Egal wie ich es mache, es ist verkehrt – bei „Syro“ und den „Computer Controlled Acoustic Instruments“ hatte ich einen Pre-Order bei Bleep (dem ausgegliederten Warp-Shop) zu laufen und musste danach feststellen, dass andere Shops nach Veröffentlichung viel günstiger waren. Also machte ich diesmal alles richtig. Ich wartete die Veröffentlichung ab und entschied mich dann, die AFX-Platte bei junodownload.com zu kaufen, für 6,66 Euro am günstigsten. Und Anfang dieser Woche gibt Bleep bekannt: Wenn ihr die ODS gekauft habt, dann schaut mal in euren Download-Bereich, wir haben ein Goodie für euch. Mist!

Auch dieses Mal tat Warp alles, um die Werbetrommel richtig zu rühren. Mit Ankündigung konnte man den ersten Song „Serge Fenix Rendered 2“ gleich herunterladen. Kurz vor Veröffentlichung waren es schon vier Tracks. Auch gab es diesmal keine blumigen Versprechungen von wegen „neu und innovativ“. Die EP(?) unterteilt sich für mich in drei Teile: (A) der Analord-Part. Keine weiteren Erklärungen, die logische Fortsetzung der Analord-Serie.

Teil (B) besteht aus den zwei Titeln „Bonus EMT Beats“ und „Simple Slamming B 2“. Wie der Name des ersten Tracks schon ahnen lässt – sehr betont auf Drums, wobei Simple Slamming doch ein gewisses Highlight der Platte darstellt. Warum? Ich habe gewisse Assoziationen damit. Wahrscheinlich mit einem der unendlich vielen Songs, die er in letzter Zeit veröffentlicht hat.

Der finale Teil (C) beginnt mit „Midi Pipe1c Sds3time…“, einem Song, der mit vom Konzept her fast an die CCAI denken lässt, aber hat doch schwere Anleihen an Syro, genau wie die restlichen Tracks. Und zum Schluss – völlig unabhängig von allen anderen Songs, das Goodie „umil 25-01“. Ich bekomm das Ding einfach in keine Schublade gesteckt. Es ist jetzt nicht die Innovation, einerseits typisch AFX, aber auch komplett neben den Alben und EPs.

Auf Arbeit kam ich letztens in Kontakt mit Plattformen wie IFTTT und Zapier. Die Namen klingen ganz schön kompliziert, das Prinzip ist aber einfach. Nehmen wir IFTTT – heißt If This Than That. Oder ins Deutsche übersetzt „Wenn dies passiert, mache das“. Da neben Aphex Twin jetzt auch noch µ-ziq (aka Mike Paradinas) seine unveröffentlichten Tracks bei soundcloud hochlädt und ich keine Lust habe alle Nase lang nachzusehen, was passiert, habe ich IFTTT und Zapier bemüht.

IFTTT kümmert sich dabei um folgendes:

  • Wenn ein Track von einem Künstler, dem ich folge, veröffentlicht wird, dann schicke mir eine Mail mit dem Link drin. Das war die erste Stufe, die mich schon mal auf dem Laufenden hielt.
  • Dazu kam jetzt: Wenn ein Track von einem Künstler, dem ich folge, veröffentlicht wird, lade anhand der URL den Track in meine Dropbox herunter.

Stressfreier geht es garnicht. Ich muss nur noch meinen Rechner anschalten und schon synchronisiert sich ein Verzeichnis mit meiner Dropbox und alle Tracks, die inzwischen aufgelaufen sind, landen bei mir auf dem Rechner. Das macht mir das Leben einfach, aber ein mulmiges Bauchgefühl bleibt, denn IFTTT kennt jetzt die Zugangsdaten zu meinem Mailaccount, zu Soundcloud und zur Dropbox.

Damit ich auch noch alles im Überblick habe, darf Zapier nicht fehlen. Zapier funktioniert genau wie IFTTT, aber hat noch viel feiner granulierte Aktionen. Dort kommt nämlich folgende Aktion zustande:

  • Wenn ein Track von einem Künstler, dem ich folge, veröffentlicht wird, dann füge in ein Spreadsheet bei Google Drive eine Zeile ein. Die Spaltenüberschriften geben vor, welche Daten, die zur Verfügung stehen, in der Zeile auftauchen sollen.

