1q84Auf der Weltreise hatte ich ja durch einen glücklichen Umstand die Hardcoverausgabe von „1Q84 – Buch 1 & 2“ von Haruki Murakami gefunden. Das Buch musste auf Grund seines Gewichts irgendwann auf der Strecke bleiben. Deswegen kaufte ich mir vor kurzem die Paperbackausgabe und den Nachfolger „1Q84 – Buch 3“. Es war schön nochmal zu lesen, wie sich die Geschichte entwickelt und kann den Enthusiasmus vom 1. Teil immer noch nachvollziehen, auch wenn ich mich nicht mehr an das Ende des ersten Buches erinnern konnte. Spannend erzählt und mysteriös – das typische Murakami-Universum, dass an „Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt“ erinnern ließ. Um es einfacher zu machen, spreche ich jetzt von Band 1 (= Buch 1 & 2) und Band 2 (= Buch 3).

Jetzt wo ich beide Bände gelesen habe, muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Jeden Abend wenn ich den zweiten Band aus der Hand legte, lächelte mich die Schlagzeile einer Rezension – die „Romeo und Julia unseres Jahrtausends“ titelte – an. Relativ schnell wurde mir klar, im zweiten Band wird der Faden nicht weiter gesponnen, sondern es geht nur noch darum, dass die Helden Tengo und Aomame zusammen kommen. Im ersten Teil wird man die Charaktere und das Universum eingeführt. Man lernt Tengo – den stämmigen Mathelehrer und Hobbyschriftsteller und Aomame – die Fitnesstrainerin und Hobbykillerin kennen. Beide kennen sich aus frühester Kindheit, wo beide einen magischen Moment erlebten, als Aomame für kurze Zeit Tengos Hand ergriff. Die Geschichte spielt 1984 und beide Protagonisten geraten durch merkwürdige Umstände in eine Parallelwelt, die von Aomame als 1Q84 bezeichnet wird. Tengo bekommt von einem Verlagsleiter den Auftrag eine Geschichte von Fukaeri umzuschreiben, damit sie einen Preis gewinnt. Die Arbeit gelingt Tengo hervorragend und das Buch wird ein Bestseller. Hintergrund der jungen Fukaeri ist, dass sie Tochter eines mächtigen Sektenführers ist, der „Leader“ genannt wird.

Aomame wiederrum ist Fitnesstrainerin für eine alte Dame, der es nicht an Geld und Macht mangelt. Diese alte Dame versorgt Aomame von Zeit zu Zeit mit Aufträgen, Männer umzubringen, die Frauen geschlagen, vergewaltigt haben oder maßgeblich an ihrem Tod beteiligt waren. Aomame ist Spezialistin auf ihrem Gebiet und schafft es, diese Männer ohne das Zurückbleiben von Beweisen ins Jenseits zu befördern. Eines Tages bekommt Aomame den Auftrag, der ihr Leben verändern soll. Er ist mit so viel Risiko behaftet, dass sie eine neue Identität und ein neues Gesicht von der alten Dame erhalten soll. Die muss den Führer einer Sekte umbringen, der Sex mit Kindern hatte. Als alles vorbereitet ist und Aomame beim mysteriösen Leader unter dem Vorwand einer muskelentspannenden Massage einen Termin hat, stellt sich heraus, dass er von Aomames Auftrag weiß und seinen Tod herbeisehnt, weil er unter unerträglichen Schmerzen leidet.

Der Leader erklärt Aomame aber noch, dass es nicht um Sex ging, als dass die Kinder als Perceiver – Wahrnehmende – dienten, die ihm, dem Receiver – dem Empfangenden – in einer rituellen Vereinigung die Wünsche der Little People überbrachten. Um diese Little People geht es auch in dem Buch, das Fukaeri aufgeschrieben und Tengo überarbeitet hat. In jener Nacht, als Aomame den Leader umbringt, hat Tengo eine merkwürdige Vereinigung mit Fukaeri, woraufhin – Obacht, jetzt kommt’s – Aomame schwanger wird. In Folge des Todes ihres Anführers setzt die Sekte einen schmierigen Typen namens Ushikawa auf Aomama an. Doch die alte Dame hat gut genug vorgesorgt, dass Aomame von der Bildfläche verschwindet, wie es der Zufall aber so will – nahe dem Ort, wo Tengo wohnt.

Damit endet der erste Band und damit wird es für den zweiten Band schwer. Die Fortsetzung rückt die Rolle von Ushikawa noch mehr ins Rampenlicht, der den Hintergrund von Tengo und Aomame beleuchtet und feststellt, dass beide früher zusammen zur Schule gegangen sind. Also mietet er sich im Haus, wo Tengo wohnt, ein und beobachtet die Leute, die ein- und ausgehen. Dazu gehört auch Fukaeri, die im Laufe des zweiten Teils komplett verschwindet. Tengos Aufgabe im zweiten Teil ist es, sich um seinen alten Vater zu kümmern, der in einem Ort untergebracht wird, dem ein Anstrich von „Hardboiled Wonderland…“ verpasst wird – wenn man den richtigen Zeitpunkt zum Gehen verpasst, bleibt man auf ewig gefangen dort. Das dies aber mit Hilfe einer Analogie eines Romanes gemacht wird, ist und bleibt es der Ort des Altersheims seines Vaters, der später auch dort verstirbt.

Aomame, die fest überzeugt ist, von Tengo schwanger zu sein, will ihre neue Identität nicht eher annehmen, bis sie Tengo gefunden hat. Und wie es die Geschichte so will, finden sich beide nach 570 Seiten und lassen die Welt der Little People, der zwei Monde durch den gleichen Weg, den Aomame seinerzeit genommen hat, um die Welt 1Q84 zu betreten.

