg entdecken wir nur Restaurants, die mit ihren Menüs / Tagesspeisen nicht unter 17-18 Euro liegen. Als wir uns einen kleinen Weg herunterschlängeln, um direkt am Meer zu essen, werden wir mit einem Menü begrüßt, wo das günstigste Gericht ein einfacher Salat für 14 Euro ist, die Hauptspeisen liegen alle über 20 Euro. Wir bedanken uns und fahren weiter. Also müssen wir bis Porto aushalten, wo wir 15 Uhr ankommen. Die Suche nach unserem Zeltplatz dauert eine Weile, dafür haben wir eine günstige Lage zur Stadt bzw. zum Strand. Nachdem das Zelt aufgebaut ist, decken wir uns mit neuen Vorräten im Spar ein und setzen uns mit Bier, Chips und einem belegten Baguette an den steinigen Strand und warten auf den Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang am Strand von Porto

Sonnenuntergang am Strand von Porto

Wir schlafen schön ruhig. Es gibt auch jede Menge private Zeltplätze in Porto, aber wir haben uns auf dem städtischen Campingplatz nieder gelassen. Der Boden ist zwar etwas hart, aber dafür ist er schön groß und weitläufig, sodass man sich nicht groß gegenseitig belästigt. Wir fahren in die Stadt, halten bei einem Bäcker für ein Frühstück (sehr unfreundliche Bedienung) und fahren Richtung Piana. Kurz vor Piana ist der erste Stop zur Wanderung zum Tête du chien (Hundekopf). Die Wanderung ist mit ca. 30min. kurz und wir genießen den Ausblick. Es ist zwar noch früh am Morgen, aber obwohl wir im Schatten laufen, ist es schon angenehm warm. Nachdem wir zurück am Auto sind, fahren wir nach Piana, biegen dort auf die D842 ab und fahren bis zum Wanderparkplatz zum Tour de Capo Rosso.

Schon im Vorfeld wussten wir, dass es dort kaum Schatten gibt und hatten uns ausreichend mit Sonnencreme eingerieben. Bei dieser Wanderung ist es wirklich wichtig, früh zu starten. Wir beladen unsere Rücksäcke mit zwei vollen 1,5-Liter-Flaschen Wasser und laufen los. Die Wanderung geht insgesamt 90 Minuten. Davon laufen wir die ersten 60 Minuten gerade bzw. leicht bergab entlang eines Trampelpfades der durch Buschland führt. Gelegentlich ist ein Busch so hoch, dass er Schatten spendet. Ideal für eine Trinkpause. Die letzte halbe Stunde geht es dann den Bergrücken hoch zum Genuesischen Turm. Zum Glück weht ein frischer Wind, der uns die nötige Kühlung für den Aufstieg bietet. Ich schimpfe schon die halbe Strecke, weil ich mich frage, wozu wir die Wanderung machen, wenn es doch nicht wirklich was zu sehen gibt. Doch nachdem wir oben angekommen sind, bin ich ganz ruhig.

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Der Ausblick ist überwältigend. Hohe Berge, die bis ans Meer gehen und dort einen kleinen Absatz bilden. Das Wasser ist klar und lässt erahnen, wie tief es weiter hinab geht. Wir haben etwas Obst und ein paar Power-Riegel mitgenommen. Ziemlich schnell merken wir, dass die Sonne brennt und wir nicht zu lange bleiben sollten. Nach unserem kleinen Mittagessen brechen wir wieder auf und laufen zurück. Solange wir noch auf dem Bergrücken sind, genießen wir den kühlenden Wind, aber der Weg zurück durch die Büsche wird anstrengend. Es sind knapp 30°C, es ist Mittag und die Sonne brennt unbarmherzig. Eine Viertelstunde bevor wir wieder beim Auto sind, sind beide Wasserflaschen restlos leer. Als wir wieder ankommen, schaut uns ein deutsches Ehepaar verstört an. „Da waren Sie jetzt oben?“ – „Ist dass denn sicher, da hoch zu gehen?“ Ihre Skepsis verwundert uns, außer der Hitze hatten wir keine Sorgen.

