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Dub-Techno

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In 2020 berichtete ich im Rahmen meiner Serie A-Z der elektronischen Musik bereits von Fluxion. Da ging ich mit dem Begriff Dub-Techno herum, als wäre er allgemein geläufig. Deshalb will ich heute mal dem Thema auf den Zahn fühlen.

electro-space monthly ist eine Serie, bei der es um Musik geht, die mich beeinflusst hat. Dabei können Künstler, Musikstile oder Labels als Themen auftauchen. Inhaltlich geht es selten um Vollständigkeit, sondern nur um den Abriss, der mich bewegt hat.

Außerdem gibt es die Serie auch als Podcast bei Mixcloud zum Anhören. Dort gibt es neben dem hier stehenden Text noch die Musik, über die geredet wird. Und vielleicht erzähle ich auch noch etwas mehr, wenn mir spontan etwas einfällt.

Für den richtigen Einstieg müssen wir in das Jamaika der 60er Jahre reisen. Dort entstand zu dieser Zeit der Reggae, der durch z.B. Bob Marley zu weltweiter Berühmtheit gelangte. Weniger bekannt sind Namen, wie Lee ‚Scratch‘ Perry oder King Tubby. Die begannen Reggae in Einzelteile zu zerlegen. Der Gesang des Songs wurde entfernt und dafür kamen jede Menge Effekte wie Reverb und Echo hinzu. Das war die Geburtsstunde des Dub.

Da die „Erfinder“ des Dub Toningenieure waren, flossen ihre Erkenntnisse auch wieder zurück in den Reggae, sodass beide Stile dicht mit einander verwoben sind. Dub war aber auch Vorreiter für neue Musikstile wie Hip-Hop. Und natürlich auch Einfluss für die elektronische Musik, um damit den Sprung in die 90er zu wagen.

Die Grundlagen im Bereich Techno lieferten Moritz von Oswald und Mark Ernestus mit ihrem Projekt Basic Channel. Wie auch beim Dub spielte da der minimalistische Ansatz hinein. Die Compilation BCD bildet einen guten Abriss, worum es bei dem Projekt ging. 1995 schloss das Label und gab den Staffelstab an das Sublabel Chain Reaction weiter. Die Namen, die dort veröffentlichten, sind bis heute Legenden. Monolake, Vladislav Delay und der bereits erwähnte Fluxion, um nur ein paar Namen zu nennen.

Wie ich schon erwähnte, war Fluxion mein Einstieg zum Dub-Techno. Das war zur Jahrtausendwende und danach ging das Genre in die Breite, sodass es für jemanden, der sich nicht ausschließlich damit beschäftigt, schwierig wurde, das gesamte Feld zu überblicken. Deswegen nur ein paar ausgewählte Stationen meiner Dub-Reise.

Nach Fluxion kam der nächste Schwung an Dub-Techno über Netlabel zu mir. Thinner war da ganz vorn mit dabei. Natürlich kam dort auch andere Musik heraus, aber mit Marko Fürstenberg auch ein Name, der mir bis jetzt geläufig ist. Und demzufolge folgten auch Netlabels, die sich auch ausschließlich auf Dub-Techno spezialisiert hatten.

Es gibt aber auch Künstler, die ich nicht ausschließlich mit Dub-Techno assoziiere. So zum Beispiel Deadbeat. Der Kanadier fiel mir das erste Mal mit seinem 2008er Album Roots & Wire auf, wo er in Deep Structure das Zitat auspackt: „Dub is drum & bass music if you want to be academic about it or technical you would say it’s the deep structure of reggae it’s the very skeleton of the music“

Er wechselte im Laufe seiner Karriere dann von Montreal nach Berlin und brachte auf BLKRTZ einige sehr schöne Platten heraus. Wie schon stellenweise auf der Roots & Wire zu erkennen, lag sein Hauptfokus nicht nur auf Dub, sondern war auch sehr technoid. Trotzdem gefallen mir auch die Werke in Zusammenarbeit mit Paul St. Hilaire sehr gut.

Da ich thematisch gerade in Kanada angefangen habe, machen wir einen kleinen Sprung nach Detroit (Michigan). Dort ist Rod Modell beheimatet, den man im Bereich des Dub-Techno als DeepChord kennt. DeepChord machte sich das erste Mal mit der Liumin in meiner Plattenkiste auf sich aufmerksam.

Liest man sich die Liste der Labels durch, auf denen Rod Modell bereits veröffentlicht hat, kann man nur schwer beeindruckt sein. Da tauchen Namen wie echochord, Tresor, Soma, Modern Love oder Vibrant Music darin auf. Letzteres wie der Name unschwer erkennen lässt, geführt von Fluxion.

Aber DeepChord hat auch einige bemerkenswerte Zusammenarbeiten auf die Beine gestellt. Dazu gehören für mich die Groovelock Remixe von Slam, wo die fünf Tracks schon Albumlänge erreichen. Oder auch die Will I Dream During The Process, wo DeepChord das gleichnamige Album von Yagya komplett neu aufgezogen hat.

Dabei musste er aber nicht an den Grundsätzen rütteln, denn Yagya wäre noch ein Name, über den es in dieser Folge unbedingt zu reden gilt. Yagya hat sich schon wirklich sehr zeitig in meine Plattensammlung geschlichen. Immer als Teil von Compilations des wunderbaren Sutemos-Labels, tauchten die ersten Tracks von ihm 2005/6 bei mir auf.

Als Solo-Künstler habe ich ihn dann erst 2014 mit seinem Album Sleepygirls wahrgenommen. Dieses Album hatte einen gewissen Fokus auf Dub, war aber auch schön verträumt. Als dann die Neuauflagen von Will I Dream During The Process?, Rigning und Rhythm Of Snow erschienen, schlug ich zu und vervollständigte meine Sammlung.

Auch wenn Pedro mir die Stars And Dust noch so sehr ans Herz legte, konnte ich mich bis jetzt dafür nicht erwärmen. Dafür hat seine letzte EP, die auf seinem Label Small Plastic Animals erschien, für mich schon längst Kultstatus, da ich in letzter Zeit festgestellt habe, dass die Kombination aus guter Musik, einem außergewöhnlichen Cover und einem farbigen Vinyl das Erlebnis der Musik noch intensiver machen.

Zum Abschluss muss ich noch einen Abstecher in ein Land machen, wo man initial keinen Dub-Techno erwarten würde. Wenn ich an Japan denke, fallen mir auf der einen Seite das traditionelle Japan ein, mit seiner Geschichte und allen damit verbundenen Klischees, aber auch das hochtechnisierte, effiziente, aber auch verspielte Japan. Und irgendwo dazwischen liegt Altone mit seinen beiden EPs, die ich habe und sehr zu schätzen weiß. Sehr entschleunigt und einfach mal zum tief durchatmen und entspannen.

Wer jetzt am Ende dieses Beitrags empört ist, weil ich Künstler, Labels und legendäre Platten komplett ausgeblendet hat, darf mir gern schreiben oder einen Kommentar hinterlassen. Da ich versuche immer über den Tellerrand zu schauen, bleibt oft nicht die Zeit, um sich intensiv mit einem Thema zu befassen.

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