Ich schicke gleich mal den obligatorischen Disclaimer vorn weg – Ich bin nicht verantwortlich, wenn ihr irgendwas an eurem Auto kaputt macht. Das ist nur ein Ratgeber, wie ihr euch einen teuren Werkstattbesuch ersparen könnt und gleichzeitig eurer Frau / eurem Mann zeigen könnt: Da schau, ich kann Auto basteln!

Skoda ist ja glücklicherweise eine der Marken, wo man relativ problemlos sämtliche Lampen selbst wechseln kann. Und damit ihr problemlos da durch kommt, hier eine Anleitung, wie ich bei meinem Octavia mein Abblendlicht gewechselt habe.

Je nachdem, ob ihr links oder rechts wechseln müsst, wird es sehr einfach oder ziemlich knifflig. Oben hinter der Lampe findet ihr eine weiße Plastikmutter, die man entweder mit einem 13mm-Steckschlüssel lösen kann (rechts) oder eine Kombizange (links). Gerüchten zufolge kann man diese Mutter von Hand lösen, aber wer das schafft, dessen Schraube sitzt nicht fest (wollte jetzt nicht schreiben, dass dessen Schraube locker ist 🙂 ) oder er kann Kartoffeln mit der Hand zerdrücken. Mich hat es diesmal auf der linken Seite erwischt und nachdem ich etliche Bemühungen unternommen habe, sie von Hand zu lösen, griff ich zum Steckschlüssel – da aber kaum Platz nach hinten bzw. zu den Seiten ist, wählte ich die Kombizange. Nicht unbedingt die eleganteste Lösung, weil sie der Mutter etwas zusetzt, aber wie oft macht man das schon? Ich habe den Octavia jetzt seit 5 Jahren und es ist die zweite Lampe.

Wenn ihr den Kampf gegen die Mutter gewonnen habt, dann könnt ihr jetzt mit dem Ausbau der Lampe beginnen. Nachdem ihr jetzt hinter der Lampe gekämpft habt, bewegen wir uns nach vorn. Am linken, unteren Ende findet ihr einen Hebel und einen Haken. Den Hebel kann man leicht nach oben bewegen, aber der Haken klemmt und das gewaltig. Da man initial nicht weiß, was man damit machen soll, hab ich mal ein Bild gemacht – Hebel gezogen und Hebel drin. Da wo der Hebel rein geht, sammelt sich allerlei Dreck an, den euch euer Vordermann bei Regenwetter entgegen wirft. Hier braucht man Kraft, aber keine Gewalt – am besten ihr zieht Handschuhe an.

Als ich meine rechte Lampe gewechselt habe, stand ich vor einem Rätsel – ich hatte den Hebel gelöst und trotzdem ließ sich meine Lampe nicht dazu bewegen, sich aus der Halterung zu löschen. Grund auch hierfür ist der Dreck, der sich im Laufe der Zeit in den Ritzen festgesetzt hat. Also ruhig mal an der Lampe rütteln, irgendwann bewegt sich die gesamte Lampenhalterung nach vorn und man hat Zugriff auf das Innenleben. Um die Halterung komplett auszubauen, kann man den Kontaktstecker (ganz rechts im Bild) ziehen, muss man aber nicht – so kompliziert ist der Lampenwechsel nicht.

Ziemlich offen liegt das Fernlicht da, das Abblendlicht ist in der Mitte hinter der riesigen Gummikappe und der Blinker hinter der großen Plastikschraube. Für das Fernlicht muss man den Kontakt abziehen und die Metallhaken lösen. Das Abblendlicht dreht ihr aus der Halterung und dann kommt eine kleine Stolperfalle. Was mir jedes Mal passiert, wenn ich das Abblendlicht wechseln will: Es scheint, als ob die Lampe an zwei Plastikhaken eingerastet ist, aber genau das ist falsch. Die Lampe ist einfach nur aufgesteckt und muss abgezogen werden.

Ja, so hab ich ihn immer genannt, meinen Vati. Er war zu dem Zeitpunkt, wo ich anfing ihn so zu nennen, schon kleiner als ich, aber es war meine Bezeichnung dafür, dass er für mich immer ein Vertrauter und – auch wenn ich mich gut um mich selbst kümmern kann – eine Art Beschützer war. Der Blogeintrag ist zum einen dafür gedacht, dass ich die Ereignisse seiner letzten Wochen verarbeiten will und zum anderen das Bild eines geliebten Menschen zeichnen möchte, der trotz der Diagnose „Leberzirrhose“ kein Trunkenbold, Quartalssäufer und/oder ungepflegter Mensch war.

Meine früheste Erinnerung an meinen Vati ist, als ich 4 Jahre alt war und das erste Mal um Mitternacht zu Silvester aufstehen durfte. Mein Vati hatte am 1.1. Geburtstag und da wurde immer reingefeiert. Ich wurde geweckt und übergab meinem Papa eine selbstgemalte Karte und eine Schlüsseltasche, die „ich“ ihm geschenkt habe. Die Jahre gingen ins Land, ich erinnere mich an die gemeinsamen Abendessen in unserem Ende-70er-Anfang-80er-Jahre-Stil Ostwohnzimmer, ich erinnere mich, wie wir uns gegenseitig gekitzelt, gelacht und Ringkämpfe veranstaltet haben, ich erinnere mich, wie wir am Wochenende nach dem Mittagessen immer mal Mittagsschlaf gehalten haben. Eines unserer gemeinsamen Rituale war immer, dass wir in der Woche früh zusammen einen Pfefferminztee getrunken haben, bevor wir auf Arbeit / in die Schule gingen.

Später übernahm er auf Arbeit mehr Verantwortung und er konnte nicht mehr so oft zum Abendessen da sein. Da wir vor der Wende kein Telefon hatten, warteten wir immer, ob er um 18 Uhr daheim war und wenn er kurz danach nicht kam, hieß es wohl, dass es wieder etwas später wird. Später hatte er dafür gesorgt, dass ich meinen Ausbildungsplatz in der Firma bekam, wo er arbeitete. Und in der Zeit, wo ich zwischen Ausbildung und Fachabitur / Studium etwas in der Luft hing, sorgte er dafür, dass ich nebenbei bei ihm arbeiten konnte, um meine Finanzen aufzubessern. Rechnungen abheften, auf dem Firmengelände Rasen mähen und ähnlicher Kleinkram.

Er war immer die Ruhe in Person, immer sachlich. Auch in meiner rebellischen Teenager-Zeit blieb er ruhig und egal gegen wen oder was ich rebellierte – er versuchte zu schlichten und zu beruhigen. 1998 baute ich mein eigenes Nest und wurde lange Zeit von meinen Eltern finanziell unterstützt, weil das Bafög nicht reichte. Nachdem er seine alte Firma verlassen hatte, stellte sich mein Vati auf eigene Füße und gründete sein eigenes Unternehmen, was auch erfolgreich lief. Anfang der 2000er wurde er das erste Mal krank und musste ins Krankenhaus. Damals machte ich mir noch keine Sorgen, er war schnell wieder draußen und genau der selbe wie vorher.