Meine Kritik richtet sich an den kompletten Ablauf im zweiten Band. Mir scheint, als wären Murakami beim Schreiben die Ideen ausgegangen…

  • Was wurde aus Fukaeri, die im ersten Band eine tragende Rolle gespielt hat?
  • Tengo wird immer wieder von einer Vision befallen, bei der er seine Mutter sieht, wie ein fremder Mann an ihrer Brust saugt. Diese bleibt komplett auf der Strecke und wird durch die Vermutung, dass Tengos Vater nicht sein leiblicher Vater ist, ersetzt.
  • Wozu die komplizierte Parallelwelt? Während „Hardboiled Wonderland“ ohne die zweite Welt garnicht funktionieren würde, ist 1Q84 völlig belanglos für den Ablauf der Geschichte.
  • Da Murakami mit „Naokos Lächeln“ auch eine wirklich tragische Geschichte einer verlorenen gegangenen Liebe geschrieben hat, hätte der zweite Teil auch prima mit einem tragischen Ende funktionieren können – Aomame opfert ihr Leben, damit Tengo weiterleben kann. So wird es auch im ersten Band angedeutet.
  • Aomame und Tengo kennen sich von zwei Schuljahren, die sie gemeinsam verbracht haben und dabei nie ein Wort miteinander gewechselt haben. Was blieb, war der Händedruck – 20 Jahre später finden sich die beiden und lieben sich bedingungslos? Das ist für mich doch eher das Niveau von Groschenromanen.

Nun ja, die Auswahl der Bücher in den Hostels fällt zum Teil schwer, weil es sehr wenig deutsche Bücher gibt. Also nimmt man notgedrungen schon mal einen Krimi zur Hand. „Gewitter über Pluto“ hieß das Buch, was ich in den Händen hielt, geschrieben von Heinrich Steinfest. Die Rückseite erzählte von einem Pornodarsteller, der seinen Beruf aufgibt und nun einen Laden für Strickzubehör eröffnet und eines Morgens eine Leiche findet. Das versprach witzig zu werden…

Das Buch ist auch witzig, ein sehr unterhaltsamer Erzählstil, der manchmal in sehr merkwürdigen Erkenntnissen gipfelt. So zum Beispiel, als der Protagonist Lorenz beschließt einen Strickladen zu eröffnen, obwohl er keine Ahnung hat und man sich die Frage stellen könnte: Warum gerade einen Strickladen, wo er doch überhaupt keine Ahnung vom Stricken hat. Ja warum auch, der Gott des Todes ist ja auch nie gestorben.

Nach einer Weile des Lesens schleicht sich aber ein ungutes Gefühl ein, der Autor schweift ab. Manchmal nur wenige Sätze, stellenweise bis zu einer ganzen Seite äußert er seine Meinung zum aktuellen Thema und das führt stellenweise sehr weit von der Handlung weg und verleitet dazu, einfach nur querzulesen, denn es ist schlicht uninteressant und überflüssig.

Und dann ist der erste Teil des Buches beendet und es beginnt eine neue Handlungsebene. Eine neue Figur wird eingeführt und im Gegensatz zur Beobachterperspektive wechselt der Autor zum Ich-Erzähler. Diese Figur ist auch noch ein Außerirdischer vom Planeten jenseits des Pluto, der quasi der Pantoffel-James-Bond unter den Außerirdischen ist. Dann entpuppen sich einige der Hauptfiguren aus dem ersten Teil auch als Außerirdische. Gute Idee, dass mal wieder das Thema von „sie sind unter uns“ aufgegriffen wird. Nervig ist nur, dass alles gewaltsam mit Pluto in Zusammenhang gebracht wird.

Ich habe das Buch wirklich gern gelesen, es hat auch Spaß gemacht, bis auf die schon erwähnten Abschweifungen. Wäre das Buch ein Drittel kürzer, wäre der Lesespaß bestimmt ein noch ungehinderterer geworden.

Das schöne in den meisten Hostels ist der Bücheraustausch. Man bringt ein Buch mit und darf sich ein anderes nehmen. Natürlich wird das in den Hostels unterschiedlich gehandhabt, aber meistens ist es so. Nachdem ich mit „1Q84“ fertig war, brauchte ich neue Lektüre.

In einem Hostel entdeckte ich dann „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ von Marina Lewycka. Der Buchumschlag sprach von einem Buch, in dem ein älterer Herr eine junge Frau heiratet, die wie er aus der Ukraine kommt. Nach seiner Hochzeit muss alles erneuert werden – ein Herd für intelligente Menschen, ein besserer Staubsauger, neue Autos usw. Kurz gesagt, die junge Dame nimmt den alten Mann nach Strich und Faden aus und dagegen laufen seine beiden Töchter, die sich nicht ausstehen können, Sturm.

Die Autorin ist selbst aus der Ukraine und als Kind nach England eingewandert. Und genau in diesem Umfeld spielt sich das Buch ab. Es ist aus dem Blickwinkel einer der Töchter geschrieben, am Anfang noch witzig, wie man es von einer englischen Komödie erwarten würde, aber später mischt sich immer wieder der russische Pathos ein. Man möge mir verzeihen, wenn ich russisch und ukrainisch in einen Topf werfe. Beide Länder teilen eine gemeinsame Geschichte, liegen geografisch dicht beiander und sind damit Geschwister im Sinne des Geistes.

Durch unsere Reise durch Russland haben wir eins gelernt – in Russland wird nach wie vor der Sieg über Hitlerdeutschland immer noch gefeiert, als wenn es gestern wäre. Dementsprechend dürfen auch in diesem Buch die Referenzen auf den 2. Weltkrieg bzw. das Regime Stalins nicht fehlen. Es hilft nicht bei der Erzählung weiter, macht sie über weite Teile des Buches schwer und depressiv. Einzig positiver Effekt ist, dass der Opa nicht als seniler, sexgieriger Knilch dasteht, sondern auch eine Geschichte voller Entbehrung und Leid hinter sich hat. Das Ende werde ich mir vorbehalten, es sei nur so viel gesagt, es werden eigentlich alle Klischees bedient, die einem bei der Thematik nur einfallen.

Zweites Buch war mal wieder ein Sachbuch – „Der Maya-Kalender – Die Wahrheit über das größte Rätsel einer Hochkultur“ von Bernd Ingmar Gutberlet. Wie der Titel schon andeutet – hier springt jemand indirekt auf die Panikmache rund um das Jahr 2012 auf, nur dass hier keine Panik geschürt wird, sondern auf die Aufrührer geschimpft wird.

