Um von Huaraz nach Quito zu kommen, mussten wir den Zwischenstop in Trujillo machen. Unsere favorisierte Busgesellschaft Cruz del Sur fährt nicht auf dieser Strecke, also mussten wir auf Movil Tours zurückgreifen. Diesmal wählten wir die untere Etage, um die schwungvollen Kurven nicht so zu spüren. War auch gut so. Wir kamen früh um 6 Uhr in Trujillo an, ließen uns zum Hostel bringen und liefen dann in die Innenstadt. Es war noch nichts los, es war schwer ein gescheites Frühstück zu finden. Lomo Saltado (gebratenes Fleisch mit Pommes und Zwiebeln) wäre schnell zur Hand gewesen, aber nach einem Frühstück mit Brötchen mussten wir lange Ausschau halten. Den Rest des Tages schauten wir einer Demonstration zu, liefen durch die Stadt und kauften Vorräte für die Fahrt ein.

Am zweiten Tag hatten wir eine Tour organisiert, die uns zuerst zu Huaca de la Luna brachte. War ganz interessant, es erinnerte mich ein bißchen an Ägypten. Wir hatten nichts mitgenommen und mussten spätestens zum Mittag feststellen, dass wir kein Geld mehr hatten und auch keine Karte mitgenommen hatten. Also musste das Mittagessen sehr sparsam ausfallen. Am Nachmittag fuhren wir noch nach Chan Chan, eine riesige Anlage (25km²). Unser Guide sprach zwar nur Spanisch, aber trotzdem konnte ich die eine oder andere wissenwerte Information erhaschen. Im Anschluss fuhren wir noch nach Huanchaco an den Strand. Das hätten wir uns völlig schenken können, denn es ist mehr Müllhalde als Strand. Absolut nicht sehenswert und nur wegen dem Bild mit den Strohbooten lohnt sich der Aufwand nicht.

Ice Climbing

Über eine lange holprige Straße kämpfte sich unser Taxi bis zur Laguna Llaca. Von dort aus mussten wir ein Stück zu Fuß gehen. Es ging über Geröll und große Steine, schon eine gewaltige Anstrengung vorwärts zu kommen, wenn man bedenkt, dass wir uns auf über 4.400 Metern bewegen. Unser Guide ging schon vor und bereitete die Ausrüstung vor, während unser Taxifahrer uns begleitete.

Etwas enttäuscht waren wir schon, als wir am Gletscher ankamen. Auf den Bildern in der Agentur war ein strahlend weißer Gletscher zu sehen und wir bekamen einen Schutt und Dreck zugestaubten grauen Gletscher. Nach anfänglicher Enttäuschung gab uns unser Guide Rafael eine kurze Einweisung, wie man den Gletscher emporsteigt. Entweder Fuß/Fuß, Arm/Arm oder Fuß/Arm, Fuß/Arm. Drei Punkte müssten immer fest an der Eiswand sein, sonst kann es schiefgehen. Wir waren natürlich mit Sicherungsseil gesichert.

Kriszta machte den Anfang und kämpfte sich die ca. 10 Meter nach oben. Von unten sieht alles ganz einfach aus, aber wenn man einmal in der Wand hängt (man beachte auch die Höhe!), wird alles schwer. Ich habe es nicht gedacht, aber nach 2/3 des Weges machten meine Arme langsam schlapp und die Eispickel wollten nicht mehr greifen. Mit Mühe und Not zog ich mich die letzten 2 Meter hoch. Mein Herz raste und meine Lunge hatte liebe Not genügend Sauerstoff zu liefern. Das Abseilen ging dafür viel einfacher. Einfach nach hinten lehnen und abwärts laufen. Ich habe schon gehört, dass manche davor Angst haben, aber mich hat es kaum gestört, unser Guide sicherte uns gut.

Laguna 69

Statt schön lange zu schlafen nach so einer anstrengenden Tour, ging es gleich am nächsten Morgen wieder früh raus, Richtung Laguna 69. Wir fuhren 6 Uhr los, machten noch einen viel zu langen Frühstücksstop unterwegs und dann holperten wir wieder auf einem Feldweg für weitere 2 Stunden. Kaum dass wir ausgestiegen waren, ging die Diskussion los – wie lange haben wir Zeit? Uns wäre es Recht, wenn wir gegen 16 Uhr wieder zurückfahren (da wir ja den Nachtbus bekommen mussten), anderen wurden 7 Stunden Wanderung versprochen, d.h. gegen 17.30 Uhr. Unser Fahrer meinte: Allerspätestens 16 Uhr rollt der Bus wieder los.

