Raus in die Natur

Es ist ja schon fast peinlich… Ich bin mit meiner Frau nun schon über 9 Jahre zusammen, seit 3 Jahren sind wir verheiratet, aber haben wir es schon mal geschafft, gemeinsam in der Sächsischen Schweiz wandern zu gehen? Nein! Dolomiten, Himalaya, Anden – alles kein Ding. Also wurde es höchste Zeit. Meine Frau suchte eine einfache Route raus: Wehlen – Bastei – Rathen und zurück (quasi die Einstiegstour, wenn man mal in der Sächsischen Schweiz gewesen sein will).

Morgennebel in Wehlen

Morgennebel in Wehlen

Kriszta schlug vor, mit dem Auto raus zu fahren, aber ich verneinte. Viel schöner ist es, wenn man mit der S-Bahn sich an der Elbe entlang schlängelt. Wir starteten kurz vor 8 Uhr und fuhren halb 9 Uhr mit der S-Bahn los. Der Himmel war strahlend blau, ein paar Schleierwölkchen waren sichtbar – es war aber ziemlich frisch, wie es sich für einen Oktobermorgen gehört. Die S-Bahn füllte sich am Hauptbahnhof ordentlich. Man sah es den Leuten an – alle wollten raus, wandern. Natürlich sind immer wieder welche dabei, die der Meinung sind, den Inhalt ihres Hirns unfiltriert über die Lippen kommen zu lassen – in Wagonlautstärke. Die Männer zündeten dazu ein paar Bier, ihre Frauen ein paar Piccolos. Man heizte sich gegenseitig mit Sprüchen wie „Fängste schon so früh an zu saufen?“ an – wie gesagt, reizende Zeitgenossen. Dazu du trostlose Industrielandschaft, die bis Pirna anhält. Aber danach wird es richtig schön.

Der klassische Blick von der Bastei (natürlich nur original mit Raddampfer)

Der klassische Blick von der Bastei (natürlich nur original mit Raddampfer)

Zu unserer Überraschung stiegen erstaunlich wenig Fahrgäste in Wehlen aus. Der Fährmann wartete noch ab, bis wir an Bord waren und wir setzten über. Wehlen wirkte noch etwas leer und ausgestorben. Wir fragten noch kurz im Touristenbüro nach, welcher der schönste Weg zur Bastei hoch sei. Wir wurden durch den Uttewalder Grund über den Steinernen Tisch zur Bastei geschickt. Wir folgten der Beschreibung – es war herrlich. Der Wald war noch feucht vom Regen am Abend zu vor, es war frisch und wir waren ganz allein.

Während wir liefen, dachte ich darüber nach, wann ich das letzte Mal wandern war. Mir fiel eine Wanderung ein, die so 2003 oder 2004 gewesen sein muss. Ich kann mich noch gut daran erinnern, weil wir den Abend zuvor bei Paul van Dyk gewesen sind (so bis 2 oder 3 Uhr) und dann ähnlich früh gestartet sind und als ich nach der Wanderung heim kam, hab ich mich nur umgezogen und bin gleich ins Theater los. War so ziemlich das stressigste Wochenende an dass ich mich erinnern kann.

Am Amselsee

Am Amselsee

Auf der Bastei war natürlich schon die Hölle los. Allein das schöne Wetter lockte schon viele Menschen her, dazu kamen noch die normalen Touristentouren und zusätzlich wurde der Tag der Einheit in Dresden gefeiert. Grund genug, dass sich Massen an den Geländern drängten, um ein schönes Bild zu machen. Wir besuchten noch die Felsenburg und machten uns dann an den Abstieg. Eigentlich hatte ich vor, dass wir die Schwedenlöcher zum Abstieg nehmen, aber ich fand den Einstieg nicht, also liefen wir über die Felsenbühne hinab zum Amselsee und dann hinter zum Amselfall. Auch hier war reges Treiben angesagt. Mittlerweile war Mittagszeit und wir suchten uns einen Platz zum Essen. Fündig wurden wir in einer Forellenräucherei, die auf dem Weg zwischen Amselsee und Rathen liegt. Dort teilten wir uns einen sehr leckeren geräucherten Lachs mit Kartoffelsalat und Brot (für mich) und eingelegten Gurken (für meine Frau).

Laut Route hätten wir auf den anderen Seite zurück gehen sollen, aber da wir in der Sonne laufen wollten, gingen wir auf der Basteiseite an der Elbe zurück. Leider hatte sich die Sonne aber während des Essen sehr schnell hinter ein paar Wolken verzogen, die schwer nach Regen aussahen. Aber trotzdem fand ich den Weg schöner wie den gegenüber, zumal die Rathener Fähre hoffnunglos überfüllt war. Gegen 14 Uhr saßen wir dann wieder im Zug zurück und waren froh über die schöne Wanderung.

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