Das Land

Namibia wird ja als Afrikas Vorzeigeland in Sachen Demokratie bezeichnet. Und deshalb funktioniert das auch mit dem Tourismus relativ gut. Wer nach Afrika möchte, für den ist Namibia ein guter Start. Zumal Deutschland und Namibia doch historisch miteinander verknüpft sind. Während damals sich die Seefahrernationen (Spanien, Niederlande usw.) die Welt untereinander aufteilten, verpennte Deutschland und musste das nehmen, was übrig blieb – das trockene Namibia. Das hielt auch nicht lang, denn als Deutschland sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Europa unter den Nagel reißen wollte, musste es feststellen, dass man doch etwas unterlegen war. Trotz alledem ist der deutsche Fußabdruck in Namibia deutlich spürbar. Gerade in Swakopmund sind viele Deutschstämmige oder Auswanderer ansässig und deshalb ist die Beschriftung oft nicht nur in Englisch, sondern auch in Deutsch.

Das Land an sich kann ja mit einigen Sehenswürdigkeiten rühmen, wie z.B. Etosha oder Sossusvlei. Dort wird Tourismus groß geschrieben und das Geschäftsmodell „Weißer Chef, schwarze Angestellte“ ist Normalität. Und damit bin ich schon bei der nächsten Kategorie…

Die Mentalität

Ich schreibe mal nicht „Leute“ als Überschrift hin, denn das würde die Einheimischen bezeichnen, die nichts mit Tourismus zu tun haben. Trotzdem kann man bei so mancher Pause die Leute beobachten und kann es auf den Rest der Bevölkerung hochrechnen. Allgemein gilt das Prinzip „Komm‘ ich nicht heute, komm‘ ich morgen“. Von den Leitern so mancher Camps haben wir zu hören bekommen, dass sie den ganzen Tag selbst nicht zum Arbeiten kommen, weil sie den ganzen Tag beschäftigt sind, den Einheimischen hinterher zu laufen und sie daran zu erinnern, dass sie arbeiten müssen, wenn sie Geld haben wollen.

Und das Geld wollen sie haben. Schließlich bekommt man damit so tolle Dinge wie Handys, mit denen man sich den ganzen Tag beschäftigen kann. Während unserer 5.000km die wir zurück gelegt haben, sahen wir hunderte kleine Hüttendörfer, die aus kleinen Strohhütten bestanden und die rechteckig von in den Boden gesteckten Ästen oder Strohbüschelzäunen begrenzt wurden. Der Hof der Grundstücke war immer sauber und alles was nicht wegzuräumen ging, landete außerhalb der Zäune, wie z.B. Plastiktüten, Flaschen usw. Auf den Höfen saßen die Einheimischen meist unter einem Baum und warteten, dass ein Tag auf den anderen folgt. Und wenn es mal was zu tun gab, war es die Viehherde von einer Straßenseite auf die nächste zu treiben oder bepackt mit Plastikkannen zum nächsten Brunnen zu gehen. Gelegentlich wurden wir auch Zeuge von Nahrungsmittelausgaben, wo eine Art Rat tagte und die Säcke aufteilte. Davon ausgehend strömten meist schmächtige Menschen, die riesige Säcke schulterten und unter der prasselnden Sonne Kilometer weit heim schleppten.

Und immer wieder stach unter den ärmlichen Verhältnissen einer heraus, dem sein Status / Aussehen wichtiger war, als alles andere. Und ein ums andere mal ging mir folgender Text durch den Kopf:

Anne Clark – Abuse

We shall come
with all our wealth
and our vulgarity
into your land
carving deep wounds
in our wake
planting the sharp-edged green seed
of money
deep into your hands
and as you grasp
gasping
you will thank us
as it takes root
growing and entangling itself
around your simple naive lives
it will placate you

we shall come
hard and fast
into your under-developed
un-exploited little world
tearing away the soil
beneath your feet where you stand
scattering the broken gifts it offers up
all around us
digging the foundations of our own image
into the raw core belly of the earth
send spiralling monuments
to our glorious achievements
into the heavy leaden sky

you will watch from the horizon
imprisoned by your own pleasures
bound by the material chains
we will supply
and when we have turned
one side of the world’s face
from the sun into the blackness
the other will then burn
under the slap of our greed.