Als ich dann nach Bamberg zog, besuchte ich meine Eltern zu Beginn noch fast jede Woche. Daraus wurden im Laufe der letzten Jahre Monate, ich nahm mir zwar vor wöchentlich anzurufen, aber nicht selten wurden 2-3 Wochen daraus. Zumindest konnten wir – obwohl wir uns im letzten Jahr nur sahen, wenn wir unseren Hund in die Obhut meiner Eltern gaben – zusammen Weihnachten feiern. Genau das ist auch ein Punkt, der mich sehr berührt. Ich steh in der Basketball-Halle, wärme mich auf und plötzlich wird mir klar, dass der Basketball den ich in der Hand halte, eins der letzten Geschenke ist, die er von meiner Wunschliste bestellt hat (weil es meine Mutti nicht so mit der Technik hat).

Anfang 2014 brachen meine Eltern einen Urlaub ab und mein Vati musste ins Krankenhaus und ich hatte schon Angst, weil es kritisch klang. Aber er kam wieder raus, alles war gut, bis auf das folgende „Wenn mir mal was passiert…“-Gespräch. Das war zwar anders, aber ich spürte keine Veränderung an meinem Vati und machte mir auch deshalb keine Sorgen. Auch wenn das ein bisschen wie Vernachlässigung klingt, war es in Wirklichkeit Sorglosigkeit, denn ich ging davon aus, dass der Vati genau wie seine Eltern weit über 80 Jahre alt werden würde.

Bis zu dem Zeitpunkt wo wir im Urlaub in Thailand waren und die Mutti schrieb, dass der Papa ins Krankenhaus gekommen ist. Also sind wir postwendend vom Flughafen München nach Dresden gefahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte er das Krankenhaus aber schon wieder verlassen. Im Nachhinein eine gute Idee, denn dieses Mal war das letzte Mal, wo ich ihn zwar noch schwächelnd, aber bei vollem Bewusstsein erlebt habe. Wenige Tage später wurde er wieder ins Krankenhaus gebracht und die Ärzte meinten, dass er es wohl nicht mehr verlässt. Es folgte der Moment, den man sich als Kind nie wünscht – wenn der Tod eines Elternteils greifbar nahe rückt. Da steht man plötzlich vor einem Berg an Papier, von dem man noch vor 3-4 Jahren gesagt hätte „Vati, kannst du dich bitte mal darum kümmern?“ und muss plötzlich stark genug sein, die Tatsache mental zu verarbeiten und gleichzeitig meiner Mutti das Gefühl geben, dass immer noch jemand für sie da ist.

Vielleicht sollte ich erzählen, wie es sich anfühlt, wenn man am Krankenbett seines Vatis steht (28.2.) und der nicht mal mehr weiß, was er gestern Mittag gegessen hat. Und seine einzigen Worte den ganzen Nachmittag ein sich ständig wiederholender Satz sind. Oder wie meine Mutti sich fühlt, wenn sie mir heute (6.3.) erzählt, dass er sie nicht mehr erkannt hat und mit bösen Beschimpfungen fortgejagt hat, obwohl ihn Zeit seines Lebens immer eine Aura der Ruhe umgab. Verwirrtheit und Persönlichkeitsveränderungen sind Folge dessen, dass nichts mehr entgiftet wird und die Giftstoffe ungefiltert ins Gehirn gelangen.

Ursache? Ursachen für Leberzirrhose gibt es viele, an erster Stelle wird Alkoholmissbrauch genannt. Wie ich schon eingangs erwähnte – im Laufe meine gesamten Lebens habe ich meinen Vater nie als großen Trinker erlebt. Deswegen sollte man auch nie andere Faktoren außer acht lassen. Zum Beispiel Medikamente, wie Paracetamol oder Kava Kava, die wegen ihrer Leber schädigenden Wirkung vom Markt genommen wurden. Bestätigt wird meine Theorie dadurch, dass ich gelesen habe, dass 50% der Leberzirrhose-Patienten innerhalb der nächsten 5 Jahre sterben. Also lag er mit den 14 Jahren seit der ersten Diagnose weit darüber. Und irgendwie fiel mir grad (17.6.) ein, dass er lange eine Salbe verwendet hatte und einige Jahre später schlug die Hautärztin nur die Hände über dem Kopf zusammen, weil die Zusammenstellung stark quecksilberhaltig war. Häufig führt auch falsche Medikamente (z.B. bei Diabetes Typ 2, wie er es hatte) zu einer Verschlimmerung der Leber.

Oder vielleicht sollte ich noch ein Wort über unser tolles Gesundheitssystem verlieren, wo – nachdem mein Vati 3 Wochen auf der Überwachungsstation liegt – die Ärzte ohne uns zu fragen entscheiden, dass sie die Medikamente einstellen und er wohl in den nächsten Stunden/Tagen sterben wird. Zwei Tage später beschließen sie, ihn auf die normale Station zu verlegen. Kaum war er dort angekommen, wird meine Mutti zum Termin gerufen und ein Arzt fragt, ob sie ihn nicht doch lieber mit nach Hause nehmen möchte. Dazu sollte man vielleicht sagen, dass er, seit er auf der Normalstation (14.3.) ist, sich in einer Art Dämmerzustand befindet, 24 Stunden Betreuung braucht, weil er sich nicht mehr bemerkbar machen kann.

Und am Ende steht da die Angst, dass man jeden Tag regelmäßig auf sein Smartphone schaut, weil vielleicht „der Anruf“ gekommen ist, den man eigentlich nicht bekommen will. Tag für Tag ruft man zuhause an und erkundigt sich danach, wie es dem Vati geht und auch wenn es von Tag zu Tag keine Änderung gibt, vergleicht man seinen Zustand mit dem der Vorwoche und muss feststellen, dass es nicht besser geworden ist. Und dann kommt am 20.3. dieser Moment der Stille, wenn kurz nach 21 Uhr das Telefon klingelt und man schon beim Klingeln genau weiß, dass es jetzt soweit ist…

Ruhe in Frieden Vati, du warst für mich immer ein Vorbild und ich bin immer stolz darauf, wenn man mir sagt, dass ich in meinem Wesen dir sehr ähnlich bin.

Nachdem wir nun alle drei Versuche in Sachen künstliche Befruchtung unternommen haben, war es vielleicht an der Zeit etwas unorthodoxe Methoden anzugehen. Von einer Bekannten hatte meine Frau erfahren, dass sie auch wegen Kinderwunsch bei einer Heilpraktikerin war und diese eine Blockade festgestellt hat und innerhalb kürzester Zeit wurde sie schwanger.

