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Cartagena – Kuba reloaded

Jan 0

Nach unserem Flug von Armenia nach Cartagena hatten wir einen warmen Empfang. Schon am Flughafen empfing uns mollige Wärme gemischt mit feuchter Seeluft. Also ließen wir uns schnell ins Hostel „Casa Viena“ im Stadtteil Getsemani­ fahren und wie es dort aussah, mag ich gar nicht so richtig beschreiben.

Nach unseren schönen Unterkünften in Medellin und Salento, bekamen wir hier ein Zimmer, dass ziemlich heruntergekommen war. Ich definiere das mal genauer…

Das Fenster war ungefähr 1,5 Meter hoch, wobei der untere Teil Fensterladen war, d.h. unterer Teil offen = Lärm und Mücken rein, unterer Teil zu = dunkel. Der obere Teil war verglast, den haben wir aber nicht geschlossen, da wir sonst nachts vor Hitze umgekommen wären. Draußen war ein kleines Netz davor, damit Vögel und andere Viecher nicht reinkönnen. Davor hin ein zurecht gerissenes blaues Tuch mit orangefarbenen Bärchen drauf. Der Fernseher ging nicht, der Deckenventilator ging nicht, deswegen gab es einen Standventilator. An der Kopfseite der Betten waren Löcher in der Wand, die direkt nach außen führten. Also noch ein Schlupfloch für Mücken.

Cartagena, Altstadt, Kolumbien
Teilweise baufällig, aber es hat Charme

Naja und das Bad… es war sauber, aber bestand aus blauen Fliesen, die zum Teil zerbröckelt waren und durch hellblaue Fliesen ausgebessert wurden. Eine Alu-Tür mit bernsteinfarbenen Plastikfenstern schloss den Duschbereich ab, der auch wieder mit Löchern in der Wand zur Außenwelt verbunden war. Warmes Wasser ist in der Karibik ein Fremdwort, sodass eine abendliche Dusche erstaunlich erfrischend ist. Aber Dusche will ich das nicht nennen, es war ein stärkeres Plätschern.

Wir brachten es innerhalb von 1 Stunde mit eingeschaltetem Ventilator auf ca. 10 Mückenstiche (pro Person). Nachdem wir uns mit Deet eingesprüht hatten, ging es auf 3-4 Stiche pro Nacht zurück. Und dieses Erlebnis gab es für 20 Euro die Nacht. Nach einer Nacht flüchteten wir erstmal nach Santa Marta. Dort hatten wir zum gleichen Preis viel schöneres Hostel. Die Stadt bietet nicht viel, auch der Strand ist wenig berühmt, aber dafür leisteten wir uns ein Abendessen im El Santos, dass uns richtig gut schmeckte und auch noch hervorragend angerichtet war.

Cartagena, Kolumbien, Sonnenuntergang
Am Hafen, wo die Segelschiffe liegen ist es immer schön

Als wir von Santa Marta zurück nach Cartagena kamen, gingen wir wieder ins Horrorhostel Casa Viena zurück. Nicht dass wir masochistisch wären, aber Casa Viena hilft Leuten bei der Organisation der Überfahrten nach Panama. Gegen das Personal kann man auch nichts sagen, die sind sehr freundlich. Merkwürdigerweise taucht das Hostel auch nicht bei hostelworld.com auf, dafür aber bei TripAdvisor und dort bekommt es schon seine würdige Erwähnung. Uns kam die Erleuchtung, es zwei Gründe für das Überleben gibt, denn für den gleichen Preis gibt es frisch renovierte Hostels ohne Makel. Zum einen sind es die Überfahrten und zum anderen steht das Hostel im Lonely Planet als „our pick“ drin, wieder ein Beweis, dass „100% researched & updated“ eher eine Luftblase ist. Also zogen wir um.

Wie wir später erfuhren, gibt es gleich links neben Casa Viena das Frühstückscafé „Gato Negro“, dass von Elke Wiese betrieben wird, die auch Überfahrten ohne den horrenden Aufpreis (Casa Viena = 50.000 COP [ungefähr 25 Euro]) vermittelt. Und man merkt sofort, wenn der Besitzer Präsenz zeigt, denn die Casa Viena gehört einem Hans, der zwar auf einem Bild zu sehen ist, aber nie anwesend war.