Tourismus

Betrachten wir mal die zwei Seiten des Tourismus – die Besucher und die Gastgeber. Die Besucher lassen sich auch nochmal klassifizieren: Camper, Overlander und Luxustouristen. Natürlich sind die Grenzen dazwischen nicht fest. Es gibt auch Camper, die trotz Dachzelt und Campingausrüstung von Lodge zu Lodge ziehen. Aber meistens lassen sich die Camper in der Nähe einer Sehenswürdigkeit nieder, bringen alles mit und deshalb kann man mit denen auch nicht so richtig Geld verdienen. Da sie sich auch noch selbstständig bewegen können, buchen sie auch eher selten Touren. Da sind die Overlander schon besser – sie werden mit Bussen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit geschleppt. Zwar haben sie die ganzen Touren schon in ihrem Paket gebucht, aber da die Overlander am Abend ordentlich Party machen, kann man wenigstens mit Getränken gut an denen verdienen. Natürlich hätte man am liebsten die Luxustouristen. Die haben im Voraus für viele Tausend Euro ihre Reise gebucht, lassen sich ihre Riesenkoffer nachtragen und werden den ganzen Tag mit einem klimatisierten Bus durch die Landschaft geschaukelt. Und abends setzt man sich parfürmiert und piekfein an den Tisch und tauscht beim 5-Gänge-Menü die hochaufgelösten Aufnahmen des Tages aus und freuen sich, wenn die Angestellten ihnen was vortanzen oder vorsingen. Denen kann man dann auch den Stop am Straßenrand bei einem der vielen Shops mit „Lernen Sie Mitglieder des Stammes der <Name eines der vielen Stämme> kennen und unterstützen Sie die Einwohner“ verkaufen.

Da auch viele Gastgeber deutsch sprechen, kamen wir öfters ins Gespräch und fragten nach den Löhnen der Angestellten. Meistens wich man uns aus, dass es doch unterschiedlich ist, je nachdem, ob es ein Buschmann ist usw. Zumindest haben wir erfahren, dass ein ausgebildeter Maurer einen Stundenlohn von 30 N$ (das sind ca. 2,30 Euro) bekommt, die restlichen sind nur für Handlangertätigkeiten gut und werden pauschal bezahlt (was wahrscheinlich weit darunter liegen dürfte). Und schon drängt sich die Frage auf: Warum kostet dann eine Nacht umgerechnet 100 Euro? Personalkosten kann man jetzt wohl aussschließen. Die Lebensmittelkosten dürften es ja nicht sein, die sind in etwa vergleichbar mit Deutschland. Und damit sich der Tourist nicht das gleiche fragt, gibt man ihm das Gefühl von Luxus. Zum Beispiel mit einem Pool. Auch wenn es im Umkreis von 50km kein sichtbares Gewässer gibt, wird zur Belustigung das Grundwasser hochgepumpt. Damit wird dem Touristen ein Gefühl eines angemessenen Preis-Leistungsverhältnisses gegeben, auch wenn es ökologisch eine Milchmädchenrechnung ist. Denn wenn der Grundwasserspiegel weiter sinkt, bekommen die Bäume kein Wasser mehr. Wo keine Bäume, da keine Tiere und wo es nichts zu sehen gibt, fährt kein Tourist hin.

