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Posts published in “Hobby”

Alle meine Hobbys

Rebuild a fire

Jan 0

Ich fiel aus allen Wolken, wo ich letztens meine Newsletter las und darüber stolperte, dass über eine Rückkehr von KLF spekuliert wird. Grund dafür war ein 40-minütiges Video mit Zusammenschnitten von ihrem alten Material. Wenig später tauchte ein Plakat auf, dass auf eine Aktion am 23.08.2017 hinwies. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Band, die später als KLF europaweite Erfolge feierte.

1987 wurden die Justified Ancients of Mu Mu gründet. Schon mit ihrer Debut-LP "1987" eckten sie gewaltig an, denn es tummelten sich haufenweise Samples darauf, bei denen keiner um Erlaubnis gefragt hatte. Nachdem der Verkauf eingestellt werden musste, wurden alle verbleibenden Exemplare verbrannt. Ein Jahr später betraten sie das erste Mal als The KLF den Musikmarkt und forderten ihn immer wieder mit ihren extravaganten Aktionen (so z.B. ihr Auftritt bei den Top of the Pops, wo sie mit Extreme Noise Terror auftraten und mit Gummigeschossen ins Publikum schossen) heraus. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, ihnen würde der Kommerz widerstreben. Aber die Justified Ancients of Mu Mu bzw. The KLF als Kunstprojekt zu betrachten, kam mir erst lang nachdem es KLF nicht mehr gab, in den Sinn. 1992 war dann Schluss mit KLF - und endete damit, dass der gesamte Katalog ihrer Werke eingestampft wurde. Höhepunkt ihres (künstlerischen) Schaffen stellte das Verbrennen von 1 Million Pfund dar. Die Aschereste pressten sie in einen Ziegel. Die Kunstwelt reagierte interessiert und wollte den Ziegel für Ausstellungen erwerben - aber die beiden wollten 1 Million Pfund dafür... Dieser Aktion folgte die Ankündigung eines 23-jährigen Schweigens.

Nachdem am 1.1.2017 ihr 30-jähriges Jubiläum als The Justified Ancients of Mu Mu war, nähert sich mit 23.8.2017 auch der Ablauf ihres Schweigens. Natürlich waren die beiden in der Zeit nicht untätig, nur gemeinsam haben sie in der Zeit musikalisch nichts mehr auf die Beine gestellt. Um ehrlich zu sein, rechne ich auch nicht damit - aber ich mag diesen Kult um eine Band, die gerade mal 4 Jahre aktiv war und sich dann 23 Jahre in Schweigen hüllt. Mittlerweile hat es sich jedes Musikblatt, was einigermaßen was auf sich hält (ja, bis hin zum Rolling Stone) darüber berichtet.

Fluxion – Vibrant forms III

Jan 0

Um den richtigen Einstieg zu finden, muss ich auf einen Blogbeitrag verweisen, der mittlerweile über 10 Jahre alt ist. Hier findet sich die Geschichte "Wie Jan zu den Vibrant forms kam". Und von da aus navigiere ich in die Gegenwart. Dazwischen: 16 Jahre Stille. (Ja, ich weiß, Fluxion hat weiter veröffentlicht. Aber halt keine Vibrant forms.)

Und nun kommen 75 Minuten in Musik gepresste Stille. Aber nicht Stille im Sinne eines John Cage, sondern von Ruhe und Entspannung. In der letzten Zeit hatte das Label Subwax aus Barcelona von sich reden gemacht, indem es die Vibrant forms I & II neu aufgelegt hat. Und schon seit Anfang des Jahres machte sich das Gerücht breit, dass es eine Vibrant forms III geben wird. Kurze Zeit später tauchte sie bei discogs.com auf und relativ schnell gaben einige Leute an, dass sie die Scheibe schon haben. Tatsache war, dass sie erste diese Woche veröffentlicht wurde.

Mein mir zugewiesener Musikverteiler boomkat.com ließ sich zur Aussage hinreißen, die Vibrant forms III würde Material aus der Zeit der ersten beiden Teile enthalten - zumindest solange nicht anderweitig bewiesen. Beim ersten Durchhören dachte ich "Nein, dass klingt zu sehr nach den neuen Veröffentlichungen." Doch gerade läuft sie das erste Mal komplett durch und ich revidiere meine Aussage. Wenn das neu ist, ist es ziemlich gut gelungen. Auf jeden Fall ein gelungener Nachfolger und würdiger Träger des Titels "Vibrant forms".

