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Plattenkiste Mai 2021

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In dem Plattenkiste Mai 2021 muss ich mich wieder fragen, welche Platten eigentlich wirklich neu sind? Ist eine Scheibe, die von einem anderen Label wiederveröffentlicht wird, eine Neuerscheinung? Außerdem habe ich mich bei den Klassikern umgesehen und meine Sammlung ordentlich erweitert.

Die Plattenkiste gibt es auch als Podcast bei Mixcloud. Dort gibt es ausführlichere Informationen zum Release, Ausschnitte aus den Tracks. Außerdem gibt es beim Podcast auch den Klassiker des Monats und – insofern geschehen – Beispiele aus alten, nachgekauften Platten.

Vor vielen Jahren hatte ich mal das Glück ungefähr 7 oder 8 Platten, darunter Klassiker wie Energy 52s „Cafe del mar“ oder Spicelabs „Lost in spice“, auf Vinyl in super Zustand für 30 Euro bei eBay zu ergattern. Allein die Energy 52 habe ich letztes Jahr für 25 Euro wieder verkauft. Die Zeiten wechseln hin und her. Manchmal bekommt man Klassiker zum Schnäppchenpreis, manchmal werden sie einem hinterhergeworfen.

Aus dem Grund machte ich mich mal wieder auf die Suche. Bei eBay ist da mittlerweile Fehlanzeige, denn dort kennen zu viele discogs. Das heißt, die Platten gibt es unter Umständen gar nicht. Aus dem Grund war eBay Kleinanzeigen mein Anlaufpunkt. Dort stellen viele ihre alten Sammlungen rein, in der Hoffnung, sie loszuwerden. Zielgruppe für mich sind die Verkäufer, die solche „Ich verkaufe nur komplett“-Pakete anbieten.

Nach einigem Suchen fand ich einen Anbieter, der eine unglaublich große Sammlung (Trance Nation 1-7, etliche Thunderdomes und Mayday-Compilations 1-5) anbot. Insgesamt 42 CD-Boxen für 90 Euro. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Also hinterfragte ich den Zustand und bekam eine unscharfe Antwort. Nach einigem hin und her, schlug ich zu – 90 Euro inkl. Versand. Als die CDs ankamen, war ich überrascht. Ich erwartete etliche Kratzer, aber es hielt sich in Grenzen. Also ein voller Erfolg.

Ich hatte mir inzwischen eine Notification eingestellt, dass ich über neue Einträge informiert werde. Und plötzlich taucht eine Plattenliste auf. Ich fliege die Liste durch und entdecke Namen wie „Tika Taka“. Nachdem ich vor kurzem einen Mix des Labels Meta zusammengestellt hatte, dass mich so sehr an an Phono Elements erinnerte, wurde ich hellhörig. Und auch hier bekam ich einen Superpreis für die Phono Elements 1-5. Seit dem habe ich erst mal die Notification abgeschaltet…

Artefakt – Days bygone

Nach so viel musikalischem Vorwort ist es jetzt an der Zeit zur neuen Musik zu kommen. Ich hatte mich Anfang des Jahres geärgert, dass ich Vrils „Alte Seele“ in der limitierten Ausgabe verpasst habe. Das sollte mir nicht noch mal passieren, also sicherte ich mir das neue Mini-Album von Artefakt.

Diese kommt auf weiß marmoriertem Vinyl daher. Physisch habe ich es noch nicht daheim stehen, weil noch ein paar andere Releases folgen. Aber zumindest konnte ich mir am Erscheinungstag schon mal die WAV-Files herunterladen. Das neue Album Days Bygone kommt mit einer Mischung aus Ambient und IDM daher, mir schon fast zu kurz erscheint.

Sterac – Asphyx

Ein weiterer Release auf Delsin, den es als limitierte Ausgabe gibt, ist eine Wiederveröffentlichung des 1995er Klassikers Asphyx von Sterac. Die gibt es als durchsichtiges Vinyl, aber auch hier habe ich erst mal nur die WAV-Dateien.

Wenn ich vergleiche, welchen Schrott ich damals gehört habe und wie gut das Zeug war, was damals schon erschien, ist die limitierte Ausgabe eine Besänftigung an die Geister der Musik.