Warum mache ich diesen ganzen Zinnober? Aphex Twin hat sich beim Veröffentlichen seiner Tracks öfters mal als wankelmütig erwiesen und schnell einen Track wieder zurückgezogen. Und genau diese Tracks haben sich bisher als die besten herausgestellt…

Ich bin immer ein großer Fan von Aphex Twin gewesen, aber auch einer der Fans, die seine Aussagen kritisch hinterfragen (seine Musik natürlich auch). Deswegen bin ich immer der Meinung gewesen, wenn er tausende Musikstücke hat, die er veröffentlichen könnten, warum macht er das denn nicht? Seit Ende Januar pumpt ein bis dahin unbekannter Nutzer Musikstücke bei Soundcloud rein, die verdächtig nach Aphex Twin-Stücken klingen. Auch sein alter Knob Twiddler Mike Paradinas glaubt das ein oder andere Stück schon mal gehört zu haben. Kurze Zeit später wird es dann mehr oder weniger offiziell – der Twitter-Account von Aphex Twin postet den Link. Seit dem sind schon über 150 Stück aufgelaufen. RareAFX zweifelt zwar die Authentizität von einigen Stücken an, aber der gewisse Touch ist schon da und ich glaube, Richard D. James ist einer, der sich auch gern mal auf unbekanntes Feld wagt und dort experimentiert.

Mit dieser Aktion hat sich Aphex Twin wieder meinen Respekt verschafft oder es ist eine Entschuldigung an seine Fans, die mit sehr durchmischten Gefühlen sein letztes Album „Syro“ aufgenommen haben. Anders wie The Future Sound of London, die mittlerweile 7 Ausgaben ihrer „From the archives Vol.X“ veröffentlicht haben, kippt Richard seine (G)oldies gratis auf den Markt und das mit 320kBit/s. Stellenweise geht es mir schon fast zu schnell, denn die bisher 150 Titel wollen auch erstmal gehört werden. Wie man es von AFX gewohnt ist, ist der Mann auch stellenweise sehr wankelmütig. So tauchten für kurze Zeit ein Dark Mix vom „Girl/Boy Song“ auf, als auch eine schnellere Version von „Red Calx“, die wieder sehr schnell verschwanden. Das macht das Herunterladen schon zur sportlichen Herausforderung, denn man weiß nie, ob der Song, den er gerade hochgeladen hat, morgen noch da ist.

coverDas ist eigentlich das, was ich von Aphex Twin als Album erwartet hätte. Es gab ja schon vor etlichen Jahren Alarm Will Sound, ein Orchester welches Aphex Twin Stücke interpretiert hat. Und nachdem Aphex Twin mit den Analord-Serie in den analogen Bereich wechselt er jetzt zu physikalischer Klangerzeugung. Wie er es genau gemacht hat, habe ich noch nicht gefunden, aber der Name der EP und die Tracktitel lassen vermuten, dass er sein Disklavier an den Rechner angeschlossen hat und außerdem das Klavier noch präpariert hat.

Herausgekommen sind 13 Stücke – von 20 Sekunden bis 5 Minuten. Es gibt viel, was mir gefällt. Manche Tracks sind reine Experimentalstücke. Da reicht es, wenn es 20 Sekunden lang ist, sonst wäre der Höhrer überstrapaziert, weil einfach nur die Idee zählt und nicht das klangliche Ergebnis. Ein weiterer Punkt, den ich hoch anrechne ist die Homogenität der EP. Es klingt wie aus einem Guss und nicht wie bei „Syro“ eine Kollektion von angestaubten Stücken.

Einmalig schön und damit unbedingt erwähnenswert ist „piano un10 it happened“, ähnlich wie „Avril 14th“ aus seinem Album „Drukqs“ ein Klavierstück, was einfach so hervorperlt und den Rest der Stücke wie lästige Kekskrümel abschüttelt. Ich stelle mir gerade ein Album oder eine EP vor, die nur aus Klavierstücken von Aphex Twin besteht. Aber wer weiß, was uns noch erwartet. Irgendwie lässt der Name ja vermuten, dass es auch einen Part 1 gegeben hat / geben wird…

