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Isfahan

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Es folgte das letzte Ziel unserer Reise: Isfahan. Eine Stadt, die nur vor Grün strotzte, auch wenn der Fluss der sich früher durch die Stadt schlängelte seit langer Zeit keinen Tropfen Wasser mehr führt. Man borgte sich auch hier das Wasser von zukünftigen Generationen. Als wir am Abend ankamen, spazierten wir etwas am „Fluss“ entlang. Wir sahen die 33-Bögen-Brücke und gingen anschließend Essen in Davids Lieblingsrestaurant. Es gab Hühnchen in Granatapfelsoße, die mich an meine Pflaumensoße erinnerte. Sehr lecker! Danach fuhren wir ins Hotel. Es war überall Stau, logisch, da Mittwoch war (was bei uns der Freitag ist).

Unsere Tour durch die ehemalige safawidische Hauptstadt begann mit dem Abbild der Welt-Platz. Hier besuchten wir alle Moscheen und Paläste, die sich dort befanden. Es folgte noch der 40-Säulen-Palast mit seinen schönen Malereien und in einem kleinen, schattigen Café machten wir Mittagspause. Danach war unsere Tour offiziell zu Ende. David bot uns noch an, mit uns zu einem Teppichverkäufer und einem Kunsthandwerker zu gehen, gleich mit der Betonung – kein Kaufzwang. Wir genossen die Vorführung, bei den Teppichen kann man schon echt schwach werden, denn die haben richtig schöne Muster und Farben. Den Rest des Tages hatten wir zur freien Verfügung.

Isfahan, Iran
40-Säulen-Palast

Krisztas Papa ist ein Filmfreund und hatte sich im Vorfeld eine Liste mit Filmen gemacht, die er gern haben wollte, da man sie bei uns nicht bekommt. Wir machten uns auf die Suche. Nach einiger Zeit hatten wir einen CD-/DVD-Laden gefunden, die gesuchten Filme hatten sie natürlich nicht, da die Filme schon älter waren. Wir wurden aber auf einen anderen Laden verwiesen. Wir erfragten uns den Weg dahin, wurden aber nicht fündig. Erst als wir kurz vorm Ziel waren, erfuhren wir, dass der Laden nicht existierte.

Als wir zurück gehen wollten und uns gerade nicht einig waren, ob wir nun links oder rechts des Abbild der Welt-Platzes entlang gehen wollten, sprach uns ein Mann an, er würde uns gern den Weg zeigen. Wir starteten einen letzten Versuch einen brauchbaren DVD-Laden zu finden. Er kannte zwei Stück und ging mit uns dahin. Als sich dort herausstellte, dass sie die Filme nicht in der Zeit beschaffen können, rief er Freunde an, ob sie noch eine Idee hätten. Er zeigte uns den Weg dahin auf der Karte. Es war der Laden, wo wir ursprünglich hergekommen sind. Wir bedankten uns und liefen zurück zum Abbild der Welt-Platz.

Isfahan, Iran
Abbild-der-Welt-Platz

Auf dem Weg dahin wurde Kriszta von einer Frau angesprochen. Ihre Tochter konnte gut Deutsch und so unterhielten sie sich auf dem Weg. Wir erfuhren etwas aus dem Leben einer Frau, die geschieden ist und sich deshalb nur sehr ungern daheim aufhält, da sie ständig kontrolliert wird. Es war doch nicht alles so perfekt, wie David uns einzureden versuchte. Das war uns zwar schon vorher klar, aber David versuchte uns ein Bild einzutrichtern, dass schon kurz vor der Gleichberechtigung stand.

David war ein guter Guide, mit viel Pro, aber auch ein wenig Kontra. Er sorgte dafür, dass die Reise reibungsfrei ablief, dass wir an den Orten immer zum perfekten Zeitpunkt waren, siehe Amir Chaqmaq-Komplex, der für den Vormittag gedacht war (Sonne steht dahinter), den wir aber am Abend zuvor besuchten, wenn die Sonne das Gebäude perfekt beleuchtet. Auch ohne ihn gewannen wir schnell den Eindruck, dass die Iraner selbst ein sehr freundliches Volk sind, denn gerade junge Menschen (meist Frauen) kamen auf die Frauen in unserer Gruppe zu und unterhielten sich mit ihnen. David selbst wurde sehr oft, wenn er uns etwas erklärte von älteren Menschen angesprochen, worauf hin wir ihn fragten, was sie denn ständig von ihm wollten. Seine Antwort war simpel – sie wollten das hässliche Image ihres Landes, dass verbreitet wird, loswerden.

