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Eine Woche Usbekistan

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Urlaubsziel Usbekistan? Wenn man den Namen eines Landes hört, das mit -istan endet, wird einem nicht gerade wohlig ums Herz. Aber seit über 2.000 Jahren haben hier Menschen Andenken an die Ewigkeit hinterlassen. Die Karawanen auf der Seidenstraße transportierten Waren bis ins 20. Jahrhundert hinein zwischen Asien und Europa und mehrten die Reichtümer der anliegenden Städte. Wir tauchten für eine Woche in ein Reich voller herzlicher Wärme, viel Sonne und gutem Essen ab.

Was sollte man auf die Schnelle über Usbekistan wissen? Als erstes sollte man sich mit dem Thema Visum beschäftigen. Ähnlich wie in Russland braucht man ein Visum und eine Einladung. Mit der Einladung kann man das Visum beantragen. Es gibt auch diverse Firmen, die das schnell und gegen einen kleinen Aufpreis erledigen. Bei uns hat die Einladung etwas gedauert, aber das Visum war eine Woche vor Abreise da. Soweit ich das gelesen habe, soll das ab 1. Juli 2018 auch einfacher werden, indem man das Visum elektronisch beantragen kann.

Um die Gepflogenheiten zu verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit von Usbekistan werfen. Herrscher kamen und gingen. Was hängen blieb, war Amir Temur. Für die Usbeken quasi ihr Nationalheld. Mit seinen Feldzügen erreichte er zu Lebzeiten, dass sich das usbekische Reich von der heutigen Türkei bis nach Indien erstreckte. Zimperlich ging er dabei nicht mit den eroberten Völkern um, selbst für das 14. Jahrhundert werden seine Taten als besonders grausam erachtet. Er war Urheber von Weisheiten wie „Wenn ihr an meiner Stärke zweifelt, schaut euch meine Gebäude an.“

Amur Temir, Taschkent
In jeder Stadt in Usbekistan grüßt Amir Temur

Wir machen einen Sprung ins 20. Jahrhundert, wo nach Gründung der Sowjetunion Usbekistan eingegliedert wurde und alles einen sowjetischen Anstrich bekam. Man merkt es an jeder Großstadt, wo es einen historischen Stadtkern gibt, die als Altstadt bezeichnet wird und eine Neustadt, wo sich die sowjetischen Behörden einquartiert haben. Schon während der Sowjetzeit wurden einige Denkmäler wieder hergerichtet, weitere folgten mit der Unabhängigkeit Usbekistans.

Liest man in den Reiseblogs nach, findet man immer wieder den Hinweis, dass es sich um ein islamisches Land handelt und eine angemessene Kleiderordnung einzuhalten ist. Deswegen waren wir etwas verunsichert und nahmen von kurz bis lang alles mit. Tatsache ist, dass der Islam zwar Hauptreligion ist, aber durch 70 Jahre Sowjetzeit keine Hauptrolle mehr spielt. Usbekistan gibt sich moderner als man denkt. Solange die Schultern und Knie bedeckt sind, wird man keine feindlichen Blicke beim Besuch der Denkmäler und Medressen ernten.

Warum sollte denn die Bekleidung so essentiell sein? In Usbekistan herrscht kontinentales Klima. Das heißt, eiskalte Winter und trockene heiße Sommer. Anfang Juni schwankte das Thermometer bei unserem Besuch zwischen 27°C und 43°C, wobei letzteres ein Extremwert ist. Unsere Guides bestätigten aber, dass das Wetter außerhalb von Sommer und Winter sehr stark schwankt. Es kann passieren, dass es über 30°C sind und am nächsten Tag ist wieder Frost. Kommt der Wind aus Afghanistan, stehen heiße Tage an. Kommt der Wind aus Sibirien, wird man wohl frier(i)en (selbstgedichtete Wetterweisheit).