coverIch schließe meine Augen und stelle mir vor – kein grüner Kreis, kein Aphex-Logo, kein „Syro“-Schriftzug. Richard D. James erwähnte in seinem Interview bei Pitchfork, dass er sehr oft Vorurteile erlebt, weil man hört „Aphex Twin“ und schon ein Bild davon hat. Also lassen wir das alles mal beiseite und denken, es wäre ein White Label. Fängt man mit „minipops 67“ an, der auch als der Manchester Track bekannt ist, fällt mir als erstes der fette Bass auf, gefällt mir ausgesprochen gut. Der Track entwickelt sich ausgesprochen gut, aber so ca. 2 Minuten vor dem Ende wäre ich spätestens bei einer Aphex-Twin-Referenz gelandet und hätte sie als schlecht eingestuft. Weiter geht es mit „XMAS_EVET10“ – ein Track, der mir anhand seiner Länge und seines Beginns große Erwartungen weckt. Könnte das ein Ambient-Track werden? 10:30 in outer space? Aber nach einer halben Minute ist Schluss damit, es läuft ein Breakbeat-Loop und analoge Synthies düdeln vor sich hin. Aber auch dieser Song entwickelt sich und endet so, wie Tracks von AFXs Analord-Serie. Und spätestens an der Stelle hat man sich auf den Stil des Albums eingeschossen. Ich schrecke nochmal für „180db_“ hoch – hier ist irgendwas schief gegangen! War da jemand verstimmt? Aber das Synthie-Gedüdel geht weiter vor sich hin, jeder Song hat seinen Moment, der eine gewisse Einzigartigkeit verströmt, aber im Laufe des Albums wäre ich dann noch bei der „Drukqs“ gelandet. Wie wäre es mit einem Interview über das neue Album?


Frage: Mal ohne den Namen „Aphex Twin“ in den Mund zu nehmen, ein gutes Album?
Antwort: Die Referenzen sind zu stark, dass man nicht erkennen würde, dass es Aphex Twin ist.
Frage: Dann formuliere ich die Frage anders: Wie gut ist das Album im Vergleich zu seinen Vorgängern?
Antwort: Betrachtet man seine Historie als Aphex Twin, ist es ein mittelmäßiges Album. Im Vergleich zu seiner Analord-Serie ist es besser geworden, denn die Dichte der Ideen ist doch wesentlich höher…
Frage: Wenn ich hier mal kurz einhaken darf? Du bewertest Aphex-Twin-Alben nach deren Ideen-Dichte?
Antwort: Nicht nur. Ich schätze zwei Dinge an seiner Musik – zum einen wie sich die Idee eines Songs während dessen weiterentwickelt. Weiterhin mochte ich, dass seine Musik nie gefallen wollte. Sie hat einen sehr starken Charakter, der dem Hörer überließ, ob sie die Platte mögen oder nicht. Mit der „Syro“ ist das etwas abhanden gekommen – gerade „minipops 67“ erweckt bei mir den Eindruck, dass der Track gefallen will und das schwächt meiner Meinung nach den Charakter seiner Musik.
Frage: Was war für dich der Grund, das Album zu kaufen?
Antwort: Wie ich schon erwähnte, hat jeder Song so einen gewissen Moment, wo man die Aphex-Perfektion noch spüren kann. Früher war es abwechslungsreicher. Es gab Tracks die diesen Moment über die gesamte Länge gehalten haben, aber es gab auch Tracks, wo ich einfach nur den Kopf geschüttelt habe. Deswegen ist es jetzt etwas ausgeglichener, was ich als Fortschritt werten würde. Die Frage ist natürlich: Wie geht es jetzt weiter?
Frage: Dann frage ich doch gleich mal – wie denkst du, dass es weiter geht?
Antwort: Wenn ich mich so umsehe, wird das Album mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Viele loben es als das „Album des Jahres“ oder die „Rückkehr des Aphex Twin“. Aber es gibt auch viele, die das Album sehr schlecht finden, weil die Signatur doch vermuten lässt, dass es sich um ältere Tracks handelt. Richard James war eigentlich immer einer, der sich nicht von solchen Reaktionen hat beeinflussen lassen. Deswegen kann ich nur Vermutungen äußern. Er hat auch verlauten lassen, dass er die „Melodies from Mars“ überarbeitet hat und das für 4 Alben reicht. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, wäre das eine Fortsetzung der „Selected Ambient Works“.
Frage: Mit diesem schönen Gedanken möchte ich mich für das Interview bedanken.
Antwort: Gern geschehen!

