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Me vs. My

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Ich las letztens ein Interview mit Robag Wruhme aka Gabor Schablitzki aka Wighnomy Brothers. Er ließ einen ziemlich deftigen Kommentar in Sachen MySpace fallen. Grund genug, mich auch mal zum Thema auszulassen. Erinnern wir uns an unsere Schulzeit – es gab eine Zeit, da gingen Poesiealben herum und wer als ausreichend cool erachtet wurde, durfte sich mit einem schönen Spruch und einem bunten Bildchen verewigen. Ich glaub, daher stammt auch meine Anti-Community-Einstellung. Ich war schon immer der blasse, unsportliche Typ mit Brille gewesen, der kaum auffiel und deshalb nie zu einem Eintrag in besagte Poesiealben kam bzw. beim Sport immer als letzter in die Mannschaftsauswahl kam. Kurz und gut – ein Looser. Aber statt Amok zu laufen, zog ich es vor, meine Bürde so würdevoll wie möglich zu tragen bzw. eine kleine Gruppe von Freunden um mich zu haben, mit denen man sich vernünftig unterhalten konnte.

Und statt mich als Außenseiter zu definieren, stellte ich die anderen in Frage – für einen Informatiker doch schließlich ein unerlässlicher Charakterzug zur Analyse, das System in Frage zu stellen. Und mit dieser Einstellung rauschte ich durch die Zeit, um im Jetzt und Hier aufzuwachen und festzustellen, dass es immer noch Poesiealben gibt. Nur darf sich jetzt die gesamte Welt mit geistlosen Sprüchen und bunten Wackelbildchen zukleistern. Hat jemand schon den ernsthaften Sinn hinter Myspace entdeckt? Ich erkenne ein ziemlich gutes Netzwerkprinzip, was Musik betrifft. Such das Profil eines Künstlers auf, den du magst und er wird in seiner Freundesliste noch mehr Musik haben, die du auch mögen könntest. Natürlich nur, wenn er ein Profil hat! Aber der Rest? „Ich habe ein MySpace-Profil, also bin ich!“ oder „Alle haben eins, also muss ich auch eins haben!“? Wie sich die de-bug schon so schön äußerte – feature dich selbst wie die Hölle. Pimp yourself! Wer sonst nichts in der realen Welt gebacken bekommt, schafft es doch garantiert innerhalb kürzester Zeit tausende anderer, verzweifelt nach Aufmerksamkeit heischende Nutzer zu finden und denen ein lustig hopsendes Bild ins Profil zu pappen, verbunden mit tiefsinnigen Aussagen wie „Thx for add!“

Hinter dieser kraftvollen und mächtigen Wortformel steht natürlich nicht nur das Bekenntnis des Schreibers, dass er der englischen Sprache mächtig ist, sondern dessen Kürze doch Ausdruck verleiht, wie „Du hör mal zu! Es tut mir leid, dass ich keine weiteren Worte finde, aber allein heute habe ich 2.541 Einladungen bekommen. Was dachtest du, wer sich um diesen Mist kümmert!? Geld verdiene ich damit ja ohnehin nicht.“ Schließlich geht es ja nicht darum, Freunde zu finden, sondern zu sammeln oder besser: einzufangen. Ähnlich wie bei einer Lampe im Mottenschwarm – wer hell genug leuchtet, wird von den meisten Motten umgeben.

Kann natürlich auch sein, dass es sich bei Myspace um das größte Projekt handelt, den Traffic von Pornographie doch endlich mal zu überbieten. Vielleicht möchte Myspace auch den Speicherplatz von Google überbieten oder jedes freie Byte, dass als Cache im Netz verfügbar ist, mit Zappelbildchen zu belegen, um die Geduld derer, die auf ein PDF mit Dijkstras „The humble programmer“ warten, bis ins schier Endlose zu strapazieren. Von daher soll heute mein rebellischer Aufruf lauten: Schreibt viel, wenn ihr was zu sagen habt und verhindert, dass sich noch mehr *entschuldigung* Dünnschiss breit macht – because it’s YourSpace!

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