Xiva, Sonnenuntergang
Sonnenuntergang in Xiva

Wie ich schon oben andeutete, sind die Leute sehr freundlich und herzlich. So muss man keine Angst haben, wenn einem eine Gruppe Jugentlicher abends 23 Uhr entgegen kommt. Das Einzige was man beim Herumirren in nicht beleuchteten Gassen fürchten muss, sind kleine Kinder, die „Hallo!“-rufend an einem vorbei laufen. Betteln ist auch sehr selten, man sieht höchstens auf den Basaren einige Zigeuner, die zielgerichtet Touristen anschnorren.

Usbekistans Währung ist der Som. Es gibt jede Menge ATMs, die aber laut unseren Guides nur Dollar oder Euro ausgeben. Wechseln ist demzufolge nur in Wechselstuben der Banken möglich (und auch empfehlenswert). Der Umtauschkurs ist mehr als fair. Am Anfang ist man noch entsetzt, wenn man die Preise in den Speisekarten von über 20.000 Som sieht, aber man gewöhnt sich schnell daran, wenn man bedenkt, dass der Umtauschkurs 1 : 9.300 Som ist. So zahlten wir einen Abend für: ein Bier, zwei 0,5l Cola, eine Kanne grüner Tee, einmal Kebap mit Pommes frites, einen Hackfleischspieß, einen Gemüsespieß und einen griechischen Salat zwar die astronomische Summe von ca. 120.000 Som, was aber umgerechnet nicht mehr als 13 Euro sind. Die Qualität der Speisen liegt dabei auch weit über dem, was man erwartet.

Was spricht bei so viel Gutem dann dafür, dieses Land in einer Gruppe zu bereisen? Die Sprachbarriere! Von Haus aus lernen die Usbeken nur usbekisch und russisch in der Schule. Nur sehr wenige können etwas Englisch. Selbst eine kleine Beschwerde im Hotel wird zur Herausforderung. Jemanden zur Hand zu haben, der die Bedürfnisse in Handlungen umsetzt, ist Gold wert. Am weitesten kommt man mit Englisch immer noch im Restaurant.

Khazrati Imam Moschee, Taschkent
Khazrati Imam Moschee in Taschkent

Und was gibt es noch über Usbekistan Negatives zu berichten? Die Polizei hat leider überall noch nicht die Mittel Blitzer aufzustellen. Deswegen kann es sein, dass ein Polizist am Straßenrand steht und wenn er der Meinung ist, dass man zu schnell war, einen rauswinkt. Dass führt dazu, dass die meisten Autofahrer doch sehr zurückhaltend und langsam fahren. Was jetzt als Fakt zwar positiv klingt, macht nicht unbedingt Lust auf einen Mietwagen.

Kommen wir zum Abschluss zu einem umstrittenen Fakt. Der Aralsee ist quasi nicht mehr vorhanden. Wir befragten unsere Tourguides, was sie als Ursache sehen. Einige sehen den massiven Anbau von Baumwolle als Ursache, andere sind der Meinung, dass der Aralsee in der Geschichte der Menschheit schon mehrfach ausgetrocknet ist und im Laufe der Zeit schon wieder anwachsen wird. Tatsache ist, dass sich mittlerweile Forscher aus aller Welt treffen, um dem Aralsee wieder zu seiner ursprünglichen Größe zurück zu verhelfen.

Unsere Rundreise in Usbekistan begann in Taschkent und brachte uns dann mit dem Zug nach Samarkand. Von dort aus ging es auf der Straße weiter nach Bukhara bis schließlich nach Khiva. Die Schreibweise der letzten beiden Orte schwankt doch sehr stark. Vor Ort kann man auch Buxoro oder Xiva lesen, da „Kh“ bzw „X“ dem deutschen Ch wie in Rachen entsprechen und eine strikte Trennung zwischen a und o nicht wirklich vorhanden ist, ähnlich dem ungarischen „a“ bzw. dem norwegischen „å“. Aber zurück zur Route. In der Nähe von Khiva liegt der Flughafen von Urgench, von dem aus wir wieder zurück nach Taschkent flogen.

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