Im Auto herrscht brütende Hitze. Wir fahren noch ein Stück die D842 weiter, bis wir an einen Strand kommen, den wir auf dem Weg schon ausgemacht hatten. Dort bleiben wir bis 16 Uhr liegen und verzehren erstmal das restliche Essen, das wir mitgenommen haben. Danach brechen wir auf und fahren zurück nach Piana. Das Dorf ist niedlich und bietet auch etliche Gaststätten mit akzeptablen Preisen. Leider haben wir grad am Strand gegessen und fahren weiter, zurück nach Porto. Dort schauen wir uns um und finden eine Gaststätte, die ein Drei-Gänge-Menü für 15 Euro anbietet. Immer wieder sind wir darauf reingefallen, aber letztendlich steht fest: Man hat die Möglichkeit ein Drei-Gänge-Menü oder eine Hauptspeise zum gleichen Preis zu nehmen, aber dafür bekommt man drei kleine Portionen oder eine große. Aber unterm Strich kommt man auf die gleiche Sättigung.

Das Ziel der Naughty Girl II ist es, einmal die Insel Korsika zu umrunden. Startpunkt war Bastia. Da das Wetter am Nordkap nicht mitspielte, sind wir erstmal Richtung Süden gefahren. Wetter bedingt sind wir nicht wirklich gut voran gekommen, sodass die Entscheidung gefragt war, ob das Schiff die zweite Woche den gleichen Weg wieder zurück fährt. Skipper und „1. Offizier“ beschlossen ordentlich aufs Gas zu drücken, sodass wir am Ende der ersten Woche in Ajaccio sind. Aus diesem Grund müssen wir ordentlich Seemeilen schrubben.

Wir frühstücken gemütlich in Bonifacio und danach jockeln (d.h. fahren mit dem Motor) wir bis in die Bucht von Propriano. Der Himmel ist leicht wolkig und wir genießen die Aussicht. Als wir uns einen Platz in der Bucht gesucht haben, gehen wir vor Anker und fahren mit dem Beiboot ans Land. Der Turm hier macht pünktlich 17 Uhr zu, auf halber Strecke nach oben kommt uns die Kassiererin entgegen. Das wird uns auch erst klar, als wir oben vor verschlossener Tür stehen. Wir gehen wieder runter, laufen noch am Strand entlang und gehen dann wieder an Bord. Da es unser letzter Abend an Bord ist, kochen wir noch einmal. Als wir noch draußen sitzen, schnauft es auf einmal. Wir drehen uns um und sehen wir die Rückflosse eines Delphins ganz elegant aus dem Wasser kommt, es schnauft wieder und er verschwindet wieder unter Wasser.

In der Bucht bei Propriano

In der Bucht bei Propriano

Am nächsten Morgen geht der Motor schon kurz nach 7 Uhr an und wir tuckern los. In der nächsten Bucht machen wir Frühstück. Die Sonne scheint schön warm, wir packen unsere Sachen ein. Gegen 12.30 Uhr erreichen wir den Hafen von Ajaccio. Wir sitzen noch etwas zusammen, essen eine Kleinigkeit und dann laufen wir zum Bahnhof, denn gegen 15 Uhr fährt unser Zug zurück nach Bastia. Die Sonne meint es gut, aber die Taschen sind höllisch schwer. Mein T-Shirt ist am Rücken klatschnass, als wir am Bahnhof ankommen. Ich bleibe noch eine Viertelstunde draußen stehen, um zu trocknen, denn der Zug ist klimatisiert. Kriszta reserviert uns in der Zwischenzeit einen schönen Platz im Zug. Die Aussicht während der Fahrt ist überragend. Wenn ich jemandem eine Empfehlung auf Korsika geben sollte, dann ist es die Zugfahrt von Ajaccio nach Bastia. Korsika hat Berge, die bis 2.700m hoch sind und noch weiße Gipfel haben und tiefe Schluchten, wo wilde Bäche tosen. Und mittendrin fährt der Zug entlang.

Wir erreichen Bastia gegen 19 Uhr, befreien unser Auto aus der Tiefgarage und fahren wieder nach St. Florent, wo wir wieder im Madame Mere gebucht haben. Dort verbringen wir die Nacht, machen am nächsten Morgen einen Kurzeinkauf, sodass wir ein bisschen Verpflegung für die nächsten Tage haben und frühstücken. Auf den ersten Blick erscheinen 5 Euro doch ziemlich viel für ein Frühstück, besonders wenn da das Wort „Petit“ drin auftaucht. Aber ein halbes Baguette, ein Croissant, Marmelade, Butter, ein Orangensaft und ein Café machen das ganze – zumindest für mich – zu einem vollwertigen Essen.

