Mit der Plattenkiste Dezember 2025 erscheint die letzte Ausgabe für dieses Jahr. Ich freue mich gerade mal wieder über den bunten Mix aus Stilen.
Außerhalb des Monats
Echospace Detroit hat in den letzten Wochen die Spendierhosen an. In aller Regelmäßigkeit werden EPs zu „Name your price“ freigeschaltet. D.h. Zahle soviel du möchtest. Leider gehen die Aktionen meistens nur 24 Stunden. Damit fällt es mir schwer, reinzuhören und zu beurteilen, ob ich das Werk angemessen finanziell würdigen soll. Also sacke ich es meistens gratis ein und höre es mir später an. Und die Bandbreite ist groß. Von Sets, die über 1,5 Stunden gehen, bis zu einzelnen EPs, die teilweise sehr housigen Charakter haben. Nicht alles gefällt mir, von daher lasse ich auch einen Teil wieder ziehen.
Ansonsten habe ich mich musikalisch mittlerweile gut arrangiert. Der Wegfall von Sonic Future macht sich positiv bemerkbar. Ich hatte über Weihnachten dann endlich auch mal wieder Zeit, die ganzen Podcasts zu hören, die sich seit August angesammelt haben.
Außerdem habe ich mal die Zeit genutzt, um wie jedes Jahr der Plattenkiste ein neues Design zu verpassen. Dabei behalte ich die Idee bei, die Platte des Monats mit in das Cover einfließen zu lassen. Neu wird sein, dass sich der Hintergrund und die Farbgebung thematisch ans Cover anpassen. Hier mal ein Beispiel.
Platte des Monats

Herbert + Momoko – Clay
Die Platte des Monats war einerseits überraschend, aber auch wieder nicht. Matthew Herbert, der jegliche Geräusche zu Musik verarbeitet, hat sich mit Momoko Gill zusammen getan. Er liefert die Musik, sie ihre Stimme. Ich sollte dazu noch vorweg schicken, dass ich nicht so viel von seiner Musik habe, aber von der Bodily Functions total begeistert bin.
Den Einwurf mit der Bodily Functions musste ich bringen, weil mich Clay doch in großen Teilen daran erinnert. Aber nicht nur vom Original her, sondern da ich auch die Remixe habe, diese stilistisch auch mit einfließen. Egal, ob die Beats nur sehr zaghaft sind oder tanzbar, Momokos Stimme schwebt darüber. Manchmal etwas zu hoch für meinen Geschmack, aber in weiten Teilen doch extrem schön.
Das Album ist aber schon im Mai erschienen und das war für mich die Überraschung. Ich pflege eigentlich immer die neusten Releases zu durchstöbern und der war mir doch offensichtlich durchgerutscht. Erst als ich auf Bandcamp die besten elektronischen Alben durchstöberte, blieb ich daran hängen und gab dem Album sofort einen Versuch, der sich gelohnt hat.

J.S.Zeiter – Context Collapse
J.S.Zeiter ist wie Altone jemand, der überall auftaucht. Und mit Context Collapse gleich ein komplettes Album auf Lempuyang. Jetzt bin ich ja ein großer Freund von Lempuyang und ihrer Idee eines deepen, entspannten Dub-Technos. Doch J.S.Zeiter wäre nicht er selbst, wenn er nicht für eine Überraschung gut ist. Statt mit tiefen Chords, schweben weiche, warme Pads um meine Ohren herum. Ist das nur die Einleitung, oder bleibt das Album so?
Ja, über weite Teile. Und das finde ich auch gut so. Natürlich kommt auch der Sound zum Tragen, den ich eigentlich von Lempuyang gewohnt bin. Aber das nur in wenigen Titeln. Der Großteil wird von diesem chilligen Gemisch aus Techno und House dominiert. Versucht sich Lempuyang neu auszurichten?

SND & RTN – Echo Ltd 013 EP
Als es mit der ECHO Ltd 001 begann, wollte ich eigentlich dran bleiben. Aber dann habe ich irgendwie den Faden verloren. Aber seit Brendon Moeller und seiner Veröffentlichung auf Echo Ltd, bin ich wieder auf der Spur. Deswegen kommt hier die Echo Ltd 013 EP von SND & RTN.
SND & RTN sind jetzt auch nicht unbekannt, denn mit Tales From The Outer Rim haben sie auch schon auf dem vorhin erwähnten Lempuyang Label veröffentlich. Also was hören wir hier? Richtig, jetzt kommen die erwarteten deep Dub-Chords. Und gerade The Mole als erster Titel ist so eingängig, dass er schon nach dem zweiten Hören wie ein alter Vertrauter klingt. Wie ein guter alter Fluxion.

Aural Imbalance – Fractional Spaces
Das neue Album von Aural Imbalance war Teil meiner letzten Bestellung bei Void Vinyl. Ich musste gar nicht reinhören, weil ich immer sehr sicher bin, dass ich von den Alben auf Spatial nicht enttäuscht werde. Außerdem ist Aural Imbalance eine sichere Bank. Das Cover von Fractional Spaces erinnert mich zu Teilen an meine Wolken, die ich mit Apophysis seinerzeit gerendert habe. Apophysis war ein Programm zu Erstellen von Fraktalgrafiken, was wieder gut zum Albumtitel passt.
Wenn ich „sichere Bank“ schreibe, dann schwingt das Pendel natürlich in zwei Richtungen. Auf der einen Seite weiß ich, dass mich wieder dieser wunderschöne, atmosphärische Drum & Bass erwartet. Aber auf der anderen Seite bin ich mir im Klaren darüber, dass es keine Überraschungen geben wird. Und nicht mehr und nicht weniger ist Fractional Spaces.