Also ging meine Frau erstmal hin. Neben irgendwelchen Allgemeinplätzen bekam sie zu hören, dass die Heilpraktikerin drei Kinderseelen in ihr sieht, wobei eine schon durch einen Abgang der schon lang her ist, verstorben ist. In dem Moment, wo ich das aufschreibe, klingt es noch schräger, als wenn man das erzählt. Kriszta erzählt schon vorab von mir und deshalb bekam ich schon mal ein paar Tropfen, die nach Kräutern schmecken und ein paar Kapseln, welche die Fertilität verbessern sollen. Schadet ja erstmal nichts, also habe ich während unseres Urlaubs fleißig die Tropfen und die Kapseln genommen.

Und nun stand der Moment an, wo ich selbst vorstellig werden sollte. Wie man bereits lesen kann, war und bin ich sehr skeptisch, was Heilpraktiker / Homöopathen anbetrifft. Hauptgrund meines ersten Termins war erstmal wegen meines Rückens bzw. wegen meiner Kopfschmerzen. Kriszta war sehr neugierig und wollte unbedingt mitkommen. Ich setzte mich erstmal hin und die Heilpraktikerin untersuchte meine Wirbel bzw. die gesamte Wirbelsäule. Sie drückte hier und da, fragte, ob ich auf dem Bauch schlafe und gab mir den Tipp, dass sein zu lassen, weil es nicht gut für die Halswirbel ist. Als weitere Ursache wurde Pressen / Knirschen der Zähne gefunden – stimmt ja auch.

Meine Frau fragte zwischendurch, ob sie denn schon was wegen Kinderwunsch sagen kann. Sie knetete und fühlte weiter und fragte mich, ob ich Angst vor irgendwas habe. Ich musste verneinen, zumindest gibt es da bei mir nichts bewusstes. Also begann sie: „Ich spüre eine Angst in dir, die nicht zu dir gehört.“ Sie führte weiter aus, dass sie vermutet, dass sie von meiner Mutter auf mich übertragen wurde. Es folgte eine Charakterisierung meiner Mutter in Bezug auf Kinder, wie ich sie selbst nicht besser hätte machen können. Ich schaute zu Kriszta rüber, die eine Mischung aus Erstaunen und „Ich hab’s dir doch gesagt“ zeigte. Die Heilpraktikerin merkte an, wenn ich diese Angst loswerden würde, könnte ich auf ganz natürlichem Wege Kinder zeugen.

Nachdem sie mit Drücken, Kneten und Fühlen fertig war, setzten wir uns an ihren Schreibtisch. Sie holte ein paar Bücher raus, blätterte hin und her, grübelte, blätterte wieder – ein bisschen wie Gandalf, der über alten Papyrusrollen brütet, um dem Geheimnis des einen Ring auf die Spur zu kommen. Ich bekam ein paar Globuli verschrieben, welche die Angst lösen sollen. Als Zeitraum wurden Wochen, Monate, Jahre angegeben. Ich bin gespannt, was passiert, insbesondere was eine weitere, tiefer gehende Untersuchung verrät.

Unser Kinderwunsch ist eine Geschichte ohne Happy End. Vor ca. 4 Monaten haben wir den letzten Versuch unternommen, also nehme ich mir mal die Zeit die letzten Monate Revue passieren zu lassen. Drei künstliche Befruchtungen, jede Menge Medikamente, Hormone, Untersuchungen – zum Glück hat die Kasse alles anstandslos bezahlt. Bei der letzten Rechnung stellte sie zwar ein paar Beträge in Frage, aber nachdem ich eine detaillierte Auflistung einreichte, wurden auch diese problemlos zurückerstattet. Von diesem Standpunkt betrachtet hatten wir viel Glück.

Zeiten voller Höhen und Tiefen… die hatten wir zwischendrin immer wieder. Angefangen, dass uns Freunde ermuntert haben, wir selbst zuversichtlich waren, ging es auch ganz tief nach unten. Ich habe mit meiner Frau sehr viel Glück – nicht dass sie sowas einfach weg steckt – nein, dafür war das Thema zu ernst. Aber sie hat mir zu keinen Moment die Schuld zugeschoben oder sich beklagt, dass sie das hier alles allein (Spritzen, Punktion) durchmachen muss.

Unerfüllter Kinderwunsch – Kinderwunschklinik – kein Erfolg – und nun? Am Anfang waren wir noch etwas aufgekratzt. Ich hatte das Gefühl, dass es keinen Film und keine Serie gab, wo nicht irgendjemand schwanger wurde und glücklich ein Kind im Arm hielt. Als würde uns jemand ärgern wollen. Auf Arbeit wurden gefühlt auch plötzlich alle schwanger. Und dann immer wieder die Familien auf den Straßen, die Kinderwägen schoben und die ich am liebsten angeschrien hätte „Du Arsch, womit hast du das verdient und ich nicht?“ Diese Phase ging aber ziemlich schnell vorüber, es blieb bei mir ein Blick der etwa sagen möchte „Du weißt garnicht, welches Glück du hast!“

Wir redeten immer wieder darüber, wie eine Lösung aussehen könnte, aber uns wollten keine schlagenden Argumente einfallen, welche die Entscheidungswaage in die eine oder andere Richtung lenken mochten. Es gab die glücklich glucksenden Kinder („auch haben wollen“) und die nervigen Kinder, die wie am Spieß brüllten („vielleicht doch gut, dass es nicht geklappt hat“). Alternativen haben wir auch in Betracht gezogen. Meine Frau mochte den Gedanken nicht, eine Befruchtung mit Fremdsperma vorzunehmen. Obwohl sie nie die Simpsons-Folge gesehen hat, wo Barney Sperma spendet, muss ihr wohl so etwas durch den Kopf gegangen sein. Am Anfang war ich dagegen, aber irgendwann sah ich es mit anderen Augen – schließlich entstand die Idee in meinem Kopf, dass der Charakter eines Kindes viel mit seiner Erziehung zu tun hat.

Tja, und nun? Adoption war bei uns nie Thema, also entwickelt man schon sehr absurde Ideen, aber irgendwann schaltet sich dann doch der gesunde Menschenverstand ein und lässt diese sehr schnell wieder verfallen. Was sich bei uns beiden mittlerweile gefestigt hat, ist der Gedanke, dass wir kinderlos durch die Welt ziehen. Aber das Vertrauen, dass wir diese Idee später nicht bereuen ist nicht da…

Zur Vorgeschichte

Zu jeder Geschichte, auch wenn sie kein Happy End hat, gehört ein Finale. So auch zu unseren Besuchen in der Kinderwunschklinik. Wobei von einem Finale nicht die Rede sein kann, denn es ist eher der dritte Teil. Finale würde ja heißen, dass wir gesagt haben „Ja, hat halt nicht geklappt“ und leben weiter, als wenn nichts passiert wäre. Im Laufe der letzten Zeit habe ich bei mir einiges umgestellt… keinen Alkohol mehr, keine Milchprodukte und jeden Morgen ein Löffel Maca-Pulver, dass angeblich den Testosteronspiegel normalisiert. Mit Orangensaft gemischt war das geschmacklich erträglich, ansonsten schmeckt Maca widerlich. Aber ich wollte nichts unversucht lassen.