Das Buch bietet zum Anfang einen interessanten Einblick in die westliche Kalenderhistorie. Anschließend geht der Autor auf die Kultur der Maya über und erzählt von den Verhältnissen zur Blütezeit der Mayas. Es folgt ein kurzer Überblick über das Kalendersystem, was vorher schon eingeführt wurde und zum Abschluss wird begründet, warum eine Panik völlig unberechtigt ist.

Das ist die höfliche Formulierung dessen, worum es in dem Buch geht. Betrachtet man es mit offenen Augen, wird man völlig unmotiviert in den Sumpf der europäischen Kalenderrechnung gezogen und fragt sich „Was hat der julianische Kalender mit den Mayas zu tun?“. Aber es geht weiter – es wird die Figur eines Bauern Ben erfunden und dessen Tagesablauf nachvollzogen. Gut und schön, aber es wird regelmäßig der Faden der Geschichte verloren, immer wieder von der Handlung abgewichen, dass der Bauer Ben eher wie ein überflüssiges Anhängsel erscheint.

Mitten im Buch gewinnt man den Eindruck, dass der Mayakalender ein hochkompliziertes Rechenwerk ist, dass man ohne Mathematikverständnis nicht nachvollziehen kann. Es wird immer von Korrekturmechanismen gesprochen und Synchronisierungen, um das Sonnenjahr auf den Kalender abzustimmen, aber diese Mechanismen existieren einfach nicht. Der Mayakalender ist ein Zählwerk, dass täglich weitertickt, wie jeder andere Kalender auch. Und wenn man jetzt noch einen Blick auf die Kapitelüberschriften wirft, glaubt man, der Autor sitzt hochnäsig und selbstgerecht auf seinem Thron und verteilt mit einer Selbstverständlichkeit seine gottgegebene Bildung an das dumme Volk. Im Ganzen gesehen, ein interessantes Buch mit guten Denkanstößen, aber zu viel unnützem Beiwerk und einer selbstgefälligen Erzählweise. Wer den Mayakalender schnell begreifen will, der ist am besten mit der Wikipedia bedient.

Es leuchtete mich in einem Buchladen in Siem Reap an… Haruki Murakamis letztes Werk „1Q84“. Ich hatte es schon auf meiner gedanklichen Liste, aber derzeit ist es nur als Hardcover für 32 Euro in Deutschland erhältlich und hier stand diese Ausgabe für 6 USD vor mir. Da konnte ich nicht nein sagen, egal wie schwer das Buch ist. Es hat gut einen Monat gedauert, bis ich fertig war. Nachdem von „Kafka am Strand“ überhaupt nicht begeistert war, ist dieses Buch wieder ein echtes Highlight und das schlimme daran ist… es ist noch nicht fertig. Die vorliegende Ausgabe enthält nur Buch 1 und 2, Buch 3 erscheint im Oktober wiederum als Hardcover.

Wie immer spinnt Murakami zwei Handlungsfäden, die früher oder später zueinander laufen. In diesem Fall ist es der weibliche Killer und auf der anderen Seite der Mathematikdozent und angehende Schriftsteller. Das beide etwas gemeinsam haben, scheint nicht real, jedoch verbindet beide ein unsichtbares Band seit ihrer Jugend. Mit dieser Vorgabe tauchen beide in eine Welt, die wie die echte erscheint, jedoch sich einige Parameter ändern, Tatsachen, die selbstverständlich erscheinen, werden komplett neu geschrieben. Es ist als ob, ein Schriftsteller eine andere Version der realen Welt erdenkt und es schafft reale Personen in diese Welt zu transportieren und dabei beobachtet, wie sie mit den neuen Tatsachen zurecht kommen. Ich bin schon schwer auf die Fortsetzung des Romans gespannt…

Aus Ermangelung eines Buches gab mir Kriszta Arita Baaijens‘ Wüstennomaden zu lesen. Zusammengefasst geht es in dem Buch um einen Reisebericht der Niederländerin im Sudan – 40 Tage mit Kamelen durch die Wüste.

Sie beschreibt sehr schön das Wesen, die Umgangsformen und die Art der Menschen. Natürlich ist so eine Reise nicht ganz ohne Gefahren und Risiken, schließlich gibt es Kameldiebe und bürokratische Hindernisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Bis zur Hälfte des Buches musste ich mich sehr quälen, denn der Erzählungsstil ist gewöhnungsbedürftig. Mal ist das Tempo sehr schleppend, gerade wenn sie Landschaft beschreibt oder Dinge, die ihr sehr gefallen haben. Nur leider fällt einem die Vorstellung schwer, wie eine Hütte im Inneren aussieht, wenn man keine Vorstellung davon hat, wie Hütten im Sudan aussehen. Dann zieht das Tempo plötzlich wieder an, wenn es mit „Die nächsten Tage…“ weiter geht.

Das Buch hat einen Bildteil in der Mitte, damit man sich ein ungefähres Bild machen kann, doch oftmals beschreibt sie ausführlich Bilder, die sie mit der Kamera gemacht hat, die viel besser in den Bildteil gepasst hätten. Im Anschluss an die 40-tägige Reise beschreibt sie auf den letzten 20 Seiten, wie sie wieder zurückkehrt und nochmal eine Karawane begleitet. Außer dass die Hauptfiguren der ersten Erzählung wieder auftauchen, hängt diese Geschichte überhaupt nicht mit der ersten zusammen und ist für meinen Geschmack lieblos angehängt und geschrieben worden.

Ich habe vor der Leistung von Arita Baaijens diese Reise zu machen, ziemlich großen Respekt, denn solche abenteuerlichen Reisen sind riskant, zumal für eine Frau, die allein reist. Aber wie ich im Rahmen unserer Weltreise gesehen habe, gibt es so viele Blogs und Internetseiten, die sich mit Erlebnissen in allen Teilen der Welt befassen, dass ich das Buch im Gegensatz dazu als mittelmäßig einstufen würde und es mir scheint, als wäre das Buch nur erschienen, weil ein Verlag Geld geboten hat, dass sie für eine ihrer nächsten Reisen braucht.