Irgendwann diese Woche wurde es heiß… außer dem ersten Track „minipops 67“, wie klingen die restlichen Titel von Aphex Twins neuem Album „Syro“? Auf Honest Jon’s fand man eine kurze Zeit (ca. 2-3 Stunden) die Links zu den ersten sechs Stücken, um reinzuhören. Meine erste Meinung war: das kann doch nur ein Fake sein – so schlechte Tracks würde Aphex Twin nie nach 13 Jahren veröffentlichen! Wenig später fanden sich die ersten, die eine Rip davon gemacht hatten und das MP3 online stellten. Das war auch gut so, denn wie gesagt, wenig später waren die Hörproben wieder verschwunden.

Seit Freitag kann man zumindest bei iTunes und Bleep das komplette Album vorhören. Meine Vermutung, dass es ein Fake ist, hat sich nicht bestätigt, die Titel klingen tatsächlich so. Und es klang langweilig. Es war der gleiche alte Kram, den er schon als Analord oder The Tuss veröffentlicht hat, nur dass hier auch ein paar bessere Stücke dabei waren. Gegen Ende des Albums kommt auch wieder ein bisschen ‚Drukqs‘-Stimmung auf. Aber der Titel „180db_“ ist definitiv eine Beleidigung für die Ohren. Bis ich dann Freitag Abend das Interview im Pitchfork las. Und plötzlich ergab das Album einen Sinn. Dazu sollte man folgendes im Kopf behalten:

Das Genie ist zurück! Quatsch! Der Gott der elektronischen Musik hat ein neues Album veröffentlicht! Unfug! Wenn man das Interview liest, sticht ein Punkt besonders hervor – um mit etwas Neuem anzufangen, muss man mit dem Alten abschließen. Und genau das ist Syro. Und genau in diesem Kontext funktioniert das Album wunderbar. Denn der Richard D. James in dem Interview ist nicht mehr der Exzentriker von früher – er ist ein Künstler, der in Schottland mit seiner Frau Anastasia und seinen zwei Kindern wohnt und dort Musik macht. Und es gefällt mir, dass er offensichtlich gern und begeistert von seinen Kindern erzählt. Das macht ihn menschlich und verändert das Bild, was man von ihm hat. In dem Interview klingt außerdem an, dass der Riesenberg von Tracks, die er nie veröffentlicht hat, mittlerweile zur Last geworden ist. Es ist verdammt gutes Zeug dabei und es einfach so liegen zu lassen, auf die Gefahr hin, dass sie für immer verloren gehen – den Gedanken mag er nicht. Deswegen könnte ich mir vorstellen, dass Richard James in den nächsten Jahren sich entscheiden muss: Entweder er bleibt Aphex Twin, der ab und zu etwas veröffentlicht oder er wird Aphex Twin der Serienartikel, der ähnlich wie Future Sound of London gleichzeitig aus seinen Archiven und neue Alben veröffentlicht.

Jetzt war es mal richtig lange ruhig um Aphex Twin aka Richard D. James. Da war sein letztes Album auf Warp – „Drukqs“ – und dann war so um 2005 herum seine Analord-Serie. Ansonsten gab es jede Menge Gerüchte, wie seinen verlorenen MP3-Player mit den ganzen Musikdateien drauf, der die angebliche Ursache für das Erscheinen von „Drukqs“ war. Mal ganz ehrlich – angenommen ihr wärt Musiker… Würdet ihr in eurer Freizeit, wenn ihr unterwegs seid, eure eigene Musik hören, die ihr bei der Produktion immer wieder durchgegangen seid? Danach tauchte (ich glaube, es war so ca. 2009) ein Interview mit Richard auf, wo er behauptete, er hätte 6 fertig produzierte Alben fertig. Dem wiederum bin ich bereit Glauben zu schenken, denn laut eigener Aussage macht er Musik, weil er mit einer konkreten Idee ins Studio geht. Veröffentlichen will er aber nur, wenn er Geld benötigt. Tja und dann taucht immer wieder Steve Beckett, seines Zeichens Labelchef von Warp Records auf und behauptet, es wird ein neues Album von Aphex Twin geben und dass der Vertrag zwischen Richard und Warp verlängert wird.

syroUnd nun – 2014 – ist es soweit. Erst tauchte ein kleines Zeppelin auf, auf dem „2014“ stand mit der 0 als Aphex Twin-Logo. Dann gab es gesprühte Aphex Twin-Logos in New York und zum Geburtstag von Richard (18.8.71) wurde es öffentlich: Es wird ein neues Album namens „Syro“ geben. Ein paar Tage später folgte die Pre-Order-Aufforderung von Warp mit einer passenden Limitierten Auflage von 200 Stück. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, wie schnell das Netz geworden ist. Früher (also bei seinem letzten Album) hat man das erstmal in einschlägigen Foren gelesen und ich hatte genügend Zeit, einen Blogeintrag zu schreiben. Heute haben schon sämtliche Musikblätter einen Eintrag online stehen, da ist die Neuigkeit erst ein paar Minuten alt.