Am Anfang gingen wir noch als Gruppe, später löste es sich mehr und mehr auf, da alle ein unterschiedliches Tempo liefen. Die Landschaft war überwältigend und das Wetter zeigte sich von seiner leicht diesigen Seite. Ziel der Wanderung war die Laguna 69, die auf 4.600m liegt. Der Startpunkt war auf 4.000m und ungefähr 9km vom Ziel entfernt. Am Anfang lief es für noch gut, es war nur ein leichter Anstieg. Später schleppten wir uns die Serpentinen eines Berges hoch. Als wir oben waren, wartete ein kleiner See und wieder ein Stück Ebene. Die letzten 200 Höhenmeter waren die Schwersten, aber die Motivation war groß, denn das Ziel war nahe.

Oben angekommen, ruhten wir uns aus, nahmen einen kleinen Snack zu uns und machten jede Menge Bilder. Dann hieß es aber schon langsam Zeit umzukehren. Nachdem wir 3 Stunden für den Weg aufwärts benötigt hatten, liefen wir ganz entspannt in 2 Stunden wieder zurück zu Minibus. Wir rechneten mit 3 Stunden Rückfahrt, d.h. wir wären rechtzeitig wieder da. Aber es wurde 17 Uhr, 17.30 Uhr… und dann kamen die anderen. Wir waren so nervös, dass wir schon die ganze Zeit auf den Fahrer einredeten, der uns beruhigte – wir schaffen den Bus. Uns genau so kam es auch. Wir schafften die Punktlandung und konnten ganz entspannt in den Bus einsteigen.

Mir ging die ganze Zeit durch den Kopf, warum der See „Laguna 69“ heißt. Nach einiger Suche fand ich die Lösung, die ich schon vermutet hatte. Beim Kartografieren, nummerierten die Forscher die Seen durch. Später fügten sie die einheimischen Namen hinzu – nur Laguna 69 hatte noch keinen. Also wurde die Bevölkerung aufgerufen, einen Namen für den See zu finden. Also blieb es bei Laguna 69…

Wieviele Katastrophen kann man in einem Tag unterbringen? Es fing damit an, dass wir halb 7 Uhr morgens aufstanden und fix unseren Flugstatus prüften. skyscanner.de meinte plötzlich, dass unser Flug 8.30 Uhr geht. Endlich ein Grund zur Panik! Schnell angezogen, zusammengepackt und ab ins Taxi zum Flughafen. Natürlich hatte sich am Flugplan nichts geändert, der Flug ging nach wie vor 10.15 Uhr. Na Danke! Also machten wir uns bei Subway gemütlich (die haben eine Ledercouch zum Lümmeln) und warteten…

Der Flug verlief unspektakulär und wir fuhren gleich mit dem Taxi zur Busgesellschaft Cruz del Sur. Dort hatten wir WiFi und surften, bis es Zeit wurde, in den Bus zu steigen. Und der Nachmittag der bleichen Gesichter begann. Von 3.700 Meter kurvten wir Serpentinen bis auf 2.000 Meter hinunter, um dann wieder hinaufzufahren usw. Kriszta flüsterte mit einer Plastiktüte und ich musste mich streng zusammenreißen, denn der Fahrer hielt Bremsen für eine Art Charakterschwäche und donnerte den Bus mit vollem Schwung in die Kehren. Wir hatten auch zwei Kleinkinder an Bord, der bei jeder Kurve anfingen, unheilvoll zu wimmern, was die Gesamtsituation noch verschlimmerte.

Zu allem Unglück hatten wir noch eine Ultrazicke vor uns, die sich bei der Stewardess beschwerte, dass sie ihren Sitz nicht voll nach hinten klappen kann, weil meine Beine im Weg waren. Ihrer Meinung nach hätte ich mich umsetzen müssen. Das sie ganz am Anfang unser Gepäck aus dem Gepäckfach über sich ausräumte, weil sie der Meinung war, das Fach gehöre ihr, verschweige ich lieber. Laut Aussage des Cruz del Sur-Büros hätten wir gegen 8 – 8.30 Uhr in Nazca ankommen müssen. In Realität waren wir um 5 Uhr da und schauten dumm aus der Wäsche.

