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In Benin Richtung Norden

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Nachdem wir einige Tage in Lomé (Togo) verbracht haben, fuhren wir jetzt über die Grenze nach Benin. Immer entlang der Küste besuchten wir zuerst Togoville, um dann später ins Landesinnere nach Natitingou zu fahren.

Grand Popo

Wir sind mit einem Kleinbus und einem PKW unterwegs. An der Grenze wird zwischen Bussen und PKWs unterschieden. Deswegen versucht ein übereifriger Typ den Bus auf die eine Seite und den PKW auf die andere Seite zu lotsen. Ein Grenzbeamter interveniert und schickt uns beide auf die PKW-Seite. Der Typ rennt unseren Autos hnurterher. An der Grenze angekommen, sammelt er dienstbeflissen unser Pässe ein und legt die ausgedruckten eVisa gefaltet in die Pässe.

Etwas ungläubig schauen wir Modeste an. Er erklärt uns, dass die Grenzbeamten die Typen nicht leiden können, weil sie nur herumlungern und Stress machen. Aber um sie loszuwerden, müsste die Regierung Geld in die Hand nehmen. Was sie aber nicht macht und deswegen beeilen sich die Beamten mit der Bearbeitung, um den Typen loszuwerden. Das funktioniert bei uns nur bedingt, denn wir warten trotzdem 1,5 Stunden. Der Typ bettelt uns noch etwas an und nachdem er keinen Erfolg hat, zieht er unverrichteter Dinge von dannen.

Afrikanische Sänger und Trommler
Als wir ankommen, wird schon gesungen und getrommelt

Nicht weit von der Grenze liegt Grand Popo. Dort sollen bei einer Zangbeto-Zeremonie teilnehmen. Die Zangbetos sind die Wächter des Dorfes. Während alle tanzen und singen erscheinen die Zangbetos. Immer wieder werden sie umgekippt, um zu zeigen, dass niemand darunter ist. Auch erscheinen beim Umkippen immer wieder kleine Figuren darunter. Das Highlight ist, als ein Huhn darunter gelegt wird. Und kurz darauf wird er wieder angehoben und das Huhn hat sich in ein frisch zubereitetes Essen verwandelt, das wir probieren können.

Dass es keine Touristenattraktion ist, wird uns klar, als unser Guide uns bittet, dass wir jetzt gehen sollen, denn die Dorfbewohner möchten ihr Fest gern allein zu Ende feiern. So fahren wir ein Stück zurück ins Awale Plage. Es dämmert mittlerweile und durch die vielen Bäume sind schon etliche Mücken unterwegs. Gerade in unserem Zimmer haben sich etliche angesammelt. Deswegen lassen wir den Ventilator und die Klimaanlage die ganze Nacht laufen.

Zangbeto-Zeremonie
Drehend tanzt der Zangbeto auf dem Dorfplatz

Am Morgen gehen wir an den Strand und schauen den Fischern zu, wie sie ihre riesigen Netze einholen. Sie bitten uns, nicht zu fotografieren. Wir respektieren ihren Wunsch und schauen ein wenig zu. Obwohl wir schon am Vorabend unser Frühstück vorbestellt haben, dauert es wieder lang, bis alles auf dem Tisch steht.

Dann geht es weiter Richtung Ouidah. Wir machen Zwischenstopp an einem See, lernen etwas aus dem Leben der Fischer. Von klitzekleinen, frittierten Fischen bis zu geräucherten Fischen gibt es alles am Straßenrand zu kaufen. Danach folgt eine lange Fahrtstrecke, bis wir Ouidah erreichen.

Ouidah

Erste Anlaufstelle in Ouidah ist der Pythontempel. Kriszta hat schon lange vorher angekündigt, dass sie Angst vor Schlangen hat und wird nun ständig damit aufgezogen. Aber unser Tourguide ist sehr respektvoll und fragt nur, ob sie die Python um den Hals legen will.

Es gibt mehrere Geschichten zum Ursprung des Pythontempels. Dabei geht es um eine Python, die eine Frau trifft und sie warnt, dass ihr Volk angegriffen wird. Die Frau eilt zum König, der sich darauf vorbereitet. Tatsächlich findet der Angriff statt und trifft das Volk nicht völlig unvorbereitet. Zur Ehrung wird der Pythontempel gebaut. Angeblich werden die Pythons dort nicht gefüttert, sodass sie nachts ins Freie kriechen und sich ihr Futter suchen. Und wer auch immer eine Python in Ouidah findet, bringt sie in den Tempel.

Pythontempel in Ouidah
Pythontempel in Ouidah

Ouidah ist außerdem das Zentrum des Voodoo. Jedes Jahr am 10. Januar, und wir bekommen dieses Datum ungefähr 10mal an diesem Tag zu hören, findet eine große Zeremonie statt, bei der Voodoo-Priester aus aller Welt zusammenkommen.

