Meine persönliche Chronik des gestrigen Abends:

Ich sitze am Laptop und suche nach einem Musikvideo, als ich sehe – hey, heute ist Loveparade, also schalte ich gleich auf den Livestream um. Mit einem Auge sehe ich auf die Kommentare und lese etwas von Massenpanik und 10 Toten. Zu diesem Zeitpunkt kann man schon nicht mehr bei loveparade.de zwischen den Kameras hin- und herschalten. Also suche ich parallel dazu bei den News – es stimmt. Da die Informationen sehr spärlich sind, kann ich die Rufe nach einem sofortigen Stop der Loveparade nicht ganz nachvollziehen. Auch in Berlin gab es Tote durch Messerstechereien oder Unfälle mit S-Bahn-Zügen. Da hat das auch keinen gestört.

Später am Abend bemühe ich n-tv nach neuen Informationen. Die Zahl der Toten war inzwischen auf 15 gestiegen und es wurden abwechselnd Amateurvideos, Augenzeugenberichte und Liveschaltungen vor Ort gesendet. Was genau passiert war, war selbst nach einer halben Stunde nicht nachzuvollziehen, also musste ich wieder meinen Rechner bemühen, Geschriebenes ist vom Informationsgehalt doch besser wie TV.

Was mich aber in der halben Stunde extrem genervt hat:

  • Es wurde nach Schuldigen gefragt und jeder schob dem anderen die Schuld in die Schuhe. Die Polizei, der Veranstalter und der derzeit oft benutzte Prügelknabe Deutsche Bahn wurden beschuldigt. Was interessiert mich, wer Schuld ist? Wichtiger ist doch, wie eine Lösung aussieht!
  • Womit ich schon zum Betroffenheitsgeheuchel der deutschen Politiker komme. Ich finde es nett, aber für die Angehörigen völlig nutzlos, dass sich Frau Merkel aus dem Urlaub meldet und ihre Beileidsbekundungen mitteilt. Damit ist niemandem geholfen. Hätte sie noch hinzugefügt, dass nach der Aufklärung angemessene Reaktionen folgen, wäre das für mich ein ernstzunehmendes Wort gewesen, aber so ist das – auch nach der Abkühlung der sommerlichen Hitze – nur heiße Luft.
  • Statt die große Kunst der Improvisation zu zeigen, zeigte sich das Fernsehen gestern mal wieder von seiner ganz schwachen Seite. Während die Internetmedien in 10 Zeilen oder mehr schon kurz berichteten, was vorgefallen war, schalteten die Nachrichtensender, speziell n-tv auf Dauersendung. Es gab eigentlich nichts zu berichten, aber trotzdem versuchte man den leeren Raum mit Inhalt zu füllen. Es wurden Passanten interviewt, die vor Ort waren. Diese wurden mit Detailfragen malträtiert, nur um den Zuschauer mit der Nase drauf zu stoßen, wie die Folgen einer Massenpanik aussehen. Genau so ungefiltert ließ man „Augenzeugenberichte“ ausstrahlen, die nur mit haltlosen Behauptungen um sich schossen. Und immer wieder die Reporter, die im Minutenabstand nach den neusten Todeszahlen befragt wurden, als gelte es einen neuen Highscore zu brechen.

Und oben drüber schwebte die Frage: Wo konnte es nur zu der Massenpanik kommen? Wenn tausende Menschen in einen Tunnel eingepfercht sind und schon die ersten anfangen zusammenzubrechen bzw. über einen Zaun zu klettern, wohl wissend, dass man sich dabei verletzen kann – wie naiv muss man sein, um diese Frage noch zu stellen?

Wahrscheinlich hat sich noch niemand gefragt, wie es weiter geht.

