Ich habe heute mal etwas aufgeräumt und bin dabei über meine alte Briefmarkensammlung gestolpert. Schon etwig nicht mehr da reingeschaut. Dabei bin ich über eine Mappe gestolpert, in der ich die ausgeschnittenen Briefmarken gesammelt habe, bevor ich sie abgeweicht habe. Auf der Innenseite ist folgendes Bild. Ich lasse das mal kommentarlos wirken…

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Ja, ein Ortseingangsschild hatte Bamberg heute nicht mehr. Zumindest versteckte es sich hinter einem täuschend ähnlich aussehenden Plakat, dass den Ortsbeginn von „Freak city“ auswies. Ich habe keinen Zweifel daran, aber wegen mir müssen sie nicht gleich eine Stadt umbenennen? Ist sonst noch etwas außergewöhnliches hier passiert? Außer fliegenden Menschen, die mit Bällen durch die Luft schweben – nöö. Ich glaube, das muss ich mir nächste Saison auch mal antun.

Kleiner FuchsSeit gestern Morgen geht es mir besser, ich weiß nicht warum, aber der Tag fing schon gut an, als ich einen Kleinen Fuchs neben meiner Wohnungstür sitzen sah. So ein Schmetterling am Morgen macht gleich gute Laune. Noch besser wurde sie, als er abends immer noch da saß, als würde er auf mich warten. Ich würde ihn ja gern mit reinnehmen (er ist immer noch da), aber was ißt man als Kleiner Fuchs so? Ob er einen Feldsalat mit Tomaten mag oder doch lieber ein Butterbrot? Sind schon wählerische Zeitgenossen – die Schmetterlinge.

In letzter Zeit klingelt mein Telefon sehr häufig. Das ist keine Kritik, ich finde es richtig schön. Nur es gibt Momente, da kann man einfach nicht ans Telefon und wenn dann noch eine unbekannte Nummer im Display steht, komme ich ins Grübeln. 07xxx? Stuttgart war es nicht, Grünmettstetten auch nicht, das kann doch kein Zufall sein. Nach einer halben Stunde fiel der Groschen. Viele Leute mit denen ich damals zur Schule gegangen sind, wohnen in Baden-Württemberg. Also ein schneller Blick auf die letzte Liste, die herumgeschickt wurde und ich war im Bilde. Eine 3/4-Stunde quatschte ich mit Manu, die ich jetzt seit 17 Jahren weder gehört, noch gesehen habe. Man plaudert einfach drauf los und wird sich erst der Situation bewußt, wenn man gefragt wird „Was machst du beruflich eigentlich?“ – „Na das, was ich schon immer mache…“ war meine gedachte Antwort.

Für diesen einen Moment hielt die Zeit wieder an und die knisternde Spannung der Neuronen entlud sich in einem Feuerwerk. Das Leben, die gesamte Entwicklung zieht im Kurzfilm vorbei, Erinnerungen, Wissen, Handeln, was selbstverständlich geworden ist, stellt ein totales Neuland für den Gegenüber dar, den man sein halbes Leben nicht gesehen hat und der trotzdem noch so vertraut ist. Aber wir sehen uns bald wieder, ist ja nicht weit. Wie mag sie wohl jetzt aussehen und was ist sie für ein Mensch geworden?

Bildquelle: [wikipedia]

Ich war gerade baden und nahm mir meine aktuelle Lektüre mit, „Wir waren unsterblich“, das ich seit ca. 2 Wochen lese. Als ich das Buch an der Stelle öffnete, in der das Lesezeichen lag, fiel mir ein Haar auf, das auch zwischen Seiten lag. Natürlich fiel es mir nicht schwer die 10cm lange blonde Strähne zuzuordnen. Wesentlich interessanter war die Frage, wie es dahin gelangt war? Das Buch liegt immer neben meinem Bett und Sandra hatte schon seit gut zwei Monaten nicht mehr bei mir übernachtet. Ich nahm das Haar in die Hand betrachtete es noch einmal und ließ es los. Wie eine Feder glitt es an meinem Arm herab und fiel ins Wasser. Es kam mir vor, als wäre es eine scharfe Schneide, die ohne ein Molekül zu berühren, durch meinen Körper jagt und die gerade vernarbte Wunde in meinem Herz wieder aufplatzen läßt.