Fazit:

Wenn Du von Cartagena (Kolumbien) nach Portobello (Panama) über San Blas segeln möchtest, dann gehe nicht in die Casa Viena, sondern frag lieber bei Elke nach. Und bitte vergiss nicht zu fragen, ob der Abfahrtstermin von anderen Dingen abhängig ist (Anzahl der Personen, Wetter etc.).

If you want to go from Cartagena (Colombia) to Portobello (Panama) through the San Blas islands then please ask Elke in Café „Gato Negro“ right next to Casa Viena. Don’t go to Casa Viena. Please ask the captain whether the date for leaving ist for sure and doesn’t depend on weather conditions, amount of people going or something else.

Si quieres ir de Cartagena (Colombia) a Portobello (Panama) y las Islas San Blas, lo mejor es que preguntas por barcos en el café „Gato Negro“ al lado de Casa Viena.

Um die Casa Viena zu verlassen, betritt man die Straße und hat ein passendes Außenbild zum Interior. An den Rinnsteinen steht das Wasser, an Abflüsse wurde hier nicht gedacht. Allgegenwärtig sind die Handyanbieter, die Mobilfunkgespräche für 100-200 Pesos pro Minute anbieten. Dazwischen schieben Leute ihre quietschenden Wägen durch die Straße, in dreckige, löchrige Klamotten gehüllt, das gesamte Touristenumfeld gründlich ignorierend. Kommt man zur Hauptstraße, verdichtet sich das Ganze. Es ist ein Laden neben dem anderen und davor verkaufen Leute alles mögliche, um Geld zu verdienen – von rostigen Türscharnieren bis zu Handyplatinen. Und wenn man sich auch noch da durchgekämpft hat, ist man in der Altstadt.

Die Altstadt von Cartagena hat Charme und voll touristisch ausgelegt. Viele Gebäude sind renoviert und beherbergen überteuerte Schmuck- und Kunstläden. Blumen schmücken die Balkons der Kolonialgebäude – es ist eine Freude für das Auge. Zwischendurch bekommt man Panamahüte angeboten (besonders, wenn man schon einen auf hat). Und plötzlich schleicht einer dazwischen, der mir bekannt vorkam… „Wanna buy Cuban cigar?“. Ja stimmt, es ist karibisch hier. Leute tanzen abends auf der Straße, selbst organisierte Straßenfeste – geht alles. Aber auch Schubsereien und eine kleine Verhaftung sind drin.

Cartagena, Altstadt, Kolumbien
Einige Teile der Altstadt sind richtig schön

Nach 3 Tagen hatten wir so langsam raus, wo wir Essen gehen konnten. Wir fanden ein Restaurant, was für Mittagspausen (mehr für einheimische Büroangestellte) gedacht ist. Für 9.000 – 12.000 COP bekommt man wochentags im „Espiritu Santo“ ein Essen, was sich auf 2 Teller verteilt und locker für zwei Personen reicht. Und dann gibt es noch das Mompox, wo man Früchte und Eis in allen Formen und Mischungen genießen kann. Wir entschieden uns für einen mittleren (der war riesig!) Fruchtsalat mit geriebenem Käse und einer Eiskugel drauf, sowie einem Eisshake, der vergleichbar mit seinem McDonalds-Bruder ist.

Wir wunderten uns zunächst, warum kaum Läden Postkarten anbieten, bis wir auf das Geheimnis stießen, was uns zwei Stunden Zeit kostete, sie zu finden – die kolumbianische Post. In einem kleinen klimatisierten Kabuff saßen 6 Beamte, alle sehr beschäftigt tuend. Wir erkundigten uns für den Preis einer Briefmarke für eine Postkarte nach Europa, 4 Stück insgesamt. Die Angestellte tippte ein paar Zahlen auf dem Taschenrechner zusammen und hielt ihn dann hoch: 6.700 Pesos – das sind ca. 2,70 Euro. Aber nein, nicht für alle 4, sondern nur für eine Postkarte. Da hört der Spaß auf und wir verließen den Laden.

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