  • Lösung 1 (realitätsfern): Die Stadt Duisburg und der Veranstalter werden gleichmaßen mit den Schadensersatzzahlungen und sämtlichen Folgekosten belastet. Denn die Ursache war nicht der Tunnel oder die Absperrung oder sonst was. Beiden Beteiligten hätte von Anfang an klar sein müssen, dass 1 Million Besucher nicht in eine Stadt von weniger als einer halben Million Einwohner passt, schon garnicht auf ein begrenztes Areal. Aber man bekommt ja den Hals nicht voll genug. Wenn sich dann nicht ein anderer darum kümmert, dürfte sich das Thema Loveparade damit erledigt haben.
  • Lösung 2 (im Bereich des Möglichen): Einer schiebt dem anderen die Schuld in die Schuhe, es wird eine Sonderkommission zur Aufklärung des Falles gegründet, dabei wird stapelweise Papier erzeugt, das keiner liest und da sich keiner zu einem Urteil berufen fühlt, wird es keine Folgen geben. Der Veranstalter wird von einer Loveparade nächstes Jahr absehen und Gras über die Sache wachsen lassen und dann weitermachen.

Nachtrag – die widerliche Realität:

Man picke sich eine Person der Öffentlichkeit heraus, die im Zusammenhang mit der Loveparade präsent war, wie z.B. OB Sauerland. Nun bausche man die ganze Sache so auf, als wäre er der Hauptschuldige und bringe das Wort „Rücktritt“ in den Umlauf. Pro für die Medien: Durch seine Position muss er zwangsläufig mit der Planung der Loveparade zu tun gehabt haben. Pro für ihn: Wie ist den Hinterbliebenen und Verletzten damit geholfen, wenn er zurücktreten würde? Und mit jedem Tag, den er sich weigert zurückzutreten, steigt das öffentliche Interesse an seinem Rücktritt. Die Wikipedia umschreibt den Begriff Sündenbock treffend mit: „Als Sündenbock wird ein Mensch bezeichnet, dem man die Schuld für Fehler, Misserfolge oder sonstiges Konfliktpotential zuschiebt. Tatsächliche Schuld spielt dabei keine Rolle.“

Noch ein bißchen Nachtrag zum Wochenende – Ich hatte am Schluss nur noch im Schnelldurchgang vermerkt, dass der Sonntag Abend zum Teil aus Kochen bestand. Angesichts von restlichen Kartoffelbeständen, beschloss ich ein Kartoffelgericht zu kochen. Meine Wahl fiel auf Aloo Gobi. Geringfügige Modifikationen (drei statt einer Chilischote) verpassten dem Gericht einen wirklich indischen Hauch.

Ansonsten habe ich in den letzten Tage mal den Bestand neuer Musik durchgehört und muss jetzt weiter aussortieren. Derzeit liegen 6 Stunden Musik in meinem Ordner zum Vorbereiten der Podcasts. Da werde ich nochmal sehr gründlich aussortieren müssen. Ansonsten fühlt sich mein Kopf zur Zeit wie eine breiige Masse an, Heuschnupfen ist wirklich keine Freude. Dieses Jahr läßt die Wirkung der Medikamente auch sehr zu wünschen übrig. Beruhigend ist jedenfalls zu wissen, dass ich nicht allein bin. Seltsamerweise betrifft es dieses Jahr auch einige Leute, welche die letzten Jahre doch sehr wenig Probleme damit hatten. Vor meinem geistigen Auge entstand gerade die Bild-Schlagzeile „Horrorpollen – Sie sind überall!“. Dabei fällt mir ein, dass ich letztens gelesen habe, dass die Bild-Zeitung jetzt mit Greenpeace kooperiert. Sollte man sich jetzt bei Greenpeace für diesen Verrat der Ideale bedanken? Ich würde auch mit einer Zeitung in einer Auflage von 12 Millionen zusammenarbeiten. Ist ja sinnbildlich das Gleiche, als wenn man aufhören würde, Vegatarier zu sein mit der Begründung: „Das arme Vieh wird ja eh geschlachtet“.

