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iPod mit Classic Connect von moonlit.market

Jan 0
geschätzte Lesedauer: 9 Minuten

Ich bekomme immer wieder Anfragen für meine iPod-Umbauten, ob ich auch einen iPod mit Bluetooth anbiete. Das verneine ich in aller Regelmäßigkeit mit Hinweis auf meine FAQ. Trotzdem hat mich der Classic Connect von moonlit.market schon immer interessiert und ich wollte ihn ausprobieren.

Der Classic Connect von moonlit.market

Werfen wir mal einen Blick auf die Feature-Liste des Classic Connect 2, die bei einem originalen iPod classic fehlen.

  • Bluetooth
  • Induktives Laden
  • USB-C-Anschluss
  • Haptisches Feedback

Das klingt schon beeindruckend. Die Idee mit dem induktiven Laden habe ich auch schon mal im Selbstversuch ausprobiert. Das ist aber kläglich gescheitert, vermutlich weil ich bei meiner Schaltung nicht berücksichtigt habe, dass der iPod den ankommenden Strom misst. Und wenn eine von beiden Quellen fehlt, dann geht er gar nicht an. Deswegen hat das Laden des Akkus selbst funktioniert, aber vermutlich in Kombination mit dem iPod nicht. Aber ich schweife ab.

Wohl wissend, dass der Classic Connect auch wieder aus Großbritannien kommt und deswegen Steuern fällig werden, habe ich ihn bestellt. Gleich das Komplettpaket mit dem imcort Adapter, der eine kleine Ausgabe des iFlash mit zwei Micro-SD-Karten-Einschüben ist. Das war zwischen Black Friday und Weihnachten, weswegen sich die ganze Lieferung noch mehr verzögert hat. Tagelang lag das Zollgeld passend auf meinem Schreibtisch. Ausgerechnet an dem Tag, wo die Lieferung kam, war ich nicht zuhause.

Der Classic Connect 2 von moonlit.market und der imCort Adapter
Links der Classic Connect 2 im Auslieferungszustand und rechts der imCort Adapter

Da ich auf dem Dorf lebe, darf ich dann 20km fahren, um das Paket dann freizukaufen. Aber dann funktioniert auch Kartenzahlung. Neugierig habe ich alles ausgepackt. Nur eins fehlte – der imcort Adapter. Auf meine Beschwerde reagierte der Kundenservice schnell reagiert und Anfang des nächsten Jahres kam er dann an.

Der Umbau

Ich begann mein übliches Programm. iPod öffnen und Festplatte entfernen. Den Akku samt Rückseite brauchte ich nicht mehr, weil ich die Rückseite durch den Classic Connect ersetze. Also sollte doch alles ziemlich einfach und selbsterklärend zu erledigen sein, oder?

Stolperfalle imCort Adapter

Der imCort Adapter hat mich gleich an mehreren Stellen zur Verzweiflung gebracht. Es gibt mehrere Möglichkeiten eine SD-Karte einzusetzen. Der iFlash nutzt einfach einen Einschub, wo die SD-Karte sicher sitzt. Bei vielen Geräten hat man auch eine Aussparung, wo die SD-Karte wie eine SIM eingelegt wird und dann ins Gerät geschoben wird. Und die dritte Möglichkeit wäre die Funktion wie ein Taster, wo die Karte eingeschoben wird und dann einrastet und durch nochmaligen Druck wie ein Schalter wieder herauskommt.

Der imCort Adapter macht es ganz anders. Hier wird die Karte in eine passende Form eingelegt. Danach muss eine Metallhalterung zugeklappt und verschoben werden. Bringt viel Spaß mit sich, weil die Kontakte natürlich die Karte nach oben drücken und die SD-Karte damit immer etwas quer liegt. Aber das braucht nur etwas Geschick und Geduld.

Angeschlossener imCort Adapter mit zwei SD-Karten in einem iPod
Der Anschluss des imCort Adapters war noch das kleinste Problem.

Es ist Zeit, den imCort Adapter an den iPod anzuschließen. Also die Sperre öffnen, imCort Adapter einsetzen, dann schließen und nun… Moment, warum rutscht das Kabel wieder raus? Ich nehme den Adapter unter die Lupe. Die Sperre schließt richtig, es gibt keinen anderen Einschub, also muss es ja gehen. Es folgten weitere ergebnislose Versuche.

