Ich habe mehrfach begonnen und immer wieder alles verworfen, denn es ist nicht einfach, Worte für den Tod von Robin Williams zu finden. Er war bekennender Alkoholiker, er war depressiv und er hatte Parkinson im Anfangsstadium. Dieser Schauspieler hat vielen Menschen mit seinen Rollen das Lachen gebracht, doch diese Filme mochte ich nicht – schon Mork vom Ork war mir viel zu albern. Und dann lieh mir René den „Club der toten Dichter“ aus, zu einer Zeit, wo ich an eine Liebe glaubte, die nicht da war. Und ein Zitat blieb hängen.

Ich ging in die Welt, denn ich wollte wohlüberlegt leben, intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht Leben war, damit ich nicht in der Todesstunde inne wurde, das ich gar nicht gelebt hatte.

Das war ungefähr zu der Zeit, wo „Good Will Hunting“ erschien und dieser Film ist auch derjenige mit dem ich Robin Williams am ehesten assoziiere, denn er war einfach ein Mensch. Mit Fehlern, mit Schmerz im Herzen, den er nicht nach außen zeigte – vielleicht war er in dieser Rolle sich selbst am nächsten. Und heute beim Joggen dachte ich über verschiedene Dinge nach, z.B. wenn es jemals einen Film über ihn geben sollte, wer am besten seine Rolle spielt und der erste irrsinnige Gedanke, der mir durch den Kopf schoss war, dass er selbst am besten dafür geeignet wäre. Und wer sollte am besten seinen Nachruf halten, für alle, die um ihn trauern, wenn nicht er selbst…

Ich habe mich etwas schwer getan, das Gesagte zu verstehen, deswegen hier der Auszug aus dem Film „Jack“ der von einem Jungen handelt, dessen Körper mit 4-facher Geschwindigkeit altert und er nun als alter Mann eine Rede bei seinem Schulabschluss hält.

Please, don’t worry so much, because in the end none of us have very long on this earth – life is fleeting. And if you’re ever distressed, cast your eyes to the summer sky when the stars are strung across the velvety night, and when a shooting star streaks through the blackness turning night into day, make a wish and think of me. Make your life spectacular. I know I did.

Ich bin letztens auf ein paar Bilder gestoßen, wo ich im ersten Moment den Verdacht hatte, es wäre ein weiteres Projekt im Sinne von Desktopography, die ich nun seit vielen Jahren verfolge. Als ich weiter las, wurde ich erleuchtet – es war ein Wettbewerb von einem Architekturmagazin namens „eVolo„, der jährlich statt findet. Ziel sind Wolkenkratzer, aber offensichtlich geht es dabei weniger um Machbarkeit als um die Idee, die dahinter steht und futuristisches Design. In gewisser Weise erinnern mich manche der Bauten an die abgefahrenen autonomen Wolkenkratzer, die man in Simcity 2000 bauen konnte. Schade an den Bildern ist, dass sie im Gegensatz zur Desktopographie nicht als Hintergrundbilder skaliert und heruntergeladen werden können.

1q84Auf der Weltreise hatte ich ja durch einen glücklichen Umstand die Hardcoverausgabe von „1Q84 – Buch 1 & 2“ von Haruki Murakami gefunden. Das Buch musste auf Grund seines Gewichts irgendwann auf der Strecke bleiben. Deswegen kaufte ich mir vor kurzem die Paperbackausgabe und den Nachfolger „1Q84 – Buch 3“. Es war schön nochmal zu lesen, wie sich die Geschichte entwickelt und kann den Enthusiasmus vom 1. Teil immer noch nachvollziehen, auch wenn ich mich nicht mehr an das Ende des ersten Buches erinnern konnte. Spannend erzählt und mysteriös – das typische Murakami-Universum, dass an „Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt“ erinnern ließ. Um es einfacher zu machen, spreche ich jetzt von Band 1 (= Buch 1 & 2) und Band 2 (= Buch 3).