Ameib

Nach Etosha verlassen wir die Tierwelt und fahren erst in Richtung Küste, um dann in der Nähe der Küste südwärts zu fahren. Die erste Nacht verbringen wir in der Nähe von Twyfelfontein. Leider haben wir nichts gebucht und müssen 3 Campingplätze anfahren, bis wir was freies finden. Mittlerweile haben wir die Asphaltstraße dauerhaft mit der Schotterpiste getauscht. Es poltert und staubt den ganzen Tag. Twyfelfontein war mit seinen Felsmalereien nicht so weltbewegend, gerade wenn man schon einige Monate zuvor den Newspaper Rock in den USA gesehen hat. Am nächsten Tag sehen wir den Brandberg, aber es ist sehr dunstig. Die Nacht verbringen wir in Ameib im Erongogebiet. Dort gibt es endlich mal etwas, wo wir uns bewegen können, also gehen wir zur Phillip’s Cave und besuchen den Elephant Head und die Bulls Party. Auch der Zeltplatz ist ein richtiger Traum. Abgelegen, ruhig und sehr gepflegt.

Auf dem Zeltplatz treffen wir ein deutsch-namibisches Ehepaar, dass immer wieder erzählt, wie furchtbar neblig Swakopmund ist und dass man dort nicht Rad fahren kann. Den folgenden Tag sind wir mittags in Swakopmund – es ist neblig. Als wir weiter zu den Flamingos nach Walvis Bay fahren, reißt es auf und die Sonne kommt raus. In Swakopmund wollen wir unbedingt Fisch essen. Im Fish Deli holen wir uns Fish & Chips und fahren zurück ans Meer und essen wohl das beste Essen unserer Reise (Denken wir!). Da es hier doch empfindlich kalt werden kann, sind unsere Übernachtungen in Swakopmund im Guesthouse in richtigen Betten. Nach dem Check-In laufen wir in die Stadt, kaufen Biltong (getrocknetes Fleisch) und abends können wir nicht anders, als wieder bei Fish Deli Sushi (In Worten: Sushi in Namibia!) zu essen. Köstlich. Auf dem Weg dahin entdecken wir Schuhe aus Kudu-Leder, die uns beiden sehr gefallen.

Gecko in der Namib

Die Inhaber des Guesthouses sind deutsche Auswanderer und wahnsinnig nett. Sie servieren uns ein Frühstück mit allem drum und dran. Um 8 Uhr werden wir dann zu unserer Tour zu den „Little Five“ abgeholt. Uns wird anschaulich erklärt, wie die Nahrungskette in der Wüste funktioniert, wie man als kleines Krabbeltier überlebt und wer wen frisst und wie er sich dabei versteckt. Als wir mittags zurück von der Tour sind, gibt es wieder – wie zu erwarten – Fish & Chips. Nur ich entscheide mich für Calamari, die noch besser wie der Fisch sind, denn so saftige Tintenfischringe habe ich noch nie gegessen. Nachdem wir den Tag zuvor die schönen Schuhe gesehen haben, machen wir uns im Internet schlau – ab zum Werksverkauf. Statt die Schuhe für ca. 50 Euro im Laden zu holen, gibt es sie für 30 Euro ab Werk. Handarbeit und echtes Wildleder und dazu noch sehr sehr bequem.

Den nächsten Morgen fahren wir zeitig los, lassen das Frühstück ausfallen und holen nur ein paar Teilchen beim Bäcker. Es folgt die berüchtigste Strecke – die C14. Angeblich soll die Schotterpiste kurz nach dem Planieren wieder ruiniert sein – ein Auto- und Reifenkiller. Wenn man die Runde entgegengesetzt fährt, wie wir sie gefahren sind, mag man das wohl denken, aber nach den letzten Tagen bin ich doch ziemlich zufrieden und muss mich an manchen Stellen bremsen nicht schneller als 80 zu werden. Aber trotzdem ist es eine Schotterpiste und das Holpern macht müde und strengt an. Belohnt werde ich mit einem Halt bei Moose McGregors Desert Backery in Solitaire. Hier gibt es Apfelstrudel und Kaffee. Der Apfelstrudel ist so gut und berühmt, dass mich mein Chef (der schon mehrmals in Namibia war) fragte, ob ich ihn gegessen hab.