Man wünscht sich doch immer eine ruhige und entspannte Weihnachtszeit - die werde ich jetzt haben!

Ulrich Schnauss – No further ahead than today

Jan 0

Irgendwann 2000/2001 tauchte ein Live-Mix auf, dessen Sound viel versprach - chillig, so richtig zum Hinhocken und einfach zuhören. Wenn man es kritisch betrachtete, war es vielleicht etwas schnulzig, aber trotzdem - da hatte jemand viel Liebe reingesteckt. Wenig später verschwand der Mix wieder und irgendwann erschien ein Hinweis: Ulrich Schnauss - Far away trains passing by. Diese CD erschien auf City Centre Offices und war - nachdem ich reingehört habe und viele Stücke aus dem Mix wiederfand - sofort mein. Und alles begann mit "Knuddelmaus"... Kritiker meinten, es wäre zu schnulzig, zu rund, ohne Kanten, mussten aber anerkennend feststellen, dass es vielschichtig, durchdacht und abwechslungsreich war.

Zwei Jahre später folgte dann "A strangely isolated place". Irgendwie hatte ich den Mix noch und jetzt war die Sammlung komplett. Die Titel, die noch nicht auf dem ersten Album waren, wurden hier nachgelegt. Der Sound ähnlich, doch schimmerten hier auch ein paar Tracks durch, die etwas schneller waren. Es folgten vier Jahre Ruhe - hier und da tauchte mal ein Track auf, z.B. "Suddenly the trees are giving way" auf Sutemos. Erst 2007 legte er mit "Goodbye" nach. Und solche Titel wirken schwer. Denn es ging so weiter - immer wieder mal eine Kollaboration, doch kein neues Album. Erst 6 Jahre später ging es mit "A long way to fall" weiter. In den Rezensionen kristallisierte sich die Meinung heraus, dass Ulrich Schnauss erwachsen geworden wäre und jetzt auch endlich so klingt.

Wir schreiben jetzt das Jahr 2016 und es passiert etwas wunderbares. "No further ahead than today" erscheint und macht die letzten beiden Alben, ach was sag ich, ein ganzes Jahrzehnt ungeschehen und setzt genau da an, wo "A strangly isolated place" aufhörte. Ich liege in der Wanne kann es einfach nicht fassen - dieses Album. Auch wenn ich einen kleinen Hauch an Kritik loswerden muss, denn es ist im Vergleich zum Einheitspreis der Alben in den verschiedenen Stores überall teurer. Aber das ist ein kleines Schmerz zu so viel Linderung wie dieses Album verteilt.

Aphex Twin 2.0

Jan 0

Man könnte behaupten, Nina Kraviz hat den großen Wurf gelandet. Dieser Typ - Bjarki - bringt im Jahre 2015 eine Zwei-Track-Scheibe mit dem Kracher "I wanna go bang" raus und dann Ruhe. Bis zum späten Frühjahr und dann rumpeln innerhalb von einem halben Jahr drei Longplayer ("B", "Lefhanded Fuqs" und "AE") auf den Markt. Ich finde solche Tendenzen immer gefährlich. Leute, die viel Musik innerhalb von kürzester Zeit veröffentlichen, bringen viel Schrott raus oder die Qualität fängt ab der zweiten Scheibe an, drastisch zu sinken. Oder es tritt das Schlimmste ein - ich mag nicht mehr, hab den Kanal voll von immer dem gleichen Sound.

1:0 für Bjarki - denn der hat schon beim ersten Album gezeigt, dass er zielsicher zwischen Ambient, Downtempo, IDM und rüpelhaften Technobrechern hin- und herspringt, ohne sich wirklich festlegen zu wollen, in welche Schublade er denn jetzt gehört. Und genau dieser Punkt macht ihn mir sehr sympatisch. Mal poltert er wie ein wilder Troll - ich fange schon an genervt auf den Player zu schauen und im nächsten Moment fächelt ein sanfter Ambient um meine Ohren. In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, dass er so ca. 10 Tracks pro Tag produziert und auch nicht groß darüber nachdenkt, was er da macht. Ich bin gerade mitten im zweiten Album ("Lefhanded Fuqs") und es schlurft "EL" durch den Kopfhörer und für einen Moment vergesse ich, dass ich Bjarki höre und glaube mitten im Abfahrt-Hinwil-Album zu stecken oder vielleicht auch Arovane. Es ist ein Traum.