Jetzt wo ich beide Bände gelesen habe, muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Jeden Abend wenn ich den zweiten Band aus der Hand legte, lächelte mich die Schlagzeile einer Rezension – die „Romeo und Julia unseres Jahrtausends“ titelte – an. Relativ schnell wurde mir klar, im zweiten Band wird der Faden nicht weiter gesponnen, sondern es geht nur noch darum, dass die Helden Tengo und Aomame zusammen kommen. Im ersten Teil wird man die Charaktere und das Universum eingeführt. Man lernt Tengo – den stämmigen Mathelehrer und Hobbyschriftsteller und Aomame – die Fitnesstrainerin und Hobbykillerin kennen. Beide kennen sich aus frühester Kindheit, wo beide einen magischen Moment erlebten, als Aomame für kurze Zeit Tengos Hand ergriff. Die Geschichte spielt 1984 und beide Protagonisten geraten durch merkwürdige Umstände in eine Parallelwelt, die von Aomame als 1Q84 bezeichnet wird. Tengo bekommt von einem Verlagsleiter den Auftrag eine Geschichte von Fukaeri umzuschreiben, damit sie einen Preis gewinnt. Die Arbeit gelingt Tengo hervorragend und das Buch wird ein Bestseller. Hintergrund der jungen Fukaeri ist, dass sie Tochter eines mächtigen Sektenführers ist, der „Leader“ genannt wird.

Aomame wiederrum ist Fitnesstrainerin für eine alte Dame, der es nicht an Geld und Macht mangelt. Diese alte Dame versorgt Aomame von Zeit zu Zeit mit Aufträgen, Männer umzubringen, die Frauen geschlagen, vergewaltigt haben oder maßgeblich an ihrem Tod beteiligt waren. Aomame ist Spezialistin auf ihrem Gebiet und schafft es, diese Männer ohne das Zurückbleiben von Beweisen ins Jenseits zu befördern. Eines Tages bekommt Aomame den Auftrag, der ihr Leben verändern soll. Er ist mit so viel Risiko behaftet, dass sie eine neue Identität und ein neues Gesicht von der alten Dame erhalten soll. Die muss den Führer einer Sekte umbringen, der Sex mit Kindern hatte. Als alles vorbereitet ist und Aomame beim mysteriösen Leader unter dem Vorwand einer muskelentspannenden Massage einen Termin hat, stellt sich heraus, dass er von Aomames Auftrag weiß und seinen Tod herbeisehnt, weil er unter unerträglichen Schmerzen leidet.

Der Leader erklärt Aomame aber noch, dass es nicht um Sex ging, als dass die Kinder als Perceiver – Wahrnehmende – dienten, die ihm, dem Receiver – dem Empfangenden – in einer rituellen Vereinigung die Wünsche der Little People überbrachten. Um diese Little People geht es auch in dem Buch, das Fukaeri aufgeschrieben und Tengo überarbeitet hat. In jener Nacht, als Aomame den Leader umbringt, hat Tengo eine merkwürdige Vereinigung mit Fukaeri, woraufhin – Obacht, jetzt kommt’s – Aomame schwanger wird. In Folge des Todes ihres Anführers setzt die Sekte einen schmierigen Typen namens Ushikawa auf Aomama an. Doch die alte Dame hat gut genug vorgesorgt, dass Aomame von der Bildfläche verschwindet, wie es der Zufall aber so will – nahe dem Ort, wo Tengo wohnt.

Damit endet der erste Band und damit wird es für den zweiten Band schwer. Die Fortsetzung rückt die Rolle von Ushikawa noch mehr ins Rampenlicht, der den Hintergrund von Tengo und Aomame beleuchtet und feststellt, dass beide früher zusammen zur Schule gegangen sind. Also mietet er sich im Haus, wo Tengo wohnt, ein und beobachtet die Leute, die ein- und ausgehen. Dazu gehört auch Fukaeri, die im Laufe des zweiten Teils komplett verschwindet. Tengos Aufgabe im zweiten Teil ist es, sich um seinen alten Vater zu kümmern, der in einem Ort untergebracht wird, dem ein Anstrich von „Hardboiled Wonderland…“ verpasst wird – wenn man den richtigen Zeitpunkt zum Gehen verpasst, bleibt man auf ewig gefangen dort. Das dies aber mit Hilfe einer Analogie eines Romanes gemacht wird, ist und bleibt es der Ort des Altersheims seines Vaters, der später auch dort verstirbt.

