Wir haben es in die Hauptstadt Vietnams geschafft! Hier ist die letzte Station in Asien und nach einem kleinen Besuch in Halong Bay geht es dann endlich nach Südamerika. Die Zeiten von 35+ Grad und einer Luftfeuchtigkeit von höher als 70% sind dann vorbei und uns wird unvermittelt der südamerikanische Winter treffen. Bis dahin wollen aber hier noch einige Dinge erledigt werden.

Geplant hatten wir es schon für Saigon, aber es hat zeitlich einfach nicht geklappt, ins Wasserpuppentheater zu gehen. Das Theater ist bei Touristen so gefragt, dass man trotz 4 Vorstellungen am Tag nur für den nächsten Tag Karten bekommt. Wir kamen von Ninh Binh mit dem Bus gegen Mittag im Hotel an und gingen gleich die Karten holen. Es störte uns aber nicht, dass es am nächsten Tag war, so verlief der erste Tag sehr stressarm, wir liefen durch die Straßen von Hanoi und machten auch gleichzeitig eine Massage ausfindig, die wir auch für den nächsten Tag buchten.

Doch bevor wir uns die Massage gönnen konnten, nahmen wir an einem vietnamesischen Kochkurs teil. Ich wurde als der untalentierte Mann mitgenommen, damit wir die Kosten von $40 für 4 Stunden nicht zu $80 werden ließen. Es gab als Vorspeise frittierte Frühlingsrollen, danach kam gekochter Fisch in Bananenblättern mit Tamarindensoße, gefolgt von Royal Rice und noch eine Nachspeise zum Schluß, die aus Süßkartoffel und Ingwer bestand. Ich durfte natürlich Krisztas Kunstwerke mit verkosten und so verließen wir pappsatt den Kochkurs, konnten uns noch kurz ausruhen, bevor es zur erholenden Massage ging. Zum ersten Mal im Leben erhielt ich eine Pediküre, weil sich nach 3 Monaten laufen doch viel Hornhaut an den Füßen gebildet hat. Sehr angenehmes Gefühl und optisch viel besser wie vorher.

Das definitive Highlight am Abend war das Wasserpuppentheater. Ich hatte von Kriszta erfahren, wie es ungefähr abläuft, aber live war es echt genial. Die Puppen werden unter Wasser geführt und haben stellenweise Kerzen in den Händen. Manchmal erscheinen auch Drachen, die dann mit Wasser spritzen (aber nicht ins Publikum). Begleitet wird das Ganze von einem kleinen Orchester und zwei Sängerinnen, die den Puppen ihre Stimmen leihen. Die Stunde verging wie im Flug und ich bereute nicht eine Sekunde, mit das mit angesehen zu haben, da es zum kulturellen Bestandteil Vietnams gehört und bis auf das 11. Jahrhundert zurück reicht.

Ein komplizierter Akt bei der Vietnamreise ist neben der Busfahrt die Auswahl des Anbieters für den Halong Bay Ausflug. Man hört von Leuten, die mit $45 zufrieden waren, aber auch das Allerschlimmste. Und nach oben sind keine Grenzen. Viele beschwerten sich auch, wenn sie ihre Auswahl mit Hilfe des Hostel/Hotels getroffen haben, denn sie bezahlten $80 und bekamen schlimmeres. Wir waren im Little Hanoi Hotel, von dem man beim Buchen des Ausflugs nur gute Sachen gelesen hatte und buchten unseren Trip für $70.

Der Tag unserer Abreise fing mit bösen Vorzeichen an. Im Plan stand, dass wir 7:45 Uhr abgeholt werden, tatsächliche Abfahrt war aber 8:30 Uhr. Wir wurden zwischendurch bei einer Verkaufsstelle abgeliefert, wo man zu überhöhten Preisen Getränke, Essen und Kunstkitsch kaufen konnte. Aus angekündigten 25 Minuten Pause wurden 35 – man hat es hier nicht so mit Pünktlichkeit. Trotzdem kamen wir planmäßig 12:30 Uhr im Hafen und bestiegen das Boot.