Nach ca. 5 Minuten ergebnislosem Probieren, wollte ich ein anderes Anschlusskabel ausprobieren. Dabei fiel mir auf, dass der imCort Adapter mit seinem eigenen Anschlusskabel kommt. Das ist jetzt nicht wahr, oder? Ganz genau! Das Kabel vom imCort Adapter ist etwas dicker wie das Kabel vom iPod und deswegen hält die Sperre das Kabel nicht. Ein Hoch auf Standards!

Der Ärger mit dem Batteriekabel

Jetzt wollte ich den Classic Connect an den iPod anschließen. Dabei fiel mir auf, dass das Batteriekabel extrem locker in seiner Halterung sitzt. Also gut, dann mache ich das extrem vorsichtig. Alles angeschlossen, der iPod stellt sich tot. Vielleicht ist ja der Akku leer und ich muss ihn nur aufladen. Demzufolge schließe ich den iPod ans Ladekabel an und warte ein paar Minuten. Zumindest zeigt er mir jetzt an, dass die Batterie fast leer ist.

Classic Connect 2 und iPod werden miteinander verbunden
Hier ahnt man schon, wie locker das Batteriekabel sitzt

Ich warte eine halbe Stunde, dann starte ich einen neuen Versuch. Der iPod bleibt tot. Habe ich was falsch gemacht? Ich schließe einen zweiten Akku an den zweiten Batterieanschluss an. Sofort springen Bluetooth und der iPod an. Also muss es entweder am Akku oder am Kabel hängen. Oder doch am Anschluss? Ich probiere den USB-C-Anschluss aus, keine Reaktion. Also muss ich eine Anleitung bei moonlit.market finden. Es gibt nur ein Video – die „10 Minuten“-Anleitung.

Laut Anleitungsvideo soll das Batteriekabel mit doppelseitigem Klebeband auf dem Akku aufgeklebt werden. Ich frage mich, warum moonlit da nicht mehr Wert auf Qualität legt? Oder wenigstens die benötigten Klebestreifen beilegt. Dass das Board für das induktive Laden variabel bleibt, verstehe ich ja noch. Aber im Anleitungsvideo sind die blanken Kupferleitungen für das Induktionsladen miteinander verdreht. Wie soll das funktionieren? Wie ihr merkt, bin ich mittlerweile richtig sauer.

Das Batteriekabel im Classic Connect wird mit einem Klebestreifen gesichert
Das Batteriekabel im Classic Connect wird mit einem Klebestreifen gesichert

Nachdem ich alles wie im Video gemacht habe, rührt sich der iPod trotzdem nicht. Nach ungefähr 3 Versuchen das Batteriekabel zu setzen und zu lösen, funktioniert es endlich. Ich schließe den iPod über den 30-Pin-Port an und lasse ihn laden. Sofort wacht der iPod auf und meldet, dass er geladen wird. Was ich nicht sehe bzw. auch nicht weiß ist, ob der USB-C-Port überhaupt zum Laden funktioniert.

Trotzdem habe ich im Video einen Punkt gesehen, der mir die Haare zu Berge stehen lässt. Er wird nur ganz kurz erwähnt. Ganz beiläufig, findet aber in den Kommentaren ausreichend Würdigung: Von der Front muss eine Halterung weggefräst werden.

Handwerkerarbeiten

Nicht nur, dass der Classic Connect den bereits existierenden Mechanismus zum Halten von Vorder- und Rückseite komplett ignoriert, erfährt man im „10 Minuten“ Anleitungsvideo, dass man von der Front die obere Halterung des Gehäuses entfernen darf. Zum Glück habe ich mich für einen 5er iPod entschieden, wo die Oberseite aus Plastik ist.

Bild von der Innenseite eines iPods, wo man die Halterung des Oberteils erkennt
Diese Halterung am oberen Ende muss entfernt werden.

Installation

Irgendwann war ich dann auch an dem Punkt, wo ich den iPod endlich mal initialisieren konnte. Wenigstens das lief wie gewohnt. Ein bisschen Sorgen hatte ich wegen dem imCort Adapter. Als ich mich in der Vergangenheit damit beschäftigt habe, lass ich, dass er nur Speicherkarten bis maximal 256GB unterstützt. Das scheint der Vergangenheit anzugehören, denn meine 2 x 512GB wurden anstandslos akzeptiert.