Nach einer Weile hatte sich mein Körper wieder beruhigt und wir verdrückten das Frühstück, dass wir noch im Bus hätten bekommen sollen. Wir schauten ein wenig fern und beruhigten uns wieder. Gegen 8 Uhr verließen wir den Busbahnhof. Wir fanden das nette Reisebüro Alegria, was uns gut wegen der Linien beriet. Frauen können schon ganz schön verführerisch sein, denn Kriszta jubelte mir die Idee unter, nun doch zu fliegen. Mein schwacher Magen war unentschlossen und ich auch, aber ich ließ mich überreden. Also buchten wir für 100 USD einen Flug bei Alas Peruanas für mich.

Die Reiseagentur schickte uns für die verbleibende Zeit in das gleich nebenan liegende 3-Sterne-Hotel, wo wir am Pool noch etwas entspannen und im Internet surfen konnten. 10 Uhr ging es los, wir wurden zum Flughafen gefahren, mussten wieder mal Flughafengebühr von 25 Soles bezahlen und dann ging es zur Sicherheitskontrolle wie in jedem Flughafen. 11 Uhr summte die Cessna los und brachte mich in luftige Höhe. Das Ruckeln hielt sich in Grenzen, etwas gewöhnungsbedürftig waren die Steilkurven, die für die Fotos geflogen wurden.

Zwischendurch hatte ich immer wieder Freudentränen in den Augen, denn ich habe schon immer davon geträumt, hier zu sein und die Linien zu sehen. Nach einer halben Stunde hatte mich meine Kriszta wieder und ich bekam noch ein Zertifikat, dass ich den Flug erfolgreich absolviert habe und für den Rest des Tages hatte ich ein breites Freudenstrahlen im Gesicht…

Nach der kleinen Überschwemmung, die im Zimmer von Franzi und André ausgebrochen war, schafften wir es trotzdem pünktlich zum Bus von Cuzco nach Puno. Wir hatten eine Fahrt mit mehreren Stops an „interessanten“ Orten gebucht. Tatsache war, dass es wieder Orte waren, die wie alle bisher gesehenen aussahen. Einzig interessant war noch die Inkastätte Raqchi, wo unser Guide aus dem Bus uns mit interessanten Fakten zum Thema Erdbebensicherheit und Wasserfestigkeit der Inkagebäude informierte. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Puno, welches sich schon auf den ersten Blick als hässliche Stadt entpuppte.

Wir hatten zwei Zimmer in San Antionio Suite gebucht und hatten auch noch das Glück, dass wir vom Busbahnhof abgeholt und zum Hotel gefahren wurden. Wir liefen am Abend noch etwas durch die Stadt, es war ein großer Umzug zum Jahrestag der Universität im Gange. Aber es war kalt und wir hielten es nicht lange aus. Wir buchten noch eine Inseltour für den nächsten Morgen und gingen dann schlafen.

Seit wir auf über 3.500 Metern übernachten, haben wir Probleme mit dem Durchschlafen. Mitten in der Nacht wachen wir auf und sind putzmunter. Es fällt unwahrscheinlich schwer, wieder einzuschlafen und wenn, dann ist man am nächsten Morgen gerädert. Zu alledem kommt noch, dass ich mir beim Machu Picchu eine kleine Erkältung zugezogen habe, die mich zusätzlich schwächt.

Am nächsten Morgen beginnt unsere Tour auf dem Titikakasee. Wir fahren ca. eine halbe Stunde, bis wir Uro – die schwimmenden Inseln – erreichen. Wir werden mit einem freundlichen „Kamisaraki“ begrüßt, was auf Aymara „Wie geht’s“ bedeutet. Die passende Antwort bekommen wir schon im Vorfeld gelehrt – „Hualiki!“ Mit gemischten Gefühlen hören wir uns an, wie die Inseln aufgebaut sind, welche Bedeutung die Kleidung hat und wie gejagt wird. Wohl wissend, dass dieser Ort ausschließlich so existiert, weil Touristen ihn besuchen und nur deshalb die Tradition erhalten bleibt.

Nach einer weiteren Fahrt von 2,5 Stunden erreichen wir Taquile. Wir quälen uns den Berg hinauf, um bei einem spektakulären Blick auf den Titikakasee unser Mittagessen einzunehmen und anschließenden auf der anderen Seite der Insel wieder hinabzusteigen und eine 3-stündige Rückfahrt anzutreten.