Nach dem Mittag bekamen wir die Kajüten zugeteilt und wir erschraken ein zweites Mal. Unsere Kabine war direkt hinter dem Schiffsmotor, der unheimlich laut dröhnte. Unser Guide erklärte uns, dass nach dem Abendessen auf einen kleineren Motor umgestellt wird und dann auch die Klimaanlage funktioniert. Den Nachmittag verbrachten wir mit Paddeln und einer Höhlenerkundung. Die Höhle war ein Reinfall, denn zum Schutz des Materials hatte man die Decke komplett mit Schaumstoff(?) ausgekleidet, damit der Schweiß der Menschen den Stein nicht angreift. Sehr löblich, aber unschön und unnatürlich. Kurz nach Sonnenuntergang war es soweit – das Schiff ging vor Anker und wir durften ins Wasser. Hier nimmt man es mit der Sicherheit nicht so genau und da darf man auch schon mal vom obersten Deck des Schiffes springen, was ich unbedingt ausprobieren musste.

Wie versprochen schaltete man nach dem Abendessen den großen Motor ab und ein kleiner sprang an, den man zwar immer noch hörte, aber der wurde vom Rauschen der Klimaanlage komplett übertönt. Wir schliefen gegen 21 Uhr und ich wachte um 5 Uhr auf – rechtzeitig zum Sonnenaufgang, der sich zwar hinter Wolken versteckte, aber sich mit Schifferbooten toll in Szene setzte. Nach dem Frühstück ging es wieder zurück und wir hatten noch die Chance ein zweites Mal Paddeln zu gehen, diesmal aber gegen Bezahlung. Aber wir hatten keine Lust mehr. Zurück ging es mit dem Bus und diesmal geschah ein Wunder: Wir wurden nicht wie bisher an zentraler Stelle abgeladen und stehen gelassen – nein, wir wurden wieder bis zum Hotel gebracht. Wer also eine Empfehlung braucht: Im Little Hanoi Hotel (48 Hang Ga) den Trip für 2 Tage / 1 Nacht bei Fantasea buchen.

Über Nacht fuhren wir von Hue nach Ninh Binh und kamen dort kurz nach Sonnenaufgang an. Wir wurden gleich von einem Hotelbesitzer eines nahe gelegenen Hotels in Empfang genommen. Das Hotel gefiel uns und auch die Preise waren in Ordnung. Also ließen wir uns dort für zwei Tage nieder und planten unsere Touren. Der Besitzer bot uns an, Motorräder und Fahrer für ein geringes Entgelt zur Verfügung zu stellen. Wir besprachen mit ihm, welche Ziele wir ansteuern sollen und los ging es.

Erstes Ziel war Van Long. Wir waren gegen 9 Uhr dort und die ersten Besucher, die sich den schmalen Weg an den Bergen vorbei durch das Schilf schlängelten. Nach 1,5 Stunden kamen wir wieder zum Ufer zurück und weiter ging es auf dem Motorrad nach Kenh Ga, einem kleinen entlegenen Dorf, wie der Planet schrieb. Wir wurden erstmal zu einem Bootsfahrer geschafft, der mit uns über den Preis verhandeln wollte. Der Hotelbesitzer hatte uns 50.000 Dong pro Person genannt, hier verhandelten wir von 150.000 Dong pro Boot abwärts. Bei 120.000 Dong war Schluss und wir kamen uns veralbert vor. Wir stiegen wieder auf die Motorräder und wurden plötzlich zum offiziellen Ticketschalter gebracht, der gleich 100.000 (=50k pro Person) auf die Bestätigung schrieb. In den letzten Wochen haben wir es gelernt, den Lonely Planet als nicht vertrauenswürdiges Werk einzustufen. Kenh Ga war ein Dorf wie jedes andere auch, nur dass hier erstaunlich viele Häuser neu gemacht waren und der Eindruck eines „ursprünglichen“ Dorfes komplett hinüber war. Nur nebenbei erwähnt, haben wir den Planet auch herabgestuft, weil die „Danger & Annoyances“ für alle Länder und Orte anscheinend immer kopiert werden. Ich lese den Abschnitt wegen meiner Kamera immer gern durch, musste mir aber in Vietnam nie Sorgen machen, obwohl es z.B. für Nha Trang beschrieben wird, als könnte man nicht das Haus verlassen, ohne die Tasche gestohlen zu bekommen.