Function – Awakening from the Illusory Self

Ich möchte gleich bei den bekannten Namen der Labels bleiben. Deshalb gehe weiter zu Function der seine neue EP Awakening from the Illusory Self auf Tresor veröffentlicht hat. Function hat die angenehme Eigenschaft nur selten, aber dafür qualitativ sehr hochwertig zu veröffentlichen. So feinen Techno bekommt man sonst nur selten zu hören.

3MB feat. Magic Juan Atkins

Noch einmal Tresor? Ja, gerne! Tresor nutzt sein Jubiläum um die Platten alter Tage wieder erstehen zu lassen. So auch 3MB feat. Magic Juan Atkins. Nur dass es jetzt noch neue Remixe dazu gibt, die so unauffällig am Original bleiben, dass es ein Genuss ist. Denn nichts ist verstörender wie ein moderner Mix, der das Original zwar schön neu interpretiert, aber die Platte als Ganzes ziemlich kontextlos wirkt.

Barker – BARKER002

Wenn wir schon mal in Berlin sind, bleiben wir gleich dort. Dort gibt es das ansässige Label Ostgut Ton, wo Barker seine neue EP veröffentlicht hat. Wie immer im typischen Sound von Barker, schnell blubbernd, aber so gut wie ohne Bassdrum. Na gut, die BARKER002 macht kleine Ausnahmen, aber die passen trotzdem dazu.

Skee Mask – Pool

Welchen Schritt mache ich als nächstes? Ich denke, wir machen einen kleinen Abstecher nach München. Dort sitzt das Label Ilian Tape. Die Gebrüder Zenker haben ein glückliches Händchen gehabt, als sie Skee Mask bei sich unter Vertrag nahmen. Sein zweites Album Pool ist schon wie sein Vorgänger ein Freigeist.

Frei von jeglichen Zwängen wird zwischen Breakbeats und Ambient, alten Samples hin- und hergewechselt. Was bei vielen erzwungen klingt, bekommt bei Skee Mask ein Gefühl von spielerischer Freiheit. Als ich die ersten Schnipsel hört, bekam ich den Fluss nicht so mit. Aber hört man das Album in seiner Gesamtheit, bin ich wieder begeistert.

Gimmik – Cloudwalker

Bevor wir weiter nördlich gehen, führt uns die Reise nach Österreich. Von dort kommt Martin Haidinger, der als Gimmik Musik macht. Letzten Monat stellte ich schon einige Wiederveröffentlichungen auf n5MD vor. Jetzt kommt endlich neues Material. Cloudwalker lässt keinen Zweifel daran übrig, dass Gimmik aus seiner verspielten Phase von Toytronic entwachsen ist.

Die Grundzüge sind immer noch erkennbar, aber es wirkt alles etwas gesetzter. So bin ich bei manchen Stücken schon geneigt, von einer Nähe zu Ulrich Schnauss‘ frühen Werken zu erkennen.

Bjarki – Pandemixes V

Jetzt wage ich den Sprung nach Island. Denn Bjarki hat am Bandcamp Friday die Pandemixes V veröffentlicht. Nachdem der Vorgänger für mich schon sehr grenzwertig war, ist die Nr. 5 deutlich lebendiger. Viele verschiedene Stile, mehr Abwechslung – kurz gesagt, ja es macht wieder mehr Spaß das Sammelwerk zu hören.

Ich hörte gleich am frühen Morgen rein, da waren es 9 Titel. Wie ich mitbekam, änderte sich in den nächsten Minuten die Reihenfolge und die Anzahl. Als es halbwegs konstant bei 15 Titeln blieb, schlug ich zu. Wie ich am nächsten Tag bei discogs herausfand, ging die Zahl noch bis auf 20 hoch. Die endgültige Version hatte dann aber nur 19 Titel.

Da man bei Bandcamp den Release immer wieder herunterladen kann, zog ich die endgültige Variante. Zusammen mit den 15 Titeln, die ich schon auf Platte hatte, konnte ich die Version mit den 20 Titeln rekonstruieren. Yes!

BCee feat. Charlotte Haining – Life As We Knew It

Machen wir einen Zwischenstopp auf der britischen Insel. Im Herbst letzten Jahres erschien auf Spearhead das Album von Labelchef Bcee mit der großartigen Stimme von Charlotte Haining. Da ich mittlerweile weiß, wie lang die Vorlaufzeit für ein Album ist, muss da Album noch vor der Pandemie entstanden sein.

