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DeskTOP! – Teil 1

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Bei meinem Umzug nach Bamberg war so gut wie alles aus der alten Wohnung mitgekommen, auch mein alter Schreibtisch. Unter ihm ruhten drei Rechner, darauf zwei Monitore, drei Tastaturen und drei Mäuse. Und gut anderthalb Jahre später hatte sich nichts daran geändert, außer dass die Rechner außer Betrieb blieben und sich Unmengen von Staub dahinter sammelte. Also mußte was Neues her, nach Möglichkeit größer und mit genügend Stauraum für den ganzen Kram, der sonst immer auf der Tischplatte als Staubfänger dient.

Also hatte ich mich mal umgesehen, was passendes beim Schweden gefunden und da ich diese Woche Urlaub hab, begann am Montag die Operation „DeskTOP!“. Da ich wußte, dass ich die Schreibtischplatte nicht in mein Auto bekomme, hatte ich mich nach Transportern zum Leihen umgesehen. IKEA bot einen an für 18 Euro die Stunde und ich rechnete mal hoch… Einladen, Fürth-Bamberg über die A73, Ausladen, Bamberg-Fürth zurück, das kann nicht länger wie maximal 4 Stunden dauern. Soweit der Plan. Die Konkurrenz lag bei knapp 100 Euro pro Tag. Also entschied ich mich für die IKEA-Lösung. Ich sprang nach dem Frühstück in Rüedi, düste nach Fürth, sah mich um, ließ mir die Einzelteile für meinen Schreibtisch zusammenstellen und dann erkundigte ich mich nach dem Leihlieferwagen. Der war verfügbar, ich müßte ihn nur sofort nehmen, denn eine Reservierung wäre nicht möglich. Der Mann am Schalter sprach einen unverkennbaren sächsischen Akzent und als er auf meinem Personalausweis als Ausstellungsort Dresden sah, meinte er nur „Ah, das ist ja gleich bei mir um die Ecke.“ Er ließ mir sogar noch eine Kulanzzeit von 20 Minuten zum Einkaufen zu.

Also alle Sachen eingesammelt und beinahe noch die falsche Tischplatte aufgeladen, ging ich zur Kasse. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass man extrem leidensfähig sein muss, wenn man den Rechnungsbetrag an der Kasse nach einem IKEA-Besuch sieht. Ich wuchtete die Sachen in den Planenwagen, der knallgelb wie ein Postauto aussah. Interessante Erfahrung mal mit so einem Fahrzeug bei böigem Wind über die Autobahn zu fegen. Geht zwar nicht schnell, aber man kommt voran. Als ich wieder daheim war, schleppte ich alle Teil hoch (insgesamt ca. 80kg). Bevor ich zurückfuhr schaute ich sicherheitshalb nochmal alle Pakete durch. Muss so eine Art böse Vorahnung gewesen sein. Ich schielte in das Paket mit der Tischplatte für den Schreibtisch rein, etwas Weißes strahlte mich an. Ausgerechnet die Tischplatte. Wegen diesem blöden Mistding hab ich extra den Transporter genommen, hab extra drauf aufgepasst, die Platte vom richtigen Stapel zu nehmen und erwisch dann auch noch die Falsche. Bei 28°C in einem Transporter ohne Klimaanlage zu sitzen und dann noch vor Wut zu kochen, kommt nicht gut.

Wieder in Fürth angekommen, zog ich erstmal eine Nummer an der Reklamation, lud inzwischen die Platte wieder ab (mittlerweile schweißüberströmt und mit schmerzenden Armen – das Teil ist schwer und gräßlich unhandlich). Die Reklamation war ja weniger das Problem, aber die drei Stunden, die ich bereits herumgetuckert war, ärgerten mich. Wie zu vermuten war, ließ sich der Mann bei der Reklamation nicht erweichen, mir wenigstens einen kleinen Teil wieder gutzuschreiben. Die Platte nahm er anstandslos zurück. Aber ich hatte keinen Beweis, dass die Platte auf dem falschen Stapel lag, außerdem hätte mir Preisunterschied auffallen sollen. Außerdem soll ich beim Einkauf unbedingt, die Richtigkeit der Artikelnummern überprüfen! Tut mir ja leid, alles mein Fehler *grrr* Wenigstens konnte ich einen Gutschein für ein Erfrischungsgetränk und eine schwedische Kaffeepause rausschlagen. Ein kleiner Trost…