Up & Running

Also der iPod ist endlich initialisiert und mit meiner Datenbank synchronisiert. Jetzt interessieren mich zwei Kriterien. Wie gut funktioniert die Kopplung mit meinem Bluetooth-Kopfhörer? Und wie lange hält der Akku mit aktiviertem Bluetooth? Letztlich habe ich keine Angaben gefunden, welche Kapazität der Akku hat, d.h. ich gehe von der Größe aus und die suggeriert, dass hier schon nach wenigen Stunden Schluss ist. Aber da will ich Tatsachen haben, bevor ich spekuliere.

Beginnen wir mit der Kopplung. Ich schalte meine Kopfhörer ein, bringe sie in Kopplungsmodus. Danach den iPod einschalten. Die LED vom Classic Connect beginnt zu blinken, d.h. er ist bereit, sich mit einem Gerät in der Nähe zu verbinden. Kurz darauf hört das Blinken auf und es leuchtet konstant. Ich schalte die Musik ein, aber ich höre nichts. Also mal schnell die Lautstärke am iPod hochdrehen. Erst als ich auf voller Leistung bin, höre ich was.

Ansicht des iPod mit Classic Connect von oben. Die LED für die Bluetoothverbindung leuchtet
Bluetooth ist an: blau, bereit zum Verbindung: Weiß blinkt

Warum ist das so? Vergleichen wir mal die Kopplung zwischen Smartphone und Bluetooth-Kopfhörer. Mache ich am Kopfhörer leise, sehe ich auch, wie sich der Lautstärkeregler am Smartphone bewegt. Ohne mich mit dem Protokoll auszukennen, vermute ich, dass die Lautstärke Bestandteil der übertragenen Information ist. Jetzt gehen wir in die Audioübertragung im iPod. Der DAC wandelt die Daten in ein Audiosignal um und verpasst ihm die Lautstärke. Über das Flachbandkabel, an das der Classic Connect angeschlossen ist, kommt schon das analoge Audiosignal. D.h. die Daten, die jetzt beim Bluetooth-Sender ankommen, enthalten keine Informationen über die Lautstärke. Der Bluetooth-Sender setzt sie jetzt wieder in ein digitales Signal um und schickt sie an den Kopfhörer.

Was passiert also im Classic Connect? Der DAC wandelt ein Digitalsignal in ein analoges Signal um, der Bluetooth-Sender digitalisiert es wieder. Geht auch nicht anders, es sei denn man lötet sich direkt vor den DAC. Deswegen wäre hier der Kokkia Bluetooth-Adapter auch hier die bessere Lösung, da er direkt das Line-In-Signal abgreift.

Nächster Test wäre die Reichweite des Signals. Wenn ich mit meinem Kopfhörer während einer Besprechung in die Küche gehe, während der Laptop im Büro stehen bleibt, höre ich noch problemlos alles. Also bleibt der iPod im Büro liegen und ich gehe in die Küche. Da sind so ca. 8 Meter Entfernung mit Wänden dazwischen. Das Signal bleibt stabil, ich höre keine Aussetzer.

iPod classic 5. Generation mit Classic Connect 2
Ich hatte mit Absicht die 5. Generation gewählt, weil das optisch besser zusammen passt

Also ließ ich den iPod mit aktiviertem Bluetooth und einer Box laufen. Das Gute ist schon mal, dass er nach einer gewissen Zeit das Bluetooth abschaltet, sollte die Verbindung verloren gehen. Oder zumindest die Verbindung wird gekappt, denn schalte ich die Box wieder ein, verbindet sich der iPod sofort wieder. Nach ziemlich genau 9 Stunden geht der iPod aus. Ohne aktiviertes Bluetooth hält der iPod natürlich wesentlich länger durch, aber den Wert ermittle ich gerade noch.

Zusammenbau

Was immer wieder ärgerlich war, war die Position der Kabel. Zum Beispiel ging aus unerfindlichen Gründen die Sperrtaste nicht. Ich muss am Classic Connect alle Kabel abziehen und neu setzen und dann ging es plötzlich wieder. Dafür ging das haptische Feedback und das Klickern nicht. Also wieder alles getrennt und wieder verbunden. Ich glaube, nach dem fünften Versuch hatte ich alle Funktionen dann lauffähig. Und dann musste ich nur noch beide Hälften miteinander verkleben. Und dabei ja nicht zu sehr an den Kabeln ziehen!