Aber zurück nach Kenh Ga – nach der Nacht mit wenig Schlaf schlummerten wir im Takt des Motors auf dem Rückweg ein wenig ein. Letzte Station für den ersten Tag war Hoa Lu. Touristisch sehr ausgebaut, kann man dort eine Tempelanlage besichtigen und zum Grab 80m aufsteigen, was wir vermieden haben, da es unerträglich heiß war.

Zurück im Hotel sprachen wir den Besitzer auf den Handel mit dem Boot an, da konnte doch was nicht mit rechten Dingen laufen. Natürlich nicht, denn wir waren plötzlich Schuld, denn 120.000 wäre der Preis gewesen, wo wir noch eine Höhle hätten besichtigen können. Und für 10.000 Dong pro Person mehr, wäre das doch wirklich ein Schnäppchen gewesen. Wir beteuerten immer wieder, dass nie ein Wort zum Thema Höhle gefallen wäre, aber er meinte, das wäre wohl unser Fehler gewesen. Nach der Diskussion fragte ich mich, wie es Reiseführer wie Stefan Loose solche Menschen als „Legenden“ einstufen, bis mir einfiel, dass solche Reiseführer von Leuten geschrieben werden, die sehr viel Zeit in dem Land verbringen, der einheimischen Sprache besser mächtig sind und natürlich auch die Leute sehr gut kennen und damit nicht in solche Fallen tappen.

Der nächste Tag war dann wirklich perfekt, in der Nacht wurden wir gegen 5 Uhr von einem Gewitter mit entsprechend starkem Regenguss geweckt und ich zweifelte schon, dass wir unsere Tour starten können, aber halb 8 Uhr war außer nassen Straßen nichts mehr davon zu sehen und wir brachen Richtung Tam Coc auf. Wer Tam Coc in Ruhe genießen will, sollte vor 8 Uhr dort sein, da sind noch keine Touristengruppen unterwegs. Während unserer Runde wurden wir von einem kurzen Schauer überrascht, der uns aber nur streifte. Nach Tam Coc ging es nach Bich Dong, einer alten Pagode. Dort erlebten wir 100% Luftfeuchte. Schräg gegen die Sonne betrachtet schien es zu regnen, aber es war keine Wolke zu sehen. Selbst wenn man stehen blieb, lief der Schweiß in Strömen, kein Wunder bei 37°C. Dieser Platz war weniger spektakulär, also fuhren wir schnell nach Thai Vi weiter, einem Tempel weiter. Auch schön zu betrachten, aber auch sehr kurzweilig. Der wirkliche Hammer war der Besuch der Mua Höhlen. Die Höhlen sind nicht sonderlich schön, dafür aber der Aufstieg um so mehr. Knapp 260 Stufen bei 37°C und strahlendem Sonnenschein hinaufzusteigen, lässt keine trockene Faser am T-Shirt, was aber in der Sonne schnell trocknet.