Auch beim dritten Versuch setzte Dr. Hamori die Dosis wieder hoch an, stellenweise bis 250 I.E., um möglichst viele Eizellen zu gewinnen. Die Dosierung gab ihm Recht, denn das Ergebnis nach der Punktion waren 16 Eizellen – ein überdurchschnittlich hohes Ergebnis. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, die wieder über furchtbare Schmerzen klagte und die Nacht kaum Schlafen konnte, weil sie außer auf dem Rücken zu schlafen sich gar nicht anders hinlegen konnte. Auch meine Spermaprobe sah mit 2 Millionen Spermien, von denen 20% vorwärts beweglich waren, vielversprechend aus. Die Punktion war an einem Freitag, das Ergebnis sollten wir also an am Samstag erfahren.

Wie immer war das Warten unerträglich. Nur dass es uns diesmal passierte, dass meine Frau das Klingeln ihres Handys nicht hörte und ich stand in der Küche und bekam den Anruf auf meinem Handy auch nicht mit. Dazu muss man sagen, dass die Befunde bis jetzt immer erst nach 12 Uhr bekannt gegeben wurden, d.h. es bestand auch keine Möglichkeit zurück zu rufen, weil samstags die Praxis nur bis 12 Uhr Sprechstunde hat. Zum Glück rief die Biologin eine halbe Stunde später wieder an und teilte uns das Ergebnis mit.

Schon an den Gesichtszügen meiner Frau konnte ich erkennen, wie das Ergebnis ausgefallen war. Von den 16 Eizellen waren 11 reif genug, um befruchtet zu werden. Und von diesen 11 Stück hatten es nur 3 Eizellen geschafft, sich weiter zu entwickeln. Die Biologin ließ sich zu einem Statement hinreißen, dass ungefähr lautete „Bei der schlechten Spermaqualität hat sie das schon kommen sehen.“ Wir sollten doch gleich am Montag hinfahren, um die Eizellen einzusetzen.

Mein Wochenende war gelaufen. Ich war sowas von stinksauer und kam mir echt betrogen vor. Für mich hatte es jetzt nur noch den Geschmack von ganz schnöder Abzocke – die Kasse zahlt drei Versuche, das Geld streicht die Klinik ein, auch wenn sie weiß, dass es nicht klappen wird. Wenn es jedes Mal schon absehbar war, dass der Versuch daneben geht, warum hatte man uns nicht darüber informiert und statt dessen Alternativen eröffnet? Hätte, hätte, Fahrradkette… Anders herum wäre natürlich die Frage – selbst wenn sie uns über die schlechten Chancen und Alternativen informiert hätten, wären wir darauf eingegangen und hätten wir nicht erstmal alles unternommen, um ein Kind zu zeugen, dass 100% von uns beiden kommt?

Meine Frau konnte mich am Montag etwas beruhigen, nachdem sie nach dem Einsetzen nochmal mit Dr. Hamori geredet hatte. Die „schlechte Qualität“ war natürlich relativ zu sehen. Für eine ICSI-Behandlung war die Qualität gut genug, aber die schlechte Qualität war eher im Bezug zu einer gesunden Probe zu sehen, die mich mit 30 Millionen Spermien wahrlich schlecht dastehen lässt.

Es folgten wieder 14 Tage des grauenvollen Wartens, aber es zeigte sich wieder das traurige Bild. Das Wasser im Bauch meiner Frau verschwand nach einer Woche und alles normalisierte sich. Laut der Biologin wäre es aber ein Zeichen eines erfolgreichen Einsetzens, wenn das Wasser im Bauch nicht weg geht, im Gegenteil – es wird sogar noch schlimmer. Ich stand dem Schwangerschaftstest mit einer quantenphysikalischen Haltung gegenüber. Lieber keinen Test machen, denn sonst steht das Ergebnis fest. Wenn der Test nicht gemacht wird, beständen die Chancen zumindest 50%, dass es doch geklappt hat.

Doch der Test kam… und fiel negativ aus. Und dann war da auch noch die dritte Eizelle, von der wir nichts weiter gehört hatten. Um alles so richtig zu ruinieren, stellte sich heraus, dass sie sich nicht weiter entwickelt hatte und es blieb eine eingefrorene Eizelle aus dem zweiten Versuch, die sich vielversprechend entwickelt hatte. Doch was jetzt mit dieser Eizelle anfangen? Gleich im nächsten Versuch einsetzen? Wie hoch ist die Gefahr, dass sie aufgetaut wird und sich dann nicht weiter entwickelt? Ich mag nicht daran denken…

Meine Allergiefreiheit hält nach wie vor an. Ich habe schon diverse andere Früchte wie Birnen und Pflaumen und auch da zeigt sich: keine Allergie mehr. Es ist mittlerweile Ende Januar und derzeit sehe ich den einen oder anderen Haselnussstrauch schon in Blüte stehen und auch da spüre ich nicht mal ein Kribbeln in der Nase. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich weiterhin auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Hintergrund ist dabei weniger die Laktose. Milch hat evolutionär eine Funktion: Neugeborene so zu versorgen, dass sie schnell wachsen, um bald mit der eigenständigen Nahrungsaufnahme zu beginnen. Ab dem Zeitpunkt ist sie eigentlich überflüssig, wird aber heutzutage als zusätzliche Nahrungsquelle genutzt.

carbonaraDem entsprechend heißt es für mich Rezepte umzuschreiben, wo Milch, Sahne, Quark oder Joghurt auftauchen. Heute sollten es mal Spaghetti Carbonara sein. Original gehört das ja schon keine Sahne rein, aber ich mag es gerne einen Hauch flüssiger. Also habe ich zu folgenden Zutaten gegriffen:

  • 250g Spaghetti
  • 150g Schinkenspeck
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1/2 Dose Kokosmilch (60%)
  • 4 Eier
  • Salz
  • Pfeffer
  • Olivenöl

Ich koche die Spaghetti grundsätzlich mit Salz (für Geschmack) und einem Schuss Olivenöl (damit sie nicht zusammenkleben). Während die Spaghetti kochen, kann man den Schinkenspeck würfeln, die Knoblauchzehen schälen und die Eigelb schon mal vom Eiweiß trennen. Während die Spaghetti abtropfen, brate ich in einer Pfanne die Schinkenwürfel an, presse den Knoblauch dazu und würze das Ganze mit Salz und Pfeffer. Jetzt gieße ich die halbe Dose Kokosmilch dazu und lasse alles nochmal kurz aufkochen. Die Spaghetti gebe ich jetzt wieder zurück in den Topf, wo sie vorher gekocht wurden und mische die Sauce darunter. Jetzt muss man schnell sein: Ganz zum Schluss füge ich die Eigelb darunter und rühre sie unter die Spaghetti, bevor sie stocken.