die Namib

Wir fahren wieder ein Stück zurück und biegen ins Tsondab Valley ab. Als wir ankommen, müssen wir feststellen, dass wir die einzigen Gäste sind. Uns wird als Wanderung der Aufstieg auf den Hausberg empfohlen, wo man einen schönen Überblick über die endlose Weite hat. Als wir wieder abgestiegen sind, unterhalten wir uns mit dem Besitzer über seine Lodge und geben den Tipp, doch ein Schild an der Straße anzubringen, dass auf die schöne Gegend hinweist. Zu unserem Erstaunen bekommen wir zu hören, dass er keine Gäste will, die nur eine Nacht bleiben, schließlich wäre das hier keine Übernachtungsstelle, sondern ein Produkt. Er würde ja genügend Aktivitäten anbieten, dass man locker zwei Nächte oder mehr dableiben könnte. Nach dem Gespräch machen wir eine kleine Hochrechnung und kalkulieren, wieviel zwei Nächte für eine vierköpfige Familie inklusive Ausflüge kosten würde und können seine Einstellung nicht ganz nachvollziehen, denn umgerechnet 100 Euro pro Person pro Nacht, wenn man zwei Fahrstunden von einem der größten Highlights Namibias entfernt ist, bringt garantiert nicht mehr Leute her. Auch als wir die Zielgruppe für das Produkt überlegen, werden wir nicht schlüssig, denn ein deutscher Tourist hat nicht genügend Zeit zwei Tage in der Pampa zu hocken und die Südafrikaner werden wohl keinen gesteigerten Wert drauf legen, ein Abendessen einzunehmen und dabei Geschichten zu hören „von einem der hier aufgewachsen ist“. So wird das Produkt zum Running Gag des Abends.

Sonnenuntergang am Produkt

Da wir wie gesagt nur zwei Stunden von Sossusvlei entfernt sind, lassen wir uns am Morgen Zeit und schauen dem Treiben auf dem Produkt zu und diskutieren weiter darüber. Es ist kühl geworden und so wie wir erfahren, handelt es sich um den letzten Einbruch winterlicher Kälte. Es fällt uns schwer uns richtig wohl zu fühlen, als wir den Campingplatz von Sossusvlei erreichen. Der Ostwind bläst hartnäckig und kalt. Zum Glück ist der Weg vom Campingplatz zu den Dünen asphaltiert, aber trotzdem ziehen sich die 60km endlos hin. Da das Licht nicht so besonders auf die Dünen scheint, gehen wir zum Deadvlei – ziemlich atemberaubend. Nur dass ein Timelapse-Team sich mitten im besten Bild platziert hat und dort Däumchen dreht.

Den letzten kompletten Tag beginnen wir sehr früh. Es ist mit 4°C im Zelt eiskalt, als wir 5:20 Uhr aufstehen. 20 Minuten später fahren wir los und halten zwischendurch immer wieder an, um das Farbspiel festzuhalten. Die orange Farbe der Düne und die flachen Schatten am Morgen sehen prima aus. Gegen 8.30 Uhr sind wir zurück, machen noch ein ausgiebiges Frühstück und fahren weiter die Schotterpiste entlang, die jetzt aber durchs Gebirge führt und nicht ganz so öde ist. Die letzte Nacht bei Rehoboth können wir nicht so recht schlafen, weil es gerade Wochenende ist und sich ein kleiner Stamm Einheimischer neben uns niedergelassen hat und fast die gesamte Nacht durchfeiert.

Sossusvlei

Danach geht es zurück nach Windhoek, das Auto wird geprüft und für gut befunden, in meiner Anwesenheit vollgetankt und dann werden wir zum Flughafen gefahren und es beginnt eine lange Reise zurück. Dummerweise hab ich was mit dem Urlaub verschusselt und wir kommen Montag früh in Frankfurt an, fahren mit dem Zug nach Bamberg, Krisztas Bruder holt uns ab und nach einer kurzen Dusche fahre ich sofort auf Arbeit.

