Die Deutsche Sprache hat viele schöne Redewendungen: Das Pendel schwingt immer in zwei Richtungen. Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Ab worauf will ich hinaus?

Das Unwort 2015 wurde gekürt: Gutmensch. Der Duden definiert ihn wie folgt:

[naiver] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o.ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt

Was mich jetzt dazu anregt, diesen Beitrag zu schreiben ist folgender. In meinem Bekanntenkreis gibt es Leute, denen es überaus wichtig war/ist, die letzten Monate ihre Facebook-Historie damit zu füllen, dass so ziemlich jeglicher Beitrag geliked wurde, der sich damit beschäftigt welche Bereicherung die Flüchtlinge für unsere Gesellschaft darstellen. Jeder kritische Kommentar endete früher oder später mit Nazivergleichen. Selbstregend wurde auch jeder zu findende Beitrag geliked, der jeglichen Kritiker an der Zuwanderung als Vollpfosten, Nazis oder ähnliches bezeichnete.

Und plötzlich fühlen sich diese Leute angesprochen, wenn es darum geht, dass „Gutmensch“ das Unwort des Jahres ist. Natürlich scheinen sie nicht zu begreifen, dass es bei dem Unwort nicht darum geht, Menschen zu diffamieren, sondern die Gesellschaft für Deutsche Sprache wählt damit ein Wort aus, welches eigentlich nicht zum Deutschen Sprachgebrauch passt, weil es genau das macht – Menschen zu diskriminieren, zu verletzen oder zu beleidigen.

Und nun ist der „Gutmensch“ auch keine neue Erfindung, das Wort wurde 2000 in den Duden aufgenommen. Trotz alledem möchte ich eins sagten: Egal wer wen beschimpft, der muss auch einstecken können. Egal wie sehr sich der „Gutmensch“ über das für ihn gebildete Wort aufregt, denke ich, dass auch hier wieder ein Sprichwort zutrifft: Getroffene Hunde bellen…

Newton war ein ziemlich schlauer Typ, der seinerzeit das Wechselwirkungsprinzip entdeckt hat. „actio est reactio“ – Actio gleich Reactio ist es kurz umschrieben und beschreibt, dass jeder Kraft eine gleich starke Gegenkraft entgegen wirkt. So war es zumindest für die Physik gedacht, aber ich hatte schon immer in Verdacht, dass es auch für die Politik anwendbar ist. Aber wo auch immer Menschen im Spiel sind, wirken Effekte die man kurzerhand als chaotisch umschreiben würde. Als bestes Beispiel für chaotische Systeme wird ja immer der Schmetterling herangezogen, der einen Wirbelsturm auslösen kann. Gleiches könnte man aber auch auf die Politik anwenden, denn ein falsches Wort eines Menschen kann einen Krieg auslösen – und das nicht mal auf direktem Wege. Aber worauf will ich hinaus?

Momentan wird der PEGIDA-Bewegung ziemlich viel Beachtung geschenkt. Witzigerweise von den Medien, die der Meinung der PEGIDA nach korrupt sind und mit falschen Informationen das Volk einlullen und ihm die Wahrheit vorenthalten. In gewisser Weise kann ich den letzten Punkt nachvollziehen, jedoch beziehe ich es eher darauf, dass die Medien sensationslüstern sind und Fakten meist schlimmer darstellt, wie sie tatsächlich sind. Nehmen wir als Beispiel den Iran, wo wir dieses Jahr im Urlaub waren. Viele schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und dachten, wir werden sofort entführt und enthauptet. Tatsache war aber, dass die Leute auf den Straßen Irans um einiges freundlicher und entgegen kommender sind, wie man das in deutschen Städten erwarten dürfte. Und wenn Abend für Abend Berichte über die Gruppe Islamischer Staat gebracht werden, die mordend und plündernd durch die arabische Welt ziehen, dann kann ich das Angstpotenzial sehr gut nachvollziehen. Und genau mit dieser Angst arbeitet die PEGIDA. Der Deutsche mag es ruhig und konstant und ist bis zu einem gewissen Grad tolerant gegenüber Veränderungen. Es wird gerne kritisiert, dass manche dazu neigen alle Menschengruppen über einen Kamm zu scheren, aber die Fähigkeit zur Abstraktion war von evolutionärem Vorteil. Von daher ist es ziemlich einfach zu sagen „Die wohnen da unten und machen alles kaputt und hier gibt es welche, die genau von da kommen, also machen die auch alles kaputt.“