Da Solenzara keine Sehenswürdigkeiten bietet, fahren wir am nächsten Morgen gleich früh los. Der Wind steht gut und wir setzen Segel. Kaum waren die Segel oben, huscht eine Hand voll Delphine am Boot vorbei. Doch leider haben wir nicht genügend Fahrt, um sie bei Laune zu halten. Schnell schwimmen sie weiter. Und kurz darauf dreht der Wind und wir müssen mit Motor weiter fahren. Mittags ankern wir in der Bucht von Fautea. Dort steht wieder einer von den vielen Türmen, welche die gesamte Insel zieren. Sie dienten als Wachtürme, um rechtzeitig fremde Schiffe zu erkennen. Ähnlich wie bei „Herr der Ringe“ wurde im Gefahrenfall auf einem Turm Feuer entzündet, der Nächste sah es, entzündete wiederum sein Feuer, bis die gesamte Insel gewarnt war, dass sich Feinde nähern.

Am Nachmittag verlassen wir die Bucht und setzen wieder Segel. Auch diesmal dreht der Wind schnell bis wir regelrecht Gegenwind haben. Weiter geht die Fahrt mit Motor. Unser Tagesziel lautet Porto Vecchio. Wir versuchen mehrere Optionen beim Ankern abzuwägen, bis wir in den Hafen fahren, sodass es erst 20 Uhr ist, als wir endlich ankommen. Es ist sehr kühl am Abend und kurz nach dem Essen verkriechen wir uns, weil es so kalt ist.

Das Stadtzentrum von Porto Vecchio

Das Stadtzentrum von Porto Vecchio

Als wir am nächsten Morgen frühstücken, erfahren wir, dass das Boot bis 12 Uhr abgelegt haben muss, da wir sonst die Hafengebühr für den nächsten Tag löhnen müssen. Also gilt es schnell die Altstadt von Porto Vecchio zu erkunden. Es ist noch warm, aber schon durchgehend wolkig. Bis auf die unmöglich beklebte Kirche gefällt uns der Ort sehr gut. Kurz vor 12 sind wir am Boot, machen alles startklar und legen los. Wir nutzen den Wind, der vom Land kommt. So kommen wir mit vielen Wendemanövern gut voran, werden aber immer wieder von Böen überrascht – einmal schwappt eine Welle übers Deck und ich werde klatschnass. Mittlerweile hat der Wetterdienst Gewitter für den Abend angekündigt. Die Suche nach einer Bucht gestaltet sich schwierig, da alle Buchten, die als frei markiert sind, mit gelben Sperrbojen verbaut sind. Letztendlich landen wir in der Bucht des Plage de Santa Gulia. Wir werden vom Wind hin und her geworfen, sodass es gar nicht so einfach ist, an der Boje fest zu machen. Der Strand ist richtig schön, die Sonne hat aber keine Chance gehen die dunkelgrauen Wolken. Da wir alle etwas nass geworden sind, hängen wir unsere Sachen zum Trocknen raus, müssen sie dann aber wieder rein nehmen, da es beginnt zu regnen.

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Es ist unsere erste Nacht, die wir nicht im Hafen schlafen. Durch den Wind gluckst es die ganze Nacht. Jeder kann sich wohl vorstellen, wie der Organismus darauf reagiert, wenn es die ganze Zeit draußen plätschert. Als früh der Motor angelassen wird, drehen wir uns noch ein paar Mal rum, bis wir rauskrabbeln. Nächster Stopp ist Bonifacio und es wird spannend. Der Wetterdienst meldet Sturm. Natürlich Gegenwind – es weht und schaukelt, bleibt aber alles im Rahmen. Mittags erreichen wir die Stadt. Bevor wir zu unserer Erkundungstour aufbrechen, vernichten wir die Reste vom Abendessen. Heute gehen wir das erste Mal allein auf Entdeckung. Immer wieder regnet es, teilweise sehr heftig. Wir haben Glück und können uns immer wieder unter stellen bzw. essen Eis / trinken Kaffee. Als der Regen nachlässt, gehen wir zurück zum Boot und laufen mit den anderen in die Stadt. Wir suchen uns ein schönes Restaurant, doch leider tut sich die Bedienung in jeder anderen Sprache außer Französisch schwer und deshalb bekommt Skipper Klaus zwei Hauptspeisen.