Und genau dieses ungebremste Wilde und Experimentierfreudige - das, was ich vor ca. 20 Jahren in einem Aphex Twin gesehen habe - kommt jetzt wieder. Nur ohne die Affektiertheit eines Richard D. James, der jahrelang von seinen tausenden Demos erzählte und erst Anfang letzten Jahres zu erkennen gab, dass es sich nicht um ein Phantom handelt, sondern diese Tracks tatsächlich existieren. Man merkt auch, wie schnelllebig die Zeiten geworden sind. Mitte der 90er - jedes Jahr ein Album veröffentlichen? Der blanke Ausverkauf! 2016: 3 Alben in einem halben Jahr - Läuft!

Für den König!

Jan 1

Letztes Wochenende stand mal wieder im Zeichen des Dresden Marathons. Die letzten beiden Jahre habe ich nicht teilgenommen, irgendwie wollte es nicht klappen. 2014 hatte ich mir ja den Marathon als Ziel gesetzt, aber da machte mir das Wetter jedes Wochenende einen Strich durch die Rechnung. Und dann wurde ich auch noch krank und damit hatte sich dann alles erledigt. Aber wenigstens den Halbmarathon hätte ich machen können, habe ich mir so gedacht, als wir an dem Wochenende in Dresden waren. Und 2015 fiel wegen Urlaub aus.

Dieses Jahr klappte es aber wieder. Ein schöner Sommer ermöglichte mir regelmäßiges Training und ich trainierte hart. Meine einfache Bergroute (5km mit 100m hoch und wieder runter) erweiterte ich in einen Pendellauf (erst 2, dann 3 mal hin und zurück), sodass ich auf 12km mit 300m hoch und wieder runter kam. Ich habe schon in den vergangenen Jahren festgestellt, dass ich mit solchen Bergläufen besser klarkomme, als mit Tempowechseln. Denn 1 bis 2 Wochen nach den Bergläufen stellte ich immer eine Verbesserung meiner Zeiten fest. Und so auch dieses Mal: während ich im Anfang August noch die Strecke mit einer Pace von 5:52 min/km lief, wurden darauf bis Ende September 5:39 min/km.

Was mich zum nächsten Thema bringt: Laufgeschwindigkeit. Die Trainingspläne unterscheiden ja immer zwischen Ausdauertraining, was in der Regel langsames Laufen bedeutet und den Tempoläufen. Tut mir leid, langsam kann ich nicht mehr. Ich will mein Tempo laufen, bei dem ich mich wohl fühle. Ansonsten lief mein Training immer so, dass ich drei Läufe auf die Woche verteilte, die in Summe auf irgendwas zwischen 25 und 30 Kilometern brachte. Aber auf jeden Fall immer einmal Bergtraining die Woche!

Schon fast gruselig ist, dass ich mit dem Training für den Halbmarathon erst Mitte Juli angefangen habe. Davor plätscherte mein Laufverhalten so hin - ca. 1 mal die Woche. Trotzdem setzte ich mir für dieses Jahr das Ziel: Unter 2 Stunden bleiben. Im Juli lag meine Pace noch bei 6 min/km und eine Woche vor Marathon machte ich nochmal einen Testlauf über 10km in der Geschwindigkeit, die ich auch beim Halbmarathon laufen wollte. Ergebnis: neuer Streckenrekord in 53:51min, was einer Pace von 5:21 min/km entspricht. Ich war begeistert und fühlte mich gut vorbereitet. Einziges Manko war, dass plötzlich alle auf Arbeit anfingen zu schnupfen und zu husten. Krank werden wollte ich gar nicht.

Ich war tierisch nervös vor dem Wochenende - fühlte ich mich nicht ein bisschen krank? Würde ich die zwei Stunden knacken? Wie wird das Wetter? Die ganze Woche regnete es immer wieder und es war kalt - so um die 8°C. Doch für den Sonntag versprachen alle Prognosen keinen Regen. Wir fuhren Samstag nach dem Mittag nach Dresden und gingen zur Laufmesse. Es regnete in Strömen. Ich holte meine Startnummer, teste nochmal meinen Chip und dann gingen wir in die Neustadt ins Jaipur, indisch essen. War lecker, aber nicht so gut, wo wir schon mal da waren.