Nach einer Mittagspause ging es nach Trang An, wo uns eine 2-stündige Bootstour erwartete. Die Realität waren leuchtend blaues Wasser, idyllische Landschaften und Höhlendurchquerungen en masse. Stellenweise waren die Höhlen so lang, zwischendurch Leuchtstofflampen angebracht waren, damit man den Weg überhaupt sah. Die Decke war zwischendurch so niedrig, dass für Boot und uns gerade mal 70cm Platz blieb, als war ganz tiefes Ducken angesagt. Die Tropfsteine, die wir unterwegs sahen, waren sensationell und wir hatten das Gefühl, dass wir die ersten waren, die diese Schönheiten entdeckten. Keine Ahnung, ob unser Ruderbootfahrer ein Anfänger war, jedenfalls dauerte unsere Tour 3 Stunden und führte mindestens durch 10 Höhlen. Wir waren begeistert.

Wieder bestiegen wir den Bus von Hoi An nach Hue, obwohl wir eigentlich vor hatten, mit dem Taxi nach Da Nang zu fahren und dann den Zug zu nehmen, denn die Landschaft zwischen Da Nang und Hoi An sollte sehr schön sein. Der Zug war aber die für die nächsten drei Tage voll ausgebucht und so entschieden wir uns für den Bus. Auch so war die Landschaft herrlich anzusehen, hügeliges Hinterland und dazwischen leuchtend grüne Reisfelder. Über den Reisfeldern schwebten Dutzende Libellen, deren Flügel im Nachmittagslicht schimmerten.

Kaum angekommen, wurden wir von einem Angestellten des Hotels abgeholt. Es wäre nicht ungebedingt notwendig gewesen, denn das Hotel war gleich um die Ecke, wo der Bus hielt. Im Hotel angekommen unterhielten wir uns mit ihm über eine Stadtrundfahrt, die $10 kosten sollte. Wie wir danach feststellten, kostete sie in den Reisebüros im Viertel $8. Wir stellten ihn zur Rede und er meinte, er wäre froh, dass wir trotzdem bei ihm gebucht hätten, weil er eine viel bessere Qualität zu Verfügung stellen würde, es wäre schließlich seine Tour und seine Gesellschaft. An der Reise würden jeden Tag 20-25 Leute teilnehmen. Gut, gebucht.

Der nächste Morgen begann damit, dass wir zum Bus gebracht wurden. Natürlich war es nicht seine Tour und seine Gesellschaft, soviel konnten wir uns schon ausmalen. Aus unserem Hotel kamen nicht 20-25 Leute mit, sondern (uns eingerechnet) gerade mal 4. Unsere Tour sollte in einem Dorf beginnen, in dem Räucherstäbchen und die vietnamesischen Hüte hergestellt werden. Die Tatsache ist: Wir landeten in einem Shop, wo erst genanntes verkauft wird. Natürlich wird auch demonstrativ ein Räucherstäbchen gerollt, aber von Produktion sieht man nicht viel. Da viele junge Leute dabei waren, war die Empörung groß. Als der „Guide“ anfing das Geld für die Gräber einzusammeln, wuchs die Empörung. Einerseits hatte man uns erzählt, dass wir uns aussuchen können, welche Gräber wir besuchen, andere hatten gehört, der Preis wäre schon inklusive. Außerdem hatten wir in der Mongolei die Erfahrung gemacht, nie dem Guide das Geld zu geben, es verschwindet und man erhält kein Ticket. Also kauften wir zu seinem wachsenden Ärger unsere Tickets selbst, während der Guide nie an einem Ticketschalter erschien.

Wie wir von anderen Mitreisenden erfuhren, hatten sie im Reisebüro $8 bezahlt und später bekamen wir noch einen Flyer ausgehändigt, der den Preis mit $7 bezifferte. Am Ende des Tages mochte unser Guide uns so sehr, dass er uns nach der Besichtigung einer Pagode ansprach und uns auf ein bereits überfülltes kleines Drachenboot stecken wollte. Wir weigerten uns und gingen wir alle anderen auf das große Drachenboot. Natürlich wurde uns im Nachhinein begründet, dass die maximale Anzahl der Personen erreicht war und wir deshalb auf das andere Boot sollten. Komisch, dass aber noch mindestens 5 Stühle leer standen. Als dann noch ein Briefumschlag „Tip for the guide (only western people!)“ herumgereicht wurde, lachten wir und ließen ihn zurückgehen.