Weiter geht es im Zauberwald. Der Zauberwald ist ein heiliger Ort in Ouidah. Nachdem das Volk angegriffen wurde (siehe Legende aus dem Python-Tempel) flüchtete der König in den Wald. Das Zitat des Guides war „Er ist nicht gestorben, er wurde nur nie mehr gesehen.“ Der Legende nach soll sich der König in einen Baum verwandelt haben. Wenn man diesen Baum mit der linken Hand berührt und einen Wunsch äußert, soll der in Erfüllung gehen.

Zauberwald von Ouidah
Es fällt schwer, die Stimmung im Wald wiederzugeben

So ist es während unserer Reise an so ziemlich allen Plätzen. Erwartet wird aber, dass man zurückkehrt, wenn der Wunsch in Erfüllung gegangen und dann eine Spende mitbringt. Der Zauberwald ist gespickt mit Statuen, die verschiedene Gottheiten darstellen sollen. Eine weitere Legende des Zauberwalds besagt, dass bei einem Sturm der Baum umgekippt sein soll. Aber als man am nächsten Tag den Baum aufrichten wollte, stand er schon wieder.

Während wir durch den Wald laufen, entdecken wir viele Fledermäuse oder, von der Größe gesehen, schon fast Flughunde. Unser Guide schlägt vor, dass wir alle in die Hände klatschen, um sie aufzuschrecken, damit wir ein Foto machen können. Entsetzt lehnen wir ab. Aber die Gruppe nach uns probiert es gleich mehrfach. Zum Glück ohne Erfolg.

Tatsächlich sind wir an diesem Tag schon um die Mittagszeit im Hotel. Das Hotel Diaspora liegt direkt am Strand und der Restaurant- bzw. Poolbereich erinnert an einen sozialistischen Urlaubsbau. Dort setzen wir uns erst mal hin und trinken bzw. essen was. Wir probieren frittierte Kochbananen, die sehr lecker sind. Wir machen noch einen kleinen Strandspaziergang und werden nass, weil wir Wellen doch etwas unterschätzen.

Verkaufsplatz der Sklaven in Ouidah
An diesem Platz wurden die Sklaven verkauft

Unsere Zimmer sind kleine Häuser, wobei zwei Zimmer immer ein Haus sind. Spätestens an dieser Stelle fällt uns auf, dass immer nur ein Handtuch auf dem Zimmer ist. Also beginnt jedes Mal, wenn wir das Zimmer beziehen, die Frage nach dem zweiten Handtuch. Direkt hinter den Häuschen führt ein Feldweg lang, der von LKWs benutzt wird, die gleich nebenan ein chinesisches Großhotel hochziehen.

Der Nachmittag bringt uns das erste Mal das Thema Sklavenhandel nahe. Gut gefällt mir, dass die Erzählung der Geschichte nicht mit einer einseitigen Schuldzuweisung dahergeht. Das Thema ist schon beklemmend genug. Denn schließlich wurden die Sklaven aus den Landesinneren an die Küste verschleppt. Und wer diesen Marsch und das anschließende Warten in den Forts überlebte, wurde dann in die ganze Welt verteilt.

Es beginnt mit dem Platz, wo die Sklaven verkauft wurden. Dabei erfahren wir gegen welche und wie viele Waffen und Luxusartikel die Sklaven getauscht wurden. Wir hören an, wie der König von Abomey (damals noch Dahomey) die Gefangenen und sein eigenes Volk an die Weißen verkauft hat und wie sie bis nach Ouidah laufen mussten, um hier auf Schiffe verladen zu werden. Wir folgen dann dem Weg der Sklaven bis an die Küste – dem Point Of No Return.

Denkmal für den Point Of No Return in Ouidah
Dieses Denkmal erinnert an den Point Of No Return

In Ouidah ist zwar viel Erinnerung an die Vergangenheit vorhanden, aber ein Großteil ist mit der Abschaffung des Sklavenhandels zerstört worden. So auch der Baum des Vergessens, wo Männer 9mal und Frauen 7mal herum gehen sollten, um Familie und Bekannte zu vergessen. Dafür existiert noch der Baum der Rückkehr, der 3 mal umrundet werden musste, damit die Seele zurückkehrt.

Große Teile des Weges bis zur Küste werden wir gefahren, kommen aber noch an der Stelle vorbei, wo das Haus stand, wo die Sklaven zusammengepfercht auf die Ankunft des Schiffes warten mussten. Gegenüber davon wurde mit dem Bau eines Hotels begonnen, was eigentlich dafür gedacht war, dass als Unterkunft für die Nachkommen der Sklaven als Unterkunft dienen sollte, leider wurde es nicht fertig gestellt.

