Für einen Moment verwandelt sich Ulan Bator in Dresden, man springt kurz nach 8 Uhr ins Auto, fährt raus aufs Land und ca. 1 Stunde später steht man mitten in einem Nationalpark. Nur dass es nicht die Sächsische Schweiz ist, sondern der Terelj National Park.

Ich hatte im Vorfeld schon mal im englischen Beitrag des Wikipediaartikels nachgelesen, dass es sehr touristisch ist. Dem kann ich nur zustimmen, an allen Ecken und Enden finden sich kleine Jurtenlager, die der Größe einer Zwei-Personen-Jurte entsprechen. Was mich anfangs stutzig machte, war, dass es relativ wenig zu sehen gibt.

Im Nachhinein löst sich dann alles auf: Es geht weniger um Sehenswürdigkeiten, als um die Möglichkeit, durch die schöne Landschaft zu wandern. Am ersten Tag fielen sämtliche Events bis auf eine kleine Wanderung ins Wasser. Ab Nachmittag begann es zu regnen und das hielt auch den ganzen Abend an, was uns die Möglichkeit gab, Berichte zu schreiben bzw. die Bilder zu bearbeiten. Zum Glück hatten wir einen kleinen Ofen in der Jurte, damit heizten wir ordentlich ein und erreichten kuschelige 33°C in der Jurte.

Wo der Abend nass endete, strahlte uns am nächsten Morgen blauer Himmel entgegen. Wir liefen durch das saftige, feuchte Gras und genossen die klare Luft, den schönen Ausblick und das Muh, Mäh und Kuckuck aus den Bergen. Nach dem Frühstück wanderten wir noch eine Runde durch die Berge, bis wir wieder abgeholt wurden und nach Ulan Bator zurückfuhren.

Morgens im Terelj National Park

Morgens im Terelj National Park

Man stelle sich einen alten Hippie-VW-Bus vor, bocke die Räder ein wenig hoch, streiche in tarngrün an und schon hat man einen geländegängigen Mini-Van „Made in Russia“. Und nach wahrscheinlich gut 20-25 Jahren Dienstzeit hat das Teil auch die eine oder andere Macke entwickelt. Die Türen schließen nicht mehr so gut, d.h. auf staubiger Straße steigt man nach 4 Stunden Fahrt dreckiger aus, als die Umgebung ist. Die Abwärme des Motors kommt ungefragt direkt hinter dem Beifahrersitz hoch und wer das Pech hat dahinter zu sitzen, wird das Gefühl kennen lernen, wie es ist, bei 35°C die Sitzheizung auf Höchststufe laufen zu lassen. Dagegen kann man das Fenster öffnen, was aber genau auf der Seite immer wie von Geisterhand allein zu geht. Wer schon nicht entgegen der Fahrtrichtung sitzen möchte, kann gerne auf der zweiten Sitzbank Platz nehmen, deren Rücklehne irreparabel im Winkel von ca. 40° gegenüber der Senkrechten abweicht. Hinsetzen führt dabei unweigerlich zum Abrutschen und gleicht einem Liegesitz. Die einzig akzeptablen Sitze sind die beiden Vordersitze, die aber vom Fahrer und von der Köchin belegt werden.

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Mit der Kiste fahre man jeden Tag von 8 – 17 Uhr, 300km pro Tag über staubige, steinige oder sandige Wege, querfeldein, abwechselnd Links- und Rechtskurven, hoch, runter und immer wieder Schlaglöcher oder Rinnsale, die tiefe Furchen in den Boden gefressen haben. 6 Tage lang. Dazwischen gibt es mittags mitten im Nichts etwas selbstgekochtes, was auch wirklich Klasse schmeckt. Abends wird man dann vom Gastgeber bekocht, ähnlich lecker oder besser. Wenn man dann die Nacht in der Jurte überstanden hat (13°C Innentemperatur), gibt es Tee, Gebäck und Toastbrot.

>Klingt jetzt alles nicht nach Zuckerlecken, aber wenn man dann vor einsamen Klostern, roten Felsformationen, riesigen Sanddünen oder der scheinbar unendlichen Weite steht, dann weiß man wieder, warum man die Strapazen auf sich genommen hat und saugt gierig jeden Moment auf, der einem dort verbleibt, denn schon wenig später sitzt man wieder in der Klapperkiste und es geht weiter… Der Fahrer navigiert die 6 Tage natürlich rein optisch, d.h. er schaut sich nach markanten Wegpunkten um und fährt entsprechend. Da möchte man sich lieber keine Gedanken machen, was passiert, wenn er sich doch mal irrt, denn die Gobi (was übrigens nichts anderes wie „Wüste“ heißt) ist riesig.

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Trotzdem bleibt genug Zeit, um in ein saftiges Sandwich aus Toast, Gurken, Salami und Mayo zu beißen und dann bleibt einem der Bissen im Hals stecken, wenn die Frage kommt: „What kind of meat is this?“ und die Köchin ganz gelassen antwortet: „Maybe horse…?!“ Um sowas zu vermeiden, greift man doch lieber zu Gerichten, wie z.B. Kebab. Klingt türkisch, gibts aber auch für die Mongolei.

Zutaten:

  • getrocknete und gesalzene Seetangblätter (ca. A4) (wie z.B. für Sushi)
  • 1 Dose Thunfisch
  • Milchreis
  • 1 Glas Gewürzgurken

Zubereitung:

  • Reis nach Anleitung kochen
  • Thunfisch unter den Reis mischen
  • 1 Blatt Seetang halbieren
  • Gewürzgurke vierteln
  • Seetangblatt mit Reis/Thunfisch bestreichen
  • Gewürzgurkenviertel in die Mitte
  • Seetangblatt aufrollen – fertig

Der Lonely Planet (Ausgabe 2009) der Transsibirischen Eisenbahn beschreibt Ulan Bator als unschöne Stadt. Überall hässliche Sowietbauten, die nicht einladend wirken. Im Hinterkopf entstand bei mir das Bild eines armen Landes, was sich gerade so mit etwas Tourismus über Wasser hält. Dazu noch der fettgedruckte Hinweis, dass man sich vor Taschendieben in acht nehmen soll. Das hinterließ bei mir den Eindruck, dass ich schnell wieder weg möchte. Wir kamen am Morgen um 6 Uhr in Ulan Bator an und alle Vorurteile wurden weggewischt.

Statt dicht gedrängten Häuser ist hier viel Platz. Die Häuser sind auch nicht sonderlich hoch, sodass alles sehr luftig wirkt. Gut, es gibt viele Stellen, wo gebaut wird und dementsprechend regieren Sandhaufen und Absperrungen, aber ansonsten liegt hier vergleichsweise wenig Müll auf den Straßen. Im Gegenteil – man sieht Straßenkehrer, die für Ordnung sorgen. Und je mehr man ins Zentrum kommt, um so mehr Glastürme blinken einem entgegen. Nicht aber so wie in China, wo sie aus dem Boden gestampft werden, hier wird noch mit Geduld gearbeitet.

Und bevor wir uns jetzt die nächsten 6 Tage in die Wüste Gobi begeben, kam noch das ultimative Novum – ein Haarschnitt im Ausland. Ich war skeptisch: Wird das funktionieren? Ja, doch! Die Friseurin gab sich sehr viel Mühe und dementsprechend gut sieht es aus. Und das Ganze mit 2 mal Waschen, Föhnen und Gel für 8.000 Tugrik (ca. 4,50 Euro).