Wieder im Hotel angekommen, sprachen wir mit dem Angestellten, der uns die Tagestour verkauft hatte, was die bessere Qualität unserer Reise war. Er beteuerte, dass er die Reisegesellschaft angerufen hat und ihnen gesagt hat, dass wir die vordersten Plätze im Bus bekommen sollten und wir extra viel Essen bekommen sollten (nur nebenbei: Es war ein Büffet!). Aber er zahlte uns anständig umgerechnet $5 zurück.

Wir kamen mit dem Nachtbus aus Nha Trang gegen 7 Uhr in Hoi An an. Nachdem die Adresse, die man uns gegeben hatte nicht stimmte, mussten wir ca. 1,5 km zum Hostel laufen. Aber was macht man nicht alles für eine gute Figur. Kaum waren wir angekommen, gingen wir zum Frühstück über, bezogen unser Zimmer und liefen danach durch die Stadt. Für die historischen Bauten (über 200 Jahre alt) muss man Eintritt zahlen. Dazu kauft man ein Ticket für 90.000 Dong und kann dann 5 Denkmäler der 16 möglichen besichtigen. Unsere Erfahrung war – das Geld für das Ticket lieber in ein gutes Essen investieren, denn wir haben nicht ein Gebäude entdeckt, was wirlich lohnenswert gewesen wäre.

Und wenn man doch hineingeht, läuft es immer nach dem gleichen Prinzip ab: Man wird kurz über die Historie des Hauses unterrichtet, darf sich eine Runde umsehen und bei den zahlreichen Ständen die sich im Haus befinden, sein Geld ausgeben. Zum Abschluss erfährt man noch, wie hoch das Wasser in den Vorjahren im Haus gestanden hat (stellenweise ca. 2 Meter hoch!) und dann war’s das auch schon wieder. So bummelten wir unsere 5 Gebäude ab, mit dem Gefühl, dass es nicht hätte sein müssen, denn die Innenstadt überzeugt auch so. Ich habe es liebevoll als vietnamesische Bamberg bezeichnet, denn die alten Häuser, die sich direkt an einem kleinen Fluss befinden, haben mich an meine fränkische Heimat erinnert.

Den nächsten Morgen mussten wir wieder etwas zeitiger aus den Betten, denn um 8 Uhr sollte der Bus uns nach My Son (sprich: Mi san, nicht wie im Englischen!) bringen. Der Bus kam um 9 Uhr und es war schon sehr warm, obwohl es bewölkt war. Der Guide im Bus klärte und auf – wenn schönes Wetter ist, werden in My Son durchaus 41-42°C. Davon blieben wir zum Glück verschont. Die alten Tempel von My Son waren enttäuschend. Nach Ayutthaya (Thailand), Bagan (Myanmar) und nicht zuletzt Angkor Wat (Kambodscha) waren die kleinen Tempel nicht gerade überragend, auch wenn sie wahrscheinlich die Ältesten waren und geschichtlich (Bombardierung von den Amerikanern) leiden mussten.