Aber genug des Pessimismus, der Fühling hat ja auch sein Gutes. Zum Beispiel, wenn man mal die Nase aus dem Fenster steckt…

PS: Jetzt möchte ich aber auch mal ein Lob hören, der Beitrag war jetzt aber wirklich kurz 😉

Ich genieße den Morgen, nichts ist angenehmer als bei einer Tasse Kaffee aus dem Fenster zu blicken, Musik zu hören und noch etwas zu lesen. Erst heute Morgen bin ich mit der Aprilausgabe der NEON fertig geworden. Jeder, der mich fragt, was ich da lese, bekommt als Antwort, dass dies die Zeitung für den niederen Geist ist und rein der Unterhaltung dient. Gut, so mancher Artikel zwingt mich doch zum Nachdenken, schafft es aber kaum über die nächsten 10 Seiten zu bestehen, da er dann schon wieder im Farbrausch der Werbeseiten untergegangen ist. Genauere Informationen dazu oder vehementes Widersprechen blieben bis dato aus.

In einer Seitenleiste stolperte ich jedoch über einen Namen, der bei mir noch gut aus der letzten de:bug hängen geblieben ist. Für einen kurzen Moment hielt ich inne und versuchte die Zielgruppe dieser Zeitung zu erfassen, die sich mir aus Design, Inhalt und sprachlicher Fassung erschloss. Die Themengebiete sind weit gefasst, Politik darf natürlich nicht fehlen, als kleine Tochter des Stern verständlich. Wenn ich gerade die letzten Hefte Revue passieren lassen, fällt mir auf, dass sich die Politik doch mehr auf den internationalen Bereich beschränkt oder wenn schon national, dann werden die Menschen dieses Landes beleuchtet – die „Generation Praktikum“. Und diese erheben ihre Stimme im Onlineportal und werden daraus für die Printausgabe rekrutiert. Ein gutes Prinzip – die Leser erstellen ihre eigene Zeitung. Printmedium 2.0?

Nur wenn jetzt zur gefühlten 10. Ausgabe ein mehrseitiger Artikel erscheint, in dem sich Studenten bzw. Praktikanten ausweinen, ihren Eltern auf der Tasche zu liegen und nun das 73. kostenlose Praktikum anzutreten, frage ich mich ernsthaft, ob es sich da um Problem in der Wirtschaft handelt. Man kann diesen Fakt aber mit einem Lächeln überspielen, denn 40 Seiten später ist garantiert der nächste Reisebericht aus einer der Weltmetropolen oder der Bericht eines Aussiedlers, der auf einer einsamen Insel lebt, die er von einem Vermögen erstanden hat. Und wenn nicht innerhalb einer Ausgabe widersprüchliche Artikel auftauchen, passiert es garantiert in einem der nächsten Hefte. Also mache ich mir einen Spaß daraus, den Schwachpunkt eines Artikels oder einer Argumentation zu finden, um der Zeitschrift einen unterhaltsamen Faktor abzuringen.

Und so zeichnet sich ein interessantes Bild einer Zwischenschicht ab, mit einem offenen Auge für die Probleme der Welt, einer Hand, diese Probleme zu adressieren, aber beide verstecken sich hinter einer angenehmen „Bloß gut, dass ich es nicht bin“-Mentalität. Und diese Mittelmäßigkeit zieht sich – von Filmen, Musik und Büchern, die nur nicht zu kommerziell sein dürfen, bis hin zu den Artikeln. Sie dürfen schon mal Tiefgang erreichen, aber den Leser nicht zu sehr beanspruchen und um Gottes Willen nicht Bildzeitungsniveau erreichen. Oder um es musikalisch auszudrücken, der Vermischung von Indie und Kommerz.