Letzte Station ist der Point Of No Return am Strand. Dort erinnert ein Denkmal an die letzte Station. Von der einen Seite zeigt es die Menschen die auf ein Schiff zugehen, von der anderen Seite den Baum der Rückkehr. Die damit verbundene Aussage, dass es nie ein Sklave zu Lebzeiten geschafft hat, in seine Heimat zurückzukehren, ist erschreckend.

Strohhütten am Salzwasser

Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir brauchen noch etwas Schönes für die Augen. Deswegen halten wir noch an einem Gewässer zwischen Strand und Ouidah. Dort stehen Strohhütten, wo Salz gewonnen wird. Gegenüber den allgegenwärtigen Wellblechhütten, sind das hier reine Strohhütten. Meine Frage, ob die Leute dort tatsächlich wohnen, wird bejaht.

Ganvie

Ab jetzt fahren wir ins Landesinnere. Erste Station auf dem Weg nach Abomey ist Ganvie, das Stelzendorf. Es ist ein riesiger See in dessen Mitte sich ein Volk auf der Flucht niedergelassen hat. Deshalb stehen dort die Hütten mitten im See. Wie unser Guide erzählt, werden die Pfosten der Häuser regelmäßig erneuert, damit sich nicht versinken. Natürlich leben diese Menschen von der Fischzucht und vom Fischfang. Das ist etwas schwierig, weil sie traditionell mit Stöcken Bereiche absperren und darin ihre Fische halten. Das ist ihnen aber mittlerweile verboten, weil sich dort zu viel Müll ansammelt.

Wir machen in einem Souvenirshop eine kurze Pause. Im Anschluss kaufen wir von einer Frau, die auf ihrem Boot Bananen anbietet etwas ab. Es sind die besten Bananen, die wir je probiert haben. Nicht nur, dass sie die perfekte Reife haben. Sie sind auch sehr aromatisch, anders als die gewöhnlichen Bananen, die „nur“ nach Banane schmecken. Um uns zu erfrischen, kaufen wir Baobab-Saft. Der ist bei der Hitze genau das Richtige, denn der Saft ist eher säuerlich. Aber trotzdem geschmacklich sehr gewöhnungsbedürftig, da auch irgendwie mehlig.

Hütten und Boote in der Wasserstadt Ganvie

Uns fällt auf, dass hier viele Menschen ablehnende Gesten machen, wenn wir sie fotografieren wollen oder ihre großen Hüte ins Gesicht ziehen, wenn sie merken, dass wir uns nähern. Nachdem wir wieder auf dem Land sind, besuchen wir den Fischmarkt. Wir kaufen frisch frittierte Brotfrucht, die wir essen, während wir über den Markt laufen. Es wird erstaunlich viel gebettelt. Zu unserer Überraschung, denn bisher haben wir das noch nicht so offensichtlich erlebt. Vielen ist es unangenehm, aber man sieht Dankbarkeit, wenn man etwas freiwillig gibt. Wir geben die Reste unseres Brotfrucht ab und wie wir beobachten, wird landet es irgendwo auf dem Boden, wird aber vorher gemeinsam abgefeiert. Es hinterlässt bei uns einen faden Beigeschmack.

Abomey

Am Nachmittag kommen wir in Abomey an, der ehemaligen Hauptstadt des damaligen Königreichs Dahomey. Der Palast, dessen unrühmliche Geschichte in Zusammenhang mit dem Sklavenhandel steht, ist inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe. Das heißt die UNESCO kümmert sich um dessen Erhalt. Wir zahlen Eintritt, bekommen einen Tourguide und schon kann es losgehen. Doch werden wir gebeten, dass wir keine Fotos machen sollen. Es wird die Zeit geben, wo die Guides „wegschauen“, aber sonst sollen wir nicht fotografieren.

Haus in Ganvie
Souvenirshop in Ganvie

So richtig kam die Erklärung nicht rüber, denn aus unserer Gruppe macht jemand ein Bild und das Theater fängt an. Es stellt sich heraus, dass eine Prinzessin das bemerkt hat und unseren Tourguide zusammenfaltet, wie er das nur erlauben konnte. Wir bieten an, das Foto zu löschen. Unser Tourguide winkt ab, er hat sein Fett abbekommen. Später kommt noch der König und stolziert mit seinem Gefolge über den Hof.

Wir fragen ungläubig beim Tourguide nach: Das ist der Nachfolger des legendären Königs, der euer Volk als Sklaven verkauft hat? Und der hat in dem Palast nichts mehr zu suchen und auch keine Macht mehr und wird trotzdem respektiert und geehrt? Ja, das ist so. Wir diskutieren noch am nächsten Tag darüber, weil es keiner so richtig verstehen kann.

