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Aphex Twin 2.0

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Man könnte behaupten, Nina Kraviz hat den großen Wurf gelandet. Dieser Typ – Bjarki – bringt im Jahre 2015 eine Zwei-Track-Scheibe mit dem Kracher „I wanna go bang“ raus und dann Ruhe. Bis zum späten Frühjahr und dann rumpeln innerhalb von einem halben Jahr drei Longplayer („B“, „Lefhanded Fuqs“ und „AE“) auf den Markt. Ich finde solche Tendenzen immer gefährlich. Leute, die viel Musik innerhalb von kürzester Zeit veröffentlichen, bringen viel Schrott raus oder die Qualität fängt ab der zweiten Scheibe an, drastisch zu sinken. Oder es tritt das Schlimmste ein – ich mag nicht mehr, hab den Kanal voll von immer dem gleichen Sound.

1:0 für Bjarki – denn der hat schon beim ersten Album gezeigt, dass er zielsicher zwischen Ambient, Downtempo, IDM und rüpelhaften Technobrechern hin- und herspringt, ohne sich wirklich festlegen zu wollen, in welche Schublade er denn jetzt gehört. Und genau dieser Punkt macht ihn mir sehr sympatisch. Mal poltert er wie ein wilder Troll – ich fange schon an genervt auf den Player zu schauen und im nächsten Moment fächelt ein sanfter Ambient um meine Ohren. In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, dass er so ca. 10 Tracks pro Tag produziert und auch nicht groß darüber nachdenkt, was er da macht. Ich bin gerade mitten im zweiten Album („Lefhanded Fuqs“) und es schlurft „EL“ durch den Kopfhörer und für einen Moment vergesse ich, dass ich Bjarki höre und glaube mitten im Abfahrt-Hinwil-Album zu stecken oder vielleicht auch Arovane. Es ist ein Traum.

Und genau dieses ungebremste Wilde und Experimentierfreudige – das, was ich vor ca. 20 Jahren in einem Aphex Twin gesehen habe – kommt jetzt wieder. Nur ohne die Affektiertheit eines Richard D. James, der jahrelang von seinen tausenden Demos erzählte und erst Anfang letzten Jahres zu erkennen gab, dass es sich nicht um ein Phantom handelt, sondern diese Tracks tatsächlich existieren. Man merkt auch, wie schnelllebig die Zeiten geworden sind. Mitte der 90er – jedes Jahr ein Album veröffentlichen? Der blanke Ausverkauf! 2016: 3 Alben in einem halben Jahr – Läuft!

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