Und so steh ich nun an der Grenze meiner Toleranzschwelle und schau ins Dunkel und frage mich, ob sie ein Licht brauchen. Ist es zielsicheres Umherirren oder verzweifeltes Finden? Vorhin saß ich in der Wanne, lass die letzten beiden Ausgaben der Intro und stolperte in einem Artikel zum Thema „Dubstep“ über den Satz „Wie immer im Bereich ‚Elektronik‘ hatte die de:bug den Sound zu diesem Zeitpunkt schon längst vorgestellt.“ Moment mal, ich lese ein Musikmagazin, dass schamlos Werbung für ein anderes macht. „Nimm du das Licht, ich bin zu doof, die Fackel zu halten.“ Schön und gut, die Intro ist kostenlos und damit frei von jeglichem Konkurrenzdenken, sollte sie nicht aber trotz alledem versuchen, auch mal ein offenes Ohr für neue Dinge zu haben? Lob, Schuldgeständnis und -ablehnung in einem Satz. „Wegen der Glühlampe – schön, dass ihr sie erfunden habt, können wir sie auch mal haben? Wir haben sonst nur Fackeln, aber die sind gerade aus.“ Und wieder merke ich, wie ich durch den Schlamm wate, der mittlerweile knietief ist und befürchte, irgendwann steht er mir bis zum Hals. Das wird der Zeitpunkt sein, wo man Dieter Bohlen und Dominik Eulberg gut findet und sich dafür nicht mal rechtfertigen muss. Für ein besseres Morgen!

Ja, Guten Morgen Herr Speedy – wird es heute noch was werden? Ich befürchte wohl eher nicht. Gestern Morgen hatte ich noch einen „Subversion zur Primetime“-Beitrag der NEON gelesen und dachte mir schon, dass es gutes Material für einen Blogbeitrag hergeben würde, aber das tat es wohl offensichtlich nicht. Aber trotzdem muss ich doch aus meinem gewissen Bauchgefühl heraus meinen Senf dazugeben.

Es ging um den Sender HBO, einen amerikanischen Pay-TV-Sender und seine Art und Weise „ungewöhnliches“ Fernsehen zu machen. Soweit die Kurzfassung – liest man sich den Artikel durch, stolpert man darüber, dass neben einer Sendung, die live zur Hauptsendezeit einen Bericht aus der Notaufnahme in Bagdad berichtet, wo ein amerikanischer Hauptmann ums Überleben kämpft, auch noch „Sex and the city“ um die Ecke gebogen kommt. Was die Anspielung auf Niel Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ in dem Artikel verloren hat, weiß der Autor wohl selbst nicht so genau, vermutlich wollte er denjenigen, die das Buch kennen, zu verstehen geben, dass er es auch kennt. Aber wahrscheinlich nicht gelesen, geschweige denn, verstanden hat. Denn anspruchsvolles Fernsehen erzeugt man nicht mit Pathos oder sexueller Freizügigkeit. Das beste Programm ist doch nach wie vor ein ausgeschalteter Fernseher. Artikel wie diese sind es, die meine Meinung zur NEON aufrechterhalten und in meinen Augen zu einen witzigen, unterhaltsamen, aber sonst geistig armen Blättchen machen. Dass gelegentlich doch mal ein Schimmer von Sympathie für dieses Blatt durchscheint, dürfte wohl seit diesen Beitrag einleuchtend sein.

Gestern Abend – Squashabend. Es mußte wieder der gleiche Court wie letzte Woche herhalten, auf die Kürze habe ich keinen in Stegaurach mehr bekommen, also ging es wieder nach Hirschaid. Wir lümmelten uns danach noch ein bißchen auf meine Couch, quatschen, planten und ich fühlte mich für einen kurzen Moment zu einer Diskussion hingerissen, die wohl eine ganze Weile gedauert hätte. Ursache war die von mir eingelegte Boards Of Canada – Geogaddi, die mit „Das klingt als wenn man einer Katze auf den Schwanz tritt“ quittiert wurde. Und das bei der Geogaddi – Blasphemie. Mal sehen, wo ich so eine Katze herbekomme. Ich wurde gefragt, was denn überhaupt Musik ist. Für einen kurzen Augenblick blitzen Begriffe wie ADSR, FM-Synthese und LFO in meinem Kopf auf, aber ich ließ es bei einem einfach „Schall“ bewenden.