Unser Weg nach Cusco wurde wieder von unserer bevorzugten Busgesellschaft Cruz del Sur durchgeführt. Diesmal hatten wir Glück und erwischten einen schwulen Steward, der nach dem Bingo (es gab eine Busreise zu gewinnen) ein Lied in Quechua, „Stand by me“ und „Do you really want to hurt me“ zum besten gab. Nur die nächtlichen Temperaturwechsel machten die Nacht etwas weniger angenehm (erst eiskalt, dann sehr warm). So kamen wir etwas übernächtigt früh im Hostel „La Casa de mi Abuelo“ an. Wir frühstückten und machten einen ersten Stadtrundgang. Gegen Mittag konnten wir unsere Zimmer beziehen, nur stellte sich heraus, dass die vorherigen Zimmerbewohner die Zimmerschlüssel mitgenommen hatten und die Schlüssel am Flughafen sichergestellt wurden. Es dauerte jedoch bis zum späten Abend, bis wir die Schlüssel in Empfang nehmen konnten. Bis dahin standen unsere Zimmer mit all unseren Sachen offen.

Wir hatten die Tage zuvor schon immer ein kritisches Auge auf die Karten zum Machu Picchu geworfen. Inzwischen kannten wir auch die Internetadresse, mit der man prüfen kann, wieviele Karten für den jeweiligen Tag noch zu Verfügung standen. Da die Saison bis Ende August geht, standen unsere Chancen gut und so zeigte sich das Bild im Onlineverkauf. Als wir am Morgen unserer Ankunft im Kulturbüro standen (es war Sonntag), hieß es: 1. es gibt vor Freitag keine Karten und 2. selbst wenn, wir haben heute geschlossen. Man stelle sich eine weltweite Sehenwürdigkeit vor, für die man am Sonntag keine Karten kaufen kann. Etwas sauer gingen wir ins Stadtzentrum von Cusco und fragten in einem der vielen Reisebüros nach. Ich hatte schon vermutet, dass die Reisegesellschaften Kontingente auf die Karten haben und so war es auch. Wir konnten Karten für Mittwoch ergattern, inklusive Besichtigung des Huayna Picchu, für den es nur 400 Karten täglich gibt. Wir organisierten noch die Zugfahrt nach Aquas Calientes, dass mittlerweile unter dem Namen Machu Picchu Town vermarktet wird. Beim Kauf stellten wir schnell fest, dass allein der Name „Machu Picchu“ den Preis ordentlich nach oben treibt. Das Ticket für Machu Picchu: 160 Soles (=40 Euro) und die Zugfahrt von Ollantaytambo nach Aquas Calientes und dann zurück nach Poroy schlug mit 80 Dollar zu Buche. Am Abend konnten wir uns wieder ein bißchen mit dem Hostel rumärgern, denn es gab bei uns im Zimmer kein warmes Wasser und auch das Internet wollte nicht.

So hatten wir einen freien Tag, an dem wir die Stadt und ihre Inkamauern besichtigten, die peruanische Fast-Food-Kette Bembos kennenlernten und ein bißchen unsere schmerzenden Waden vom Colca Canyon ausruhen konnten. Am Dienstag nahmen wir eine Tour, die von Cusco über die Inkastätte Pisac nach Ollantaytambo führte. Wir ließen uns dort absetzen und nahmen den Abendzug nach Aquas Calientes, wo wir zeitig ins Bett gingen, denn der nächste Tag sollte früh beginnen.

Der Wecker klingelte um 4.40 Uhr. Wir standen auf, gingen frühstücken und liefen zum Bus, der uns zu Machu Picchu bringen sollte. Vor uns war schon eine riesige Schlange, die auf den Start der Busse um 5.30 Uhr wartete. Wer den ersten Bus erwischen will, wird schon um diese Uhrzeit von Straßenverkäufern gut versorgt. Wir erwischten den 6. Bus und schon ging es die engen Serpentinen hoch. Noch einmal anstehen für den Eintritt und schon ist man auf dem Gelände. Man muss sich vor Eintritt sehr genau überlegen, ob man auf Toilette möchte, denn auf dem gesamten Gelände gibt es kein Klo!