Vielleicht wäre auch der Vergleich mit einer Saite angebracht, die durch ihre Schwingungen alle Erinnerungen wieder angregt und plötzlich alle durcheinander plappernd ihre Geschichte erzählen wollen. Aber es ist ja auch so, dass die Geschichten sehr gesprächig sind. Es fehlt nicht viel, dass ich sie wieder zum Leben erwecke. Bilder, Klänge, Gerüche sind sofort wieder präsent.

Jede enttäuschte Liebe macht ein bißchen immun gegen die nächste.

Ursula Andress

Bei mir irgendwie nicht, also Ruhe jetzt!

Kleine, witzige Nebenbetrachtung zu den Erinnerungen. Das sind ja ganz verflixte Biester. Jede drängelt sich nach vorn und will ihre Geschichte in voller Länge erzählen. Der einzige Weg wie ich sie so einigermaßen ruhig halten kann, ist Musik. Die hören nämlich auch gerne. Deswegen nagen sie auch gerne nachts an den Nerven, da ist es ja für gewöhnlich ganz ruhig.

Gestern Abend kam ich auf die verrückte Idee, mal mein altes Tagebuch zu öffnen. Das erste, was ich feststellte war, dass sich mein Schreibstil in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert hat – wenigstens etwas konstantes. Einige Passagen darin überflog ich, andere las ich genau, viel zu genau. Ich stellte fest, dass ich schon einiges verdrängt habe, was ich besser nicht hätte vergessen sollen. Parallelen zur Gegenwart sind unverkennbar. Die Geschichte endete damals damit, dass sie mir gestand, noch einen Versuch mit ihren Ex gestartet zu haben, der kläglich scheiterte und dann waren wir nur Freunde. Der Abschiedsbrief kam auf einer Aktennotiz ihrer Arbeitsstelle.

Aber ich entdeckte auch schöne Dinge, z.B. dieses Bild mit dem dazugehörigen Spruch, der sich eine ganze Zeit lang auf dem Profil meiner lieben Freundin Jenny befand…

Hoffnung

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

The boxHeute ging es ins nächste Level – the box. Sieht aus wie eine Schuhschachtel und war auch mal eine. Die Schuhe hatte ich mal bei einer Verlosung einer Musikzeitschrift gewonnen. Nur leider hatten sie nicht meine Größe und schickten sie mir ein paar Nummern zu groß (Modell Kindersarg). Darin befinden sich jetzt sämtliche Briefe, die mir etwas bedeuten. Die ersten sind mittlerweile 12 Jahre alt, gefolgt von einer hochinteressanten Korrespondenz zwischen einer Zeugin Jehovas und mir (inklusive des ultimativen Rekordsatzes mit über 100 Wörtern in einem Satz). Sozusagen, die Vorstufe zu meinem Blog. Im Gegensatz zum Tagebuch finden sich hier alle schönen Erinnerungen. Stellenweise sind Fotos mit dabei, die ich mir alle angesehen haben. So schief lief es doch bis jetzt garnicht – könnte mal wieder etwas langfristiger werden. Na gut, die Aktennotiz hab ich auch gefunden „Pass auf dich auf!“… Mach ich!

Ich las letztens ein Interview mit Robag Wruhme aka Gabor Schablitzki aka Wighnomy Brothers. Er ließ einen ziemlich deftigen Kommentar in Sachen MySpace fallen. Grund genug, mich auch mal zum Thema auszulassen. Erinnern wir uns an unsere Schulzeit – es gab eine Zeit, da gingen Poesiealben herum und wer als ausreichend cool erachtet wurde, durfte sich mit einem schönen Spruch und einem bunten Bildchen verewigen. Ich glaub, daher stammt auch meine Anti-Community-Einstellung. Ich war schon immer der blasse, unsportliche Typ mit Brille gewesen, der kaum auffiel und deshalb nie zu einem Eintrag in besagte Poesiealben kam bzw. beim Sport immer als letzter in die Mannschaftsauswahl kam. Kurz und gut – ein Looser. Aber statt Amok zu laufen, zog ich es vor, meine Bürde so würdevoll wie möglich zu tragen bzw. eine kleine Gruppe von Freunden um mich zu haben, mit denen man sich vernünftig unterhalten konnte.