Mein Briefkasten wartete heute mit zwei neuen Postkarten auf, einer aus Japan und einer aus Teneriffa. Der Sommer ist nah! Aber momentan ist es doch ein wenig schattig und deswegen werde ich noch einen Sprung in die Wanne wagen und ein Blick in die Küche hat mir verraten, dass es von Vorteil wäre mal wieder abzuwaschen. Lang wird der Abend nicht, ich habe mich zu der Aussage hinreißen lassen, morgen doch schon gegen 8 Uhr munter zu sein, um nach Nürnberg zu düsen. Ich brauch immer noch Schuhe und auch mein Kleiderschrank könnte ein Update vertragen.

Ich habe gerade Paul Kalkbrenner aufgelegt, Self – ein wunderbares Album. Es ist ein angenehm milder Abend und die Platte passt hervorragend dazu. Dazu lasse ich ein wenig den Tag passieren und bemerke, dass sich der Traum letzte Nacht sehr fest in meine Gedanken gekrallt hat. Es war wohl eher dieses skurrile Ende, was ich immer noch vor meinem Auge sehe.

Ich bin in einem Zug und alle Passagiere bereiten sich auf die Nachtruhe vor. Ich gehe ein letztes Mal durch die Gänge und sehe in einem Achterabteil in der 1. Klasse sechs Leute mit weißen Frotteebademänteln sitzen, offensichtlich frisch geduscht, wie sie die Beine hochgelegt haben und nun schlafen wollen. Auch ich will mich gerade hinlegen, als mich plötzlich der Wecker in die reale Welt zurückholt. Grausam. Und dementsprechend müde war ich heute den ganzen Tag. Mir kam es deshalb nicht ungelegen, dass ich heute etwas zeitiger Schluß machte, weil mein Auto in die Werkstatt mußte. Ich hatte mich mittags im Internet umgesehen, kein Stau auf meiner Strecke, also nahm ich die Autobahn. Verhängnisvoller Fehler, denn der Verkehrsfunk sprach von 7 Kilometern Stau auf meiner Strecke. Kurzerhand bin ich durch die Stadt gefahren, lieferte Rüedi ab und durfte mit einem Schlachtschiff zurücksteuern.

In der Wanne gab ich mir den Rest der aktuellen Ausgabe der NEON. Ich glaube, ich erwähnte bereits in einem Beitrag mal, dass ich zwei Zeitschriften im Monat lese, eine ist die NEON und die DE-BUG. Beide lese ich wirklich vom ersten bis zum letzten Artikel und die Zeit, welche ich zum Lesen brauche, sprechen für den Anspruch und das Niveau des jeweiligen Blattes. Die NEON kommt in der Größenordnung von ca. 140 Seiten daher. Damit bin ich in einer Woche fertig (gemessen nach der Zeit, die ich auf Arbeit fahre). Hingegen die de-bug hat gerade mal 60 Seiten (ohne Reviews), wenn auch enger bedruckt, dafür brauche ich zwei Wochen.

Diesen Monat muss die NEON wohl in ein Sommerloch gefallen sein, denn sie fiel üblen Schmierfinken zum Opfer. Wie bitte sonst kann ich mir einen Artikel erklären, der unter dem Tenor steht „Scientology – die machen doch nichts schlimmes“. Im Gegenteil – wenn in bayrischen Schulen ein Kruzifix hängt, ist das viel schlimmer. Diese zwei Sätze fassen auch schon die gesamte Argumentationskette des Beitrages zusammen. Ich weiß, dass ich keinen hohen Anspruch an das Magazin stellen kann, aber so tief sinken?

Naja, wenigstens konnte ich mich über den Beitrag zum 25-jährigen Jubiläum von MTV amüsieren. Dort stolperte ich über das Schnipsel „… es geht um guten Content…“ – ach, auch dort wird von Inhalten gesprochen, aber keiner gemacht. Kommt mir doch sehr bekannt vor. Aber ich will den Artikel nicht schlecht machen, auch kritische Stimmen kommen zu Wort, wie z.B. von dem mir aus frühester Jugend allseits beliebten und geschätzen Ray Cokes, der meinte „Weil mittlerweile alles so aussieht wie MTV, ist MTV heute – nichts!“ Ihm fällt es leicht kritische Worte zu finden, nachdem er sich bereits vor Jahren vom Sender getrennt hatte. Und dann gibt es noch einen Markus Kavka, mir bestens bekannt vom damaligen Viva II. Dort passten Senderimage und mein Bild von Markus Kavka besser zusammen, doch bei seinem Wechsel zu MTV dachte ich mir auch – Was hat den Mann denn geritten? Und genau so sieht seine Reaktion aus, als er gefragt wird, was er von Sendungen wie „Dismiss“ hält… er weicht aus und gibt lieber eine politisch korrekte Antwort.