Auf den Bildern, die man von Machu Picchu findet, sieht man immer wieder Wolken, die an den Bergen hängen bzw. dicht über der Anlage liegen. Das erweckt den Eindruck, dass Machu Picchu besonders hoch liegt. Mit 2.400 Metern ist es zwar höher als Aquas Calientes, aber weitaus tiefer wie Cusco (3.300m). Wir bestaunten noch, wie die Sonne sich am Bergrand zeigte, doch dann mussten wir schon durch die Anlage laufen, um unsere Besteigung des Huayna Picchu zu beginnen. Die erste halbe Stunde fluchte ich wie ein Rohrspatz, denn die Treppen zum Huayna Picchu sind sehr steil und man ist geneigt umzukehren. Aber in der zweiten Hälfte hatte ich den inneren Schweinehund überwunden. Der Ausblick war überwältigend und nach einer kleinen Pause begannen wir den Abstieg. Zu dem Zeitpunkt erkannten wir, dass es eine gute Idee war, schon 7 Uhr hoch zu gehen, denn die Sonne heizte uns ganz schön ein.

Ich hatte im Vorfeld unseres Besuches immer gedacht, dass man den klassischen Ausblick auf Machu Picchu nur durch die Karte zum Huayna Picchu bekommt. Dass dies der Berg im Hintergrund auf dem bekannten Motiv ist, wurde mir nach dem Eintritt erst klar. Und wenn ich schon bei der Erweiterung des Allgemeinwissens bin: Machu Picchu heißt nicht die Anlage, sondern der Berg hinter der Inkastätte. Machu Picchu bedeutet soviel wie „Alter Berg“.

Wir durchquerten die Anlage noch bis 11.30 Uhr, dann war es für mich höchste Zeit, das Gelände zu verlassen und die Toilette aufzusuchen. Wir suchten uns noch ein Restaurant, was uns völlig ungenießbares Essen zu einem überteuerten Preis (Menü für 20 Soles, in Cusco zahlt man 7-10 Soles) anbot und zusätzlich noch Machu-Picchu-Steuern wollte, die wir natürlich nicht zahlten. Mit dem Nachmittagszug ging es dann nach Poroy, denn der Zug fährt aus unerfindlichen Gründen nicht bis Cusco. Von dort aus kann man dann zum Unkostenpreis von 20 Soles mit einem Collectivo (Gruppentaxi) nach Cusco fahren.

Wir entspannten uns den nächsten Tag ein wenig bzw. wagten den schwierig aussehenden, aber in 15 Minuten zu bewältigenden Weg zu Saqsayhuaman (klingt gesprochen wie „sexy woman“), einer weiteren Inkastätte, die mit gewaltigen geschliffenen Mauern zu beeindrucken weiß. Abends schauten wir nochmal bei Bembos vorbei, bezahlten das Hostel und gingen schlafen. Unser Bus nach Puno sollte den nächsten Morgen um 8 Uhr gehen, deshalb wunderten Kriszta und ich uns, als kurz nach 5 Uhr ein lautes Fluchen aus dem Zimmer von Franzi und André kam. Ursache: Das Zimmer stand 2cm unter Wasser und hatte ihre Rucksäcke, Daypacks usw. unter Wasser gesetzt. Natürlich wurde uns seitens des Hostel die Schuld gegeben. Wir packten murrend unsere Sachen und zogen weiter.

oder

Komm Herr Jesus und führe uns!

Nach dem wunderschönen Städtchen Arica ging es nordwärts nach Peru. Das peruanische Gegenstück zu Arica heißt Tacna und ist genauso schön und liebreizend. Wir mussten einige Stunden warten, bis wir den Anschlussbus nach Arequipa nehmen konnten. In der Zwischenzeit ernährten wir uns von Empanadas. Mit „Cruz del Sur“ konnten wir nahezu luxeriös nach Arequipa reisen.

Als wir in Arequipa ankamen, wurden wir von nahezu asiatischen Preisen überrascht. Das Taxi vom Busbahnhof kostete abends 8 Soles (2 Euro) und ein Essen im Schnellrestaurant 4-8 Soles. Wir gönnten und einen Tag Ruhe und suchten uns eine Tour heraus, mit der wir den Colca Canyon besichten konnten. Wir entschieden uns eine 3-Tages-Tour mit Trekking für 185 Soles bei Colonial Tours. Am Abend nahmen wir uns vor, dass wir mal richtig gut Essen gehen und Meerschweinchen (Cuy) probieren. Das Ergebnis war sehr lecker frittiert und schmeckte vorzüglich. Das Fleisch war zwar etwas knapp, aber wie wir später erfuhren, gibt es Meerschweinchen nur an Feiertagen und dann werden genüsslich die Knochen abgelutscht, bis nichts mehr übrig ist.