Und statt mich als Außenseiter zu definieren, stellte ich die anderen in Frage – für einen Informatiker doch schließlich ein unerlässlicher Charakterzug zur Analyse, das System in Frage zu stellen. Und mit dieser Einstellung rauschte ich durch die Zeit, um im Jetzt und Hier aufzuwachen und festzustellen, dass es immer noch Poesiealben gibt. Nur darf sich jetzt die gesamte Welt mit geistlosen Sprüchen und bunten Wackelbildchen zukleistern. Hat jemand schon den ernsthaften Sinn hinter Myspace entdeckt? Ich erkenne ein ziemlich gutes Netzwerkprinzip, was Musik betrifft. Such das Profil eines Künstlers auf, den du magst und er wird in seiner Freundesliste noch mehr Musik haben, die du auch mögen könntest. Natürlich nur, wenn er ein Profil hat! Aber der Rest? „Ich habe ein MySpace-Profil, also bin ich!“ oder „Alle haben eins, also muss ich auch eins haben!“? Wie sich die de-bug schon so schön äußerte – feature dich selbst wie die Hölle. Pimp yourself! Wer sonst nichts in der realen Welt gebacken bekommt, schafft es doch garantiert innerhalb kürzester Zeit tausende anderer, verzweifelt nach Aufmerksamkeit heischende Nutzer zu finden und denen ein lustig hopsendes Bild ins Profil zu pappen, verbunden mit tiefsinnigen Aussagen wie „Thx for add!“

Hinter dieser kraftvollen und mächtigen Wortformel steht natürlich nicht nur das Bekenntnis des Schreibers, dass er der englischen Sprache mächtig ist, sondern dessen Kürze doch Ausdruck verleiht, wie „Du hör mal zu! Es tut mir leid, dass ich keine weiteren Worte finde, aber allein heute habe ich 2.541 Einladungen bekommen. Was dachtest du, wer sich um diesen Mist kümmert!? Geld verdiene ich damit ja ohnehin nicht.“ Schließlich geht es ja nicht darum, Freunde zu finden, sondern zu sammeln oder besser: einzufangen. Ähnlich wie bei einer Lampe im Mottenschwarm – wer hell genug leuchtet, wird von den meisten Motten umgeben.

Kann natürlich auch sein, dass es sich bei Myspace um das größte Projekt handelt, den Traffic von Pornographie doch endlich mal zu überbieten. Vielleicht möchte Myspace auch den Speicherplatz von Google überbieten oder jedes freie Byte, dass als Cache im Netz verfügbar ist, mit Zappelbildchen zu belegen, um die Geduld derer, die auf ein PDF mit Dijkstras „The humble programmer“ warten, bis ins schier Endlose zu strapazieren. Von daher soll heute mein rebellischer Aufruf lauten: Schreibt viel, wenn ihr was zu sagen habt und verhindert, dass sich noch mehr *entschuldigung* Dünnschiss breit macht – because it’s YourSpace!

Nach dem schönen Sonntag Nachmittag bzw. Abend legte ich mich ins Bett und ließ leichtsinnigerweise das Fenster offen. Die Rechnung bekam ich prompt am Montag – Kopfschmerzen, die sich gewaschen hatten. Mir blieb nichts anderes übrig, als pünktlich zu gehen, die Konzentration war einfach hinweg. Ich nutzte trotzdem die Zeit, um noch den kleinen Umweg zu machen und wegen meiner Noten zu fragen. Leider Fehlanzeige, keiner im Büro.

Da es nicht besser wurde, griff ich zur chemischen Keule und die Besserung setzte bald ein, sodass ich wenigstens noch die Postcrossing-Postkarten fertigmachen konnte und auch gleich noch den Abwasch erledigte. Der Geruch der Currypaste hatte sich richtig in der Küche festgesetzt und ist auch jetzt noch da. Während ich zwischen Küche und Wohnzimmer hin- und herflitzte, stoppte ich die Wohnzimmertür mit dem linken Fuß, die daran abprallte, aber ich die Gegenbewegung mit dem rechten Knie stoppen konnte, sodass es noch immer noch reichte, um mit dem Gesicht am Türrahmen zu bremsen. Suuuper!

Heute startete ich noch einen zweiten Versuch, die Noten abzuholen – ein Blick auf den Plan hatte mir verraten, dass heute Nachmittag jemand da sein sollte – wieder daneben. Na dann wohl erst am Donnerstag. Geplant war ja heute Abend Kino, aber wie auch schon die letzten Tage ist heute wieder was dazwischen gekommen, höchste Zeit mal wieder einen Beschwerdebrief ans Universum zu schreiben. Aber ich konnte die Zeit nutzen, Mails abzuarbeiten, Blogrundschau zu betreiben, den Verlauf des Stöckchens zu beobachten und dann mal die Forderungen vom Bafögamt zu überprüfen. Ich habe es doch gewußt, ich wurde betrogen. Ganze 2 Cent verlangen die zuviel. Aber da ich nur im OpenOffice ohne zu runden nachrechnete, werde ich mal Gnade vor Recht ergehen lassen.