Aber was das Schlimme daran ist, dass die Demonstranten interviewt werden und dann meistens als Deppen dargestellt werden, weil ihnen hintergründig rausrutscht, dass sie doch was gegen Ausländer haben oder sich im nächsten Satz widersprechen. Speziell im Fall von Dresden könnte das den Menschen eigentlich relativ egal sein, denn die Ausländerquote ist vergleichsweise niedrig. Aber warum gehen sie dann trotzdem auf die Straße? Sie wollen gehört werden! Sie fühlen sich von ihrer Regierung nicht mehr angehört und wenn sie dann auch noch in den Medien, die ihnen jeden Abend den „bösen Ausländer“ präsentieren, verspottet werden, ist die Resignation perfekt. An diesem Punkt ist es für rechtsextreme Strukturen einfach – sie müssen den Unmut der Bevölkerung nur konzentrieren und schon hat man eine Demo mit 15.000 Leuten wie letztens in Dresden.

Von daher ist es nur eine Frage der Zeit bis sich eine Partei bildet, welche die Werte von PEGIDA abbildet und dann ganz locker und gemütlich die 5%-Hürde im ersten Anlauf nimmt. Mir persönlich macht der Gedanke Angst und deswegen werde ich jetzt keine Witze über PEDIGA-Demonstranten reißen. Dafür bekommt PEGIDA an sich meinen Spott: Wenn ich jetzt einen Rumänen mitbringe, der mit seinem Transporter herumfährt und den Sperrmüll durchwühlt, wäre der auch erwünscht? Schließlich ist er ja auch ein „patriotischer Europäer“! Den Demonstranten sollte man Gehör schenken, sie aufklären, was wirklich in der Welt passiert und heraus finden, was ihre eigentlichen Sorgen sind, denn die verraten sie nur in Nebensätzen der Interviews. Angst vor zu niedriger Rente, Arbeitslosigkeit – die Themen, welche die Menschen dort schon seit der Wende beschäftigt haben und immer noch nicht gelöst sind. Es wird höchste Zeit!

Ich habe mal eine Analogie gelesen, die vielleicht am besten kennzeichnet, worauf ich hinaus will:

Sitzen ein Kapitalist, ein Deutscher und ein Türke an einem Tisch, auf dem 10 Kekse liegen. Der Kapitalist nimmt 9 Stück und flüstert dem Deutschen zu „Pass auf, der will deinen Keks!“

So oder ähnlich war das – vielleicht sogar als Karikatur. Und wenn man das auf die aktuelle Situation umschreiben will, geht es wie folgt weiter…

20 Jahre vergehen – der Kapitalist ist schon längst fort. Der Deutsche fragt beim Wirt nach, wer denn nun den Keks bekommt. Der Wirt weiß, dass nur ein Keks da ist, meint aber, dass es genug Kekse für alle gegeben hat – mehr würden extra kosten. Da kommt ein Rassist rein, setzt sich auch mit an den Tisch und meint „Verjag doch einfach den Türken! Demonstrier mit mir und der Keks ist dein!“ Der Deutsche demonstriert, wird dabei von Reportern angesprochen und über den Türken befragt, dabei redet sich der Deutsche um Kopf und Kragen und denkt sich im Hinterkopf „Was mach ich hier? Ich wollte doch eigentlich nur meinen Keks…“

Diese Woche gab ich mir endlich das Vergnügen, meinen neuen Personalausweis zu beantragen. Seit letztem Jahr wird nur noch der neue Personalausweis, sprich: im Scheckkartenformat mit Chip, ausgestellt. Lobenswert am neuen Personalausweis ist seine reibungslose Einführung. Im Gegensatz zur Maut und zur Einführung der EGK (elektronische Gesundheitskarte) war die neue Version einfach da und es gab keine Diskussionen.