Nach den ganzen Fakten nun meine persönliche Meinung. Die Hochphase von Aphex Twin war Mitte der 90er – konsequenter Output auf hohem Niveau. Ende der 90er sank die Quantität und Qualität etwas, was aber nicht auffiel, denn die Visualisierung von „Come to Daddy“ und „Windowlicker“ war mehr als überzeugend. Es folgte die „Druqks“, an der sich die Geister scheiden. Viele behaupten, das Album wäre ein Schnellschuss gewesen, um den Vertrag mit Warp zu erfüllen. Verleugnen kann ich das nicht, denn ein Konzept bzw. ein roter Faden waren für mich nicht zu erkennen. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, folgt zwei Jahre später mit „26 Mixes for cash“ eine Art „Best of“-Album seiner Remixe. Es ging weiter mit der Analord-Serie auf seinem eigenen Label Rephlex. Nicht wirklich gut, aber von vorn bis hinten ein durchgängiges Konzept. Und ab der Stelle kommt der spekulative Raum. War Richard D. James als „The Tuss“ unterwegs? Wenn ja, dann verschwimmt ab der Stelle alles, denn die beiden EPs klingen wie eine Überarbeitung von altem Material. Und genau aus dem Grund gehe ich an das neue Album mit gemischten Gefühlen heran. Denn ich glaube, es wird ein Album mit Aphex-typischem Sound, aber so richtig knackig frisch wird davon nichts sein. Um es sprichwörtlich auszudrücken: „Alter Wein in neuen Schläuchen“. Dennoch freue ich mich auf das Album – vielleicht irre ich mich ja…

Nachtrag 23.08.2014: Auf der Suche nach irgendwelchen Soundschnipseln stieß ich auf einen Track, der in einem Set von Richard 2007 in Manchester auftauchte. Seit dem geistert dieser als „Manchester-Track“ durchs Netz. Auf der Warp-Seite kann man lesen, dass „minipops 67 [source field mix]“ der Manchester-Track ist. Einfach mal bei YouTube danach suchen – die meisten, die ihn online hatten, haben inzwischen den richtigen Titelnamen nachgetragen.

Dass ich das Wochenende überstanden habe, wundert mich – so faul war ich in der gesamten Zeit, wie ich hier bin noch nie. Denn dieses Wochenende habe ich mir den Luxus gegönnt, mal alles ein wenig liegen zu lassen, nichts zu unternehmen und nur das allernotwendigste zu erledigen. Selbst das Üben am Klavier blieb links liegen, ich zog es Samstag Morgen doch eher vor, meinen MP3-Player zu schnappen und mich in mein Bett zu verkriechen. Mich erreichten nämlich am Freitag neue Thinner-Releases, die auf eine erste Bewertung warteten. Noch ein Buch geschnappt und gelesen, bis mich der Hunger langsam aus den Federn trieb. Und so dümpelte ich den ganzen Tag herum, telefonierte noch einen Kollegen an, mit dem ich mich dann abends auf eine Pizza und das eine oder andere Bierchen traf. Wir schafften es tatsächlich bis weit nach Mitternacht fast ausschließlich über Arbeit zu reden. Kann ich das jetzt als Überstunden absetzen?

Der heutige Vormittag gehörte der Aktualisierung meiner Wunschlisten, was Platten, CD und DVDs betrifft. Ich stromerte dazu quer durchs Internet und schnappte wieder ein Gerücht auf – der Richard ist wieder da! Herr James hat beschlossen unter dem Pseudonym „The Tuss“ eine Scheibe im Stile der Analord-Serie nachzulegen. Das Label weißt zwar einen gewissen Brian Tregaskin als Schöpfer aus, aber die Geschworenen sind sich einig, es muss sich um Richard D. James handeln. Zwischendurch tappelte ich mal in den Keller, um die Waschmaschine zu beladen bzw. zu entleeren, als ich die alte Dame, die in der Wohnung unter mir wohnt, traf und sie mich in höchsten Tönen als den ruhigsten Mieter der in den 23 Jahren, die sie jetzt schon hier wohnt, lobte. Ich hielt lieber die Klappe und erwähnte das Wort „Klavier“ erstmal nicht.