Ich stehe Sonntag früh auf und schaue raus: Nebel mit der Vorahnung auf wolkiges Wetter. Die Wetterfrösche schienen Recht zu behalten. Also los - Frühstücken, Laufklamotten anziehen und ab zur Straßenbahn. Kriszta fuhr in der Zwischenzeit mit dem Fahrrad in die Stadt. Mein Plan war eigentlich ein langärmliges Shirt drunter zu ziehen, darüber ein kurzärmliges und darüber noch ein langärmliges Shirt, was den Wind abhält. Schließlich zeigte das Thermometer früh noch 3°C. Aber Kriszta überredete mich, die oberste Schicht weg zu lassen, was sich als gut erwies. Ich sortierte mich in der Startaufstellung etwas vor den 4-Stunden-Läufern ein, schließlich wollte ich ja unter 2 Stunden ankommen. Der Startschuss fiel und es ging los.

Es war das erste Mal, dass ich auf der neuen Strecke lief, die über die Waldschlösschenbrücke führte. Von den letzten Läufen hatte ich es immer in Erinnerung, dass sich das Feld relativ schnell auflockerte. Diesmal nicht, ich lief immer in einem Pulk von Leuten, manchen fielen zurück, manche überholten. Meine Smartwatch hatte ich so eingestellt, dass sie meinen Puls zeigte, weil mir das wichtiger war, wie die Zeit. Wie gewünscht, pendelte ich mich so zwischen 140 und 150 ein. Mit dem Tempo war ich auch zufrieden. Zwischendurch sah ich immer wieder Kristza, die - wenn es möglich war - mich auf dem Fahrrad begleitete. Die Sonne kam nicht wirklich raus, aber es war trocken und ausreichend warm. Zwischen Kilometer 15 und 16 wurde es plötzlich unangenehm - ich spürte, wie meine rechte Wade begann zu verkrampfen. Das hatte ich die Wochen zuvor schon immer wieder mal gemerkt, aber mit ausreichend Magnesium unter Kontrolle gebracht. Ich versuchte mit einem veränderten Laufstil dem entgegen zu wirken, aber es wurde eher schlimmer als besser, sodass ich wieder auf den alten Laufstil wechselte. Nach Kilometer 17 hörte es dann wieder auf. Nur sah ich auf einmal, wie neben mir der Läufer mit der 4-Stunden-Markierung auftauchte. Ich musste langsam wieder etwas Gas geben. Es waren noch ca. 3 Kilometer und ich wollte ja mein Ziel erreichen.

Ich zog das Tempo an. Kriszta wollte immer stehen bleiben und Bilder von mir machen, aber in dem Moment, wo sie anhielt und das Smartphone gezückt hatte, war ich schon vorbei. Es folgte der Einlauf in die Zielgerade und ich sah: 1:56:irgendwas und setzte zum Schlussspurt an. Überglücklich blieb ich hinter dem Ziel stehen und nahm meine Finisher-Medaille in Empfang, schnappte mir ein isotonisches Getränk und ging zu Kriszta. Ich verschnaufte etwas und zog Schicht für Schicht wieder an. Auf dem Weg nach Hause checkte ich die Zeiten. Es dauerte noch 10 Minuten, dann hatte ich meine offizielle Netto-Zeit: 1:55:36. Ich schaute nochmal auf die Medaille - sie zeigte König Johann, den Reiter, den man vor der Semperoper sieht.

Biosphere – Microgravity

Jan 0

Die Patashnik von Biosphere gehört mit zu meinen liebsten Alben. Als 1994 die Werbung für Levi's rauskam, war ich hin und weg. Und dann dieses Album - ein ständiges Schweben zwischen chilligem Techno und Ambient. Aber für mich waren alle Alben die danach kamen, nicht mehr vergleichbar. Und jetzt entdecke ich die Microgravity. Original erschienen 1991 und letztes Jahr remastered. Also nehme ich mir die Zeit und höre das Album an und bin sprachlos - eigentlich genau wie die Patashnik, vielleicht noch nicht so ganz ausgereift, aber für den Sound von 1991 schon extrem weit entwickelt.

Und während mein Geist wieder ganz entspannt zwischen den zarten Fäden der ambienten Sounds hängt, fällt mir auf, dass ich einen Song kenne: Cloudwalker. Seinerzeit Bestandteil des 3 Lux-3 Videos. Um aber dem Gedanken nachzuhängen, fällt mir auf, dass es in letzter Zeit viele Wiederveröffentlichungen früherer Releases gibt. Gerade von den Künstlern selbst, wie jetzt Biosphere, Oliver Lieb, Uwe Schmidt... um nur einige zu nennen. Weiter so, Jungs! Ich bin überzeugt, dass ich noch große musikalische Lücken habe.