Königspalast in Abomey
Königspalast in Abomey

Richtig absurd wird es, als wir im Hotel Guedevy ankommen. Dort sind im Speisesaal und im Hof die komplette Abfolge der Könige an die Wand gemalt, inklusive des Sklavenkönigs. Wir bestellen unser Abendessen wieder im Voraus, da es wieder lange dauert. Das Hotel ist eine halbe Bauruine, wir sind in geräumigen Bungalows untergebracht.

Natitingou

Zu meiner Überraschung ist es so, dass die Mücken immer weniger werden, je weiter wir nach Norden kommen. Laut dem, was ich in den Malaria-Berichten gelesen habe, ist die Gefahr in der Bergregion doch höher. Auf dem Weg nach Natitingou machen wir wieder etliche Zwischenstopps. Wir halten an kleinen Baumwollfeldern und kaufen am Straßenrand Manoik, Gari und Erdnüsse.

Die Landschaft wird im Laufe des Tages immer mehr von Bergen durchsetzt. Hier sehen wir auch mehr Baobab-Bäume. Wie wir schon wissen, gehören die Baobabs genau wie die Iroko-Bäume zu den heiligen Bäumen. Zwischendurch halten wir an einer weiteren Wallfahrtsstätte an. Dort wurde eine gigantische Kirche errichtet, aber nie fertig gestellt.

Frittierte Fische am Straßenrand
An Küste gab es frittierte oder geräucherte Fische

Um die Mittagszeit halten wir bei einer kleinen Hütte an, wo es Essen und Getränke gibt. Auf die Frage, was wir hier essen können, meint unser Guide, dass das nichts für uns wäre. Und Getränke? Nur Bier oder Radler. Nicht jeder hat aber Lust sich bei über 30°C in der Mittagshitze ein 625ml Bier in 20 Minuten reinzutanken. Es ist ein bisschen Frust zu merken. Eine löst sich aus der Gruppe und kauft Süßigkeiten für die Kinder, die uns bestaunen. Als die erste Ladung leer ist, holt sie eine zweite und kommt zu Drängeleien.

Wir fahren weiter Richtung Norden. Am Straßenrand sehen wir immer wieder Chilis, die am Straßenrand getrocknet werden. Laut Reiseplan sollen wir noch an einer Stelle halten, wo Voodoorituale durchgeführt werden. Unser Guide rät aber davon ab, da die Leute dort sehr aufdringlich sind. Schließlich kommt auch zahlende Kundschaft hin und Touristen schauen nur, machen aber nichts. Deswegen halten wir kurz und fahren dann weiter.

Hütten im Dorf Taneka

Zum späten Nachmittag kommen wir in Taneka an. Hier leben die Yom in ihren Rundhäusern. Wir müssen einen Moment warten, weil unser Tourguide gerade noch auf dem Feld arbeitet. Der Boden ist unglaublich trocken und steinig hier. Wir möchten uns nicht so richtig vorstellen, wie Feldarbeit hier aussieht.

Wir erfahren, dass die Yom ungefähr 20.000 Leute sind, die aber überall verstreut sind. Es sind nur einige Familien im Dorf, die unter erbärmlichen Bedingungen leben. Ihre Kleidung ist fast komplett zerschlissen. Sie zeigen uns aber voller Stolz wie sie Bier brauen und Schnaps herstellen. Die Frauen stampfen die Früchte des Karitébaums und stellen damit Sheabutter her. Es gibt viele Kinder. Kein Wunder, denn hier ist Polygamie angesagt, aber nur für Männer.

Anschließend treffen wir noch den Voodoo-Priester, der an seiner Pfeife nuckelt und nur mit einem Tierfell bedeckt ist. Angeblich darf er keine Kleidung anziehen, weil er sonst stirbt. Aber er darf sich für Geld mit den Touristen fotografieren lassen. So richtig haben wir keine Lust, also lassen wir nur etwas Geld da und ziehen wieder ab. Die Kinder nehmen uns an die Hand und begleiten uns zum Auto zurück. Als Dank geben wir was von unseren Bananen und Keksen ab.

Hütten im Dorf Taneka, wo die Yom leben
Hütten in Taneka

Mit Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Natitingou an. Das Hotel macht von außen keinen guten Eindruck, aber die Zimmer sind luxoriös. Wir haben eine Suite mit Vorraum. Deswegen haben wir zwei riesige Flatscreens, zwei Klimaanlagen und ein Schlafzimmer, das riesig ist. Zu Essen gibt es dann später Perlhuhn mit Erdnusssoße.

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