Giraffe

Nach unserem Abstecher nach Botswana sind wir jetzt wieder auf dem Caprivistreifen, der schmalen Landzunge im Norden Namibias, unterwegs. Erste Station ist für die nächsten Tage in der Nähe von Divundu. Dazu müssen wir erstmal wieder die Grenze überqueren, es folgt das übliche Spiel mit Ein- und Austragen des Autos in den Büchern. Danach folgen etliche Seuchenkontrollen auf der Straße, bei denen wir jedesmal aussteigen müssen. Es werden die Radkästen ausgesprüht und wir müssen unsere Füße auf einem Lappen abtreten, bei dem man Angst hat, dass man mehr Keime an den Schuhen hat, wie vorher. Erste Station ist die Mahango-Lodge, wo wir einen Campingplatz direkt am Fluss haben. Ein Schild am Eingang erklärt „Wir sind deutsch!“, trotzdem bleibt der Besitzer etwas unterkühlt. Wir machen es uns am Pool gemütlich, machen uns Nudeln und genießen abends noch Cider/Bier. Den nächsten Tag machen wir außer dem Umzug zum Ngepi-Camp, was gleich nebenan liegt, garnichts. Hier ist man schon freundlicher, aber auch hier haben wir etwas zu kritisieren: der Mangel an Service und Komfort wird hier als „ökologisch“ verkauft. Wo wir in der Mahango-Lodge mit Kerzenschein und Stoffserviette hätten essen können, gibt es hier Wildlasagne in Büffettform vom Blech – zum gleichen Preis versteht sich. Das Essen war so knapp bemessen, dass die Gäste nach uns, wie wir am nächsten Tag erfuhren, garnichts mehr von der „Vorspeise“ (einem Beilagensalat) gesehen haben.

Es wird nachts wieder kühler im Zelt, die Temperatur sackt unter 10°C und ich entschließe mich mein Seideninlay mit reinzunehmen. Leider hat Seide auch einen kühlenden Effekt auf der Haut, sodass ich gleichzeitig schwitze und fröstle. Den nächsten Tag fahren wir in den eher kleinen Mahango-Park, wo wir etliche Tiere sehen. Mittags zurück in Ngepi gibt es Burger aus Wild mit Pommes – ziemlich lecker. Es folgt eine lange Etappe, die uns zurück in die Nähe von Grootfontein bringt. Wir suchen uns eine Unterkunft, die eine Schule unterstützt. Doch gleich nach unserer Ankunft werden wir in den Verkaufsladen gezogen und uns wird aller möglicher Kram angeboten, eigentlich wollten wir nur etwas Fleisch zum Grillen haben. Die mehrmalige Frage, ob wir die Schule besuchen könnten, wir geflissentlich ignoriert, wir sollen lieber was kaufen. Beruhigend ist, dass das Impala sehr lecker wird. Den Nachmittag nutzten wir, um einen nahegelegenen Meteorit zu besuchen.

Leopard

Es folgen die teuersten Übernachtungen auf Campingplätzen im gesamten Urlaub – die staatlichen Campingplätze des Etosha-Nationalparks. Wir beginnen in Namutoni, der angeblich der schlimmste sein soll. Finden wir nicht. Wir machen mittags die Reste vom Vorabend warm, fahren zum späten Nachmittag nochmal zur Pirsch raus, was aber enttäuschend wird. Also Rückkehr zum Zeltplatz und schnell schlafen. Den nächsten Morgen werden wir von Overlandern geweckt. Eine Horde Südafrikanischer Pauschaltouristen (die werden „Overlander“ genannt) machen Lärm wie 100. Wir nutzen die Gelegenheit und stehen mit auf und sind 6.15 Uhr abflugbereit. Wir warten eine kleine Ewigkeit an einem Wasserloch, dass sich etwas tut. Nur eine Hand voll Zebras steht unschlüssig da und mag nicht trinken. Als wir entnervt aufgeben, sehen wir den Grund – von der anderen Seite näherte sich ein Leopard, der auch Durst hatte. Als wir fertig mit Knipsen sind, fahren wir weiter uns sehen einige Schakale und Hyänen, die Reste eine Tieres mit sich herumtragen. Ein paar Meter weiter liegen zwei Löwen unter einem Baum, lassen es sich schmecken und dabei die Knochen ordentlich krachen. Wir sind happy – schon vier der „Big Five“ haben wir gesehen. Die Krönung kommt in Halali (nach dem Halali, das zur Jagd geblasen wird), wo wir abends noch Nashörner sehen. Die „Big Five“ (Elefant, Löwe, Leopard, Büffel und Nashorn) sind komplett. Wir unterhalten uns abends noch lang mit unseren Zeltplatznachbarn Brian und Vanessa aus Südafrika.