Heute Nachmittag war ich dann so erholt, dass es mich rappelte. Das Geräusch des Düsenjets in meinem Wohnzimmer machte mich einfach fertig. Also zerlegte ich meinen Rechner in seine Bestandteile, rückte sämtlichen Komponenten mit Staubsauger, Staublappen und Pinsel zu Leibe und innerhalb von zwei Stunden sah das Wohnzimmer aus wie der Angriff der Wollmäuse und mein Rechner war wieder flüsterleise. Zur Belohnung schwang ich mich dann gleich in die Küche und machte ein Hähnchenragout mit grünen Bandnudeln. Für alle, die es auch mal probieren wollen:Hähnchen mit Bandnudeln

  • 400g grüne Bandnudeln
  • 500g Hähnchenbrustfilet
  • 2 Zwiebeln
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1/4l Brühe
  • 200g Creme fraiche
  • 2 TL grüner Pfeffer
  • 1 Bund Schnittlauch
  • Butterschmalz
  • 2 EL Mehl
  • Salz, Pfeffer

Und schon kann es losgehen – das Hähnchenbrustfilet in mundgerechte Happen schneiden und im Butterschmalz anbraten. Danach die gehackten Zwiebeln hinzugeben und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Mehl darüber geben und kurz anschwitzen. Anschließend das Tomatenmark unterrühren, die Brühe zugeben und das Ganze 5 Minuten kochen lassen. Parallel dazu können die Bandnudeln schon mal ein heißes Bad nehmen und je nach Packungsangabe kochen. Abschließend gibt man noch die Creme fraiche zum Hähnchen, hackt den grünen Pfeffer klein und mischt ihn darunter und läßt alles noch mal aufkochen. Als kröhnenden Abschluss bestreut man alles noch mit den geschnittenen Schnittlauch (ich hab ihn daruntergerührt) und schon ist das Gericht fertig. Geht unglaublich schnell und ist trotz der 2 TL Pfeffer nicht scharf, ist ja grüner Pfeffer.

KalligrafieJetzt bin ich an der Stelle angelangt, wo ich gestern Abend sein wollte – meinen Bericht zum Wochenende zu schreiben und darüber hinaus. Irgendwie war gestern wieder alles nach dem Motto „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.“ Aber beginnen möchte ich doch lieber am Freitag, wo ich meiner Kollegin zum Antesten die Acoustica von Alarm Will Sound mitbrachte – die klassische Vertonung einiger Songs von Aphex Twin. Sie war nicht abgeneigt und wird deswegen in 14 Tagen mit den richtigen Klängen konfrontiert. Mal sehen, ob sie dann immer noch so denkt.

Abends fand ich dann doch wieder etwas Zeit, um Kalligrafie zu üben. Ich setzte mich mit einem Glas Rotwein an den Schreibtisch und fing an zu pinseln. Als musikalische Begleitung ließ ich Aphex Twin herumblubbern. So vergingen im Handumdrehen zwei Stunden. Sandra kam dann noch mit einem Stapel DVDs vorbei, begutachtete das Durcheinander auf meinem Tisch und spitzte die Ohren…

S: Was hörst du denn da?
J: Aphex Twin…
S: Kenn ich!
J: 😯

ElisabethkircheDen nächsten Morgen mußte ich mich sputen. Eigentlich hatte ich die Abfahrt so gegen 9 Uhr anvisiert, aber als ich Rüedi anließ war es bereits Viertel 11 Uhr (für die Nordlichter: Viertel nach 10 *g*). Die Autobahn war frei, meine Musikauswahl betont aggressiv (Hardcore + Rammstein) und so schaffte ich es pünktlich halb eins in Marburg zu sein. Am Gießener Nordkreuz tauchte dann auch noch ein silberner Seat hinter mir auf und blinkte mich an – Thomas. Wie luden fix aus, quatschten noch schnell ein wenig und dann servierte uns Alex ein Mittagessen, das mich als Sonntagskoch erblassen ließ.