KassetteNach einem Monat übelsten Papierkrieges warf ich heute endlich einen Blick auf die langersehnte Bestätigung meiner Kündigung. Ein Teamleiter hatte endlich ein Einsehen und ließ mich gehen. Jetzt hoffe ich mal, dass die zuviel gezahlten Beiträge auf mein Konto zurückfließen, denn nach 3 Monaten doppelter Miete, doppelte Versicherungen zu zahlen, fehlte mir gerade noch. Da war ja noch die Geschichte mit dem Bafög…

Zum Abschluss noch etwas Nostalgie. Nach Uwes gestrigem Podcast aus seiner 80er-Jahre-Serie sind wir auch beim Thema Kassetten in der DDR gelandet und mir fiel ein, dass ich noch etwas herumliegen habe. Eine originale und (wenn ich mich nicht täusche) unbespielte ORWO K60 Eisenkassette. Wahrscheinlich ein kurz-nach-wende-licher Restbestand, den ich für ein Kleingeld erstanden habe. Oder bei einer Ausräumaktion meiner Eltern abgestaubt habe. Aber das war schon eine von den Neueren. Die ersten Kassetten, die ich davon besaß, waren reinweiß bzw. auch mal grau. Und jetzt höre ich mal lieber auf, es sollte doch eigentlich ein kurzer Beitrag werden…

Dirk veröffentlichte gerade einen Beitrag über die Free Hugs Campaign. Das zugehörige Video samt Soundtrack von den Sick Puppies kommt wirklich sympathisch daher und auch die Idee ist Klasse. Gerade wenn man gedankenverloren durch die Straßen bummelt, wäre ein Knuddler mal eine willkommene Abwechslung.

Und wie es sich für einen anständigen Klugscheißerblog gehört, hab ich das natürlich auch schon gemacht – nur schon viel früher! Ist schon ein paar Jahre her – ich war mit meiner Freundin einkaufen, als wir bei den Waschmitteln vorbeikamen, wo neben einem Turm aus 10kg-Waschmittelboxen ein überlebensgroßer Plüschaufsteller des Maskottchens stand. Enthusiastisch wie ich manchmal bin stürzte ich mich auf das Maskottchen, schüttelte ihm die Hand und plapperte drauf los. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, als beide Seiten etwas erschrocken reagierten. Das Maskottchen weil es überfallen wurden und ich weil ich keinen Menschen im Kostüm dahinter erwartet habe, stand es doch die ganze Zeit unbeweglich da. Wieder eine Regel für das Überleben im Großstadtdschungel:

Statt in so einer Situation peinlich rot anzulaufen, doch viel lieber in schallendes Gelächter ausbrechen!

… oder „der braune Schwall“. Auf Wunsch einer einzelnen Dame habe ich gestern Abend keine Kosten und Mühen gescheut und bin in mein Fotoarchiv gekrabbelt und habe ein Beweisfoto herausgegraben, dass mich Silvester 1998/99 zeigt. Leider gibt es keine späteren Aufnahmen, denn im Februar oder März mußte die Matte zwecks wachsender Gefahr eines Genickbruchs dran glauben und Stück für Stück wurden die Haare immer kürzer, bis sie auf der Länge waren, wie sie jetzt sind.

PS: Das ist kein Fake oder eine Perücke – alles echt!

Plattenverwaltung V1.0Nachdem sich Loco gestern zu meinem Beitrag „70 times“ erkundigte, ob ich Buch darüber führe, wie oft meine CDs abspiele, ist es mal wieder Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Begonnen hat alles in den frühen 90er Jahren, wo ich noch auf meinem KC ein kleines BASIC-Programm schrieb, dass von Hand eingetippte Charts auf Kassette speicherte und auch von dort wieder lud. Das Programm hatte ich zwischen 1990 und 1991 regelmäßig im Einsatz, auch wenn es sich sehr umständlich bedienen ließ. Mitte der 90er Jahre hatte ich natürlich schon längst auf einen PC gewechselt und meine Plattensammlung war so sehr angewachsen, dass ich das Ganze verwalten wollte. Außerdem interessierte mich, welche CD ich wie oft abspiele. Also entstand die erste Version des Programms in dBASE, die schon eine relativ gute Abdeckung der von mir gewünschten Funktionalität bot. Hier und da mußte ich noch direkt in den Tabellen Hand anlegen, aber der Großteil wurde schon vom Programm abgedeckt.