Während der 100 Stunden in der TransSib führte ich mir mal wieder Sergej Snegows „Menschen wie Götter“ – ein Wälzer von 1000 Seiten – zu Gemüte. Ich hatte es schon mal als Kind gelesen, aber nach der Hälfte mit den Gravitationsschnecken verstandlich aufgegeben. Jetzt folgte das Rückspiel.

Im Jahre 2001 hat sich die Menschheit entschlossen, friedlich zusammen zu leben und der Kommunismus hat gesiegt. 500 Jahre später lebt die Menschheit immer noch friedlich zusammen und erobert den Weltraum. Dabei entdeckt sie neue Welten und fremde Völker. Bis sie eines Tages in den Träumen von engelähnlichen Wesen entdecken, dass es menschenähnliche Wesen gibt, die unterdrückt werden. Natürlich sind diese Unterdrücker (auch nach 500 Jahren Frieden) die erklärten Feinde der Menschheit und müssen sofort vernichtet werden. Die erste Mission wird ein Flopp. Aber trotzdem sind die Heimkehrer die Helden, weil man wichtige Informationen über den Feind gesammelt hat.

Selbstverständlich bricht jetzt die gesamte Menschheit auf und will den feindlichen Unterdrücker vernichten. Soweit kommt es garnicht erst, weil es Freunde unter den Unterdrückern gibt, die überlaufen. Wie der Kampf ausgeht, bleibt im Buch offen, weil jetzt die unterdrückten Galakten befreit sind. Doch da zeigen sich schon wieder neue Unbekannte. Nach einer neuen Beratschlagung bricht man zu den Unbekannten auf, die sich weder sehen, noch hören lassen – haben ja schließlich eine Million Jahre technischen Fortschritt zu den Menschen. Die spielen ein bißchen mit den Menschen, die wiederum von heute auf morgen schaffen, tausende Jahre aufzuholen und durch die zweidimensionale Zeit zu reisen. Und am Ende bedauert man die Verluste und klopft sich gegenseitig auf die Schulter.

Wissenschaftlich ganz nett, aber trotzdem scheint der Autor gerade so Mühe gehabt zu haben, seine Gedanken zu fassen und verständlich zu vermitteln. Außerdem kommt nach 500 Seiten so ein bißchen das Gefühl auf „Ich hab keine Lust mehr zu schreiben und bring das jetzt hier grad mal eben zu Ende“. Ab der Stelle stößt man immer wieder auf Stücke wie „Ich will hier nicht näher drauf eingehen…“. Dafür nimmt er sich eine halbe Seite Zeit, um einen Abschnitt über „Wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich jetzt weiß…“ zu schreiben. Also ich verbuche das Buch als netten Zeitvertreib, aber empfehlen würde ich es niemandem, dazu ist es zu langatmig und stellenweise auch sehr politisch motiviert beschrieben.

Was mache ich eigentlich sonst noch so, wenn ich nicht gerade durch die Weltgeschichte reise, Musik höre oder irgendwelche Blogbeiträge schreibe – richtig, lesen! Es hat sich mittlerweile schon wieder einiges aufgestaut, was besprochen werden will oder wovor man warnen muss.

Musikfreunde unter sich

Ich war schon sehr gespannt, was mich wohl bei dem neuen Nick Hornby erwartet. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass es das Buch durchaus mit „High Fidelity“ aufnehmen will. Also der Vermerk zu „Juliet, Naked“ war schon kurz nach dem Erscheinen hinterlegt, ich musste also eine kleine Ewigkeit warten, bis die Paperbackvariante erschien. Dafür hat sich das Warten gelohnt. Von einem Künstler, der seit Jahrzehnten nicht in Erscheinung getreten ist, tauchen plötzlich Demo-Aufnahmen seines letzten Albums „Juliet“ auf. Ein fanatischer Fan macht sich über das Album her, verfasst eine Rezension darüber und veröffentlicht sie auf seiner Fan-Webseite, die Treffpunkt für alle Fans ist. Seine Freundin, die wegen dem ganzen Theater die Nase voll hat, macht kurz davor Schluss mit ihm und veröffentlicht eine Gegenrezension auf seiner Seite. Natürlich bekommt der Künstler davon Wind und findet, dass sie den Nagel auf den Kopf trifft und schreibt sie an.

Ein sehr unterhaltsames Buch, dass man als Freund der Musik gelesen haben sollte. Es geht nicht nur um Musik und die ganze Philosophie dahinter, sondern auch darum, ob man was aus seinem Leben macht oder sich nur mitreißen lässt und erst später erkennt, ob man zur Gruppe der Mitläufer oder der Enthusiasten gehört. Im selben Moment schafft es Nick Hornby auch den Widerspruch zu zeigen, wie es ist, wenn man einmal der Menschheit etwas geschenkt hat und sich eine Gruppe von Menschen bildet, die alles mögliche in ein Werk hineininterpretieren, wo doch das Werk eigentlich nur ein Ausdruck eines Zeitabschnitts ist und keinesfalls einen Eindruck über den Charakter eines Menschen oder seine Beziehungen zulässt, weil doch das Leben so vielschichtiger ist, wie ein Album es glauben machen möchte.

Der deutsche Murakami

Ich bin mir noch nicht sicher, ob der Titel eine Beleidigung oder ein Lob ist, aber es gibt Parallelen zwischen den Erzählweisen. Wie auch Murakami verfolgt Dietmar Dath in „Dirac“ zwei Handlungsstränge, der sich ab einem bestimmten Punkt überschneiden. Nur muss ich vorausschicken, dass ich wirklich Probleme habe, das Konzept der Bücher von Dietmar Dath zu erfassen, weswegen ich irgendwann schon mal vorsichtig während des Lesens auf die letzten Seiten schiele, ob dort ein Nachwort auf mich wartet, dass mich über die Intention des Autors aufklärt. Wenn ich natürlich jetzt vorwegschicken würde, was sich Dietmar Dath bei „Dirac“ gedacht hat, wäre eine Rezension sinnlos.