Da das Gerät ja zum Verkauf steht, bekam ich auch die Nachfrage, ob der USB-C-Anschluss auch zum Kopieren von Dateien geeignet ist. Ich ging gedanklich die Schaltung durch und kam zum Schluss – Nein, kann sie gar nicht. Also schaute ich auf der Seite von moonlit.market nach. Nein, geht nicht! Es sei denn man verlötet ein paar Kabel auf dem Classic Connect Board mit dem 30-Pin-Anschluss auf der Hauptplatine. Wer die schon einmal gesehen hat weiß, dass kein Amateur sich das zutrauen würde.

Kosten

Werfen wir einen Blick auf die Kosten. Wie ich schon unterschwellig angedeutet habe, wird das eines der teuersten Projekte, die ich umgesetzt habe.

TeilKosten
iPod classic 5.575,00 Euro
Classic Connect 2 inkl. imCort Adapter170,92 Euro
Zoll & Bearbeitungskosten DHL42,03 Euro
2 x 512GB Samsung Evo Plus SD-Karten71,00 Euro
Schwarze Front inkl. Clickwheel17,02 Euro
Gesamtsumme375,97 Euro

Fazit

Die Webseite und das gesamte Auftreten von moonlit.market vermitteln ein hochwertiges Produkt. Schon allein, dass eine Bestellung mit zwei Teilen dazu führte, dass ein Teil komplett vergessen wurde, hinterließ bei mir keinen guten Eindruck. Dagegen steht, dass die Reaktion schnell kam und ohne große Diskussion umgesetzt wurde.

Als ich den Classic Connect dann in den Händen hielt, merkte ich sehr schnell, dass hier auch nur mit Wasser gekocht wird. Der Anschluss für das induktive Laden ist genau das gleiche, was ich für mein Experiment bestellt hatte. Ich glaube, das waren zwei Stück inklusive Versand für $15. Ich will jetzt keinen Breakdown machen, es würde mich vermutlich nur noch mehr frustrieren.

Die Kabel für drahtloses Laden müssen extra gesichert werden.
Die Kabel für drahtloses Laden müssen extra gesichert werden.

Wenn ich den imCort Adapter mal außer Betracht lasse, da er nicht von moonlit.market entwickelt wird, hinterlässt das Produkt bei mir einen grottenschlechten Eindruck in Sachen Preis-Leistungsverhältnis. Die Anschlüsse halten nicht und müssen extra gesichert werden? Und da der iPod natürlich nichts von seiner extra Funktionalität weiß, ist es extrem schwierig herauszufinden, was gerade nicht geht. Ich würde es vorziehen, dass hier mehr auf Qualität Wert gelegt wird, statt auf alle Teile ihr Logo zu drucken.

Vergleiche ich die Kosten, die ich durch den Einsatz mit einem iFlash und einem Akku erreiche, erscheint mir der Classic Connect hoffnungslos überteuert. Denn der iFlash und der Akku passen sich beide den Gegebenheiten an. Wenn ich das bestehende Gehäuse modifizieren muss und Kleber zum Einsatz kommt, damit das Produkt angemessen funktioniert, wurde hier alles andere als nachhaltig gearbeitet.

Ich wollte eigentlich ein Video über den kompletten Umbau machen, habe es aber nach 15 Minuten gestoppt, als ich am imCort Adapter verzweifelt bin. Vielleicht hätte ich es laufen lassen sollen, damit moonlit.market mal sieht, wie lange die „10 Minuten“ Installation im realen Leben dauert. In Summe sind es mehr als vier Stunden gewesen, die ich gebraucht habe, um die Produktfehler alle zu umgehen.

Deswegen würde ich so ein Projekt nur jemandem empfehlen, der nicht ohne Bluetooth auskommen will und bei dem Geld und Zeit keine, oder nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Du beschäftigst dich auch mit iPods und hast Fragen dazu? Dann schau doch mal in die FAQ, vielleicht wird deine Frage dort beantwortet. Oder möchtest du deinen iPod auch umbauen? Für diesen Fall gibt es eine Anleitung, wie ich immer iPods öffne. Wenn Du möchtest, kann ich Deinen iPod für dich umbauen. Dazu habe ich einen Artikel geschrieben, der alles transparent erläutert. In diesem Beitrag findest du weitere ausgewählte Referenzprojekte wie dieses. Oder suchst du einen fertig konfigurierten iPod? Dann biete ich einige von meinen Umbauten an. Für alle weiterführenden Fragen kannst du gern Kontakt per Mail zu mir aufnehmen, die Adresse findest du im Impressum. Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich dich bitten, woher den Verhaltenskodex durchzulesen.

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