Auch diese Nacht gluckst es wieder, aber ich schlafe wesentlich ruhiger. Um 7 Uhr werden wir munter und schleichen uns leise an Land. Wir wandern Richtung Leuchtturm und werden nicht enttäuscht. Im Hintergrund hängen dunkle Wolken und immer wieder bricht die warme Morgensonne durch und erleuchtet die Stadt. Auf dem Rückweg unserer Wanderung bringen wir frisches Baguette mit und wir frühstücken.

Unser Plan auf Korsika war folgender: Eine Woche mit einem Kollegen und Freunden segeln und die zweite Woche campen quer durchs Land. Da wir auf Nummer sicher gehen wollten, waren wir schon einen Tag eher auf Korsika, bevor wir das Boot bestiegen.

Erste Aufgabe war es, eine sichere Unterkunft für das Auto zu finden, während wir auf dem Boot sind. Unsere erste Idee war es im Yachthafen von Bastia nachzufragen, ob wir das Auto dort parken dürfen. Als wir im Port de Toga ankamen, verwarfen wir die Idee relativ schnell. Der Hafen war erst ab 8 Uhr besetzt (am Wochenende gar nicht), es war ein großer Blumenkübel umgeworfen. Kurz gesagt machte es keinen sicheren Eindruck. Schon im Vorfeld hatte ich mir die nähere Umgebung des Hafens angesehen und wusste, dass es ein Parkhaus in der Nähe des Hafens geben soll. Wir liefen hin, schauten uns um, unterhielten uns mit dem Parkhauswächter (der sogar richtig gut Englisch sprach) und wir lagen richtig: Für 21 Euro kann man im Parkhaus St. Nicolas eine Woche parken. Erste Aufgabe erledigt.

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Da wir jetzt jede Menge Zeit hatten, fuhren wir den Tag um den Cap de Corse. Für jemanden der es gewöhnt ist, schnell von A nach B zu kommen, ist die Fahrt nichts. Kurve links, Kurve rechts, enge Straßen, ständig wird man von Motorradfahrern überholt, die einfach die Strecken abheizen. Man hat das Gefühl, man kommt nicht vorwärts. Auf dem Weg nach St. Florent gönne ich mir noch ein leckeres Panini und am späten Nachmittag kommen wir an, checken im Hotel Madame de Mere ein und erkunden die kleine Stadt. Ich bin noch von meinem Panini pappsatt, aber Kriszta hat ordentlich Hunger. Wir lesen, dass es hier üblich ist erst ab 19 Uhr Essen zu gehen und dann gemütlich bis spät am Abend in der Gaststätte sitzen zu bleiben. Eigentlich überhaupt nicht unser Ding. Kriszta probiert sich an einem Drei-Gänge-Menü und ich versuche mich an einem einheimischen Bier.

Als wir am nächsten Morgen munter werden, hören wir, wie es regnet. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufstehen und gehen erst gegen 8 Uhr frühstücken, wo es nochmal regnet. Da das Boot erst am Nachmittag in Bastia ankommt, chillen wir noch ein bisschen auf den Hotelzimmer, mittags gehen wir Muscheln essen. Zwischendurch hören wir von unserem Kollegen, dass sie momentan bei Elba hängen geblieben sind, weil sich dort Gewitter zusammen brauen. Also lassen wir uns viel Zeit. Auf einmal heißt es: Wir sind in einer Stunde da. Wir nehmen schnell den kurzen Weg durch die Berge. Es ist eine fantastische Aussicht, leider haben wir keine Zeit sie zu genießen.

Im Hafen angekommen, sehen wir auch schon das Boot und zeigen dem Skipper Klaus, wo ein freier Platz ist. Nachdem angelegt ist, laden wir unser Zeug ein und fahren das Auto ins Parkhaus. Heute haben wir weniger Glück, ein neuer Parkhauswächter, der überhaupt kein Englisch spricht. Aber wir werden uns schon einig. Mit dem Rest der Crew treffen wir uns am Platz über dem Parkhaus. Danach erkunden wir etwas die Altstadt und gehen Essen. Ich habe nicht so den Hunger und teile mir ein Menü mit meiner Frau. Wir laufen anschließend zum Boot zurück, denn wir haben eine lange Strecke vor uns. Da das Wetter auf der Westküste ungünstig ist, nehmen wir einen Kurs Richtung Süden.