The I in „The White Room“

Jan 0

Es war zu der Zeit, als "3 a.m. eternal" ziemlich populär war. Und da erschien "The white room". Ein Freund aus der Lehre und ich haben damals immer im disc-center Katalog bestellt. Das war quasi der iTunes Store auf Papier. Man bestellte per Postkarte und ca. 2 Wochen später kam ein Paket mit CDs und Platten. Es kam ziemlich häufig vor, dass wir Fehlpressungen in den Händen hatten, d.h. Cover und CD-Aufdruck versprachen völlig anderen Inhalt wie eigentlich drauf war.

Und jetzt hielt ich die KLF-CD in meinen Händen, legte sie in den CD-Player ein und ließ laufen. Es fing ruhig an und spulte vorwärts, 15 Sekunden, 30 Sekunden, 1 Minute. Und was ich hörte, hatte ziemlich wenig mit dem zu tun, was ich mir von der CD versprach. Langsames Gedudel und ein Typ, der vor sich hinsummte. Also sprang ich auf den nächsten Titel vor. War schon besser, aber was war hier los, hatte ich eine Fehlpressung? Also auf zum dritten Titel - 3 a.m. eternal. Ja, das war der Titel. Meine Laune normalisierte sich und ich ging zurück auf Anfang.

Irgendwann fing dann auch nach 1,5 Minuten What time is love? zu klingen, wie ich es kannte. Nachdem ich das Album komplett durchgehört hatte, war schon klar, dass das Zeug so schräg war, dass es einfach gut sein musste. Und das Gute daran war, dass KLF irgendwie eine allgemeine Schnittstelle zur Musik geschaffen hatten. Sie waren Techno, sie waren Dance, sie waren Pop... egal, wen ich fragte, KLF war Musik die akzeptiert wurde.

Was ich am disc-center Katalog liebte, waren die Rabattstaffelungen. Ab einem Einkaufswert von z.B. 30 DM gab es einen Artikel für 1,99 DM gratis dazu, ab 50 DM dann einen 3,49 DM usw. Da wir immer große Bestellungen auslösten, kamen etliche Artikel für 7,49 DM dazu. Und das waren meistens die originalen Maxis von KLF von What time is love? und 3 a.m. eternal - die Varianten, die 1988/89 auf ihrem eigenen Label KLF Communications erschienen. Wenn ich mir heute überlege, dass ich die Teile gratis dazu bekommen habe und wenn ich sie heute über discogs verkaufen würde, bekäme ich locker 20 Euro dafür. Und das spricht auch für die Musik, die sie veröffentlicht haben. Im Gegensatz zu "Hat keiner - will keiner" haben sie durch das Einstampfen ihres gesamten Backlogs nur Raritäten erschaffen.

Und heute - 25 Jahre später? Ich genieße es, wenn ich das Album höre - es fängt mit dem Typen an, der vor sich hinsummt und was von den Justified and Ancients singt, dann kracht es... Kick out the jams!

Korsika (Schnelldurchlauf)

Jan 0

Das Ziel der Naughty Girl II ist es, einmal die Insel Korsika zu umrunden. Startpunkt war Bastia. Da das Wetter am Nordkap nicht mitspielte, sind wir erstmal Richtung Süden gefahren. Wetter bedingt sind wir nicht wirklich gut voran gekommen, sodass die Entscheidung gefragt war, ob das Schiff die zweite Woche den gleichen Weg wieder zurück fährt. Skipper und "1. Offizier" beschlossen ordentlich aufs Gas zu drücken, sodass wir am Ende der ersten Woche in Ajaccio sind. Aus diesem Grund müssen wir ordentlich Seemeilen schrubben.

Wir frühstücken gemütlich in Bonifacio und danach jockeln (d.h. fahren mit dem Motor) wir bis in die Bucht von Propriano. Der Himmel ist leicht wolkig und wir genießen die Aussicht. Als wir uns einen Platz in der Bucht gesucht haben, gehen wir vor Anker und fahren mit dem Beiboot ans Land. Der Turm hier macht pünktlich 17 Uhr zu, auf halber Strecke nach oben kommt uns die Kassiererin entgegen. Das wird uns auch erst klar, als wir oben vor verschlossener Tür stehen. Wir gehen wieder runter, laufen noch am Strand entlang und gehen dann wieder an Bord. Da es unser letzter Abend an Bord ist, kochen wir noch einmal. Als wir noch draußen sitzen, schnauft es auf einmal. Wir drehen uns um und sehen wir die Rückflosse eines Delphins ganz elegant aus dem Wasser kommt, es schnauft wieder und er verschwindet wieder unter Wasser.