Was mir an den Büchern (ist ja mittlerweile das 2. Buch, was ich von ihm gelesen hab) gefällt, ist die vertraute Fremdheit. Es spielt sich alles im Hier und Jetzt ab, aber trotzdem agieren die Charaktere befremdlich oder spielen in einer entfremdeten, aber realen Welt. „Dirac“ ist ein Buch über Diracs Leben bzw. handelt davon, wie es gerade geschrieben wird. Und selbst nach dem Nachwort bleibt eine Spur von Unwohlsein. Hab ich das Buch jetzt verstanden?

Tibetische Vision

Da mir während unseres Türkeiurlaubs der Lesestoff ausging, habe ich mich über „Der verlorene Horizont“ von James Hilton hergemacht. Bis zur Hälfte des Buches ist alles spannend und faszinierend, wie eine Gruppe von Menschen entführt wird, mitten im Himalaya notlandet und im Shangri La-Kloster landet. Dieser Name war mir so vertraut, dass ich bis gerade eben dachte, dass es dieses Kloster wirklich gibt und alles rings herum nur Fiktion ist. Nein, auch Shangri La ist eine Erfindung von James Hilton. Das spricht für die Güte des Buches bis zu der Stelle, wo ich stolperte und ab der ich das Buch nur noch gelangweilt zu Ende brachte.

Die Vision einer Stelle, die abgeschieden von der Welt ist und nur darauf wartet, entgegen jeglicher Dekadenz und Machtgelüsten auf eine Welt wartet, die mit Demut und Weisheit regiert werden möchte und gleichzeitig in einem begrenzten Rahmen alles Vorzüge bietet, ist schon sehr angenehm. Das dieses buddhistische Kloster von einem katholischen Mönch, der mehrere hundert Jahre alt ist, regiert wird, ruiniert das Buch vollends. Ansonsten hat mich das Buch komplett in seinen Bann gezogen, weil es trotz und wohl wegen seines Erscheinungsdatums (1933) ein utopischer Roman ist, der keine High-Tech-Waffen, Raumschiffe und außerirdische Zivilisationen benötigt.

Auf Renés Empfehlung schnappte ich mir mal Haruki Murakamis Kafka am Strand. Ich muss vorwegschicken, dass ich gegenüber Murakami skeptisch geworden bin. Wer hofft, bei Murakami einen Eindruck japanischer Kultur oder Tradition vermittelt zu bekommen, wird hemmungslos enttäuscht. Da Murakami selbst sehr lange in Europa und Amerika war, haben seine Charaktere einen westlichen Anstrich und sind damit in Geschichten, die in Japan spielen, fehl am Platz. Aber das war nicht der Punkt, an dem meine Kritik an „Kafka am Strand“ ansetzt.

Das Buch erzählt die Geschichte eines 15-jährigen Jungen, der von daheim und vor einer Prophezeiung wegläuft, einige merkwürdige Begegnungen hat und dabei sich in das 15-jährige Abbild einer Frau verliebt, die mittlerweile 50 ist. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Realität immer mehr. Parallel dazu wird die mysteriöse Geschichte des Nakata erzählt, der in jungen Jahren alles vergaß, aber mit Katzen zu reden lernte und sich so einen Nebenverdienst verschafft, indem er verschwundene Katzen zu ihren Besitzern zurück bringt, bis er eines Tages auf die Spuren eines Katzenmörders kommt…

Ich gebe an dieser Stelle wieder eine obligatorische Spoilerwarnung aus, denn wer das Buch selbst lesen möchte, sollte an dieser Stelle stoppen. Wie auch bei den anderen Büchern zuvor, schafft es Murakami die Leser mit diesem Buch zu fesseln. Er verfolgt, wie auch schon bei „Hardboiled wonderland“ zwei Handlungsstränge, nur dass sie in diesem Fall nie zueinander finden, auch wenn sie sehr dicht beieinander liegen.

Das Buch beginnt mit einem Dialog zwischen dem Hauptdarsteller und – wie es scheint – seinem Freund Krähe. Der Hauptdarsteller stellt sich später im Buch als Kafka Tamura vor, wobei Kafka auf tschechisch Krähe bedeutet. Letztendlich unterhält sich der Junge mit seinem inneren Ich. Kafka kommt aus einem Haus, wo er mit seinem Vater lebt. Mutter und Schwester hat er zwar, aber er hat sie nie kennengelernt. Und nachdem sein Vater kaum für ihn da ist, beschließt er von daheim abzuhauen. Auf seinem Weg lernt er eine junge Frau kennen, von der er denkt, dass sie seine Schwester sein könnte. An seinem im Buch bestimmten Zielort angekommen, geht er täglich in eine Bibliothek und liest dort sehr viel bzw. unterhält sich mit dem Bibliothekar. Seine Übernachtungen finden erst in einem Hotel statt, später kommt er bei seiner vermeintlichen Schwester Sakura unter, wo er aber sehr schnell wieder aufbricht, weil er sie sexuell sehr anziehend findet. Während dieses Aufenthaltes hat er einen Blackout und wacht in einem Schrein blutbefleckt wieder auf, aber es ist nicht sein Blut. Die nächste vorübergehende Unterkunft ist eine Berghütte weit ab der Zivilisation, die dem Bibliothekar gehört. Dort kommt er vorübergehend unter, bis ihm die Leiterin Unterschlupf in der Bibliothek gewährt. Kafka erfährt, dass die Leiterin untersterblich in den Sohn der Familie der die Bibliothek gehört, verliebt war, der später im Krieg umkam. Sie hatte einen großen Hit mit „Kafka am Strand“, einem Lied, dass auch der Titel eines Bildes ist, dass im Zimmer des verstorbenen Sohnes hängt. Für ein paar Jahre war sie dann verschwunden und kehrte dann an den Ort zurück und wurde Leiterin der Bibliothek. Der Junge ist fasziniert von der Geschichte und verliebt sich in das 15-jährige Abbild der Leitern, dass er des Nachts auch in seinem Zimmer sieht. In seinen Träumen hat er Sex mit der 15-jährigen, später auch real mit der richtigen Leiterin, der er später eröffnet, dass er vermutet, sie wäre seine Mutter. Als bekannt wird, dass sein Vater ermordet wurde, muss er wieder in die Berghütte fliehen, obwohl er ein Alibi hat. Allein in der Natur wagt er sich immer tiefer in den dunklen Wald, um dann zwei Soldaten zu treffen, die in den Bergen vermisst wurden. Diese begleiten ihn über die Grenze in ein abgelegenes Tal ohne Zeit. Dort trifft er das 15-jährige Mädchen wieder, denn in der Zwischenzeit ist auch die Leiterin der Bibliothek eines natürlichen Todes gestorben. Diese schickt ihn wieder zurück, solange das Tor noch offen ist.