Letzter Anlaufpunkt in Etosha ist Okaukuejo. Auf dem Weg dahin sehen wir kaum Tiere und auch am Wasserloch werden wir enttäuscht. Die Fahrerei im Staub beginnt mich zu nerven. Dazu kommt noch eine deutsche Familie, die sich lauthals über jedes entdeckte Tier unterhalten müssen „Mama, guck mal da am Waldrand – eine Giraffe… Neeee, da drüben!“

Ein afrikanisches Sprichwort sagt:

If you want to go fast, go alone.
If you want to go far, go together.

Dämmerung am WaterbergMit diesen Worten werden wir nach 10 Stunden Flug in Johannesburg begrüßt. Hinter uns liegt ein normaler Arbeitstag, ein paar Stunden Zugfahrt und der Flug von München nach Johannesburg, auf dem ich zwar wenig, aber für meine Verhältnisse relativ lange schlafe (5 Stunden). Zum Glück sind wir in der gleichen Zeitzone und somit fällt ein Jetlag weg. Jedoch das Warten auf den Anschlussflug nach Windhoek gestaltet sich länger als gedacht. Jeder nimmt eine kurze Auszeit, mal kurz auf seinem Rucksack ein kleines Nickerchen zu machen, bis es 13 Uhr weiter nach Windhoek geht. Wir werden bereits von der Autovermietung erwartet, heben Geld ab und werden dann die ca. 50km in die Stadt gefahren. Dort erfolgt die Übergabe unseres Wagens inklusive kurzer Einweisung, Abhaken der umfangreichen Checkliste. Zum Schluss bleibt nur noch die Fahrt in unsere Unterkunft, die wir im selben Viertel wie die Autovermietung gesucht haben. Wir sitzen noch kurz draußen und gehen dann schnell schlafen. 11 Stunden später ist es Zeit, die Reise anzutreten.

Die Maison Ambre bietet ein opulentes Frühstücksmahl an, dass wir nur zu gerne nutzen. Es wird das letzte Essen für lange Zeit sein, was wir fertig serviert bekommen. Deswegen ist unsere erste Station nach dem Verlassen der Unterkunft ein üppiger Einkauf bei Spar. Wir decken uns mit reichlich Konserven ein und erfreuen uns an Sprüchen „Winterzeit ist Einkochzeit“, die an der Wand der Fleischtheke prangen. Trotzdem spricht man kein Wort Deutsch hier. Wir sind überrascht über das umfangreiche Angebot und nehmen dank des integrierten Kühlschranks im Auto noch ein paar Stücke Grillfleisch mit. Auf der Fahrt zum Waterberg – unserer ersten Station – sehen wir jede Menge Warzenschweine, aber keines davon will sich aus nächster Nähe fotografieren lassen. Eigentlich wollten wir am Waterberg wandern gehen, aber wir sind immer noch etwas geplättet von der Reise, also bauen wir das erste Mal unser Zelt auf, machen Bratkartoffeln und Spiegelei, die dank der verbeulten Pfanne auch mit jeder Menge Öl gehörig festbrennen. Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Spaziergang und dann wird es sehr schnell gegen 18 Uhr dunkel. Wir verziehen uns ins Zelt, lesen noch etwas und schlafen ein.

