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Plattenkiste November 2025

Jan 0
geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Wieder ein reich gefüllte Plattenkiste November 2025! Ich bin immer noch am Finetuning meiner Musikgewohnheiten, aber das mache ich jetzt schon seit 30 Jahren. Das Ziel heißt Veränderung!

Außerhalb des Monats

Wenn ich mir ansehe, wie viele Platten diesen Monat in der Sammlung dazu gekommen sind, wundert es mich nicht, dass ich mich jetzt endgültig entschlossen haben, die Reviews für die Promos aka Sonic Future an den Nagel zu hängen. Jeden zweiten Tag kommt eine neue Single. Im höchsten Fall ist mal ein Release mit zwei Titeln dabei. Das macht keinen Sinn für mich. Wenn sie Influencer erreichen wollen, die daraus ein Posting für Insta oder TikTok mache, gerne aber ohne mich. Ich höre gern Musik und schreibe gern.

Außerdem ist dieses regelmäßige Veröffentlichen von einzelnen Titeln auch nur eine Förderung des Spotify-Algorithmus. Oder die Agenturen versuchen nur die Releases als Promos anzuteasern, damit die Leute dann den ganzen Release kaufen. Können sie gern versuchen, aber in Zukunft ohne mich.

Anfangs fand ich die Vorstellung noch verlockend, Teil von etwas zu sein, die Musik hören dürfen, die noch nicht erschienen ist. Das war für mich wie eine Art Auszeichnung, ein Qualitätssiegel, dass meine Meinung wichtig sein könnte. Da nahm ich es auch in Kauf, dass die Musik, die ich da hörte, eher so mittelmäßig war. Aber hier und da kam mal ein Release von einem bekannten Label oder einem bekannten Künstler, also war das für mich in Ordnung.

Ich weiß nicht, ob sich die Promoter untereinander austauschen, aber die Agenturen wurden mehr und damit das Spektrum der Musik. Mit der Menge an Musik musste ich beginnen, einen Filter zu setzen und die Musik zu rezensieren, die mir wenigstens annähernd gefiel. Doch irgendwann erkannte ich, dass der Release von letzter Woche ziemlich ähnlich dem Release von dieser Woche klang. D.h. einen Signature-Sound für einzelnen Künstler gab es nicht mehr. Also musste ich hier nachregeln, dass ich nur noch Veröffentlichungen rezensierte, die irgendwie aus dem Schema ausbrachen.

Dann wurden die Titel weniger. Erst vier Titel auf einer EP, dann drei, dann zwei. Von einer EP konnte nicht mehr die Rede sein. Und Stand heute habe ich 10 Mails im Posteingang, mit neuen Singles von denen man die Hälfte nahtlos mixen könnte, ohne große Unterschiede zu merken. Also Zeit für mich, einen Schlussstrich unter das Thema zu machen.

Platte des Monats

Xenia Reaper - Nept Polarisation

Xenia Reaper – Nept Polarisation

Delsin macht eigentlich sehr selten etwas richtig falsch. Ein bisschen schade finde ich, dass sie ihren Spacefunk etwas verloren haben, aber war vielleicht nur ein Zeichen der Zeit. Und dann die ganzen neuen unbekannten Namen. Xenia Reaper zum Beispiel. Jetzt ich Nept Polarisation schon drei mal gehört und es entgleitet mir einfach. Ich kann mir einfach keinen Reim auf den Sound machen. Es schwebt irgendwie dahin, ist aber trotzdem hibbelig und verzerrt wie IDM in den 1990ern.

Neun Titel reichen eigentlich vollkommen für ein Album aus, aber es ist gefühlt noch nach einer halben Stunde vorbei. Und das kommt schon wirklich hin, denn auf 40 Minuten kommt das Album nicht. Eine interessante Position. Früher war das Album ja physisch begrenzt. Was an Rillen auf ein Vinyl ging, war ein Album. Als die CD kam, war 80 Minuten das Maximum. Aber seit dem digitalen Zeitalter gibt es diese Grenzen nicht mehr. Ein Album kann 30 Minuten, aber auch 5 Stunden lang sein. Hauptsache, es ist komplett und wirkt rund. Und Nept Polarisation schafft das.