Bei der Beantragung wird man gefragt, ob man seine Fingerabdrücke auf dem Ausweis gespeichert haben möchte. Wenn der Papierkram erledigt ist, bekommt man ein Informationspapier, was auf die neuen Möglichkeiten des Personalausweis hinweist. Denn bei Abholung muss man sich entscheiden, ob man die Onlinefunktionalität nutzen möchte oder nicht. Ich bin noch schwer am Überlegen, ob ich die Funktion nutzen möchte, denn der Einsatz des Onlinefunktion zieht ein Lesegerät nach sich, dessen Treiber vielleicht mehr überträgt, als mir lieb ist.

Beim Durchlesen stieß ich dann auf folgende Passage „Zutrittsysteme: Der Zutritt zu Werksgeländen oder Firmen ist oft nur Mitarbeitern gestattet. Die Online-Ausweisfunktion ermöglicht ein zuverlässiges Zutrittsmanagement.“ Erstmal war ich positiv überrascht – tolle Idee: Zeiterfassung usw. ohne dass man viele Karten und Chips mit sich herumtragen muss. Dann musste ich aber an meine Freundin denken (stellvertretend für alle EU-Bürger, denen es frei steht, in einem EU-Land ihrer Wahl zu arbeiten) und kam zu der Erkenntnis, dass man in dem Satz problemlos „Mitarbeiter“ durch „Deutsche“ ersetzen kann und schon hat man den eigentlichen Inhalt erfasst. Denn dahinter steht: Kein deutscher Staatsbürger – kein Zutritt. Wer denkt sich denn sowas aus?

schaschlikErst mal ein kleiner Nachtrag zu letztem Wochenende… Nachdem ich schon wieder vergessen hatte, dass mein Essen 24 Stunden marinieren mußte, bereitete ich am Sonntag Nachmittag die Schaschlikspieße vor und legte sie in den Kühlschrank. Dort mußten sie bis Montag auf mich warten und dann ging die Zubereitung relativ simpel von der Hand, nur dass ich die Spieße nicht habe 2 Stunden schmoren lassen. Eine halbe Stunde bei mittlerer Hitze hat da schon völlig ausgereicht.

Am Dienstag fing dann das Trauerspiel an, als ich von ziemlich heftigen Kopfschmerzen gezwungen wurde, schon nach dem Mittag heimzugehen. Normalerweise stecke ich das locker bis in die Abendstunden weg, aber an dem Tag war es schlimmer wie normal. Mittwoch stand ich dann wieder ganz normal auf der Matte, aber gegen Abend machte sich dann langsam ein Husten breit und ich fühlte mich schlapp. Donnerstag früh ging es auch nicht wesentlich besser, ich machte auch noch den tödlichen Fehler, das Fieberthermometer rauszuholen. Die Anzeige gab mir Gewissheit, warum ich es mir so dreckig ging. Bis Mittag hatte ich das, was ich noch auf Arbeit erledigen wollte, hinter mich gebracht und ging dann wieder heim. Die Couch war den ganzen Abend mein Freund, ich kuschelte mich in meine Decke und fror trotzdem.

Freitag früh kam dann der Besuch beim Arzt, der eine Grippe diagnostizierte und mich erstmal für ein paar Tage aus dem Verkehr zog. Freitag und Samstag passierte dann überhaupt nichts weiter. Ich fieberte vor mich hin, verputzte reihenweise Schmerztabletten, trank literweise Tee, hustete, schnupfte und krächzte. Samstag verabschiedete sich dann meine Stimme entgültig. Sonntag war dann der erste Tag, wo ich den Weg vom Bett zur Couch ohne Schmerztabletten geschafft hab, auch Husten und Schnupfen gingen langsam zurück. Dafür nahm es der Kreislauf nicht so ganz genau, mir wurde regelmäßig beim Aufstehen schwindelig. Dass es Kaffee gegeben hatte, spielte dabei keine Rolle. Heute ist es eigentlich unverändert zu gestern, mal abgesehen dass die rebellische Abteilung heute nicht der Kreislauf, sondern die Verdauung ist. Mal sehen, wer sich morgen und übermorgen noch alles zu Wort meldet!