Aomame, die fest überzeugt ist, von Tengo schwanger zu sein, will ihre neue Identität nicht eher annehmen, bis sie Tengo gefunden hat. Und wie es die Geschichte so will, finden sich beide nach 570 Seiten und lassen die Welt der Little People, der zwei Monde durch den gleichen Weg, den Aomame seinerzeit genommen hat, um die Welt 1Q84 zu betreten.

Meine Kritik richtet sich an den kompletten Ablauf im zweiten Band. Mir scheint, als wären Murakami beim Schreiben die Ideen ausgegangen…

  • Was wurde aus Fukaeri, die im ersten Band eine tragende Rolle gespielt hat?
  • Tengo wird immer wieder von einer Vision befallen, bei der er seine Mutter sieht, wie ein fremder Mann an ihrer Brust saugt. Diese bleibt komplett auf der Strecke und wird durch die Vermutung, dass Tengos Vater nicht sein leiblicher Vater ist, ersetzt.
  • Wozu die komplizierte Parallelwelt? Während „Hardboiled Wonderland“ ohne die zweite Welt garnicht funktionieren würde, ist 1Q84 völlig belanglos für den Ablauf der Geschichte.
  • Da Murakami mit „Naokos Lächeln“ auch eine wirklich tragische Geschichte einer verlorenen gegangenen Liebe geschrieben hat, hätte der zweite Teil auch prima mit einem tragischen Ende funktionieren können – Aomame opfert ihr Leben, damit Tengo weiterleben kann. So wird es auch im ersten Band angedeutet.
  • Aomame und Tengo kennen sich von zwei Schuljahren, die sie gemeinsam verbracht haben und dabei nie ein Wort miteinander gewechselt haben. Was blieb, war der Händedruck – 20 Jahre später finden sich die beiden und lieben sich bedingungslos? Das ist für mich doch eher das Niveau von Groschenromanen.

Nun ja, die Auswahl der Bücher in den Hostels fällt zum Teil schwer, weil es sehr wenig deutsche Bücher gibt. Also nimmt man notgedrungen schon mal einen Krimi zur Hand. „Gewitter über Pluto“ hieß das Buch, was ich in den Händen hielt, geschrieben von Heinrich Steinfest. Die Rückseite erzählte von einem Pornodarsteller, der seinen Beruf aufgibt und nun einen Laden für Strickzubehör eröffnet und eines Morgens eine Leiche findet. Das versprach witzig zu werden…

Das Buch ist auch witzig, ein sehr unterhaltsamer Erzählstil, der manchmal in sehr merkwürdigen Erkenntnissen gipfelt. So zum Beispiel, als der Protagonist Lorenz beschließt einen Strickladen zu eröffnen, obwohl er keine Ahnung hat und man sich die Frage stellen könnte: Warum gerade einen Strickladen, wo er doch überhaupt keine Ahnung vom Stricken hat. Ja warum auch, der Gott des Todes ist ja auch nie gestorben.

Nach einer Weile des Lesens schleicht sich aber ein ungutes Gefühl ein, der Autor schweift ab. Manchmal nur wenige Sätze, stellenweise bis zu einer ganzen Seite äußert er seine Meinung zum aktuellen Thema und das führt stellenweise sehr weit von der Handlung weg und verleitet dazu, einfach nur querzulesen, denn es ist schlicht uninteressant und überflüssig.

Und dann ist der erste Teil des Buches beendet und es beginnt eine neue Handlungsebene. Eine neue Figur wird eingeführt und im Gegensatz zur Beobachterperspektive wechselt der Autor zum Ich-Erzähler. Diese Figur ist auch noch ein Außerirdischer vom Planeten jenseits des Pluto, der quasi der Pantoffel-James-Bond unter den Außerirdischen ist. Dann entpuppen sich einige der Hauptfiguren aus dem ersten Teil auch als Außerirdische. Gute Idee, dass mal wieder das Thema von „sie sind unter uns“ aufgegriffen wird. Nervig ist nur, dass alles gewaltsam mit Pluto in Zusammenhang gebracht wird.

Ich habe das Buch wirklich gern gelesen, es hat auch Spaß gemacht, bis auf die schon erwähnten Abschweifungen. Wäre das Buch ein Drittel kürzer, wäre der Lesespaß bestimmt ein noch ungehinderterer geworden.