Reeko - Cryptophony

Reeko – Cryptophony

Könnten wir diesem Stil endlich mal einen Namen geben? Ist es Tribal, Techno, Broken Beats, IDM? Ich könnte auch noch Dub aufzählen, denn Echos spielen auch eine ganz große Rolle. Reekos Album Cryptophony macht sich auf eine Reise zwischen Drums und Echos und sehr sparsam eingesetzten Sounds, wie z.B. einer leicht schnurpsigen 303.

Aber ansonsten… Es ist kein Techno, weil kein straighter Beat und der sparsame Einsatz von Synths lässt fast vermuten, dass man es Minimal nennen könnte. Aber für Minimal ist es zu dicht, zu viele Effekte verspinnen sich zu einem Soundteppich. Für Tribal fehlt ein klassischer Trommelsound. Und IDM? Für mich hat ein schroffer Beat und verspielte Melodien den Begriff geprägt. Aber beides ist hier nicht gegeben.

VC-118A - Avian

VC-118A – Avian

Zwei Zugänge von VC-118A diesen Monat, obwohl beide Releases ein paar Monate auseinander liegen. Die Avian ist ziemlich neu und erschien kürzlich auf Delsin Records. Also was werden wir hier hören – spacigen Electro? Ziemlich richtig!

Eigentlich klingt die EP so, als hätte Samuel van Dijk einfach seine Maschinen angeschaltet und sie laufen lassen. Wenn man sich aber selbst mal hingesetzt hat und genau das gemacht hat, wird man schnell merken, wie leer und monoton das Konstrukt wird. Also ist die Kunst daran, feine Schnipsel so einzustreuen, dass sie subtil bleiben aber den Track fundamental mittragen.

VC-118A - Back To Life

VC-118A – Back To Life

Back To Life ist ein Album, dass ich sehr sehr lange dieses Jahr in meiner Merkliste hatte. Es erschien irgendwann Anfang des Jahres. Entweder bei Bandcamp digital und als Vinyl oder nur als Vinyl. D.h. die Kombination gab es nur bei Bandcamp. Und da stand der digitale Release bei 14 Euro plus Steuern. Also schaute ich eher in Richtung Vinyl. Das gab es zumindest bei der Konkurrenz für knapp 30 Euro als Doppelalbum. Jetzt musste ich nur noch ein paar andere Vinyls finden, damit sich die Versandkosten lohnen. Delsin rief und ich folgte.

Jetzt braucht man für das Album eigentlich nicht wirklich zwei Vinyls. Mit neun Titel und eine durchschnittlichen Titellänge von 5 Minuten sind zwei Titel pro Seite schon fast etwas großzügig gerechnet. Aber eigentlich sollte ich mal was zur Musik schreiben, statt mich auf das Medium zu konzentrieren. Wer die Avian gehört hat, weiß was ihn auf der Back To Life erwartet. Der typische VC-118A Sound.

Mokira - Cliqhop

Mokira – Cliphop

Wie sollte man neue Lautsprecher testen? Irgendein Kracher mit möglichst vielen Bässen, denn Bässe sind die Schwachstellen der Boxen. Es sei denn, man legt sich gleich einen Subwoofer zu. Aber Glitch hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Als ich die Neuzugänge durchscrollte, blieb ich bei Cliphop hängen. Der Titel erinnerte mich zu sehr an Clickhop, die Mille Plateaux Compilation.

Jetzt ist Glitch nicht unbedingt meine Stilrichtung, die ich gern höre. Aber der Remaster von Mokiras Album hat mich überzeugt. Gefühlt lösten meine neuen Lautsprecher jedes Bit auf, um es knirschend und knacksend wiederzugeben. Und das so plastisch, dass ich das Gefühl habe, mitten in der Maschine zu stehen und dem Knuspern der Bits zuzuhören.

Bicep - Chroma 000

Bicep – Chroma 000

Das erste Album von Bicep hat mich wirklich umgehauen. Der Sound hatte etwas nostalgisches, aber gleichzeitig was modernes. Die Isles war dann nicht mehr zu ungewohnt, sondern eher die Bestätigung. Ich hatte mir die Bandcamp-Seite von Bicep abonniert und bekam mit, dass mit Chroma ein neues Label kommt und so folgte eine EP nach der anderen, aber kein neues Album.