Der zweite Handlungsstrang beginnt mit Geheimberichten, die von einem mysteriösen Zwischenfall berichten, wo eine Schulklasse mitten im Wald plötzlich stundenlang ohnmächtig wird und wenig später wieder erwacht, ohne sich an etwas erinnern zu können. Einzig die Lehrerin bleibt von der Ohnmacht verschont. Nur einen Schüler trifft es besonders hart, er wacht erst Wochen später wieder auf und kann sich an garnichts mehr erinnern, weder seinen Namen noch an einfach Dinge wie Lesen und Schreiben. Damit landet der Strang in der Gegenwart, denn ab dem Zeitpunkt wird der Lebensweg von diesem Jungen, der mittlerweile 60 Jahre alt ist, verfolgt. Nakata kann zwar nicht Lesen oder Schreiben, aber mit Katzen reden und findet auf diesem Weg die verlorenen Katzen von Familien wieder. Eines Tages verfolgt er die Spur einer Katze, wird aber von anderen Katzen gewarnt, dass es sehr gefährlich werden könnte, weil sich dort ein Katzenmörder herumtreiben soll. Dieser lässt auch nicht lang auf sich warten und holt ihn mit Hilfe eines großen, gefährlichen Hundes zu sich. Dort erzählt er ihm, dass er aus den Seelen von Katzen eine Flöte baut, mit Hilfe dessen man Seelen von Menschen gefangen nehmen kann, mit deren Hilfen man eine noch größere Flöte bauen kann, um noch mächtigere Seelen zu fangen. Und so beginnt die Gestalt, die sich Johnnie Walker nennt, die Katzen abzuschlachten, ihr Herz zu essen und ihre Köpfe abzusägen. Das macht er nur, um Nakata zu provozieren, denn Johnnie Walker ist es Leid, Katzen zu töten. Also stürzt sich Nakata auf ihn und ermordet ihn. Als Nakata wieder aufwacht, liegt er an der Stelle, wo er auf die Katze gewartet hat, keine Spuren von dem Mord an sich und neben sich zwei Katzen, die er vor den Fängen von Johnnie Walker gerettet hat. Mit denen kann er plötzlich nicht mehr reden, dafür kann er es in gefährlichen Situationen Sardinen, Makrelen oder Blutegel regnen lassen. Denn er macht sich auf den Weg, obwohl er nicht weiß, wohin er soll. Auf seinem Weg lernt er einen Fernfahrer kennen, der ihn begleitet und deswegen auch seine Arbeit sausen lässt. Da Nakata sich nicht recht zu helfen weiß, übernimmt der Fernfahrer die Arbeit und erfährt, dass er ein Tor öffnen muss, was sich als Stein eines Schreins zeigt. Geholfen wird ihm dabei von Colonel Sanders (bekannt als das Gesicht von KFC). Er öffnet das Tor, aber es passiert nichts. Letztendlich gelangen sie noch an die Bibliothek, wo sich Kafka aufhielt, der aber inzwischen in den Bergen ist. Nakata äußert noch inständig den Wunsch, wieder so zu werden, wie er es als kleiner Junge war und legt sich hin. Als Nakata stirbt, ist es an dem Fernfahrer, die Arbeit zu beenden. Er kann plötzlich auch mit Katzen reden und schließt dann wieder den Eingang, indem er den Stein des Schreins wieder umdreht.

Ich habe es genossen, das Buch zu lesen, bis auf die letzten Momente, wo es absolut undurchsichtig wurde. Neben dem gesamten Fantasiethema auch die Themen Geschwisterliebe und Sex mit der Mutter direkt anzusprechen und wenn auch träumerisch zu skizzieren, sind ein sehr gewagtes Mittel. Wohl auch die einzige Möglichkeit, denn wenn man den zweiten Handlungsstrang betrachtet, der inhaltlich zusammenhangslos zusammengestückelt erscheint und dabei auch auf jeglichen Ansatz von Begründungen verzichtet. Oder es wurde das falsche Maß angesetzt, denn wenn man über mehrere Kapitel in die Thematik der ohnmächtigen Kinder eingeführt wird, erwartet man auch ein „Warum?“ Genauso verhält es sich mit dem Tod von Nakata, der plötzlich stirbt. Wie auch das Erscheinen von Johnnie Walker, der wohl Kafkas Vater repräsentiert und der Junge durch Nakata seinen Vater tötet. Soweit lässt sich noch eine Verbindung zwischen den Handlungssträngen ziehen, aber ansonsten finden sich kaum inhaltliche Zusammenhänge. Also auf mich wirkte das Buch im Abschluss wie eine wahllose Zusammenwürflung von Fantasiethemen, die zwar hochgradig spannend ist, aber mehr Fragen übrig lässt, wie einen Aha-Effekt am Ende des Buches zu erreichen.

Kurz nach unserem Urlaub packte mich die Lust, endlich mal wieder einen SF-Roman zu lesen. Ich hatte schon eine ganze Weile „Replay – Das zweite Spiel“ von Ken Grimwood bei mir zu liegen. Es ist bei Heyne als Klassiker wiederveröffentlicht worden und somit inhaltlich nicht der neuste Text. Für diejenigen, die wissen möchten, worum es sich in dem Buch handelt: Der Protagonist Jeff Winston stirb am 18.10.1988 und wird zurück ins Jahr 1963 zurückversetzt und er bekommt in der Tat eine zweite Chance. Wen der Gedanke reizt, sollte jetzt aufhören zu lesen, wer mehr wissen möchte, darf weiter neugierig sein.