Das schöne in den meisten Hostels ist der Bücheraustausch. Man bringt ein Buch mit und darf sich ein anderes nehmen. Natürlich wird das in den Hostels unterschiedlich gehandhabt, aber meistens ist es so. Nachdem ich mit „1Q84“ fertig war, brauchte ich neue Lektüre.

In einem Hostel entdeckte ich dann „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ von Marina Lewycka. Der Buchumschlag sprach von einem Buch, in dem ein älterer Herr eine junge Frau heiratet, die wie er aus der Ukraine kommt. Nach seiner Hochzeit muss alles erneuert werden – ein Herd für intelligente Menschen, ein besserer Staubsauger, neue Autos usw. Kurz gesagt, die junge Dame nimmt den alten Mann nach Strich und Faden aus und dagegen laufen seine beiden Töchter, die sich nicht ausstehen können, Sturm.

Die Autorin ist selbst aus der Ukraine und als Kind nach England eingewandert. Und genau in diesem Umfeld spielt sich das Buch ab. Es ist aus dem Blickwinkel einer der Töchter geschrieben, am Anfang noch witzig, wie man es von einer englischen Komödie erwarten würde, aber später mischt sich immer wieder der russische Pathos ein. Man möge mir verzeihen, wenn ich russisch und ukrainisch in einen Topf werfe. Beide Länder teilen eine gemeinsame Geschichte, liegen geografisch dicht beiander und sind damit Geschwister im Sinne des Geistes.

Durch unsere Reise durch Russland haben wir eins gelernt – in Russland wird nach wie vor der Sieg über Hitlerdeutschland immer noch gefeiert, als wenn es gestern wäre. Dementsprechend dürfen auch in diesem Buch die Referenzen auf den 2. Weltkrieg bzw. das Regime Stalins nicht fehlen. Es hilft nicht bei der Erzählung weiter, macht sie über weite Teile des Buches schwer und depressiv. Einzig positiver Effekt ist, dass der Opa nicht als seniler, sexgieriger Knilch dasteht, sondern auch eine Geschichte voller Entbehrung und Leid hinter sich hat. Das Ende werde ich mir vorbehalten, es sei nur so viel gesagt, es werden eigentlich alle Klischees bedient, die einem bei der Thematik nur einfallen.

Zweites Buch war mal wieder ein Sachbuch – „Der Maya-Kalender – Die Wahrheit über das größte Rätsel einer Hochkultur“ von Bernd Ingmar Gutberlet. Wie der Titel schon andeutet – hier springt jemand indirekt auf die Panikmache rund um das Jahr 2012 auf, nur dass hier keine Panik geschürt wird, sondern auf die Aufrührer geschimpft wird.

Das Buch bietet zum Anfang einen interessanten Einblick in die westliche Kalenderhistorie. Anschließend geht der Autor auf die Kultur der Maya über und erzählt von den Verhältnissen zur Blütezeit der Mayas. Es folgt ein kurzer Überblick über das Kalendersystem, was vorher schon eingeführt wurde und zum Abschluss wird begründet, warum eine Panik völlig unberechtigt ist.

Das ist die höfliche Formulierung dessen, worum es in dem Buch geht. Betrachtet man es mit offenen Augen, wird man völlig unmotiviert in den Sumpf der europäischen Kalenderrechnung gezogen und fragt sich „Was hat der julianische Kalender mit den Mayas zu tun?“. Aber es geht weiter – es wird die Figur eines Bauern Ben erfunden und dessen Tagesablauf nachvollzogen. Gut und schön, aber es wird regelmäßig der Faden der Geschichte verloren, immer wieder von der Handlung abgewichen, dass der Bauer Ben eher wie ein überflüssiges Anhängsel erscheint.

Mitten im Buch gewinnt man den Eindruck, dass der Mayakalender ein hochkompliziertes Rechenwerk ist, dass man ohne Mathematikverständnis nicht nachvollziehen kann. Es wird immer von Korrekturmechanismen gesprochen und Synchronisierungen, um das Sonnenjahr auf den Kalender abzustimmen, aber diese Mechanismen existieren einfach nicht. Der Mayakalender ist ein Zählwerk, dass täglich weitertickt, wie jeder andere Kalender auch. Und wenn man jetzt noch einen Blick auf die Kapitelüberschriften wirft, glaubt man, der Autor sitzt hochnäsig und selbstgerecht auf seinem Thron und verteilt mit einer Selbstverständlichkeit seine gottgegebene Bildung an das dumme Volk. Im Ganzen gesehen, ein interessantes Buch mit guten Denkanstößen, aber zu viel unnützem Beiwerk und einer selbstgefälligen Erzählweise. Wer den Mayakalender schnell begreifen will, der ist am besten mit der Wikipedia bedient.