Wade Watts & Sir Rizio – Limitless Progression EP
Nach der oben beschriebenen Überraschung mit J.S.Zeiter komme ich jetzt zu einem Release, der schon etwas früher auf Lempuyang erschienen ist. Die Limitless Progress EP hing aber noch eine ganze Weile in der Pipeline. Hinter der Veröffentlichung stehen Wade Watts & Sir Rizio. Mit Lempuyang sollte der Weg eigentlich klar sein, die Frage ist nur, in welcher Ausprägung wir hier den Dub-Techno erleben?
Die Limitless Progression überzeugt mit schönen Bassläufen, genug Raum für die Dub-Chords und darin eingewebten Vocals, die als solche kaum noch erkennbar sind. Oder besser gesagt, die bleiben dezent im Hintergrund, da es sich ja hier nicht um klassischen Dub handelt.

ASC – Vanishing Point
Das Album Vanishing Point ist für mich ein bisschen wie ein Joker. Ich hatte zwar das Aural Imbalance Album bestellt, doch als ASC sein Album veröffentlichte, wollte ich natürlich auch das anhören. Nachdem ich dem Album so zwei bis drei Runden gegeben hatte, musste ich es mir ehrlich eingestehen. Es gefällt mir besser als das neue Album von Aural Imbalance.
Jetzt war es natürlich ein Pokerspiel, weil beide Alben gleichzeitig erschienen sind. Und die Veröffentlichungen von ASC auf Spatial haben mir zwar gefallen, aber meistens nicht so sehr, dass sie einen Kauf wert waren. Von den Alben mal abgesehen. Aber dass Vanishing Point doch so viel besser abschneidet, hätte ich jetzt nicht erwartet.
Aber warum gefällt mir das Album besser? Es kommt für mich wärmer herüber. Und beim Laufen der Breakbeat-Loops lässt ASC den Loop eher mal laufen, während Aural Imbalance ihn mehr zerlegt und damit ein höheres Level von Jungle an Bord hat.

XX – Celebrating 20 Years of Spearhead Records
Spearhead Compilations sind für mich schon fast ein Muss. Doch bei der XX musste ich arg zögern. Zum einen, weil Spearhead sich mit der Veröffentlichung bei mir extrem unbeliebt gemacht hat. Wie ich schon vor einigen Monaten schrieb, bringen sie jede Woche einen neuen Titel der Compilation heraus und nachdem jetzt alle Titel durch sind, kommt das Gesamtwerk. Mit der Strategie generieren sie die Clicks für ihre Compilation, weil jeder den neuen Titel hören will und damit kommt das Gesamtwerk letztlich auf eine ordentliche Anzahl von Clicks.
Und als ich mir das Gesamtwerk reingezogen habe, war ich auch nicht sonderlich angetan. Ja, es war schön, aber auch nicht gerade der Sprung nach vorn. Wieso komme ich dann trotzdem dazu, die Compilation hier aufzuführen, obwohl ich jetzt ordentlich abgehatet habe.
Alles ist nur eine Frage des Preises. Und wenn Spearhead um die Weihnachtszeit 50% Rabatt auf alle Releases verkündet und ich für fünf Pfund 30 Titel bekomme, muss ich nicht groß nachdenken. Zumal das Geld letztlich dort landet, wo es eigentlich hin sollte.

Lord Of The Isles – Signals Aligned
Das Album Signals Aligned war eine Empfehlung, die mir Tidal vorgeschlagen hat. Nicht alles was ich da zu hören bekomme, ist immer wert, durchzuhören. Aber bei dem neuen Album von Lord Of The Isles war ich dann doch schwer angetan. Ich weiß nicht, wie es am besten ausdrücken soll. Vielleicht sollte ich eine Analogie dazu finden.
Alben sind für mich Geschichten. Aber ihr Erzählfluss kann ganz unterschiedlich sein. Denken wir einfach an einen Soundprozessor. Da können wir Sawtooth, Square und Dreieck einstellen. Und genau so funktioniert auch Albenstruktur. Entweder wird das Level gleich von Anfang an hochgezogen und gehalten (Square) oder sanft abgesenkt (Sawtooth). Alternativ dazu kann ein Album auch auf einen Höhepunkt hinarbeiten und dann ausklingen (Dreieck).
Aber viele Prozessoren haben noch eine Funktion: White Noise. Du hast keine Ahnung, was dich als nächstes erwartet. Genau so fühlt sich Signals Aligned an. Kommt nach den einleitenden Ambient-Track gleich ein deeper Techno-Sound? Oder nur ein Füllstück mit einem Vocal aus einer Doku? Und genau das gefällt mir hier so. Es wirkt wahllos, aber trotzdem gehört alles zusammen und bildet ein tolles Gesamtbild. Nur mit knapp 40 Minuten ist das Album unglaublich schnell vorbei.