kassettendeckGarnicht so recht zur Beachtung kamen bis jetzt zwei Dinge. Das wäre zum einen das Kassettendeck, was natürlich ungünstigerweise auch noch am Freitag eintraf. Gestern veranstaltete ich schon mal einen ersten Probelauf und reinigte mal die Tonköpfe. Für sein gehobenes Alter leisten sie noch gute Dienste. Aber was haben wir denn hier überhaupt? Ein Philips Kassettendeck N2533, Baujahr 1979, hergestellt in Österreich. Wie schon das Design erkennen läßt, ist hier neumodischer Schnickschnack noch nicht erfunden worden. Hier schaltet der Nutzer noch selbst zwischen Eisen und Chrom um bzw. pegelt die Lautstärke und die Balance für die Aufnahme ein. Natürlich konnte ich mir gestern nicht verkneifen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Eine große Leiterplatte am Boden des Gerät mit einer sehr übersichtlichen Anzahl an Widerständen und Kondensatoren. An manchen Stellen sieht es fast aus, als wäre hier noch mit Hand gelötet worden.

wahlzettel2008

Bereits am Donnerstag lag mein Wahlschein im Briefkasten. Der Wahlzettel hat ein etwas größeres Format wie A2. Und jetzt habe ich die Qual der Wahl, wie ich meine 44 Stimmen auf dem Blatt verteilen darf. Hauptsache, ich verzähle mich beim Verteilen der Stimmen auf dem Blatt nicht. Das ist alles, was bei mir am heutigen Abend noch auf dem Programm steht. Allzu gemütlich finde ich den Platz am Rechner immer noch nicht.

PS: Gerade gefunden – Angesichts des riesigen Wahlzettels und der vielen Kästchen empfiehlt es sich mal einen Blick auf diese Broschüre zu werfen.

Mein Güte, was ist Deutschland empört! Die Finnen erdreisten sich, ohne zu fragen ein Werk in Deutschland zu schließen. Da werden Wörter wie „Subventionsheuschrecke“ erfunden, um der Empörung Luft zu machen. Nachdem das Werk in Bochum nun schon seit 1989 in Betrieb ist, erscheint es mir wirklich fair, jetzt eine Rechnung aufzumachen, welche Gelder in den Erhalt des Werkes gesteckt wurden. Das wirft auch ein hervorragendes Licht auf Deutschland als Industriestandort, offensichtlich sollen zukünftige Investoren schon mal abgeschreckt werden, hier eine Niederlassung zu gründen. Am besten empfehle ich Bund und Ländern Knebelverträge abzuschließen, welche die Firmen verpflichten, innerhalb von 100 Jahren die Werksgröße auf 100.000 Mitarbeiter aufzustocken, egal was produziert wird. Also fix ans Werk und den Ehevertrag für das nächste gutgläubige Opfer aufgesetzt!

Und überhaupt verstehe ich die Aufregung nicht im mindesten. Nokia verlagert seine Produktion nach Rumänien und Ungarn, weil es dort günstiger ist zu produzieren. Die Globalisierung sagt „Hallo!“. Kein Wunder – jeder will die modernste Technik und das zum kleinsten Preis. Und Arbeit sollen auch alle haben, möglichst mit jährlich 5% Gehaltserhöhung. Fassen wir mal zusammen: die Aktionäre wollen Geld, die Arbeitnehmer wollen Geld und die Kunden wollen kleine Preise. Die Rechnung kann einfach nicht aufgehen, also wird an der Stelle gestrichen, wo der global geringste Schaden eintritt. Mal sehen… rote Zahlen: global = schlecht, teure Produkte: global = schlecht, Kündigungen: regional = akzeptabel. Die Handvoll Leute, die jetzt ihr Handy zurückgeben, beeindruckt Nokia wahrscheinlich wie ein Reiskorn, das in China vom Tisch fällt. Und dabei finde ich die Entscheidung von Nokia richtig clever, denn mit einem Produktionsstandort innerhalb der EU können ihnen nicht mal hohe Einfuhrzölle etwas anhaben. Und statt jetzt zu jammern, könnten die Damen und Herren Politiker mal auf die Idee kommen, EU-weit einheitliche Mindestlöhne festzulegen (oder gleich global). Dann wäre das Thema Verschiebung von Werken ins Ausland ein für allemal vom Tisch. Für einen Ausstieg aus der EU und sein eigenes Süppchen zu kochen, ist es schon zu spät und außerdem ist es einfach nicht mehr zeitgemäß. Aber ob sich die Welt für ca. 2000 Arbeitsplätze ändern läßt, ist fraglich.