Es leuchtete mich in einem Buchladen in Siem Reap an… Haruki Murakamis letztes Werk „1Q84“. Ich hatte es schon auf meiner gedanklichen Liste, aber derzeit ist es nur als Hardcover für 32 Euro in Deutschland erhältlich und hier stand diese Ausgabe für 6 USD vor mir. Da konnte ich nicht nein sagen, egal wie schwer das Buch ist. Es hat gut einen Monat gedauert, bis ich fertig war. Nachdem von „Kafka am Strand“ überhaupt nicht begeistert war, ist dieses Buch wieder ein echtes Highlight und das schlimme daran ist… es ist noch nicht fertig. Die vorliegende Ausgabe enthält nur Buch 1 und 2, Buch 3 erscheint im Oktober wiederum als Hardcover.

Wie immer spinnt Murakami zwei Handlungsfäden, die früher oder später zueinander laufen. In diesem Fall ist es der weibliche Killer und auf der anderen Seite der Mathematikdozent und angehende Schriftsteller. Das beide etwas gemeinsam haben, scheint nicht real, jedoch verbindet beide ein unsichtbares Band seit ihrer Jugend. Mit dieser Vorgabe tauchen beide in eine Welt, die wie die echte erscheint, jedoch sich einige Parameter ändern, Tatsachen, die selbstverständlich erscheinen, werden komplett neu geschrieben. Es ist als ob, ein Schriftsteller eine andere Version der realen Welt erdenkt und es schafft reale Personen in diese Welt zu transportieren und dabei beobachtet, wie sie mit den neuen Tatsachen zurecht kommen. Ich bin schon schwer auf die Fortsetzung des Romans gespannt…

Aus Ermangelung eines Buches gab mir Kriszta Arita Baaijens‘ Wüstennomaden zu lesen. Zusammengefasst geht es in dem Buch um einen Reisebericht der Niederländerin im Sudan – 40 Tage mit Kamelen durch die Wüste.

Sie beschreibt sehr schön das Wesen, die Umgangsformen und die Art der Menschen. Natürlich ist so eine Reise nicht ganz ohne Gefahren und Risiken, schließlich gibt es Kameldiebe und bürokratische Hindernisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Bis zur Hälfte des Buches musste ich mich sehr quälen, denn der Erzählungsstil ist gewöhnungsbedürftig. Mal ist das Tempo sehr schleppend, gerade wenn sie Landschaft beschreibt oder Dinge, die ihr sehr gefallen haben. Nur leider fällt einem die Vorstellung schwer, wie eine Hütte im Inneren aussieht, wenn man keine Vorstellung davon hat, wie Hütten im Sudan aussehen. Dann zieht das Tempo plötzlich wieder an, wenn es mit „Die nächsten Tage…“ weiter geht.

Das Buch hat einen Bildteil in der Mitte, damit man sich ein ungefähres Bild machen kann, doch oftmals beschreibt sie ausführlich Bilder, die sie mit der Kamera gemacht hat, die viel besser in den Bildteil gepasst hätten. Im Anschluss an die 40-tägige Reise beschreibt sie auf den letzten 20 Seiten, wie sie wieder zurückkehrt und nochmal eine Karawane begleitet. Außer dass die Hauptfiguren der ersten Erzählung wieder auftauchen, hängt diese Geschichte überhaupt nicht mit der ersten zusammen und ist für meinen Geschmack lieblos angehängt und geschrieben worden.

Ich habe vor der Leistung von Arita Baaijens diese Reise zu machen, ziemlich großen Respekt, denn solche abenteuerlichen Reisen sind riskant, zumal für eine Frau, die allein reist. Aber wie ich im Rahmen unserer Weltreise gesehen habe, gibt es so viele Blogs und Internetseiten, die sich mit Erlebnissen in allen Teilen der Welt befassen, dass ich das Buch im Gegensatz dazu als mittelmäßig einstufen würde und es mir scheint, als wäre das Buch nur erschienen, weil ein Verlag Geld geboten hat, dass sie für eine ihrer nächsten Reisen braucht.