Mal ganz ehrlich – angenommen heute Abend geht euer Licht aus und ihr wärt nochmal 25 Jahre jünger, was würdest ihr mit eurem Leben anfangen? Jeff nutzt sein Wissen über die kommende Zukunft, setzt Wetten auf Spiele und Rennen, kauft geschickt Aktien und wird dabei steinreich. Er versucht sich auch minimal am Ändern des Laufes der Geschichte, indem er den vermeintlichen Kennedy-Attentäter vorher anschwärzt. Hat aber keinen Erfolg, es war halt ein anderer. Jeff’s Privatleben ist nicht mehr das, was er aus der ersten Version kennt. Seine Frau aus dem ersten Leben zeigt ihm die kalte Schulter, dafür finden sich andere Frauen. 25 Jahre gehen ins Land und das unvermeidliche naht – es ist wieder der 18. Oktober ’88 als er stirbt.

Geld zu haben ist eine schöne Idee, bietet aber wenig Befriedigung und zum Wohlfühlen ist es auch nicht geeignet. Jeff findet sich wieder im Jahre 1963 wieder, nur etwas später, zusammen mit seiner damaligen Jugendliebe Judy. Er nutzt die Chance und verbringt ein ganzes Leben mit ihr – natürlich mit dem nötigen finanziellen Hintergrund – und hat mit ihr eine bezaubernde Tochter, als wieder der 18.10. naht. Das Ende ist unausweichlich und in der dritten Version trägt er die Last des Verlustes seiner Tochter. Mehrere Millionen schwer wohnt er einsam in den Bergen und führt das Leben eines Eremiten, völlig autark. Bis er eines Tages seine Vorräte auffüllen möchte und auf einen Film hingewiesen wird, welcher der erfolgreichste aller Zeiten ist, den er aber nicht kennt.

Bewaffnet mit seinen Millionen besteht er darauf, die Produzentin Pamela kennen zu lernen und wirft ihr direkt und unverblümt Filmtitel um die Ohren, die noch garnicht gedreht worden und bemerkt an ihrem Entsetzen – sie durchlebt das Gleiche wie er. An diesem Punkt beginnt ein wenig die Handlung Hollywood-Blockbuster-Charakter anzunehmen, denn es steht fest – egal wie oft beide wiederholen – sie werden sich wiederfinden. Während sie sich in der dritten Wiederholung kennen lernen, verlieben sich beide in der vierten Version in einander und stellen dabei fest, dass sie immer später in ihre alten Leben zurückfinden.

In der fünften Wiederholung wollen sie alles ändern, sie treten an die Öffentlichkeit und wollen wissen, warum das immer und immer wieder passiert. Natürlich werden sie von der Wissenschaft als Spinner behandelt, nur die Regierung der USA nutzt ihr Wissen, um am Rad der Geschichte zu drehen, was fast dazu führt, dass sie einen neuen Weltkrieg anzetteln. Durch diesen Zwist trennen sich ihre Wege, führen aber wieder in der sechsten Wiederholung zusammen. Mittlerweile treten sie beide wieder so spät in ihr Leben, dass sie vermuten, dass dies ihre letzte Wiederholung ist und beide machen sich ein wunderbares Leben, da sie nicht wissen, wie es ausgeht.

Jeff betritt die siebente Wiederholung wie so oft vor Pamela. Er gerät mitten in einen Streit mit seiner Frau und nutzt die Gelegenheit, um sich zu trennen. Er sucht die Nähe von Pamela, die noch nicht wieder zurückgekehrt ist und schafft es tatsächlich, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, obwohl sie nicht weiß, wer er „wirklich“ ist. Als sie kurz vor ihrem Tod wieder zurückkehrt, während sie gerade in seinen Armen liegt, erschrickt sie und fühlt sich ausgenutzt. Sie trennen sich, sterben wieder, treten wieder auf und durchbrechen ihre magische Grenze, finden sich zusammen und auf einmal steht das Unfassbare vor ihnen – die Zukunft, die sie nicht kennen.

Ich beginne mal mit der Kritikliste, denn die ist entscheidend länger wie die Liste der positiven Dinge. Bis auf die eine Wiederholung, wo sie durch offensichtliche Eingriffe in die Geschichte deren Lauf verändern, haben ihre Handlungen keinen Einfluss auf die Geschichte. Eine ziemlich vage Vermutung, die auch damit verknüpft ist, dass sie auch kaum den Lauf der Geschichte zu beeinflussen, bis auf den kläglichen Versuch, das Attentat auf Kennedy zu verhindern. Wäre zumindest ein Versuch der nahe liegt. Deswegen hat es mich gewundert, dass materiellem und familiären Erfolg im dritten Leben sofort die Resignation folgte.

Auch wurde das Experiment mit dem Leben komplett außer Acht gelassen. Da der Hintergrund der Wiederholungen nicht mal annäherungsweise beleuchtet wird, wäre die Verkürzung einer Wiederholung der Freitod. Auch wenn es den Aktionsgehalt des Buches reduziert, fand ich sehr schön, dass einem deutlich vor Augen geführt wird, dass es nicht wie beim Murmeltiertag um eine kurze Zeitspanne handelt, sondern um einen Abschnitt des Lebens. Was in anderen Kritiken als „langatmig“ beschrieben wird, ist für mich der Tatsache geschuldet, dass 25 Jahre eine lange Zeit sind.

Was mich stört, ist dass die zweite Person, die auch in den Wiederholungen gefangen ist, als Gegenstück zu Jeff, eine Frau ist, die vom Alter, als auch von der Optik zu ihm passt und beide sich in einander verlieben und dass ein nur kurz auftauchender dritter Wiederholer völlig gestört ist, keinerlei Möglichkeit hat (und merkwürdigerweise auch nicht versucht) und das Leben der beiden nur tangiert, wenn es von ihrer Seite aus initiiert wird. Wie man vielleicht aus diesen Zeilen liest, bin ich von der Idee und ihrer Umsetzung begeistert, doch fehlt es mir definitiv an Schlüssigkeit und Tiefgang.