Was mir immer gut gefallen hat, war die Offenheit gegenüber verschiedenen Gesichtspunkten. Was in dem einen Monat noch unter Pro betrachtet wurde, konnte schon im nächsten Monat, vom gegensätzlichen Punkt aus argumentiert werden. So auch dieses Mal. Es ist keine zwei, drei Ausgaben her, da wurde eine Internet-Plattform vorgestellt, bei der man Kindheitsidentitäten austauschen konnte. Frei gewähltes Beispiel: wenn du zu DDR-Zeiten das „Mosaik“ gesammelt hast, dann hättest du im Westen Asterix gut gefunden. Nur auch mit internationalen Anspruch. Und diesen Monat – keine Spur mehr davon. Es geht um die Helden unserer Kindheit. Es fallen Namen wie ???, TKKG, Hui Buh usw. Nicht meine Kindheit – die kannte Mikrobi (ein ewig murrender Haushaltsroboter, vgl. Bender), Hase + Wolf (quasi Itchy + Scratchy) und auch Adolar. Ach so, Lolek + Bolek lass ich hier absichtlich außen vor, die konnte ich nicht ausstehen…

Eigentlich wollte ich ja noch ein paar Worte zur de-bug verlieren, aber das hebe ich mir für einen anderen Beitrag auf. Denn jetzt wird es langsam Zeit noch ein bißchen zu lesen…

Anfang der 90er Jahre haben wir alle noch artig die Sendungen, die wir mal wieder sehen wollten auf Video aufgezeichnet. Dann rückte der DVD-Player nach, zumindest was das Abspielen von Filmen anging. Und die DVD hat auch die Leute an einer ganz bestimmten Stelle gekitzelt – der Faulheit. Wer macht sich schon die Mühe, Sendungen so zusammenzuschneiden, dass die Werbung rausfällt, wenn man das Ganze fertig auf DVD serviert bekommt.

Doch was kommt nach der DVD? BluRay und HD-TV? Das wird nur ein Zwischenschritt sein, denn was mit YouTube anfing, wird im Fernsehprogramm enden. Fernsehprogramm on demand sozusagen. So zumindest die Vision der BBC. Nachdem sie erkannt hat, dass sie einige Trends verpennt hat, wird jetzt überholt statt einzuholen. Geht es nach der BBC wird sich ihre Zukunft in drei Worten zusammenfassen lassen: SHARE, PLAY und FIND.

SHARE ist relativ simpel – die Nutzer tauschen Meinungen und Ideen aus. Interessanter ist das der Punkt PLAY. Dort haben die britischen Gebührenzahler Zugriff auf das gesamte Radio- und TV-Programm der BBC von den letzten sieben Tagen. Wenn es die Rechtslage erlaubt, auf Basis der Creative Commons, d.h. die Briten könnten sich ihren eigenen Remix auf das Programm der letzten Woche machen. Am gewaltigsten mutet aber der Punkt FIND an – das gesamte Archiv der BBC – insgesamt über 350.000 Stunden seit 1937 – sollen digitalisiert werden und zur Recherche verfügbar gemacht werden. Ein ehrgeiziges Projekt, das mindestens 10 Jahre dauert und Millionen von Rundfunk- und Fernsehgebühren der Briten verschlingen würde.