Während der 100 Stunden in der TransSib führte ich mir mal wieder Sergej Snegows „Menschen wie Götter“ – ein Wälzer von 1000 Seiten – zu Gemüte. Ich hatte es schon mal als Kind gelesen, aber nach der Hälfte mit den Gravitationsschnecken verstandlich aufgegeben. Jetzt folgte das Rückspiel.

Im Jahre 2001 hat sich die Menschheit entschlossen, friedlich zusammen zu leben und der Kommunismus hat gesiegt. 500 Jahre später lebt die Menschheit immer noch friedlich zusammen und erobert den Weltraum. Dabei entdeckt sie neue Welten und fremde Völker. Bis sie eines Tages in den Träumen von engelähnlichen Wesen entdecken, dass es menschenähnliche Wesen gibt, die unterdrückt werden. Natürlich sind diese Unterdrücker (auch nach 500 Jahren Frieden) die erklärten Feinde der Menschheit und müssen sofort vernichtet werden. Die erste Mission wird ein Flopp. Aber trotzdem sind die Heimkehrer die Helden, weil man wichtige Informationen über den Feind gesammelt hat.

Selbstverständlich bricht jetzt die gesamte Menschheit auf und will den feindlichen Unterdrücker vernichten. Soweit kommt es garnicht erst, weil es Freunde unter den Unterdrückern gibt, die überlaufen. Wie der Kampf ausgeht, bleibt im Buch offen, weil jetzt die unterdrückten Galakten befreit sind. Doch da zeigen sich schon wieder neue Unbekannte. Nach einer neuen Beratschlagung bricht man zu den Unbekannten auf, die sich weder sehen, noch hören lassen – haben ja schließlich eine Million Jahre technischen Fortschritt zu den Menschen. Die spielen ein bißchen mit den Menschen, die wiederum von heute auf morgen schaffen, tausende Jahre aufzuholen und durch die zweidimensionale Zeit zu reisen. Und am Ende bedauert man die Verluste und klopft sich gegenseitig auf die Schulter.

Wissenschaftlich ganz nett, aber trotzdem scheint der Autor gerade so Mühe gehabt zu haben, seine Gedanken zu fassen und verständlich zu vermitteln. Außerdem kommt nach 500 Seiten so ein bißchen das Gefühl auf „Ich hab keine Lust mehr zu schreiben und bring das jetzt hier grad mal eben zu Ende“. Ab der Stelle stößt man immer wieder auf Stücke wie „Ich will hier nicht näher drauf eingehen…“. Dafür nimmt er sich eine halbe Seite Zeit, um einen Abschnitt über „Wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich jetzt weiß…“ zu schreiben. Also ich verbuche das Buch als netten Zeitvertreib, aber empfehlen würde ich es niemandem, dazu ist es zu langatmig und stellenweise auch sehr politisch motiviert beschrieben.

Was mache ich eigentlich sonst noch so, wenn ich nicht gerade durch die Weltgeschichte reise, Musik höre oder irgendwelche Blogbeiträge schreibe – richtig, lesen! Es hat sich mittlerweile schon wieder einiges aufgestaut, was besprochen werden will oder wovor man warnen muss.

Musikfreunde unter sich

Ich war schon sehr gespannt, was mich wohl bei dem neuen Nick Hornby erwartet. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass es das Buch durchaus mit „High Fidelity“ aufnehmen will. Also der Vermerk zu „Juliet, Naked“ war schon kurz nach dem Erscheinen hinterlegt, ich musste also eine kleine Ewigkeit warten, bis die Paperbackvariante erschien. Dafür hat sich das Warten gelohnt. Von einem Künstler, der seit Jahrzehnten nicht in Erscheinung getreten ist, tauchen plötzlich Demo-Aufnahmen seines letzten Albums „Juliet“ auf. Ein fanatischer Fan macht sich über das Album her, verfasst eine Rezension darüber und veröffentlicht sie auf seiner Fan-Webseite, die Treffpunkt für alle Fans ist. Seine Freundin, die wegen dem ganzen Theater die Nase voll hat, macht kurz davor Schluss mit ihm und veröffentlicht eine Gegenrezension auf seiner Seite. Natürlich bekommt der Künstler davon Wind und findet, dass sie den Nagel auf den Kopf trifft und schreibt sie an.