[caption id="attachment_7413" align="alignnone" width="500"]In der Bucht bei Propriano In der Bucht bei Propriano[/caption]

Am nächsten Morgen geht der Motor schon kurz nach 7 Uhr an und wir tuckern los. In der nächsten Bucht machen wir Frühstück. Die Sonne scheint schön warm, wir packen unsere Sachen ein. Gegen 12.30 Uhr erreichen wir den Hafen von Ajaccio. Wir sitzen noch etwas zusammen, essen eine Kleinigkeit und dann laufen wir zum Bahnhof, denn gegen 15 Uhr fährt unser Zug zurück nach Bastia. Die Sonne meint es gut, aber die Taschen sind höllisch schwer. Mein T-Shirt ist am Rücken klatschnass, als wir am Bahnhof ankommen. Ich bleibe noch eine Viertelstunde draußen stehen, um zu trocknen, denn der Zug ist klimatisiert. Kriszta reserviert uns in der Zwischenzeit einen schönen Platz im Zug. Die Aussicht während der Fahrt ist überragend. Wenn ich jemandem eine Empfehlung auf Korsika geben sollte, dann ist es die Zugfahrt von Ajaccio nach Bastia. Korsika hat Berge, die bis 2.700m hoch sind und noch weiße Gipfel haben und tiefe Schluchten, wo wilde Bäche tosen. Und mittendrin fährt der Zug entlang.

Wir erreichen Bastia gegen 19 Uhr, befreien unser Auto aus der Tiefgarage und fahren wieder nach St. Florent, wo wir wieder im Madame Mere gebucht haben. Dort verbringen wir die Nacht, machen am nächsten Morgen einen Kurzeinkauf, sodass wir ein bisschen Verpflegung für die nächsten Tage haben und frühstücken. Auf den ersten Blick erscheinen 5 Euro doch ziemlich viel für ein Frühstück, besonders wenn da das Wort "Petit" drin auftaucht. Aber ein halbes Baguette, ein Croissant, Marmelade, Butter, ein Orangensaft und ein Café machen das ganze - zumindest für mich - zu einem vollwertigen Essen.

Korsika (In den Händen des Mistral)

Jan 0

Da Solenzara keine Sehenswürdigkeiten bietet, fahren wir am nächsten Morgen gleich früh los. Der Wind steht gut und wir setzen Segel. Kaum waren die Segel oben, huscht eine Hand voll Delphine am Boot vorbei. Doch leider haben wir nicht genügend Fahrt, um sie bei Laune zu halten. Schnell schwimmen sie weiter. Und kurz darauf dreht der Wind und wir müssen mit Motor weiter fahren. Mittags ankern wir in der Bucht von Fautea. Dort steht wieder einer von den vielen Türmen, welche die gesamte Insel zieren. Sie dienten als Wachtürme, um rechtzeitig fremde Schiffe zu erkennen. Ähnlich wie bei "Herr der Ringe" wurde im Gefahrenfall auf einem Turm Feuer entzündet, der Nächste sah es, entzündete wiederum sein Feuer, bis die gesamte Insel gewarnt war, dass sich Feinde nähern.

Am Nachmittag verlassen wir die Bucht und setzen wieder Segel. Auch diesmal dreht der Wind schnell bis wir regelrecht Gegenwind haben. Weiter geht die Fahrt mit Motor. Unser Tagesziel lautet Porto Vecchio. Wir versuchen mehrere Optionen beim Ankern abzuwägen, bis wir in den Hafen fahren, sodass es erst 20 Uhr ist, als wir endlich ankommen. Es ist sehr kühl am Abend und kurz nach dem Essen verkriechen wir uns, weil es so kalt ist.