Seit dem Erscheinen sind nun bereits etliche Remixe erschienen – zusammen mit der Ankündigung auf ein komplettes Remix-Album. Dieses ist jetzt herausgekommen und trägt zum einen in Anspielung auf den Originaltitel, als auch auf die gegenwärtige Situation den unglaublich treffenden Titel Life as we knew it. Natürlich sind die Remixe erstklassig.

The Future Sound of London – Music For 3 Books

Da Spearhead in London sitzt bleiben wir gleich dort und wechseln zu Future Sound of London. Diese ziehen es in letzter Zeit vor, ihre Musik auf Bandcamp herauszubringen, statt wie bisher auf ihrer Webseite. Dort gibt es noch die drei Bücher als Printausgabe mit musikalischer Untermalung.

Jetzt ist Music for 3 books auch als Audio only erschienen. Hier erwarten uns keine Überraschungen, das übliche komplexe Geflecht aus FSOL-Sounds, die in in ihrer Vielfalt immer wieder neu verwoben werden und damit immer neue Klangteppiche ergeben.

Co-Accused – Psychonaut Society EP

Etwas nördlicher sind Co-Accused daheim. Das Ehepaar kommt aus Glasgow und nutzt das frische Label Co-Accused Records, um nicht nur in Clubs wie dem Club 69 ihre Musik dem Publikum zu präsentieren, sondern auch ihre eigenen Ideen von Techno und Electro zu verbreiten. Gerade in der Pandemie bietet ein eigenes Label viel mehr Möglichkeiten, die Leute zu erreichen.

Dazu haben sie auf der Psychonaut Society nicht nur drei eigene Tracks genommen, sondern zusätzlich den Australier Jensen Interceptor gebeten, einen Remix des Titeltracks abzuliefern. Die Headline der Ankündigung spricht bei dem neuen Label von „sonic grooves from another galaxy“. Das klingt nach einer ziemlich großen Bandbreite, denn in meinem Kopf geht da alles von Goa Trance bis zu abgefahrenen elektronischen Experimenten. Bei der Psychonaut Society poltert eine verzerrte 909 und alles kommt sehr rave-tauglich daher. Also um beim Deep Space Vergleich zu bleiben, ist es eher ein Sternenkreuzer im Kampfmodus.

Solarstone – Electronic Architecture 4

Es ist mittlerweile einige Jahre her, da erschien die Eletronic Architecture 3. Damals umfasst die digitale Ausgabe ungefähr 30-35 Titel, die gedanklich auf drei CDs aufgeteilt waren und dazu einen passenden Mix aus den Tracks. Die jetzt erschienene Electronic Architecture 4 veranlasste Solarstone, das Konzept der CD zu verwerfen. Jetzt gibt es eine limitierte Doppel-CD oder in der digitalen Version einen Mix aus 30 Tracks.

Obwohl Progressive House und Trance bei mir doch eher die Ausnahme sind, mag ich diese Serie von Solarstone. Sie bietet eine schöne Abwechslung und bringt einen auf den aktuellen Stand.

Adiel – Method EP

Adiel aus Italien ist mit 10 Releases in 5 Jahren (zumindest laut discogs) nicht unbedingt eine Frau, die viel und häufig veröffentlicht. In erster Linie hat mich bei ihrer neuen Scheibe das Label Figure angesprochen. Aber selbst nachdem ich jetzt mehrfach die Method EP gehört habe, kann ich mich nicht festlegen, was ich da überhaupt gehört habe.

Das haben wir den Titeltrack Method, der mit einem Breakbeat daherkommt, dann eine Acid-Nummer, dann mit Time is out, ein Stück, was wie eine Kollaboration von Barker und nthng klingt. Ganz zum Schluss folgt dann noch ein langsames Broken Beat Stück. Und in welche Schublade soll ich das jetzt einordnen? Keine, deswegen gefällt es mir ja so gut.

Alan Fitzpatrick & Joel Mull – We Don’t Know Anything Yet

Das genau Gegenteil liefern Alan Fitzpatrick und Joel Mull ab. Das Label heißt Drumcode, was ziemlich treibenden Techno verspricht. Dort ist jetzt die neue Scheibe We don’t know anything yet erschienen. Neben dem Original gibt es noch einen Remix des Labelchefs Adam Beyer höchstpersönlich, was die Veröffentlichung abrundet.

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