Bis zur Ankündigung der Chroma 000. Wie wirkt das Album auf mich? Wie eine Compilation. Einzelstücke, Kollaborationen, ein wilder Mix aus Stilen. Da ich die EPs nicht verfolgt hatte, war ich überrascht, dass auch ein Benjamin Damage mit darin auftauchte. Jetzt kann man die Chroma 000 sehen wie man will. Während gefühlt die Szene der elektronischen Musik in Europa sich einem lähmenden Tod nähert, klingt das Album von Bicep so, als ob sie gerade erst angefangen hätten.

Chronicle - Fantasy Zone

Chronicle – Fantasy Zone

Ich finde die Entwicklung von Labels sehr interessant. Manche Labels kommen mit einem frischen Sound auf den Markt und passen ihn im Laufe der Zeit an, sodass dann irgendwann ein homogener Klang entsteht. Das hat natürlich den Nachteil, dass die Abwechslung verloren geht. Und den Vorteil für diejenigen, die genau diesen Sound mögen, dass sie ohne nachzudenken, einen neuen Release kaufen können.

Als ich Spatial entdeckte war ich von dem Sound angetan. Aber nicht jeder Release war gut. Aber mittlerweile hat sich so ein Klangbild herausgearbeitet, dass ich kaum noch widerstehen kann. Habe ich anfänglich alle Alben des Labels gekauft, bin ich jetzt schon fast bei jeder EP. Die Fantasy Zone ist jetzt die zweite EP von Chronicle in meiner Sammlung. Chronicle hat für mich eine starke Verbindung zum Sound von Good Looking und genau davon kann ich nicht genug bekommen.

Clark - Steep Stims

Clark – Steep Stims

Das erste Album Clarence Park von Chris Clark war einfach der Hammer. Es war wie Aphex Twin, nur besser. Als später das zweite Album kam, konnte ich kaum glauben, dass man es noch verbessern kann, doch es war anders und einfach gewaltig. Um so enttäuschter war ich von der Body Riddle. Irgendwo auf meinem Blog gibt es auch eine Rezension dazu, wo ich von Schunkel-IDM oder ähnlichem schreibe. Dann kam die Turning Dragon und die Techno-Phase und ich ließ Clark hinter mir.

Als jetzt die Steep Stims erschien, hörte ich mal wieder rein und war positiv überrascht. Das klang frisch, aber nicht so, als ob Clark jetzt bemüht wäre, alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Natürlich hat das Album noch einen 4/4-Faktor und es wirkt sehr auf Dance orientiert. Die Clarence Park hatte diese kleinen Stücke, die total verrückt waren und genau das taucht hier wieder auf, aber nicht mehr so abgefahren und in voller Titellänge.

JLM Productions - Theory Of Forms

JLM Productions – Theory Of Forms

Leicht und locker kommt die neue EP von JLM Productions durch meine Lautsprecher herausgeperlt. Drum & Bass mit einem Hauch Jungle und dazu Pads wie eine Sommerbrise. Mehr muss man zur Theory Of Forms eigentlich gar nicht sagen. Das einzige was mir immer durch den Sinn geht ist, dass es diese Musik nicht als EP geben sollte. Vier Tracks sind dann schon einfach zu wenig. Weil gerade wenn ich darin versunken bin, ist sie zu Ende. Deswegen warte ich schon sehnsüchtig auf ein neues JLM Productions Album.

Metrik - Awake

Metrik – Awake

Fünf Jahre nach dem Album Ex Machina erscheint nur endlich das neue Album von Metrik. Damals hat Metrik schon ordentlich für Energie gesorgt und daran ändert sich mit Awake nichts. Für sein Album hat er sich wieder Unterstützung dazu geholt. An erster Stelle wäre da natürlich Grafix zu erwähnen. Der Titeltrack wird von ÆON:MODE unterstützt und an dem von mir sehr geschätzten Hole haben Rou Reynolds und Filthy Pig mitgewirkt.

Erstaunlicherweise stand ich dem Album mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Vielleicht lag es daran, dass ich kürzlich einige Alben von Künstlern gehört hatte, die mich mit ihren neuen Werken nicht überzeugen konnten. Aber beim Reinhören war ich echt überrascht. Das ist ein Album, was vermutlich Live noch viel mehr rockt. Um den Drummer Michael Schack zu zitieren There is a lot of Rock and Metal in Drum & Bass. Und wenn es ein Album gibt, das ich da referenzieren würde, wäre Awake. Ruhige Momente sind auch drin, aber mit einem exzellenten Build up entlädt sich die Energie schlagartig.

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