Ein einsamer Strand - nur für uns

Ein einsamer Strand – nur für uns

Es folgt die Nacht der glücklichen Fische. Wir sitzen noch eine ganze Weile draußen und plaudern. Kriszta ist es ein wenig schummerig zumute, also beschließen wir, ins Bett zu gehen. Folgenschwerer Fehler: Als meine Frau merkt, dass ihr übel wird, schafft sie es nicht mehr aus der Kajüte. Ich packe es immerhin noch bis zum Waschbecken. Wir werden in Decken gepackt und an Deck gebracht. Abwechselnd rennen wir zum Heck des Schiffs und lassen den Fischen auch was vom 3-Gänge-Menü zukommen. Das geht die ganze Nacht so. Später gesellt sich noch die Frau des Skippers dazu, offensichtlich sind wir eine gute Inspiration. Zu unserem Nachteil können wir mit dem Schiff auch nicht Richtung Land fahren, denn wir befinden uns mitten in einem militärischen Korridor. Also bleibt uns nichts übrig, als auszuharren. Es ist ein schönes Gefühl, als die Sonne aufgeht. Ich bin absolut fertig, denn sobald mir die Augen zufallen, wird mir wieder übel. Kurz nach Sonnenaufgang suchen wir uns eine schöne Bucht und gehen vor Anker. Wir legen uns alle erstmal kurz hin, bevor wir mit dem Dingi ans Ufer fahren und eine Runde spazieren gehen. Es ist herrlich – soweit man links und rechts schauen kann, ist Strand und kein Mensch zu sehen.

Nach unserem Strandausflug frühstücken wir und fahren nach Solenzara weiter. Der Ort unspektakulär, dafür haben wir schöne Wolkenformationen. Es handelt sich um Lenticularis-Wolken, die Anzeichen des Mistral sind, ein Fallwind, der aus dem Rhonetal kommt und bis nach Korsika reicht. Diese werden im Laufe der nächsten Tage immer häufiger, größer und mächtiger. Ein Anzeichen, dass das Wetter umschlägt…

Sommerurlaub stand an und nach unseren Abenteuern in Sri Lanka, war es mal wieder Zeit für eine Kreuzfahrt. Irgendwie sind wir mit unserer Karibikkreuzfahrt auf den Geschmack gekommen. Man ist jeden Tag an einem anderen Ort, muss aber nicht ständig ein- und auspacken. Und entgegen aller Gerüchte bzw. was einem selbst auf dem Schiff gesagt wird, kann man sich wunderbar selbst in den angefahrenen Orten organisieren. Kriszta machte ein Schnäppchen – wieder bei unserer favorisierten Cruise Line: Royal Carribean. Das Schiff legte in Genua ab und da wir die Strecke nicht an einem Tag schaffen wollten, fuhren wir Samstag früh 7 Uhr los, machten einen kleinen Zwischenstopp in Metzingen und komplettierten unsere Garderobe. Danach ging es noch bis Mailand, wo ein Hotel auf uns wartete. Wir hatten etwas Bammel, als wir hörten, dass am Gotthard-Tunnel 12km Stau waren und wichen so über San Bernardino aus, der komplett frei war. Hotel war schön und nach einer Pizza fielen wir in den wohl verdienten Schlaf.

Am nächsten Morgen machten wir noch einen kurzen Abstecher in die Mailänder Innenstadt und dann ging es nach Genua. Dort hatten wir für eine Woche einen Platz im Parkhaus angemietet, wo ich so meine Ängste hatte, denn wer italienische Parkplätze kennt weiß, wie es in Parkhäusern abgeht. Doch die Bedenken wurden sofort zerstreut, als unser Auto kurz hinter der Einfahrt abgenommen wurde – Ein- und Ausparken übernimmt das Personal persönlich. Zusätzlich wird man noch bis zum Schiff transportiert und Ruckzuck waren wir auf dem Schiff und konnten uns am reichhaltigen Mittagsbüffet laben.