MarburgKurz darauf mußten wieder schon wieder los, Alex hatte eine Stadtführung geplant, was ich für eine Klasse Idee hielt. Während Alex zahlte, kasperten Thomas und ich herum und fingen an, uns über die englische Broschüre über die Elisabethkirche in Englisch zu unterhalten. Jedem Engländer hätte es wahrscheinlich bei der Grammatik die Zehennägel aufgerollt. Trotzdem äußerte sich ein Stadtführer vor Beginn der Führung, dass er vorhin englisch gehört hat und dass die Führungen auch fremdsprachig gehalten werden können. Neee danke, lieber nicht. Die Führung begann in der Elisabethkirche, die ich doch sehr ausführlich fand, aber da dieses Jahr Marburg das Jahr der Heiligen Elisabeth feiert, sei es genehmigt. So erfuhr man, dass Elisabeth auch Verwandte in Bamberg und Mainz hatte – so ein Zufall aber auch. Später ging die Führung durch die Stadt, hinauf zum Schloss und wieder zurück zur Oberstadt. Thomas und ich hatten dank der vorgerückten Stunde schon wieder Hunger bzw. Lust auf einen Kaffee. Thomas schwärmte von einem Coffee to go. Dazu hätte man einen Möhrenkuchen nehmen können. Möhrenkuchen? Was kommt denn als Nächstes? Sülze to go? Wir liefen weiter durch die Stadt und die Führung näherte sich dem Ende, es schlug fünf! Zeit für einen Tee, einen Overstadttea. Den gab es aber auch nirgendwo. Also liefen wir enttäuscht zum Auto zurück und genehmigten uns bei Alex ein leckeres Stück Käsekuchen und erörterten an diesem noch einmal die Bedeutung der Aussprache der Uhrzeit. Wenn ein Viertel vom Kuchen fehlt, sagt man ja auch nicht: „Es gibt noch Viertel vor voll“, sondern „Es ist noch ein Dreiviertel Kuchen da.“ Wie gesagt, wir waren das gesamte Wochenende wieder hochgradig ernst zu nehmen.

SpaziergangNach einem Gesellschaftsspiel gingen wir noch ein paar Cocktails schlürfen und mußten feststellen, dass die viele frische Luft uns garnicht gut bekommen war. So verzogen wir uns doch schon sehr schnell heim und fielen gegen 2 Uhr ins Bett. Am nächsten Morgen erklärte mich Thomas schnell anhand der Demo die Funktionsweise von Command & Conquer 3. Die nächste LAN-Party kann kommen. Nach dem Frühstück hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen und heimwärts zu düsen.

Wieder zuhause angekommen, machte ich noch einen schönen langen Spaziergang durch den Michaelsberger Wald, hörte MP3s und machte mich bei untergehender Sonne wieder nach Hause. Dort begann ich simultan den Podcast hochzuladen, Wäsche zu waschen und die Hausordnung zu machen. Nachdem der Podcast hochgeladen war, baute ich schon wieder nebenher am neuen Podcast. Der Abwasch war auch erledigt und ich konnte mich in Ruhe in die Wanne legen. So war ich entspannt genug, gerade noch den Beitrag für den Podcast zu verfassen.

Und nach diesem Beitrag wird es Zeit, dass ich mich entscheide, wo ich als nächstes weiter mache. Höre ich die Platten, die seit gestern meine Plattenspieler belagern? (Aber mein Bedarf nach ’93er Löbautrance ist nahezu Null) Kalligrafie? (Setzt 2 Stunden konzentriertes Arbeiten voraus, die ich jetzt bestimmt nicht mehr zusammenbringe) Bügeln? (Dazu müßte ich mich wirklich durchringen) Der Wäschefalter mit seichter Musikuntermalung? (Höchstwahrscheinlich – endet dann aber sicherlich mit Bügeln. Dann hab ich es aber hinter mir.)

Die letzten Tage machte ich mich ganz schön auf Arbeit breit. Umso weniger Zeit und Lust habe ich dann auch noch mich abends an den Rechner zu hocken und weiter zu tippen. Dafür ernte ich schon Blicke über meine Schulter, die mit dem Spruch „Der Mann hat keinen Respekt, das gefällt mir!“ kommentiert werden. Ich bin da wirklich nicht schüchtern, wenn es darum geht über fremden Code herzufallen und ihm meine persönliche Note zu verpassen. Dafür fiel dann gestern auch das Thema „eigenes Projekt“ das erste Mal. Würde mich wirklich freuen, wenn ich nicht immer nur an fremdem Code arbeiten dürfte, sondern auch mal etwas eigenes entwerfen kann.