Was bisher geschah… 1. Teil

Die vierzehn Tage Warten nach dem Einsetzen der befruchteten Eizellen sind nichts für schwache Nerven. Am Anfang geht es ja noch, da man nochmal weiter Spritzen muss, aber irgendwann wartet man einfach nur. Dazu kam noch, dass sich bei meiner Frau von den vielen Spritzen Wasser im Bauch gesammelt hatte – und das mit allen Folgen. Schlafen war nachts sehr unangenehm, weil sie keine richtige Schlafposition finden konnte, dazu kamen Schmerzen.

Eine Nacht stand sie auf und ging raus. Ich habe einen sehr leichten Schlaf und bekam das mit. Eine Weile später hörte ich ein dumpfes Rumpeln im Bad. Ich sprang sofort und rannte ins Bad vor. Meine Frau lag da mit geschlossenen Augen in der Badewanne. Der nächste Moment kam mir wie eine Ewigkeit vor, als ich sie ansprach, bis sie schließlich die Augen wieder öffnete und mit mir redete. Realistisch waren es vielleicht 2-3 Sekunden, aber es kam mir unglaublich viel länger vor. Ich hob sie aus der Wanne und wir maßen ihren Blutdruck, der sich als ziemlich niedrig herausstellte. Es ging ihr aber sehr schnell wieder besser und wir gingen zurück ins Bett.

Ungeduldig wie meine Frau ist, wollte sie schon vor den 14 Tagen wissen, ob es geklappt hat. In den vergangenen Tagen hatte sich das gesammelte Wasser im Bauch verflüchtigt und meine Frau sah aus wie vorher. Aber sollte sich nicht irgendetwas ändern? Wir wussten es nicht und es blieb ein fader Geschmack von „es hat nicht geklappt“ auf der Zunge. Man hegt zwar noch jede Menge Hoffnung, aber der Schwangerschaftstest sagte „Nein!“ Wieder eine herbe Enttäuschung und ein richtiger Belastungstest für eine Beziehung. Die acht Monate Weltreise wo man 24 Stunden ständig zusammen ist, waren dagegen nichts. Aber es half nichts, es musste einfach weiter gehen.

Kurz nach dem wir in Erlangen angerufen hatten und bekannt gaben, dass es nicht geklappt hatte, kam die Rechnung über die Behandlung. Inklusive Spritzen hatte uns der erste Versuch ca. 7.000 Euro gekostet. Ich stellte alle Rechnungen zusammen und reichte sie bei der Krankenkasse ein. Noch bevor die zweite Behandlung begann, hatte ich das Geld zurück – ein erfolgreiches Ergebnis wäre mir lieber gewesen.

Noch bevor der zweite Versuch startete, klebte ein Zettel überall – über die Weihnachtszeit konnten keine Befruchtungen vorgenommen werden, deswegen wäre der späteste Termin der 19.12. Schon wieder dieser Zeitdruck! Körperfunktionen lassen sich nun mal nicht beschleunigen. Schon lange bevor die Periode begann, hatten wir wieder den ersten Satz Gonal im Haus. Ende November konnte dann der zweite Versuch starten. Dr. Hamori hatte diesmal die Dosis wesentlich erhöht, wir begannen mit 200IE pro Abend, die später auf 225IE gesteigert wurden. In der zweiten Woche gab es auch statt der 3 Spritzen Orgalutran vom ersten Versuch sechs Spritzen – jeden Tag eine, knapp eine Woche lang. Leider konnte ich diesmal meine Frau nicht zu den Untersuchungen begleiten.

Zwei Tage vor der Auslösespritze hörten wir mit dem Gonal und dem Orgalutran auf. Der Termin für die Entnahme wurde auf einen Montag festgestellt und dem entsprechend wurde 36 Stunden vorher die Auslösespritze gegeben. Diesmal ging nichts schief. Wieder gab es 10 Eizellen, es gab aber 1,2 Millionen Spermien, von denen 20% gut beweglich waren. Um es mit Dr. Hamori zu sagen „Damit können wir arbeiten“. Den nächsten Tag sollte wieder der Anruf mit dem ersten Ergebnis kommen. Ich hatte eine stressige Phase auf Arbeit, die meine Anwesenheit erforderte, trotzdem fieberte ich mit… Kurz nach dem Mittag der Anruf: 9 Eizellen konnten befruchtet werden, 5 hatten sich weiter entwickelt. Der Termin zur Einsetzung war den folgenden Samstag.

Im Laufe der Woche wuchs der Bauch meiner Frau wieder enorm und sie klagte über Schmerzen. Da diesmal aber eine Lücke zwischen Punktion und Einsetzung war, konnten wir mit Sicherheit sagen, dass es die Auslösespritze war, die zu diesen unangenehmen Nebenwirkungen führte. Aber ein wirklicher Trost war das für meine Frau nicht.

Eigentlich finde ich die Atmosphäre in dem Wartezimmer sehr entspannt, ein Pärchen sahen wir wieder, dass wir schon am Montag der Entnahme getroffen hatten. Alle grüßen sich – auch wenn es jetzt abwertend klingt – wie Leidensgenossen. Ich meine das aber eher im herzlichen Sinne, geteiltes Leid ist halbes Leid. Trotzdem ist es sehr distanziert, alle Paare reden nur miteinander und wenn ich die anderen beobachte, versuche ich herauszufinden, warum sie hier sind? Lag es an ihr oder an ihm? Ich könnte genau so einen Würfel nehmen, denn vom Ansehen kann man das nicht oder nur selten entscheiden.

Vor der Einsetzung folgte wieder der biologische Bericht: 3 Eizellen hatten sich weiter geteilt. Wir waren am fünften Tag nach der Befruchtung da und man sagt, dass die befruchteten Eizellen sechs Tage haben, um sich in Blastozysten zu verwandeln. Die Biologin suchte die beiden Besten aus und Dr. Treutlein setzte sie diesmal ein. Während ich das Foto schoss, meinte die Biologin aus dem Nachbarzimmer, dass eine Eizelle schon das Blastozystenstadium erreicht hat. Ein gutes Zeichen! Dr. Treutlein vermerkte noch, dass sie eine leichte Überstimulation festgestellt hatte und zeigte uns das Wasser im Bauch auf dem Ultraschall.

zweiversuche

Diesmal musste ich keine Medikamente holen und ich wartete eine Stunde, bis meine Frau aus dem Ruheraum kam. Wir gingen noch lecker Chinesisch essen und fuhren dann heim. Und es begannen wieder die 14 Tage des Wartens. Am Montag nach der Einsetzung kam noch ein Anruf aus Erlangen. Die dritte Eizelle hatte sich auch hervorragend entwickelt und konnte für einen weiteren Versuch eingefroren werden.