Ein sehr unterhaltsames Buch, dass man als Freund der Musik gelesen haben sollte. Es geht nicht nur um Musik und die ganze Philosophie dahinter, sondern auch darum, ob man was aus seinem Leben macht oder sich nur mitreißen lässt und erst später erkennt, ob man zur Gruppe der Mitläufer oder der Enthusiasten gehört. Im selben Moment schafft es Nick Hornby auch den Widerspruch zu zeigen, wie es ist, wenn man einmal der Menschheit etwas geschenkt hat und sich eine Gruppe von Menschen bildet, die alles mögliche in ein Werk hineininterpretieren, wo doch das Werk eigentlich nur ein Ausdruck eines Zeitabschnitts ist und keinesfalls einen Eindruck über den Charakter eines Menschen oder seine Beziehungen zulässt, weil doch das Leben so vielschichtiger ist, wie ein Album es glauben machen möchte.

Der deutsche Murakami

Ich bin mir noch nicht sicher, ob der Titel eine Beleidigung oder ein Lob ist, aber es gibt Parallelen zwischen den Erzählweisen. Wie auch Murakami verfolgt Dietmar Dath in „Dirac“ zwei Handlungsstränge, der sich ab einem bestimmten Punkt überschneiden. Nur muss ich vorausschicken, dass ich wirklich Probleme habe, das Konzept der Bücher von Dietmar Dath zu erfassen, weswegen ich irgendwann schon mal vorsichtig während des Lesens auf die letzten Seiten schiele, ob dort ein Nachwort auf mich wartet, dass mich über die Intention des Autors aufklärt. Wenn ich natürlich jetzt vorwegschicken würde, was sich Dietmar Dath bei „Dirac“ gedacht hat, wäre eine Rezension sinnlos.

Was mir an den Büchern (ist ja mittlerweile das 2. Buch, was ich von ihm gelesen hab) gefällt, ist die vertraute Fremdheit. Es spielt sich alles im Hier und Jetzt ab, aber trotzdem agieren die Charaktere befremdlich oder spielen in einer entfremdeten, aber realen Welt. „Dirac“ ist ein Buch über Diracs Leben bzw. handelt davon, wie es gerade geschrieben wird. Und selbst nach dem Nachwort bleibt eine Spur von Unwohlsein. Hab ich das Buch jetzt verstanden?

Tibetische Vision

Da mir während unseres Türkeiurlaubs der Lesestoff ausging, habe ich mich über „Der verlorene Horizont“ von James Hilton hergemacht. Bis zur Hälfte des Buches ist alles spannend und faszinierend, wie eine Gruppe von Menschen entführt wird, mitten im Himalaya notlandet und im Shangri La-Kloster landet. Dieser Name war mir so vertraut, dass ich bis gerade eben dachte, dass es dieses Kloster wirklich gibt und alles rings herum nur Fiktion ist. Nein, auch Shangri La ist eine Erfindung von James Hilton. Das spricht für die Güte des Buches bis zu der Stelle, wo ich stolperte und ab der ich das Buch nur noch gelangweilt zu Ende brachte.

Die Vision einer Stelle, die abgeschieden von der Welt ist und nur darauf wartet, entgegen jeglicher Dekadenz und Machtgelüsten auf eine Welt wartet, die mit Demut und Weisheit regiert werden möchte und gleichzeitig in einem begrenzten Rahmen alles Vorzüge bietet, ist schon sehr angenehm. Das dieses buddhistische Kloster von einem katholischen Mönch, der mehrere hundert Jahre alt ist, regiert wird, ruiniert das Buch vollends. Ansonsten hat mich das Buch komplett in seinen Bann gezogen, weil es trotz und wohl wegen seines Erscheinungsdatums (1933) ein utopischer Roman ist, der keine High-Tech-Waffen, Raumschiffe und außerirdische Zivilisationen benötigt.

