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Gedanken vor Mitternacht

Jan 5

PostcrossingNun nach zwei untypischen Beiträgen jetzt doch mal wieder einer, wo ich mit vornehme, mich in der Länge zu beschränken, was aber unter Garantie scheitern wird. Schon allein die Tatsache, dass ich Donnerstag mit meiner Geschichte fortsetzen muss, macht das Ganze schwierig.

Donnerstag Nachmittag verließ ich Arbeit erstaunlich pünktlich, um zu meiner ersten Klavierstunde zu fahren. Ab auf die Autobahn, später Bundesstraße. Ich kam gerade noch pünktlich an, mußte einen kleinen Moment warten und dann konnte es losgehen. Natürlich hatte meine Klavierlehrerin keine Ahnung, was sie erwartet und wir begannen wirklich mit den einfachsten Übungen. Erst alle Zweiergruppen von links nach rechts, dann alle Dreiergruppen. Dann ging es langsam zu den Noten über, sie wollte mir das C erklären, als ich es schon anschlug. Nächste Geschicklichkeitsübung: Finden Sie alle C’s auf der Klaviatur! Schnell gefunden, plung, plong, pling, fertig! Vom C aus ging es dann zum ersten Lied über. Da sich die Zahl der 33-jährigen, die auf die Idee kommen, Klavier zu spielen, doch sehr in Grenzen hält und dieser Bereich doch eher von Kindern bevölkert wird, fingen wir mit einem ganz einfachen Stück an, bei dem mir Handstellung für linke und rechte Hand erklärt wurden und ich dann schon losspielen durfte – ein Auge auf dem Notenblatt, eins auf den Händen. Haltungsfehler der Hände und beim Sitzen wurden sehr freundlich korrigiert und brachten auch hörbare Ergebnisse. Danach war erstmal kurze Pause, wird übten das Zeichnen von Noten- und Bassschlüssel, sowie Tonleitern, Notenlängen, Oktaven und brachten das Ganze zu Papier. Dann ging es zum nächsten Stück über, ich durfte mich noch ein wenig verspielen und dann war die erste Stunde auch schon vorüber. Ich erkundigte mich noch über Klavierpreise, Unterscheide zwischen einem alten, aufbereiteten Klavier, Neukauf und einem E-Piano. In der Zeit muss ich dann wohl meine Übungszettel abgelegt haben und seit diesem Zeitpunkt verlor ich sie aus den Augen. Aufgefallen ist es mir auch erst gestern Abend, sodass mir nichts anderes übrig bleibt, als Montag Nachmittag noch einmal rauszufahren und sie abzuholen, schließlich will ich auch daheim ein wenig üben.

Freitag probierte ich weiter auf Arbeit herum und konnte Freitag Abend schließlich einen Erfolg vermelden. Ein Kollege hatte aber im Laufe der Wochen einen wirklich fiesen kleinen Fehler gefunden, der bei folgender (nachgestellter) Funktion auftrat:

1
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4
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6
7
8
void MachWas(char* pcZeichenkette1, char* pcZeichenkette2)
{
  if (0 == strncmp(pcZeichenkette1, pcZeichenkette2,
    strlen(pcZeichenkette1))
  {
    // und hier sollten wir nicht landen
  }
}

Sein Problem war, dass er gelegentlich im inneren Teil der Abfrage landete, obwohl er dort nicht sein sollte. Nach einigen Tests fand er heraus, dass die Zeichenkette 1 die Länge 0 hatte, was dazu führte, dass die Abfrage beim Vergleich zweier Zeichenketten bis zur 0. Stelle immer die Abfrage erfüllte. Eigentlich sollte sich

1
strncmp

doch mal ein bißchen dagegen wehren, auf Länge 0 zu vergleichen. Das sind dann halt die kleinen Freuden des Programmierers.

