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Jan 3

Nachdem ich gerade wieder viel zu lange in der Wanne saß und einer meiner Lieblingsbeschäftigungen dort frönte, stellte ich nach einer kurzen Recherche fest, dass der letzte Buchhinweis nun schon einen Monat her ist. In der Zwischenzeit hat sich doch schon aber das eine oder andere Buch auf den „Gelesen“-Stapel bewegt.

Zur Zeit arbeitete ich mich durch Sue Townsends „Downing Street No. 10“ durch. Zugegeben, es hat weniger mit durcharbeiten, als mit „nicht mehr aus der Hand legen“ zu tun. Der Schreibstil gefällt mir oder besser gesagt, der der deutschen Übersetzung. Störend sind nur die Schreibfehler, die doch für ein Buch ziemlich gehäuft auftreten. Aber dafür ist die Geschichte um so amüsanter: Der englische Premierminister macht sich inkognito auf eine Rundreise durch sein Land, nachdem er öffentlich bloß gestellt wurde, nicht mal den Preis eines Liters Milch zu kennen, geschweige denn, wann er das letzte Mal mit der Bahn gefahren ist. Zwei Seiten lernt man auf diese Weise kennen. Einerseits, dass Politiker auch nur Menschen sind, die ihre kleinen Macken und Rituale haben und zum anderen muss er als Politiker erkennen, dass Politik mehr ist als nur Zahlenspielereien und Entscheidungen zu treffen, sondern dass diese Entscheidungen Eingriffe in persönliche Schicksale auch derer bedeuten, die nicht die Macht haben, sich gegen diese Entscheidungen zur Wehr zu setzen. Fazit: Sollte in Deutschland zur Pflichtlektüre vor Amtsantritt werden, inkl. einem Aufsatz „Was habe ich aus dem Buch gelernt?“

Der Einband versprach „Eine chaotische, witzige und melancholische Reise um die Welt in 7 Tagen.“ zu Dave Eggers „Ihr werdet (noch) merken, wie schnell wir sind„. Zwei Endzwanziger machen sich auf die Reise, um 32.000 Dollar zu verschenken und gleichzeitig den Tod ihres Freundes zu verarbeiten. Mit einer groben Vorstellung, welche Zeile auf ihrer Weltreise liegen könnten, machen sie sich mit Handgepäck auf den Weg. Visabestimmungen, lange Aufenthalte, verpasste Flüge behindern permanent ihre Reise. Während ihrer Aufenthalte darf man als Leser ihre Bemühungen mitverfolgen, wie sie stellenweise möglichst umständlich das Geld an den Mann / die Frau / die Kinder bringen. Während Hand der lebensfrohe Typ ist, der vor keiner Dummheit zurückschreckt, ist Will, der gleichzeitig der Ich-Erzähler ist, der introvertierte Typ, der in seitenlangen Monologen die Geschichte des Todes seines Freundes aufarbeitet. Genau in den Momenten, wo das Interesse steigt und man noch mehr wissen möchte, springt der Handlungsfaden wieder zurück in die Gegenwart. Man hat zwar zum Schluss sämtliche Details der Tragödie erfahren, das Geld ist verjubelt und beide sind wieder daheim, aber mir bleibt nur ein abschließender Satz: Knapp 500 Seiten präpubertäres „Handeln ohne zu denken“ sind einfach zu viel, denn durch Weglaufen löst man keine Probleme.