Wo sind die Haken an diesem Projekt? Zum einen der Einsatz des Peer-to-Peer-Mechanismus zur Verteilung der Sendungen, gleichzeitig aber auch der Einsatz von DRM (Digital Rights Management), um die Sendungen zeitlich begrenzt abspielbar zu machen. P2P – ein Dorn im Auge der Medienindustrie soll hier die Last von den Servern nehmen. Und natürlich die rechtliche Seite – Wer eine Rundfunksendung ausstrahlen darf, hat noch lange nicht das Recht die Sendungen „on demand“ dem Hörer zur Verfügung zu stellen. Auch hier würde es bedeuten, für jede Sendung die Rechte auszuhandeln. Pauschalregelungen wie etwa bei wissenschaftliche Bibliotheken sind bisher abgelehnt worden.

An dem Projekt Creative Future wird von der BBC mittlerweile seit einem Jahr gearbeitet, vorgestellt wurde es jedoch erst letztens. Wollen wir hoffen, dass der Vorreiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehens im europäischen Raum seine Vision verwirklichen kann und eine Neuordnung des Sendeprogramms erreicht.

Ich weiß nicht, ob es eine Berufskrankheit ist, Details zu suchen bis man das gefunden hat, was einen interessiert. Seien es Fehler in Programmen, Fraktale, die sich 15 Stellen nach dem Komma nicht ändern oder wer diese häßliche Ratte ist 😉

Domo-kun

Irgendwann hopste sie mir mal als Avatar über den Bildschirm und ich wollte ein größeres Bild davon haben. Nichts gefunden – Bis heute. Jetzt weiß ich, dass die Gestalt Domo-kun heißt, von 90% der japanischen Schulkinder gekannt wird. Domo-kun wohnt bei einem alten weisen Hasen im Bau und liebt es fernzusehen. Außerdem furzt er, wenn er schlecht gelaunt ist.

Was natürlich noch viel interessanter ist – besteht eine Verwandschaft zwischen Domo-kun und dem ewig schlecht gelaunten und depressiven Kastenbrot Bernd? Denn letztendlich haben beide etwas gemeinsam – das Talent so schlecht zu sein, dass es schon wieder gut ist.

Bernd

Sind die ca. 46.000 Frauen, die jährlich allein in Deutschland an Brustkrebs erkranken keine extra Meldung wert? Diese eine offensichtlich schon! Wer keine Lust hat zu klicken – Kylie Minogue hat Brustkrebs.

Ich wette, unter den 46.000 Frauen befinden sich garantiert einige, deren Erfolg (gemessen an der Arbeit) sich mit ihrem vergleichen läßt. Es dürften auch einige dabei sein, deren Aussehen mit ihrem standhält. Wozu dann die Nachricht? Ich weiß es nicht?

kurzer Nachtrag: Ich bin mir der Eigenironie des Beitrages durchaus bewußt!

Prof. Joseph Weizenbaum äußerte im Rahmen einer Vortragsreihe beim Computermuseum in Paderborn, dass das Internet ein „riesiger Misthaufen“ wäre, der „Perlen enthält“. Der Computerexperte und Philosoph Weizenbaum ist bekannt geworden durch sein Programm ELIZA, dass doch relativ simpel Sätze auswertete und damit den Eindruck erzeugte, der Computer ist intelligent und unterhält sich mit dem Anwender. Wie z.B. so:

A: I had a nice day.
E: Tell me more about a nice day!

ELIZA ist zu einem großen Mißverständnis geworden, dass genau in unsere Zeit passt. Wir haben die Illusion, mit dem Internet auf das gesamte Wissen der Menschheit mit einer simplen Abfrage in einer Suchmaschine zugreifen zu können. Doch die Frage muss dazu richtig gestellt werden. Das Fazit ist das Gleiche, wie auch bei ELIZA damals: Der Computer ist nur so intelligent, wie der Anwender, der davor sitzt.

Weizenbaum erweitert seine Kritik auch auf Medien, wie das Fernsehen. Kritisches Denken und wahrhaftes Zuhören seien die wichtigsten menschlischen Errungenschaften. Mehr Informationen über Weizenbaum gibt es in diesem c’t-Artikel.