Und damit aus den kleinen Freuden auch große Freude wurde, ging ich nach der Arbeit einkaufen. Als ich gerade mit dem Wagen den Supermarkt verlassen wollte, schrillte die Alarmanlage. Ich schob den Wagen durch, kein Signal, ich ging durch, das Heulen begann wieder. Ich wurde nett zur Information gebeten, wo ich noch ein paar Mal getestet wurde. Der Wagen war es nicht, aber ich erzeugte bei der Alarmanlage ein jaulendes Freudengeheul. Also wurde ich von dem plötzlich auftauchenden Sicherheitsmann nach hinten geführt, ich ertrug das alles mit einem freudigen Grinsen, ich war mir ja keiner Schuld bewußt. Ich wußte von einem Gerät abgetastet, wie es auf dem Flughafen verwendet wird und dieses Gerät schwieg sich aus. Auch bei meiner Tasche blieb es ruhig. Also gingen wir wieder zu einem Alarmmelder, der meine Annäherung mit Quäken bekundete. Ich zog die Jacke aus, gab sie ihm – Ruhe, ich ging hin – Ruhe, die Tasche hingehalten – Ruhe. Er fragte mich, ob ich neue Sachen hätte, wo noch ein Etikett drin sein könnte. Na klar, die Schuhe! Aber die waren es auch nicht. Er war sich mittlerweile sicher, dass ich nichts hatte mitgehen lassen, wollte mich nur von dem lästigen Piepsen befreien, da er aus persönlicher Erfahrung davon traumatisiert war. Plötzlich fiel mir das Portemonnaie ein, dass neben der Tasche lag und in den letzten Versuchen nicht zum Tragen kam. Bingo! Jetzt hieß es nur noch den Sicherheitsstreifen finden. Wir stellten das Portemonnaie auf den Kopf – nichts, der Sicherheitsmann fluchte schon herum, wieviele Fächer das Teil hat, bis er resigniert aufgab und es auf den Entsicherer legen wollte. Ich protestierte, weil ich vorher die Karten herausnehmen wollte. War eine gute Idee, denn dort hatten wir noch nicht nachgesehen und genau da war er versteckt. Zufrieden grinsend verließ ich den Laden – das Gute hatte gewonnen!

The fountainIch machte noch schnell den Abwasch, legte Wäsche zusammen, aß etwas und dann ging es schon ins Kino. Wir schauten uns „The fountain“ an, einen Film vom „PI“-Regisseur Darren Aronofsky. Ich hatte schon mehrere Kritiken dazu gelesen, die sich durch die Bank weg schlecht über den Film äußerten. Mit „PI“ hatte er auch wirklich die Latte enorm hoch gelegt und einen ebenbürtigen Nachfolger zu schaffen, war kaum möglich. Kerngeschichte bei „The fountain“ ist der Schöpfungsmythos der Mayas, die den Tod als Beginn neuen Lebens sehen und dazu am Himmel einen sterbenden Stern auserkoren haben, der gleichzeitig Geburtsstätte für neue Sterne war. An diese Stelle sollten die Seelen der Verstorbenen verschwinden, um neu geboren zu werden. Gleichzeitig spielt der Tod eines Mannes in dem Mythos eine tragende Rolle, die mit einem Baum verknüpft ist (ob er sich geopfert hat, damit der Baum wächst oder der Baum aus ihm wuchs, nachdem er starb, bin ich mir nicht mehr sicher). Diese Geschichte bildet die Grundlage für die Handlung, die in drei Zeitebenen stattfindet – der Zeit der spanischen Eroberer, der Gegenwart und der fernen Zukunft. Da alle Ebenen, trotz der realistisch wirkenden Gegenwart, fiktiv sind, handelt es sich um also 4 Geschichten, die alle miteinander verwoben sind. Die Mythologie, die im Laufe des Film aufgedeckt wird, der Spanier, der den Untergang Spaniens und seiner Königin verhindern will und deshalb nach dem Baum des Lebens sucht, dem Wissenschaftler, der ein Mittel gegen den Krebs seiner Frau sucht und den Weltenreisenden, der nach der Erlösung seiner beiden zeitlich vorangegangenen Ebenbilder sucht.

  • Der spanische Eroberer sucht nach dem Baum des Lebens, um von dessen Saft zu trinken, um ewig zu leben und weil er es der Königin versprochen hat, Spanien zu retten. Nachdem er den Baum findet, wird er aber Opfer seiner eigenen Gier.
  • Der Wissenschafter der Gegenwart weiß um den nahenden Tod seiner Frau und ist als Forscher bemüht, so schnell wie möglich ein Mittel zu ihrer Rettung zu finden. Sie schreibt in dieser Zeit ein Buch, dessen Inhalt die Geschichte des spanischen Eroberers ist, was relativ fader Bezug zu dem spanischen Eroberer ist. Sie bittet ihn aber, „die Geschichte zu Ende zu bringen“. Im Moment ihres Todes gelingt dem Forscher der Durchbruch, doch leider kommt er zu spät und akzeptiert den Tod seiner Frau nicht. Nach und nach erschließen sich im Laufe des Films die Bezüge zur Mayakultur und es wird klar, welchen Weg er zu gehen hat.
  • Diese Handlungsebene ist sehr eng verknüpft mit der Zukunft und die Übergänge zwischen Zukunft in die Gegenwart sind einfach brilliant umgesetzt. Ansonsten führt diese Erzählebene wenig Inhalt mit sich, sondern mehr die Umsetzung des bisher Geschehenen. Dafür muss eine fulminante Optik herhalten, die seine Reise in einer Kugel mit einem fast verdorrten Baum zum sterbenden Stern zeigt.

Zwei Stellen in diesem Film stießen mir aber unglaublich sauer auf – zum einen, das theatralische Zusammenbrechen von Izzy mitten im Scheinwerferkegel einer Ausstellung und weiterhin dass das Mittel zur Heilung genau im Moment des Todes von Izzy fertig wird. Es hätte dem Film keinen Abbruch getan, wenn sie meinetwegen auf einer Treppe zusammengesunken wäre und das Mittel, angespornt anderen zu helfen, erst nach Izzys Tod fertig geworden wäre.

