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Die Rattenfänger von Dresden

Jan 3

Newton war ein ziemlich schlauer Typ, der seinerzeit das Wechselwirkungsprinzip entdeckt hat. „actio est reactio“ – Actio gleich Reactio ist es kurz umschrieben und beschreibt, dass jeder Kraft eine gleich starke Gegenkraft entgegen wirkt. So war es zumindest für die Physik gedacht, aber ich hatte schon immer in Verdacht, dass es auch für die Politik anwendbar ist. Aber wo auch immer Menschen im Spiel sind, wirken Effekte die man kurzerhand als chaotisch umschreiben würde. Als bestes Beispiel für chaotische Systeme wird ja immer der Schmetterling herangezogen, der einen Wirbelsturm auslösen kann. Gleiches könnte man aber auch auf die Politik anwenden, denn ein falsches Wort eines Menschen kann einen Krieg auslösen – und das nicht mal auf direktem Wege. Aber worauf will ich hinaus?

Momentan wird der PEGIDA-Bewegung ziemlich viel Beachtung geschenkt. Witzigerweise von den Medien, die der Meinung der PEGIDA nach korrupt sind und mit falschen Informationen das Volk einlullen und ihm die Wahrheit vorenthalten. In gewisser Weise kann ich den letzten Punkt nachvollziehen, jedoch beziehe ich es eher darauf, dass die Medien sensationslüstern sind und Fakten meist schlimmer darstellt, wie sie tatsächlich sind. Nehmen wir als Beispiel den Iran, wo wir dieses Jahr im Urlaub waren. Viele schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und dachten, wir werden sofort entführt und enthauptet. Tatsache war aber, dass die Leute auf den Straßen Irans um einiges freundlicher und entgegen kommender sind, wie man das in deutschen Städten erwarten dürfte. Und wenn Abend für Abend Berichte über die Gruppe Islamischer Staat gebracht werden, die mordend und plündernd durch die arabische Welt ziehen, dann kann ich das Angstpotenzial sehr gut nachvollziehen. Und genau mit dieser Angst arbeitet die PEGIDA. Der Deutsche mag es ruhig und konstant und ist bis zu einem gewissen Grad tolerant gegenüber Veränderungen. Es wird gerne kritisiert, dass manche dazu neigen alle Menschengruppen über einen Kamm zu scheren, aber die Fähigkeit zur Abstraktion war von evolutionärem Vorteil. Von daher ist es ziemlich einfach zu sagen „Die wohnen da unten und machen alles kaputt und hier gibt es welche, die genau von da kommen, also machen die auch alles kaputt.“

Aber was das Schlimme daran ist, dass die Demonstranten interviewt werden und dann meistens als Deppen dargestellt werden, weil ihnen hintergründig rausrutscht, dass sie doch was gegen Ausländer haben oder sich im nächsten Satz widersprechen. Speziell im Fall von Dresden könnte das den Menschen eigentlich relativ egal sein, denn die Ausländerquote ist vergleichsweise niedrig. Aber warum gehen sie dann trotzdem auf die Straße? Sie wollen gehört werden! Sie fühlen sich von ihrer Regierung nicht mehr angehört und wenn sie dann auch noch in den Medien, die ihnen jeden Abend den „bösen Ausländer“ präsentieren, verspottet werden, ist die Resignation perfekt. An diesem Punkt ist es für rechtsextreme Strukturen einfach – sie müssen den Unmut der Bevölkerung nur konzentrieren und schon hat man eine Demo mit 15.000 Leuten wie letztens in Dresden.

Von daher ist es nur eine Frage der Zeit bis sich eine Partei bildet, welche die Werte von PEGIDA abbildet und dann ganz locker und gemütlich die 5%-Hürde im ersten Anlauf nimmt. Mir persönlich macht der Gedanke Angst und deswegen werde ich jetzt keine Witze über PEDIGA-Demonstranten reißen. Dafür bekommt PEGIDA an sich meinen Spott: Wenn ich jetzt einen Rumänen mitbringe, der mit seinem Transporter herumfährt und den Sperrmüll durchwühlt, wäre der auch erwünscht? Schließlich ist er ja auch ein „patriotischer Europäer“! Den Demonstranten sollte man Gehör schenken, sie aufklären, was wirklich in der Welt passiert und heraus finden, was ihre eigentlichen Sorgen sind, denn die verraten sie nur in Nebensätzen der Interviews. Angst vor zu niedriger Rente, Arbeitslosigkeit – die Themen, welche die Menschen dort schon seit der Wende beschäftigt haben und immer noch nicht gelöst sind. Es wird höchste Zeit!

Ich habe mal eine Analogie gelesen, die vielleicht am besten kennzeichnet, worauf ich hinaus will:

Sitzen ein Kapitalist, ein Deutscher und ein Türke an einem Tisch, auf dem 10 Kekse liegen. Der Kapitalist nimmt 9 Stück und flüstert dem Deutschen zu „Pass auf, der will deinen Keks!“

So oder ähnlich war das – vielleicht sogar als Karikatur. Und wenn man das auf die aktuelle Situation umschreiben will, geht es wie folgt weiter…

20 Jahre vergehen – der Kapitalist ist schon längst fort. Der Deutsche fragt beim Wirt nach, wer denn nun den Keks bekommt. Der Wirt weiß, dass nur ein Keks da ist, meint aber, dass es genug Kekse für alle gegeben hat – mehr würden extra kosten. Da kommt ein Rassist rein, setzt sich auch mit an den Tisch und meint „Verjag doch einfach den Türken! Demonstrier mit mir und der Keks ist dein!“ Der Deutsche demonstriert, wird dabei von Reportern angesprochen und über den Türken befragt, dabei redet sich der Deutsche um Kopf und Kragen und denkt sich im Hinterkopf „Was mach ich hier? Ich wollte doch eigentlich nur meinen Keks…“

  1. Thomas Thomas

    Hallo Jan,
    gefällt mir – Deine Sichtweise auf die aktuellen Ereignisse in Dresden. Zumal sie ziemlich gut wiederspiegeln, wie ich die Dinge sehe. Aber auch das ist natürlich eine subjektive Sichtweise. Der Vergleich und das Weiterdenken der „Keks-Karikatur“ ist fast schon genial!!!
    Gruß Thomas und bis 28.!

    • Servus Thomas, natürlich ist das alles ziemlich subjektiv. Kommt ja nicht zuletzt davon, dass wir Eltern, Verwandte und Bekannte in Dresden haben. Von daher wissen wir am Besten, was „hinter den Kulissen“ gespielt wird 🙂
      Gruß – und bis zum 29.?!

  2. Thomas Thomas

    Servus,

    stimmt!!! Sowohl das mit den Verwandten und Bekannten als auch mit dem 29.!!! 🙄

    Gruß Thomas

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