[caption id="attachment_7408" align="alignnone" width="500"]Das Stadtzentrum von Porto Vecchio Das Stadtzentrum von Porto Vecchio[/caption]

Als wir am nächsten Morgen frühstücken, erfahren wir, dass das Boot bis 12 Uhr abgelegt haben muss, da wir sonst die Hafengebühr für den nächsten Tag löhnen müssen. Also gilt es schnell die Altstadt von Porto Vecchio zu erkunden. Es ist noch warm, aber schon durchgehend wolkig. Bis auf die unmöglich beklebte Kirche gefällt uns der Ort sehr gut. Kurz vor 12 sind wir am Boot, machen alles startklar und legen los. Wir nutzen den Wind, der vom Land kommt. So kommen wir mit vielen Wendemanövern gut voran, werden aber immer wieder von Böen überrascht - einmal schwappt eine Welle übers Deck und ich werde klatschnass. Mittlerweile hat der Wetterdienst Gewitter für den Abend angekündigt. Die Suche nach einer Bucht gestaltet sich schwierig, da alle Buchten, die als frei markiert sind, mit gelben Sperrbojen verbaut sind. Letztendlich landen wir in der Bucht des Plage de Santa Gulia. Wir werden vom Wind hin und her geworfen, sodass es gar nicht so einfach ist, an der Boje fest zu machen. Der Strand ist richtig schön, die Sonne hat aber keine Chance gehen die dunkelgrauen Wolken. Da wir alle etwas nass geworden sind, hängen wir unsere Sachen zum Trocknen raus, müssen sie dann aber wieder rein nehmen, da es beginnt zu regnen.

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Es ist unsere erste Nacht, die wir nicht im Hafen schlafen. Durch den Wind gluckst es die ganze Nacht. Jeder kann sich wohl vorstellen, wie der Organismus darauf reagiert, wenn es die ganze Zeit draußen plätschert. Als früh der Motor angelassen wird, drehen wir uns noch ein paar Mal rum, bis wir rauskrabbeln. Nächster Stopp ist Bonifacio und es wird spannend. Der Wetterdienst meldet Sturm. Natürlich Gegenwind - es weht und schaukelt, bleibt aber alles im Rahmen. Mittags erreichen wir die Stadt. Bevor wir zu unserer Erkundungstour aufbrechen, vernichten wir die Reste vom Abendessen. Heute gehen wir das erste Mal allein auf Entdeckung. Immer wieder regnet es, teilweise sehr heftig. Wir haben Glück und können uns immer wieder unter stellen bzw. essen Eis / trinken Kaffee. Als der Regen nachlässt, gehen wir zurück zum Boot und laufen mit den anderen in die Stadt. Wir suchen uns ein schönes Restaurant, doch leider tut sich die Bedienung in jeder anderen Sprache außer Französisch schwer und deshalb bekommt Skipper Klaus zwei Hauptspeisen.

Auch diese Nacht gluckst es wieder, aber ich schlafe wesentlich ruhiger. Um 7 Uhr werden wir munter und schleichen uns leise an Land. Wir wandern Richtung Leuchtturm und werden nicht enttäuscht. Im Hintergrund hängen dunkle Wolken und immer wieder bricht die warme Morgensonne durch und erleuchtet die Stadt. Auf dem Rückweg unserer Wanderung bringen wir frisches Baguette mit und wir frühstücken.

Korsika (vom Meer betrachtet)

Jan 0

Unser Plan auf Korsika war folgender: Eine Woche mit einem Kollegen und Freunden segeln und die zweite Woche campen quer durchs Land. Da wir auf Nummer sicher gehen wollten, waren wir schon einen Tag eher auf Korsika, bevor wir das Boot bestiegen.

Erste Aufgabe war es, eine sichere Unterkunft für das Auto zu finden, während wir auf dem Boot sind. Unsere erste Idee war es im Yachthafen von Bastia nachzufragen, ob wir das Auto dort parken dürfen. Als wir im Port de Toga ankamen, verwarfen wir die Idee relativ schnell. Der Hafen war erst ab 8 Uhr besetzt (am Wochenende gar nicht), es war ein großer Blumenkübel umgeworfen. Kurz gesagt machte es keinen sicheren Eindruck. Schon im Vorfeld hatte ich mir die nähere Umgebung des Hafens angesehen und wusste, dass es ein Parkhaus in der Nähe des Hafens geben soll. Wir liefen hin, schauten uns um, unterhielten uns mit dem Parkhauswächter (der sogar richtig gut Englisch sprach) und wir lagen richtig: Für 21 Euro kann man im Parkhaus St. Nicolas eine Woche parken. Erste Aufgabe erledigt.

