Sony Alpha ILCE-6000 im Test

Ich will nicht sagen, dass ich meine alte Canon EOS 7D nicht mehr mag, aber sie ist mir zu schwer geworden. Außerdem dauert es mir einfach zu lange, wenn ich mal zoomen will, das Objektiv zu wechseln. Die Natur wartet nicht, bis man das Objekt aus dem Rucksack gekramt hat und es aufsetzt. Deswegen soll es eine Systemkamera werden, am besten mit einem sogenannten Reiseobjektiv, was ein großes Spektrum abdeckt. Ich bestellte mir die Sony Alpha ILCE-6000 mit einem Tamron 18-200mm III und probierte etwas herum.

Da ich nur ein kleiner privater Blog bin, vergesse ich schon mal was – zum Beispiel mal ein Bild von der Kamera selbst zu machen. Ich war viel zu neugierig, wie sich die Kamera bedient. Die Bedienung war für jemanden der eine DSLR hat, spielend einfach. Einige Einstellungen, wie z.B. ISO waren nicht direkt erreichbar. Aber ansonsten war alles so, wie ich es mir gewünscht habe. Für mich waren drei Kriterien für einen Kauf wichtig:

  1. Aufnahmen mit hoher ISO-Zahl
  2. Aufnahmen bei wolkigem Wetter
  3. Objektiv-/Bildqualität allgemein

Bildrauschen

Ich stehe immer vor dem Problem, dass ich auch mal abends ein Bild ohne Stativ machen möchte (schließlich trage ich nicht immer eins mit mir). Momentan habe ich ein Objektiv was eine durchgängige Lichtstärke von 2.8 hat und mir war klar, dass ich gewisse Kompromisse eingehen muss, wenn ich jetzt ein Tele benutze, was eine Lichtstärke von 3.5 – 6.3 hat. Die Sony gibt an, dass sie bis ISO 25.600 arbeitet, deswegen war ich neugierig.

Ich knipste erstmal etwas bei mir im Zimmer herum. Es war schon Abend, ich hatte das Licht an. Ein weitere Punkt meines Test war, dass sich die ISO-Zahl automatisch bei vorgegebener Blende und Belichtungszeit anpasst. Das Bild unten zeigt einen Bildausschnitt meines ca. 3m von mir entfernten CD-Regals. Das Bildrauschen ist sehr deutlich, aber auch nicht schlimmer, wie bei meiner Canon. Minimal verwackelt, was aber der niedrigen Belichtungszeit geschuldet ist.

ISO 3200, 200mm, 1/100 bei f/6.3
ISO 3200, 200mm, 1/100 bei f/6.3

Weißer Himmel

Eigentlich hat es mit dem Wetter relativ wenig zu tun, aber wolkiger Himmel ist eine Ursache für folgendes Symptom. Man fotografiert eine Landschaft mit ca. 1/4 Himmel, vorzugsweise wolkig. Was passiert ist, dass meistens der Himmel komplett „ausgebrannt“ (überbelichtet) ist, weil die Canons ihre Sensoren nicht über das ganze Bild verteilen, sondern um die Mitte platzieren. Also einfach auf den Balkon stellen und ein Bild machen. Das Wetter war so nett, sich von der wolkigen Seite zu präsentieren. Die Sony hat ihre Sensoren besser verteilt und damit war klar: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

ISO 100, 29mm, 1/200 bei f/9.0
ISO 100, 29mm, 1/200 bei f/9.0

Herz und Nieren

Das war jetzt wirklich einfach. Alles fotografieren, was einem vor die Linse kommt und später am Rechner mal genauer unter die Lupe nehmen. Hier ging es weniger um die Bedienung der Kamera, viel mehr um das Ergebnis. Speziell wollte ich testen, wie sich die Qualität dieses enormen Zoombereichs bemerkbar macht. Ich hatte es günstig erwischt, denn der Busch hinter dem Haus blüht im Frühjahr immer sehr schön. Grandios sieht es natürlich aus, wenn blauer Himmer dazu ist. Auch hier spielte das Wetter mit und zeigte sich tiefblau. Ich spielte mit diversen Zoomstufen herum, bis ich am Rechner bei 18mm merkte, dass da was nicht stimmt. War es windig? Nein, links und rechts des Bildes verschwommen und in der Mitte scharf?! Ich prüfte die anderen Bilder. Ja, tatsächlich – die Verzeichnung des Objektivs war so gravierend, dass man es mit bloßem Auge sah, ohne ins Bild reinzuzoomen.

ISO 100, 18mm, 1/125 bei f/8.0
ISO 100, 18mm, 1/125 bei f/8.0

Offensichtlich scheint es wirklich nur bei der 18mm-Einstellung aufzufallen, denn im 50mm (Titelbild) konnte ich kaum etwas feststellen. Bei 200mm war es schwierig, da hätte ich mit einem Testbild arbeiten müssen, denke aber, dass die Verzeichnung auch nicht so schlimm war, wie bei 18mm.
Hier sieht man mal beide Bilder. Einmal das Original nicht gezoomt und dann Ausschnitte (linker Bildrand, Mitte, rechter Bildrand). Das Schlimme daran war – hat man es bei einem Bild erstmal entdeckt, fällt es bei allen anderen auch auf.

