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1995 – Air Liquide

Jan 0

Kommen wir zu einem der schwierigsten Beiträge für dieses Jahr. Nach mittlerweile über 25 Jahren fällt es mir schwer, mich daran zu erinnern, wie ich zu Air Liquide gekommen bin.

Jeden Beitrag gibt es auch als Podcast, der etwas umfangreicher als der Eintrag auf dem Blog ist. Untermalt wird das natürlich von der Musik, über die ich hier erzähle.

Aber ich gehe mal den einfachsten Weg. Nachdem ich beim Bund war, hatte sich mein Musikgeschmack wesentlich verändert. Ich war auf der Suche nach neuer Musik, die nicht so simpel und klimpernd daher kam, sondern nach anspruchsvoller Produktion klang.

Ich hatte die … I care because you do von Aphex Twin schon daheim stehen. Und dann stieß ich auf diese Compilation die sich Dream Injection nannte. Dort versammelten sich Aphex Twin, Future Sound Of London, µ-ziq und Autechre. Aber auch Speedy J und Air Liquide. Reingehört und gekauft.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, wie das mit dem Reinhören ablief. Manche Märkte boten es an, dass man selbst die CD einlegen und nach Herzenslust zwischen den Titeln springen und reinspulen konnte. Aber es gab auch Läden, wo man die CD abgeben musste und dann gab es nur zwei Tasten: Nächster Titel, vorheriger Titel. Keine Titelanzeige, kein Vorspulen.

Genau so war es im Karstadt in Dresden. Dort stand die Doppel-CD Abuse Your Illusion. Jetzt hatte ich schon mal einen Titel von Air Liquide gehört. Also gut, kaufen wir doch mal im Blindflug ein komplettes Doppelalbum! Es sollte sich als glücklicher Umstand herausstellen.

Ich machte weiter. So habe ich so ziemlich jede CD von Air Liquide gekauft, ohne überhaupt reingehört zu haben. Auch mit einem gewissen Leichtsinnsfaktor, als ich in Berlin im WOM stand und dort die Red und die Black jeweils für 36,99DM einsackte. So kam mir auch die Nephology unter. Und die ist wirklich alles andere als gut.

Dann gab es da noch die Doku, die auf arte oder 3sat kam. Die berichtete über Pioniere, Tüftler und Künstler der elektronischen Musik abseits des Mainstream. Dabei waren ein Aphex Twin, sowie Scanner, Oval, Move D, Atom Heart und auch Air Liquide. Mir gefiel ihre Einstellung, dass sie Musik für den Moment produzieren. Das heißt, sie nutzen analoges Equiment – wenn der Stecker gezogen wird, ist der Programmspeicher hinüber. Somit lebt ihre Musik von den kleinen Fehlern, die sich einschleichen.

Ingmar Koch und Cem Oral haben Air Liquide immer als ihr kommerzielles Projekt bezeichnet. Kein Wunder, denn es gab mehrere Alben und Compilations, die durchweg als CD veröffentlicht wurden. Ihre Veröffentlichungen begleiteten mich bis ins neue Jahrtausend. Aber die Alben X und Let The Ears Be Your Receiver täuschten nur darüber hinweg, dass die Zeit der analogen Musik vorüber war.

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