Gerade las ich bei Dirk die magischen Worte „Reisepass“ und „lauschen“. Anfang Juni hatte der Bundesrat genehmigt, dass biometrische Daten auf dem RFID-Chip im Reisepass gespeichert werden dürfen. Zwar spricht man von ziemlich guten Verschlüsselung der Daten, aber betrachten wir doch mal die Schattenseiten…

  • Mit der Speicherung der Daten wurde auch gleichzeitig genehmigt, dass die Daten von der Polizei und Ordnungsbehörden elektronisch angefordert werden dürfen (auch für Verkehrsdelikte). Ergo – Chip zerstören bringt überhaupt nichts, die Daten können sofort abgerufen werden.
  • Auch wenn die Daten sicher sind, wer kann gewährleisten, dass sie beim Auslesen nicht irgendwo unverschlüsselt auf einer Festplatte landen und dort ausgelesen werden können?

Und wenn schon die Bevölkerung kriminalisiert wird, warum dann nicht gleich richtig? Werfen wir mal einen Blick auf den kürzlich verabschiedeten Paragraphen 202c des Strafgesetzbuches…

§ 202c
Vorbereiten des Ausspähens und Abfangens von Daten

(1) Wer eine Straftat nach § 202a oder § 202b vorbereitet, indem er

1. Passworte oder sonstige Sicherungscodes, die den Zugang zu Daten (§ 202a Abs. 2) ermöglichen, oder

2. Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt, sich oder einem anderen verschafft, verkauft, einem anderen überlässt, verbreitet oder sonst zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Konstruieren wir mal einen ganz einfachen Fall: Ein Administrator bekommt von der Firmenleitung den Auftrag, zu prüfen, ob der Datenverkehr, der die Firma betritt und verläßt, regulär ist. Tools gibt es dazu viele und allein dass er sich die Software besorgt, macht ihn strafbar. Er könnte ja theoretisch damit meinen privaten Mailverkehr abfangen, der nicht für ihn bestimmt ist (Ging mir gerade so durch den Kopf, denn §202 ist die Verletzung des Briefgeheimnisses). Noch besser fand ich das Beispiel auf den Seiten der Gesellschaft für Informatik – ein Jugendlicher, der sich das Passwort für das Pay-TV seiner Eltern besorgt. Statt ihm eine Standpauke zu halten, könnten sie ihn auch gleich in den Knast schicken.

Und natürlich die Mutter aller Fragen: Was ist mit dem Bundestrojaner?

Finstere Zeiten brechen an…

Der Tag fing schon sehr merkwürdig an, ich hatte heute morgen Zahnarzttermin und konnte deswegen noch ein bißchen liegen bleiben. Nachdem Aufstehen tapste ich erstmal verschlafen durch die Wohnung und dann wieder zurück ins Schlafzimmer – so sieht Morgensport jenseits der 30 aus. Als ich ans Fenster trat, merkte ich etwas feuchtes, klebriges am Fuß. Das Fenster hatte die ganze Nacht offen gestanden und ich dachte an Vogelkot. Ein Blick auf den Fußboden zeigte was anderes – da ringelte sich ein Tier. Ich wohne im 5. Stock und frage mich, was treibt eine Nacktschnecke nicht nur in diese Höhe, sondern auch noch in mein Schlafzimmer?