Erste Station: Ajaccio, Corsica, Frankreich
Die erste Nacht auf See ist immer etwas ungewohnt, man muss sich erstmal an das Schwanken gewöhnen und an die Geräusche des Schiffs. Wir hatten diesmal das jüngste Schwesternschiff der Navigator of the Seas erwischt – die Mariner of the Seas. Absolut baugleich und damit fühlten wir gleich wieder heimisch. Ich fand auch gleich mein Lieblingsmüesli wieder – Kellog’s Granola. Noch so eine fiese Sache, die es nicht in Deutschland gibt. Danach ging es an Land. Erstmal schlenderten wir etwas durch die Stadt, wir hatten Glück, dass wir vor allen Touristenbussen an den wichtigen Sehenswürdigkeiten waren. Anschließend ging es mit dem Linienbus zum Pointe de la Parata. Ich machte mir noch die Mühe zu dem kleinen Turm hinaufzusteigen, wo man eine tolle Aussicht auf die vorliegenden Inselchen hat. Der Bus brachte uns danach an den Strand und später auch wieder zurück in die Stadt, wo wir noch etwas umher liefen und zum Schiff zurück kehrten.

Zweite Station: Barcelona, Spanien
Der Tag auf Corsica war schon angenehm warm, aber nichts im Vergleich zu Barcelona. Hier war schon morgens um 9 Uhr die Luft drückend heiß und kein Lüftchen rührte sich. Um den Tag mit wenigen Worten zusammenzufassen: Wir waren auf Gaudis Spuren unterwegs. Es begann mit dem Park Güell und hörte mit der Sagrada Familia auf. Zwischendrin folgten einige Gebäude, die unverwechselbare Kennzeichen Gaudis trugen. Eigentlich sollte die Sagrada Familia zweite Station unseres Ausflug sein, aber gegen 10 Uhr sammelten sich dort alle Touristengruppen und warteten auf Einlass. Ich schnappte etwas von 2 Stunden Wartezeit (bei 30°C und in der prallen Sonne!) auf und wir brachen ab, um gegen 15 Uhr nochmal wieder zu kommen. Kaum 10 Minuten gewartet, waren wir drin. Ich war sehr positiv überrascht. Was von Außen etwas wie eine Kleckerburg aussieht, entpuppte sich als Meisterwerk und kommt damit zu meinen gefühlten Top 10 der schönsten Gebäude.

Dritte Station: Palma de Mallorca, Spanien
Was hört man nicht alles über Mallorca. Anfangen von dem schlechten Ruf von S’Arenal, versuchen einige den Norden als wunderschön anzupreisen. Aber warum keiner was von der schönen Stadt Palma sagt, weiß ich nicht. Wir wandelten den ganzen Vormittag durch die Innenstadt und da wir keine Zeit in Barcelona zum Shoppen hatten, holten wir das hier wieder nach. Wenn man schon mal in Spanien ist, muss man einfach bei Desigual zuschlagen. Wir wandelten durch viele kleine Gässchen, die trotz Hochsaison wie ausgestorben wirkten und erblickten schöne grüne Innenhöfe.

Vierte Station: Cagliari, Sardinien, Italien
Die Überfahrt von Mallorca dauerte vergleichsweise lang, weswegen wir erst gegen Mittag in Sardinien eintrafen. Da auch hier hochsommerliche Temperaturen herrschten und die Innenstadt wenig zum Schlendern einlud, setzten wir uns wieder mal in den Bus und fuhren zum nächstgelegenen Strand, der ein Traum war. Leider fanden das Hunderte anderer Menschen auch und so war wenig Platz. Auf dem Stück, wo wir uns niederlassen konnten, wurden wir wenig später verjagt, da es sich um einen privaten Strand handelt. Auf dem Rückweg machten wir doch noch Zwischenstopp in der Stadt und genossen ein ganz leckeres Banane-Nutella-Eis.

Fünfte Station: Rom, Italien
Unsere Überfahrt nach Rom dauerte mehr als einen Tag. Lag wohl daran, dass man unbedingt eine Woche als Turnuswechsel erreichen wollte uns so einen Tag Pause bis zur letzten Station brauchte. Das Tempo des Schiffs konnte man getrost als Treiben bezeichnen. Als wir 9 Uhr an Deck gingen, um uns zu Sonnen, waren wir sehr schnell im Schatten verschwunden. Die Sonne brannte mit einer Intensität, die fast alle in den Schatten vergraulte. Also folgte ich meinem üblichen Programm aus Lesen, Musik hören und Sport. Erst zum späten Nachmittag wagte ich mich für eine halbe Stunde in die Sonne. Als wir am nächsten Morgen Rom erreichten, fuhren wir vom Hafen Civitacecchia mit dem Zug innerhalb von einer Dreiviertelstunde zum Petersdom. Nach der Besichtigung ging es zur Engelsburg, zum Trevi-Brunnen, zur Spanischen Treppe, zum Capitol, zum Forum Romanum und abschließend zum Colosseum – ja man schafft Rom in einem Tag, aber nur, wenn man schon mal dort war und nicht zu lange verweilt.

