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Weißabgleich

Jan 2

Wer von der analogen Fotografie kommt, wird schnell über den Begriff des Weißabgleichs stolpern, weil er einem Analogfotografen wie mir, komplett neu war. Damals hat man quasi seinen Weißabgleich durch die Auswahl des Films vorgenommen, so z.B. haben Tageslicht-ISO 100-Filme haben einen Blaustich bei Innenaufnahmen gemacht. Aber mit der Digitaltechnik wurde alles anders. Hier wurde dem Anwender die Möglichkeit in die Hand gegeben, selbst Hand anzulegen. Profis landen jetzt schnell bei den Farbtemperaturen, aber so weit möchte ich nicht gehen. Ich fange lieber mit einem einfachen Gedankenexperiment an…

Man nehme ein Blatt Papier und trage es in einen Raum, dessen Fenster mit blauer Folie beklebt sind. Wenn man jetzt ein Bild von dem Blatt Papier macht – welche Farbe hat es auf dem Foto? Klarer Fall: Es ist blau. Und genau an dieser Stelle setzt der Weißabgleich an. Er kann dafür sorgen, dass auf dem fertigen Bild das Blatt Papier wieder weiß ist. Ob das jetzt erwünscht ist oder nicht bleibt dem Fotografen überlassen. Sinnvoll ist er in dem Fall, denn die meisten Kameras nehmen intern einen automatischen Weißabgleich vor und können damit schon mal heftig daneben liegen.

Hier ein kleines Beispiel zum Thema Weißabgleich. Ich machte das Bild in einem Museum in Marrakesch (Marokko). Das Dach war milchig transparent und wirkte farblich wie natürliches Leinen. Es tauchte den Raum in warmes, gelbliches Licht und vermittelte den Eindruck, sich unter einem riesigen Sonnendach zu befinden. Bild 1 zeigt das Licht wie es tatsächlich war. Natürlich waren aber die Wände weiß und damit kann man den perfekten Weißabgleich durchführen – man muss nur eine Stelle im Bild finden, von der man weiß, dass sie die Farbe Weiß hatte und schon verwandelt sich das Bild. Vielleicht ist dieses Bild ein schwieriges Beispiel, aber verdeutlicht, dass der Weißabgleich nicht nur eine Korrekturmöglichkeit, sondern auch ein Eingriff zur künstlerischen Gestaltung des Bildes ist.

  1. Wolfram Wolfram

    *räusper* ISO und Farbton haben nichts miteinander zu tun. Im Gegenteil gab es – egal ob 100ASA oder 1000ASA (ISO ist jünger) – Filme verschiedener Farbempfindlichkeit, die meistverkauften Filme waren natürlich Tageslichtfilme, die auf eine Farbtemperatur von 5500°K abgestimmt waren. Es gab aber auch Kunstlichtfilme, beispielsweise in Abstimmung auf 3100°K; wenn man mit denen bei Tageslicht fotografierte, wurde alles blau. Bis die Blitzlampen auf 5500°K kamen, verging noch einige Zeit; vorher brauchte man dafür auch speziellen Film oder ein Farbkorrekturfilter.

    Erst die Digitaltechnik freilich macht es möglich, mal mit ISO100 und mal mit ISO1600 zu fotografieren, ohne den Film zu wechseln – und auch je nach Lichttemperatur die Kamera passend einzustellen, was man fälschlicherweise Weißabgleich nennt.

  2. Dein Einwand ist völlig berechtigt – ich habe den Beitrag entsprechend angepasst. Natürlich hab ich mich auf die im Handel üblichen ISO-100-Tageslichtfilme bezogen. Da mir ASA nicht geläufig war, hab ich mich mal schlau gemacht. ISO kombiniert die Zahlenangaben von ASA und DIN im Bereich Lichtempfindlichkeit, also wäre statt ISO 100 auch ISO 21° richtig. Und übrigens Danke, dass du ISO als jünger bezeichnest, denn die Norm ist 1974 verabschiedet worden und damit genau so alt/jung wie ich 🙂

    Für mich ist der Weißabgleich nicht wie die Wikipedia schreibt, die Anpassung der Kamera an die tatsächlichen Farbtemperatur des Aufnahmeortes sondern eine Möglichkeit zur Nachbearbeitung des Bildes. Wie an meinem Beispiel dargestellt, kann es ja erwünscht oder unerwünscht sein, einen Weißabgleich vorzunehmen – je nachdem, was das Bild ausdrücken soll.

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