Fortsetzung

Ich hatte vor einiger Zeit ja mal erwähnt, dass meine Frau ihre Ernährung auf das Paleo-Prinzip umgestellt hat, d.h. kein Gluten, kein Zucker, keine Laktose und noch ein paar kleine Details mehr, aber wer danach sucht, kann sich direkt auf dem Blog meiner Frau umsehen.

Ich bin mehr oder weniger schon Nutznießer dieses Prinzip, dadurch, dass es nur noch Paleo am Wochenende zu Essen gibt. Trotzdem bleibe ich gerne bei meinen alten Gewohnheiten hängen – Frühstücksbrötchen, Bier (auch wenn es alkoholfrei ist). Deswegen hat meine Frau vorgeschlagen, ich soll doch mal Milchprodukte wegfallen lassen, d.h. Joghurt, Milch und Quark. Das schlug sich natürlich gleich auf eine meiner Lieblingsangewohnheiten nieder – mein Kaffee, den ich gern mit viel Milch und Zucker trinke.

Als Hintergrund, warum ich mich auf das Experiment eingelassen habe, sei folgendes gesagt: Nach unserer Weltreise hatte ich das Frühjahr danach keine, aber garkeine Probleme mit Allergien. Während der Rest auf Arbeit nieste und tränte, lief ich unbekümmert herum. Und jetzt hatte ich endlich eine Übereinstimmung gefunden. Was hatte sich bei meinem Lebenswandel auf der Weltreise so sehr geändert gegenüber dem „normalen“ Leben? Ich hatte alles unter Verdacht: Duschbad, Waschmittel, aber auch Nahrungsmittel.

Seit circa zwei Monaten bin ich jetzt schon weg von den Milchprodukten – wobei ich sagen muss, dass ich nach wie vor Käse esse – habe ich auf der Weltreise ja auch. Kaffee habe ich mal mit Alternativen probiert, wie Mandelmilch oder Kokosmilch, aber es ist geschmacklich nicht das selbe. Und letztens kam der Aha!-Effekt. Ich machte mich über einer Packung Nüsse her. Erdnüsse, Cashewkerne – alles kein Problem. Walnüsse sind schon kritisch und Haselnüsse meine Todfeinde. Und nichts passierte… ich aß am ersten Abend vielleicht 5 Stück, nichts passierte. Kein Kribbeln im Hals, keine juckenden Lippen. Den nächsten Abend erhöhte ich die Dosis, 20 Haselnüsse – nichts. Ich bin jetzt schon auf das Frühjahr gespannt!

Nachtrag 1.1.2015: Ich bin ursprünglich von einem kleinen Erfolg ausgegangen, aber mittlerweile hat es sich als riesiger Pluspunkt herausgestellt. Durch einen kleinen Nachtisch bei meinen Eltern merkte, ich dass da Apfel drin ist, aber ich spürte keine Reaktion. Also setzte ich das Experiment fort – Kriszta aß gestern einen Apfel und ich nahm ein Viertel davon – immer noch nichts. Also schnappte ich mir heute einen ganzen Apfel – keine allergische Reaktion! Damit habe ich jetzt nach ca. 25 Jahren in denen ich mich mit meiner Allergie herumplage, meinen ersten Apfel gegessen.

Ich hab jetzt die 40 erreicht und das könnte doch eigentlich mal ein geeigneter Zeitpunkt sein, um über Männerprobleme zu reden. Aber nicht solche, dass das Auto 10 PS zu wenig hat oder dass man keinen Waschbrettbauch mehr hinbekommt. Dafür gibt es monatliche Magazine, die in Hochglanz darüber berichten. Stell dir vor du gehst zum Urologen und der sagt (sinngemäß) zu dir: „Ihre Chance Kinder zu bekommen, ist ungefähr so wie beim Lotto zu gewinnen“. Da hilft dir kein Magazin. Wenn man dann als Internet affiner Mann dann das Netz befragt, stolpert man als erstes über „Mein Mann und ich…“. Gefühlt haben es wohl einer von 10 Millionen und das wo die Realität doch eine ganz andere Sprache spricht. Dabei ist doch männliche Unfruchtbarkeit ziemlich weit Erektionsproblemen entfernt – also nicht unbedingt ein Thema, was man in den Mantel des Schweigens hüllen müsste.

Es zieht sich jetzt schon eine Weile hin, schließlich müssen mehrfache Tests her, bis feststeht: Diagnose Kryptozoospermie. Mit einer gewissen Ironie muss ich ja zugeben, dass es witzig klingt, wenn man als Informatiker Krypto-Probleme hat. Aber im Klartext bedeutet die Diagnose, dass es viel zu wenig Spermien sind und die schlecht oder garnicht beweglich sind. Und richtig kryptisch wird es, wenn der Urologe dich fragend ansieht, weil er keine organische oder hormonelle Ursachen dafür findet. Da hilft nur ein Anruf bei den Eltern. Mit ein bisschen Glück fällt denen noch ein, dass du einen Hodenhochstand hattest, der zwar mit Hormonspritzen aus Schweden behandelt wurde, nur leider viel zu spät (in meinem Fall: ich konnte schon laufen und sprechen). In dem Moment war ich erstmal beruhigt, weil der unbekannte Faktor aus dem Weg geräumt war, aber das Problem war ja damit nicht gelöst. Leider fiel das meinen Eltern auch erst ein, nachdem mein Blut an das humangenetische Institut gegangen ist, um genetische Defekte auszuschließen – auch hier die beruhigende Antwort: keine Gendefekte, die weitervererbt werden.

Es folgte der erste Besuch in der nächstgelegenen Kinderwunschklinik in Erlangen. Wir hatten uns mit Dr. Hamori einen Arzt ausgesucht, der laut Forenbeiträgen einen guten Ruf hat. Dazu kam noch, dass meine Frau und der Doktor eine Gemeinsamkeit teilen: Sie kommen aus Ungarn. Der erste Besuch war eher ernüchternd als aufbauend. Denn eine ganze neue Dimension an Problemen tauchte auf: Ich bin privat versichert, meine Frau gesetzlich. Nicht nur, dass die Krankenkassen sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben wollen, es gibt schon grundsätzliche Probleme mit der Gerichtbarkeit. Die gesetzlichen Krankenkassen handeln nach Sozialgesetzbuch und treten somit vor dem Sozialgericht auf, während die privaten Versicherer in den Gerichtssälen der Zivilgerichte auftreten. Zum Glück wurden schon unzählige Schlachten ausgefochten und die Quintessenz lautet: Es zahlt die Versicherung von dem, der wo „Schuld“ hat. In dem Fall als meine Kasse. Dr. Hamori setzte schon mal pro forma ein Schreiben auf und ich meldete mich bei meiner Krankenkasse. Es ging aber vergleichsweise reibungsfrei über die Bühne. Nach zwei nachfragenden Anrufen hatte ich nach 3 Wochen das Schreiben meiner KV in der Hand, dass sie die Kosten übernimmt. In gewisser Weise war ich da schon mal erleichtert, denn wir hörten, dass es auch Krankenkassen gibt, die sich da quer stellen und man erstmal eine Weile streiten darf, bevor die Behandlung beginnt.

