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Gedanken während eines Laufes

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Ich laufe ganz entspannt los. Nicht so langsam wie die letzten Male zuvor, ich will wissen, wie mein Körper reagiert, wenn ich zügig starte. Die vorherigen Ergebnisse haben gezeigt, dass zum Schluss mehr Energie bereit steht, wenn man den Körper zeitig genug darauf vorbereitet. Zu Beginn geht meine Strecke leicht bergab, sodass ich da auch ganz locker losziehen kann. Nachdem ich auf den Feldweg wechsle, schaue ich auf die Uhr – 2,5 Minuten. „Gute Zwischenzeit“, denke ich und laufe weiter. Ein Blick auf den Puls macht mir ein wenig Sorgen, denn er ist jetzt schon bei 140.

Nach ca. 1200 Metern kommt das „Hassstück“ meiner Strecke. Ich muss 30 Höhenmeter auf 250 Meter Länge überwinden. An dieser Stelle nehme ich extrem das Tempo weg, weil ich merke dass die Luft knapp wird. Die Geschwindigkeit fällt auf Joggeln zurück, der Puls sinkt auf 120, die Atmung bleibt stabil. Oben angekommen ziehe ich mit normalem Tempo weiter. Die Sonne ist zwar weg, aber es ist drückend warm. Die gewünschte Nasenatmung funktioniert nicht, ich spüre, dass ich nicht mehr so viel aus mir rausholen kann. Ich bemerke ein Jucken an der linken Schulter und ein Blick zeigt mir, dass es sich eine Mücke auf mir gemütlich gemacht hat und mir Blut abzieht. Als ich sie verscheuchen will, hat sie bereits vollgetankt und schwirrt ab. Ich habe das Gefühl, ich bin heute sehr langsam unterwegs und die Hitze tut ihr übriges.

Kurz vor der Wende habe ich den höchsten Punkt meiner Strecke erreicht. Nur gut, ab jetzt geht es abwärts. Für die Rückkehr laufe ich eine kleine Abkürzung über einen ausgetretenen, meist sehr matschigen Weg. Heute bevorzuge ich eine kurze Ruhepause und laufe das Stück (ca. 200 Meter) im zügigen Schritttempo. Muss dabei durch Büsche ausweichen. Kleine Nebenbemerkung eines Joggers – scheißt ein Hund auf den Weg, ist das Geschrei groß. Macht aber ein Pferd einen Riesenhaufen auf den Weg, heißt es „Och… so ein schönes Tier!“

Es geht wieder rückwärts. Nachdem ich die Abkürzung durchquert habe, schaue ich wieder auf die Uhr – gut 17 Minuten. Eine sehr gute Zeit, ich kann es garnicht glauben. Sonst lag ich bei 17 Minuten, wenn ich in die Abkürzung eingebogen bin. Ich laufe zurück, komme aber nicht auf Geschwindigkeit, weil die Atmung nicht so recht will. Ein leichtes Ziehen in der Seite sagt mir, falsch geatmet. Nehme das Tempo raus und atme ruhiger. Es geht ja glücklicherweise bergab. Selbst auf dem „Hassstück“ bergab bremse ich mich und laufe nicht auf Tempo. Als ich das letzte Waldstück hinter mit gelassen habe, schaue ich wieder auf die Uhr, knapp über 26 Minuten. Das sollte keine gute Zeit werden, denke ich und schätze, dass ich so mit 31 Minuten im Ziel ankomme. Das letzte Stück wird zur Qual, da es nochmal auf Asphalt ein Stück aufwärts geht. Ich komme an – die Zeit: 30:53 für 5,15km. Zum Ausruhen laufe ich noch ein kleines Stück um den Block und bemerke ein Ziehen an der rechten Wade. Ich schaue runter, alles blutig und zerkratzt, da muss ich wohl unbemerkt doch etwas heftiger an einem Busch hängengeblieben sein.

Zurück in der Wohnung, schnaufe durch, setze mich hin und tippe die Daten bei jogmap ein – Durchschnitt: 5:59 min/km, Puls 143 Durchschnitt, 158 Maximum. Bin doch überrascht, dass ich nach der gefühlten Langsamkeit doch so gut abgeschnitten hab (Bestzeit derzeit: 30:41, 5:57, 147/159)

Nachtrag: Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – heute neue Bestzeit: 29:56, 5:49, 139/157. Ich glaube, die Temperatur ist bei mir nicht zu unterschätzen.

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