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Da wir jetzt jede Menge Zeit hatten, fuhren wir den Tag um den Cap de Corse. Für jemanden der es gewöhnt ist, schnell von A nach B zu kommen, ist die Fahrt nichts. Kurve links, Kurve rechts, enge Straßen, ständig wird man von Motorradfahrern überholt, die einfach die Strecken abheizen. Man hat das Gefühl, man kommt nicht vorwärts. Auf dem Weg nach St. Florent gönne ich mir noch ein leckeres Panini und am späten Nachmittag kommen wir an, checken im Hotel Madame de Mere ein und erkunden die kleine Stadt. Ich bin noch von meinem Panini pappsatt, aber Kriszta hat ordentlich Hunger. Wir lesen, dass es hier üblich ist erst ab 19 Uhr Essen zu gehen und dann gemütlich bis spät am Abend in der Gaststätte sitzen zu bleiben. Eigentlich überhaupt nicht unser Ding. Kriszta probiert sich an einem Drei-Gänge-Menü und ich versuche mich an einem einheimischen Bier.

Als wir am nächsten Morgen munter werden, hören wir, wie es regnet. Wir lassen uns Zeit mit dem Aufstehen und gehen erst gegen 8 Uhr frühstücken, wo es nochmal regnet. Da das Boot erst am Nachmittag in Bastia ankommt, chillen wir noch ein bisschen auf den Hotelzimmer, mittags gehen wir Muscheln essen. Zwischendurch hören wir von unserem Kollegen, dass sie momentan bei Elba hängen geblieben sind, weil sich dort Gewitter zusammen brauen. Also lassen wir uns viel Zeit. Auf einmal heißt es: Wir sind in einer Stunde da. Wir nehmen schnell den kurzen Weg durch die Berge. Es ist eine fantastische Aussicht, leider haben wir keine Zeit sie zu genießen.

Im Hafen angekommen, sehen wir auch schon das Boot und zeigen dem Skipper Klaus, wo ein freier Platz ist. Nachdem angelegt ist, laden wir unser Zeug ein und fahren das Auto ins Parkhaus. Heute haben wir weniger Glück, ein neuer Parkhauswächter, der überhaupt kein Englisch spricht. Aber wir werden uns schon einig. Mit dem Rest der Crew treffen wir uns am Platz über dem Parkhaus. Danach erkunden wir etwas die Altstadt und gehen Essen. Ich habe nicht so den Hunger und teile mir ein Menü mit meiner Frau. Wir laufen anschließend zum Boot zurück, denn wir haben eine lange Strecke vor uns. Da das Wetter auf der Westküste ungünstig ist, nehmen wir einen Kurs Richtung Süden.

[caption id="attachment_7396" align="alignnone" width="500"]Ein einsamer Strand - nur für uns Ein einsamer Strand - nur für uns[/caption]

Es folgt die Nacht der glücklichen Fische. Wir sitzen noch eine ganze Weile draußen und plaudern. Kriszta ist es ein wenig schummerig zumute, also beschließen wir, ins Bett zu gehen. Folgenschwerer Fehler: Als meine Frau merkt, dass ihr übel wird, schafft sie es nicht mehr aus der Kajüte. Ich packe es immerhin noch bis zum Waschbecken. Wir werden in Decken gepackt und an Deck gebracht. Abwechselnd rennen wir zum Heck des Schiffs und lassen den Fischen auch was vom 3-Gänge-Menü zukommen. Das geht die ganze Nacht so. Später gesellt sich noch die Frau des Skippers dazu, offensichtlich sind wir eine gute Inspiration. Zu unserem Nachteil können wir mit dem Schiff auch nicht Richtung Land fahren, denn wir befinden uns mitten in einem militärischen Korridor. Also bleibt uns nichts übrig, als auszuharren. Es ist ein schönes Gefühl, als die Sonne aufgeht. Ich bin absolut fertig, denn sobald mir die Augen zufallen, wird mir wieder übel. Kurz nach Sonnenaufgang suchen wir uns eine schöne Bucht und gehen vor Anker. Wir legen uns alle erstmal kurz hin, bevor wir mit dem Dingi ans Ufer fahren und eine Runde spazieren gehen. Es ist herrlich - soweit man links und rechts schauen kann, ist Strand und kein Mensch zu sehen.

Nach unserem Strandausflug frühstücken wir und fahren nach Solenzara weiter. Der Ort unspektakulär, dafür haben wir schöne Wolkenformationen. Es handelt sich um Lenticularis-Wolken, die Anzeichen des Mistral sind, ein Fallwind, der aus dem Rhonetal kommt und bis nach Korsika reicht. Diese werden im Laufe der nächsten Tage immer häufiger, größer und mächtiger. Ein Anzeichen, dass das Wetter umschlägt...