Also diesmal alles richtig gemacht: Platte aus dem richtigen Regal gezogen, Artikelnummer überprüft, festgestellt, dass ich noch was vergessen hatte und fix noch mit eingeladen. Nachgezahlt, alles wieder aufgeladen und Richtung Bamberg gedüst. Die Platte hochgeschleppt, schneller T-Shirt-Wechsel und wieder zurück. Meine Befürchtungen, die Autobahn würde sich gegen 17 Uhr füllen, erwiesen sich zum Glück als falsch. Kaum Verkehr Richtung Nürnberg. Halb 6 traf ich in Fürth ein, tankte den Transporter noch voll und wollte den Transporter abgeben. Doch ich hatte die Rechnung ohne Mrs „also dann haben wir hier diese Kerze für 12 Euro“ Schnippisch gemacht. Der Inhalt dreier Einkaufswägen mit Kleinkram sollte angeliefert werden. Und natürlich sollten die Möbel aufgebaut werden. Die kannte den Preis von jedem Artikel und war bemüht alle einzeln aufzuzählen. DREI Einkaufswägen! Eine gefühlte halbe Stunde später war sie fertig und ich konnte den Transporter abgeben. Es zählt natürlich die angefangene Stunde und damit wäre mit der Auftritt von Mrs Schnippisch egal gewesen, aber mein Nervenkostüm machte das einfach nicht mehr mit.

Jetzt war schwedische Kaffeepause angesagt. Das von mir auserwählte Kuchenstück war nicht Bestandteil einer schwedischen Kaffeepause, nur Blechkuchen. Die Kassiererin hatte auch schon mal bessere Laune gehabt (vermute ich) und wies mich auf das Bild mit der Mandeltorte hin „Das gehört zur schwedischen Kaffeepause!“ Ich brachte das Stück zurück und versuchte mein Glück erneut. Das Stück Mandeltorte wies eine gewisse Ähnlichkeit mit dem auf dem Bild auf. Ihr höhnisch langsamer Applaus zeigte mir – ich hatte meine Aufgabe richtig gelöst. Ich war geneigt ein „Man merkt, dass ich studiert hab, stimmts?“ fallen zu lassen, konnte mich aber zusammenreißen. „Kann ich endlich meine Ruhe haben?“ – ich glaub, das vereinte uns. Ich beschleunigte mein Tablett, der Löffel tanzte auf dem Boden herum. Ich hob ihn auf und bekam ein „Wenn Sie mir den Löffel geben, erhalten sie sogar noch einen Neuen!“ von oben zu hören. „Sie meinen, ich soll jetzt einfach den Löffel abgeben?“ – „Solange es nur ein Kleiner ist…“ Traumfrau für einen Moment…

Ich schlürfte gemütlich den Kaffee und aß den Kuchen. Ich mußte aufpassen, schließlich mußte noch Platz für einen Hotdog bleiben. Der kam als nächstes zusammen mit dem Gratisfreigetränk. Vor mir bemühte sich eine Amerikanerin mit Händen und Füßen zu bestellen. Sie suchte noch Getränke in bottles. Die Verkäuferin verstand Bahnhof, ich half aus. Beide bedankten sich bei mir und ich reichte den Gutschein mit den Worten „So ein Erfrischungsgetränk und ein Hotdog“ rüber. Sie starrte den Gutschein an und meinte „Öhm, der gehört doch dazu…“ Kein Widerspruch meinerseits, etwas Schwäbisches machte sich in mir breit. Auch gratis Nachfüllen ging gut. Ich brachte meinen Flüssigkeitsspiegel wieder auf Normal Null.

Der Tag war gelaufen – 6 Stunden Transporterfahrt ohne Klimaanlage, es war 19:30 Uhr, als ich wieder daheim war und mir konnte nur noch ein Bad helfen. Aufgebaut war noch nichts, das wäre nichts mehr geworden.

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