Jetzt konnten wir den nächsten Schritt wagen – die Behandlung. Ziemlich lang trugen wir die ganzen Verträge mit uns herum – wir waren verunsichert. Sollten wir der Natur ins Handwerk pfuschen? Ich bin bei sowas immer skeptisch, weil ich glaube, dass Mutter Natur sich schon was dabei denkt – quasi den evolutionären Riegel gegen Überbevölkerung vorschiebt. Dazu kam noch, dass die Praxis im Sommer einen Monat wegen Renovierung geschlossen hatte. Aber als wir begannen, ging alles sehr schnell. Das Schlimme daran ist, dass trotz meiner Unzulänglichkeit meine Frau alles ausbaden muss. Ich half ihr, so gut das in dem Fall möglich ist. Wir bekamen das erste Rezept mit dem Gonal F 900-Pen. Meine Frau hat furchtbare Angst vor Spritzen, aber das ging spielend einfach – Mit Alkoholtupfer reinigen, Dosis am Pen einstellen, Nadel aufsetzen (die ist ganz dünn!) und dann wie bei einem Kugelschreiber hinten drauf drücken, bis das Klicken aufhört. Die ersten zwei/drei Male übernahm ich das noch, danach hatte meine Frau ihre Angst ein bisschen überwunden und machte es von da an selbst. Ich assistierte ihr nur noch dabei, indem ich alles bereit legte, das Buch führte, Pen einstellte und die Reinigungspads zurecht schnitt. Nach vier Tagen wurde nach der Untersuchung die Dosis erhöht und wir kauften den nächsten Pen. Dazu folgte parallel zum Pen nach zehn Tagen eine zweite Injektion mit Orgalutran, die wir die nächsten vier Tage durchführten. Die nächste Untersuchung hörte sich gut an – laut Ultraschall wären wohl genügend große Eizellen zu erkennen. Jetzt musste nur noch der Termin günstig gelegt werden, denn laut Dr. Hamori sollten wir die befruchteten Eizellen länger in der Schale lassen, um den Wachstumsstatus zu beobachten.

Letzten Donnerstag war es dann soweit: Punktion. Am Dienstag Abend setzten wir vorher mit Ovitrelle die Auslösespritze. Wir fuhren früh nach Erlangen und setzten uns ins Wartezimmer, wo schon andere Pärchen (bzw. teilweise saßen nur noch die Männer da) trafen. Meine Frau wurde aufgerufen und ca. eine Dreiviertelstunde später ich dran. Mir wurde von der Biologin erzählt, dass meiner Frau 10 Eizellen entnommen wurden – die maximal mögliche Anzahl, die das Blatt hergab. Ich war froh. Meine Spermaprobe sah im Vergleich zu den vorherigen auch gut aus, es konnte losgehen. Ungefähr zwei Stunden nach der Entnahme wurde wir zu Dr. Hamori gerufen. Dort traf uns der Hammer – 10 Eizellen, aber die Spermaprobe enthielt nichts. Wir waren beide wie vor den Kopf gestoßen. Nichts?! Das fühlt sich so ungefähr an, als hätte das Leben mit einem Schluss gemacht.

In mir brach sämtliche Hoffnung zusammen, meine Frau kämpfte mit den Tränen; ich hörte Dr. Hamori nur noch was von „Einfrieren“ und „Später“ reden. Offensichtlich hatte er auch nicht damit gerechnet und man merkte, dass er unsere Verzweiflung ansah. Also schlug er folgendes vor: 2-3 Stunden warten und dann nochmal eine neue Probe abgeben. Wir irrten draußen herum, um einen passenden Platz zum Essen / Ausruhen zu finden. Außerdem konnte meine Frau auch nicht so weit laufen. Kurz nach 12 kamen wir wieder – zweiter Versuch. Wir saßen verzweifelt im Wartezimmer, als Dr. Hamori mit hoffnungsvoll hochgezogenen Augenbrauen mit den Worten „Wir haben was!“ aus dem Labor kam. Er erklärte uns, dass es passieren kann, dass bei eingeschränkter Fruchtbarkeit ein zweiter Versuch doch sehr hilfreich sein kann. Jetzt hieß es ein neues Formular ausfüllen, 5 Tage später war der Transfer geplant. Aber bis dahin kam die nächste Mutprobe: „Wie rufen sie morgen zwischen 11 und 13 Uhr an“. Der Medikationsplan ging auch weiter, aber diesmal Zäpfchen.

Zu diesem Zeitpunkt sollte uns mitgeteilt werden, wie viele Eizellen befruchtet waren und wann der Transfer statt findet. Wir warteten und wurden von Minute zu Minute unsicherer. Es war Feiertag. Rufen sie uns an? Heben sie sich die schweren Fälle bis zum Schluss auf? Es wurde 12, halb eins… wir waren inzwischen mit Mittag essen fertig, meine Frau legte sich wieder auf die Couch, als das Telefon klingelte. „Ihr Termin ist morgen“ – „Warum?“ – „Wir haben nur drei Kandidaten“. Das Telefonat mit der Biologin hinterließ mehr Fragen als Antworten. Was war schon wieder schief gegangen? Was war mit den restlichen Kandidaten? Unser Optimismus war nach dem Desaster am Vortag nicht wieder da.

