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1997 – Public Energy No 1

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Kennt ihr solche Alben, wo ihr wisst, dass sie genial sind? Aber wenn man versucht, einen Titel zu finden, der die Stimmung des Albums einfängt, findet ihr keinen? So geht es mir mit der Public Energy No 1 von Speedy J.

Jeden Beitrag gibt es auch als Podcast, der etwas umfangreicher als der Eintrag auf dem Blog ist. Untermalt wird das natürlich von der Musik, über die ich hier erzähle.

Ich habe lange überlegt, wie ich die Geschichte zu Speedy J bzw. zu seinem Album aufziehe. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, dass ich seine Historie chronologisch aufrolle. Aber chronologisch in dem Sinn wie mir seine Musik über den Weg gelaufen ist.

Zuerst müssen wir in das Jahr 1992 gehen. Auf Plus8 erscheint seine EP mit Pullover und Something for your mind. Ganz ehrlich – wer nicht mindestens einen von den beiden Tracks kennt, sollte nicht mal das Wort Techno in den Mund nehmen.

Und jetzt kommt schon ein ganz großer Sprung. Ich bin immer noch in meiner Phase, wo ich nach einer neuen musikalischen Identität suche. Auf diesem Weg kaufe ich mir die Compilation Future Noire – Beats for a new dark age. Darauf zu finden ist Speedy Js Pure Energy. Überrascht wie gut dieser Song ist, kaufe ich mir das dazu gehörige Album Public Energy No 1.

Das Album passt perfekt in meine Ansicht, dass 4/4 Beats mittlerweile langweilig sind und eine Mischung aus brachialen Beats und sanften Ambienttönen besser passt. Natürlich werde ich neugierig und will wissen, was passiert ist, dass Speedy J von Pullover zu so einem Sound kommt. Bei Gelegenheit stoße ich auf die !ive, die unter anderem auf Harthouse erschienen ist.

Das Live-Album, das zwei Jahre vor der Public Energy No 1 erschienen ist, wirft bei mir mehr Fragen auf, als dass es Antworten liefert. Wie kann sich der Sound in zwei Jahren so radikal ändern? Ich verfolge es aber nicht weiter. Deswegen sehe ich mit Freude das neue Album A Shocking Hobby im CD-Regal stehen. Das Cover verspricht nichts Gutes. Und ich werde belohnt. Der Titel Borax bläst so böse aus den Boxen, dass mir Angst und Bange wird. In mir entsteht das Bild eines feuchten Kellers, wo dicht gedrängt Synthesizer und Drummachines stehen und mit der falschen Spannung betrieben werden und dabei die Kakophonie der gequälten Klänge von sich geben.

Damit ist die A Shocking Hobby die logische Fortsetzung von der Public Energy No 1, weil sie den Grundtenor des Vorgängers verstärkt. Aber mich quält wieder die Frage, wie es so weit kommen konnte. Mit etwas Abstand von einander ersteigere ich die Ginger und die G-Spot. Und beide Alben geben keine Antwort. Die Ginger hinterlässt bei mir einen unfertigen Eindruck. Jede Menge Ideen, die aber nicht komplett ausgearbeitet wirken.

Deshalb ist die G-Spot in diesem Sinne auch schon runder. Ich weiß, dass es zumindest zwei Ausgaben gibt. Eine, die auf Beam me up! erschienen ist, wie das erste Album und eine auf Warp. Da mir Warp als Label näher liegt, suche ich hartnäckig nach dieser Ausgabe, obwohl es inhaltlich überhaupt keinen Sinn ergibt.

Jetzt stehen fünf Alben in meinem Schrank. Die ersten drei sind noch stimmig und auch die nächsten beiden. Aber der große Kontext erschließt sich nicht. Vielleicht liefert die Krekc die 2001 erscheint die Antwort? Weit gefehlt! Die Jahrtausendwende ist die Zeit des Schranz mit Chris Liebing in einer führenden Rolle. Und Speedy Js neue EP schlägt genau in diese Kerbe.

Vielleicht nur ein Ausrutscher? Das nächste Album Loudboxer lässt einen gewissen Verwandtheitsgrad zu den Vorgängern erkennen, lehnt sich aber komplett an Krekc an. Wieder gibt es Tracks und Füllstücke. Trotzdem lässt es durchblicken, dass hier Schranz herrscht. Auch alle EPs die danach folgen, ändern daran nichts.

Aber es folgt auch nichts mehr in Albumlänge. Und aus diesem Grund respektiere ich die Arbeit von Speedy J. Er hat viel probiert und sich den Raum für alle Möglichkeiten gegeben. Verfolgt man meine Hörgewohnheiten im Laufe der Zeit klingt das auch nach einem wilden Ramschhaufen (Anm. v. d. R.: Ramsch ist eine Ansammlung von Dingen, die man nicht braucht). Man könnte es aber auch die Freiheit persönlicher Entwicklung nennen.

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