Den nächsten Morgen wartete bereits unser Auto auf dem Parkplatz neben dem Schiff, sodass wir nur noch Auschecken mussten und dann konnten wir die Koffer gleich ins Auto verladen. Die Rückreise war ziemlich anstrengend, auch wenn sie reibungslos verlief. Als wir 10 Stunden später wieder daheim waren, fiel ich todmüde ins Bett und war dort nicht mehr weg zu bekommen. Diesmal kann ich als Fazit sagen, dass wir mit unseren Kellner mehr Glück hatten, beide waren sehr freundlich und Sven wirkte froh, dass er als einziges deutsches Besatzungsmitglied deutsche Gäste bedienen durfte. Dafür hatten wir einen Peruanischen Stateroom Assistant und der machte alles nicht so ganz gründlich, war aber immer freundlich. Etwas merkwürdig mutete die Rezeption an, die uns einreden wollten, dass man sich nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel in Spanien verlassen kann, da wird ja pausenlos gestreikt und die kommen auch wann sie wollen. Ich glaube mich zu erinnern, einen Satz aufgeschnappt zu haben, der ungefähr lautete „Alles was wir nicht unter Kontrolle haben, ist unzuverlässig.“ Tatsache war, dass der Bus pünktlich mit den ersten Gästen losfuhr und auch der Rücktransport.

Wie alles begann… ich surfte gerade mal wieder durch Netz und kam auf die Idee herauszufinden, wann Tori Amos mal wieder auf Tour ist. Und siehe da, sie tourt auch durch Deutschland. Etwas missmutig angesichts der hohen Preise – egal, wo in Deutschland – trug ich meinen Wunsch meiner Freundin vor. Die schlug mir vor, doch mal zu schauen, ob sich ein Tori-Konzert nicht mit einer Städtereise kombinieren lässt. Und siehe da: ein Konzert von Tori ist in Paris um einiges günstiger, wie in München, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin. Also gönnte ich mich einen der besseren Plätze zu einem Preis, wo ich in Deutschland gerade mal einen der letzten Sitze bekommen hätte. Vorab klärte ich noch mit dem französischen Ticketverkäufer ab, wie die Karten abzuholen sind. Dazu passte, dass es auch noch günstige Flüge nach Paris gab und wir noch zu einem guten Hotel am Gare de l’Est kamen. Wenn man weit genug voraus plant, kein Problem.

Freitag früh sollte es nach Paris gehen. Unglücklich war nur, dass ich am Wochenende davor anfing, Halsschmerzen auszubrüten, was sich dann noch in Form von Husten und Schnupfen weiter verbreitete. Ich blieb Dienstag und Mittwoch daheim. Es wurde nur sehr langsam besser und der Freitag rückte immer näher. Donnerstag war der Startschuss für das neue Projekt in der Firma und ich sollte den ganzen Tag unterwegs sein. Schlechte Vorzeichen! Aber es wurde weiter besser und am Freitag klingelte der Wecker um 4 Uhr morgens. Um 8 Uhr landeten wir in Paris, kauften unsere 3-Tages-Tickets und los ging die Entdeckung. Zwischendurch nahmen wir schon unser Zimmer im Holiday Inn am Gare de l’Est in Beschlag.

Natürlich bestand ich darauf, dass wir uns den Gare de l’Est ansehen. Wer „Die fabelhafte Welt der Amelie“ gesehen, muss mal dort gewesen sein. Es ist entmystifizierend – es ist und bleibt nur ein Bahnhof. Auf unserer Reise durch Paris hat mir eins gefallen, wo ich – durch andere Städtereisen – skeptisch war: Es gibt Mittagsmenüs im Preisbereich von 8,50 Euro aufwärts. Komplett aus Vor-, Haupt- und Nachspeise bestehend. Sättigend und mehr oder weniger wohlschmeckend. Nicht, dass es schlecht gewesen wäre, aber kleine Abstriche muss man schon machen, z.B. Steak „well done“ bestellen, um es „medium“ zu bekommen und ausreichend Zeit mitbringen. Wasser gibt es in großen Wasserflaschen auch gratis dazu. Wer kein Wasser mag, sollte sich mit Preisen für einen kleinen Softdrink ab 3,50 Euro anfreunden. Da es stellenweise sehr ausreichend und lecker war, wurde ich noch skeptischer – doch die Rechnung sagt: 2 x Menü – fertig!