Als wir Samstag in die Praxis fuhren, hatte Dr. Behrens Dienst. Vorher erklärte uns die Biologin, was mit den Eizellen geschehen war: 10 Eizellen wurden entnommen, aber leider waren fünf zu klein. Zwei weitere hatten nach der Befruchtung keinen Polkörper gebildet. Aber die restlichen drei teilten sich, es gab 6fach-, 2fach- und 5fach-Teilung. Uns wurde durch Dr. Behrens noch erklärt, warum die Einsetzung heute schon erfolgt – Eizellen gehören nun mal in die Gebärmutter und ihre Chance zu überleben ist im menschlichen Körper doch irgendwie besser, als in der Schale. Es gibt dafür keine belegbaren Zahlen, aber man setzt lieber potenzielle Kandidaten ein, als nach fünf Tagen zu sagen: Ist nichts geworden. Die 6fach und die 2fach-Zelle sollten eingesetzt werden, der Fünfer „sah irgendwie merkwürdig aus“. Auf einem Monitor wurden uns die beiden Zellen gezeigt, es stellte sich heraus, dass aus der 2fach-Teilung über Nacht eine 4fach-Teilung geworden war. Gutes Zeichen! Sie wurden eingesaugt und mittels Katheder eingesetzt. Es folgte noch die Überprüfung, ob sie wirklich drin waren. Da die erste Stunde am wichtigsten ist, dass sich die Zelle festsetzen kann, legte sich meine Frau in den Ruheraum und ich ging inzwischen die nächsten Spritzen holen, die wir im Drei-Tages-Rhythmus jetzt spritzen müssen. Diesmal wird es kniffliger – Lösung herstellen, mit dem Wirkstoff mischen und anschließend injizieren.

zwei_zellen

Das sind die beiden Kandidaten die jetzt in den nächsten 14 Tagen unter Beweis stellen müssen, dass sie stark genug sind, um Mensch zu werden. Warum ich das Ganze aufgeschrieben habe? Weil ich Hoffnung machen möchte und weil ich mal aus der Sicht eines Mannes erzählen will, was da so passiert. Außerdem ist es doch ehrlich gesagt peinlich, wenn sich die Frau / Freundin mit „Mein Mann und ich…“ über Probleme erkundigt, die eigentlich nicht ihre sind, sondern die des Mannes. Für mich war / ist es auch hochinteressant, schließlich kann man hier auch noch jede Menge dazu lernen. Also denke ich, dass das Wichtigste an der Entscheidung das Projekt durchzuziehen sind zwei Faktoren: 1. Akzeptieren, dass es mein Problem ist (auch wenn meine Frau was anderes sagt – es ist nun mal so), was zu 2. führt: Es nicht zu ihrem Problem werden lassen. Heißt im Klartext: helfen wo es nur geht und bei sämtlichen Dingen sich einbringen – von den Gesprächen / Untersuchungen (ist ja schon selbstverständlich will ich meinen) bis hin zu den Spritzen bzw. Medikamenten. Und wenn dich abends deine Hormon gebeutelte Frau, die Tennisball große Eierstöcke hat, immer noch anlächelt, hast du alles richtig gemacht.

Fortsetzung

Mein Kumpel Thomas ist Fußballfan. Wenn Bundesliga ist, interessiert er sich immer für die Ergebnisse und fiebert natürlich für seinen Verein mit. So ähnlich wie ich beim Basketball. Dazu gehört natürlich, dass ein kleiner Aufkleber sein Auto schmückt, die passende Kaffeetasse und auch das T-Shirt. Kein Wunder, dass Thomas ganz aus dem Häuschen ist, wenn Fußball-WM ist. Ein Ereignis, dass alle vier Jahre statt findet. Dem entsprechend gibt es jetzt natürlich WM-Devotionalien in Form z.B. einer Deutschlandfahne als Magnethalter auf der Kühlhaube.

Warum muss ich das jetzt so ausführlich beschreiben? Weil er für mich stellvertretend einer von den vielen Tausend Fans in Deutschland sind, die mit der deutschen Mannschaft mitgefiebert haben. Ich klammere jetzt schon mal absichtlich „Fans“ wie mich aus, die Fußball nur als Randerscheinung wahrnehmen, die alle vier Jahre in ihr Sichtfeld rückt. Ich könnte auch noch meinen Arbeitskollegen als Beispiel heranziehen, der am Sonntag zum Finale nach Berlin gefahren ist. Er spielt selbst im Verein Fußball. Diese beiden vergessen für diese spektakulären Wochen, dass ein Großteil der Nationalmannschaft aus dem verhassten Bayern München Kader kommt und feuern sie an.

Trotzdem passiert, was immer passieren muss… es passieren links und rechts des Geschehens Ausrutscher von der üblen Sorte – kein Wunder, denn je mehr Leute man mit etwas begeistert, desto mehr Schmutz wird mitgerissen. Was mich aber wirklich ärgert sind diejenigen, die für ihre Stimme auch eine Plattform bekommen und dann pauschal um sich schießen. Da ist plötzlich jeder Fußballfan ein Nazi und ein Patriot und der Gaucho-Dance ist sowas von rassistisch. Ich erlaube mir jetzt kein Urteil über die Bildung, Kultur oder den Frustfaktor den sie in sich tragen. Glücklich bin ich jedoch darüber, dass ich diesen Artikel kurz nach der Rückkehr von unserer Weltreise geschrieben habe. Er bringt immer noch genau die Meinung rüber, die ich jetzt vertrete. Sich für seine Nation zu freuen und das zu feiern, ist nichts verwerfliches, solange man natürlich zu unterscheiden weiß, ob man den Erfolg oder die Nation feiert. Selbstverständlich gibt es auch hier Fehltritte, diejenigen die Deutschland feiern, obwohl eine Handvoll junge Männer hart dafür trainiert haben und diejenigen, die beim Wort „Nationalmannschaft“ schon angewidert die Mundwinkel verziehen, weil da etwas mit „national“ auftaucht.

Mir gehen beide Seiten tierisch auf den Senkel und ich mag eigentlich nichts mehr davon hören. Und wer jetzt eine Diskussion vom Zaun brechen möchte, sollte vorher folgendes Gedankenexperiment durch den Kopf gehen lassen: Stellt euch folgende Schlagzeile vor „100.000 Menschen feiern am Brandenburger Tor die Befreiung vom Nationalsozialismus“. Darunter ein Bild einer riesigen Menschenmenge über deren Köpfen viele Deutschlandfahnen wehen. Unvorstellbar? Eigentlich in keinem Land der Welt, außer in Deutschland.

Wie es der Zufall so will, hatten wir gerade auf unserer letzten Kreuzfahrt neben uns eine Gruppe von Leuten aus den USA/Kanada, die bei einem Quiz über „Berühmte Persönlichkeiten“ mitmachten – es tauchte zwischen van Gogh, Marilyn Monroe und Elvis ein Typ auf, der Anfang des 20. Jahrhunderts für einen Monat ins Gefängnis kam, weil er eine Revolte in München angezettelt hat. Irgendwie muss man es unseren Gesichtern angesehen haben, die reflexartig entgleisten… Der Tüp in einem Quiz über berühmte Persönlichkeiten? Wäre daheim ein absolutes No-go. Jetzt staunten unsere Gesprächspartner – echt jetzt, das ist doch schon 60 Jahre her? Uns blieb nur ein Schulterzucken übrig… wir lieben es die Last der Vergangenheit zu tragen, statt eine Lehre daraus zu ziehen und sie das sein zu lassen, was sie ist: Vergangenheit.