Schließlich legt der Film auch offen, dass das Streben nach Wissen, Macht, Jugend und Unsterblichkeit immer vom Tod und vom Leiden anderer gepflastert ist und diese Bemerkung vermisse ich bisher in jeder Kritik. Seien es die spanischen Eroberungszüge, die Inquisition oder Tierversuche, der Film legt diese Stellen offen, ohne dabei aber zu sehr ins visuelle Detail zu gehen. Nach dem Film fragte mich Sandra nach dem Sinn des Filmes, ich könnte mir mit meiner Antwort ruhig bis heute Zeit lassen. Ich denke, der Beitrag umreißt grob, was der Film bewegen möchte bzw. auch in mir bewegt hat. Es ist immer hilfreich bei einem Glas Wein und einer Internetverbindung das Ganze noch einmal Revue passieren zu lassen.

Als ich heute von meinem Einkaufsausflug zurückkehrte, wartete eine neue Postcrossing-Postkarte auf mich, diesmal aus Portland/Maine. In den Zusammenhang beschloss gleich, wieder fünf neue Adressen zu ziehen, um bald wieder einen gefüllten Briefkasten zu haben. Zwei Karten gehen wie üblich nach Finland, eine nach Holland, eine in die Schweiz (zu einer dort lebenden Finnin) und wieder eine in die USA. Ach so, Einkaufen – ich sag nur: 9. Staffel! Noch Fragen? 😉

  1. Was hat sie denn zum Thema Klavier gesagt? Meine Meinung geht in die Richtung:
    Elektroklavier ist nur ein Notbehelf; wenn man da einen ordentlichen Anschlag haben will, ist das Teil teurer als ein „richtiges“ (da wirds dann auch mal fünfstellig) – es hat allerdings den mieterfreundlichen Vorteil, daß man KOpfhörer anschließen kann.
    Bei Gebrauchtklavieren kann man sehr reinfallen, da gibts sehr verschiedene (meins sieht grauenvoll aus, klingt aber gut, das Gegenteil gibts genauso), aber wenn man mit einem fachkundigen Berater einkaufen geht, ist es eine günstige Alternative.

    Klaviertransporte werden übrigens oft nach Stockwerk bezahlt…

  2. Meine Klavierlehrerin ist keine Freundin des E-Pianos. Sie zieht es schon vor, ein richtiges Klavier vor sich zu haben. Freilich gibt es auch hochwertige Exemplare, aber wie du schon schreibst, dann kann man sich auch ein Richtiges kaufen. Sie stufte es als Geschmackssache ein, ob man ein neues oder gebrauchtes Klavier nimmt. Wahrscheinlich ähnlich wie beim Autokauf. Aber bis man in der Lage ist, diese Entscheidung zu treffen, was man für ein Klavier möchte, sollte man auf jeden Fall schon eins besitzen. Scheint irgendwie ein Dilemma zu sein 😉

  3. Da ist was dran. Unter Umständen kannst du auch erst mal eins von einem Händler mieten, aber wenn dir das dann nicht gefällt udn du wechseln willst, hast du sicher auch die Transportkosten am Hals. Ich erinnere mich doch richtig, du wohnst unterm Dach?

    Ich stimme deiner Lehrerin voll und ganz zu – das E-Klavier hat eigentlich nur zwei Argumente zu seinen Gunsten: es ist (meist) leichter und damit leichter zu transportieren als ein richtiges Klavier, und man kann Kopfhörer anschließen. Möglicherweise mag der Anschluß an den Midi-Eingang des Computers auch noch ein Plus sein, aber das hab ich nie hingekriegt.
    Der Anschlag selbst mit magnetgehaltenen Tasten ist meiner Erfahrung nach nie ganz so wie beim richtigen Klavier, und der Klang – nun ja.
    Mein Klavierlehrer warnte seinerzeit übrigens auch vor dem Spiel auf dem Cembalo, eben wegen des anderen Anschlags.

  4. Die Transportkosten sind für mich eigentlich das minimalste Problem. Wenn du schon mal im Internet nach Musikinstrumenten gesucht hast, bist du bestimmt schon bei Thomann vorbeigekommen. Deren Sitz liegt ungefähr eine halbe Stunde von hier aus. Dementsprechend werde ich mich erstmal dort umsehen, wird sich ja sicherlich was finden…

  5. Nee, das kenn ich nicht. Mein Klavier ist von gebraucht (und der Flügel meines Vaters direkt ab Blüthner gekauft), und Geigen sind eh Einzelstücke, die man ausprobiert, bevor man sie kauft. Vielleicht läßt sich deine Lehrerin ja erweichen und geht beratend mit?

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