Der gestrige Abend gehört dann aber trotzdem fast vollständig der Produktion meines Podcasts. Jetzt muss ich nur noch auf den podhost.de „Monatsanfang“ warten und dann kann er auf Sendung gehen. Und mal Klartext zu reden: Am Wochenende wird es soweit sein und es gibt den 7. Podcast. Wie ich es genau mache, weiß ich noch nicht, da ich übers Wochenende nach Marburg fahre, Alex‘ Geburtstag will gefeiert werden. Den Weg werde ich natürlich mit meinem getreuen Begleiter Rüedi antreten, der dann am Dienstag nächster Woche einen neuen „shiny metal ass“ bekommt. Zumindest hat er sich schon mal an die Bamberger Gepflogenheiten gewöhnt. Hier scheint jedes 10. Auto unter einem defekten Frontscheinwerfer zu leiden, so jetzt auch Rüedi. Macht nix, wird bei der Gelegenheit gleich mit erledigt. Fraglich ist nur, ob ich gleich die Sommenreifen aufziehen lasse oder noch bis Ende März damit warte?

Ich hoffe auch, dass sich in den nächsten Tagen mal etwas Licht in das versicherungstechnische Dunkel kommt und sich eine klare Linie herausstellt. Denn ich hab nix dagegen, wenn ich Kündigung und Antrag verschicke (bzw. verschicken lasse) und dann von beiden ein „Ja“ bekomme. Wenn eine mit einem „Ja, aber…“ antwortet und es auch noch um Geld geht, werde ich ungemütlich. Apropos Geld, gestern wollte noch jemand Geld von mir haben, diesmal nicht die GEZ oder IKEA. Nein, Quelle hatte es diesmal gut mit mir gemeint und wollte einmal 746,82€ und 721,86€ von mir haben. Nur Schade, dass diesmal nicht Sandy Steinicke die Unterzeichnerin war, das hätte doch glatt Charme gehabt.

In den letzten Tagen nutzte ich die Gunst des Morgens, um ein paar Beiträge aus meinem alten Blog zu transferieren und stellte dabei fest, dass der Anteil der wissenschaftlichen News ganz enorm gefallen ist und ich doch wirklich sehr viel selbstbezogenen Inhalt verfasse. Hat natürlich nichts damit zu tun, dass ich jetzt zur Egosau mutiere, sondern dass die wissenschaftlichen News doch sehr flach geworden sind. Ich weiß, es gibt Leute, die sich ihr Leben lang damit beschäftigen, aber Keuschheitsgürtel bei Spinnen heben mich nun wirklich nicht an. Interessanter finde ich da schon eher den Nachweis des YORP-Effekts, der nach seinen Entdeckern Yarkovsky, O’Keefe, Radzievskii und Paddack benannt wurde. Dabei handelt es sich ganz simpel um das Beschleunigen oder Bremsen der Rotation von Asteroiden aufgrund von Sonneneinstrahlung. Diese verursacht eine Erwärmung der Oberfläche und deren Wärmeabstrahlung versetzt den Körper in Rotation bzw. bremst ihn ab, wenn sie der Drehung entgegen wirkt. Das gleiche Prinzip also wie bei einer Lichtmühle, die aber unter idealen Bedinungen läuft. Die Lichtmühle hat den Vorteil, dass eine Seite der Flügel dunkel ist und damit eine höhere Wärmeabsorption bzw. -abstrahlung erreicht wird und dass sie sich mit keinem Luftwiderstand herumplagen muss. Das muss der Asteroid auch nicht, aber der ist ja nur geringfügig größer…

Last but not least aus der Welt der Wissenschaft ließ sich letzthin vernehmen, dass sich im März Wissenschaftler an die Lösung des Problems der langsamer werdenden Pioneersonden wagen wollen. Ich hatte seinerzeit begonnen, einen langen Beitrag dazu zu schreiben, der leider unvollendet blieb, weil ich gegen Ende meine eigene These nicht durch Bremsen der Sonden bestätigen als auch widerlegen konnte. Die Theorie existiert nun mittlerweile schon so lange in meinem Kopf, da wird sie wohl auch noch ein paar Monate warten können.

Aber genug getippt für heute, ich werde mich jetzt noch ein wenig der Blumenpflege widmen und dann überlegen, welche CD ich morgen einer Kollegin mitnehme. Sie stellte mich vor die Frage, was das denn für ein Logo wäre, das ich da auf meinem T-Shirt trage. Und auf meiner Brust prangte in voller Größe ein Aphex-Twin-Logo. Ich schlug vor, ihr mal eine CD mitzubringen, damit sie sich mal ein Bild machen kann. Nun ist die Frage – welche CD ist am ungefährlichsten?