Natürlich kein Pro ohne ein Kontra… ich sag nur „Hey my friend…“… Auch in Paris gibt es eine Gruppe von Menschen, die sich strategisch günstig postieren und Dienst oder Waren anbieten, die keiner kaufen sollte, schon allein um der Verbreitung dieses Verkaufs Einhalt zu gebieten. Eiffeltürme in allen Größen und Farben, blinkend und noch mehr Schrott kann man da erstehen. Aber die Aufdringlichkeit hält sich in Grenzen.

So schafften wir am ersten Tag den Eiffelturm, Notre Dame, Sacré-CÅ“ur, Moulin Rouge und etliche Kilometer Fußweg bzw. Straße. Den nächsten Morgen ging es nach Versailles. Und schon wieder ein „aber…“ – wer den Film „Marie Antoinette“ gesehen hat, muss damit abfinden, dass jedes Zimmer den Füllungsgrad „gesamte adlige Verwandtschaft samt Hofstaat“ erreicht. Es ist richtig voll und eine noble adlige Atmosphäre mag nicht aufkommen. Stellenweise kam es mir wie ein Wunder vor, dass sie es für den Filmdreh überhaupt geschafft haben, Versailles für die Öffentlichkeit zu schließen. Es ist dennoch imposant und sobald man sich der Besichtigung des Grand Trianon nähert, sinkt die Motivation, man ist einfach überreizt. Wer jedoch erwartet, etwas historisches zu finden, wie etwa, wo der Versailler Vertrag oder der Vertrag von Trianon unterzeichnet wurde – Fehlanzeige.

Unglaublich wie riesig das Gelände von Versailles ist. Ich hatte schon gesundheitlich die Befürchtung, dass es wieder abwärts geht, zudem sich auch noch Kopfschmerzen breit machten. Aber wir nahmen nachmittags noch den Arc de Triomphe mit, an dessen Füßen wir uns kurz sonnten und entspannten und dann die Champs Elysees entlang spazierten und in das ein oder andere Geschäft gingen (z.B. fnac). Danach ging es noch mal kurz ins Hotel zurück und schon ging es zum Kongresszentrum, wo das Konzert stattfand. Leider hatten wir am Morgen eine Stunde vertrödelt, die uns jetzt fehlte, weswegen wir die Besichtung der Défense ausfallen lassen mussten.

Als Vorband von Tori Amos trat Foy Vance auf, eine Art Dub FX mit Gitarre. Aber im Gegensatz zu vielen Konzerten, die ich schon erlebt hatte, ging der Umbau zwischen Vorband und Hauptkünstler schnell von statten. Wer die CD „To Venus and back“ von Tori kennt, hat eine grobe Vorstellung, wie ihre Livekonzerte klingen. Und genau so ging es knapp über 2 Stunden, ein Song folgte ohne Pause dem anderen, es war Platz für alle ihre bekannten Lieder, mir ist keins eingefallen, das gefehlt hätte.

Nach dem Konzert folgte noch eine Nachttour durch Paris, die jede Menge Motive lieferte. Von Ruhe keine Spur… die Stadt pulsiert nachts genau wie am Tag. Gegen 1 Uhr fielen wir ins Bett und schon am nächsten Morgen ging es weiter. Ziel: der Louvre, denn den ersten Sonntag im Monat ist er, neben anderen Museen, für die Öffentlichkeit gratis zu besichtigen. Innerhalb kürzester Zeit war dichtes Gedränge auf den Gängen und ein gelungenes Bild von der Mona Lisa zu ergattern, war bei dem Gerangel davor kaum möglich. Den Nachmittag schlenderten wir noch ein wenig herum und dann ging es schon wieder Richtung Flughafen und danach heim.

Noch viel unverschämter… Tori veröffentlicht Mitte November schon wieder ein Album und ich habe noch nicht mal das letzte. Diesmal auf dem Programm – Weihnachtslieder („Midwinter graces“).