Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Alternative Raumantriebe (Teil 11) – EM-Drive

Jan 2

Alle futuristischen Antriebe haben eins gemeinsam – sie möchten mit einer minimalen Masse möglichst viel Energie erzeugen, sei es um hohe Geschwindigkeiten zu erreichen oder mit kleinem Energievorrat sehr weit zu kommen. Diese Idee hatte auch Roger Shawyer, der sich dachte, dass elektromagnetische Wellen als Antrieb dienen könnten. Und er nannte das Ding passenderweise EM-Drive. Etwas später gesellte sich ein amerikanischer Forscher namens Fetta hinzu, gab seinem Antrieb den Namen „Cannae-Drive“, aber die Funktionsweise blieb die gleiche.

Was ist das Interessante an dem Antrieb? Es funktioniert mit Wellen und wie wir aus dem Physikunterricht wissen, transportieren Wellen keine Materie. Newton beschrieb das Prinzip damals so schön als „actio = reactio“ – Kraft gleich Gegenkraft. Also um einen Schub zu erzeugen, muss eine Kraft wirken, was aber nicht mit Wellen funktioniert, sonst würde uns die Taschenlampe ständig aus den Händen gleiten. Und Hochenergielaser hätten einen furchtbar hohen Rückstoß. Dem ist aber nicht so. Das Merkwürdige am EM-Drive ist allerdings, dass er einen Schub erzeugt. Die NASA hat es experimentell überprüft und musste feststellen – entgegen aller Gesetze der Physik gab es einen kleinen Schub von 30 bis 50 Mikronewton.

Allerdings gab es kein Review auf die Forschungsergebnisse, sodass man sie nicht als verifiziert gelten lassen kann. Obwohl NASA schon ein gut klingender und seriöser Name ist, handelt es sich bei dem Eagleworks Laboratorium um einen kleinen Laden, der gerade mal mit $50.000 im Jahr auskommen muss. Man spekulierte, dass man zwar im Vakuum experimentiert hat, aber immer noch nicht ausschließen kann, dass es zu Wechselwirkungen mit der Wand der Vakuumkammer gekommen ist.

Offensichtlich mochten ein paar Dresdner die Idee und bauten einen EM-Drive nach und testeten ihn unter ähnlichen Bedingungen wie die NASA. Und auch an der TU Dresden maß man einen Schub von 20 Mikronewton. Die Ergebnisse wurden die Tage veröffentlicht und nun geht die Diskussion von vorn los: Ist ein Antrieb ohne Treibstoff möglich?

Machen wir mal eine kleine Rechnung: Um eine Saturn-V-Rakete von der Erde wegzubekommen braucht man einen Schub von 34 Millionen Newton. Wenn ich den Bericht der Dresdner richtig gelesen habe, setzten sie 700 Watt Energie ein, um den Schub von 20 Mikronewton zu erzeugen. Skaliert diese Erzeugung linear, würde das bedeuten, dass mann mit 700.000 Watt 20 Millinewton Schub erzeugt. 700 Millionen Watt machen dann 20 Newton Schub und um letztendlich 40 Millionen Newton Schub zu erzeugen, wären 1.400.000.000.000 Watt notwendig. In Worten beschrieben: 1,4 Billionen Watt. Zum Vergleich: Das Wasserkraftwerk am Drei-Schluchten-Staudamm des Yantze erzeugt gerade mal 18,2 Milliarden Watt und ist derzeit das größte Strom erzeugende Kraftwerk der Welt. Und von denen bräuchte man 770 Stück um die benötigte Energie zu gewinnen. Oder mit anderen Worten: Wir sind weit davon entfernt, aus dem EM-Drive Nutzen zu ziehen. Vorausgesetzt die Experimente beinhalten keine Messfehler.

Nachtrag 30.06.2016: Irgendwas konnte doch nicht stimmen… also haben die Dresdner nochmal geprüft. Dennoch konnte wieder ein Schub gemessen werden. Also veränderte man die Position des Versuchsantriebs. Jetzt sollte sich ja auch die Richtung des Schubs ändern, was sie aber leider nicht tat. Also prüfte man alles durch und kam zu dem Schluss, dass eine Interaktion mit den Strom zuführenden Kabeln dafür verantwortlich sein müssen. Die einzige Möglichkeit, das auszuprobieren ist, auf eine Batterie umzustellen, die das System unabhängig von Interaktionen mit der Außenwelt macht. Leider fehlten der TU Dresden dazu die Mittel. Den Chinesen aber nicht, denn die konnten jetzt nachweisen: Keine Stromzufuhr von außen = kein Schub = kein EM-Drive möglich.

    • Hallo Vortex,

      ich finde es interessant, gerade weil ich gestern einen Artikel bei golem.de gelesen habe, wo die NASA das Prinzip nochmal durchleuchtet hat und es für funktionsfähig erklärt hat (wenn auch mit der Möglichkeit von Messfehlern) – http://www.golem.de/news/em-drive-der-mikrowellenantrieb-bleibt-fraglich-1611-124744.html

      Ich bleibe erstmal bei meiner Meinung: Solange das Verhältnis der Energie(Aufwand) >> Energie(Schub) ist, bleibt der EM-Drive ein unrealistisches Projekt.

      Viele Grüße
      Jan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.