Nachdem ich mit Naokos Lächeln fertig war, sind mir jetzt mittlerweile vier Bücher durch die Finger gegangen und es wird höchste Zeit, seinen Senf dazuzugeben.

Angefangen habe ich kurz nach Naokos Lächeln mit „About a boy“ von Nick Hornby. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dieses Buch nur widerwillig gekauft habe. Ich habe den Film dazu nicht gesehen, aber der Nachteil ist, dass man automatisch das Bild von Hugh Grant im Kopf hat, wenn man sich durch die Handlung schlängelt. Viel ist von dem Buch nicht hängengeblieben. Interessant ist die Geschichte aber schon und wie jedes Buch von Nick Hornby mit einer Menge Musik versehen. Will, 36, der von den Tantiemen eines uralten Weihnachtssongs lebt, hat noch nie in seinem Leben gearbeitet und ist eine oberflächliche Yuppielarve. Er hasst Kinder, merkt aber, dass er in einem Alter ist, in dem es schwierig ist, Frauen ohne Kinder kennenzulernen. So lernt er eines Tages einen Jungen kennen, der das komplette Gegenteil von Will ist. Still, unmodisch und – in Wills Augen – nervig. Zwischen beiden entstehen regelmäßig Reibereien, die aber für beide förderlich sind. Will lernt, dass das Leben doch etwas ernst zu nehmen und Marcus wird selbstbewußter. Wie immer ein Genuss, ein Buch von Nick Hornby zu lesen.

Während wir nach China gefahren sind, begleitete mich „Unter Wilden“ von Dirk Wittenborn. Ich habe dieses Buch auf einem Wühltisch im Supermarkt mitgenommen und es hatte nur einen Zweck – lesen und unterwegs liegen lassen. Aber das Schicksal wollte es, dass ich die letzten Seiten hier daheim zuende lese. War aber auch nicht schlecht, denn für ein Wegwerfbuch war es doch ziemlich gut. Durch einen glücklichen Umstand gelangt die Mutter von Finn zu einem Posten bei einem Superreichen. Und mit diesem Moment beginnt der Wechsel und die Einführung in ein neues Leben. Für den ersten Moment ist Finn von der perfekten Welt geblendet, aber gelangt sehr schnell zu der Erkenntnis, dass es dort die Kluft zwischen dem „Ich möchte etwas tun“ und dem „Man erwartet von mir, was ich tun soll“ sehr weit auseinander geht. Finns Vater, ein bekannter Ethnologe untersucht ein Volk im südamerikanischen Regenwald, von dem er seinem Sohn regelmäßig berichtet und Finn gelangt immer mehr zu der Erkenntnis, dass der Unterschied im Verhalten von Urwaldmenschen und Upper-Class-Menschen sehr klein ist.

Vor ein paar Wochen reichte mir Kriszta ein Buch mit der Bemerkung, dass ich es unbedingt mal lesen sollte, es wäre wohl sehr witzig. Ich stand Tommy Jaud etwas skeptisch gegenüber, aber „Resturlaub“ sollte nun meine erste Leseerfahrung werden. Ich brauchte exakt 3 mal Kurz-Vorm-Einschlafen-Lesen und einen Samstag Nachmittag um damit fertig zu werden. Es ist wirklich kurzweilig zu lesen, aber was dem Buch das gewisse Etwas gibt, ist seine Handlung. Peter will mit seiner Freudin Biene Schluss machen, weil er nicht wie seine Freunde werden will: Haus „nur 15 Minuten“ von Bamberg entfernt, mit Kiesauffahrt und jedes Jahr Urlaub auf Mallorca, im selben Hotel. Er täuscht einen Überfall auf der Flughafentoilette vor und haut nach Argentinien ab. Dort kämpft er sich mit seinem Ballermann-Spanisch durch, schreibt Listen, wie sein neues Leben aussehen soll und koordiniert über seinen Freund Arne gleichzeitig sein Leben in Bamberg, denn Biene geht davon aus, dass er daheim ist. Feige wie „Pitschi“ ist, hat er ihr nur einen Brief geschrieben. Nach seiner Ankunft verleugnet er Biene und seine Herkunft, aber mit fortschreitender Handlung wird es immer schwieriger und schließlich beginnt der Wettlauf – wer ist schneller daheim: er oder Biene? Schließlich liegt dann ein Brief auf dem Tisch…

Nach dem kurzweiligen Ausflug machte ich mich an „Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole“ von Sue Townsend. Nachdem „Adrian Mole und die Achse des Bösen“ noch ein richtiger Brüller war, sind die verschollenen Tagebücher der absolute Tiefpunkt. Kurz zur Handlung – Adrian Mole landet nach dem Brand im Haus seiner Eltern in einer Sozialsiedlung, versucht sich an mehreren literarischen Werken und lässt eine Beziehung immer wieder aufleben, der mit jedem Aufflackern auch gleich wieder verlischt. Meiner Meinung nach verblasst sein Charakter mit jeder Seite, denn wenn der versnobbte Adrian in einer Sozialsiedlung wohnt und sich mit diesem Zustand auch noch abfindet, ist das unglaubwürdig. Seine Beziehung zu Pamela Pigg hat auch nur kurze Momente des Humors, als er fragt, wie denn ein Pigg (Schwein) und ein Mole (Maulwurf) zusammenpassen und wo er die Eltern von Pamela kennenlernt und ihr Vater schon beim Händeschütteln „Porky“ genannt werden will. Ansonsten blubbert die inszenierte Handlung dahin, er beschuldigt eine gewisse Sue Townsend seine Identität zu stehlen und wird zum Abschluss verhaftet, weil er eine Demonstration zur Freilassung seines Klassenkameraden und Tankstelleninhaber Mohammed beantragt, der wegen Terrorismusverdacht verhaftet wurde.

Aber jetzt geht es erstmal mit Zeitschriften weiter, sonst stapeln die sich noch bis unter die Decke.