Den nächsten Morgen starteten wir halb 9 Richtung Chivay. Unser Guide, der am Anfang noch alles sympathisch erklärte, entpuppte sich im Laufe der nächsten Stunden als arroganter Diktator. Er konnte ohne Punkt und Komma reden und beschwerte sich dann, dass niemand darauf reagiert. Und wer 5 Minuten von der Pause zu spät kam, hatte es ohnehin verspielt. Natürlich gehörten auch wir dazu, denn wir nahmen das vorgeschlagene Mittagsbuffett für 20 Soles nicht an und suchten uns einen kleinen Imbiss mit Tagesmenü für 5 Soles (inkl. Suppe, Hauptspeise und Getränk). Den Rest des Tages ruhten wir uns für die bevorstehende Wanderung aus.

Um 5 Uhr klingelte der Wecker am nächsten Morgen. 5.30 Uhr sollte es Frühstück geben, aber mit südamerikanischer Zeitverschiebung wurde 5.45 Uhr daraus. Unser Guide schaute grimmig, als wir nicht 6 Uhr im Bus saßen. Wir machten unterwegs noch etliche Stops, bis wir an dem Punkt angelangten, an dem man die Condore beobachten konnte. Die restlichen Touristen der Tour sollten am gleichen Tag zurückfahren, nur wir 4 machten das Trekking. Wir wurden aus dem Bus gelassen und sollten sofort in den nächsten Minibus steigen, um unsere Wanderung zu starten. Wir beschwerten uns – was war aus der Beobachtung der Condore geworden?

Guide: Wir hätten ja die ganzen Stops vorher nicht machen sollen!
Wir: Konnten wir uns aussuchen, dass wir die Stops machen? Uns hat niemand gefragt, ob wir halten wollen.
Guide: Das ist keine private Tour, wir müssen uns schließlich an einen Plan halten.

Letztlich stiegen wir in den Bus ein und keine Minute später wurden wir wieder rausgelassen, man hatte mit der Agentur telefoniert, wir hätten Zeit für Condorbeobachtung. Zum Glück waren uns die Vögel hold und flogen spektakuläre Präsentationsrunden. Als wir fertig waren, sollte es losgehen. Wir erkundigten uns nach dem Plan – 3 Stunden Wanderung, Mittagspause und wieder 3-4 Stunden Wanderung. Moment mal, wir hatten aber nur eine Wanderung auf dem Plan?! Wieder wurde telefoniert, und im Endeffekt brachte uns der Bus, der uns die letzten 1,5 Tage gefahren hatten allein (!) nach Cabanaconde. Die anderen Touristen werden sich sicherlich gefreut haben, dass ihr Bus plötzlich weg war.

Unser neuer Wanderguide hieß Jesus und brachte uns die nächsten 3 Stunden von Cabanaconde 1.000 Höhenmeter tiefer in den Colca Canyon. Der Weg war steinig, extrem staubig und wir wurden regelmäßig von Eselkolonnen überholt, die noch mehr Staub aufwirbelten. Also von der Wanderung her sehr anstrengend, aber dafür war die Aussicht sensationell. Im Tal angekommen, gab es eine leckere Suppe und Mittagessen. Den Rest des Tages ließen wir die Beine im Swimming Pool baumeln und bereiteten uns seelisch darauf vor, den gleichen Weg wieder nach oben zu nehmen.

Es war stockfinster, als mein Handy mich um 4 Uhr am nächsten Morgen weckte. War das wirklich Jesus‘ Ernst? Der Stromgenerator lief nicht und wir mussten uns mit Hilfe unserer Taschenlampen anziehen und packen. Halb 5 Uhr ging es los und es blieb die erste Stunde weiterhin finster. Erst gegen 6 Uhr ging die Sonne auf. Zum Glück liefen wir im Schatten, aber trotzdem war es schweißtreibend. Zur Belohnung gab es in Cabanaconde ein reichliches Frühstück mit Rührei, Brötchen und Marmelade. Die Heimfahrt wurde noch interessant, denn wir hielten an den gleichen Punkten, wie 2 Tage zuvor. Wir fragten, ob wir nicht direkt zurück nach Arequipa fahren konnten? Nach etlichen Telefonaten wurden wir in Chivay in einen anderen Bus umgeladen, aber nicht ohne zuvor nochmal bei „Rosy“ für 5 Soles das Mittagsmenü zu genießen.