Veronika beschließt zu sterben

Veronika beschließt zu sterben

Letztens beschlossen Kriszta und ich, nach Arbeit in die Stadt zu fahren, eine Kleinigkeit zu essen und anschließend ins Kino zu gehen. Und wenn man schon mal dort ist, gleich zwei Filme hintereinander zu genießen. Pflichtprogramm war auf jeden Fall Veronika beschließt zu sterben, nach einem Buch von Paul Coelho. Ich hatte das Buch bereits gelesen und war gespannt auf die filmische Umsetzung mit Sarah Michelle Gellar als Veronika. Danach folgte die Kür – Immer Drama mit Tamara, einer englischen Komödie.

Ich hatte das Buch von „Veronika beschließt zu sterben“ als sehr gefühlsintensiv in Erinnerung und war sehr skeptisch, wie die filmische Umsetzung gelungen war, zumal die Hauptrolle von Sarah Michelle Gellar gespielt wurde, welcher der ewige Ruf als „Teenage-Dämonen-Killerin“ nachhallt. Aber nachdem ich den Film gesehen hatte, musste ich meine Meinung ändern. Sie konnte mich in ihrer Rolle als gutaussehende Businessfrau überzeugen, wenn auch als nervlich angegriffene Insassin einer Nervenheilanstalt nicht so recht. Vielleicht deshalb empfand ich den Film emotional sehr flach. Ich hatte die Stellen mit den etwas ungewöhnlichen Methoden des Arztes bzw. die Beziehung mit dem wortkargen jungen Mann viel intensiver in Erinnerung, wie es im Film dargestellt wurde.

Genau kann ich mich nicht erinnern, aber meines Wissens litt Veronika nie wirklich an einem Herzleiden, wobei es im Film so dargestellt wurde, dass die Medikamente, welche eigentlich für ihren Nervenzustand gedacht waren, als Nebeneffekt die Heilung herbeigeführt haben. Sarah Michelle Gellar stellte zwar ihren Wunsch nach dem Tod sehr überzeugend dar, dafür blieb das Akzeptieren des aktuellen Zustandes, dass sie jeden Augenblick sterben kann und schließlich die Überzeugung, dass nichts zu verlieren hat und jeden Augenblick des Lebens genießen soll und muss, ohne dabei Scham zu empfinden, sehr zurück. Es wirkte mehr, als würde sie den Mann ganz nett finden, sie finden zueinander und hauen schließlich ab. Meiner Meinung nach ist der Film für diejenigen geeignet, die das Buch gelesen haben und den Inhalt mal wieder in Erinnerung rufen wollen oder für diejenigen, die vorhaben, das Buch zu lesen und einen groben Überblick über den Inhalt gewinnen wollen.

Immer Drama um Tamara

Immer Drama um Tamara

Bei Immer Drama um Tamara ging ich ohne Voreinstellung ran. Dass es sich um eine Comic-Verfilmung handelt, habe ich auch erst im Nachhinein erfahren. Der Plot ist schnell zusammengefasst: Hässliches Entlein wird schöner Schwan und kehrt an den Teich ihrer Jugend zurück und scheucht dort einiges im Unterholz auf. Es ist von viel schwarzem britischen Humor die Rede, aber gelacht habe ich dabei nur ganz selten. Vielleicht ist aus den schmalen Pfaden von „Grasgeflüster“ schon mittlerweile eine 6-spurige Autobahn geworden, über die man schnell hinweg ist. Wer nettes Popcorn-Kino will, wird hier allemal fündig. Vielleicht spricht schon der deutsche Titel für sich, wenn man weiß, dass das Original „Tamara Drewe“ hieß.

Genial sind allemal die beiden (und wahrscheinlich einzigen) Dorfteenies, die ihrem Idol hinterlaufen und somit dem Film die eine oder andere unerwartete Wendung geben. Etwas merkwürdig mutet der Rockstar an, der zwar optimal als Teenieidol geeignet ist, aber wo man sich ernsthaft fragen muss, ob eine Frau auf so eine Typen wirklich abfährt. Etwas weniger Make up und ein männlicherer Charakter hätten diesem androgynen Wesen mehr Glaubwürdigkeit eingehaucht. Das natürlich am Ende der Gute das Mädchen bekommt, war mehr dennoch als abzusehen.