1:1 Darstellung des vorherigen Bildes
1:1 Darstellung des vorherigen Bildes

Fazit

Ich machte die meisten Bilder Freitag Abend bzw. Samstag über den ganzen Tag verteilt. Als ich Sonntag Vormittag die Bilder sichtete, druckte ich noch am selben Tag das Rücksendeformular aus und schickte die Kamera am Montag zurück. Ich war mir bewusst, dass ich mit kleinen Qualitätseinbußen rechnen muss, aber das ging mir doch zu weit. Für einen Preis von 1.100 Euro, die mich die Kamera gekostet hätte, geht etwas mehr als die Hälfte (ca. 600 Euro) auf das Objektiv. Und für den Preis bin ich nicht bereit, solche Einbußen in Kauf zu nehmen.

5 Gedanken zu „Sony Alpha ILCE-6000 im Test

  1. Hallo Jan,
    ich habe auch die Sony A6000 und bin sehr zufrieden mit ihr. Ich habe das 18-55mm Kit und das 55-210mm.
    Klar müsste man damit im Urlaub Objektive wechseln, aber zu 90% ist das 18-55mm drauf. Und das ist für seinen Preis und die enorme kleine Größe einfach perfekt. Ansonsten kann man auch mal längere Zeit mit 55-210mm rumlaufen.

    Wieso probierst du nicht ein anderes Objektiv aus?
    Denn für die Verzeichnungen ist ja nur das Objektiv verantwortlich und nicht die Kamera.

    Beispiel Fotos:
    https://my-azur.de/fotografie/2016/08/22/leaf/
    https://my-azur.de/fotografie/2016/08/06/not-a-bee/
    https://my-azur.de/fotografie/2016/07/10/bee/
    https://my-azur.de/fotografie/2016/06/10/balkonblumen-makro/
    https://my-azur.de/fotografie/2015/12/29/stein-makro/

    Gruß Marco

    1. Hallo Marco,

      danke für deine schönen Beispiele! Ich gebe dir bezüglich der Verzeichnungen des Objektivs zu 100% Recht. Mit der Kamera an sich war ich vollauf zufrieden. Was man aber nicht aus dem Beitrag rauslesen kann ist, dass ich mit meiner 7D bereits mit einem 18-55mm und einem 55-250mm unterwegs bin. Und da trifft das Gleiche wie bei dir zu – zu 90% ist das „Kleine“ drauf. Von einem Wechsel von einem dreiteiligen Set zu einem dreiteiligen Set hätte ich (außer Gewicht) nicht viel gewonnen.

      Ich hatte im Vorfeld recherchiert und bin über viele Beiträge gestolpert, die meinten, dass viele Umsteiger auf eine Systemkamera gleich ein Universalobjektiv nutzen wollen. Doch Vergleiche wie sich das im Gegensatz zur alten Kamera anfühlt, habe ich nicht gefunden. Das war mehr oder weniger Intention meines Beitrags.

      Ich würde dem Ganzen natürlich noch einen Versuch geben, z.B. mit einem 18-135mm, was ja auch schon einen Großteil abdeckt. Problem ist auch hier: fehlende Vergleichswerte. Irgendwie scheint mein Wunsch, 10 Jahre alte Technik durch neue und kleinere Technik zu ersetzen, abwegig zu sein. Wahrscheinlich ist es Wunsch der Hersteller, dass man als Besitzer einer EOS 7D nur auf eine 5D wechselt 😉

      Viele Grüße
      Jan

  2. Hallo Jan,

    die Idee hatte ich auch vor einigen Jahren und habe die damalige NEX 7, glaube ich, samt Sony 18-200 auch wieder zurück geschickt. Das Objektiv war einfach grottig und ich musste viele Bilder stark korrigieren. Meiner Meinung nach hat Sony kaum brauchbare und bezahlbare Objektive. Viel Spaß bei der weiteren Suche…Hat Canon nicht auch Spiegellose im Programm?

    Viele Grüße
    Alex

    1. Hey Alex,
      danke für deine Bestätigung! Ja, Canon hat sogar eine ganze Serie von Spiegellosen im Programm. Nur haben sie eigens dafür ein neues Bajonett erfunden – das EF-M. Wo man EF-Objektive noch auf EF-S-Kameras benutzen konnte, ist das mit EF-M gar nicht mehr möglich, denn der Durchmesser wurde verkleinert. Heißt Adapter oder ein extra Objektiv.

      Mit der Sony an sich war ich schon zufrieden. Hab ja auch auf Anhieb alles gefunden bzw. hat meine Erwartungen erfüllt. Aber allzu viel Auswahl hab ich ja nicht… denn von der Sensorgröße möchte ich schon APS-C haben. Und in dem Preissegment, wo ich mich bewege, machen doch viele Hersteller Four Thirds. Deswegen liebäugle ich grad mit der Fujifilm XT-10… mal sehen, der Sommer ist noch lang 🙂

      Viele Grüße,
      Jan

Schreibe einen Kommentar