Plattenverwaltung 2.0Trotzdem fehlten immer wieder entscheidende Funktionen zur Auswertung und Erfassung. Außerdem war das DOS-Fenster dermaßen veraltet, dass ich mich 2000 nach einem Semester Java-Programmierung an die Umstellung auf eine Version in Java machte. Ich exportierte die Daten aus der Tabelle, schrieb eine Konvertierungsroutine, die mir meine Daten in mein neues Format umsetzte. Nach einiger Zeit war dann die V2.0 fertig und ich verbesserte und erweiterte das Programm noch bis zur V2.4 und immer mehr stolperte ich über Unzulänglichkeiten in meiner Programmarchitektur. Da sich meine Kenntnisse nur auf das AWT bezogen, ich aber das Programm komplett mit Swing programmiert hatte, waren mir Begriffe, wie das Model-View-Controller-Konzept völlig unbekannt.

Plattenverwaltung 3.0Also warf ich alles über den Haufen und begann mit einer kompletten Neuprogrammierung, diesmal mit den frisch erworbenen MFC-Kenntnissen. Am 8.8.2001 ging die neue Version (mittlerweile 3.0) an den Start. Ich sicherte immer noch regelmäßig die Daten, um eventuelle Instabilitäten abfangen zu können. Diese Version entwickelte ich kontinuierlich weiter, baute zusätzliche Informationen ein (Coveranzeige, Listendruck), beseitigte Fehler und dachte mir neue Sachen aus, die ich Stück für Stück implementierte. Derzeit läuft mein Programm in einer Version, die ich im Februar 2002 erstellt habe. Fehler weißt das Programm keine großen mehr auf. Es sind wieder diese kleinen Detailfragen, die man eigentlich korrigieren müßte, aber wo die Motivation fehlt, einen solch kleinen Bug zu beseitigen. Also bleibt es liegen. Außerdem ist der Code grauenhaft – nicht dokumentiert, öffentliche Variablen und ich arbeite immer noch auf einer Textdatei, die beim Programmstart geladen wird und beim Beenden gespeichert.

Die derzeit von mir favorisierte Variante liegt darin, eine C#-Lösung zu programmieren, die endlich wieder mit einer Datenbank kommuniziert. Möglich wäre das ja relativ schnell, da es mit der Microsoft Visual C# 2005 Express Edition auch noch einen MS-SQL-Server gibt. Jetzt fehlen nur noch praktische Erfahrungen im Bereich der C#-Programmierung, die ich wohl demnächst machen werde.

Nachdem als nächster Punkt auf meiner Liste die Verbindung der Silberbüchse mit meinem Rechner steht, wurde ich einen kleinen Moment nostalgisch und erinnerte mich an die Zeiten, wo ich meine ersten Musikstücke zusammenschusterte.

D/A WandlerBegonnen hat es mit einem kleinen Programm, was ich irgendwann 1992/1993 bekam. Es hieß ModPlay und war in der Lage die MOD-Dateien des Amiga auf dem PC abzuspielen. Damals alles noch PC-Lautsprecher, denn eine Soundkarte zum Preis von über 300,- DM war bei meinem Lehrlingsentgelt einfach nicht drin. Zum Glück kreuzten sich zwei glückliche Umstände – zum einen lag dem ModPlay eine Bauanleitung für einen D/A-Wandler bei und zum anderen lernte zusammen mit mir ein Hobbyelektronikbastler, der dieses Wunderwerk der Technik zusammenlötete. So schloss man diesen Wandler an den Parallelport des Rechners und konnte man dann über eine 5-polige DIN-Buchse die Klänge an ein Gerät seiner Wahl weiterleiten.

Nächster Schritt war kurze Zeit später ModEdit, ein 4-Spuren-Tracker mit dem man auch selbst MOD-Dateien bearbeiten konnte. Das Abspielen der einzelnen Samples funktioniert nach wie vor nur über den PC-Lautsprecher, aber das Vorhören des jeweiligen Ausschnittes ging auch über den D/A-Wandler. Aber dieser Zustand konnte nicht von Dauer sein, also folgte bald die Soundkarte. Die gute alte Soundblaster PRO, deren Besonderheit es war, Stereoausgabe zu unterstützen. In der Kombination frickelte ich in mühevoller Kleinstarbeit meiner ersten sechs Songs zusammen. Einsamplen konnte ich auch auf irgendeine Weise, nur war die Arbeit sehr mühsam und die Tools rar. Soweit ich das noch in Erinnerung habe, nutzte ich zu dem Zeitpunkt bereits Digiplay zum Bearbeiten der Samples.