Nach der Entsorgung der Nacktschnecke machte ich mich auf den Weg zum Zahnarzt. Dort konnte ich meinen Kopf mit nutzlosen Fakten füttern. Wen interessiert schon, dass in der zweiten Liga in Rumänien die Ablösesumme eines Spieler 15 Kilogramm Fleisch waren? Herr Ballack kann sich wahrscheinlich von seinem Geld was er jeden Monat verdient, die gesamte zweite Rumänische Liga kaufen. Na zumindest kam meine Zahnfüllung nicht so viel, wie 15 Kilogramm Fleisch. Wenn es aber nach der Gesundheitsreform geht, sollen ja in Zukunft Rechnungen für jede Behandlung ausgestellt werden, damit der Patient ein Gefühl für die Kosten bekommt, die er verursacht. Mal abgesehen von der Papierverschwendung soweit das Einzige, was mir an der Reform bis jetzt zusagt. Und wenn ich die Eröffnungsrede von Ulla Schmidt gegenüber Vertretern der 50 größten gesetzlichen Krankenkassen ansehe und dort etwas von „Abbau von Bürokratie“ lese, dann wird mir gleich erstmal schlecht. Eine staatliche Institution zu schaffen, die Gelder an die Krankenkassen verteilt, ist wirklich genau das Gegenteil von der Reduzierung. Warum die 50 Vertreter bei der Gesundheitsministerin waren, unterschlägt die „Reformseite„. Denn die Spitzenverbände planen bereits den Aufstand – nur verständlich, wenn man ihnen die Finanzierung entzieht und durch eine staatliche Behörde Gelder zugeteilt werden. Aber ich schweife ab…

Von Arbeit wieder daheim angekommen, las ich die Nachricht über den verunglückten Schokolaster. Kurz zur Info: auf der A2 ist gestern abend hatte ein Laster mit 19 Tonnen flüssiger Schokolade einen Unfall. Die Quellen sind sich nicht ganz einig, ob Schokolade auslief oder nicht, zumindest einige berichten von erschwerten Aufräumarbeiten, weil die Schokolade fest wurde. Aber trotzdem – 19 Tonnen! Man stelle sich 190.000 Tafeln Schokolade vor oder wie 19.000 goldene mit Glöckchen behängte 1-Kilo-Lindt-Hasen über eine grüne Wiese hoppeln. Traumhaft! Viel schlimmer die Vorstellung da durchfahren zu müssen und nicht mal eine Kostprobe zu nehmen. Und dann bleibt das vielleicht noch im Profil des Reifens kleben, was auch nicht lecker ist, genauso wenig wie früh morgens Nacktschnecke am Fuß…

Gestern stolperte ich über ein Wort, dass mir unglaublich sauer aufstieß: Zahntourismus. Auf Seiten wie diesen wird Werbung dafür gemacht, dass deutsche Krankenkassen seit 2004 auch Behandlungen innerhalb der EU zahlen. Da im Ausland billiger gefertigt wird, macht man sich das zunutze und bietet seinen Kunden sogar an, die Reisekosten bei einer bestimmten Entfernung zu übernehmen und wenn der Zahnersatz verspricht ganz exklusiv zu werden, sind die Hotelkosten auch gratis.

Klingt alles sehr vollmundig, doch die Konsequenzen mag keiner hören, Hauptsache es ist billig. Apropos billig: wenn jemand sagt: Das sieht aber billig aus!, dann heißt das soviel wie: Minderwertige Ware zum kleinen Preis. Wenn sich also Supermarktketten das Etikett „Billig“ aufkleben, sollten sie auch daran denken, was sie damit ausdrücken möchten. Aber ich schweife ab – trotzdem noch ein kleines Beispiel: kostenlos – umsonst.

Durch diese Sparmentalität – alles haben wollen und möglichst noch etwas rausbekommen – legen wir Stück für Stück die landeseigene Produktion lahm oder zwingen die Firmen in Ländern zu produzieren, wo der Zielpreis erreicht wird. Dass aber stellenweise Preise verlangt werden, als wenn die Produktion doch noch in Deutschland stattfindet, aus Gründen der Gewinnmaximierung, der nachzuweisenden Gewinnsteigerung gegenüber den Aktionären, soll für diesen Beitrag auf einem anderen Blatt stehen.