Isfahan, Iran
Ofen, in dem Fladenbrot gebacken wird

Einen kleinen Wermutstropfen gab es natürlich, denn im Iran ist es nahezu unmöglich, Geld am Automaten zu bekommen. Deswegen bot sich David an, für uns Geld zu wechseln. Hätten wir nicht am Flughafen versucht, Geld zu wechseln, wäre der Kurs gleich schlechter ausgefallen. So begannen wir 1 Euro = 40.000 Rial. Später „verschlechterte“ sich der Kurs, aber da wir auf David angewiesen waren, mussten wir mitspielen. Ähnlich lief es mit dem Essen abends ab, er bezahlte für alle und kassierte später im Bus – pro Person zwischen 350.000 und 450.000 Rial. Wahlweise auch in Euro zahlbar zu seinem Wechselkurs. Das stieß uns nur in sofern sauer auf, wenn wir nicht ein paar Tage zuvor in dem Imbiss zu dritt für 390.000 Rial gegessen hätten. Ich weiß, Imbiss sollte man nicht mit Restaurant vergleichen, aber qualitativ war da definitiv kein großer Unterschied.

Zum Abendessen setzten wir uns auf die Dachterasse unseres Hotels und aßen nochmal eine riesige Portion von Grillspießen mit Salat. Auch diesmal zahlten wir bei weitem weniger, wie uns David die Abende zuvor verlangt hat. Wobei man dazu sagen muss, dass wir mit Absicht das Hotelrestaurant gewählt hatten, da es im Gegensatz zu denen am Platz gelegenen Restaurant wesentlich günstiger war.

Isfahan, Iran
Abbild-der-Welt -Platz am Abend

Es brach der letzte Tag an, der uns zur alten Freitagsmoschee und einer armenischen Kathedrale führte. Letztere bestach durch ihre schön gemalten Wände. Auf dem Rückweg nach Tehran machten wir noch einen Zwischenstopp in Kashan, um hier einen Garten und das Borudjerdi-Haus zu besichtigen. Für die Hausbesichtigung waren wir etwas zu spät, denn wir erschienen kurz vor 16 Uhr und geöffnet war nur bis 16 Uhr. Es kostete David reichlich Überredungskunst, dass sie am heutigen Freitag uns doch noch passieren ließen. Gegen einen kleinen Obolus waren die Wächter des Museums doch willig.

Wir übernachteten wir im Hotel, wo wir die erste Nacht verbracht haben. Nur mit einem kleinen Unterschied: Es wurde eine Hochzeit im Hotel gefeiert. Wie auch bei uns, wurden die Kinder „zum schlafen“ gebracht und man feierte gemütlich weiter. Hieß für uns: *rumms* Tür zu, *trapp, trapp, trapp* den Gang runter, wieder *rumms* – dann ein paar Minuten Stille und dann begann das Spiel von vorn. Und das, wo wir um kurz nach 3 Uhr aufstehen mussten…

Isfahan, Iran

Zum Schluss noch ein kleines Fazit: Mir war schon vorher klar, dass mich bei weitem nicht das böse und feindliche Land erwartete, wie es hier immer dargestellt wird. Aber die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft waren doch viel deutlicher ausgeprägt, wie ich das in anderen Ländern erlebt habe. Natürlich hat man immer vor Augen, dass hier sämtlich Frauen ihren Hidschab oder Tschador tragen. Laut Gesetz sind sie seit November 2013 nicht mehr dazu verpflichtet, aber wir haben keine Frau mit offenem Haar gesehen.

Ich habe eine Zeit lang überlegt, ob mir ein passende Analogie für unsere Kultur einfällt. Und ich glaube, ich habe eine gefunden: Stellt euch vor, von heute auf morgen werden Umkleidekabinen verboten. Man muss sich direkt im Laden umziehen und alle können zuschauen. Wäre unangenehm sich zu entblößen, oder? Aber warum? Schamgefühl ist nichts, was uns angeboren wurde. Und genau so stell ich mir das dort vor. Es gehört zur Kultur, zum Tagesablauf und jede Änderung sich etwas Anerzogenes abzugewöhnen, dauert seine Zeit. Aber das ist nur ein oberflächliche Geschichte… Die wahren Probleme kann man sich bei Wikipedia unter dem Abschnitt Justiz mal zu Gemüte führen.

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