Zwar schon etwas betagter, aber dafür von einem der ganz Großen – Nick Hornby. Die Handlung seines Romans „How to be good“ ist so realistisch, dass man wahrscheinlich keine 3 Häuser weiter laufen muss, um die Geschichte in dieser oder einer ähnlichen Form wieder zu finden. Die Charaktere sind phantastisch beschrieben, Klischees werden kaum genutzt, nur dass die Geschichte ab einem gewissen Punkt ins Absurde abdriftet, stört etwas. Betrachten wir es aber mal als britische Komödie, dann passt es wieder. Ein Ehepaar mit zwei Kindern, sie eine erfolgreiche Ärztin, die zwischen einem starken Willen und völliger Entscheidungslosigkeit pendelt und er, ein Kolumnist, dessen Leben hauptsächlich daraus besteht, Gift und Galle zu spucken, stellen fest, dass sie in einer Krise sind. Die Routine hat sich eingeschlichen, sie stört eigentlich alles an ihm, bis auf die Momente, wo sie ein Harmoniegefühl verspürt. Also hält sie sich nebenbei einen Liebhaber, der ihr aber keine Befriedigung verschaffen kann, ihr aber trotzdem die Gefühle gibt, die sie bei ihrem Mann vermisst. Also will sie die Scheidung oder auch nicht, denn da sind ja noch die vielen gemeinsamen Jahre, die Kinder, das Haus usw. Eigentlich wünscht sie sich jemanden, der ihr diese Entscheidung abnimmt. Aber keine Aktion ohne Reaktion, ihr Mann, der spürt, dass er jahrelang ein Stinkstiefel war, beginnt sich, von Grund auf zu ändern. Er will mit seinem neu gewonnenen Kumpel nicht nur seine Ehe, sondern die gesamte Welt retten. Der Liebhaber beginnt anhänglich zu werden und ruft auf Arbeit an und besucht sie daheim, kurzum – es ändert sich alles und sie merkt, dass vorher doch nicht alles so schlecht war. Fazit: Der Super-GAU einer Ehe und ein Pflichtgeschenk von und für Ehemänner und Partner, die schon lange mit ihrer Frau zusammen sind und verpennt haben, dass ihre Beziehung schon längst tot ist.

Ich hatte es schon mal kurz angeschnitten, dass Roger Boyes „My dear Krauts – Wie ich die Deutschen entdeckte“ mehr als flach sei. Wie es mit allen großen Erwartungen ist, man wird enttäuscht, wenn sie nicht eintreten. Erwartet habe ich in dem Fall: Eine augenzwinkernde Betrachtung der Deutschen und ihrer Macken. Bekommen habe ich: Eine Ich-Erzählung, die sich größtenteils um die Belange des Erzählers kümmert bzw. um dessen Familie. Wenn sich das Augenmerk schon mal auf die Deutschen richtet, wird wirklich ziemlich neutral darüber berichtet, sodass man schulterzuckend vor dem Buch sitzt und feststellt „Isso!“ Ganz schlecht möchte ich das Buch doch nicht machen, denn es gibt einige Stellen, die wirklich zum Brüllen komisch sind, so z.B. der alte Bekannte seines Vaters, Modell alter Sack, ein Flieger der Royal Air Force, der sich für seine Taten von damals (TM) überhaupt nicht schämt, ganz im Gegenteil und damit den Finger auf die deutsche Wunde der Vergangenheitsbewältigung legt. Fazit: Ich hätte mich nicht geärgert, wenn ich es nicht gelesen hätte.

  1. die Tanzfee die Tanzfee

    Hast du mal eines der Adrian-Mole-Diaries gelesen? Ich hab mit „The Weapons of Mass Destruction“ angefangen und muss sagen, das war auch bisher das beste. Ich hatte mich vorher noch nie (!) beim Lachen – also Lachen 😆 , nicht Schmunzeln oder Lächeln – in der Öffentlichkeit während des Lesens eines Buches ertappt…

  2. Ich bin schon auf den Hinweis zu Adrian Mole bei „Downing street No. 10“ gestoßen. Bist du der Meinung, dass man das Buch im Original gelesen haben muss oder reicht auch „Adrian Mole und die Achse des Bösen“? 😉

  3. die Tanzfee die Tanzfee

    Das kann ich gar nicht beurteilen, weil ich Sue Townsend bisher ausschließlich auf Englisch gelesen habe. Aber ich denke, wenn dir „Downing Street No 10“ auf Deutsch auch gefallen hat, wirst du damit nicht so viel falsch machen können. Bisschen anders gings mir mit Bridget Jones, ich habe (ach du je, mein Gedächtnis lässt nach) entweder einen Teil auf deutsch und den anderen auf englisch, oder einen Teil sowohl auf deutsch als auch auf englisch gelesen – das machte einen Unterschied.

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