Ja, aber warum sollten die Leute denn nicht diese Gelegenheit nutzen? Mit stärker sinkenden Zahlen an Patienten fällt der Verdienst des Zahnarztes und der beginnt an Stellen zu sparen, wo die größten Kosten entstehen: am Personal. Kann er sich einen Personalabbau nicht mehr leisten, riskiert er die Wirtschaftlichkeit seiner Praxis. Mit sinkenden Patientenzahlen verringern sich auch die Aufträge, die an die Labore weitergegeben werden. Weniger Aufträge heißt, es werden weniger Zahntechniker benötigt.

Aber einer mehr oder weniger schadet doch nicht! Vielleicht gerade dieses Denken führt genau zu oben genannter Situation, weil sich keiner des Systems als Ganzes bewußt ist. Unter dem massiven Preisdruck arbeiten die Labore hart an der Grenze. Fallen da ein paar Patienten weg, kann das den Zusammenbruch des Systems bedeuten. Ein paar Arbeitslose mehr, die weniger konsumieren. Weniger Konsum gefährdet wieder andere Arbeitsplätze, vielleicht auch dessen, der da „nur“ sparen wollte.

Das ist doch nur Panikmache! Möglich, aber der Prozess ist auch schwer zu beobachten, weil er sich über einen langen Zeitraum hinzieht. Aber es passiert – schauen wir doch mal in unsere Kleidung, „Made in Germany“ – Fehlanzeige. Und wie sieht es aus mit Unterhaltungselektronik, Computer? Warum einen Infineon-Speicherriegel kaufen, wenn man zum halben Preis einen asiatischen haben kann?

Bitte mal beim nächsten Einkauf darüber nachdenken!

Zugegeben, auf Toilette zu gehen ist doch ein sehr natürliches Bedürfnis. Und je dringender es wird, um so schneller möchte man es hinter sich bringen. Nur problematisch ist es, wenn man in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates sitzt. Also fragt man mal ganz höflich, ob man eine kleine Pause einlegen kann.

I think I may need a bathroom break? Is this possible?

Wenn man sich das anschaut, klingt das flehend, ja fast bettelnd. Also liegt die Vermutung nahe, dass die Frage von einem kleinen Licht kommt, der bei seinem Chef um eine Pause bettelt. Nur würde davon niemand ein Foto machen.

bush

Der Fotograf war Rick Wilking und schaute am 14. September 2005 keinem geringeren als Georg W. Bush über die Schulter. Und der Zettel mit der Frage ging übrigens an Condoleezza Rice.

Heute: Frage und Antwort

Abgeordnete des Bundestages haben die Möglichkeit, schriftlich Fragen an die Bundesregierung einzureichen, die dann von einem Mitarbeiter des jeweiligen Ressorts (z.B. Bundesministerium des Inneren) beantwortet wird. Dort werden zum Teil Fragen gestellt, wo man sich fragt, womit sich die Leute den ganzen Tag beschäftigen.

So fragt Gisela Piltz (FDP):

Wird der Bund Deutscher Karneval e. V. (BDKV) mit öffentlichen Mitteln des Bundes gefördert, und wenn ja, in welcher Höhe?

Angesichts dieser Frage ist man schon dazu geneigt „Ja“ zu sagen, aber in diesem Fall war es ein eindeutiges „Nein“. Eigentliche Ursache für diesen Beitrag war aber die nächste Frage. Gestellt von Birgit Homburger (FDP):

Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass gesetzliche Krankenkassen die Praxiszulassung von Physiotherapeuten von mindestens 2,50 m Raumhöhe abhängig machen, und wenn ja, wie bewertet die Bundesregierung dies?

Ich bin beruhigt, dass sich alle Menschen, die ca. 2,50m groß sind keine Sorgen machen brauchen, sich bei einem in Deutschland zugelassenen Arzt den Kopf zu stoßen. Damit das auch weiterhin gewährleistet ist, enthielt die Antwort auch „Die Bundesregierung sieht keine Veranlassung, diese Forderung grundsätzlich in Frage zu stellen, hält aber eine flexible Anwendung für geboten […]“. Nein, ich finde man sollte diese Regelung beibehalten und vielleicht sogar noch um eine Normierung für Türhöhe und -breite ergänzen.

Wem das alles zu unglaubwürdig klingt, der kann dies gern in den Dokumenten des Bundestages nachlesen.