Sonnenuntergang beim Bootstrip

Nachdem wir aufgestanden sind, erleben wir um uns herum ein Tierspektakel. Paviane fallen über die benachbarten Plätze her und plündern alles Essbare. Ich stehe gerade am Auto und baue das Dachzelt ab, Kriszta macht das Frühstück, als sich auch ein Pavian von hinten an unser Auto heranschleicht und durch die offene Luke die Packung Äpfel stibitzt. Für unsere Sommer verwöhnten Gemüter ist es sehr kalt – wir hatten am Morgen 10,8°C im Zelt. Nach dem Frühstück holen wir unsere kleine Wanderung nach und laufen bis zum Fuß des Waterberg. Dabei sehen wir einige kleine Dikdiks. Nach unserer Wanderung geht es weiter nordwärts. Hinter Grootfontein folgt eine kleine „Grenze“ und gefühlt beginnt ein anderes Land. Nach den Häusern in den Städten folgen jetzt ein Strohhüttendorf nach dem anderen. Selbst die vergleichsweise große Stadt Rundu wirkt wie ein riesiges Hüttendorf. Ein Stück hinter Rundu liegt unser luxuriösester Zeltplatz der gesamten Reise. Wir haben eine eigene Grillstelle und ein eigenes Bad. Das Camp liegt direkt am Grenzfluss zwischen Namibia und Angola. Wir erleben einen sehr schönen Sonnenuntergang und packen uns warm ein für die Nacht.

Zurecht meint meine Uhr am nächsten Morgen – sie zeigt 9,8°C an. Es folgt eine lange Fahrt bis wir in Camp Kwando sind. Kaum angekommen, buchen wir eine Bootstour auf dem Fluss mit Sonnenuntergang. Zum Glück haben wir noch über eine Stunde Zeit bis dahin und fangen gemütlich an das Zelt aufzubauen, als ein Guide kommt und uns abholt – es würden schon alle warten, die Bootstour geht los. Wir werden aufgeklärt: Im Caprivi-Streifen ist zentralafrikanische Zeit und deshalb ist es schon eine Stunde später. Wir sehen jede Menge Vögel auf der Tour, genießen gekühlte Getränke und entdecken die ersten Elefanten und einen einsamen Büffel. Als wir wieder am Zeltplatz ankommen, wird es bereits dunkel und wir grillen das erste Mal mit Stirnlampe.

Nachthimmel über Namibia

Nachthimmel über Namibia

Nun sind wir mittlerweile seit 3 Wochen wieder da, eigentlich genau so lang, wie unser Urlaub gedauert hat. Der Arbeitsalltag hat uns wieder und seit wir wieder da sind, ist auch Herbst in Deutschland. Wir haben 3 schöne Wochen in Namibia, Botswana und – für einen Tagesausflug – Simbabwe hinter uns.

Unsere Route führte uns von der Hauptstadt Namibias Windhoek nördlich über den Waterberg nach Rundu. Dort ging es dann über den Caprivistreifen Richtung Botswana, wo wir 4 Tage verbrachten. Wir sahen viele Tiere im Chobe Nationalpark. Einen Tag ging es auch noch zu den Viktoriafällen nach Simbabwe. Danach hieß es viel fahren, um nach Etosha zu kommen. Drei Tage lang kurvten wir durch den Nationalpark.

Danach waren wir fertig mit den Tierbeobachtungen und es folgte der landschaftliche Teil. An der Küste entlang fuhren wir südlich nach Swakopmund mit seinen herrlichen Dünenlandschaften.  Weitere Dünen folgten in Sossuvlei – unserer letzten Station der Reise. Und dann führte uns unser Weg über Rehoboth zurück nach Windhoek.

Es werden natürlich detailierte Berichte folgen, sobald ich mit den Bildern fertig bin. Nachdem ich eine Woche darauf „verschwendet“ habe, mir gescheite Vorlagen für Lightroom zu erstellen, bin ich mit der Nachbearbeitung jetzt um Längen schneller.