Ein Ereignis zog sich durch unseren Aufenthalt in Hoi An wie ein roter Faden durch ein Buch. Hoi An hat eine gute Reputation in Sachen maßgeschneiderte Kleidung. Deswegen machte sich Kriszta auf den Weg und fand zwei Schnitte für Kleider sehr schön und nach etwas feilschen hatten wir uns auf $40 geeinigt. Früh bestellt, sollten die Kleider am Abend fertig sein. Als wir gegen 17 Uhr wiederkamen, probierten sie die Kleider – eins passte auf Anhieb, das zweite benötigte noch einige Änderungen. Gegen 20 Uhr waren wir wieder da und das Kleid wollte immer noch nicht, im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Schon leicht genervt ließen wir uns auf den nächsten Tag vertrösten. Da wir in My Son waren, wurde es erst Nachmittag und das Kleid, dessen oberer Teil mittlerweile komplett neu gemacht werden musste, passte immer noch nicht wie das Probekleid, was übrigens Kriszta perfekt passte, aber farblich nicht so gut harmonierte. Das war die Stelle, mir der Kragen platzte. Sowas passiert sehr selten und dann wird es auch sehr heftig. Denn es hieß wieder: Am Abend wiederkommen, wir müssen nur noch ein paar kleine Änderungen machen. Ich wies sie auf andere Mängel des Kleides hin und wollte eine andere Lösung, als das Kleid zum 4. Mal auftrennen und wieder zusammennähen (bekommt Seide nicht so gut). Naja ein Versuch wäre es noch wert, war es aber nicht, wie wir 20 Uhr feststellen mussten. Also ging der Anschiss (man kann es nicht anders nennen) in die zweite Runde, denn sie wollten wieder nur einige kleine Änderungen machen und ansonsten würde es ja perfekt sein. Ich tobte und wir nahmen das Kleid so mit, wie es war, mit einem Nachlass von $13, d.h. in Summe haben wir für zwei maßgeschneiderte Kleider (eins Seide, eins Baumwolle) $27 hingelegt.

Uns wurde noch in Ho Chi Minh Stadt (Saigon) erzählt, es wäre unmöglich von Mui Ne ohne Pause nach Hoi An zu kommen. Man muss auf jeden Fall einen Tag Pause in Nha Trang machen. Wie wir im Sleeping Bus erfuhren, war es doch möglich und wir wieder um eine Erfahrung reicher.

Nha Trang ist jetzt nicht unbedingt das Ziel was wir auserkoren haben. Ein riesiger Strand mit grobem Sand, blauem Meer, vielen Menschen und gleich dahinter die vierspurige Straße. Wenn man vom Hotel aus zum Strand will, muss man sich also auf jeden Fall ins Verkehrgetümmel einer 160.000-Einwohner-Stadt stürzen. Nicht unbedingt die Erfahrung auf die man in seinem Strandurlaub zurückgreifen möchte. Wir verbrachten den Tag größtenteils damit, im Internet zu surfen, den WiFi ist in Vietnam in vielen Restaurants zu finden. Am Nachmittag gingen wir dann mal für eine Stunde an den Strand, denn sonst war es einfach unerträglich heiß in der Sonne und selbst im Schatten war es noch viel zu warm.

Mit dem Morgenbus kamen wir gegen 14 Uhr in Mui Ne an. Das Hostel, was wir anvisiert hatten, war schon voll belegt und so mussten wir uns umschauen. Kriszta suchte und ich wartete in der Zwischenzeit beim Gepäck. Wir kamen im Hiep Hoa Resort unter, was wirklich von Lage und Aussicht traumhaft war. Am Nachmittag liefen wir den Strand auf und ab, beobachteten Dutzende von Kite-Surfern und ich sprang auch mal kurz ins Meer.

Am Abend gab es ein erschütterndes Ereignis. Wir saßen jeden Abend in einem Restaurant, wo es frischen gegrillten Fisch und anderes Leckereien gab, die erstklassig (auch für westliches Verständnis) zubereitet und serviert wurden. Von dort aus konnten wir einen SUV stehen sehen, der mit aktivierter Warnblinkanlage schon seit längerer Zeit am Straßenrand parkte. Als wir das Restaurant verließen, gab es auf einmal ein dumpfes Krachen und wir sahen, wie ein regungsloser Oberkörper über dem Lenker des Motorrollers hing, der hinten auf den Wagen aufgefahren war. Der Fahrer des SUV stieg aus, war einen Moment entsetzt, sprach den Motorrollerfahrer an, der aber nicht reagiert. Dann griff er zum Handy und telefonierte. Anschließend haben ein paar Leute, die sich inzwischen am Unfallort eingefunden hatten, den Mann vom Motorrad, er blutete am Kopf.