Der Nachteil einer vierspurigen Zusammenstellung ist das abrupte Beenden von Samples sobald ein neues einsetzt. Also war das Erscheinen des Screamtrackers mit seinen mehr als 8 Spuren wie eine Erlösung. Und für mich Grund genug bis tief in die Nacht vor dem Rechner zu sitzen und einen Track nach dem anderen fertigzustellen. Oft saß ich bis nachts um 3 Uhr vorm Rechner, um einen Song fertig zu bekommen und dann noch eine Folge von Dr. Who zu sehen, eine Serie die so grottenschlecht war, dass sie schon wieder Kult ist.

Irgendwann hatte ich dann so viele Tracks zusammen, dass ich sie auf CD gebrannt haben wollte – keine Ahnung warum – aber es mußte einfach sein. Zu der Zeit (1996) waren Brenner noch relativ teuer, sodass man „jemanden kannte“ der einen Brenner hatte. Und so wurden die ersten beiden CDs gebrannt und wenig später kam noch eine dritte dazu, denn mein kreativer Output lag ungefähr bei 3-4 Songs pro Woche. Stilistisch bewegte ich mich irgendwo zwischen Hardcore, Trance, House, Techno, Broken Beats, Ambient und experimentellem Krach. Wenn ich mir die Stücke heute anhöre, empfinde ich sie als flach, vorhersehbar, eindimensional und qualitativ grauenhaft.

In einer Aprilausgabe der c’t las ich dann von Programmen, die analoge Synthesizer simulierten und ich dachte mir: Ihr Scherzkekse! Denkt ihr, ich falle auf diesen Aprilscherz rein? Und kurze Zeit darauf hatte ich die Testversion der Rebirth 338 in den Händen. Zwei 303 und eine 808 zum Schrauben, was die Maus hergibt. Die Testversion hatte zwei riesengroße Nachteile – zum einen war kein Speichern möglich und zum anderen beendete sich das Programm nach 30 Minuten von selbst. Was so extrem nach unbrauchbarer Software klingt, empfand ich als Herausforderung. Zum einen, dass man innerhalb von 30 Minuten einen kompletten Song fertigstellt und zum anderen, dass dieser Track unwiderruflich nach Beenden des Programmes verloren ist. Also programmierte ich innerhalb von 15-20 Minuten die Patterns, die ich für den Track benötige und spielte in der restlichen Zeit in einer Live-Session den Song ein, wählte manuell die Pattern der einzelnen Maschinen und drehte live an den Reglern. Aus der Zeit gibt es noch eine Kassette mit 45 Minuten von diesen Live-Aufnahmen.

Und damit hörte es eigentlich auf – ich probierte nochmal mein Glück mit der Reason, wovon ich nach wie vor begeistert bin, aber mir fehlte dort die Herausforderung der Improvisation und des unerwünschten Fehlers. Man spielt solange die Steuerung ein, bis sie perfekt sitzt und jedes Sample am richtigen Platz sitzt – heute, morgen und übermorgen komplett nachvollziehbar = Total Recall. Oder vielleicht hatte ich mich über die Jahre viel zu sehr an das Trackerformat gewöhnt. Denn 2003/2004 versuchte ich nochmal mein Glück mit dem Buzz. Dort werden verschiedene Generatoren (Sounderzeuger) und Effekte miteinander verschalten, die dann ähnlich zum Screamtracker programmiert werden können. Und genau über dieses Programm werde ich jetzt versuchen, die Silberbüchse anzusteuern. Also schließt sich der Kreis und ich sitze damals wie heute am Rechner und höre den Klängen zu, die über eine selbstgebastelte Leiterplatte erzeugt werden. Und inzwischen sind 14 Jahre vergangen…

Nachtrag: Kommando zurück – da war doch noch was! Ich konnte doch meine Soundkarte, die einen MIDI-Ausgang besitzt, nicht einbauen, weil der überdimensionale Lüfte des Prozessors den Einbau jeglicher Karten verbietet, die etwas länger sind.