Ich war von dem Ereignis gleichzeitig erschüttert und wütend. Auf der einen Seite fragte ich mich, wie man in ein parkendes Auto fahren kann, welches das Licht und Warnblinkanlage angeschaltet hat?! Wie kann man diese Nussschalen, die sie als Helme tragen, überhaupt zulassen? Den nächsten Tag unterhielten wir uns mit einem Pärchen, dass wir auf der Busfahrt kennen gelernt haben (es macht auch in 8,5 Monaten um die Welt). Sie hatten auch den Unfall mitbekommen und sagten, dass es täglich in Vietnam 50 Verkehrstote gibt. Das ist bei einem Anteil wie z.B. in Saigon, wo es 9 Millionen Einwohner mit 5 Millionen Motorrädern gibt, wenig, aber auf das gesamte Jahr hochgerechnet immer noch eine sehr hohe Zahl.

Für den nächsten Nachmittag hatten wir eine Jeeptour gebucht, bis dahin lagen wir am Strand, lasen und sonnten uns. Unsere Tour am Nachmittag führte uns zu den Fairy Floats, einem kleinen Bach, der von roter Erde und grauen Kalkgebilden gesäumt wird. Danach ging es zu den roten und weißen Sanddünen, wobei die weißen Sanddünen noch am schönsten waren, weil es weniger überlaufen war. Auch wenn es etwas unangenehm war, durch den Sand zu laufen, weil der Wind den Sand aufwirbelte und der gegen die Beine prasselte.

Nachdem wir jetzt etliche Nächte nicht richtig ausschlafen konnten, war letzte Nacht die erste seit langem, wo wir nicht mitten in der Nacht aufstehen mussten. Unser Ein-Tages-Trip zum Mekong-Delta begann früh um 8 Uhr gleich um die Ecke. Wir fuhren noch ein paar Runden, bis wir alle Passagiere eingeladen hatten und dann ging es los.

Ursprünglich hatten wir uns gewünscht, dass wir etwas vom Mekong-Delta sehen, statt dessen bekamen wir asiatisches Unterhaltungsprogramm. Auf der Hinfahrt wurden wir mit der Biografie von Ho Chi Minh unterhalten und nachdem wir auf eine Insel übergesetzt hatten, besuchten wir eine Honigfabrik, eine Kokusnuss-Süßigkeiten-Fabrik und durften uns eine Runde mit dem Fahrrad verfahren. Mit dem Wetter hatten wir halbwegs Glück, denn als wir gerade bei der Honigfabrik einen Tee tranken, ging ein heftiger Monsunschauer nieder.

Wer Forest Gump gesehen hat und sich an seine Erzählung über den Monsunregen erinnert („Wir hatten Regen von oben, Regen von der Seite, Regen von vorn und manchmal auch Regen von unten“), wird nachfühlen können, wie es uns hier geht. Den größten Teil des Tages ist es schon sonnig / wolkig, aber wenn sich dunkle Wolken am Horizont zeigen, muss man sehr rasch einkehren, sonst erwischt es einen, wie uns am Tag der Ankunft in Saigon, wo wir samt Rucksäcken auf der Straße unter einem Vordach standen und trotzdem innerhalb von einer Minute klatschnass waren, weil der Wind keine Gnade kennt.

Highlight unserer Tour war für mich die Ruderbootfahrt auf einem kleinen Kanal, umgeben von Kokosnusspalmen. Der Regen hatte gerade aufgehört, es tropfte noch etwas, aber alles ging sehr schnell und man kam garnicht so recht zum genießen, weil der Ufer nur so an einem vorbei rauschte.